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Full text of "Griechische und lateinische Sprachwissenschaft. Bearb. von Karl Brugmann [et al.]"

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HANDBUCH 

DER 

KLASSISCHEN 



ALIERTUMS-WISSENSCHAPT' 

in systematischer Darstellung 

mit besonderer Rücksicht auf Geschichte und Methodik der einzelnen 

Disziplinen. 



In Verbindung mit Gymn.-Rektor Dr. Autenrieth (Nürnberg), Prof. Dr. 
Ad. Bauer (Graz), Prof. Dr. Blass (Kiel), Prof. Dr. Brugmann (Leipzig), 
Prof. Dr. Busolt (Kiel), Prof. Dr. v. Christ (München), Prof. Dr. Flasch 
(Erlangen), Prof. Dr. Gleditsch (Berlin), Prof. Dr. Günther (München), 
Prof. Dr. Heerdeg-en (Erlangen), Oberl. Dr. Hinrichs f (Berlin), Prof. 
Dr. Hommel (München), Prof. Dr. Hübner (Berlin), Prof. Dr. Jul. Jung" 
(Prag), Priv.-Doz. Dr. Krumbacher (München), Dr. Lolling (Athen), Prof. 
I)r. Niese (Marburg), Prof. Dr. Nissen (Bonn), Priv.-Doz. Dr. Öhmichen 
(München), Prof. Dr. Pöhlmann (Erlangen), Prof. Dr. 0. Richter (Berlin), 
Prof. Dr. Schanz (Würzburg), Geh. Oberschulrat Prof. Dr. Schiller (Giessen), 
Gymn.-Dir. Schmalz (Tauberbischofsheim), Oberlehrer Dr. F. Stengel 
(Berlin), Professor Dr. Stolz (Innsbruck), Prof. Dr. üng'er (Würzburg), 
Geheimrat Dr. v. Urlichs t( Würzburg), Dr. Adolf Voigrt (Göttingen), Prof. 
Dr. Moritz Voigt (Leipzig), Gymn.-Dir. Dr. Volkmann (Jauer), Dr. Weil 
(Berlin), Prof. Dr. Windelband (Strassburg), Prof. Dr. Wissowa (Marburg) 

herausgegeben von 

Dr. Iwan von Müller, 

ord. Prof. der klassischen Philologie in Erlangen. 



Zweiter Band. 

Griechische und lateinische Sprachwissenschaft. 



Zweite nenbearbeitete Auflage. 



MÜNCHEN 1890. 
C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG (OSKAR BECK). 

(Schwabiug, Wilhelmstrasse 9.) 



'p 



GRIECHISCHE USB LATEINISCHE 



SPRACHWISSENSCHAFT. 



Bearbeitet 




Dp. Karl Brugrmann, Dr. G. Autenrieth, 

ird. Profcs-sf-r der indoKormanischou Sprachwissenschaft Gymnasial-Rcktor zu XüniberK, 

zu Leipzig, 

Dr. Friedrich Stolz, Dr. F. Heerdegen, 

oni. Pr<>f<?s.s<)r der vorgleicheudon Sprachwissenschaft aord. Professor an der l'nivor.sität Krlan^c 



zu Innsbruck, 

J. G. Schmalz, 

Gymuasial-Direktor zu TaiiberbischoCsheini, 



Dr. Richard Volkmann, 

Gymnasial-Diroktor zu Jamr, 



und 



Hugo Gleditsch, 

Profejwor und Oberlehrer am Wilhelnis-Oyninasium zu Berlin. 



Zweite iieiibearbeitete Auflage 





MÜNCHEN 1890. 
11 BECKSQHE VEKLAOSHUCHHANDLUNO (OSKAH HK(^K). 



(8cbwablu«. WlUiPliiwtrawM' {).) 



Alle Rechte vorbehalten. 



ßCfV 



C. H. Beck'sche Bxichdruckerei in Nördlingeil. 



Vorrede zur zweiten Auflage des zweiten Bandes. 



Der Wunsch, dem wir in der Vorrede zur ersteh Auflage dieses 
Bandes Ausdruck gaben, ist über Erwarten rascli in Erfüllung ge- 
gangen: Der Teil, mit dem wir unser Unternehmen eröffneten, fand 
eine so günstige Aufnahme, dass nach kaum vier Jahren eine neue 
Auflage nötig wurde. Ist auch in derselben Plan und Anlage des 
Ganzen sowie die Methode der Darstellung in den einzelnen Wissen- 
schaften unverändert geblieben, so weist doch die Neubearbeitung 
nicht unerhebliche Unterschiede der ersten Bearbeitung gegenüber auf. 
WV)rin diese in der Griechischen Grammatik bestehen, darüber 
gibt der verehrte Herr Bearbeiter derselben in seinen „Vorbemer- 
kungen" die nötigen rechtfertigenden Fingerzeige. Wie aber hier, so 
zeigt sich auch in den übrigen Wissenschaften, die in diesem 
l^andc vorgefülirt werden, mit der gründlichen Sichtung und Durch- 
arbeitung des bisher Gegebenen eine mehr oder minder bc^trächtliche 
Erweiterung des Stoffes verbunden, die Niemand auffallend flnden 
wird, der da weiss, wie rasch die Litteratur im Anwachsen begriffen 
ist, und dass ijir gegenüber um so mehr Stellung genommen worden 
muss als es im Zweck unseres Handbuchs liegt ein l^ihl von dem 
jeweiligen Stand einer Wissenschaft zu geben. 

Den Benutzern der neuen Auttage werden die Hcgj.stii * .... 
nicht unwillkommene Zugabe sein; die Ausführliclikeit derselben be- 
darf \r»r Kundigen keiner Rechtfertigung, da e^ sich hier mu <inc 
ausserordentliche Menge sprachwiss(M]schaftlichcr Einzelheit<Mi handelt, 
deren sicheres Auffinden nur durch sorgfältigst nngel<»gte alphabetische 
Verzeichnisse ennöglicht wird. Vwv die Besitzer iler erst.n Anfinge 



IV Vorrede zur zweiten Auflage des zweiten Bandes. 

steht das Generalregister, an dem sclion jetzt gearbeitet wird, in 
sicherer Anssiclit. 

So möge denn das Buch aucli in seinem neuen Gewände einer 
freundliclien Aufnalime sich erfreuen nnd viele neue Leser gewinnen, 
zur Belehrung, aber auch zur Anregung, auf dem nnermesslichen 
sprachwissenschaftlichen Gebiet, das den Gegenstand desselben bildet, 
mitzuforschen und mitzuarbeiten, worin die beste Kritik desselben 
besteht. 

Erlangen, im Dezember 1889. 

I. M. 



i 



Spezielles Inhaltsyerzeichnis 

von Band IL 



Seite 

A. Griechische Grammatik, bearbeitet von Prof. Dr. K. Brugmann. 

Vorbemerkungen ............ 3 

a) Einleitung iu die griechische Grammatik. 

Geschichtliches und Begriffliches (§1) . . 5 

Methodologisches zur Lautlehre und zur Syntax (§2) 9 

Die Stellung des Griechischen im Kreise der idg. Sprachen und die griechi- 
schen Mundarten (§3) 1<> 

b) Griechische Lautlehre. 

1. Aussprache der Buchstaben (§4) 22 

2. Voicale, Nasale und Liquidae (§5-30). 

Der uridg. Lautstand nebst phonetischen Erläuterungen .... 2^> 

Idg. Vokale als Sonanten (§ 6 /, 7, § 7 m, ü, § 8 c, ^, § 9 o, ö, § 10 a, ö, § 11 a) 24 

Idg. Vokale als Konsonanten (§ 12 i, § 13 t^) 28 

Diphthonge und andere Vokalverbindungen (§ 14 (Diphthonge im allgemeinen, 
§ 15 Diphth. mit kurzem ensten Komponenten, § 1(5 Diphth. mit langem 
ersten Komponenten, § 17 Kontraktion, § 18 und § 19 Sonstige Modifi- 
kationen der Qualität und Quantität: i und ei vor Vok. = e- f -m- *" 
Vokalverkürzung vor Vok.; quantitative Metathesis). . 3Ii 

Idg. Nasale als Konsonanten (§20) 39 

Idg. Na.salo als Sonanten (§ 21) . 40 

Idg. Liquidae als Konsonanten (§ 22) .... 42 

Idg. Liquidae als Sonanten (§ 23) ..... 42 

.'\hlaut (§ 24-25^ 44 

Vokalvirkür/ung vor jt. t*, Nas., Liqu. f Konson. (§ 26) 47 

Kin Wirkung von Nasalen und Liquiden auf die Qualität benachbarter VokaloiS 27) 48 

TrotheHo vor i« (/), Na«, und Liqu. und .\naptyxi8 (§ 28—29) ... 48 

Die I^utgruppen mr, ml, nr, ni, ri. h "tfi H*» '«' ^ö 

'.. VerschluHHlauto (§31—43). 
Artikulationnart der VcrHchluMlaute (§31 Allgomoines, § 32 Tcmios und I 
nueM iiKpiratAe, § :{3 Modiao, §34 Dio urgriochischon Tenutw aapinttM' > 50 

ArtikuIntionMHtollc der VorHchliiMHiauto (§ 35) .... ^^ 

Vorbindungen von Vorachlujwjlauton mit Vomchlusslauten {% 80 irr iii »«m.^, 

at in ürutotoc 7.u ntafofuti ; ^ff in inXix^i,y; dial. •rr- «a -irr-, •«f«) W 

Verbindungen von VorechUiNMlnuton mit Vokalen. Nasalen und Liquiden 
(ft :n tii nun ri, § :W urgrioch. tonloHo (Jutturalo und DonUlo -f i, §3» 
Übergang von iiokundArom a in h und (>, § 40 pi, | 41 urgricch. tönende 



VI 



Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. 



Gutturale und Dentale -|- j, § 42 Verschlusslaute -j- ?^, § 43 -gn, -gm-, 
•f9gni-, -hn-, -pm-, -hm-, -phm-, pamph. -{v)^- aus -vx-, -AX- aus -cTA-, dor. 
•vt-i -vS- aus -Ar-, -A^-) 

4. Spiranten (§44-52). 

Tonloses und tönendes a (§ 44) 

Idg. s (§ 45) 

Idg. M§ 46) • 

Unursprüngliches tr (§ 47) 

Verbindungen von a mit Verschlusslauten (§48) 

Idg. j (§ 49) 

Spiritus lenis und asper (§ 50—51) 

Zeta (§52) 

5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel (§53—65). 

Prothese vor Verschlusslauten und vor ff (§ 53) • . 

Epenthese (§54) 

„Ersatzdehnung" und Verwandtes (§ 55 Vok. + va, § 56 Vok. -|- vv, fj,fi, qq, 
n, § 57 Vok. -f Pf, Qf, Ip und -lyv-, § 58 Qualität der durch Ersatz- 
dehnung entstandenen Vokallängen) ....... 

Erleichterung dreifacher Konsonanz (§59) 

Dissimilation (§60 v-v, A- A, (>—(), Hauchdissimilation, Dissimilation zweier 
Tenues oder Mediae, § 61 Syllabische Dissim.) 

Lautversetzung (§62) 

Auslaut und Anlaut (§ 63 Allgemeines, § 64 Auslaut, § 65 Anlaut) 

6. Betonung (§66 Allgemeines, § 67 Wortaccent, Dreisilbengesetz, Störungen 
der Betonung durch Analogiewirkung, § 68 Lesb. und dor, Betonung) 

c) Griechische Flexionslehre. 

1. Vorbemerkungen (§69) 

2. Nominal- und Pronominalflexion. 
Die nominalen Stammklassen. 

1. Nomina mit stammbildenden Suffixen. 

A. Suffixe auf Vokale. 

I. Suffixe auf -o und -ö, (§ 70: 1. -o- -«-, 2. -io- -iß-, 3. -?^o, -uä-, 
4. -no- -nä; -ono-, 5. -ino- -inä- und -tno- -tnä-, 6. -avpo- -avvä-, 
7. -meno- menä-, 8. -mo- -mä-, 9. -ro- -rä-, 10. -ero- -erä- und 
-tero- -terä-, 11. -lo- -lä-, 12. -dhro- -dhrä-, -dhlo- -dhlä-, IS. -hho 
-hhä-, 14. -to- -tä-, 15. -%o- -M- und -qo- -qä-, 16. -sJco- -sJcä-) 
11. Suffixe auf -i (§ 70«: 1. -^-, 2. -m-, 3. -mi-, 4. -n-, 5. -ti-) 
m. Suffixe auf -u (§ 70^: 1. -u-, 2. -iu, 3. -nu-, 4. -ru-, 5. -tu-) 
IV. Suffix -l- ie- (§ 70^) und mehrsilbige Stämme auf -i- 

-m- (§ 70^) 

B. Suffixe auf -r, (§ 71: 1. -en-, 2. -ien-, 3. -y^en-, 4. -men- 

C. Suffixe auf -r (§ 71^: 1. nom. acc. neutr. auf -kq -chq, 2 
-ter-) 

D. Suffixe auf -t (§ 72: 1. -^, 2. -tat-, 3. -nt-, 4. -yent-) 

E. Suffix -d- (§ 72*^) 

F. Die Suffixe -X- und ->/- (§72^) .... 

G. Suffixe auf -s (§73: 1. -es-, 2. -9s-, 3. -{es-, 4. -ues-) 

2. Nomina ohne stammbildende Suffixe (§ 74) 
Die einzelnen Nominalkasus. 



*i, -ü 



Nom. sg. masc. fem. (§ 75) 
Voc. sg. masc. fem. C§ 76) 
Acc. sg. masc. fem. (§ 77) 
Nom. acc. sg. neutr. (§ 78) 
Gen. sg. (§ 79) . 
Abi. sg. (§ 80) . . . 
Dat. sg. (§ 81) 



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Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. 



VII 



Loc. sg. {§ 82) 
Instr. sg. (§ 83) 
Nom. acc. du. (§ 84) . 
Gen. dat. du. (§ 85) . 
Nom. pl. masc. fem. (§ 86) 
Acc. pl. masc. fem. (§ 87) 
Nom. acc. pl. neutr. (§ 88) 
Gen. pl. (§ 89) . 
Loc. pl. (§ 90) . 
Instr. pl. (§91) 
Suffix -<fi(y) (§ 92) . 
Die pronominale Flexion. 

Die geschlechtigen Pronomina (§ 93 Allgemeines, § 94 o- und ä-Stämme 

§ 95 andere Stämme) .......... 

Die Personalpronomina (§ 96 Die Pron. der 1. und 2. Person, § 97 Re- 

flexivum, § 98 Possessiva) 

3. Anhang. 

a. Komparationsformen (§ 99- 100) 

b. Zahlwörter (§101) 

c. Nominalkomposition (Form und Bedeutung). 

Form der Zusammensetzung (§ 102 Allgemeines, Einteilung der Komposita 
nach der Form, § 103 Die vier Kompositionsklassen, § 104 Die Form 
der zusammengesetzten Personennamen) 

Bedeutung der Zusammensetzung (§ 105) 

4. Verbalflexion. 

Personalendungen (§ 106 Allgemeines, § 107 Aktivendungen, § 108 Medial- 
endungen) 

Augment (§ 109) 

Bildung der Tempusstämme. 

Präsens (und starker Aorist) (§ 110 Allgemeines) 

/. Themarokallose Stämme oder Verba auf -fn (§111 Allgemeines) 

1. Kl. Unerweiterter Verbalstamm. 

a. Verbalstaram = einfache Wurzel, mit Stammabstufung 
(§112) 

b. Verbalstamm = Wurzel + 9 (§ 113) .... 

c. Verbalstamm auf langen Vokal, ohne Stauimabstufung 
(§114) . ^ 

2. Kl Reduplizierter Verbalstanun (§ 115). 

a. Formen mit altUbcrkommener Stammabstufung 

b. Stamm auf langen Vokal, ohne Abstufung 

3. Kl. Schwache Wurzelform -f vv : vv (§ 116) 

4. Kl. Schwache Wurzelform -}- i« : v« (§ 117) 

//. ThemnvokaUache Stämme oder Verha (inf ■«» (^ \\^ \ 

5. Kl. Wurzel + o : e (§119). 

a. Starke Wurzelform ... 

b. Schwache Wurzelform (Tiefstufi) 

6. Kl. Rcrlupliziorte Wurzel + «:'<§ 1-'" 

a. KcduplikutionHvokal i 

b. Andere KcduplikntionMwciHi 

7. Kl. Wurzel -f <« : 'f <» l'^l) 

8. Kl. Reduplizierio Wurzel -f (o : <« (§ 122) 

a. HeduplikationHvokal » 

b. Andere KeduplikntionHwoiHr 

II. Kl. Nominaliitamm -f lo : it (ÜenoinnmiiMM i> >-'••• 

10. Kl. lloclmtufiKO Wurzelform + Ho : *»* (Knuimtivi») (§ IJI» 

11, Kl Wtn/. ■ ■ • " 



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l..«j 
I.V. 



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157 

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15» 
159 
161 



VIII Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. 

Seite 

12. Kl Verbalstamm + axo : axe (§ 126) 

a. Verbalstaram =^ einfache Wurzel in Tiefstufenform . 161 

b. Verbalstamm auf langen Vokal . . . . 162 

13. KI. Reduplizierter Verbalstamm + <txo : axe (§ 127). 

a. Reduplikationsvokal i 162 

b. Andere Reduplikationsweise 162 

Anhang zu Kl. 12 und 13: Verba auf -iaxm (§ 128) . 162 

14. Kl. Wurzel -\- vo : ve und Wurzel (zum Teil mit Nasalinfix) 

-f avo : ave (§ 129) 162 

15. Kl. Schwache Wurzelform + pj^-o : vf-e (§ 130) . . . 163 
Perfekt. 

Reduplikation (§ 131) 163 

Stamraabstufung (§ 132) 164 

Anfügung der Personalendungen (§ 133) 165 

Neuerungen durch Formübertragung (§134) . . . . . 166 

Das x-Perfekt (§ 135) 167 

Sigmatischer Aorist. 

Anfügung der Personalendungen (§136) 167 

Anfügung des s und Vokalisation der Verbalstammsilbe (§ 137) . 167 

Neuerungen durch Formübertragung (§ 138) 169 

Plusquamperfekt (§139) 170 

Sigmatisches Futurum (§ 140—141) 170 

Bildung der Modi. 

Konjunktiv (§ 142) 171 

Injunktiv (§ 143) . . . . 172 

Imperativ (§ 144) 172 

Optativ (§ 145) 173 

Bildung der Infinitive und Partizipien. 

Infinitive (§ 146) 174 

Partizipia (§ 147) ........... 176 

d) Griechische Syntax. 
1. Das Verbum. 

Verbum finitum und infinitum (§ 148) . . 177 

Die Genera verbi (Diathesis). 

Passivum (§ 149) 177 

Aktivum (§ 150) 177 

Medium (§ 151) . 178 

Infinitiv und Partizipium (§152) : . . 178 

Der sog. kausative Gebrauch des Aktivums und Mediums (§ 153) . 179 
Die Tempusstämme. 

Aktionsart und Zeitstufe im allgemeinen (§154) 179 

Präsentische Aktionsart (§ 155 Allgemeines, § 156 ind. praes., § 157 im- 

perf., § 158 conj. opt. imper. inf. part. praes.) 181 

Aoristische Aktionsart (§ 159 Allgemeines, § 160 ind. aor., § 161 Aorist- 
formen in untergeordneten Gliedern scheinbar mit der Bedeutung der 

Vergangenheit gegenüber der Haupthandlung) 184 

Perfektstamm (§ 162) 186 

Futurstamm (§ 163) '.!!!! 187 

Die Modi. 

Allgemeines (§ 164) 189 

Konjunktiv (§ 165) 190 

Optativ (§ 166 Opt. des Wunsches und Potentialis, § 167 Opt. der in- 
direkten Rede) 191 

Imperativ (§ 168) 193 

Indikaliv (§ 169) . ! ! 193 

Infinitiv und Partizip (§ 170 Inf., § 171 Part.) . . . . . 195 



Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. I\ 

Seite 

2. Das Nomen. 

Geschlecht der Substantiva (§172) 197 

Numerus (§ 173) 198 

Inkongruenz der Numeri zugleich mit Bezug auf das Verbum (§ 174) . 199 

Die Kasus. 

Allgemeines: Ursprung der Kasussuffixe; lokale und grammatische Kasus; 

synkretistische Kasus (§ 175) 199 

Vokativ (§ 176) 202 

Nominativ (§ 177) 202 

Akkusativ (§ 178 die verschiedenen Akkusativklassen, § 179 die akkusa- 
tivischen Adverbia, § 180 Verbundene Akkusati ve) .... 203 
Genitiv (§ 181 Der Genitiv ein Mischkasus, § 182 Echter Genitiv, § 183 Ab- 
lativischer Genitiv) 205 

Dativ (§ 184 Der Dativ ein Mischkasus, § 185 Echter Dativ, § 186 Loka- 
tivischer Dativ, § 187 Instrumentaler Dativ) 207 

Die Fonnen auf -(fi, -cpiv (§ 188) 211 

Das Adjektiv (§189) 212 

3. Das Pronomen (§ 190—193) 213 

4. Die Präpositionen (§194 Allgemeines, § 195—197 Echte Präpositionen, 
§ 198 Unechte Präp., § 199 Zusammenrückung von Präp., § 200 Vergleichung 
griech. Präp. mit solchen der andern idg. Sprachen) 214 

5. Die Partikeln (§201) 220 

6. Satzverbindung (§ 202 Allgemeines, Parataxis, § 203—210 Hypotaxis und 
hypotaktische konjunktioneile Wörter, § 211 Korrelative Satzverbindung, § 212 
Eigentümlichkeiten im Gebrauch der Verbalformen als Charakteristika der 
Hypotaxis, § 213 Unterordnung verbundener Hauptsätze) .... 226 

Nachträge und Verbesserungen 235 



Lateinische Grammatik, bearbeitet von Prof. Dr. Fr. Stolz und 
Gymnas.-Dir. Schmalz. 

a) Einleitung in die lateinische Grammatik (bez. Laut- und Formenlehre). 

1. Über Geschichte und Methode der lateinischen Grammatik (§ 1) 239 

2. übersichtliche Geschichte der lateinischen Schriftsprache (§2) 244 

3. Stellung des Lateinischen zu den verwandten Sprachen und zu 

den übrigen italischen Dialekten (§3) 247 

b) Lateinische Lautlehre. 

1. .Schriftzeichen und Orthographie (§4) 

2. Verhältnis des lateinischen liautbestandes zu dem der indop:« r 
manischen Grundsprache (§5) 254 

3. Zur Aussprache des I^atein (§ (i) 254 

4. Vokale. 

§7a a;88? *; § 9a im Wechsel mit e und o; g 10 o ö: § 11 ii: 55 12 n ü 'jr.H 

Diphthonge (§13) 

Vokale in konsonantischer Funktion (§14) 

Vokalabstufung. 

§ 15 /«.lleiho; § 1(> Mloihe; § 17 «-Reihe; § 18 d-Reihe; § IW u-K. il,. 
§ 20 o-Ueiho; § 21 Die scheinbaren AblautsvorbUlinisse V : f , a : «. > 
V o k a t w A n d 1 . 

WpHi-n dcfwolbcn (§ '.' 

Vokahvandol in nirlit /n > ii Wüilt-rn, bez. nur iip 

(thcdo (in der Fuge) «In / nnK'^n; § 23 Ton»ilb«'n: ?^ 

tonigo Silben; § 25 NuchU»uigo ^ ■ 'i 

Schwächung der Vokale in di>r /uh.i 
Assimilation von Vokalen (§ 2>^ 



Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band IL 

Reite 

Dissimilation von Vokalen (§ 29) 271 

Geschichte der Diphthonge. 

§ 30 ai; § 31 au; § 32 ei; § 33 eu; § 34 oi; % S5 ou . . . . 271 

Kontraktion der Vokale (§36) 275 

Svarabhaktische Vokale (§37) 277 

Prothetische Vokale (§38) 278 

Epenthese der Vokale (§39) 278 

Quantitätsminderung und -Steigerung der Vokale (§ 40 und 41) . . 279 

5. Liquidae 

als Konsonanten (§42) 283 

als Sonanten (§43) 284 

6. Nasales 

als Konsonanten (§44) 285 

als Sonanten (§45) 287 

7. Verschlusslaute. 

Tonlose und tönende Gutturalis (§ 46, 47) 288 

Tonlose und tönende Dentalis (§ 48, 49) 291 

Tonlose und tönende Labialis (§ 50, 51) 292 

Indog. Aspiratae im Lateinischen (§ 52—57) 294 

8. Spiranten (Reibelaute). 

Der palatale Spirant j (§ 58) 297 

Der dentale Spirant s (§ 59) 297 

Der labiale Spirant v {% 60) 300 

Der Kehlkopfspirant /i (§ 61) 300 

9. Lautwandel in Konsonantengruppen und anderer kombinatori- 
scher Lautwandel. 

Anlaut (§ 62, 63) . . 301 

Inlaut (§ 64, 65) 304 

Auslaut (§ 66, 67) 313 

Ausfall von Silben durch Dissimilation (§68) 314 

Auslautgesetze (§69) 315 

10. Betonung (§ 70-74). 

Wesen des lateinischen Accents (§70) 317 

Formen des Accents (§71) 318 

Enklisis und Proklisis (§72) 319 

Ältere Betonung des Lateinischen (§73) 319 

Synkope der Vokale (§74) . . . 321 

c) Lateinische Formenlehre. 

1. Deklination diss Nomens. 

Allgemeine Bemerkungen (§75) 323 

Die Stämme der Nomina. 

Allgemeines (§76) 323 

Übersicht der Stämme. 

Konsonantische Stämme (§77) 324 

Vokalische Stämme (§78) 328 

Bildung der Kasus. 

Nominativ des Singulars (§79) 332 

Nominativ des Plurals (§80) 333 

Akkusativ des Singulare (§81) 335 

Akkusativ des Plurals (§ 82) . . . 335 

Genetiv des Singulars (§83) 336 

Genetiv des Plurals (§84) 339 

Dativ des Singulars (§85) . 340 

Lokativ des Singulars (§86) 341 

Ablativ des Singulars (§87) 342 

Dativ-Ablativ des Plurals (§88) 343 



Spezielles Inhaltsverzzeichnis von Band II. XI 

2. Deklination der Pronomina. Seite 

Ungeschlechtige Pronomina (§89) 345 

Geschlechtige Pronomina (§90) 346 

3. Anhang. 

a) Numeralia (§91) 349 

b) Steigerung der Adjektiva (§92) 352 

c) Nominalkomposition (§ 93—95) 354 

4. Flexion des Verbums. 

Vorbemerkungen (§96) 356 

Personalendungen : 

Aktivum (§97) 358 

Passivum (§98) 359 

Bildung der Präsensstämme: 

Allgemeines (§99) 361 

1. Hauptkonjugation (§ 100) 362 

2. Hauptkonjugation (§101) 364 

das Perfektsystem: 

Reduplikation (§ 108) 368 

Stammbildung (§ 109) 368 

die Perfekta auf -si, -vi und -ui (§110) 370 

Flexion des Perfekts (§111) 372 

Die aus dem s- is- und sVs-Aorist hervorgegangenen Tempora und Modi 

(§ 112) 373 

Das 6-Futurum und -Imperfektum (§113) 375 

Modi. 

Konjunktiv (§ 114) 376 

Optativ (§115) 377 

Imperativ (§ 116) 378 

Infinitive und Partizipien. 

Infinitive (§117) 379 

artizipe (§ 118) 381 

d) Lateinische Syntax. 

Einleitung 386 

Litteratur zur historischen Syntax ........ 390 

A. Der einfache Satz 397 
1. Der Bchauptungssatz. 

a) Subjekt (§1-5) ::07 

b) Prädikat. 

aa) Allgemeines (§ 6—10) 399 

bb) Kongruenz (§ 11 21) 400 

cc) Tempora (§ 22-29), Modi (§30-37), Cienora Verbi (§ 38 42) 404 

c) Attribut und Apposition (§43 -48) HO 

d) Kasuslühre, aligemcinos (§ 49) 112 

Nominativ und Vokativ (§50-52) 112 

Akkuaaüv (§53-63) 113 

Genetiv (§64-79) 16 

Dativ (§ 80-90) '1 
Ablativ (§91-104) 

Lokativ (§ 105) 1-7 

e) Partizipia (§ 106 1 1 I \M 

f) Pi M.n, allgenuui.s (jj hl'j ... HO 
u' tionon mit dorn Akkusativ (§ 113— IH.'* HO 
M.; I M mit dmn Ablativ (§136-147) 448 
rr) j'i M mit dorn AkkuHfitiv und Abintiv (§ 1 t l 451 

'J. I)or Krai.'. .at/ . ;; I ■ ; |. - 454 

IJ. I>«r /,iHaiiiiii»iii.«Mi i/i. ,-;ii/ 
'> Die Beiordnung (§ 163—207) 



XU Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. 

Seite 

4. Die Unterordnung (§208-309). 

a) Unterordnung ohne Pronomina oder Konjunktionen (§ 208—216) . . 470 
Vom Infinitiv und Akk. c. inf. (§ 217-235) 478 

b) Unterordnung mittels relativer Pronomina oder Konjunktionen (§ 236) . 491 

aa) Relativsätze (§§237-247) 494 

bb) Konjunktionalsätze. 

1) Akkusativische Konjunktionen (§ 248—267) 498 

2) Lokativische Konjunktionen (§ 268-307) 510 

3) Modale Konjunktionen (§ 308) 529 

4) Ablativische Konjunktionen (§ 309) . . . . . . 530 

e) Lateinische Stilistik. 

Einleitung 532 

1. Eigentümlichkeit im Gebrauch der Redeteile. 

Substantiva (§ 1—2) 533 

Adjektiva (§ 3-14) 536 

Pronomina: Reflexivum und Reciprocum (§15—17) 543 

Demonstrativa und Relativa (§18—21) 545 

Indefinita (§22— 27) 547 

Pronominale Adjektiva (§ 28—29) 549 

Numeralia (§ 30-33) ........... 550 

Verba (§ 34-39) 551 

Partikeln (§ 40-41) 553 

2. Wortstellung (§42— 46) 555 

3. Satz- und Periodenbau (§47-53) 560 

4. Reinheit und Angemessenheit der Sprache (§ 54-58) . . 565 

5. Reichtum und Mannigfaltigkeit der Darstellung (§ 59-72) . 572 

6. Einfachheit und Kürze des Ausdrucks (§73— 84) .... 579 

Nachträge und Berichtigungen 582 



C. Lexikog-raphie der griechischen und lateinischen Sprache. 

l) Griechische Lexiltographie, bearbeitet von Gymn.-Rektor Dr. G. Autenrieth. 

1. Geschichte und Litteratur der griechischen Lexikographie 
(§1-22) 587 

2. Aufgabe der heutigen Lexikographie der griechischen Sprache 
(§23-27) 605 

b) Lateinische Lexikographie, bearbeitet von Prof. Dr. F. Heerdegen. 

1. Geschichte und Litteratur. 

Lexikographie und Glossographie des Altertums und des Mittelalters (§ 1—4) 608 

Die Humanistenzeit (§5-7) 611 

Der Thesaurus des Rob. Stephanus und die Nachtreter desselben (§8 — 12) 612 

Das Lexikon des Forcelhni und die daraus abgeleiteten (§ 13 — 15) . ' 616 

Anhang (§16) 618 

2. Theorie der Lexikographie. 

Die leitenden Gesichtspunkte (§17—24) 619 

Übersicht über die lexikologischen Vorarbeiten und Versuche zu einem wissen- 
schaftlichen Thesaurus linguae Latinae seit Fr. Aug. Wolf und Kritik 
derselben (§ 25—30) 625 

D. Rhetorik, bearbeitet von Gymn.-Dir. Dr. Volkmann. 

1. Geschichte und Einteilung der Rhetorik. 

Zur Geschichte und Quellenkunde (§1) ; . 639 

Einteilung der Rhetorik (§2) 646 

2. Die Lehre von der Auffindung des rednerischen Stoffes. 

a) Die gerichtliche Beredsamkeit 648 



Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. 



XIII 



b) 



Intellectio (votjan). Quaestio causa {^t'atg vno^saig) (§ 3) 

Status {axccaig) oder constitutio causae (§ 4) . 

Asystata, Genera und figurae causarum (§ 5) . 

Die Teile der Gerichtsrede (§6) 

Die beratende und epideiktische Beredsamkeit (§ 7) 
Die Lehre von der Ordnung und Disposition des Stoffes (§8) 
Die Lehre vom rednerischen Ausdruck. 
Die Grunderfordernisse der rednerischen Darstellung (§ 9) . 

Tropen und Figuren (§ 10) 

Komposition und Rhythmus der Rede (§11) 

Die Stilarten und Ideen oder Grundformen des Ausdrucks (§ 12) 
Die Lehre vom Gedächtnis und dem Vortrag (§ 13) 



E. Metrik der Griechen und Römer mit einem Anhang über die M 
der Griechen bearbeitet von Prof. H. Gleditsch. 
n) Einleitang in die Metrik. 

1. Begriff und Einteilung (§1) 

2. Rhythmische und metrische Theorie der Alten. 

Älteste Techniker; Aristoxenos. — Die Alexandriner. — Varro, Caesius, 
Heliodor, Hephaestio. — Die späteren lateinischen Metriker. — Die spä- 
teren griechischen Metriker. — Die Rhythmiker nach Aristoxenos (§ 2) 

3. Bearbeitungen durch die Neueren. 

Bentley, Person, G. Hermann, Apel, Voss, A. Boeckh. — A. Rossbach und 
R. Westphal. - J. H. Schmidt. — C, Lachmann und M. Haupt. — Fr. 
Ritschi. — L. Müller. — W. Christ und neuere Leistungen (§ 3). — 

Litteratur 

b) Rhythmische Fnndamentaltheorie der Metrik. 

1. Rhythmus und Rhythmizomenon. 

I. Die rhythmische Gliederung (§4) 

II. Die Sprache als Rhythmizomenon (§5) 

2. Chronoi und Sprachsilben. 

I. Die rhythmischen Chronoi. 

XQoyoi ^tjzol (§ G). — xQ^^^^ uXoyov (§ 7) 
II. Die Sprachsilben als Chronoi. 

Lange, kurze, mittelzeitige Silben (§ 9). - 
zung (§10) .... 

3. Die Füsse. 

I. Die rationalen FUsse (§11) 

II. Die irrationalen Füsse (§ 12) 

4. Die Kola. 

I. Umfang und Gliederung der Kola (§ 1 '- . . 

II. KuiXu xa&uQii und ftixiit i^ }\'\ 

III. Kat^iloktische Kola (§ i:. 
■'». Die Perioden. 

I. Die rhythmische Periode. 

Begriff (§ lü). — Umfang uii<( »iiMMifmni^ is i < '. i-n^uug \.->»ui(iiiur 
(» 18). — Apothesis (§ ll>) '. . . . . ' . 

II. hie mctriMclio Periode. 

.Metron. StichoR. Hypermotron (§ 20). Kinfacho, zusammengpitolzto, 
gemiHchto Mctru (§ 21). • MonopodiHchu und dipodischo MeKHim:- 
der .Metra ({4 22). - KataloktlHrh- M.trn (§ 2:<). ('Ämir «nd Im... 
resia der Metra (^ 24) 
• i Systeme und Strophen (ft 2^» 
7. i'iMfiwIi. K .. IM |M»Hitio HMforni 

Auf;« imuK 4 55 J'>) AntiBtrophiMrlie K(>m|M>Bition (§ 27). -•• Freie Kompo 

Bition (§28). - ätichisoho Kompo«tüon (| 2U). — Litteratur 



Seite 
648 

650 
653 
655 
659 
660 

662 
663 
669 
671 

674 

usik 



679 



— XQÖyoi xsvoi (§ 8) 
Hiatus und Vokalverschmei 



683 



688 

689 



(190 



692 

<;i>5 
.;97 



609 



.Ol 

.03 



XIV Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band 11. 

Seite 

c) Metrik der Griechen. 

1. Die Entwickelung der metrischen Kunst bei den Griechen. 
Übersicht. — Vorhomerische Dichtung. — Hexameter. - Elegeion. — Archi- 

lochos. — Terpander, Alkman, Thaletas, Tyrtaios. - Stesichoros und 
Ibykos. — Alkaios und Sappho. Anakreon. — Hipponax, Ananios. - 
Simonides, Pindar, Bakchylides. — Tragödie und Komödie. —Die jüngeren 
Dithyrambiker. — Die Alexandriner. Die Dichtung der römischen und 
byzantinischen Zeit (§ 30). — Litteratur 707 

2. Die Metra der Griechen. 

I. Die einfachen Metra. 
Die daktylischen Metra. 

Der daktylische Rhythmus und sein Charakter (§ 31). — Die Kola (§ 32) 713 
Die Versbildungen: 

Hexameter (§ 33—35). - Andere Verse. — Äolische Daktylen (§ 36) 714 
Systeme und Strophen: 

Epodische Systeme (§ 37). — Elegeion (§ 38). — Systeme aus Hexa- 
metern (§ 39). — Strophen der Lyrik und des Dramas (§ 40). — 

Litteratur 717 

Die anapaestischen Metra. 

Der anapaestische Rhythmus und sein Charakter (§41). — Die Kola 

(§42) 720 

Die Metra: 

Dipodische Messung (§ 43). - Dimeter (§ 44). - Tetrameter (§ 45) 721 
Systeme. Hypermetra und Strophen: 

Strenge Systeme (§ 46). — Freie Systeme und Strophen (§ 47). — 

Litteratur 723 

Die trochäischen Metra. 

Der trochäische Rhythmus und sein Charakter (§ 48) ... 725 

Die Kola (§49) . 725 

Die Metra: 

Dipodische Messung (§ 50). — Tetrameter (§ 51). — Skazon (§ 52) . 726 

Hypermetra und Strophen der Komödie (§ 53) 728 

Strophen der Tragödie (§54). — Litteratur 729 

Die iambischen Metra: 

Der iambische Rhythmus und sein Charakter (§ 55) ... 730 

Die Kola (§56) 730 

Die Metra: 

Dipodische Messung (§ 57). — Dimeter (§ 58). — Trimeter (§ 59). — 

Skazon. Katalektischer Trimeter (§ 60). — Tetrameter (§ 61) , 734 
Hypermetra (§ 62). — Strophen der Lyrik und Komödie (§ 63). — Jam- 
bische und iambo-trocbäische Strophen der Tragödie (§ 64) — Lit- 
teratur 738 

Die ionischen und choriambischen Metra. 

Der Rhythmus und sein Charakter (§ 65). — Fussformen und Kola 

(§ 66). - Anaklasis (§67) 738 

lonici a maiore. Sotadeion (§68) 740 

lonici a minore: 

Verse (§ 69). - Systeme (§ 70). — Strophen (§ 71. 72). - Litteratur 741 
Die paeonischen (kretischen) Metra. 

Der Rhythmus und sein Charakter (§ 73). — Die Kola (§ 74). — Die 
Verse und Hypermetra (§ 75). — Trochäisch-kretische Verse (§ 76). 

— Paeonische Strophen (§77). — Litteratur .... 743 
IL Die zusammengesetzten Metra. 

Begriff und Einteilung (§78) . 746 

Daktylo -Trochäen. 

Bei Archilochos und in der Komödie (§ 79). — Im Hyporchem (§ 80). 

— In der Tragödie (§81) 746 



Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band II. XV 

_ , , _ . Seite 

Daktylo-Epitriten. 

Die Gliedformen (§ 82). — Die Versformen (§ 83). — Die Strophen 

(§84). — Rhythmische Messung (§85). -- Litteratur . . 749 

III. Die gemischten Metra (Logaoeden). 

Begriff (§ 86). - Umfang der Kola (§ 87). - Katalexis der Kola 

(§ 88). — Irrationalität. - .Basis" (§89) 752 

Gliedfornien : 

Tripodie (§ 90). — Tetrapodie (§ 91). - Pentapodie (§ 92). — Hexa- 

podie (§93) t:.:. 

Metra : 

Phalaekischer Hendekasyllabus (§ 94). — Die Asklepiadeen. Alkaikon. 
Anakreonteion (§ 95). — Priapeion. Kratineion. Eupolideion u. s. w. 

(§96) - 757 

Hypermetra (§ 97). — Strophen: der monodischen Lyrik (§ 98), der 
Komödie (§ 99), der Tragödie (§ 100), der chorischen Lyrik (§ 101). 
-- Litteratur 7 ' 

IV. Die Dochmien. 

Der Dochmios und seine Formen (§ 102). — Charakter und Gebrauch 
(§ 103). — Verse und Systeme (§ 104). — Dochmische Strophen 
(§ 105). — Litteratur T-,:. 

Metrischer Bau und Vortrag der griechischen Dichtungen. 

Gesang, Begleitung, Deklamation, Rezitativ, Parakataloge (§ 106) . . 770 

1. Die vorhomerische Dichtung (§107) 772 

2. Die epische Dichtung (§ 108) 772 

3. Die Elegie (§ 109) 772 

4. Die iambische Dichtung (§ 110) 773 

5. Die lyrische Dichtung. 

A. Die monodische Lyrik. 

a) Der Nomos (§ 113). - b) Das äolische Lied (§ 114). — c) Das 

ionische Lied (§115) 774 

B. Die Chorlyrik. 

Allgemeines (§ 117). - Hymnen (§ 118). — Paeane (§ 119). — Pro- 
sodien (§ 120). — Embaterien (§ 121). — Hymenäen (§ 122). — 
Tanzlieder (§ 123). — Dithyramben (§ 124.) - Enkomien und Epi- 
nikien (§ 125). -- Skohen (§ 126). -- Threnoi (§ 127). - Litteratur 77^ 
C. Das Drama. 

Allgemeines (§ 128) 

A. Die Trayödie. 

Bestandteile und Aufbau (§129) 

I. Chorika (§ 130—135). — Parodoi (§ 131). Epiparodoi (§ 132). -- 
Stasima (§ 133). - Exodoi (§ 134). -- Epeisodische Chorika (ij l".r.) 

II. Die Kouimoi und Threnoi (§ 136) ... "» 

III. Dio Bnhnengesünge (§137 1 

IV. Die dialügisclion Teile (§ 138-142). Prolog (§ 139). — Kpcisodia 

(§ 140). - Exüdo.s '^ M ' ^vtnmetrie der Dialogpartien (g 142) ; - 

It. Die Komödie. 

Be«tandteile und Anortlnnng ucr auiHchen KoinOdio (§ 143). Parodos 
(§ 144). - Agon (§ 145). — Parabaso (§ 146). - Stasima {§ 147). 
— Dialogparlien (ft 14H- 150) ... ""''' 

Mittlere und neuere Komödie (§ 151). — Litieratu 

d) .Motrik der Könier. 

Kntwickolung der motriHchon Kunut bei den KOmern. 

1. Älteste Dirbtungon. — 2. Haturninchcs Mctium. -- 8. Die illoren Scenikor 
lind Katirikcr. — 4. Ennitm, Luciliun, Lucrciiiui. — 5. Ijieviut und M. 
\ nrro. — 0. Catull und die Nachahmung der Alexandriner. — 7. Die 
iiiiKtifttoiiicbo Zeit. - 8. Dio nacliaugUHtoiftcbon Dichter. ■ ü. Die apfttcro 
KaiMcrxeit. - 10. Khythmiacho Dichtung (8 152). — Litteratur . 



XVI Spezielles Inhaltsverzeichnis von Band 11. 

Seite 

2. Die Metra der Römer. 

I. Die nationale Form der italischen Dichtung. 

Der numerus italicus (§ 153). — Der saturnische Vers (§ 154) — Litteratur 820 
II. Die freiere Nachahmung der griechischen Metra. 

Allgemeines (§155.) — Silbenmessung und Wortaccent (§156). — Un- 
reine Senkungen. Auflösungen (§ 157). — Auswahl der Metra (§ 158). 

— Cantica und Diverbia (§ 159) 822 

Die stichisch gebrauchten Metra des Dialogs. 

Der iambische Senar (§ 160). — Der trochäische Septenar (§ 161). — 

Der iambische Septenar (§ 162). — Der iambische Oktonar (§ 163). 825 
Die lyrischen Versformen und Systeme. 

Trochäische Verse (§ 164). -- Iambische Verse (§ 165). — Anapaeste 
(§ 166). — Bakchien (§ 167). - Kretiker (§ 168). — Choriamben. 
Daktylen. Logaoeden (§ 169). — Zusammengesetzte Verse (§ 170) 828 
Die Cantica und ihr Bau (§ 171). -- Litteratur .... 83P> 
III. Die strengere Nachbildung der griechischen Metra. 

Vorbemerkungen (§ 172) 836 

Die stichischen Versmasse. 

Der Hexameter (§ 173). — Der iambische Senar (§ 174). — Der iam- 
bische Septenar {§ 175). — Der trochäische Septenar (§ 176). — . 
Der anapaestische Septenar (§ 177). - Der Choliamb (§ 178). — 
Der iambische Dimeter, Hemiamb, anakreontische Vers (§ 179). — 
Der Sotadeus (§ 180). - Der Galliamb (§ 181). — Der phaläcische 
Hendekasyllabus (§ 182). — Der Priapeus (§ 183). — Die Askle- 

piadeen (§ 184) 837 

Die Systeme und Strophen. 
Distichische Systeme: 

Elegisches Distichon (§ 185). — Distichische Systeme des Horaz 

(§186) 843 

Hypermetrische Bildungen: 

ionische (§ 187), glykoneische (§188) 846 

Vierzeüige Strophen (§ 189—191) 847 

Die Cantica der späteren Tragödie (§192). — Litteratur . . 849 

Anhang. 

e) Die Masik der Griechen, 

Einleitung. 

Begriff der fxovaixrj (§193) 853 

Quellen (§ 194) 853 

Musikreste (§ 195) 854 

Neuere Bearbeitungen (§196) . . . 854 

Die Zweige der griechischen Musik (§ 197) 855 

Geschichtliches. 

1. Archaische Zeit. 2. Altklassische Zeit. 3. Klassische Zeit. 4. Nachklas- 
sische Zeit (§ 198) 855 

Theoretisches. 

Die Töne und Intervalle (§199) 859 

Die Tonsysteme (§ 200) 860 

Die Harmonien oder Oktavengattungen (§ 201) 862 

Die Tonoi oder TransposHionsskalen (§ 202) 864 

Die Tongeschlechter (§ 203) 866 

Die Notenschrift (§ 204) 866 

Die musikalischen Instrumente (§ 205). — Litteratur .... 868 
Tab.: Die griechischen Notensysteme. 



Erklärungsbedürftige Abkürzungen 

Prof. Dr. Brugmann's Griech. und Prof. Dr. Stolz' Latein. Grammatik. 



. iKENS D. Gr. 1. d. — De Graecae linguae dialectis scr. H. L. Aliren s, Gottingae, 1. Bd. 

1839, 2. Bd. 1843. 
Aken Grundz. — Die Grundzüge der Lehre von Tempus und Modus im Griechischen von 
A. F. Aken, Rostock 1861. 

eh. f. lat. Lex. = Archiv für lat. Lexikographie, herausg. von E. Wölfflin. 
H-OLi Krit. Stud. = Kritische Studien zur Sprachwissenschaft von G. L Ascoli. Auto- 
risierte Übersetzung von Reinhold Merzdorf, Weimar 1878. 

KTHOLOMAE Ar. Forsch. = Arische Forschungen von Chr. Bartholomae, diei Hefte, 
Halle 1882-1887. 

LKACK Stud. = Studien auf dem Gebiete des Griechischen und der arischen Sprachen, 
von Joh. und The od. Baunack, L Band, Leipzig 188G. 

\UVACK Gortyn. — Die Inschrift von Gortyn, bearbeitet von Joh. und Thood. Bau- 
nack, Leipzig 1885. 

n«u Die Gutturalen = Die Gutturalen und ihre Verbindung mit v im Lateinischen von 
Dr. Fh. Bersu. Gekrönte Preisschrift Berlin 1885. 

/z. B. — Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen, herausg. von Ad. Bezzen- 

lH>rgor, Göttingen 1877 ff. 15 Bde. 
-1-. Atj^spr,' oder A' ~ über die Aussprache des Griechischen von F. Blas», 3. Aufl. 
Berlin 1888. 

\MMACH Neug ~ Die Neugestaltung der lateinischen Orthographie in ihrem Verhältnis 
zur Schule von W. Brambach, Leipzig 1868. 
.:.A.M» (irundriss oder Grdr. 1, 2 = Grundriss der vergleichenden Grammatik der indo- 
germanischen Sprachen von K. Brugmann, I. Band, Strassburg 1886; II. Band. 
1. Hälft« ib. 1889. 

• HKi.ER-WiNURKiLi)K = Grundriss der lat. Declination von F. BOcheler. Mit doa Verf 
KrI. unt. Bon d. franz. Übers, von M. L. Havet aufs neue berausg. von .1. Winde- 
kildo. Bonn 1879. 
IIBI.KK Lex. It. Lexicon Italicum von Fr. Buch clor. Bonner UniversitÄtsschrift 1881. 

I. Bulloiino deir inHtituto di corriHpondenza archo ilogica. 

BR D.' - DelcctuM inHcriptionum (traecarum proptor dialectum memorabilium comp. V. 
Cauer. cd. II lA]miae 18H3. 

' ^- Corpus inscriptionum Latinarum. Bd. I ff. 

ii.iTZ Or. 1). Sammlung der griechiscbon Dialoktinscbriften nmi i Baunack etc , 
horauMgegebon von U. Colliiz ttod F. Beohtel, OOttingon 18H3 ~ lS8i) (unvol- 
lendet). 

I HMRM I II -: Ober AuNNpracho, Vocalismus und Betonung der latoinisohon Sprache von 
W CofMiion. 2. Aufl.. Leipzig 1H68-1870. 

•^HKN Ilritt, KritiHcho Briträgo zur lat. Foniicnlebro von W. C'or^Hon. Loipiig l>^U3. 



XVIII Erklärungsbedtirftige Abkürzungen. 

CoKSSEN Nachtr. = Kritische Nachträge zur lat. Formenlehre v. W. Corssen, Leipzig 1866. 
CoRSSEN It. Spr. = Beiträge zur italischen Sprachkunde von W. Corssen, Leipzig 1876. 
CuBTius G.^ =^ Grundzüge der griechischen Etymologie von G. Gurt ins, 5. Auflage, 

Leipzig 1879. 
CuRTius Vb.'' = Das Verbum der griechischen Sprache seinem Baue nach dargestellt von 

G. Curtius, 2. Aufl., Leipzig, 1. Bd. 1877, 2. Bd. 1880. 
C. St. = Studien zur griechischen und lateinischen Grammatik, herausg. von G. Curtius 

(und K. Brugmann), Leipzig 1868--1878. 10 Bde. 
Delbrück S. F. = Syntaktische Forschungen von B. Delbrück, Halle 1871—1888. 5 Bde. 
Eph. ep. = Ephemeris epigraphica corporis inscr. Lat. supplementum, Bd. I f. 
FicK I II III = Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen von A. Fick, 

3. Aufl., Göttingen 1874-1876. 
Fick Spracheinheit = Die ehemalige Spracheinheit der Indogermanen Europas v. A. Fick, 

Göttingen 1873. 
Gott. g. A. = Göttinger gelehrte Anzeigen. 

Habtel H. St. 1.2 = Homerische Studien von W. Hartel, 2. Aufl., Berlin 1873. 
Hehn Kulturpflanzen = Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem Übergang aus Asien nach 

Griechenland und Italien von V. Hehn, 3. Aufl., Berlin 1877. 
Henby Pr^cis — Pr^cis de grammaire comparee du grec et du latin par V. Henry, 

Paris 1888. 
Hübner Grundr. = Grundriss zu Vorlesungen über die lat. Grammatik von E. Hübner, 

2. Aufl., Berlin 1881. 
Johansson De der. verb, contr. = De derivatis verbis contractis linguae Graecae quae- 

stiones scripsit K. F. Johansson, Upsala Universitets Arsskrift 1886. 
Jobdan Krit. Beitr. = Kritische Beiträge zur Geschichte der lat. Sprache von H. Jordan, 

Berlin 1879. 
IRN. = Inscriptiones regni Neapolitani ed. Th. Mommsen, Lipsiae 1852. 
Kluge Z. G. d. g. C. = Beiträge zur Geschichte der germanischen Conjugation von F. 

Kluge, Strassburg 1879. 
K. Z. = Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermani- 
schen Sprachen, herausg. (begründet) von A. Kuhn, Berlin 1852 ff. 30 Bde. 
Kühner Ausf. Gr. = Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache von R. Kühner, 

2. Aufl., Hannover, 1. Bd. 1869, 2. Bd. 1870. 
Leskien Decl. = Die Declination im Slavisch -Litauischen und Germanischen v. A. Les- 

kien, Leipzig 1876. 
Löwe Prodr. = Prodromus corporis glossariorum Latinorum ed. G. Löwe, Lipsiae 1876. 
Mahlow D. 1. V. := Die langen Vokale A E in den europäischen Sprachen v. G. H. 

Mahlow, Berlin 1879. 
Meister Gr. D. = Die griechischen Dialekte auf Grundlage von Ahrens' Werk „De Graecae 

linguae dialectis" dargestellt von R. Meister, 2 Bde., Göttingen 1882. 1889. 
Meistebhans Gr.2 = Grammatik der attischen Inschriften von K. Meisterhans, 2. Aufl. 

Berlin 1888. 
Mem. d. 1. S. d. 1. = Memoires de la Societe de linguistique, Paris 1868 ff. 6 Bde. 
G. Meyee Gr. Gr.- = Griechische Grammatik von Gustav Meyer, 2. Auflage, Leipzig 1886. 
L. Meyeb Vergl. Gramm. = Vergleichende Grammatik der griech. und lat. Sprache von 

Leo Meyer, I. IL, Berlin 1861—1865. I. Bd. 2. Aufl., Berlin 1882—1884. 
Mucke De cons. gem. = De consonarum in Graeca lingua praeter Asiaticorum dialectum 

Aeolicam geminatione part. I, scr. E. Mucke, Budissae 1883. 
M. U. = Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen 

V. H. Osthoff und K. Brugmann, Leipzig 1878—81, 4 Teile. 
Neue I II = Formenlehre der lat. Sprache von F. Neue, 2. Aufl., Berlin 1875— 1877. 
N, -L = Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik, herausg. v. A. Fleckeisen. 
Osthoff Forsch. I II = Forschungen im Gebiete der indogermanischen nominalen Stamm- 
bildung von Dr. H. Osthoff, Jena 1875. 1876. 
OsTHOFF V. i. d. Nc. =^ Das Verbum in der Nominalcomposition im Deutschen, Griechi- 
schen, Slavischen und Romanischen von H. Osthoff, Jena 1878. 



Erklärungsbedtirftige Abkürzungen. XIX 

U6TH0FF Z. G. d. P. = Zur Geschichte des Perfekts im Indogermanischen mit besonderer 

Rücksicht auf Griechisch und Lateinisch von H. Osthoff, Strassburg 1884. 
F,-B, Br. = Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur, herausg. von 

H. Paul und W. Braune, Halle 1873 ff. 14 Bde. 
Pbzzi = Grammatica storico-comparativa della lingua latina da Domenico Pezzi, To- 

rino 1872. 
Pezzi La 1. gr. ant. = La lingua greca antica, breve trattazione comparativa e storica di 

Domenico Pezzi, Torino 1888. 
Philol. = Philologus Zeitschr. f. klass. Altertum, 1 ff. 

Phil. Woch. [Berl. Phil Woch.] = Philologische Wochenschrift, Jg. 1-3 [4]. 
Pr. Lat. ra. e, = Priscae Latinitatis monumenta epigraphica ed. F. Ritschi, Berolini 1862. 
Rh. M. = Rheinisches Museum für Philologie. Neue Folge 1 ff. 
Ribbeck III = Scaenicae Romanorum poesis fragmenta coli. 0. Ribbeck, ed. II Lipsiao 

1871-73. 
RiTSCHL Op. 2, 3, 4 = Frid. Ritschelii opuscula philologica, Vol. II— IV, Lipsiae 

1868—78. 
RöHL I. G. A. = Inscriptiones Graecae antiquissimae praeter Atticas in Attica repertas, 

ed. H. Roehl, Berolini 1882. 
DE Saüssübe M^m. = Memoire sur le Systeme primitif des voyelles dans les langues indo- 

europeennes p. F. de Saussure, Leipsick 1879. 
Scherer Z. G. d. d. Spr. = Zur Geschichte der deutschen Sprache v. W. Scherer. 

2. Aufl. 1878. 
ScHLEicBEE Comp. = Compendium der vergl. Gramm, der indogermanischen Sprachen von 
A. Schleicher, 4. Aufl., Weimar 1876. 
Schmidt Voc. (Vok.) = Zur Geschichte des indogermanischen Vocalismus von J. 
Schmidt, Weimar, 1. Bd. 1871. 2. Bd. 1875. 
f Schmidt Verw. = Die Verwandtschaftsverhältnisse der indogerm. Sprachen von J. 

Schmidt, Weimar 1872. 
' UMITZ Beitr. = Beiträge zur latein. Sprach- und Literaturkunde von Dr. W. Schmitz, 

Leipzig 1877. 
iiKEiDER = Dialectorum Italicarum aevi vetustioris exempla selecta ed. E. Schneider, 

Vol. I, Lipsiae 1886. 
RBADER Sprachvergl. = Sprachvergleichung und Urgeschichte von Dr. 0. Schrader, 

Jena 1883. 
HüCHABDT Vok. = Der Vokalismus des Vulgärlateins von H. Schuchardt, 3 Bände, 

Leipzig 1866-^ 68. 
rAKTZEB-SiDLEB Gramm." — Grammatik der lateinischen Sprache, bearbeitet von H. 
Schweizer-Sidler und A. Surber, I. Teil, Halle a. S. 1888. 
i ELMAHif = Die Aussprache des Latein nach physiologisch-historischen Grundsätzen von 

E. See! mann. Heilhronn 1885, 
iTTL Die lok. Versch. -- Die lokalen Verschiedenheiten der lat. Sprache von Dr. K. Sittl, 

KtI 1882. 
i iTZFR L. d. a. D. = Lautlehre des arkadischen Dialektes von J.Spitzer, Kiel 1883. 
|.rachw. Abb. ~ Sprachwissenschaftliche Abhandlungen, hervorgegangen aus G. Curiiua' 

(irammatischcr Gesellschaft, Leipzig 1874. 
lADELMAKi« De quant. voc. De quantitate vocalium Lat. voce« tenninantium scripait J. 
Stadflmann, Lucernae 1HH4. 
ilfloxion ~ Zur Ist. Verbalflcxion I. Studien von Fr. Stolz, Innsbruck 1882. 
I jiHp. — Untersuchungen über den Spiritus asper im Uriochischen von A. 
i liumb, Sinuwburg 1880. 

hlfrlitloH. Pron. - Hoiträgo zur Loliro von den goschlochtloMcn Pronomen in 
iU-n inHoKormanischen Sprachen v«>n A. Torp (Christiania VidonskabsSelflkHbH 
rorhandlinger 1888. Nr. 11). Christiania 1888. 
Uk.isk Die griechischen Wörter im Utein von Dr. Fr. 0. Weise. lH»iprig 1882 (Proi« 

Hchriften d. fOniil. Jablonowskiscbon Hon. 28). 
WKmi'HAi, Verbaifloxion = Die Vcrbalfloxion der lateinischen Sprache von H. Wostphnl. 
Jena 1873. 



XX Berichtigungen zur griechischen Grammatik. 

Wheeler Nominalacc. — Der griechische Nominal accent, von Benj. I. Wheeler, Strass- 

burg 1885. 
WoRDSWORTH = Fragments and specimens of Early Latin by J. Wordswort h, Oxford 

1874. 
Z. f. rom. Phil. = Zeitschrift für romanische Philologie herausg. von Dr. E. Gröber, 1 f. 
ZvET. Inscr. It. med. = Inscriptiones Italiae mediae dialecticae ed. J. Zvetajeff, Lipsiae 

1884. 



Berichtigungen zur griechischen und lateinischen Grammatik. 

S. 43, 1 in der letzten Zeile lies argorog für XQOTÖg. 
S. 61, 5, Zeile 7 lies nxiaao) für Tirtaaio. 
S. 91, § 70 Zeile 7 lies 9} für ^. 

S. 137, Zeile 10 f. streiche die Worte „oder = lit idg. dekrp,t.'^ 

S. 872 Z. 18 V. u. lies pollex für pollux. 



Griechische Grammatik 

(Lautlehre, Flexionslehre und Syntax) 



Dr. Karl Brugmann, 

oril. I'roffsHor (1<t iiul<>K' rmaiiisclioii Si>racli\visst iischaft in Leipzig. 



)i,>i,.il.... I 



Inhalt. 

a) Einleitung in die griechische Grammatik. 

b) Griechische Lautlehre. 

1. Aussprache der Buchstaben. 

2. Vokale, Nasale, Liquidae, 

3. Verschlusslaute. 

4. Spiranten. 

5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. 

6. Betonung. 

c) Griechische Flexionslehre. 

1. Vorbemerkungen. 

2. Nominal- und Pronominalflexion. 

3. Anhang: KomparatJonsformen, Zahlwörter, Nominalkomposition m 

4. Verbalflexion. :S 

d) Griechische Syntax. 

1. Das Verbnm. 

2. Das Nomon. 

3. Das Prononion. 

4. Die Präpositionen. 

5. Die Partikeln. • 

6. Satzverbindung. 



Vorbemerkungen zur zweiten Auflage. 



Die grössere Bogenzahl, die mir für diese zweite Auflage des Abrisses der griechischen 

rainmatik zur Verfügung gestellt wurde, habe ich einesteils dazu verwendet, einige Kapitel, 

le sich in der ersten Auflage im Rahmen knappster Andeutungen halten mussten, etwas 

iher auszul Uhren, namentlich dasjenige der nominalen Stammbildung, anderseits dazu, 

Iche. die in das wissenschaftliche Studium der altgriechischen Sprachgeschichte erst 

eingeführt sein wollen, durch verständniscrleichternde Erläuterungen mehr zu unterstützen, 

als es in der ersten Auflage geschejien konnte. Ich komme damit Wünschen entgegen, 

die in kritischen Besprechungen meiner Arbeit geäussert wurden. 

Eine andere Methode für die Darstellung der Syntax zu wählen, konnte ich mich 
nicht entschliessen, wenngleich zwei angesehene Kritiker eine solche angewendet sehen 
möchten. Warum in diesem Teile der Grammatik ein näheres Eingehen in die Mannig- 
faltigkeit der Erscheinungen von Homer bis in die byzantinische Zeit hinein, mit Berück- 
hichtigung nicht bloss der zeitlichen, soi.dern auch der mundartlichen Verschiodenheiten, 
auHgeschlossen war, hat bereits der Herausgeber dieses Flandbuches in der Vorrede zur 
«Msten Auflage des zweiten Bandes ausgesprochen. Und ich möchte überdies folgendes zu 
»•rwHgen geben. Auch bei gewissenhaftester Benutzung der bis jetzt erschienenen Litteratur 
zur griechischen Syntax würden sich für einen, der diese letztere vollständig vorführen 
wollte, so viele und so gro.sse Lücken in der bisherigen Forschung ergeben, die er auf 
Grund eigener Spezialuntersuchungen au.szufüllen hätte, dass das, was er de suo hinzuthun 
niüsHto. irowi«<s mehr wäre als was er Andern entlehnen kann. Wer nun dieses zu leisten 
hieb «1 -«"n im stände fühlt und demnach es übernehmen wollte, eine (Jeschichte 

<]ci s\ , 11 Ausdruck.smittel des (iriechischen zu schreiben, die sich in Anlag« und 

^iisfühiun;.; dtr in dicHem Handbuch erschienenen lateinischen Syntax zur Seite stellte, 
m trete ich für etwaige weitere -Auflagen im lntere.«ise der Sache das in Rede .stehende 
ipitel mit Vergnügen ab. Mir blieb, im Hinblick auf meine Leistungsfähigkeit und auf 
11 zu richote stehenden liauni, nur die Wahl /wischen (>iner sehr lückenhaften und überall 
' ' II Darstellung des EntwieklungsgangeH seit Homer und einer Dai-stellnng. die, 

<»n dem vielgliedrigen un<l mannigfaltigen Detail, den Anfänger befähigt, 
irr griechischen Syntax wissc-iiMchaftlieh vei-Ktehen zu lennMi. In jenem 
ilicli auf die Kla.sHiker der l'oesie und der I'ro.sa hauptsäehlich Rück- 
II. und 80 war es nicht möglich, erheblieh mehr zu geben, als was jede 
. bietet. Daher entHehie«l ich mich für das andere. 
«1< "r. die sich in unserer Zeit mit der wi«HenHcluiftlirhcn Ornnimatik 
heHchäftigen, ist zum 'i'eil ein sehr verHchiedenartiges, und ich 
hing der Gcschiehte des (iriechischen von vornherein darauf vor- 
n, den Ansprüchen Aller gerecht zu werden. Manchen ist die (irammatik kaum mehr 
' Dienerin der I.ittereraturforMchung, in Hpecio der Textkritik. Andere intercvHiert 
in erhter Linie durch hieb Melhnt als eine der verMchiedenen ilethäti^ungcn des 
■. und ibiu'ti licu't die ErfoiHchung ihrer (icHtaltung im (ieinl und .Munde der* 
I oder Nognr noch mehr nin Herzen mIh die Krforrtciiuug der 
T .ich«». Ich ge) nun gerne zu. duHH. indem ich in meiner Ar* 
I iilUui die ,.' " ho im Auge hatte, ihre .KuKiirHeit«" in der Dnn«l4>l- 

: uht zu ihrem \ni. Aber nicht konn ich finden, daiui die ganx«* 

der Behandlun;; <l< i gn< < Ins* lien Stirnrhe, weil ineino Grammatik dem .l'hilo- 
, nicht dem «Linguihten* dienen ^oll, eine andere sein mufotle. Ich kann den 



4 Vorbemerkungen zur zweiten Auflage. 

Unterschied zwischen einer „philologischen" und einer „sprachwissenschaftlichen" Methode, den 
manche immer noch machen, nicht als berechtigt anerkennen und meine, er würde auch heutzu- 
tage nicht mehr gemacht, wenn über einen gewissen Kardinalpunkt grössere Klarheit herrschte 
als der Fall ist. Ich habe diesen in der Einleitung S. 7 ff. zur Sprache gebracht, erlaube mir 
aber, wegen der Wichtigkeit^ die er nach meinem Dafürhalten hat, auch an dieser Stelle 
mit ein paar Worten auf ihn einzugehen. 

Was die heutige Sprachwissenschaft von der älteren unterscheidet, ist vor allem das, 
dass sie sich mit der „Sprachphilosophie" in engere Verbindung gesetzt und es als not- 
wendig erkannt hat, ehe man an die Beurteilung der einzelnen Erscheinungen einer Sprache 
geht, sich vom Wesen der Sprache überhaupt, von ihren allgemeinen Lebensbedingungen 
und den Faktoren, die ihre Fortentwicklung bestimmen, eine klare Vorstellung gebildet zu 
haben; nur derjenige kann ja die geschichtlichen Thatsachen richtig beurteilen, der das 
Wesen der Kräfte kennt, durch welche sie geschaffen werden. Diese Frinzipienfragen sind 
für den Philologen dieselben wie für den Linguisten, denn das Forschungsobjekt ist das 
gleiche und die Wahrheit ist nur eine. Von der Beschäftigung mit diesen Fragen könnte 
die Philologie dann allein entbunden werden, wenn sie sich in der Grammatik auf ein rein 
mechanisches Stoffsammeln einschränken und sich alles und jedes Raisonnements über das. 
Avas der Stein oder das Manuskript zu lesen gibt, enthalten wollte. Da die Denkmäler 
nicht die Sprache selbst sind, sondern nur mehr oder minder rohe und unvollkommene 
Abbilder der Sprache, die ja einzig in der Seele der sprechenden Menschen ihre Existenz 
hat, so würde, streng genommen, schon das Übersetzen der Schriftzüge in wirkliche Sprache 
über die Aufgabe des Philologen hinausgehen; denn schon hier treten jene Prinzipienfragen 
in Kraft. Die Zumutung einer solchen Einschränkung auf dem Gebiete der grammatischen 
Forschung würde aber die Philologie von sich weisen, und mit Recht. Auch die Philo- 
logie hat es als eine ihrer Aufgaben anzusehen, den Kausalzusammenhang der gegebenen 
Spracherscheinungen zu erforschen und die Entwicklungsgesetze festzustellen. Wenn nun 
heute so oft Philologen sich mit Sprachforschern über diese oder jene grammatische Frage 
nicht zu verständigen vermögen, so liegt das zum guten Teile daran, dass die Grund- 
anschauungen verschiedene sind, dass der Philologe oft noch zu sehr an der altüberkommeneii 
Betrachtungsweise hängt, die von einem mehr naiven als wissenschaftlichen Nachdenken 
über das Wesen der Sprache hervorgerufen wurde und sich nicht bloss in der traditionellen 
grammatischen Terminologie forterbt. Die Verständigung muss also dadurch herbeigeführt 
werden, dass man auch philologischerseits zunächst den allgemeinen theoretischen Fragen 
die nötige Aufmerksamkeit zuwendet. Freilich wird mir hier der eine oder andere Philo- 
loge einwenden: unter euch Sprachforschern selbst, denen die Beschäftigung mit dieser 
Prinzipienwissenschaft doch zuvörderst obliegt, herrscht ja heute noch die grösste Uneinig- 
keit. Nun, das würde zunächst nicht rechtfertigen, dass man solchen Anschauungen, die 
unzweifelhaft falsch, die von der gesamten Sprachwissenschaft längst als unrichtig erkannt 
und bezeichnet sind, in der Philologie eine Fortexistenz gewährt, wie sich deren z. B. in 
der als Stoffsammlung (leider eben nur als solcher) mustergiltigen und auch von uns dank- 
barst benutzten Grammatik der attischen Inschriften von Meisterhans (2. Aufl. 1888) viel- 
fach finden. Und was die Uneinigkeit unter den Linguisten betrifft, so ist Thatsache, dass 
seit Bestand der indogermanischen Sprachwissenschaft in sachlicher Beziehung niemals eine 
so grosse Einhelligkeit gewesen ist als gerade heute, sowohl was die allgemeinen, als auch 
was die Einzelfragen betrifft! Kann also die Abkehr so mancher Philologen von den Grund- 
fragen der Sprachwissenschaft auf diese Weise nicht gerechtfertigt werden, so sehe ich 
nicht, wie es sonst geschehen könnte. Die klassische Philologie und die Sprachwissen- 
schaft sind einander von Jahrzehnt zu Jahrzehnt näher gerückt, und sollte man sich von 
der Richtigkeit des gesagten überzeugen und dieser Überzeugung auch praktische Folge 
geben, so ist, so viel ich sehe, die letzte Schranke gefallen, die beide Disziplinen noch trennt. 
Es wird dann Niemand mehr von einer Verschiedenheit und einem Gegensatz der Wissen- 
schaft selbst reden, sondern nur noch von einer Arbeitsteilung, wie sie das Mass der 
Arbeitskraft des einzelnen allerdings verlangt und wie sie voraussichtlich immer muss be- 
stehen bleiben. 

Leipzig, 29. Dezember 1888. 

K. Brugmann. 



Einleitung. 

1. Geschichtliches und Begrriffliches. Mit der griechischen Sprache 

lieschäftigten sich zuerst die CTriechen selbst. Die ersten sprachwissenschatt- 

chen Fragen, die man aufwarf, bezogen sich auf das Verhältnis der Namen 

1 den Dingen, man stritt, ob zwischen dem Wort und dem durch das- 

Ibe bezeichneten Gegenstand das Verhältnis einer Naturnotwendigkeit 

/i'O'/c) bestehe oder ob dem Wort seine Bedeutung durch einen willkür- 

< hen Akt der Übereinkunft (O^i'aig) beigelegt sei (Flato's Kratylus). Diese 

durch mehrere Jahrhunderte hindurch in den Philosophenschulen er- 

terte — Streitfrage rief die Disziplin der hvfiokoyia ins Leben, deren 

»»'trieb freilich durch das ganze klassische Altertum hindurch ein durchaus 

dilettantischer geblieben ist. 

Von Plato und Aristoteles wurde betont, dass nicht im einzelnen Wort, 
sondern nur in der Verbindung der Wörter zum Satz wahres oder falsches 
liege. Dies führte dazu, dass man die Sprachwissenschaft in den Dienst 
der Logik stellte. Man schied die Elemente des Urteils und bestimmte die 
Hedeteile (f^tQt^ tt^g Xt"^f:0)g). Das Aufsuchen der letzteren und Eindringen 
in ihr Wesen (Aristoteles, Stoiker) bildet den Glanzpunkt der gramma- 
tischen Wissenschaft der Alten. 

Aus dem Dienst der Philosophie trat die Sprachforschung vom 3. vor- 
christlichen Jahrb. an in den der Textkritik (alexandrinische Philologie). 
Koobachtungen über die Sprachformen und ihren Gebrauch bei den verschie- 

• nen Schriftstellern (Homer etc.) lenkten die Aufmerksamkeit nachhaltig 
if chronologische und dialektische Unterschiede der Sprache, und wenn 

hierbei auch nicht zu einer lebendigen Aufl'iissung der sprachlichen Thut- 

ichen und einer sachgemilssen Erklärung derselben kam (Analogiston und 

Anomalisten), so ging doch aus diesen Studien die Grammatik als solbstjln- 

dige Disziplin hervor: de« Dionysius Thrax '^x''^ ^(Hf/i/iai/x/^ (ca. 1(K> 

Chr.). Seinen Abschluss erhielt das grammatische System durch Apol- 

DyskoluH (2. Jahrb. n. <'hr.), der die Syntax als besondern Teil dor 

iiiiatik neben die i'\)rmenlehre stellte. Mit seinem Sohn iierodian, 

• r besondors orthographischo und nprosodiBche" Fragen behandelte, hörte 
IM selbstUndigf* PnMluzieren der griechiHchen Sprachwissenschaft auf, diu 
in in winterlicher Dürre bis zur Wiedererweckung der Wissenschaften in 

It.ili' II IL Jahrb.) vegetierte. 



5* A. Griechische Grammatik, a) Einleitung. 

Die erstehende Altertumswissenschaft, welche als eine ihrer Haupt- 
grundlagen genaue Sprachkenntnis betrachtete, förderte die griechische 
Grammatik durch Vermehrung der sprachlichen Observationen und syste- 
matische Ordnung des Stoffes. Die Vorstellungen vom Wesen und Leben 
der Sprache blieben dabei bis auf unser Jahrhundert im wesentlichen die- 
selben wie in der alexandrinischen Zeit : die Sprache wurde wie ein toter 
Mechanismus angesehen, für das Verhältnis der „regelmässigen" und der 
„unregelmässigen" Spracherscheinungen zu einander fand man keine wissen- 
schaftliche Erklärung und wirtschaftete gerne mit den altüberkommenen 
hohlen Kunstausdrücken (Pleonasmus, Ellipse, Enallage etc.). 

In unserm Jahrh. wetteiferten und wetteifern in der Bearbeitung der 
griechischen Sprache zwei Gelehrtengruppen, die klassischen Philologen und 
die historisch-komparativen Sprachforscher. Anfangs nur in lockerer Fühlung 
mit einander stehend, sind sie sich im Lauf der Zeit, mit dem Schwinden 
gewisser Vorurteile auf Seiten der Philologen, immer näher getreten, und 
es ist heute eine ausgemachte Sache, dass die wahrhaft wissenschaftliche 
Aufgabe der griechischen Grammatik nur durch ein Zusammenwirken beider 
zu lösen ist und dass alle den Entwicklungsgang der Sprache betreffenden 
Fragen nur von solchen, die mit den Resultaten und der Methode der histo- 
rischen Sprachwissenschaft vertraut sind, beantwortet werden können. Die 
Philologen förderten unsere Disziplin hauptsächlich durch ihre auf Fest- 
stellung der sprachlichen Thatsachen gerichtete Forschung, die mit der 
kritischen Bearbeitung der Denkmäler Hand in Hand ging und der die 
neu erschlossenen Quellen (Inschriften!) reichliches Material zuführten. 
Daneben ist zu betonen, dass der von verschiedenen Seiten her unter den 
Philologen angeregte historische Sinn auch schon vor der Verbindung der 
Philologen mit den historisch-vergleichenden Sprachforschern der griechischen 
Grammatik zu gute kam und z, B. dem gedankenlosen Abthun der Erklä- 
rung mit Kunstausdrücken Schranken setzte (G. Hermann u. A.). Durch 
die historische Sprachforschung, welche zeigte, dass die griechische Sprache 
ein Glied der indogermanischen Sprachfamilie bildet, wurde der sprach- 
geschichtliche Gesichtspunkt überall zur Geltung gebracht und nicht nur 
ein Ausblick auf die vorgeschichtliche Periode der griechischen Sprache 
eröffnet, sondern auch ein wesentlich richtigeres Verständnis für das Ver- 
hältnis, in dem_ die in der historischen Zeit entgegentretenden Sprach- 
erscheinungen zu einander standen, und damit für den Entwicklungsgang 
der Sprache auch in dieser Periode gewonnen. 

Im engsten Zusammenhang mit der Betonung des Begriffes der histo- 
rischen Entwicklung steht die Abweisung der unberechtigten Vermischung 
der Grammatik, namentlich des syntaktischen Teiles derselben, mit der 
Logik. Man hatte sich zu verschiedenen Zeiten dem Irrtum hingegeben, 
die Sprache folge denselben Gesetzen, wie das begriffsmässige Denken, die 
Kategorien des philosophischen Denkens müssten den sprachlichen Kate- 
gorien entsprechen (Stoiker, G. Hermann, K. F. Becker). Schon einzelne 
unter den Philologen, mehr aber noch die Sprachforscher kamen zu der 
Erkenntnis : Ob die sprachlichen Vorgänge mit den Gesetzen der Logik 
harmonieren oder nicht, muss dem Grammatiker als solchem gleichgiltig 



I 



1. Geschichtliches und Begriffliches. (§ 1, 



.'in; er hat nur zu fragen: wie ist diese oder jene Erscheinung überhaupt 
möglich geworden ? An die Stelle der logischen Betrachtungsweise hat die 
psychologische zu treten. 

und noch zu einer andern wichtigen Erkenntnis hat die historische 
^Sprachforschung geführt, einer Erkenntnis, die freilich in die Kreise der 
klassischen Philologen noch allzu wenig eingedrungen ist. Es ist nicht 
möglich, den Entwicklungsgang einer Sprache so ohne weiteres an den in 
chronologischer Ordnung neben einander gestellten Sprachdenkmälern ab- 
zulesen, sondern man muss sich zuvor über das Wesen der Sprache über- 
haupt und über die Faktoren, welche ihre Fortentwicklung in der Geschichte 
bedingen, gründlich unterrichtet haben. Nicht das Studium des Sanskrit 
ist es, was die erste Grundlage der „sprachwissenschaftlichen" Ausbildung 
auszumachen hat, sondern das Studium der Prinzipienlehre der Sprach- 
wissenschaft, wie sie ungefähr seit einem Jahrzehnt von Sprachforschern 
wie Paul, Wegener, Schuchardt u. a. gepflegt wird. Hat man an der Hand 
dieser Prinzipien Wissenschaft sich von den mannigfachen irrigen Anschau- 
ungen befreit, die das naive Denken erzeugt und die die Macht vielhundert- 
jähriger Gewohnheit in uns nur allzu sehr befestigt hat (man denke nur 
an unsere altüberkommene grammatische Terminologie mit den zahlreichen 
in ihr abgelagerten Verkehrtheiten und überhaupt Unwissenschaftlichkeiten I), 
so kann man den Entwicklungsgang einer Sprache wie der griechischen 
schon zum guten Teil richtig beurteilen, auch ohne sich in andere, dem 
Spezialphilologen ferner liegende Sprachen vertieft zu haben. 

Zar Geschichte der griechischen Grammatik vgl. besonders: 
Classen, De gramniaticae Giaecac ])riniordiis, 1821), Schoemann, Die Lehre von den 
Kedeteüen, nach den Alten dargestellt und beurteilt, 18G2, Steinthal, Ciescbichte der 
Sprachwissenschaft bei den (J riechen und Römern, 18(38. Benfey, Geschichte der Sprach- 
wissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland seit dem Anfange des 19. .lahrh. 
mit einem Rückblick auf die früheren Zeiten, 18G9, Bursian, (Jeschichte der klassischen 
Philologie in Deutschland, 188.i Delbrück, Einleitung in das Sprachstudium, ein Beitrag 
zur (ieschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung. 2. Aufl. 1884. Pezzi, La 
lingua greca antica (Breve enciclopedia sistematica di filologia greca e latina, vol. VI), 
\>*>^X. p. 2—80. Aus unserni Handbuch gehört das Kapitel Geschichte der Philologie 1. 
S. :;u l-JOb hierher, ferner 7, 4:3!r 400 und r):)7^572. 

Hervorragendere zusammenfassende Behandlungen der griechischen Gram- 
matik : 

Behandlungen aus iilterer Zeit: Buttmann. Ausführt, griech. Sprachlehre, Berl. 

Bd. 1. 1819, 2. Aufl. 18:U), B 2. 1825 1827, 2. Aufl. von Lobeck 1839. A. Mattiua, 

Ausfuhr), griech. Grammatik, Leipz. 2 Teile 1807 1827. X Aufl. 1835. Fii. Thikksch, 

• Jriech. (trammatik vorzügl. des homer. Dialekts, Leipz. 1S12, 4. Aufl. 1855. Mehl> 

fioBN, Griech, (irammatik für Schulen und .Studierende [unvollendet], Hallo 1845. R. 

I iiNKK, Ausführl. (irammatik der griech. Sprache, 2 IJiinde. Hannover 1834 — 18Ji5, 

Aufl. 1H«9 1870. K. W. Krüger, (Jriech. Sprachlehre für Schulen. Berlin 1842-184(5, 

,'\ufl, 1873 1875. Dom gegen wU rtigen Stande der griech. Sprach wissen- 

' haft entsprechen: (J. Mkykk. (friecii. Grammatik (ohne Synt^xl, Leipz. 1880, 2. Aufl. 

-•iü und I'ezzi'm genanntes Buch La I. gr. 

In Verbindung mit den verwandten Sprachen wurde daa Griechische nHers 

Iclt. Im ZuHnmmenhang mit allen andern incfogcrmaniHchen Sprachen besonders in 

N-n Werken. Borr, Yrrgb-ic hende (Jramniatik dcH Sanskrit. Zend. .Armenischon, 

'^ ' iteiniHchen. Litauischen. AltMlrtviM<hen. (iothischcn und Deutschen. 3 Bde., 

187 1. H4-11LKICIIKR, ('ompendium der vergleichenden (trammatik der in* 

|.i... .t«n, 4. Aufl. 1M7(5. Verfasser, (irundriss der yrti'--' '••" •••"Mm. 

i.logerm. Sprachen. 1. Bd. (LautNlire) 188(1, 2. Bd. (WortbiM ie, 

Im Zusammenhang mit dem Lateinischen hosondeni in folg. \ . : . lr, 

'rglcichcnde (trammatik der Griecbi«cbcn und I^atvinischen Hpmche, 1. Bd. 1901 (2. Aufl. 



8 



A. Griechische Qrammatik. a) Einleitung. 



1884), 2. Bd. 1865. King und Cookson The principles of sound and inflexion as illu- 
strated in the greek and latin languages, Oxford 1888. Henry, Precis de graramaire 
comparde du grec et du latin, Paris 1888 (dieses Werk ist bereits vergriffen und mir nicht 
zugänglich geworden). 

Von den Schulgramniatiken sei G. Curtius' Griechische Schulgrammatik, 18e52 
(seitdem oft wieder aufgelegt) erwcähnt, weil sie die erste war, welche die Ergebnisse der 
historisch-komparativen Sprachforschung verwertete, und damit dem Betrieb der griech. 
Grammatik in unsern Schulen eine wissenschaftlichere Haltung gab. 

Über das Verhältnis der griechischen (sowie der lateinischen) Gram- 
matik zur sogenannten vergleichenden Sprachwissenschaft bestehen Meinungs- 
verschiedenheiten, ') und es erscheint angemessen, hierauf noch mit einigen 
Worten einzugehen. Statt „vergleichender Sprachwissenschaft" würde man, 
da alle Sprachwissenschaft vergleichend ist, zutreffender „indogermanische 
Sprachwissenschaft" sagen. Ihre Aufgabe geht in der Rekonstruktion und 
Darstellung der indogermanischen Ursprache ebenso wenig auf, als etwa 
die der semitischen Sprachwissenschaft in der Wiederherstellung der semi- 
tischen Grundsprache. Vielmehr hat sie — das gibt die Betrachtung der 
Dinge selbst mit Notwendigkeit an die Hand — die Geschichte der ganzen 
indogermanischen Sprachfamilie von der Zeit der Urgemeinschaft bis zur 
Gegenwart herab zu erforschen in derselben Weise, wie die semitische 
Sprachwissenschaft die gesamte Sprachthätigkeit der Semiten bis auf den 
heutigen Tag zum Gegenstand hat. Die griechische, die lateinische, die in- 
dische u. s. w. Grammatik aber sind die konstitutiven Teile der indogerm. 
Grammatik in gleicher Weise, wie z. B. die dorische, die ionische u. s. w. 
Grammatik die griechische Grammatik ausmachen. Und so wenig die Er- 
forschung der dorischen Dialekte und die griechische Sprachwissenschaft 
bloss in einem Verhältnis gegenseitiger Hilfsleistung zu einander stehen 
und die griechis^che Grammatik nur als eine Hilfswissenschaft der dorischen 
bezeichnet werden kann, ebenso falsch ist es, der indogermanischen Sprach- 
wissenschaft nur die Rolle einer Hilfsdisziplin gegenüber der griechischen, 
lateinischen u. s. w. zuzugestehen. Eine Hilfswissenschaft, die mit Recht 
diesen Namen trägt, steht in Ansehung ihres Forschungsobjektes irgendwie 
ausserhalb der Wissenschaft, der sie zu dienen hat, grenzt an sie nur 
an. Der Begriff der griechischen, lateinischen u. s. w. Sprachwissenschaft 
geht jedoch jedesmal ohne Rest in dem der indogermanischen auf. So sind 
denn auch die verschiedenen Versuche, die man gemacht hat, zwischen 
„philologischer" und „linguistischer" Behandlung der Sprache einen inneren, 
sachlichen Gegensatz herauszufinden, der es erlaube, dass der Philologe 
immer nur die fertigen Resultate des Indogermanisten zu Rate ziehe und 
umgekehrt, als mislungen zu bezeichnen. Man sagt, zur Philologie gehöre 
die Erforschung der Sprachentwicklung nur von dem Punkt an, wo die 
Überlieferung beginnt. Man spricht von der „historischen" Grammatik 
einer Sprache in dem Sinne, dass das Leben der Sprache in vorhistorischer 
Zeit ausser Betracht bleibt, und will so einen Gegensatz gegen die „Sprach- 
vergleichung" ausdrücken, als ob deren Operationsgebiet jenseits des histo- 



^) Ich denke hier nicht nur an Meinungs- 
verschiedenheiten zwische« „Linguisten" und 
,, Philologen", sondern auch an solche, die 
im Kreise der Linguisten selbst in den letzten 



Jahi-en hervorgetreten sind. Sieh z. B. R. 
Meringeb, Ztschr. f. österr. Gymn. 1888 S. 
128 ff. (besonders (S. 131). 



2. Methodologisches zur Lautlehre und zur Syntax. (§ 2.) 9 

i sehen Bodens der Einzelsprache liege. Aber die Geschichte einer indogerm. 
-prache von der Zeit der indogerm. Urgemeinschaft bis auf unsere Zeit 
~t eine nirgends zu zerschneidende Einheit, und mit dem Entwicklungsgang 
er Sprache selbst hat es nichts zu schaffen, aus welcher Zeit das älteste 
ns erhaltene Denkmal derselben stammt. Griechische Sprache gab es auch 
chon vor Homer, und weder die Weiterentwicklung eines einzelnen grie- 
lischen Dialektes noch das Verhältnis der verschiedenen Dialekte zu einander 
^ann verstanden werden, wenn wir uns nur diesseits der Überlieferung 
halten. Die griechische Sprache begann als solche mit der Periode der 
! iechischen Urgemeinschaft, und das vorgeschichtliche Leben, in den Haupt- 
igen wenigstens, zu rekonstruieren haben wir die Mittel. Ob wir die 
achhomerische oder die vorhomerische Geschichte der griechischen Sprache 
erforschen, in beiden Fällen lösen wir dieselbe Aufgabe und wenden dieselbe 
Methode an, nur dass das Verhältnis zwischen dem durch Überlieferung 
Gegebenen und der kombinatorischen Thätigkeit sich verschieden gestaltet. 
Jene „historische Grammatik" ist also ein schiefer Begriff. Ferner soll der 
Sprachwissenschaft ihrem Wesen nach die Erforschung der allgemein usuell 
feststehenden Verhältnisse der Sprache, der Philologie dagegen die Plrfor- 
schung ihrer individuellen Handhabung in der Litteratur zufallen, jene habe 
die „Naturseite", diese die „Kulturseite" der Sprache zu untersuchen. Aber 
auch die Sprachwissenschaft verlangt an sich selbst, dass der Forscher das 
Sprachleben bis in seine eigentümlichsten Verzweigungen hinein verfolge, 
und so gewiss der Philologe als Archäologe nicht allein die Entwicklung 
des Tempelbaues und der sonstigen Gattungen des Kunstbaues, sondern 
auch die Geschichte des einfachen Wohnhauses zu verfolgen hat, so gewiss 
hat er als Grammatiker auch das gewöhnliche Alltagssprechen des gemeinen 
Mannes zu studieren. Auch kann ja einerseits die Umgestaltung des all- 
gemeinen Sprachusus nicht ohne eine Kenntnis der individuellen Sprach- 
schöpfungen, der höheren wieder niederen, und anderseits können die Leistungen 
der einzelnen Schriftsteiler nicht ohne richtige Vorstellungen von der Ge- 
samtorganisation der Sprache verstanden und gewürdigt werden.*) Und 
ebenso wenig ist endlich die Behauptung gerechtfertigt, der Philologie komme 
auf Grund ihres Begriffes die Pflege der deskriptiven oder statistischen 
Grammatik zu, der Sprachwissenschaft hingegen die entwicklungsgeschicht- 
liche Foröchung. Man braucht nur andere Philologien als die klassische ins 
Auge zu fassen, um sich zu überzeugen, dass auch diese Aufstellung unhaltbar 
ist. Hier, wie bei den andern Versuchen, Philologie und Sprachwissenschaft 
auseinander zu bringen, als innerlich gegensätzlich hinzustellen, läuft das, 
was man für eine wesentliche Verschiedenheit ausgibt, höchstens auf eine 
Teilung der Arbeit hinaus, die sich aus Zweckmässigkeitsgründen, vor allein 
im Hinblick auf das Mass menschlicher Einzelkraft, empfiehlt.^) 

*i. Methodolog-isches zur Lautlehre und zur Syntax. Von don 

drei Teilen (i(3r («nimmatik, Laut-, Formenlehre und Syntax, wurde der 
«•rste durch die neuere Sprachwissenschaft am bedtMitondston p'fördort und 

, ,^.. i A. , . i \ . I f., /.um hruli^rii .*<J«iu! dor 

K0f»ch.« 8. 80. ^M.i. liuiMs.-i.H.l.uft S. 17 ff. 



10 A. Griechische Grammatik, a) Einleitung. 

stand in den letzten Jahren im Vordergrund des Interesses. Letzterer 
Umstand, oft gerügt, findet seine Erklärung und Rechtfertigung darin, dass 
die Lautforschung der gründlichsten Revision bedurfte, und dass die 
ganze Morphologie und in der Hauptsache auch die Syntax nur dann sprach- 
historisch richtig verstanden werden können, wenn man in den Stand ge- 
setzt ist zu entscheiden, welche in den verschiedenen Dialekten und den 
verschiedenen Zeiten auftretenden Formationen einander etymologisch gleich- 
zustellen sind; z. B. hängt die Lösung zahlreicher Probleme der Kasussyntax 
im letzten Grunde von lautgeschichtlichen Fragen ab, wie die Entscheidung 
der Frage, aus welchen Bestandteilen sich der griechische Dativ zusammen- 
setzte (vgl. § 81 ff., 184 ff.). 

In der Lautlehre spielt eine wichtige Rolle der Begriff „Lautgesetz", 
der hier um so mehr eine kurze Erörterung verdient, als in betreff seiner 
mancherlei Missverständnisse umlaufen. Es entsprang dieser Begriff aus 
der schon im Altertum gemachten Beobachtung, dass in einer Sprache oder 
in einem Dialekt gewisse Lautübergänge durch eine grössere Reihe von 
Wörtern hindurch in derselben Weise erfolgen, z. B. böot. si für das rj der 
andern Dialekte, ^s(q für drjQ u. s. w. (§ 8). Solche Gleichmässigkeiten 
in der Lautbehandlung nannte man Lautgesetze. Oft schien aber in ge- 
wissen Wortformen die Lautaffektion nicht eingetreten zu sein, die man in 
der Mehrzahl der gleichartigen Formen beobachtete und demnach auch dort 
erwarten konnte, oder es schien eine Änderungsneigung nur einige wenige 
Wörter ergriffen und die grosse Mehrzahl verschont zu haben („sporadischer 
Lautwandel"), oder dasselbe Wort trat in demselben Dialekt gleichzeitig 
bald in dieser, bald in jener Gestalt hervor, so dass die eine von beiden 
Gestalten als unregelmässig erschien. Indem nun die neueste Sprachwissen- 
schaft genauer erwog, welche Faktoren im Leben der Sprachen thätig sind, 
unter welchen Bedingungen und Einflüssen alle geschichtliche Weiterentwick- 
lung der Sprachen sich vollzieht, und indem sie dabei berücksichtigte, wie sich 
im Lauf unseres Jahrhunderts immer mehr „unregelmässige" Lautvertre- 
tungen als regelmässig erwiesen haben, gelangte sie zu dem Axiom, das 
man gewöhnlich kurz so formuliert: die Lautgesetze wirken ausnahmslos, 
oder: sie sind allgemeingiltig. 

Hiermit ist gemeint: wenn innerhalb einer einheitlichen Sprachgenossen- 
schaft in einem gewissen Zeitpunkt eine Lautbewegung aufkommt, so ist 
für alle Wörter, in denen der Laut unter gleichen Bedingungen (gleiche 
Betonung, Silbenstellung, Beschaffenheit der folgenden oder der vorher- 
gehenden Laute u. s. w.) vorliegt, die Veränderungsursache gleichmässig 
vorhanden, und folglich werden alle gleichmässig von der Lautbewegung 
berührt; nur durch ausserhalb stehende, von der Veränderungsneigung selbst 
verschiedene Faktoren kann der Verlauf der Bewegung in einer mehr oder 
minder grossen Anzahl von Formen gehemmt und durchkreuzt werden, und 
man dürfte hier, streng genommen, ebenso wenig von „Ausnahmen" sprechen 
als man etwa die Erhitzung des Wassers unter starkem Druck auf über 
100 <^ eine Ausnahme von dem Gesetz nennen wird, dass Wasser sich bei 
100^ in Dampf verwandelt. 

Dabei hat man ein doppeltes zu beachten. Einmal, dass es sich hier 



i 



2. Methodologisches zur Lautlehre und zur Syntax. (§ 2.) \\ 



ir um den Lautwandel im engeren Sinne, um die ganz allmählich vor 
ch gehenden Verschiebungen der Laute handelt, wie wenn a zu e oder 
zu / wird, nicht um die sprungweise sich vollziehenden Lautmetathesen 
dgl. (Verf., Zum heutigen Stand S. 50, Paul, Princip.- 59 f.; vgl. jedoch 
KHAGHEL, Litcraturblatt für german. und roman. Philol. 1886 S. 443). 
weitens, dass man den Ausdruck „Gleichheit der lautlichen Bedingungen" 
cht allzu wörtlich nehmen darf. Absolute Gleichheit hat man nur bei 
.lomonymen, sonst nur partielle. „Wie es jedoch zwischen a und / eine 
unendliche Reihe von Vokalnüancen gibt, von denen wir aber für die laut- 
physiologische und lautgeschichtliche Forschung nur einige wenige fixieren, 
und wie wir aus der unendlichen Menge von Dialekten einer Sprache (denn 
streng genommen stellt jedes Einzelwesen einen solchen dar) zusammen- 
fassend eine Anzahl von Gruppen bilden, so können wir auch ganz mini- 
male Verschiedenheiten in den Bedingungen, unter welchen Laute auftreten, 
ohne jeden Schaden für die Forschung ignorieren und auch dann von ,gleichen 
Bedingungen* reden, wenn wirklich bei mikroskopischer Betrachtung sich 
doch eine Differenz wahrnehmen lässt. Der Rechnungsfehler wird gemeinhin 
kein grösserer sein, als wenn man die tausendste Stelle eines Dezimalbruches 
nicht mehr berücksichtigt." (G. Meyer, Liter. Centralbl. 1888 Sp. 449 f. 
gegen H. Schuchardt, Über die Lautgesetze, 1885, und gegen P. Regnaud, 
Les lois phonetiques etc., 1887). 

Aufgabe der Sprachwissenschaft ist es nun, in jedem einzelnen Falle, 
wo eine lautliche Unregelmässigkeit vorliegt, den interkurrierenden Faktor 
nachzuweisen, welcher die Ausnahme erklärt, nicht aber dürfen uner- 
klärte Ausnahmen zur Grundlage von Schlüssen gemacht wer- 
den, welche die sonst beobachtete Konsequenz der Lautbewe- 
gungen aufheben sollen. Bei dem Suchen nach der Erklärung hat nuin 
besonders folgende l^unkte zu berücksichtigen, welche der Ausnahme ihron 
Schein nehmen und die richtige Deutung an die Hand geben können: 

1. Die schriftliche Darstellung der Laute ist oft ungenau und inkon- 
sequent, während die Lautproduktion selbst gleichmässig verfährt. Z. 1^ 
sind X, '[ auf der grossen Inschrift von Gortyn ungenaue Darstellung der 
t<jnues aspiratae x, y, wie xQovog = xQ^^^'^<i^ ttvAü = ifvh't. Vom 2. .lahrli. 
V. Chr. an finden wir bald n bald / geschrieben, wo nur / gesproditn 
wurde, wie ^neidr^ und iTTiSi], EtQig und 'iQig (Blajss, Ausspr.' 58). 

2. Falsche Ansichten über den etymologischen Ursprung einer l'orni 
können täuschen. Da 'nög nicht gleich lat. deus, ai. (h'rd-s war, so ist 
unrichtig, dass ursprüngliches d sporadisch vor Vokalen zu ;> geworden soi. 

'A. Der Schein der InkonK('(|uonz entsteht häuHg durch Entlohnung von 
Wörtern aus andern Verkehrsk reisen, sei es dass die Verpflanzung auf 
künstlichem Wege durch die Schriftsprache oder infolge örtlicher Berührung 
verHclii ' ' »haften erfolgt (Dialoktmischung, Lohnwörtor). 

Vgl, «i ii" in dialekfiKtln'ii InscIuirtiMi. /. H. fhrrxttfrnH 

neben dutnamn auf den horakleischen Tafeln. 

4. Nachdem durch die Wirksamkeit cinrs Limi iin \.,u\\ ■•. - 

beitigt ist, ent>*feht oftmals derHolbo Lauf von nrurm • iht nunmrhr 

unverändert. Andre Zeiten, andre liautgt.srfzo, ^ i att 6üh,t(Ti. 



12 ^' Griechische Grammatik, a) Einleitung. 

TcXovaiog u. a. keine Ausnahmen von dem Gesetz, dass intervokalisches a 
schwand {ykvsog aus "^ysvta-oq § 45), denn letzteres Gesetz wirkte nur in 
urgriechischer Zeit, 6iS(oai, TtXovaiog aber entstanden erst in einzeldialek- 
tischer Zeit aus SiSoni, nXovviog (§ 37). Ähnlich att. ^tq^iavaic gegenüber 
Tiaaa iifjiceg aus uratt.-ion. *7rav<Ta Hi^avg (§ 55), und näaa iif^iag gegen- 
über Tifxrj Tifi^g etc. aus uratt.-ion. *nfAä Hif.iag (§ 10); att. ia^itv, rinffita- 
liai gegenüber diil aus urgriech. "^iapLi {% 45). 

5. Zwei neben einander wirkende Gesetze erzeugen den Schein der 
Ausnahme. Dass im Ionisch- Attischen in ^Vi«, matig u. a. t vor / nicht 
in er verwandelt war wie in SiSMai -^ dor. SiSmii^ ist nicht als Ausnahme 
von dem Gesetz zu bezeichnen, dass -ri- in -ai- überging; denn es war selbst 
ein ausnahmsloses Gesetz, dass t in der Verbindung -an- nicht spirantisch 
wurde (§ 37). 

6. Manchmal werden zwei unter verschiedenen lautgesetzlichen Be- 
dingungen entsprungene Formen desselben Wortes, nachdem die Wirksam- 
keit der beiden Lautgesetze erloschen ist, promiscue, ohne Rücksicht auf die 
Bedingungen, unter denen sie entstanden, gebraucht. Im Attischen z. B. 
dg und ig, beide aus ivg; ursprünglich nur eig amo und eg tovvo, dann dg 
auch vor konsonantischem und sg auch vor vokalischem Wortanlaut (§ 55). 
Derartige Erscheinungen begegnen oft, wo es sich um Satzphonetik han- 
delt (§ 63-65). 

7. Gewisse Formkategorien scheinen zuweilen ihre besonderen, ihnen 
eigentümlichen Lautgesetze zu haben, z. B. die Reduplikationssilben. Der 
Schein des Exceptionellen entsteht hier dadurch, dass sich eben nur bei 
diesen Formen die betreffende Lautkonstellation vorfindet, welche für den 
Wandel Bedingung ist. Die phonetischen Gesetze, welche Lautverbindungen, 
die nur selten in der Sprache vorkommen, betreffen und deren Wirksamkeit 
sich darum nur an wenigen Wörtern, vielleicht nur an einem Wort be- 
kundet, sind im Prinzip nicht weniger generelle als die, welche an tausenden 
von Formen hervortreten. 

8. Oft hat man, ohne dass dabei eine Konsequenz sichtbar wurde, 
Spaltung eines Lautes in zwei oder mehrere Laute angenommen, wo die 
Verschiedenheit vielmehr schon eine ursprachliche war. So war nicht vor- 
griechisches a bald zu s, bald zu o geworden {(fSQs, (foQog), bald « ge- 
blieben (oiys), sondern schon die idg. Grundsprache hatte e, o, a neben 
einander als Vorläufer von s, o, a (§ 5 Anm.). 

9. Sehr häufig erklären sich Ausnahmen als Analogiebildungen (Form- 
assoziation). So war z. B. in tjts neben rjars nicht „ausnahmsweise tr vor 
T geschwunden", sondern ijt£ war eine Neuschöpfung nach i]^€v, umgekehrt 
war in fV^^r nicht „das ursprüngliche c der Form ausnahmsweise geblieben" 
(vgl. €if.ibv), sondern das er wurde von iart übertragen (§ 45. 112). Assozia- 
tive (analogische) Neuerungen müssen von den „lautmechanischen" (laut- 
gesetzlichen) überall scharf getrennt werden. 

Durch Beobachtung dieser und verwandter Gesichtspunkte hat sich 
die Zahl der unerklärten „Ausnahmen" von den Lautgesetzen des Griechi- 
schen' wie seiner Schwestersprachen in den letzten Jahren ganz erheblich 
vermindert. Dass ein Rest von Unerklärtem immer bleiben wird, versteht 



2. Methodologisches zur Lautlehre und zur Syntax. (§ 2.) \:\ 

sich leicht bei der Spärlichkeit und nach verschiedenen Richtungen hin 
äusserst mangelhaften Beschaffenheit unserer Quellen und bei der Sachlage, 
dass wir die Ausnahmen von den Lautgesetzen auf bestimmte Ursachen 
zurückführen sollen, während wir die Ursachen der Lautgesetze selbst, ab- 
gesehen von unsicheren Hypothesen, noch nicht kennen. Es darf aber dieser 
Umstand ebensowenig als Beweis der Unrichtigkeit der von der neueren 
Sprachwissenschaft befolgten Forschungsmethode hingestellt werden, als es 
etwa einen Einwand gegen die in der neueren Geschichtsforschung gel- 
tenden Untersuchungsprinzipien abgeben kann, dass diese nicht alle über- 
lieferten historischen Fakta in Einklang mit einander zu bringen vermag. 

Erst seit zwei bis drei Dezennien ist die historisch-vergleichende Me- 
thode auch auf die Syntax der griechischen Sprache angewandt w^orden. 
Seinen Grund hat dieses einerseits darin, dass der jungen Sprachwissenschaft 
die auf die äussere Sprachform sich beziehenden Fragen und Aufgaben als 
die dringenderen erscheinen mussten (vgl. S. 9 f.), anderseits in dem Um- 
stand, dass die Syntax des klassischen Sanskrit, bei ihrer ganz eigentüm- 
lichen Beschaffenheit, zu einer Vergleichung mit derjenigen des Griechischen 
und andrer europäischer Sprachen wenig anregte; erst durch die Erschlies- 
sung des vedischen Dialektes, dessen Syntax der griechischen sehr nahe 
stand (beträchtlich näher als z. B. die lateinische), wurde dem vergleichen- 
den Studium der Syntax ein kräftigerer Impuls gegeben (das Hauptwerk 
über die ved. Syntax ist B. Delbrück's Altindische Syntax, Halle 18881. 

Vor einer Herleitung der syntaktischen Kategorien aus den logischen 
Denkformen braucht heute kaum mehr gewarnt zu werden. Dagegen dürften 
mit Rücksicht auf die heutige syntaktische Forschung folgende prinzipielle 
Bemerkungen immer noch nicht überflüssig erscheinen. 

Man hat strenge zu scheiden zwischen der allgemeinen Bedeutung einer 
Form und ihrer Grundbedeutung.') Jene wird durch Zusammenfassen der 
einzelnen Gebrauchsweisen einer Form zu einem höheren, gemeinsamen Be- 
griff gewonnen, ist eine allgemeine Formel, auf die man die einzelnen Funk- 
tionen zu bringen sucht, und hat, als ein Produkt logischen Abstrahierens, 
nur einen Wert für die Orientierung. Diese ist die ursprüngliche Funk- 
tion, aus der die einzelnen Bedeutungen sich im Lauf der Zeit entwickelten, 
also streng genommen immer die Funktion, welche die Form zu der Zeit 
hatte, als sie entstand. Sie kann lediglich auf historischem Wege gefunden 
werden. Und muss sie, wie es meistens der Fall ist, jenseits der durch 
Denkmäler bezeugten l*eriode der Sprache gesucht werden, so kann nur 
die Vergleichung der anderen Dialekte und Sprachen die Mittel zu ihrer 
Feststellung an die Hand geben. Nun liegt aber der Ursprung der flexi- 
vischen Elemente, an die sich in der Regel die syntiiktischen Funktionen 
knüpfen (vgl. z. B. das -<- in (ftgo-i-iuv, das -oq und -lo in no6^ und 
'i:t7to-in), allcrmeistcnH weit jenseits des Sprachzustandes, den die Spnuli- 
forschung durch Vergleichung der verschiedenen idg. Sprachen mit oini.:.:« i 
Sicherheit zu erschliessen im stände ist (Ausgang der idg. Urgemeinschaft), 
und die Versuche, den Ursprung auf etymologischem Wege aufzuklaren 

') Vgl. KvlcALA. ZUchr. f. «I. önterr. 1 - v frincip.« 8*.. 

Ovinnjift. 1hi;:JH. :W)ri; DklbrCck, S. F. 1, 11. 



14 A. Griechische Grammatik, a) Einleitung. 

(vgl. z. B. die Herleitung des optativischen -i-, -l- von der Wurzel ei-\ 
„gehen"), sind zu unsicher, um einen Anhalt für die Feststellung des Grund- 1 
begriffs abgeben zu können. Hieraus erwachsen der historischen Syntax! 
grosse Schwierigkeiten. Und diese mehren sich, wo zum Ausdruck der- 
selben Funktion verschiedene, etymologisch nicht vereinbare Formationen 
neben einander dienen. Was etymologisch verschieden ist, hatte wahr- 
scheinlich im Anfang auch verschiedene, wenn vielleicht auch nur sehr 
wenig verschiedene Bedeutung. So wird z. B. der sigmatische Aorist (ß6ti'§a) 
von Beginn an nicht dasselbe bedeutet haben wie die starken Aoriste 
{sdojnfr, s(f)VYor, Ijyccyov etc.); sondern in ähnlicher Weise wie im Latei- 
nischen der ursprüngliche Konjunktiv und der ursprüngliche Optativ so 
zusammenrannen, dass die Konjunktivformen (z. B. feram) die Optativbedeu- 
tungen und die Optativformen (z. B. sim) die Konjunktivbedeutungen mit 
übernahmen, wird auch ein Teil der aoristischen Funktionen anfänglich nur 
an den s-Formen, ein anderer Teil an den andern Formen gehaftet haben 
und dann eine Funktionsvermischung eingetreten sein (§ 159). In solchen 
Fällen, wo mehrere altüberkommene Formationen mit gleicher Gebrauchs- 
weise in der historischen Gräzität neben einander standen, ist also eine 
Zurückführung der verschiedenen Funktionen auf einen einheitlichen Aus- 
gangspunkt von vornherein unzulässig. Ferner ist zu beachten : in den sehr 
häufigen Fällen, wo eine Formkategorie schon in uridg. Zeit verschiedene 
Bedeutungen hatte — z. B. wurde der Optativ schon damals zugleich als 
Potentialis und als Wunschmodus gebraucht (§ 166) — muss die einzel- 
sprachliche Grammatik sich hüten die Funktionen auf dem einzelsprach- 
lichen Gebiete historisch vermitteln zu wollen. Es ist a limine verkehrt, 
zu fragen: welches war die Grundbedeutung des Optativs fürs Griechische 
(im Gegensatz zum Indischen, Italischen etc.)? Aus allem dem ergibt sich, 
dass in der syntaktischen Forschung das Suchen nach den Grundbegriffen 
die allerletzte Aufgabe ist, dass man meistens auf die Lösung derselben 
überhaupt verzichten muss und nur festzustellen hat, welche Anwendungen 
einer Formenkategorie aus den Zeiten der gemeinsamen Ursprache stammten 
und was aus ihnen im Verlauf des Sonderlebens der einzelnen Sprache wurde. 

Die verschiedenen syntaktischen Funktionen einer Form bestimmen 
sich nach dem Satzzusammenhang (vgl. eSoma in den beiden Sätzen edoyxa 
Tama und d sixov, tSwii av), und es ist von Wichtigkeit, dass man überall 
die immanente Bedeutung einer Form, d. h. die, welche sie unter allen Um- 
ständen hat, und die zufällige, d. h. die, welche sie über jene hinaus hat und 
welche ihr nur in einem gewissen Zusammenhang und nur durch diesen zu- 
kommt, klar auseinander halte. Letztere wird oft mit der ersteren verwechselt. 
So hatte z. B. das partic. aor. nichts von Vergangenheitsbedeutung an sich, 
diese wurde, wo sie vorzuliegen scheint (z. B. siirah' rama dnt^siv), nur 
erst durch die bestimmte Verbindung erzeugt (§ 161), war also zufällig, 
während dagegen der Sinn der Aktionsart (§ 159) der Form immanent war. 

Ein weiteres, bei syntaktischer Forschung oft übersehenes Erfordernis 
ist, dass man nicht in die Sprache hineinlege, was nicht dem Schriftsteller 
selbst, dessen Worte man untersucht, in der Seele gelegen hatte. Dieser 
nach vielen Richtungen hin zu beachtende Grundsatz soll hier nur auf einen 



ä. Methodologisches zur Lautlehre und zur Syntax, (i^ J.) 15 

,11 beispielsbalber angewandt werden. Wenn es gilt, den Verlauf einer 
iitaktischen Entwicklung durch die Denkmäler hindurch zu verfolgen, 
werden oft gewisse den Schriftstellern entnommene Beispiele als solche 
iigestellt, in denen noch die ursprüngliche Bedeutung hervortrete, die 
L-h den Anfangspunkt der Bewegung zeigten. Man nehme z. B. die Ver- 
i he, in homerischen Sätzen die alte parataktische Fügung nachzuweisen, 
;<> A 470 öf-iöuu iii'j Ti TTci'/r^aiv: „Ich bin in Furcht. Dass ihm nur nichts 
-tössti" Man darf zwar solche Beispiele zur Erläuterung des ursprüng- 
hen Sprachzustandes heranziehen, muss sich aber darüber klar sein, dass 
Zurückführung auf die ursprüngliche Form an dem einzelnen Beispiel 
r insofern statthaft ist, als dasselbe den gesamten Satztypus vertritt; 
r Versuch, in jedem Beispiele an und für sich die ursprüngliche Form 
V'derzufinden, ist weder thatsächlich durchführbar noch theoretisch gerecht- 
tigt. Denn sobald ein neuer Typus in einer Anzahl von Beispielen ein- 
il geschaffen ist — die Nebensätze stammten als solche zum grossen Teil 
- der idg. Grundsprache (§ 203) — , wird das in ihnen vorliegende Bei- 
iel von den nachkommenden Geschlechtern nachgeahmt und gedächtnis- 
issig reproduziert, ohne dass die verschiedenen Momente der Entwicklung, 
lebe die ersten Beispiele durchzumachen hatten, ferner noch irgendwie 
iie Holle spielen. Jener Irrtum ist also von ähnlicher Art wie der- 
jenige, zu dem die gewöhnliche Fassung von Lautregeln in der praktischen 
Grammatik, z. B. „r, J, ^ gehen vor ^-Lauten in o* über, wie chvcr-^^^rca 
von avvi-ü), ntia-O^r^vm von tt^/'^-ö;", so leicht führt: der betreffende Laut- 
übergang vollzog sich nicht immer von neuem, sondern war in der Zeit, 
für die man die Verwandlungsregel aufstellt, bereits abgeschlossen, nnd 
die damals Lebenden hatten die betreffenden Formen entweder rein ge- 
däclitnismässig aufgenommen und reproduzierten sie auch so, oder sie hatten 
dieselben nach Analogie (etwa 7Tfia0t]rai zu tntiait ntTTfiatnai nach tQf^t- 
o,')i]rca: i[oi-iaa tot^ohtanca u. ähnl.) gebildet. Vgl. hierzu noch § 203 Anmerk. 
und Uhtkl, Progr. von Weimar 1884 S. 4. 

Lt:sKiEN, Die Decl. im Slavi-sch-litauischen und Germanischen, 1870. Verf. M. U. 1 
Vorwort, wo zugleich andere ältere Litteratur verzeichnet ist (p. XIII). Mistrli. Ztsciir. 
für Völkeri)». 11, .'W.') ff. 12, 1 ff. Osthoff, Das physiologische und psychologische Moment 
in th'f sprachlichen Formenbildung, 1879. Delbrück, Einleitung etc. (s. § 1 S. 7). Masino. 
Laiitg«Hetz und Analogie in dor Methode der vergleichenden Sprachwissenschaft (Jahresbor. 
der St.-Annenschule in St. I'ctershurg), 18K3. Hloomfielu, On the probability of tiie e.xi- 
Ht<'nce of piionetic law, Amer. Journal of Philol. 5, 178 ff. 0. Karsten. Zur (Jestli. d. 
alt franz. Consonantonvcrbindungon, Freiburg 1884, S. 14 ff. John, über die methodischen 
I'rin/ijiien der sog, .Funggranimatiker, Korresp.-Hl. f. d. Gel.- nnd Healschulen 18S4. \\. u. 4. 
lieft, (J. Clhtiuh, Zur Kritik der neuesten Sprachfoi-schung 1885, S. (5 ff. DklurCik, Dir 
n*ur'8t*' Sprachforschung, 188.'», S, H ff. Verf. Zum hcutigi-n Stand der Spraciiwiss., iss:». 
S'.47ff. S'< iifdiARDT, (*ber die Lautgesetze, IHMf). Windt, (^l»er den Hegriff d»'H (Je.setzrs. 
n-it l!ii< k^irlit auf die Frage der Ausnahmslosigkeit der Lautgesety.e, Philosoph. Stud. .'l, 
II».'» ff, .U.si'KhMKN, Zur LautgCHctzfrage, 'IVchmer's Internat. Zt«chr. f. allgem. S^trachwis«. 
'{. 188 ff. (iu'^iiKR in seinem (JrundriHs der r<»man. Philol. 1, *J01MV. I^ail, Pnncipien 

d»r Sprarh i..,i.... » \..ti i^v. i , . ...i,.,.^ S. 4<> ff. (mit der Hcsprechung von 

P.f.iiA'.iiH . I 18H<;, S. A\'\). AsJOLi, ISprachwisHeu- 

Mrhafllidi« hi. .: .. i ..... ;..;.ii nachweise bei ScilVCiiARDT H. (>. p. V s(|. 

und bei 'r>:<nMF.K, Internat. Ztschr. für allgem. SprachwisH. W, 40.'J ff. - Speziell Über 
Syntax: L, La,nok. Ober Ziel und Methode der syntakt. Fi»rHchung, Verb, der (iJUtinger 
PliiInlogenverH.. 18:i2; DeliihOck, (Mier die Hesultate «ler vergleichenden Synta.x, Verb. «1er 
Leipziger Philologenvent., 1^72; Zikmkh. Junggramniatischo Streifzüge, 2. Aufl. IHSI, 
'L Abvcbnitt. 



16 



A. Griechische Grammatik, a) Einleitung. 



3. Die Stellung: des Griechischen im Kreise der idg*. Sprachen 
und die g-riechischen Mundarten. 

Obwohl es a priori nicht unwahrscheinlich ist, dass das Griechische 
zu einem oder dem andern der übrigen Glieder der indogermanischen Sprach- 
familie ^) in näherer verwandtschaftlicher Beziehung stand als zu den andern, 
so ist doch eine solche Beziehung von der Sprachwissenschaft bis jetzt 
weder bewiesen noch wahrscheinlich gemacht. Die beliebte Annahme einer 
gräkoitalischen Sondereinheit entbehrt bis jetzt jeder festeren Grundlage. 

JoH. Schmidt, Die Verwaiultschaftsverhältnisse der idg. Sprachen 1872. Delbrück, 
Einleitung, 2. Aufl., 131 ff. 0- Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte, 1883, 
S. 66 ff. Vf., Zur Frage nach den Verwandtschaftsverhältn. der idg. Sprachen, in Tech- 
mer's Internat. Ztschr. für allgemeine Sprachwissensch. 1, 226 ff'. P. von Bradke, Beiträge 
zur Kenntnis der vorhistorischen Entwickelung unseres Sprachstammes, Giessen 1888. 

Von den zahlreichen Neuerungen, welche das Griechische in allen Ge- 
bieten der Grammatik sowie im Wortschatz zur Zeit der griechischen Ur- 
gemeinschaft erfuhr und welche die griechischen Mundarten gegenüber den 
andern indogerman. Sprachen als eine geschlossene Einheit erscheinen lassen, 
seien beispielshalber genannt: qa^ uq aus r, z. B. ion.-att. sdqaxov = ai. 
ddrkam (§ 23); -v aus -m, z. B. ion.-att. ^vyöv = lat. jugum (§ 20); 
Schwund von s zwischen Vokalen, z. B. ion. ytrsog att. ytvovg = ai. 
jdnas-as (§ 45); -va- aus -nti-, z. B. gen. kret. (psqovaäg att. (fSQovar^g aus 
"^pJierontiäs, vgl. ai. bJidrantyäs (§ 38); Bildung einer Komparativkategorie 
mittels des Suffixes -ien-, wie i]d'i(jov (§ 71, 2. 73, 3), und einer Superlativ- 
kategorie mittels -laro-, wie Mfxö-TaTo-g (§ 70, 14b); Bildung der Kategorie 
des x-Perfekts wie s'arrjxu (§ 135); Umbildung des nom. und gen. sg. der 
männlichen ä-Stämme nach der Analogie der o-Stämme, wie att. nolür^'g 
noXnov (§ 75. 79); Schöpfung der medialen Imperativform auf -a^oi, wie 
(f€Qsadco, nach dem Muster der aktiven Form auf -ra^ (§ 114); Medialisierung 
der Infinitivendung -cr.^-af, wie (fsqsad^ai (§ 146, 1); Entwicklung des gene- 
tivus absolutus (§171); Entwicklung des Optativs der indirekten Rede (§167). 

Von Beginn der Überlieferung erscheint die griechische Sprache in 
dialektischer Variation und befand sich sicher auch schon Jahrhunderte vor 
Homer in diesem Zustande. Die alte Dreiteilung der Mundarten in Äolisch, 
Dorisch und Ionisch ist wissenschaftlich ungenügend, ebenso aber auch jede 
andere die Dialekte im Sinne der „Spaltungs-" oder „Stammbaumtheorie" 
sondernde Einteilung, die einige Hauptgruppen aufstellt, diese wieder in so 
und so viele Untergruppen teilt u. s. f. Die dialektische Differenzierung 
vollzog sich, wie anderwärts, so auch auf griechischem Boden nur zum 
Teil infolge von Spaltungen und geographischen Trennungen des Volkes. 
Vielfach ging sie vor sich, ohne dass die geographische Kontinuität des 
Sprachgebietes aufgehoben und der Volksverkehr wesentlich beschränkt 
war. Es können, was früher oft unbeachtet geblieben ist, bei geographi- 
schem Zusammenhang sprachliche Neuerungen in einem Gebiete aufkommen 
und sich über dieses verbreiten, dessen einer Teil zu einem andern Dialekt 
oder einer andern Dialektgruppe gehört als der andre, so dass die Grenze, 



^) Man merke die Abkürzungen: ai. = 
altindisch, av. == avestisch, air. = altirisch, 
ahd. = althochdeutsch, nhd. = neuhoch-' 



deutsch, lit. — litauisch, aksl. = altkircheu 
slavisch. 



3. Die Stellung des Griechischen im Kreis der idg. Sprachen etc. (§ 3.) 17 

ie man sonst im Sinne der Spaltungstheorie zieht, für diese Sprach- 

ischeinungen nicht gilt. Aber auch diese werden in der Wissenschaft 

Is mundartliche Erscheinungen bezeichnet, und ihr Verbreitungsgebiet ist 

is eine Einheit zu betrachten. Man bringt also das Bild der Stammtafel 

ur zu stände, indem man willkürlich eine Anzahl von Verschiedenheiten 

'rausgreift und über andere hinwegsieht. *) Was aber die Ermittlung des 

erlaufes der dialektischen Differenzierung noch besonders erschwert, ist 

■r Umstand, dass vielfach die Sprechenden in verschiedenen Gegenden 

iiabhängig von einander auf dieselbe Neuerung verfallen und wir solche 

bereinstimmungen nur bei bedeutenderer räumlicher Trennung als zufällige 

1 erkennen vermögen. Zufälliges Zusammentreffen in Neuerungen gibt aber 

atürlich kein Kriterium engeren historischen Sprachzusammenhangs ab. 

Über die griechischen Dialekte im Allgemeinen. Ahrens, De Graecae lin- 

guae dialectis, I. De dialectis Aeolicis, 1839, II. De dialecto Dorica 1843. Meister, Die 

griechischen Dialekte auf Grundlage von Ahrens' Werk „De Gr. 1. dial." dargestellt, 

I Asiat isch-Äolisch, Böotisch, Thessalisch, 1882.2) Collitz, Die Verwantschaftsverhältnisse 

der Griech. Dialekte mit besonderer Rücksicht auf die Thessalische Mundart, Gott. 1885. 

Pezzi, La lingua greca, p. 309- 474. Joha^'sson Nägra ord om dialekter, specielt de 

grekiska, Aftryck ur Upsala Universitets Ärsskrift 1887. H. W. Smyth, The dialects of 

North Greece, Americ. Journ. of Philol. 7, 421 ff. 0. Hoffmann, De mixtis Graecae 

linguae dialectis, Gott. 1888. 

Inschriftensammlungen, die dem Studium der Dialekte dienen. Sammlung der 
griech. Dialekt-Inschriften, herausgeg. von H. Collitz (und F. Bechtel): I, Kypros, Äolien, 
Thessalien, Böotien, Elis, Arkadien, Pamphylien, 1884. II, 1, Epirus, Akarnanien, Gebiet der 
Änianen und Phthiotis. Lokiis und Phokis 1885. III, 1, Megara, 1888. IV, 1. 2 Wortregister 
zu I. und zu II, 1, 188G und 1888. Cauer, Delectus insciiptionum Graecarum propter 
dialectum memorabilium, ed. II. 1883. 

Es folgt eine Aufzählung der Mundarten, wie wir sie vorzugsweise 
aus den inschriftlichen Überresten kennen lernen. Unsere Zusammenfassung 
zu kleineren und grösseren Gruppen stützt sich auf Spracherscheinungen, 
die sich in mehreren Mundarten zugleich finden, darf aber nach dem oben 
dargelegten, wie alle solche Gruppierungen, zunächst nur einen Wert als 
Orientierungsmittel beanspruchen und ist keine irgend genaue und er- 
schöpfende Darstellung des Entwicklungsganges, den die mundartliche 
Differenzierung der griechischen Sprache genommen hatte. Wir fügen bei- 
8pielswei.se einige Charakteristika aus der Laut- und Formenlehre hinzu (die 
anzufülirenden Erscheinungen waren jedoch nicht jedesmal ausschliessliches 
Eigentum des betreffenden Dialektes oder der betreffenden Dialektgruppe) 
und nennen neuere Arbeiten über die einzelnen Mundarten.-') 

I. Ionisch-attische Gruppe. iy gegenüber a in andern Mundarten, 
z. B. !n]ti.Q : dor. fidn^Q (S 10), t]fi6ig =^ dov, afitg (§ 66.58). f früher 
gescliwundcn als anderwärts (^ 13). 

A. Ionisch.*) tj für a auch nach e> *> *> •'> 2. B. 7r()i;<y<yw = att. 



'i \\'\ i'rincip.» :i:> ff. :VM ff. 

M ^^ I n <liaftl.Abhundl.aUH 

(. • . iMiu. ...„lUib. 1H74 S. 21 ff. 

■) i>er zwpit« Hand «ii. W < rkc« be- 

findet nich im Dnuko, hi- i. I..u cniten 
Dogen ib'ssi'llx-n könnt« ich durch dio (jütc 
(loH V«rfaM^.irt horcilH ffir iVuho (traninitttik 
benutzen. 

*) VoUfitÜndignro AufzAhiung der be* 
ilAiwlbucb d«r klaM. AllortuiuiiwlaM<tiJicba(l. IL S. Attfl 



zUglichon Litteratur bei 0. Miyib« Gr. Qr.' 
p. XIX Hq«!. und bei Pr/zi ». a. 0. 

*) KiiMAN, Do titulorum Ion. dialecto. 
CuRTiüs' Stud. 5, *J4U ff. Kauhtkn. De titu- 
lorum Ion. dialecto, Hnl. Snx. ISSJ. Hrohtml, 
Dio lnHchrift<»n d«»a ion. Diiilokt«. Abb. dor 
kgl. (iw». der Wi»8. zu (Jtittmgon XXXIV. 
ltJ87. 



18 



A. Griechisclie Grammatik, a) Einleitung. 



TtQaTTO), TQiYjxovTa = att. TQicixovTcc (§ 10). Co' gegenüber att. rr, z. B. 
nQTiacM (§ 38). 

1. Mittlej;er Teil der Westküste Kleinasiens mit den Inseln Chios 
und Samos (ionische Dodekapolis). 

2. Kykladen: Naxos und Keos; Delos, Faros mit Thasos und Pharos, 
Siphnos. 

3. Euböa: Chalkis mit den Kolonien Kyme, Rhegion u. a.; Eretria 
(Rhotazismus, wie in onöqcti = att. ondaai^ § 39) und Styra. 

B. Attisch. 1) Zeigt am häufigsten von allen Dialekten Kontraktion 
von Vokalen, z. B. axwi' aus asKatv^ (feQjj aus (psQsm (§ 17). 

IL Dorische Gruppe. 3. sg. auf -ti, 6i6coti = att. öiSo^ai, 3. pl. 
auf -vTi, (ftQovTi =■- att. (fsgovai (§ 37). 1. pl. act. auf -/xeg, (fsQOfÄsg = att. 
(psQo^€v (§ 107). Aktive Personalendungen in den zu den Passivaoristen 
gehörigen Futura, z. B. kret. dvayQacprjast (oder -rjasT) = att. dvayQa(frj' 
(T€Tm, rhod. €7iiiiisXrj^rj(f€vvTi = att. €7Ti^eXrj^rj(TovTai (§ 150). 

A. Lakonika mit Tarent und Herakleia. 

1. Lakonika. 2) ü, ü = att. v, v, z. B. iiovaiSdsi — "^fxvS^t^st (§ 7). 
(T (^?) = att. ^, z. B. ai6' = ^sS- (§ 34). Intervokalisch h = att. a, 
z. B. ivrißwatg = ivrjßcoaaig (§ 39). 

2. Tarent und Herakleia. 3) Herakl. dat. pl. der partizipialen ^'r-Stämme 
auf -acrai, wie nqäaaövT-aaai (§ 72, 3. 90). 

B. Messenien. Konjunktivformen wie Ti^rjvri = att. ti^mgi, yqu- 
(frjvTi = att. YQa(f(Jöai (§ 142, 1). 

C. Argolis und Ägina. -vg, wie in xdvg vlovg = att. rovg vtovg (§ 55). 
Intervokalisch h = att. c, z. B. Sä^ol'a = att. drjp.oaia (§ 51). 

D. Korinth mit Korkyra (Syrakus u. a., s. F.). Erhaltung des p auch 
nach Konsonanten, korinth. Jpeiviä^ Ssvpwv, IIvQpog, kork. Txqo^svf^og, 
oQpog (§ 13). 

E. Megara mit Byzanz (und Selinus, s. F.).^) Meg. acc — xiva (§ 95). 

F. Die peloponnesischen Kolonien Siziliens. 5) Vgl. D. und E. In- 
wieweit die Mundarten der verschiedenen Städte die Eigentümlichkeiten 
der Mutterstädte festgehalten und inwieweit sie sich durch Sprachmischung 
in Sizilien selbst verändert hatten, ist bei der Dürftigkeit der Quellen nicht 
mehr zu ermitteln, v aus l vor ^-Lauten, wie ßsvTiaTog (§ 22). Imperat. 
(syrak.) läßov (§ 144). Perf. oImXw == att. o^ojXa (§ 134). 

G. Kreta. <^) Nicht unerhebliche Verschiedenheiten innerhalb der Sprache 
dieser Insel. Erhaltung von ro*, wie Trdvaavg == att. näaag (§55). v = l 






^) Cauer, De dialecto Attica vetustiore, 
CuRTiüs' Stud. 8, 223 fF., 399 ff. van Her- 
werden, Lapidum de dialecto Attica testi- 
monia, Traj. ad Rh. 1880. Riemann, Le 
dialecte attique d'apres les inscriptions, Revue 
de philol. 5, 145 ff., 9, 49 IF. Meister- 
hans, Grammatik der att. Inschriften, 2. Aufl. 
1888. Hecht, Orthographisch - dialektische 
Forschungen auf Grund att. Inschriften 1885. 
Kketschmer, Über den Dialekt der att. Vasen- 
inschriften, K. Z. 29, 881 flp. 

2) MüLLENsiEFEN, De titulorum Laconi- 
coruin dialecto, Diss. phil. Argentor. 6, 131 ff. 



2) Meister, De dialecto Heracliensium 
Italicorum, Curtius' Stud. 4, 355 ff. 

^) Schneider, De dialecto Megarica, Giss. 
1882. 

5) Ahrens, De dialecto Sicula, Monast. 
1868. 

6) Hey, De dialecto l^retica, Dess. 1869. 
Helbig, De dial. Cret., Plav. 1873. J. und 
Th. Baunack, Die Inschrift von Gortyn, 
Leipz. 1885. J. Baunack, Studien, I. Leipz. 
1886, S. 3 ff., 173 f., und Berliner philolog. 
Wochenschr, 7 n. 1 ff. Herforth, De dial. 
Cret., Hai. 1887. 



3. Die Stellung des Griechischen im Kreis der idg. Sprachen etc. (§ 3.) 1 

vor Konsonanten, wie in ctvaog, dSsvcpiai (§ 22). Lautgruppe c^ in piapov 
= att. laov (§ 13). TT und ^ = homer. aa att. a aus urgr. ti, und ror, 
Z. B. oTioTTog o^og = bnöaaoq oaaog, oTiöaog '6<Xog, 6äTTa&0^ai Sä^ctd^ai 
= däaaaaO^ai (§ 38). -(^t^- (^- und r (tt) = ion.-att. ^, z. B. 6ixd66(o 
= (^/xa^ft), ^/yva T/^j« Tn]ra = ZT^va (§ 41). ^^ =:^ att. (r,>, z. B. 
SidöO^^o) = didoa^ü) (§ 48), vgl. tccO^ &vyaTtQag, nuTgoö SövTog, toTX Xeiovai 
= att. rag, naTQog, ToTg (§ 64). Im acc. pl. Neubildung -arg für -dg, 
Z. B. smßaXXovT-arg (§ 87). 

H. Melos und Thera nebst Kyrene. 

I. Rhodos mit seinen sizilischen Pflanzstädten Gela und Akragas.^) 
Inf. auf -iieiv für -,ufr, z. B. d^k-i.ieiv = O^t-iisv (§ 146, 2). 

K. Andere dor. Inseln des ägäischen Meeres: Anaphe, Astypaläa, 
Telos, Kos, Kalymna u. a. 

Anmerkung. Ahrens schied die dorischen Mundarten, zu denen er auch unsere 
nordwestgriechische Gruppe (III) rechnete, in eine sererior und mitior Doris, je nachdem 
€ durch Kontraktion mit folgendem e oder durch „Ersatzdehnung" zu t] oder zu bi, und 
entsprechend o durch Kontraktion mit folgendem o, s oder durch „Ersatzdehnung"* zu w oder 
zu ov geworden erscheint. Diese von G. Meyer u. a. bekämpfte Scheidung kann man, 
wie Johansson De derivatis verbis contractis p. 22 sqq. zeigt, bei richtiger Auffassung 
der sprachgeschichtlichen Vorgänge auch heute noch gelten lassen. Vgl. § 17 Anm. 

III. Nordwestgriechische Gruppe, si aus es und durch „Ersatz- 
dehnung" aus 6, wie im lon.-Att. (§ 55. 56. 58). Neubildung des dat. pl. der 
konsonantischen Stämme, auf -oig, wie /neior-oig = att. /usfoai (g 90). er 
mit Akkusativ (§ 178). 

A. Epirus, Akarnanien, Ätolien, Gebiet der Änianen und (Häer und 
Phthiotis. 

B. Lokris und Phokis (besonders Delphi). 2) or == att. aO^, wie sXbCtia, 
d. h. 1!/ blieb nach a Verschlusslaut {^ 34). Partie. xaXeiysrog aus *xaXe(i)€' 
fitvog gegenüber att. xaXov/ierog aus *xaX6{i)oiii€vog (§ 118). 

1. Lokris. Übergang von e in « vor q, z. B. acc. naraQa (§ 27). 

2. Phokis. avXi]orTag, xXüQMeiv (§ 123). 
Zu dieser III. Gruppe darf man wohl auch die Sprache von Achaja 

stellen. Sie bietet die Nominativformen auf -eg auch als Akk. gebraucht, 
z. B. lovg s'Xdaaovfc, wie delph. fiidg df-xaTtTogeg, welche Erscheinung sich 
freilich auch im E\. und Messen, findet (g 177). 

IV. Nordostgriechische oder äolische Gruppe.*) Verwandlung 
der Verbindung eines kurzen Vokals mit folgendem antevokaliscliem /? in 
einen Diphthongen, z. B. fvtSoi' aus e-uhlo-n (§ 13. 14). -tarn im dat. pl. 
der konsonantischen Stämme, z. B. urdQ-eam (§ 90). Part. perf. act. auf 
-Lov -ortog, z. B. lesb. 7Ttnoi]xü)r (§ 134). Angabe des Namens des Vaters 
miitols eines Adjektivs auf -<«s, wie böot. Jio(fdyHog. 

A. LesboH und da.s ilolische Kleinasien. <) Barytonesis, z. B. noiaftog 



*) Rrüll, ühor den Dialekt der Hbodior, 
I'rogr. LfobMrhnt/ 1^7*». 

') AII^^, I'' <lial<( to lA)Croilllium, Cl'R* 
;!. IIaktmahx, Do dia- 
.s|. IH74. 

) ÜHAhi'. Dt* «iiuicctiM Aeolicia qua« 2H2 i\ 

untur. Uerol. 1««.'.. 



*) VoLKMAXN. QuHOittionuin do dJAlocto 
Aeolic« <'4ipita duo, Ilnl. IHTl». KriiuKH. 
Ober drn Ir^h Di»l<«kt, ArnuhrrK l**"*!. ""«1 
ChtT <l :s' doM L«'Hhi»rhon xu doli 

vcrwnii klon, UwjtBNiuimacu'M Hoitr. 



2* 



20 



A. Griechisclie Grammatik, a) Einleitung. 



= att. nora^og (§ 68). -ma- aus -ava-^ -oia- aus -ova- u. dgl., z. B. jrataa 
= kret. Ttdvcfa att. Tiä(Ta (§ 55). Psilosis, z. B. o = att. o (§ 51). 

B. Nordthessalien. 1) ov = att. w, z. B. sSovxs = fJwx« (§ 9). Inf. 
auf -asiv -aO^Eiv =^ att. -cr«^ -a^ai, z. B. ovyqcupsiv iaatad^eiv = ävayqäipai 
sasaO^ai (§ 146, 1. 6). Pronomen o-r^ (§ 94). Gebrauch des loc. sg. auf 
'Ol als gen. (§ 82. 181). 

C. Böotien.2) ü, ü = att. v, v, z. B. tovx^ = ^^'X^j^ Schreibung lov 
nach T ^ 6 V X, wie in IloXiov^evog = Uolv^evog (§ 7). a«, ot = att. 
«t, ot und weitere Verwandlung in tj, v, z. B. AsaxQMvdäg, rjt (= alsi) und 
'AqiaTÖ'&osvog, 0vv-aQxog, und Verwandlung von «t in i, z. B. arc^w = ion. 
d€i6(o (§ 15). Vi: = homer. aa att. er aus urgr. r^ und tö", z. B. oTzoTTog 
und xo^iTTa^svog (§ 38). -(^c^- und ()"- = ion. -att. f, z. B. yQafxfjLaTidSw, 
JühXog (§41). 

In ein paar charakteristischen Spracherscheinungen stimmten einerseits 
Lesbisch und Thessalisch, anderseits Thessalisch und Böotisch zusammen. 3) 
Lesbisch-Thessalisch z. B. vv f^ijn XX qq, wo im Boot, und sonst Verein- 
fachung der Doppelkonsonanz und eventuell sogen. Ersatzdehnung statt- 
fand, wie lesb. xqivvm thessal. xgävvw = xqivco, lesb. ccfif^is thess. dfifie 
= Tj^ccg (§ 56. 57). Thessalisch-Böotisch z. B. Übergang von tj in si (ge* 
schlossenes e), z. B. thess. varsQOfxsivviä = varsQOf^rjviä, böot. fisivu 
= f.irjva (§ 8); -v^- für -vr- in den Endungen der 3. pl. med., wie thess.^ 
syei'ov^o, böot. iyQdipav^o (§ 107). 

V. Elis.*) ä = att. urgr. r/, z. B. f« = si'r] (§8). -^ = att. -c, 
z. B. i^t^ — i^fg (§ 45. 64, 1). C d. i. ^ = att. ^, z. B. ^ixaiog, psi^wg 
r=: öixcciog, slSwg (§ 33). 

VI. Arkadien mit Kypros.'^) Übergang von o in u, z. B. ark. 
dXXv = dXXo, kypr. ysvoiTv = ye'voiro, gen. sg. ark. KaXXiav kypr. 'O)^«- 
aayoqav (§ 9). 3. pl. auf -(X*, z. B. ark. xsXsvwvai = att. xeXsvwai^ kypr. 
^Jcöo-t = att. t'iovai (§ 37). tV -- att. iv (§ 27), auch mit Akk. (§ 178). 
aTTv (= att. aTto) und «^ {ig) mit Lok. 

A. Arkadien. Gen. sg. der fem. ä-Stämme auf -«f, wie t,äiiiav (§ 79, 2;. 
Medialendung -^ot für att. -rai, wie TsxaxToi (§ 108). Pronominalformen gen. 
sg. Tw-i'fc acc. sg. rav-vC (§ 94). 

B. Kypros. 2-Epenthese, wie aiXog = att. dXXog (§ 54). Gen. sg. 
der o-Stämme auf -(av, wie dqyvqwv (§ 79, 3). Acc. sg. der konsonantischen 
Stämme auf -av für -«, wie d{v)SQiiä{i')Tav (§ 77). 



^) VON DER PpORDTEN, De dialecto Thes- 
salica, Monach. 1879. Keüter, De d. Th., 
Berol, 1885 (Gegen Reuter's Abtrennung 
der Mundart von Pharsalus [Thessaliotis] 
vom Nordthessalischen p. 77 sqq. erklärt sich 
mit Recht Cauer in der Wochenschr. f. 
klass. Philol. 1885, S. 807). Päellwitz, De 
d. Th., Gott. 1885. 

2) Beermann, De dialecto Boeotica, Cur- 
Tius' Studien 9, 1 ff. Führer, De d. B., Gott. 
1876. 

^) Vgl. Smyth, Amer. Journ. of Phil. 
422 sqq., Reuter, p. 81 sq. 

4) Daniel, De dialecto Eliaca, Hai. 1880. 



Pezzi, II dialetto dell' Elide nelle iscrizioni 
teste scoperte (Memorie della R. Accad. delle 
scienze di Torino, ser. 2^ XXXIV) 1881. ' 
^) Gelbke, De dialecto Arcadica, Cdr- 
Tius' Stud. 2, 1 ff. Spitzer, Lautlehre des 
arkad. Dialektes, Kiel 1883. Rothe, Quae- 
stiones de Cypriorum dialecto et vetere et 
recentiore I, Lips. 1875. Deecke und Siegis- 
MUND, Die wichtigsten kypr. Inschriften, 
umschrieben und erläutert, Curtiüs' Stud. 7, 
217 ff. Ahrens, Zu den kypr. Inschriften, 
Philologus 35, 1 ff. Voigt, Quaestionum de 
titulis Cypriis particula, Leipziger Stud. zur 
klass. Phil. 1, 251 ff. 



p 



3. Die Stellung des Griechischen im Ereis der idg. Sprachen etc, (§ 3.) 21 



VII. PamphylienJ) Übergang von o in ti in Flexionssilben, z. B. 
ECTrt{v)dnvg = 'Aantvöiog (§ 9). Verlust des Nasals in der antekonsonan- 
tischen Gruppe Vokal + Nasal (wie in Kypros), z. B. 7T6{v)6€xai6axa — nsr- 
tsxaiSexa (g 20). -(v)6- = att. -rr-, z. B. 7Te{v)68xct(Sfxcc (§ 43). 

Anmerkung. Unsere (iruppierung der griechischen Dialekte weicht von derjenigen, 
die die anderen neueren Arbeiten geben, meist nur unwesentlich ab. Hervorheben will ich 
bloss, dass G. Meyer, Pezzi und Johansson zunächst eine Zweiteilung sämtlicher Mund- 
arten, in ionische und nicht-ionische, vorgenommen haben. Gegenüber der bereits oben be- 
merkten Thatsache, dass keiner der verschiedenen Gi'uppierungsversuche so angesehen 
werden darf, als führe er die Entwicklungsgeschichte der dialektischen Differenzierung in 
einer irgend genügenden Weise vor Augen, sind derlei Abweichungen ohne Belang 

In höherem Masse als bei den meisten andern alten Sprachen bestand 
im Griechischen ein Unterschied zwischen der naiven, volkstümlichen Sprach- 
entwicklung und der litterarischen, namentlich der dichterischen Sprache 
(Schrift- und Kunstdialekte), ein Unterschied, den wir freilich, bei der Un- 
zulänglichkeit unserer Kenntnis der naiven Volksrede, mehr nur vermuten 
als klar nachweisen können. Schon das älteste auf uns gekommene Grie- 
chisch, die Sprache der homerischen Gedichte, war ein Kunstdialekt, welcher 
Formen verschiedener Zeiten und stark auseinandergehender Mundarten 
gemischt zeigt und nie und nirgends die gewöhnliche Verkehrssprache ge- 
wesen sein kann. Von dieser Sprache zeigt sich die ganze Poesie der fol- 
genden Zeiten mehr oder weniger beeinflusst. Die Mischung der Dialekte, 
durch das Vorbild der homerischen Sprache gewissermassen zu einem kon- 
stitutiven Element der dichterischen Diktion geworden, erscheint in der 
dorischen Lyrik am weitesten getrieben. Unter den Prosaschriftstellern 
der älteren Zeiten zeigen Herodot und die ältesten Attiker am deutlichsten 
einen Unterschied gegen die volkstümliche Umgangssprache, welcher bei 
den letzteren freilich nicht bedeutend gewesen sein kann. Gegen Ende des 
5. Jahrh. v. Chr. bildete sich auf Grundlage des attischen Dialektes eine 
allgemeingriechische Schriftsprache, die mehr und mehr die Fühlung mit der 
Volkssprache verlor. 

MoNBo, A Grammar of the Homeric dialect, Oxford 1882. Sayce. über die Sprache 
der homer. Gedichte, aus dem Engl, tibersetzt von Imelmann, Hannover 1881. van Leelwen 
und Mendes da Costa, Der Dialekt der homer. Gedichte, aus dem Holland, übei-setzt von 
Mkhlkk, Leipz. 18'fl. Hinbichs, De Homericae elocutionis vestigiis Aeolicis, 1875. Fick, 
Bezz, 13. 7, 139 ff. Ders,, Die homerische Odyssee in der urspr. Sprachform wicderher- 
gefttellt, 1883, und Die homerische llias nach ihrer Ent.stehung betrachtet und in der urspr. 
Sprachf. wiederherg., 188<l (mit den Rezensionen von Ciikist, l'hil. Anz. 14, 90 ff., Fbitsch, 
Ztwrhr. f. d. Gymn. 38, (UO ff. und Caleb, Jahresberichte des philolog. Vereins in Herlin 
10, 290 ff. und Berliner philol. WochenHchr. 7, 549 ff.). Rzacii, Der Dialekt des HosiodoH, 
\Hlkt. Ders,, Grammat. Studien zu Apollonios Hhodios, 1878. Aiibknö, über die Mischung 
der Dialekte in der griech. Lyrik, Verh. der (Jöttinger rhilologenvers. 1852. FChbkk. Die 
Sprache und die Kntwickelung der griech. Lyrik 1MH5 (niit der HozonHion von Mbihtek. 
Berliner philol. VVoclienHclir. 5, 871 ff.). Rknnkr, De diulecto anticpMoriH (iraecorum poosin 
eiegiacae et iambicao, Curt. Stud. I, 1, 133 ff., 2, 1 ff. Fick, Die Sprachfonn der altion. und 
«Itatt. Lyrik, Bkzzk.nb. Beitr. 11. 242 ff. 13, 173 ff. Tetkr, De dialecto Findari, IStJ«. 
Fr iiKK.B, Der böot. Dialekt Findar's, l'hilologus 44, 49 ff. Muckk. De dialectis StcMichori, 
ibyci, SimonidiH, Barrhylidis ali()rum(|Ue poetarum churicorum cum Findarica comparatis, 
l>^7'.». SiiKHH. Dr- AlrnianiH dialecto, Cubt. Stud. 10, 329 ff. SoiirnKKT, MiMccilen zum Dia- 
bkt«' Alkiiian H. 1-7'.». M<»nhHACii, De dinlm-to 'rheorriton. I, IH74. und ÜImt den Dialekt 
'Iheokrit.M. < i itr. Sind. 10, I ff. Gkktii, ' oiuiiao dialert«», ("i;rt. 

Stinl. I, 2, r»l ff. Rt'TiiKHKoKi), Zur Ci« kliiKs. Fliil. Sui>pl. 13, 

35Ö ff. — Weitcrc Li tteratu ran gaben bei ' i j \\ , \ \ \lil und namvntJioh b«i 

Pmu, p. 393 sq.. 404 »i\., 440 sq., 451 , < m I 1,1 

*) Brzzrubriiorr, Zur Beurteilung de« panipby)i»chon Dialokt», inscinon Bettrlgtn5, 825 ff. 



L a u 1 1 e h r e.) 



1. Aussprache der Buchstaben. 

4. Für die Lautlehre einer Sprache, die uns nur durch das Medium 
schriftlicher Überlieferung zugänglich ist, ist das erste Erfordernis, den 
Wert der Schriftzeichen so genau als möglich zu bestimmen. Die Frage 
nach der Aussprache eines Buchstabens ist für jeden Dialekt besonders zu 
stellen, denn die Geltung der Zeichen war oft in den verschiedenen Mund- 
arten eine verschiedene, z. B. wurde in den einen Dialekten als Tenuis 
aspirata {th), in den andern als Spirant (p) gesprochen (§ 34). Sodann 
sind auch die verschiedenen Zeiten zu unterscheiden, denn z. B. das El 
von efj^i, deixvvfjLi etc. war im Attischen um 600 v. Chr. Diphthong [et], 
um 400 geschlossenes e, um 200 "l (§ 15). Endlich ist zu beachten, dass 
dasselbe Zeichen in demselben Dialekte und in derselben Zeit nicht selten 
zur Darstellung verschiedener Laute diente; so bezeichnete z. B. 2 den 
Athenern in saTTOfxrjv einen tonlosen, in TiQbcßvg einen tönenden Zischlaut 
(§ 44), / den Pamphyliern zugleich das sonantische und das konsonantische 
i (i und i), wie in ^EaTp8{v)Suvg = Est^efnjdiius (§ 12). Für die Mund- 
arten, für welche unsere Quellen reichlicher fliessen, lässt sich die Geltung 
der meisten Zeichen in den verschiedenen Perioden so weit bestimmen, dass 
die Geschichte der betreifenden Laute im grossen Ganzen festgestellt werden 
kann. Häufig wäre aber eine noch genauere Bestimmung des Lautwertes, 
als sie möglich ist, recht erwünscht. Am günstigsten sind wir gestellt, 
wo man sich bestrebte, der lautlichen Fortentwicklung auch eine ent- 
sprechende Veränderung der schriftlichen Darstellung auf dem Fusse folgen 
zu lassen. Dieses geschah besonders in Böotien, wo man die vokalischen 
Veränderungen (z. B. den Übergang ai — ae — offenes e — geschlossenes e) 
treuer als irgendwo sonst zur Darstellung brachte (§ 15). 

Das wichtigste über die Aussprache der Schriftzeichen bringen wir 
bei der Darstellung der Geschichte der Laute. 



') Vgl. G. Meyek, Gr. Gr.'-^ S. 1—300. 
Pezzi, La lingua gr,, p. 81- 141. Leo Meyer, 
Vergleich. Gramm. P 27—571. King und 



CooKSON, The principles p. 41—286. 
Grundr. 1. Bd. 



Verf. 



f 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 4—5.) 23 



Blass, Über die Aussprache des Griechischen, 3. Aull. 1888. K. Zacheb, Die Aus- 
sprache des Griechischen (Vortrag gehalten im wissenschaftlichen Verein zu Breslau), 
Leipz. 1888. Andere Litteratur bei Blass, S. 2 ff., G. Meyer S. 2, Pezzi p. 83 sqq. 

2. Vokale, Nasale und Liquidae. 

5. Bei der Betrachtung der griechischen Lautgeschichte gehen wir 
von dem durch die Sprachwissenschaft ermittelten uridg. Lautstande aus. 
Die Grundsprache hatte folgende Laute: 

1. Vokale: / T, u ü, e e, o ö, a ä, o („schwa indogermanicum'').^) 
Nasale: ^ (velarer Nasal), n (palataler N.), n (dentaler N.), m (la- 
bialer N.). 

Liquidae: r, l. 

Die Vokale i und u sowie die Nasale und Liquidae fungierten sowohl 
als Konsonanten (t, u; fd, n, n, m; r, l) als auch als Sonanten (i, u; ^, §, 
n, m; r, /)• ^^iö die Vokale, so kamen auch die Nasale und Liquidae 
als Sonanten sowohl kurz als auch lang (z. B. ?}, f) vor; da wir die Länge 
immer ausdrücklich bezeichnen, so stellen unsere in Bezug auf die Quantität 
nicht charakterisierten Zeichen (i, n, ^' u. s. f.) immer nur die Kürze dar. 

Anmerkung. Der Nachweis, dass die idg. Ursprache sonantische Nasale und Li- 
quidae besass und dass die Vokaldreiheit a e o {d e ö) des Griechischen und Italischen 
altererbt und nicht, wie man früher glaubte, aus einer idg. Einheit a (d) hervorgegangen 
war, hat in den letzten Jahren zu einer vollständigen Umgestaltung der Vokalismuslehre 
geführt. Ich verweise auf die in meinem Grundr. der vergl. Gramm. 1, 32 angeführte 
Litteratur, ferner auf Collitz Bezz. ß. 11, 203 ff., meine Besprechung dieses Aufsatzes Berl. 
philol. Wochenschr. 1887, Sp. 293 ff., Osthoff, Die neueste Sprachforschung und die Er- 
klärung des idg Ablautes, 1886, J. Schmidt's Besprechung dieser Schrift in der Deutschen 
Lit. -Zeitung. Die Versuche, die alte Theorie zu retten (Curtius G.^ 91 ff., H. D. Müller, 
Sprachgeschichtliche Studien 1884, Fr. Müller, Grundriss der Sprachwissensch. 3, 454 ff.}, 
können nicht als Widerlegungen der neuen Lehre gelten. 

2. Verschlusslaute (Explosivae). Tonlose: q (volar), X* (palatal), 
t (dental), ]) (labial); qh, kh, th, ph. Tönende: g (volar), g (palatal), d, h; 
gÄ, gh^ dh, hh. 

3. Spiranten (Reibelaute): s (tonlos), z (tönend), j, v (vgl. S. 30 
Anm. \); z fungierte vielleicht auch sonantisch, als z (§ 46). 

Phonetische Erläuterungen : -) 

1. Tönende (.stininihuf te) und tonlose (stimmlose) Laute. Man nennt 
tönende oder stimmhafte Laute solche, bei deren Hervorbringung die Stimmbänder im 
Kehlkopf in (rhythmische) Schwingungen versetzt sind, sodass ein musikalischer Klang, der 
üogcn. Stimmton oder schlechthin Ton, entsteht. Alle Laute, denen der Stimmten fehlt, 
heiesen stimnilos oder tonlos. Von den aufgeztliilten Lauten der idg. Ursprache wurden 
tönend gesprochen die Vokale, Nasale und Liquidae, von den Verschlusslauten die Mediae 
'^ d, ff, f^ und die Mediae a8pirat4io bh, dh, ffh, ah, endlich die Spiranten :, j, r, tonlos 
dagegen die Tenucs ;/, t, K', 7 und Tenues aspiratao j)h, th, kh, qh und der Spirant s, 

2. Sonanten (Selbstlauter) und Konsonanten (Mitlautor). Jede Silbe hat 
einen Laut, der allein oder doch vorzugsweise Trögor des Silbenaccentea (wohl zu unter- 
nch«'iden vom Wortacrent) ist, z. B. sind in dem Wort gt-düld e und h Trftger dieses 

nt einen I^aut. wenn er diese Funktion hat, Sonant. Dagegen lieiAMon 

der Silbe, welche gleichsam nur Zugabe zu dem den Kern der Silbe 

isiiia« iKiMK II .-on.iiiten nind. KonHonant<*n. Jede Silbe uiuhh einen Sonanten haben und 

inn nur einen haben; dagegen kann sie mehrere Konsonanten oder auch gar keinen 

I V,n empfiehlt sich, ^ rIh n (Mittel- i '] Vgl. SiKVBRS.Onindzngo der Phonetik, 

i'f-n n und r) aii^ 11, wenn- ! «ur Kinftlhrung in da« Studium der I^iut- 

'jiialitÄt dii'«eM lit nfther lehre der indogermanischen Sprachen, Ji. Aufl. 

tujimon ist, ; 1885. 



24 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

enthalten. Ein Teil der Sprachlaute kann nun ebensowohl sonantisch als auch konsonan- 
tisch fungieren. In beiden Funktionen kamen in der idg. Urzeit ^, u, die Nasale und 
Liquidae, eventuell auch z (§ 46) vor. Vgl. nhd. Asien li-lie neben A-si-en li~U-e bei 
Dichtern, lat. ä-qimm stin-fjiiö neben d-cii-dm är-gü-ö, nhd. be-rit-tne rech-ne neben be~ 
rit-tn re-chiit [beritten rechnet), hdn-dle neben hdn-dt u. dgl. Folgerichtig bezeichnen wir 
i und u auch dann als Konsonanteji, wenn sie den zweiten Komponenten eines Diphthonges 
bilden, z. B. idg. 3. sg. *eiti -■= elai, *bheiidhetai = nevS^erm. Die Vokale i und u hatten 
hier dieselbe Funktion wie z. B. n in *sqdndö — lat. scandö oder r in *derketai = (feg- 
X6TUI. Man beachte ferner, dass in den zweisilbigen Verbindungen wie ia ua iia ra ein 
i 'i^ n r als Übergangslaut gesprochen wurde: iia wiia nna rra. Daher setzen wir z. B. 
*pjtriios *duitö *tiinu- *grrus als die idg. Grundformen von ndxQiog ^vat xavv- (in ruvv- 
yXcoaaog) ßaQvg an. Vgl. kypr. ucitiJQav, pamphyl. ^ud d. i. ^iid (§ 12) und nhd. liliie 
(lilie), gnnug, grrade {genug, gerade). 

3. Artikulationsstelle und Artikulationsart der Verschlusslaute. 

Für die uridg. Verschlusslaute sind vier Artikulationsstellen(oder-gebiete)zu unter- 
scheiden, die labiale, genauer bilabiale oder labiolabiale (p-Laute: Verschluss zwischen Ober- 
und Unterlippe), die dentale (^Laute: Verschluss durch Artikulation der Vorderzunge gegen 
die innere Wand der Oberzähne oder gegen deren Alveolen), die palatale (^-Laute: Ver- 
schluss durch Artikulation des mittleren Zungenrückens ge^en den hinteren Teil des harten 
Gaumens, vgl. etwa das k in nhd. Kind) und die velare (g-Laute: Verschluss durch Ar- 
tikulation des hinteren Zungenrückens gegen den weichen Gaumen, das velum_ palatinum, 
vgl. etwa das k in nhd. Kunst). ^) In den einzelsprachlichen Entwicklungen verliessen 
diese uridg. Laute oft die Artikulationsstelle. Im Griechischen traten sie dabei zum Teil 
über in das labiodentale Gebiet (Artikulation der Unterlippe gegen die Oberzähne), wie 
Spirant / aus dem uridg. bh (s. § 34), und in das interdentale Gebiet (Verstopfung des 
zwischen den beiden Zahnreihen liegenden Spaltes durch den vorderen Zungensaura), wie 
Spirant p aus uridg. dh (s. § 34). 

Der Artikulationsart nach zerfielen die uridg. Verschlusslaute ebenfalls in vier 
Klassen: unaspirierte Tenues, wie t, unaspirierte tönende Mediae, wie d, aspi- 
rierte Tenues, wie th, und aspirierte tönende Mediae, wie dh. Bei den Ver- 
änderungen, die in den einzelsprachlichen F]ntwicklungen die Artikulationsart erfuhr, traten 
an die Stelle der Verschlusslaute zum Teil Laute andrer Gattungen. Für das Griechische 
kommen als solche besonders die Spiranten (Reibelaute) und Affricatae (Verschluss- 
laute mit nachfolgendem homorganen Reibungsgeräusch, z. B. x% aus urgr. kh = uridg. 
gh, kh) in Betracht. Der Anfänger wolle sich vor Verwechselung der Begriffe' Spiranten, 
Aspiratae und Affricatae hüten. 

Idg". Vokale als Sonanten. 

6. Idg. i =■- i. T-^i == ai. i-M „geh". pi6-ixsv la^isv = ai. vid-md got. 
vit-um „wir wissen", o-i-g = lat. ov-i-s. ^svs-i = ai. mdnas-i „in mente". 

Idg. 1 = 1. i^äg (St. t-^dv-T-), t-fjLov-iä = ai. si-mdn- „Haarscheide, 
Scheitel". T-g i-(fi = lat. vis. xlt-vr], vgl. lat. in-clmö. xoqax-ivo-g dskcpax- 
tv7], Vgl. lat. haed-mu-s, got. gdit-ein-s „die Ziege betreffend, von ihr kom- 
mend" gdit-ein „Ziegenböcklein", si/j^sv aus "^ia-i-pisv = lat. s-i-mus. 

7. Idg. li = V. ^vyo-v = lat. jugu-m. xXv-ro-g = lat. in-clutu-s 
ai. sru-td-s „berühmt". Gen. xv-v-ög = ai. Sü-n-as lit. sm-n-s „des Hundes". 
V7T0 = ai. üpa, lat. s-uh. ISvTa aus ^ [^iS-va-ia = ai. vid-üs-i „die wissende". 
td-vv-rai == ai. ta-nu-te „dehnt sich aus". 

Idg. ü = V. ^v-fno-g = lat. fü-mu-s. 2. du. aor. s-cpv-Tov =^ ai. 
d-hhü-tam, W. hheu- „werden, sein". 6(fQv-g = ai. bhru-s „Augenbraue". 
vv-v =^ ai. nü „nun". 

Im Urgriechischen und vermutlich auch noch zu der Zeit, als der 
Buchstabe V, Y eingeführt wurde (s. unser Handb. 1, 391 f.), sprach man 
allgemein in Griechenland u. Ein Teil nun der Griechen wandelte sonan- 



^) Bei der Schreibung der vorgriechischen j Verschlusslaut palataler oder velarer Arti- 
Sprachformen gebrauchen wir k, kh, g, gh I kulation war. 
nur dann, wenn nicht ermittelt ist, ob der j 



2. Vokale, Nasale und Liqnidae. (§ 6—8.) ^5 

;sches H (vgl. § 15) in ü, ohne das Zeichen zu ändern (vgl. franz. u); 

ging in christlicher Zeit („vor dem 10. Jahrh. keine sicheren Spuren", 

OY, Bezz. B. 12, 57) weiter in / über. Die Aussprache ii blieb bis tief 

iii die historische Zeit hinein sicher im Böotischen und Lakonischen, wo 

lie Ersetzung des K durch O V nach Einführung des ion. Alphabets den 

oweis für diese Aussprache liefert (böot. inschr. tovx^ = tvxtp (fovvSixog 

- avrSixog, EvO^ovinog = E'v0^i\aog, lak. ^ovycoreQ • ßosg sQyaxcci Hesych 

^ *^i'7wr-6c, novaiSöei • XccXel ders. ^ *jjivd^i^fi u. a.), wahrscheinlich auch 

im Kyprisch-Arkadischen, Pamphylischen , Chalkidischen und Lesbischen; 

"ich für das Thessalische sucht sie zu erweisen Prellw^itz, De dial. 

Hess. 15. Im Böotischen ist nach r, d-, 6, v, X oft lov statt ov geschrieben, 

ie TloXiovStvog (Meister, Gr. D. 1, 233 ff.), einmal auch im Anlaut, nö 

>viM = Tov vlov; der Wert dieser Schreibung ist nicht sicher zu bestimmen, 

_ 'wiss war es aber nicht der Laut des att. v. 

Wann im Ionisch-Attischen u. s. w. u zu i'i wurde, ist nicht genau 
festzustellen. Ohne Zweifel aber hatte der Vokal seine ursprüngliche Stufe 
u bereits verlassen, als aus oo und 08 durch Kontraktion (§ 17) und auso durch 
»Ersatzdehnung" (§ 55) ä {ov) entstand; sonst wäre dieses ü mit idg. '7 
zusammengefallen. Dass in Attika schon zur Zeit der ältesten Inschriften 
icht mehr u gesprochen wurde, darf auch daraus geschlossen werden, 
»liiss auf diesen Inschriften die gutturale Tennis vor v nicht durch 9> sondern 
• lurch K ausgedrückt ist (Meisterhans, Gr.^ 22). 

Der Spir. asper in imo, vtisq, varsgog, v6o)q u. a. bei ursprünglichem 
Illaut u- (ai. itpa u. s. f.) ist noch nicht genügend aufgeklärt, s. Mahlow, 
':>. 1. \\ 16, G. Meyer, Gr. Gr.^ 243, Darbishire, Notes on the spir. asp. 5. 
Dass diese Lauterscheinung mit dem t*-Laut als solchem zusammengehangen, 
sich also erst nach dem Übergang von u in ü eingestellt habe, darf man 
aus dem böot. ovdo)Q keineswegs schliessen (vgl. Curtius, G.^ 688, Dar- 
isHiRE a. 0., Thümb, Spir. asp. 42), weil die Böotier auch ovXt^ {= vXai) 
und ovfug sprachen, welche Wörter seit vorgriechischer Zeit s- und {-. im 
l'rgriech. also ' im Anlaut gehabt hatten. Das böot. inschr. tovio) (s. o.) hilft 
auch nicht weiter. Über die von Grammatikern behaupteten lesb. inig, 
tipoq etc. 8. Mahlow a. ()., Meister, Gr. D. 1, 46 f., G. Meyer, Gr. Or.- 
107, FoY, Bezz. B. 12, 58, Thumb a. 0. 46 f. 

8. Idg. e = t. l'ati = lat. est, ai. dsti, idg. *v8'ti „ist*. l>r-«-rm 
~ lat. sequ'i-tur. ti = lat. qtie, ai. ca „und", yer-f-og lat. //rfi-rr-fVf, 
ai. jän-as-^is ^generis". (/tQ-t-tf = aksl. ber-e-te, ai. hhar-a-tluiy W. hhcr- 
„tragen", ttö-i *^o-»', vgl. lat. t-teru-m. (i*>i ai. srdvafi, idg. *srrit'C'(i 
„ötrömt". n tv^ofiui = got. biuda, ai. bödhami, W. bhe^dh- „wachen, auf- 
merken'*, dboi --^ *Spfhoc von W. diici-. *//ii = lit. eim), ai. <^mi. idg. 
i-mi „gehe". 

Im KÜHchcn >suiM<: r .^«jir offen gesprochen, was aus inschr. Schrei- 
ingen wie tvaufiboi = fvatßoT, Intin. yvMiinv --^ yi'a)/i*r (Mkimtkh, Gr. D. 
. 20. ;J0), /iftv = /i6'»s Gen. axivnuiv neben axtitn folgt. Ob in don ol. 
pl. avv'bttv (tTto-tiroiar et ebenfalls aus * entstanden war, oder ob -^n 
10 erhaltene urgriech. Endung war (§ 107). lilsst sich nicht ent^'hoidon: 
itte auch das Klische einmal die Neubildung 'H\ so liegt, bei der 



26 -Ä- Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Regelmässigkeit der Schreibung -av (6 Beispiele), die Vermutung nahe, 
dass der Lautwandel sich nicht ohne assoziative Einwirkung der Singular- 
formen wie i'ä = si'rj (s. u.) vollzog, vgl. Bechtel, Phil. Anz. 1886, S. 19, 
Meister, Gr. D. 2, 30. 

Über el. oTxoraQoi u. a. und lokr. naidqu u. a., in denen das folgende 
Q beim Übergang von « in a beteiligt war, s. § 27. 

Idg. e = rj. W. ^rj- {ti-O-t^-jhi) = got. de-, lit. de-, ai. dhä-, idg. 
'^dhe- „ponere". vrj-fxa = lat. ne-men. Stamm (nr^v- „Monat" (lesb. Gen. 
fi7Jvv-og), lat. mens-i-s. Homer, ry« „eram", ai. dsam, idg. *es-m „eram". €Ujg, 
lat. s-ie-s. Sva-fisvr^g = ai. dur-manas „missmutig, betrübt". Zsvg aus 
"^Zrjug = ai. dyäüs, idg. "^dieu-s „lichter Himmer (§ 26). 

Dieser Vokal, urgriechisch wahrscheinlich offen gesprochen und so im 
Lesbischen bezeichnet (durch die Schreibung m, aifjiiascov, AlaioSog^ G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 45, Meister, Gr. D. 1, 83), ging im Elischen in ä über: ^aa, ea, 
ßaaddsg u. a., s. Vf. M. ü. 1, 53 f., Daniel Bezz. B. 6, 245, Meister, Gr. 
D. 2, 35 f. Dagegen im Böotischen und Thessalischen in geschlossenes e, 
das nach Annahme des ion. Alphabets si geschrieben wurde, wie böot. 
l^sTva, thess. (fsiQ (Meister, Gr. D. 1, 218 ff. 295 f.). Die letztere Aus- 
sprache ist auch in ion. Dialekten nachweisbar (§ 10). Sie führte im 
2. Jahrh. n. Chr. zu i (G. Meyer, Gr. Gr.^ 88 f., Meisterhans, Gr.^ 15). 

9. Idg. = 0. xsxXo(f€ für "^xsxXojTs (§ 134) = got. hlaf „er stahl", 
idg. "^^ qe-qlop-e, W. qlep- „stehlen". d-Xo^o-g = aksl. sa-logu „consors tori". 
6x€M = got. vagja „bewege", aksl. voza „lasse fahren", W. uegJi- „vehere". 
yi-'vog = lat. genus, ai. Janas, idg. '^genos. 3. pl. dor. (psQ-o-vTi = lat. 
fer-u-nt, ai. hhdr-a-nti. iiptqsrov = ai. dbharatam, idg. ^e-hJiere-tom. (f^orj 
aus * 9)^01-«, zu W. (pS^€i- in (fd^iai-g u. a. oids = got. vdit, ai. veda, idg. 
"^uöid-e „er weiss", tvoi-vtj = av. Jcaena- „Strafe", idg. "^qoi-nä. (fSQoi-g 
== got. haireis ai. hhdres, idg. "^hher-oi-s. Qopa, qorj = lit. sravä, idg. 
'^srou-ä „das Fliessen". Homer. slXiqXov&a neben iXsvao^ai. 

Im Äolischen, Arkadisch-Kyprischen und Pamphylischen wurde ent- 
weder vollständig oder annähernd zu u (geschrieben v), z. B. thess. anv- 
(TTsXXavTog, arkad. dXXv, pamphyl. ßwXijfisvvg. Die Grenzen dieses Wandels, 
der in keinem dieser Dialekte ein durchgehender gewesen zu sein scheint, 
sind teils wegen der Kärglichkeit des Materials, teils wegen schwankender 
Schreibung (0 und v) nicht genau zu bestimmen. Vgl. G. Meyer, Gr. Gr.^ 
73 ff., Meister, Gr. D. 1, 234 f. 2, 91, Spitzer, L. d. a. D. 17, Bezzen- 
berger in seinen Beitr. 5, 332 f. 

Idg. ö = (o. W. So)- {6w-Qo-v) = lat. dö- (dö-nu-m), lit. du-, ai. da-, 
idg. *rfö- „geben". ^waTo-g, vgl. lit. justa f. „Gürtel", av. yästa- „gegürtet", 
idg. part. '^jös-to-s. yi-yvcö-axw, lat. gnöscö. dcp-ew-xa = got. sai-sö, idg. 
Perfektstamm *se-sö-, W. se- „werfen, säen", dx/ncov, wie lat. homö, lit. 
ah-mu, ai. dsmä (§ 75). (psQ-co = lat. fer-ö. (psQSTO), wie lat. vehitö, ai. 
hhdratad, idg. "^hJiere-töd. Lokr. m „unde" abl., wie lat. Gnaivöd Gnaeö. 
iTtncp, wie osk. Abellanüi, av. haomäi („Somapflanze"), idg. *-ö^ iTTTroig, 
wie osk. Nüvlanüis, ai. dsväis, idg. ^ekuöis (§ 26). ßovg aus "^ßmig 
=^ ai. gäiU „Rind", idg. *göw-s (§26). 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 9—11.) 27 

Im Thessalischen wurde w zu ü (ov), z. B. eSovxa. yvoti/eög, Ugiarow 
Meister, Gr. D. 1, 296 ff.). 

10. Idg. a = a. ay(o = lat. agö, armen, acem, ai. djami, idg. *dgö 
1 reibe, führe". Htto = lat. ah, ai. dpa „von weg, ab". aXXo-q = lat. 

'M-s, air. a//e „alius". a^wr, vgl. lat. axi-s. Vok. ivf^Kfce, wie aksl. icno, 
i. am6a (§ 76). ai'^o), lat. aedes, air. aerf „Feuer", ai. edha-s „Brenn- 
olz", W. ai(?Ä-. Aa<6-g = lat. luevo-s. aksl. /evw „link", r«/' = lat. wae. 
'rii}-(>o-^, 7Tav-(To), vgl. lat. pau-ai-s (got. fav-di „wenige"), W. /^aw-. rn' 
r-r£ ai;-r/g, vgl. lat. au-t au-tem. 

Idg. ä = ct. adv-g = lat. svafd)v-i-s, ai. svadü-s „suavis". fxarr^Q = 
lat. mätet\ ai. mö^a „Mutter", (rrä-, Svavävog (= Jrg -|- oräro-), vgl. lit. stötia-s 
»Stand", ai. sthdna- „das Stehen, Standort", idg. *sta-no-. (fä-f^ii ^a-ua, 
vgl. lat. fa-ri fä-ma fd-hida. St. x^Q^'y wie lat. equä-, ai. dSva-. eifSQt'räv 
= ai. dhharatam, idg. *e~hhere-fäm. St. r«/^- = lat. näv-i-s, ai. wdr-; nom. 
rai;c ^ ai. W(Jm.s', idg. *ndu-s „Schiff" (§ 26). ai-psi ahi alah', vgl. lat. aevo-m, 
idg. *äi-uo- *ai-?ies- *ai^-tien- (§ 26), vgl. ai. dy-us-. x^%«, idg. -(Xj* (§ 81). 
Das ion.-att. i] (t]6vg u. s. w.) war in den Mundarten von Keos, Naxos 
und w^ohi auch Amorgos offenes e gegenüber dem das idg. e vertretenden, 
geschlossener gesprochenen /^ von ^tj-ao) etc. (§ 8), wie die verschiedene 
Darstellung durch H und E ergibt, z. B. JHM02 — dor. öäßo-g, ME = 
der. f.ii[ (DiTTENBERGER, Horm. 15, 225 ff., Blass, Ausspr.^ 25 f.); vgl. auch 
Bechtel (Die Inschr. des ion. Dial.) zu der delischen Inschrift n. 53. Dieser 
Übergang von d in ry war älter als die Entstehung des ä in ion. att. Tide 
nuact aus *7tavg *navaa u. dgl. (§ 58). Die Frage, ob das « in att. taao- 
fxai, xctoSid, ytvea, (Xixvä, TTQaTTU), x^Q^^ U- dgl. (ion. ujaouat, xoadh^ u. s. w.) 
unverändertes urgriech. ä gewesen sei, oder ob Rückverwandlung von 
offenem ^ in ä stattgefunden habe, ist mit Rücksicht auf 17'"? erSsd neben 
aa(ff^ aus *'f(<T)a u. a. zu Gunsten der Rückverwandlung zu entscheiden. 
Wenn seit ca. 355 v. Chr. neben vyid die Form vytt] erscheint (Meisterhans 
Gr.* 118), 80 ist diese letztere Form als Neubildung nach (Ta(ff^ anzusehen. 
Aus att. ^i]io)(} mit urgriech. r; ergibt sich, dass der Übergang in d zu 
einer Zeit geschah, als der e-Laut in uratt. *7i()i]aaM noch offen und noch 
nicht mit dem geschlossener artikulierten urgr. tj zusammengeflossen war 
(vgl. G. Mkver Gr. Gr.-' p. XXXIII Fussn. 1). Und aus x^qi^ = (thess. ?) 
xo^^« (S 1'^) f<>Igt, dass er dem Schwund des p in der Gruppe -Qp- vorausging. 

Anmerkung. Die Formen wie Otu, 'E(>fieucg, 'Mt(t6iduo bei Homer dürfen 8ohwer> 
lieh alH eeht iorÜHcli gelten. S. Fkk Hkzz. H. 7. IMD. Ml f. IUiutkl. Phil. Anz. 1886. 

S, 20 fr. 

11. idi;. 0. Dieser idg. \Okiil, dessen 'jiiaiiiai nieht näher zu be- 
stimmen ist (vgl. S. 23 Fussn. 1) und den Fick Bkzz. 15. 3, 157 ff. 5. ir>r> ff. 
»schwa indogermanicum* nennt, erscheint im Griechischen: 

1. in Wurzelsilben als der Sonant der sogen, nebentonig« n 1 1. 
(>) 24); seine lautgesetzlitthe Gestalt war «. na-ti^q == ai. pi-tdi- »i .. 
axa-to-q atd-ai-g -- ai. sfhi-fd-s „Htehond" sthi-H-i .das Stehen, Stand", lat. 
sia-tu-H sta-lio, Vf . sta-. t%6i^i\ vgl. ai. a-f^i-nrd-s „unersUttlirh", lat. sa-tur 
Haitis. Sfi'ioi, vgl. ai. -V mg:, med. d-di-tn {f(hun), lat. da-ttius lin-fu-s, W. 
dö', tax'fQo-g tax-ii / x-fir, W. ikx-. Mohrmals orschoinon * und" 



28 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

statt «5 in welchen Fällen dieser Vokal durch analogische Einwirkung der 
Qualität der Hochstufenvokale rj und w verändert war, z. B. ^s- in ^e-io-g etc. i 
statt "^O^a- nach ^rj- (vgl. lat. fa-ciö), i- in i-ro-g etc. statt *«- nach rj- 
(vgl. lat. sa-tu-s), de- in övr-Ssro-g etc. statt "^Sa- nach (^j;-, (^o- in So-iö-g 
etc. statt (^«- nach öw- (vgl. (f«-i'og, lat. da-tu-s). Auf diese qualitative 
Anlehnung waren aber sicher auch einige Formen von Einfluss, in denen s und o 
auf griechischem Boden lautgesetzlich aus rj und w hervorgegangen waren, 
wie ^tvT-sg Sövx-sg aus "^^rj-vr-sg *cyw-x^x-6g (§ 26); nach dem Verhältnis 
axavT' : arccro-g konnten sich zu d-svr- Sovr- leicht d^srö-g Sorö-g einstellen. 
Fick's Hypothese (Bezz. B. 9, 313 ff.), nach der die Vokaldreiheit a, *, o 
in atarö-g d^sro-g SoTo-g drei uridg. verschiedene Vokale fortsetzte, hat 
nichts überzeugendes. 

2. unmittelbar hinter Wurzelsilben. ^vy-d-zrjQ, sii. duh-i-tdr- „Tochter". 
7Tav-Sai.i-d-TcoQ, lat. dom-i-tor, ai. dam-i-tdr- „Bezähmer", ysv-s-rrjo, lat. 
gen-i-tor , ai. jan-i-tdr- „Erzeuger", av-s-fxo-g, lat. an-i-mus. xQtag, ai. 
hravis- „rohes Fleisch" (§ 73, 2). TSQ-d-ficov, d-TSQ-a-fxvo-g, reX-a-jUMv, wie 
lat. col-u-7nen, col-u-mna, mon-u-men-tu-m. tsv-s-co tsvm, vgl. ai. tan-i-sydmi; 
xQ€fi-d-(o xQ€fji(o; hom. ofjiovfjiai aus "^opL-o-oiiai {o/Lt-o-rrjg)^ s. § 140. ijS-s-cc, 
ai. dved-i'sam, vgl. lat. vert-is-U, vert-e-r-ö, s. § 137b. Wodurch hier die 
verschiedene Vokalfarbe (a, €, o) bedingt war, bedarf noch näherer Unter- 
suchung, vgl. Vf. M. ü. 3, 77 ff. Besonders schwer ist es, das 9 in -9-^0- 
'9-ter- u. dgl. von dem idg. e in den suffixalen Ausgängen -e-to- -e-ti- u. dgl., 
wie in n-e-TÖ-g ax-e-ai-g (§ 70, 14, Vf. Grdr. 2, 206. 216. 282), zu trennen. 

Anmerkung. Einige Gelehrte, z. B. A, Fick (Bezz. B. 1, 1 ff.), ziehen das am 
Schluss der Wurzelsilbe auftretende 9 als integrierenden Bestandteil zur Wurzel, indem sie 
zweisilbige Wurzeln annehmen (W. yeve- in yeve-rrjQ), wie sie auch z. B. *bherete [rpsgeie) 
aus Wurzel bhere- und Personalendung -te, *uoghos [oxo-g) aus W, iioglio- und Nominativ- 
endung -s zusammengesetzt sein lassen. Sie erklären demgemäss die Wortteilungen ysv-s-xrjQ, 
(fSQ-s-Ts, ox-o-g für falsch. Diese sind jedoch, auch den Fall angenommen, dass jene 
Wurzeltheorie das richtige trifft (was immer fraglich bleiben wird), statthaft, insofern man 
durch die Teilungsstriche überall zunächst nur die morphologische Gleichartigkeit oder 
stoffliche Gleichheit gewisser Wortelemente hervorhebt (z. B, cpsQ-e-rs : äy-s-re). Dass es 
der Sprachwissenschaft je gelingen werde, die ursprüngliche (jrestalt der uridg. „Wurzel- 
wörter" sicher zu bestimmen, ist kaum anzunehmen, und um so eher ist es erlaubt, die 
Teilungsstriche in dem eben angegebenen Sinne zu gebrauchen. Vgl. auch unsere Defini- 
tion des Terminus „Suffix" in § 69. 

3. 9 scheint auch in Flexionssilben vorzuliegen, (psgovr-cc, vgl. ai. 
hhdrant-i. -fxs^a ist vielleicht mit dem ai. -mahi (Sekundärendung) zu identi- 
fizieren. Vgl. auch § 108 über das -ai von -fiai, -aai, -rai -vrai. 

Idg". Vokale als Konsonanten. • 

12. Die idg. Ursprache hatte zwei konsonantisch fungierende Vokale, 
i und u, wohl zu scheiden von den infolge stärkerer Engenbildung mit Rei- 
bungsgeräusch gesprochenen Spiranten j und v (Sievers, Phon.^ 146); 
über / = ^ s. § 49. 

Idg. i. Erscheint im Anlaut als Spir. asper, der die Zwischenstufe 
von tonlosem { voraussetzt, z.B. og „qui" = ai. yd-s „qui", ty/r«^ = av. 
yäkar^ „Leber", dyvo-g = ai. yajtid-s „Opfer", vfJisTg = ai. yusma- „ihr". 
Intersonantisches -^-, sofern es nicht hinter sonantischem i nur 
den Übergang zu einem folgenden sonantischen Laut bildete (s. u.), fiel im 
Urgriechischen aus, wenn der erste Sonant ein andrer Vokal als u war. 



1 



I 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 12.) 29 



^lEog = *Sf:€i-og, homer. ^eiSo) aus *cf«J/?o(i)-« von W. duei-. Konj. xtiapLm 
aus *x€i-o)-iLiai, zu xet-rai. Tifjidü) Tliiu) aus *Tlina-i(o. TQflg aus *r^*((.)-fg 
(gortyn. r^jifg) = ai. trdy-as. Wo { in solcher Stellung erhalten zu sein 
scheint, liegt vielmehr Neubildung vor, z. B. war homer. xffaiut statt des 
lautgesetzlichen xiarai nach xiTfiai u. s. w. neu gebildet; arkad. Teiw „büsse, 
zahle" war nicht die lautgesetzliche Fortsetzung des idg. *^e?'-ö (vgl. ai. 
edy-ate), sondern Umbildung von tIm tio) nach lei-aio e-iei-aa etc. oder 
ursprüngliches *rf/-(o) (§ 121). Ursprüngliche sonantische Nasale und 
Liquidae vor -?'-: aus ^Tsxxn-kM (zu Tt'xTwv) entstand HaxTccviü), itxrmvo) 
(§21, 3. 53); aus ^anf-io) (= lit. sj)ir-iu „stosse mit dem Fusse") ^anagico, 
cnaioü) (§ 23, 3. 54): aber aus *o'x/-/.w (= lit. sktl-iu „schlage Feuer an") 
*axaXkü), axäXko) (§ 23, 3). Ursprünglicher sonantischer Nasal hinter i: 
imperf. r« für lautgesetzliches */;« (/)- durch Ausgleichung mit fjjnfr etc.) 
= idg. *ei-?n „ich ging**; homer. (fegoiazo für lautgesetzliches ^(f^Qocuo (-oi- 
durch Ausgleichung mit (ffgoifusO^ct etc.) = idg. "^hheroi-iito. 

Verbleiben des { in iii-. Kypr. (fv-kri, vgl. av. Optativstamni ba-yd-. 
El. ^i'qvio-y. Lak. viv-g kret. vlv-g. Lesb. (/w'w, dXvio), fus^^vio). Da r/ im 
Lesb. eine lange Silbe ausmachte, so ist anzunehmen, dass i sich hier mit 
dem vorausgehenden Vokal in derselben Weise zum Diphthongen verbunden 
hatte, wie antesonantisches ii, d. h. ujia war zu läia geworden wie ajua 
zu at*iva (vgl. § 14 und Sievers Phon.^ 146). Dieselbe Erscheinung im 
German., wie ahd. zweijo, s. Vf. Grdr. 1, 128 f. 

Postkonsonantisches -/-. Aus *xA«y^-|w (fut. xXavao^iai) wurde 
xXutü), x?.uo} (§ 18. 54). ai- wurde h-: vfjirjv, zu ai. syäman- „Band". Aus 
*To-aio hom. toio, att. tov; aus HeXta-iiU) hom. raXfico, att. is/.ü) (^ 45). 
Man beachte, dass att. ^cTo-g, dhjO^eia nicht aus *^eai^o-g, *dXd^f0-icc, son- 
dern aus *0^iaio-g ^uXüO^ta-ia hervorgegangen waren (vgl. Smytii, Der Diph- 
thong El S. 34 f., W. Schulze, Quaest. hom. 4); für att. ti'r^v dürfte aber 
Hervorgang aus ^sair^v und analogisches Eindringen des ei- aus ti-fner ei-tf 
wahrscheinlicher sein als Entstehung aus ^eair^v (vgl. ved. siyd-m neben 
syd-m). Aus '^xiav-io) lesb. xitrro), att. xieivu); aus *y»>*^-iw \esh. <^i>t()QU), 
att. (f^tiQO) arkad. (fi^i^QO) (§ 56); aus *«A-|o-$ att. u. s. w. aXXo-g^ aber 
kypr. ui).ü-g (ij 3U). xi, xt wurden zu aa, xt; vi i>( zu aa, a (§ 38); yt, 
di zu C (<^<^)» ^^ (8 41). Aus 7rf wurde nt (§ 40). 

Anmerkung. Die Annahme Ascoli's (Sprachwiss. Briefe 50 fF.), -io- sei nach 
Konsonanten zu «^o-, weiter zu -eo- geworden, z. B. in ireo-g xffso'f anpco-i, im fut. 
dor. nQtt^tca und in den Verbaladjektiven auf -rtof, überzeugt mich nicht im mindesten. 

Zwischen i und folgendem Vokal erscheint i als Übergangslaut. Kypr. 
ilonf^qu\\ llutft'm u. a. Im Pamphylischen ist n als ii zu losen, z. B. in 
*EaTf:k(v)6uvg = 'AoTiiidiog^ uaQoiai, cfiia; hiernach ist vielleicht auch argiv. 
(rt|A//ri^ --: (tkiog (ilöuL, I. 0. A. n. 34) zu beurteilen. Durch y war dieses 
( dargestellt in den in Papyri sich findenden v/iYnin^ == vytahfig, .i«p«.n- 
yt]oi\ fx<jö(tija = txifoQiu u. a., oder f war im Lauf der Zeit spirantisch 
geworden und mit y war, wie sonst in damaliger Zeit, dor Spirant gemeint 
(Krijiiba<;iikr, Sitzungsber. d. k. bayer. Akad. 18H(), S. 365 flf.), vgl. j} -S3. 

') fst AUS einem Ähnlichen Herftberziehon XixQooc u. d«!. hei ftol. Dichtern und ander- 
dcM Nnnals und der Liquida zur vorher- i wftrt« (Mkimtkh, ür. D. 1» 188, 0. Mkvi». 
gehenden Silbo uavyyittjfit, iyy6xliji, fitX- \ Or. Or." 280 f.) 1« erklÄrcn? 



30 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



Der Übergangslaut / wurde sicher auch sonst vielfach gesprochen, ohne 
besonders geschrieben zu werden, und er kann in den aus der idg. Period* 
stammenden Verbindungen von i mit folgendem Vokal als altererbt gelten. 
z. B. TTccTQiiog = idg. *p9tr-iio-s (ved. pürlya-s), InTiii^og = idg. '^eku-iio-s 
(ved. asviya-s); vgl. Vf. Grdr. 1, 110. 112. 120. 

Über i in Fällen wie oiog (— hoios) N 275, fioi svvsns (= moienn.) 
a 1 und -ii in solchen wie Tiövl ciyyii (== Jconiia.) s. § 64, 5, Hartel, H. 
St. 3, 7 ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 164 f.. Osthoff, M. U. 4, 384 f. Über 
fc = ^* in honffer. AlyviiTirj d 229 u. dgl. Hartel, a. 0., G. Meyer, Gr. Gr.^ 
158 f., W. Schulze Quaest. homer. p. 17 sq. 

13. Idg. u (i;)i) war als f d. i. w erhalten. Als graphische Vertreter 
von f erscheinen : Y, z. B. avärav Pind. P. 2, 28, v^aig ' azoh^ Hesychius 
von W. ffC-; B, z. B. el. inschr. ßoixiaQ und oft bei Hesych.; F, z. B. 
y&TOQ ' €Tog Hesych.; bei demselben lediglich durch Unverstand auch T 
[TQrjyaXi'ov ' disQQcoyoTa, zu pQrjyvtiii) und P (tq6' ' ae, vgl. § 96). Dass 
das auf pamphyl. Inschriften neben /^ auftretende Zeichen V\ (Röhl, I. G. A. 
n. 505) einen besonderen Lautwert darstellte, ist nicht wahrscheinlich; vgl. 
über dasselbe unser Handb. 1, 399. 419. 

f schwand am frühesten im Ionisch- Attischen. Die Hypothese, dass 
das f bei Homer Äolismus gewesen sei (Fick, Bezz. B. 7, 139 ff., Die hom. 
Odyssee S. 7 ff.), ist nicht genügend begründet (vgl. A. Fritsch, Ztschr. 
f. d. Gymn. 38, 612, Cauer, Jahresb. d. philolog. Ver. 10, 294 f., Kretschmer 
K. Z. 29, 390 f.). In den meisten andern Dialekten blieb der Laut, wie 
die Inschriften zeigen, bis tief in die historischen Zeiten hinein lebendig. 
Beispielsammlungen bei Tudeer, De dialectorum Graecarum digammo testi- 
monia inscriptionum, Helsingfors 1879 und G. Meyer, Gr. Gr.^ 229 ff. 

Anlautendes u vor Sonanten. pixari paUaTi si'xoai = lat. viginti. 
psjiog €7Tog = ai. vdcas „Rede", poixo-g oixo-g == ai. vesd-s „Haus", pdarv 
adTv = ai. vdstu „Sitz, Ort". St. pagv- in dem böot. E. N. paQvwv, im Gen. 
(XQv-6g u. s. w. aus ursprünglichem "^ur-n- (§ 71, 1). parälai {yaräXaiy 
ovXai Hesych, a-pccTä {avccTä) Pind., vgl. got. vunds, idg. "^un-tö-. Als laut- 
gesetzliche Fortsetzung des f- hat sicher im allgemeinen ' zu gelten, wie 
in att. d'xoai, sriog etc. In manchen Fällen war ' nur scheinbar Nachfolger 
von f-, z. B. in slxca, das sich nicht mit lit. velkü „ich schleppe" deckte, 
sondern aus *(rp€Xx(o entsprungen war (s. u.). Unklar ist noch ' in tvvvfiL, 
oQo-g (herakl. Zqo-g) u. a. Wörtern, die, wie es scheint, einst mit p- anlauteten 
(s. G. Meyer Gr. Gr.^ 244); Darbishire's in § 49 zu erwähnender Erklärungs- 
versuch hat nur schwache Unterlage. 

. Intersonantisches u. Jip-i =^ ai. div-i „im Himmel". xXepog = ai. 
srdvas „Ruhm", qhopalai (korkyr.) = lit. sravä „das Fliessen, Bluten". Im 
Lesbisch-Aolischen verband sich u mit vorausgehendem kurzen Vokal zum 



1) Da idg. H und v reinlich zu scheiden 
bis jetzt noch nicht gelungen ist (vgl. Ost- 
hoff, Phil. Rundsch. 1881 Sp. 1591, Z. G. 
d. P. 135 und die in § 49 zu erwähnende 
Hypothese Darbishire's), weitaus in den 
meisten Fällen aber sicher ^i gesprochen 



wurde, z. B. *'ueqos =fenog, so schreiben 
wir überall idg. u. — Übrigens ist es ein 
Mißbrauch, schlechthin vom Spiranten f 
zu sprechen, wie oft geschieht. Der Laut 
wurde sicher allermeistens ohne Reibungs- 
geräusch artikuliert. 



l 



2. Vokale, Nasale und^Liqnidae. (§ 13.) 31 



iphthongen (vgl. ahuo) u. dgl. § 12 und den analogen Prozess im German., 
wie ahd. tremva, Vf. Grdr. 1, 158), eine auch bei Homer als Äolismus sich 
findende Erscheinung: asim (ai. cydv-a-te „bewegt sich, entfernt sich"), idg. 
*qim-ö (§ 38); tviSov (att. elSov) = ai. ävidam „ich traf an", idg. *('-uid'0-tn: 
avsXXa, ion. aeXXa, zu cc(/=)r^l^u = ai. väini (Meister, Gr. D. 1, 93 ff. 109 ff., 
Wackernagel, K. Z. 25, 276 ff.). Nach langem Vokal schwand ^ im Les- 
bischen, gen. vaipyoq = hom. vrj-6g, ßa0(X}]{pyoc = homer. ßaaiXr]-og: ob 
das ccv von lesb. avo)g (ion. r^^g) und ravo-g (ion. r/^o-c) daher rührte, dass 
hier ein c mit im Spiele war (ra)g aus ^äijacog, vrj6-g wohl aus *vä(r-fo-g), 
oder ob eine andere Stufe des Wurzel vokals zu Grunde lag (*«wo'-, vgl. 
agiOTor aus "^caiafgiaro-r, und vaa-), lasse ich unentschieden.^) Wegfall des 
f. ion.-att. Ju, xXtog, St. arsät- [artciQ) aus *ö'r?^«r- (§ 19), ^aväpaT- aus 
*sfü-ijn-t- (Vf. M. U. 2, 225). f'x*« aus *fx^y^-;?i (§ 112). 

Antekonsonantisches u. El. /^(>«r()a, kypr. j=QrjTag, att. Qr]TQä^ idg. 
*ure-. Lesb. (Alkaios) fQtj^i-g und daneben öfter nach den Grammatikern 
ßg-, wie ßgijcoQ, ßgiaSa; da die Inschriften nur q- bieten (qi'iTwq^ Ende des 
4. Jahrh. v. Chr.), so ist jenes ßq- als pQ-, nicht als hr- zu lesen (Bechtel, 
Phil. Anz. 1886 S. 24 f.). Im Inlaut bei vorausgehenden a- c- ö- Vokalen 
war «(-Diphthong die lautgesetzliche Vertretung (ausser vor /), z. ß. svgv-g 
aus *€-f:Qv- mit prothetischem 8- (: ai. uni- aus *tifr-ü- = ai. d-gru- : 
gurü')^), taXa-vQivo-g (vgl. ygirog • Stoiia Hesych, d. i. pQivog), ano-vqdg^ 
evXr^qa (vgl. avXi]Qnv und ußXr^oa bei Hesych). Dagegen beruhten kypr. 
i'fQt'^a, i-pQi^iocaaiv, ferner das qq in l'-ggr/^oc, a-QQtjTo-g, aTTo-QQi^to-g, sowie 
das (seltnere) einfache q, wie in iaö-QOTio-g neben ho-QQono-g, auf Einwir- 
kung der unkomponierten Wortform mit f^Q- (qq- q-) im Anlaut (vgl. qq- 
= sr- § 45 und Solmsen, K. Z. 29, 87. 349 f.), welche Einwirkung auch 
für noXv-QQr^r, noXv-QQi^o-g, rroXv-Qi^o-g, o'^v-Qem^g anzunehmen ist, da bei 
ungestörter Lautentwicklung -v/^q- in -Iq- übergegangen wäre; a-QQt^xro-g 
laö-Qono-g : a-vQi^xxo-g = d-ßQoro-g : d-fxßQOTo-g. Aus aiis- -e^s- -oifS- vor 
sonantischen Vokalen entstand im Ion. -Att. a- s- o-, z. B. dxoi] neben 
axava-To-g; Neubildungen waren dxovo) (nach dxovao/^icu etc.), y«i'w (nach 
yfi'crw, a-yeva'to-g etc.) u. s. w., s. Solmsen a. 0. 92 ff.; in den Fällen, wo 
bei Homer Diphthong erscheint, kommt mit in Frage, ob ein Aolismus vor- 
liege, z. B. bei oi'ara."') t'ber /// in xXaio) xXuo) aus *xXi<p-no w. a. sieh 
8 12. 18. 54. 

Postkonsonantibches u. 

nu\ kork. nQÖ-^tvpo-g, el. gen. SfVf-aQSOQy lesb. ^t'rrog, iun. «;>'i"w\ 
att. ^6vog; m^ vielleicht in lesb. ivvexa, ion. el'vexa, att. iV*xa aus ♦l/4-/rfx« 
(Osthoff, Z. G. d. P. 334); ni: xoqpd (Collitz, Gr. D. n. 373), ion. xovqi,. 

Vi Schulzk, Quaest. hom. p. I sqq. will j ") Hierzu ohno pruthcÜHchon Vokal dtiM 

l/K" ,s.,.,ntu u, dgl. bei Homer nicht , Fom. '/*«»"« (ion. 7V/»;) nuH •/f(»-f/-«n. Heiwoit 

«1 ^elten luwten. Ich kann Hoinor | der Krde (I'ott, Kt. ForBch. 2'. 17^). 

1 li -ti iini doH öinen ifeiofAtu uil!<'n ») Der nom. occ. att. ovi dor. ms kann 

nicht t'l ■ n la die ZuHatnmengcii obenHo ^nt ouf *o\t-oH al.s auf •«i'"-«"» xu* 

dii«»eH \\..it«-. mit dem vrdlig glei« i rUekgeführt werden. •»>iio.< verhielt«« si« h 

iiden divfiQo-^ (rf«rr«ro-c) und weiter mit j xu •otM-rn-, wie ai. üir-as m iinf<ati- 

finrd-, wie ich meine, evident int (0. Wackkknauki., K. /. 21), 141. 
••., 299 f.). 



32 



A. Griechisclie Grammatik, b) Lautlehre. 



att. xoQrj, el. 'Hq^aoioig; hi: kypr. aXj^ov, wozu aXova [= al^a'^) ' xrJTroi. 
KvTTQioi, Hesych (Deecke bei Collitz, Gr. D. 1, 30), *oA/ro-g (= ai. sdrva-s 
„all"), homer. ovXog, att. oXog. Vgl. § 30. 57. w-Epenthese bei Stellung 
des u nach Nasalen und Liquidae ist nicht sicher nachgewiesen; vgl. § 54. 

ku. l'nno-g = ai. dsva-s, idg. "^ekuo-s (vgl. Mucke, De consonarum 
in Gr. lingua geminatione, Budissae 1883, p. 34). Im Anlaut tt-: jidg 
(TiavT-) == ai. sd-svant- (aus "^sd-svant-) „vollständig, ganz, jeder", idg. *kii-nt' 
(§ 72, 3); dor. nä-iia „worüber man Verfügung und Gewalt hat, Besitz" 
aus '^kua-men-^ wozu auch el. Sfx-Träa) „bringe zur Geltung, vollstrecke"; 
Ilav-öxpia aus ^^kuano-.^) Jünger als die Assimilation zu -n-rt- (n-) war die 
zu -XX-: Tti'Xexxo-v zu ntlexv-g^ Xdxxo-g zu lat. Jacu-s, ixixx6-g zu f.uxv-g u. dgl., 
wonach wohl zu Txxo-g, der Nebenform von iTriro-g (Herodian II, 548, 11 L.), 
eine in die griech. Sprachentwicklung hineingekommene Stammform Hxv- 
*ekii~ angenommen werden muss; s. § 70*^, 1 Anm., G. Meyer, Gr. Gr.^ 
270. 276, Bechtel, Phil. Anz. 1886 S. 15 f., Vf. Grdr. 2, 148. 

ÜL Kret. Tj^t' (bei Hesych TQt' geschrieben, s. o.), dor. zt', lesb. ion.- 
att. aa, böot. riv, vgl. ai. tvd-d (über enklit. toi § 96. 201, 2). Boot. 
TTstTUQeg, att. TäxTaqsg, dor. Ttroqsg^ hom. Tsactagsg, herod. TtaasQsg^ arkad. 
TaaaeQuxovTa, vgl. ai. catvdras § 101 (Wackernagel, K. Z. 24, 592 ff., 
Alfr. Müller, De 2 litera, Lips. 1880, p. QQ sqq., G. Meyer, Gr. Gr.^ 258). 

Anmerkung. In einigen Wörtern soll tu- allgemeingriechisch durch a- vertreten 
gewesen sein, z. B. aslu) (gortyn. ev-oein), das man mit ai. tvts-a-ti „ist in heftiger Bewegung, 
ist erregt" verbindet. Vgl. K. Z. 22, 263. 28, 280. 29, 98, Bezz. B. 12, 240. 14, 100. 
Man müsste entweder einen doppelten Anlaut tu- {r/=i) und tv- mit Spirans v {aeico) statuieren, 
oder annehmen, als im Urgriech. tu- in a- überging, sei das r in r^e durch die Analogie 
von rv gehalten, bezieh, wiederhergestellt worden. Unklar ist übrigens auch noch das 
Verhältnis von -avvo- zu ai. -tvonä- (§ 70, 6). — Homer, rex^a-at neben reaaaQsg erklärt 
sich daraus, dass *x6rj=Qa- — *qetur- bereits im Urgriech. das /? einbüsste (§ 59). 

du. Von W. duei- korinth. Jpsivißtg, bei Hesych SsSpoixwg (SsÖQoixMg 
geschrieben, s. o. S. 30), homer. s-Sösiasv. Für homer. Ssi^ifisv, d^aovSr^g ist 
mindestens ötSSipsv^ S^aoddr^g zu schreiben, doch wurde in hom. Zeit viel- 
leicht noch c^/^ gesprochen. Ebenso ist homer. €i6aQ in t6SaQ (eJ^a^) zu ändern, 
vgl. ai. -ad-van- „essend" (Vf. K. Z. 25, 218 f. M. U. 2, 226 f.). Attisch 
und sonst bloss 6, dsivög, S&öoixa^ edocQ-ß^wf^ia Hesych, 6w-6axa 6ig vgl. ai. 
dvd, dvis. 

dhu. ogS^o-g, vgl. ai. ürdhvd-s „aufrecht" lat. ardiio-s, idg. "^jrdh-ziö-s 
(§ 70, 3^ -/>f, vgl. ai. 'dJive (§ 108). 

pti: VTjTCLo-g (neben rrj-nv-rio-g) aus *ri^-7ry^-to-g. hhu: vnsQCfiaXo-g aus 
''vTiaQ-ifp-ialo-g von W. Iheu- (Osthoff, M. U. 4, 67. 148. 358). 

SU wurde im Anlaut zu tonlosem p, dieses zu /^. p bei Homer und 
sonst: pol, ps, ps-xdg („für sich, abgesondert") von idg. "^stie-, ai. svd- (§ 97), 



^) Samisch xvapo- in Kvafoifjiioy (vgl. 
xvafj,og mit w-Suffix) entstand aus *kuuano- 
und verhielt sich zu navo- in Jlav -oipta (ausser- 
halb Attika gebrauchte Form, Harpokrat. p. 
161, 30) wie 'fvco = yed. dura zu diö-&£y.a (aus 
*öf(o) = ved. dvä, wie scpvr^v (bhuii-) zu 
vTiSQ-cpLciXog aus vneQ-cpf-icc^o-g [hliu-) u. a. 
(§ 24). Die Form niavog {llvay-oipia, Uvav- 
ixpLci) war eine jüngere Mischbildung. Die 
Wurzel war xv- in xvog, xvuq, xvQog etc. = 



ai. SU- (CuKTius, G.^ 157), zu der auch die 
im Texte genannten nag und nafxa (vgl. 
nci^(t)%og • 6 xvQiog Hesych) gehörten. Von 
derselben Wurzel leitet man auch xvcoy ab 
(nach Benfey „der häufig und viele Junge 
gebärende"), dessen alte Nebenform *7i(i)y 
(acc. *n6pa) = ai. svd lit. szu (*rt(or : xv(oi^ = 
navo- : xvavo-) man wohl wegen des zu grossen 
formalen Abstandes von xvv- in xvv-6g etc. 
fallen Hess. 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 14 — 15.) 33 

rt^ = kymr. chwecJi (§ 101). Die Tonlosigkeit des /^ war durch beigesetztes 

bezeichnet im böot. fhfxa-Säinos und im pamph. pht (Collitz Gr. D. 

;. 1267), das allerdings nicht sicher steht (vgl. PH =^ tonlosem ^ § 22 

nd s5 51). Blosses h: 01, e, ixäg, IJ, r^6vg = ai. svädii-s. Dass daneben 

j auch er-, aus 0/=-, erscheine, ist wohl trotz Bechtel, Phil. Anz. 1886 S. 14 

anzuerkennen: z. B. cra/oc (hom. xovi-aaaXog) zu ahd. swellan „schwellen", 

aiyri zu ahd. sivigen „schweigen" (W. stia^ik- sua^'ig-), a-taXo-g zu v-g (av-og 

av-g nach *a/:-6g). Freilich ist es um die Erklärung noch misslich bestellt, 

8. Osthoff, M. U. 4, 356 ff. und G. Meyer, Gr. Gr. 2 220 f. 247, der 

ursprünglich verschiedenen Anlaut {su- und sv-) annimmt. Unklar ist auch 

noch die Geschichte des -su- nach Sonanten: es ist trotz Bechtel a. 0. 

noch kein sicheres Beispiel für Schwund und trotz Osthoff, M. U. 4, 187 

noch kein sicheres für Übergang in -aa- -a- beigebracht (über piapo-g lao-g 

8. § 70, 3 und g 73, 1). 

Zwischen v und folgendem Vokal erscheint f als Übergangslaut, z. B. 
chalk. rcxQVj^ort^g, böot. Baxtvi^ai, kypr. Svpävoi^ xaieaxsvpaae; durch ß 
d. i. V (§ 33) ist dieses p dargestellt in EvßdXxr^g (lak. Cauer D.^ n. 25), 
EvßavÖQog (dodon. Cauer D.^ n. 250). Dieser Übergangslaut wurde sicher 
auch sonst gesprochen, ohne besonders geschrieben zu werden, und er kann 
in den aus der idg. Ursprache stammenden Verbindungen von u mit fol- 
gendem sonantischen Vokal als altererbt gelten, z. B. dvpw (ved. duvd) 
= idg. *duu6. 

Über f = H in Fällen wie Ixvsimv Find. F. 8, 35 und xXvi^i fifv 
(z= meu) ctQyvQoxof A 37 sowie in 'HXexTQvcovog Hes. Schild 3 u. a. vgl. 
§ 12 extr. und G. Meyer, Gr. Gr.2 160 f. 168. 

Diphthonge und andere Vokalverbindungen. 

14. Die idg. Diphthonge (d. h. Verbindungen von zwei Vokalen, 
die derselben Silbe angehören und deren zweiter im Verhältnis zum ersten 
konsonantisch fungiert) hatte das Griechische treuer als alle Schwester- 
sprachen erhalten. Beispiele s. g 6 ff. Zu den ursprünglichen Diphthongen 
kamen durch gewisse Lautprozesse neue hinzu: 1. durch sog. „Epenthese % 
wie lixtano) aus *rextar-iü) (Jj 12. 54); 2. durch Kontraktion, wie Tvatg 
aus naig (§ 17); 3. durch sog. „Frotheso" vor </, wie tvQv-g aus ^f-f^QV-g 
(g 13. 28); 4. dadurch, dass i und ^, im Silbenanlaut stehend, bereits mit 
dem Exspirationsstoss des vorausgehenden Vokals liervorgebracht wurden 
(a^a z. B. wurde zu at*i<a): so lesb. uXvi'ü) aus *«>lr(w, t-vtöui' aus V^/cfor 
(8 \2. 13); 5. beim Schwund von r vor a im Lesbischen, wie nataa aus 
urlesb. *7idraa (g 55). 

Im einzelnen ist zur Geschichte der Diphthonge im Griechischen fol- 
gendes zu bemerken. 

15. Diphthonge mit kurzem ersten Komponenten. 

In ff, Ol-, (tv wurde der zweite Komponcnt nicht zu ö (vgl. j; 7). 
sondern blieb \i. Daher ist nicht auffailciul, dass man ihn öfter durch r 
n- " fo, wie lokr. Suf-tftxinnr Couatz, Gr. D. n. 1478, 40 neben Snvrt. 
ui Inschr., korinth. 7i>.Vf(fo^), Höhl I. G. A. n. 20, lül, kret. *r-»".. 

'AfiXm% anopdduv (Baunack, Berl. phil. Wochenschr. 1887 S. 59). l 1 1 

OuMlbuch der kU«. AltorUunnrltBacbifl. U 2. AuH. 3 



34 A- Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



P 



daher ist auch leicht verständlich die mehrere Male vorkommende Darstel 
lung von ew durch iov, wie 'AyilXeovc, (Ö. Meyer, Gr. Gr.^ 135), wo ov 
ebenso Kürze meint wie in böot. rov^ä u. dgl. (§ 7). Die zweilautige Gel- 
tung von av und tv blieb bis ins Neugriechische, ti wurde spirantisch, und 
zwar zum tönenden Spiranten vor tönenden, zum tonlosen vor tonlosen 
Konsonanten, z. B. evvrj = evni, avTÖg = aftos; dass die spirantische Aus- 
sprache in vorchristliche Zeit hinaufreicht und damals wenigstens in gewissen 
Gegenden und in gewissen Verkehrskreisen bestand, darf aus Schreibungen 
wie evSof-iog = tßdof.iog, ^avöog ^=. qäßdog, iaßXevaccvTeg = SfißXtipavTeg 
gefolgert werden (vgl. Blass, Ausspr.^ 79). 

Dass tc in sv, av im Ionischen dem o nahe kam (vgl. nhd. liaos = 
haiis^ SiEVERS, Phon.^ 142), zeigen inschr. Formen (vom 5. Jahrh. an) wie 
(fsöysiv, aoxbv (Karsten, De titulorum Ion. .dial., Hai. Sax. 1882, p. 20, 
Blass, Ausspr.^ 72). 

Aus ev wurde im Kretischen ov, z. B. ipovSia =. xpsvdf^, cTiiTadovfAa 
(Hey, Quaest. de dial. Cret. 23). Vgl. zu diesem assimilatorischen Prozess 
dor. o), att. ov (ü) aus fo § 17 und lat. doucö aus "^deucö. 

Das idg. ou in ajvovdij, elh^Xov^a etc. war im Ionischen und Attischen 
im 5. Jahrh. zu ü geworden (spüde),^) doch behielt man das Doppelzeicheiv 
OY bei und verwandte dieses auch zur Darstellung des von Anfang an 
monophthongischen, durch Kontraktion oder „Ersatzdehnung" entstandenen 
ü z. B. in nüs vovg = vöug (§ 17), düs dovg = *Jo^'(^:)-g (§ 55), s. Dietrich, 
K. Z. 14, 48 ff., Vf. C. St. 4, 81 ff. Kyprisch o-vo --=. ov, a-ro-u-ra-i ^ 
aqovQai u. a. und die Darstellung des ov durch op in kret. anopSdav lassen 
Erhaltung des ou als Diphthong in diesen Mundarten erkennen. 

Das idg. ei in dixi, neid-M etc. war in Korinth bereits im 6. Jahrh. 
V. Chr. geschlossenes e geworden, wie der Ausdruck mittels E zeigt, z. B. 
nOTEJAN noTsidav. 

Derselbe Übergang ist für das Ion. -Attische als im 5. Jahrh. voll- 
zogen anzuerkennen (für das Attische schon bedeutend früher, falls auf die 
für sc frühe Zeit ganz vereinzelt stehende Schreibung EIMl = alpcl auf 
der Stele von Sigeion, Röhl n. 492 aus der Zeit 600 — 550, etwas zu geben ist). 
Das Zeichen EI blieb und wurde auch zur Darstellung des von Beginn 
monophthongischen, durch Kontraktion oder „Ersatzdehnung" entstandenen 
geschlossenen e z. B. in dete Ssire aus dters (§ 17), emi dpi aus "^safii, 
thes ^eig aus *^fi'(T)-g (§ 55) gebraucht. S. Vf. a. 0. und G. Meyer, Gr. Gr. 2 
82 f. 2) Im 3. Jahrh. wurde das geschlossene e, zu dem sich das „echte" 



^) Daher versteht man rov ßov nagd 
i^ocpoxXsX Ev Ipd/tp xal nccQa Aia/iXio Herod. 
II, 704, 39, eine Analogiebildung nach rov 
rov u. dgl. (G. Meyer, Gr. Gr.'' 332). ßovg 
und rovg (aus roog) waren gleichlautend ge- 
worden. Eine Stammform ßoj=-o- für dieses 
ßov anzunehmen scheint mir unstatthaft. 

Anders Blass, Ausspr.^29 f., Meistee- 



vorgeführten Gründe scheinen mir völlig 
kraftlos. Wenn für urgr. ei fast regelmässig 
El geschrieben ist, während man bei dem 
e von dehe etc. so lange zwischen E und Ei 
schwankte, so ist zu bedenken : von der 
Schreibung El für urgr. ei abzugehen, hatte 
man keinen Anlass, wohl aber, wegen der 
Mehrdeutigkeit des E, von der Anwendung 



HANS, Phil. Rundsch. 1886, S. 249 und Gr.^ j dieses Zeichens für das geschlossene e in 



16. 28, die annehmen, urgr. ei sei noch im 
4. Jahrh Diphthong gewesen und das e von 
f^ehe etfxl etc. habe sich diphthongisiert. Die 



^elrs etc. ; das El musste für ödre etc. wil 
kommen sein, und dass man sich nur all- 
mählich von E trennte, kann nicht auf- 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 15.) 35 

und das „unechte'' n vereinigt hatten, zu i (Blass, Ausspr.^ 57 f., R. 
Wagner, Quaest. de epigrammatis grammaticae, 1883, p, 35). 

Im Böotischen war der Wandel von ei zu i schon im 5. Jahrh. voll- 
zogen, ygl/AgiaroylToriog = 'AgiaroyeiToriog, aidorvog -^ asidovvog (Meister, 
Gr. D. 1, 227 ff.). Über denselben Übergang im Arkadischen s. Spitzer, 
L. d. a. D. 22. 

Kypr. pe-i-se-i = neiaei (att. Tsiaei) zeigt Bewahrung der diphthon- 
gischen Aussprache. 

Aus oi entstand im Kret. und Lesb. ui, z. B. kret. ö-nvi = 0-7101^ 
lesb. TvT-öe (vgl. lesb. anv = cctto). In Böotien entstand oe, z. B. Ugiaro- 
&ofvo-g (Tanagra), daraus im 3. Jahrh. v. Chr. (wohl durch ö hindurch) 
«1, z. B. 0in-ce()xo-g, fvxiü^ und in den jüngsten böot. Inschriften neben 
V auch si (d. i. 7 oder Wenigstens ein diesem sehr nahe liegender Vokal), 
z. B. avitTg = avToig (vgl. Meister, Gr. D. 1, 235 ff., Blass, Khein. Mus. 
36, 611, Ausspr.3 56). Wandel von.ot in v fand später, doch nicht vor 
dem 2. christl. Jahrb., auch in den andern Mundarten statt (doch bleibt 
zweifelhaft, ob durch dieselben Mittelstufen wie Jahrhunderte vorher in 
Böotien) und führte im 9. und 10. Jahrh. zu i (G. Meyer, Gr. Gr.« 131, 
Blass, Ausspr.* 69 f., Foy, Bezz. B. 12, 57, Krumbacher, Ber. d. k. bayer. 
Akad. d. Wiss. 1886 S. 443 f.). 

ai erscheint vor 400 in Böotien als ai oder ae (Tanagra) geschrieben, 
z. B. AeaxQühdag; dieses ae wie nhd. a(^ in Jcaiser, leid (Sievers, Phon.^ 142). 
Mit der Einführung des ion. Alphabetes tritt in demselben Lande /; für ai 
auf, z. B. r/ = al(p)ei, Innorri = InTioTai, und die jüngsten Inschriften 
zeigen ei d. i. geschlossenes e, z. B. \ii>ävi:Tov (Meister, Gr. D. 1, 238 ff.); 
ebenso h = ai im Thessal. (Collitz Gr. D. n. 345): ßtlXei-tei (dor. St]' 
Xrjvai „velit"), €(faryQt-v0^fn\ ovyQccipeiv, eaaiad-siv^ Elfiovreiog. Später, 
wohl nicht vor dem 2. Jahrh. n. Chr. Geb., ging auch anderwärts in Grie- 
chenland ai in e über (Blass a. 0. 62 ff., R. Wagner a. 0. 40 f., Mkistkh- 
hans, Gr.« 26 f.). 

Diphthongisches tti scheint der idg. Ursprache fremd gewesen zu sein. 
Im G riech, entstand der Diphthong vi durch Konsonantschwund und Kon- 
traktion, z. B. ISvta aus *f:i6va-ia (g 45), hom. vtxvi (§ 82), durch Über- 
gang von oi in ui, z. B. kret. onvi (s. o.), durch Vorausnahme von silben- 
anlanff'nd^'iTi r / B. lesb. (fvtcD (§ 12 S. 29). 



fallen. Auch die iierufung auf xXeU aus x'Ap<: antovokalischcin K", wio inschr. cfdi/rrr» = 
besagt nicht«. Dtnn auch einmal zugegeben ddtjtni. Denn auch angenommen (vgl aber 

§ 18), es 8ei 'ttj' in eii- {^ - ) übergegan- 
gen, 80 wttro hier doch immer kein Diph- 
thong (vgl. ft 14) entntanden gewiHon. das 
El wftro abo mit dem ant4>konsonan(is«-hen, 
auf daH allein ea ankonunt. i^ar nicht kum- 
menhurabel. M.'a weitere KinwÄnde erledigen 
•ich hiernach von Helb»t. 

•) In dem ion. fd#ca «rro-d/ci. 



(vgl aber § l(i), hier sei (ca. 400 v. Chr.) 

ri HUB r) (et) enthtanden, womit Holltc man 

denn dieaen Diphthong auHdrticken, wenn 

Tiirlit mit K/V El, aonnt Zeic hen für geschl. 

.wo ein DiphthonK neu ent- 

für dieaen niitjL^oUen Daaa 

/.liehen für veiachiedeno liauto 

in waren die {kriechen d<.ch ander- 

. wnhnt, z. H V r- XI in uviö^, ' war nidit ti in # üher^ 
2 if in ait;t(ti, : in dii-h«« Konum gehörten 

in'i. i-crner beruft Mich M. mit In ' ' ^ "^ '" ^'■'^ 

auf ,die Kntatehung von Kl aus kurzem 



36 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



16. Diphthonge mit langem ersten Komponenten. Die Di- 
phthonge eu öu äu ei öi äi erfuhren vor Konsonanten im Urgriechischen 
Kürzung des ersten Komponenten, z. B. Zsvg aus idg. ^dieu-s (§ 26). Wo 
in den Dialekten rjv aw etc. vor Konsonanten auftreten, war der Diphthong 
unursprünglich, z. ß. in herod. smvtov (§ 98), in homer. vrjvg (§ 26), in 
rjv'^dfirjv, j]Tovv, fjTs, ojxovv (§ 109), in aöw aus a{p)si6(o, ö'^i^'^w aus am^uu 
xXfjg aus xXrjigy If^arrjg aus Xr[iaTrjg (§ 17). Im Auslaut erscheinen vorgriecli. 
-öi und -äi mit erhaltener Länge des vorderen Komponenten: Dat. l'nno). 
X(^Qa (§ 81). 

Das i von wj^ und «i verstummte in den verschiedenen Gegenden zu 
verschiedenen Zeiten, im Attischen vollständig wohl erst im 2. Jahrh. v. 
Chr. (G. Meyer, Gr. Gr. 2 132, Meisterhans, Gr. 2 52 f.). Für rjf, (sowohl 
in €i7tr] fiQeihrjv Tjj etc. als in den durch Kontraktion entstandenen xli]g 
^.rjarrjg AißTovQysiv etc.) erscheint im Att. seit Beginn des 4. Jahrh. v. Chr. 
El geschrieben (Meisterhans a. 0. 28 ff.): es ist anzunehmen, dass ei zu 
geschlossenem e geworden war.^) 

17. Kontraktion nennt man die Vereinigung zweier mit gesondertem 
Exspirationshub gesprochenen Sonanten unter einem Silbenaccent, wobei 
entweder ein Monophthong entsteht {aS-Xov aus as^Xov, (piXstrs dor. (filrfct 
aus (fiXssTs) oder ein Diphthong {ncdg aus ndig^ ßtlevg aus ßsXaog). 

Bei Kontraktionserscheinungen muss die Chronologie genau berück- 
sichtigt werden. Ein Teil derselben war uridg. , z. B. r^a = idg. "^es-m 
aus '^e-es-m, Xmx(fi = idg. '^ekuöi aus ^ekuo-ai (vgl. Osthoff, M. U. 2, 
113 ff., Vf. Grdr. 1, 106 ff.), o/'x« = idg. *-ez aus *-e-i (§ 82). Als ur- 
griech. darf gelten die Kontraktion von e(s)% zu ei, wie in el^ (psqsig (§ 107), 



^) Manche, wie Riemann, Blass und 
Meisterhans, nehmen Übergang von ei in 
ei an, das noch im 3. Jahrh. v. Chr. ge- 
sprochen worden sei. Mir scheint, mit Un- 
recht. Metrische Inschriften mit dreisilbigem 
BQiaHIg u. dgl. aus dem 4. und 3. Jahrh., 
auf die sich Meisteehans beruft (Phil. 
Rundsch. 1886, S, 249 f.), beweisen nichts, 
weil sie nicht die Umgangssprache ihrer Zeit 
zu repräsentieren brauchen. Dagegen be- 
weist für mich die Darstellung des rj durch 
E in /cdxod^ijxr}, ainfi C.I.A. 2, 61 nach 357 
V. Chr. (von Meisteehans a. 0. angeführt) 
und in ßaaiXf,g BQiarjg auf Vasen (s. Keetsch- 
MEK, K. Z. 29, 415, in BMZEE2 der Vokal 
doppelt geschrieben zur Bezeichnung der 
Länge). Johansson, De der. verb. 165 führt 
die (inschriftlich unbelegten) Konjunktiv- 
formen fxtGd^oig -oi ebenfalls zu Gunsten von 
ei aus ei an, indem er sagt, nach fxiad^ioxs 
aus fXLod^orjTS wären in der 2. 3. sg. -w? -w 
zu erwarten, -oTg -ol wiesen a^.so auf -oeis 
'Oei. Aber dann wäre zu cpiXeig -et als Konj. 
auch -etg -si zu erwarten, nicht -rjg fj. 
Ausserdem darf die Minderung des ei im Att., 
welcher Art sie auch immer gewesen sein 
mag, nicht in die Zeit hinaufgerückt werden, 
wo die verba contracta noch die offenen 
rpnnen hatten (Ind. ^la&oi z. B, schon 570 



—560 V. Chr., Meisteehans 139). Die Sache 
liegt so: in (fdlfig -fj, (psgug -r] wurde, wie 
im Ind., geschlossenes e gesprochen, ebenso 
waren rifx(ig -d zugleich Ind. und Konj., uikI 
die 1. ps. sg. war für beide Modi dieselbe. 
(pd(o cfSQOi riiiio und fxia&co; daher gebraucht»' 
man auch die Indikativformen fxia&oTg -oi' 
zugleich konjunktivisch, ein Vorgang, der. 
wie das von Meisteehans, Gr.'^ 140 miss- 
verstandene inschr. (oy av ngoa^shai (320 
V. Chr ) zeigt, auch auf das Medium über- 
griff; zu dieser Nichtunterscheidung von Ind. 
und Konj. vgl. auch inschr. ^oxfi als Ind. 
(368 V. Chr.) u. dgl. bei Meisteehans S. 31. 
Bechtel's Vermutung (Inschr. des ion. 
Dial. S. 14), dass zwischen rji und et ein si in 
der Mitte gelegen habe, will ich wenigstens 
erwähnen ; dass sich ihr jemand anschliessen 
werde, bezweifle ich. 

• Endlich bleibt noch zu erwähnen, dass, 
wie Wackeenagel, Phil. Anz. 1886, S. 69 f. 
feststellt, die Formen der Kaiserzeit ßovXij 
(dat.), Ivrj (conj.), rjQs^riv [t] mit i subscr. 
war nur archaisierende Schreibung) Neu- 
schöpfungen Avaren. ßov^t] nach den andern 
Kasus des Paradigma's etc. Das rj der ausser- 
halb analogetischer Einflüsse stehenden xA,»j? 
XriTovQyEiv ging seinen Weg über geschlos- 
senes e zu 2^ weiter. 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 16—17.)'' 37 

hl (§ 73, 1), .««')■«, aXi](^eia (ion. -eh;, s. Fritsch, Zum Vokalismus des 
lierod. Dial. 19 ff.) aus "^-sa-itcCt-^ homer. Formen wie iikv^i und die von 
Nauck u. a. angenommenen 'Agyäiog, avaidsh]^ IloXv&eQasiSr^q u. dgl. be- 
greifen sich leicht als Neubildungen. Die allermeisten der auf griechischem 
Boden vollzogenen Kontraktionen gehörten unstreitig dem einzeldialek- 
tischen Leben an und waren hauptsächlich durch den Ausfall der inter- 
sonantischen /, ii (r), c veranlasst. Diese Konsonanten schwanden aber nicht 
zur selben Zeit, daher Ungleichmässigkeiten wie att. gen. sg. acc<fovg nom. 
acc. pl. aacfi] (aus -8(a)-og, -f(o')-a) neben r^d^og r]6ba (aus -«(f)-og, -«(/?)-«). 
Auch bewirkten noch andere Faktoren manche Ungleichheit, vgl. z. B. 
Wackernagel, K. Z. 29, 138 ff. 

Kein Hiatus, den die historische Gräzität im Wortinnern zeigt, 
stammte als solcher aus der idg. Ursprache. Die hom. Konjunktivformen 
atii]o^ie\\ ^t'^oiuv u. dgl., in denen Curtius und andere altüberkommenen 
Hiatus finden wollten, waren griechische Neubildungen, die idg. Formation 
war durch ark. laiäroi, messen, rfO^r^vTi u. dgl. repräsentiert (g 142, 1). 
Ebenso waren 3. pl. wie att. TiO^tüai böot. s&sav, part. pf. fem. wie hom. 
TsO^vr^via u. dgl. m. griech. Neuschöpfungen. Auch bestand in Verbindungen 
wie ia, ua CihTriog, 6vo)) kein alter Hiatus, denn es wurden hier von idg. 
Urzeit her / und u als Übergangslaute gesprochen (idg. ^ekuiio-s, '^dunO), 
8. § 12. 13. Wohl aber hatte das Urgriechische wahrscheinlich in der Fuge 
von Nominalkomposita noch uridg. Hiatus, wie in * / 7r7ro-ayö))'6g (vgl. ai. 
ved. yukta-aha-s „dem die Rosse angeschirrt sind", aV^X. dohro-ohii „schön- 
äugig"), welcher Hiatus damals durch die gleiche Elision {Inn -aycoyög) be- 
seitigt wurde, die in ravio u. dgl. geschah (Vf. Grdr. 1, 455. 458 f. und 
2,45), vgl. g 64, 6. 

In weitestem Umfang duldete die unkontrahierten (offenen) Formen 
das Ionische, am wenigsten das Attische. 

Bei qualitativer Gleichheit der beiden Kontraktionsvokale entstanden 
stets einfache Längen, z. B. 'AO^r^vä \4^r^vaa, iJTTirjg aus iTmi-sg, el. u. sonst 
Ji aus Ju. te und oo ergaben im Ion.- Att., zum Teil in den dorischen 
Dialekten sowie im Nordwestgriechischen geschlossenes e («/) und geschlos- 
senes 0, das sich weiter bis zu ü {ov) verdumpfte (§ 15). 

Anmerkung. Man darf nicht annehmen, dass eqiXei. aus irftXtj (i(piXec)y Innov 

aus 't'nno) (inTtoo) entstanden waren, wofern man deren t] und w den tj und (o in uS^tjfAi und 

cf((f(fj/4( gleichnetzt. Denn es wäre unverständlich, waiuui dann nicht auch ri9n,ut und 

(tittovui erwuchsen, e und e, o und o liattcn im Urgriech. die gleiche QualitAt In ver- 

f*fhi«'d«*nen Teilen dos griech. Sprachgehietes wurden spUter e und o gesobloasenor gc- 

li'-n als t und o, zuerst wohl im lon.-Att., und als diese e und o Kontraktion oder 

i/.dehnung" erfuhren, entstanden LUnK«'n, die geschlossener waren als die uri?r. r und ö. 

.^t sich nun, in wie weit die g<'scl»lossonen e und o in den 1 - ^ \ , : hon 

iitfn und im Nordwestgriechischen selhsUlndig aufkamen, oh n mt- 

voni ion. -att. (iehiete auf diese Dialekte fortgepllan/i niiur. i»{iiMi nind 
< he rnt<'rschiedo in diesen Mundart«'n anzunehmen. Wenn r., H oino 

iii>^<imir ^:<}^ tiüfm» (aus -on) und acc. tovi (aus rorc) nehen einander hat, so ist 

ir, dass di»^ V(rdun)pfung des o aufkam, als die Kontraktion von oo zu -w bc- 

• •' rfunden halt«' und daneben noch xo>'tr gesprochen wurde, sodass nur bei dioaem 
i'ntspringon konnte Vgl. § '.\ Anni. S. DJ und Johanshon. De der. vorb. 22 ff. 

i-tit.stand hol qualitativer Vorschiedenhoit der beiden Vokale ein 
Monophthong, so war die AHnimilation bald eine progressive (att. ntuhf 
lim itfiifft^, dor. tav aus fawv), bald eine regressive (dor. fifir}r#, att 



38 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

€0 wurde durch Angleichung des ersten Vokals an den zweiten in dor. 
Mundarten zu m, im Attischen zu ü (ov): (fdMjasg, (pdoviuev aus (filio-fxeq 
-/iisv; das att. ü setzt geschlossene Aussprache des o voraus (vgl. oben 
att. ü aus 00). Ob wurde nach vollzogener Assimilation wie oo behandelt, 
z. B. nom. dor. iXdaaoK att. iXciXTovg aus -o((y)-€g. Ein Diphthong entsprang 
stets, wenn i und v das zweite und ein a-, e- oder o-Vokal das erste 
Element waren, wie naig aus Tiät'g, sv aus sv. Homer. Idvia aus "^ pi6v{a)-ia^ 
aber Optat. ixSviiev aus "^Sv-i-fxev^ ob im letzten Fall i», weil ein Konsonant 
folgte, oder ob Analogiebildung nach Jit^t, ist unklar, ev aus so im Lesb., 
Ion., Rhod. etc., wie noisvvxai (Merzdorf, C. St. 8, 163 ff., G. Meyer, Gr. 
Gr. 2 135 f.), av {äv) aus ao {äo) in arkad. 'ArtolXwviSav und sonst 
(G. Meyer a. 0. 136). 

Besondere Schwierigkeiten, die zum Teil noch ungelöst sind, machen 
die bei der sog. „epischen Zerdehnung" (Xcc/httstomvu, oqdaad^ai) vorliegen- 
den Ausgleichungserscheinungen. S. u. a. Mangold, C. St. 6, 139 ff., 
Wackernagel, Bezz. B. 4, 259, Curtius, Leipz. St. 3, 192 ff., Fick, Die 
homer. Odyssee 1883 S. 2 f., Johansson, De der. verb. 139 sqq. 

18. Sonstige Modifikationen der Qualität und der Quantität. 
In dor. Dialekten, im Lesb., Thess., Pamphyl. und Kypr. ging e vor 

Vokalen, namentlich vor o- und a-Vokalen in i über, z. B. lak. d^iög = 
d^eög, kypr. paniia -- snaa. Im Böotischen treten in diesem Fall s, si, i 
neben einander auf, z. B. d^so, ^sio-, d^io- (Meister, Gr. D. 1, 243 ff.), 
diese Schreibungen sind als verschiedene Versuche zur Darstellung eines 
sehr geschlossenen e zu betrachten. Denselben Wert hatte ei (vgl. ov = ü 
§ 7) in att. und ion. inschriftl. Formen wie tÖQvasiwg^ slavrov, ivvsia (Blass, 
A.3 33f., Meisterhans, Gr. ^ 35 ff.). Vgl. J. Schmidt, K. Z. 27, 295. 

ä aus cii{p) vor e, i und a im Attischen: äsrog (alßsTog Hesych), 
där^Q (auch homerisch; vgl. ai. devdr-, idg. "^daiuer-), uttm = homer. 
maaco aus "^ pai-pin-i,M (§ 122), äsi neben = alfei^ eXaä aus ^eXaifä u. a. 
(Wackernagel, K. Z. 27, 276 f.).') Dieser Wandel nicht vor o- Vokalen: 
«twr, vgl. lat. aevo-m, Xaiog = lat. laevo-s, 'Axaiog aus (kypr.) 'Axaifog. 
alwqa (gebildet wie 7iai-7tdXrj, öai-SaXo-g) zu d{f:)£iQ(x). Daher wird das 
Nebeneinander von xäco xläui und xaiw xlaica (aus '^xaifco *xaf-|w § 54) 
auf Ausgleichung im Paradigma {xafco xäsig xäei xaio/nsv etc.) und werden 
alai sXaiä neben äsi iXää (Meisterhans, Gr.^ 25) auf Einfluss von aiwv 
sXcciov beruhen. Die Form dsi («) steht wohl auf gleicher Linie mit noalv 
neben noielv (argiv. sTtoipris), und man beachte, dass dieses Verbum auf 
den att. Inschriften sein i vor o-Lauten immer aufweist, wie tioiü) noiovai 
(entsprechend taqoTcoioi), während das i vor e-Lauten oft fehlt, wie nosi 
TTorjaw (Meisterhans, Gr. 2 44). 

19. Öfters wurden Vokale vor Vokalen verkürzt, z. B. att. vscov aus 
vrjdoVy herod. vesg aus vrjsg, herod. dor. ßaaiXeog aus ßamXrjog, herod. sa aus rja. 

Über die sog. „quantitative Metathesis" oder „Umspringen der Quan- 
tität" im Ionischen und Attischen, z. B. ion. att. rs&vscoTog (homer. ts- 

^) Wackeknagel a. 0. vermutet, dass 1 lieh aäaoM und ^aitjo gestanden habe, 
hei Homer für (doau) und ddrJQ Ursprung- | 



I 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (18 20.) 39 



hTjOTog), herod. taitonoc (dagegen att. earoiTog aus t(XTd{j=)6iog, Osthoff, 
Z. G. d. P. 368 if.), att. iTiitbwg iTrrtta, sieh Curtius, St. 3, 399, Vf. ebend. 
4, 140 ff., Mangold ebend. 6, 165 ff., Merzdorf eb. 9, 199, Misteli, Ztschr. 
f. Völkerps. 11, 394 ff., G. Meyer, Gr. Gr.-' 148 ff., Wackernagel, K. Z. 
27, 262 ff. Die MERZDORF'sche Ansicht, dass im Neuionischen 1,0 = urgr. 
Oo zu €0) wurde (taTstaxog), dagegen urgr. ?;o zu eo (ßaailtog), ist umstritten 
und zweifelhaft (s. Osthoff, Phil. Rundsch. 1, 933, Johansson, De der. 
verb. 154), aber jedenfalls nicht so hinfällig, wie Bechtel, Inschr. d. ion. 
Dial. S. 107 sie erscheinen lässt. Mit Rücksicht auf ion. noXsüig in einer 
Inschr. des 5. Jahrh. und auf des Archilochus "Aqsm (vgl. § 79) hat man 
das MERZDORF'sche Gesetz vielleicht dahin einzuschränken, dass unbetontes 
urgr. 'i]0' zu -fw- wurde, wonach auch herod. l'Xswg richtig wäre. Auch 
über den ion. gen. IlvO^fv, den Bechtel ebenfalls dazu benutzt, um jenes 
Gesetz .,in die Brüche gehen" zu lassen (Bezz. B. 10, 282), und über 
Atvxvxf^ffi (neben /«oig, ^Avu'^i-Xewg), thas. i/svqög und Hesych's jivXevQog^ 
wo fo fv in auffälligster Weise lautgesetzliche Fortsetzung von so) sein 
soll, ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Für Tlv&ev kommt in 
Frage, ob nicht Umbildung von -eo) in -eo nach der unkontrahierten Form 
des Gen. der o-Stänmie (vgl. veög nach Genitiven wie nodog) stattgefunden 
hatte (vgl. g 79, 2 über att. ttoXitov); Aso-^ Asv- könnte Neubildung nach 
i>6o-, Yio- u. dgl. sein; Schwierigkeit bereiten nur O^svqög und nvXevQog 
(s. Wackernagel a. 0. 263). Die quantitative Metathesis war im Att. bei 
vorausgehendem i Vorstufe zur vollen Kontraktion, z. B. gen. JloXiwg acc. 
JJoXiü; im 4. Jahrh. v. Chr. dann auch wieder Ht'oyg -it'ä durch analogische 
Neubildung (Meisterhans, Gr.^ 111). Im Ion. erscheint gen. -w aus -tw 
auch nach Konsonanten, wie JIv&ö), worüber Bechtel a. 0. 281 f. 

Dass das « in den ion. Formen wie Jsivoöi'xsm, dXXtMv ein offenes e 
war, zeigt die Darstellung dieses Lautes durch H auf der Inschrift von 
Naxos Cauer, D.^ n. 516 (vgl. Dittenberger, Hermes 15, 229). 

Idg:. Nasale als Konsonanten. 
20. In der idg. Ursprache gab es vier, der Artikulationsstelle nach 
verschiedene Nasale, ts (volar), n (palatal), n (dental), fti (labial), ent- 
sprechend den vier Klassen der Verschlusslaute (7, /•, /, p). Die beiden 
ersten Nasale kamen nur vor den gleichartigen Verschlusslauten vor und 
machten alle Organveränderungen mit, die diese erlitten (S 35), z. B. nt'rte 
aus *per)fjc (ai. pufica), nttuiiog aus ^prfdqfo-s (lit. jthihia-s)^ "YX^^ ftus 
ig. *an(jhö (av. az-ah- „Bedrängnis"). Die andern Nasale erscheinen auch in 
' len Lautkombinationen, vüfog, ai. nnhhas „Gewölk, Luftraum". J(>üi</' • 
'onog aus * r()-o)ili (g 30), zu dri^f) ai. när- „Mann'', l'n^, lat. sciica-, 
ttt'VTM, ai. tanutv, idg. ^tn-nu-tui „streckt sich, dehnt sich*. yrw-<yo/iai, 
,it. ffnö^scö nöscö. vn-vo-g^ lat. somnu-s (aus * siiCfi-no-s). 3. pl. dor. y*'p«-i'ri, 
lt. fcru-nt. Vok. xror, ai. hart (nom. M „Hund"). ^t'r^'tQ^ ^***- ""^-'''''• 
'»7]-<rw, ai. pari, mna-tas. ißii-, lat. si^mi-. ax-fiü)\\ ai. (d-mnu- , Stein, 
Donnerkeil", ro-r, lat. istu-in, ai. td-m, idg. ^tn-m „den, diesen". 

Die älteste Bezeichnung des gutturalen Nasals war, wie es sclioint. 
ixi'^«, ivyvg^ tv%xayu}. Die Darstellung durch y kam danolxM 



4Q A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

da y (fj) in yv und y/i ((fTvyrog, ay^ög) zum gutturalen Nasal (von den 
Alten agma genannt) geworden war, ein Wandel, der dem von ßv in iiv 
(§ 43) entspricht und ins Urgriech. zu setzen ist. Ebel, K. Z. 13, 264, 
Westphal, Meth. Gr. I, 1, 17, Vf. C. St. 4, 103 f., L. Havet, Mem. d. 1. 
S. d. 1. 4, 276. Auch vor labialen Verschlusslauten wurde öfters v (statt fx) 
geschrieben, z. B. 'OXvvma, Xavßccvw, ävtfoxsqog. Die drei Nasale wurden 
vor den entsprechenden Verschlusslauten wohl auf dem ganzen griech. 
Sprachgebiet schon frühe stark reduziert gesprochen, und zwar nicht bloss 
im eigentlichen Wortinneren, sondern auch im bedingten Auslaut, z. B. in 
avv ToiToy, sv-Tsivü), Toy xaXov, sy-xaXsco, tttj^ nohv, ixarofi-TTs^og. Das 
zeigen Nichtschreibungen des Nasals, wie 'ATaXä{v)Trj, Tiixce{v)6Qa, [iuycc- 
Xrj(v) te, yiä(ix)7ta)v, vv(fi)<f>7], 8{^)naaiv, und Schriftformen wie AariTraiMv 
neben Aa^naiMv, ^vßßällsad^ai neben l^v^ß. (s. G. Meyer, Gr. Gr.^ 266 f. 
284 f., Kretschmer, K. Z. 29, 435 flP.). Im Pamphylischen und Kyprischen 
deutet die regelmässige Nichtschreibung des Nasals auf völlige Angleichung 
an den folgenden Konsonanten, z. B. pamph. dögimva^ neSs = TTsvie, 
kypr. o-lca-to-se = "0{y)xa{v)Tog, na-o-to-te = va6(v) t6(v)6£; schwerlich 
wurden hier Nasalvokale gesprochen (vgl. G. Meyer a. 0. und Clermont- 
Ganneau, Rev. crit. 1887 S. 471). Hiernach versteht man nun leicht die 
Schreibungen wie avxvqa und 'OXvvma: weil man bei dem reduzierten 
Nasal im bedingten Auslaut vor Gutturalen und Labialen, ebenso wie vor 
Dentalen, oft die Form auf -v schrieb, welche von alters her im absoluten 
Auslaut (§ 64) und vor Vokalen und einigen andern Lauten ihre Stelle 
hatte, also z. B. tov xaXov, sv-xaXsa), rrjv Tvohv, (fvv-ßdXXo), so übertrug 
man dies auch auf das Wortinnere, v wurde Zeichen für den reduzierten 
Nasal aller drei Artikulationsstellen. Und es konnte das um so leichter 
geschehen, weil bei der reduzierten Aussprache des Nasals die Verschieden- 
heit der Artikulationsstelle weniger hörbar war als bei den unreduzierten 
Nasalen. Denjenigen, die dann die Schreibung des gutturalen reduzierten 
Nasals durch y [ayxvqa, iriy y^v) aufbrachten, kam es darauf an, den 
gutturalen Charakter nicht unbezeichnet zu lassen, gleichwie man durch 
die Schreibungen 'OXvfima, rr^fx noXiv dem labialen Charakter schon vorher 
gerecht geworden war. 

Idg. -mt- wurde im Urgriechischen zu -vt--. ccv-tXo-v zu dpiäo)^ ßgov-rrj 
zu ßQSfxw, yevTo „fasste" zu vyyspiog • avXXaßrj (Hesych). Ebenso -ms zu -vg\ 
slg aus (kret.) ^'vg für *sem-5 (§ 74. 101). Über urgriech. -vi- aus -mi s. § 30. 
Über urgriech. Schwund von v vor a + Konsonant s. § 55. Als urgriech. 
darf wohl auch gelten die Assimilation von -vp.- zu -u^a- wie in rjaxviniiiai. 
Einzel dialektisch wurde -ar- hie und da zu -fjifx-, z. B. gortyn. saTtQSfxfiixtsv 
= €XTrQSfjivf^8iv (Kretschmer, K. Z. 29, 439 ff.). Einige andere einzel- 
mundartliche Veränderungen der Nasale kommen unten zur Sprache. 

Idg". Nasale als Sonanten. 

21. Alle vier Nasale fungierten in der Grundsprache auch als Sonanten 
(§ 5 S. 23 f.), Td und n nur vor den organgleichen Explosivae. Als Sonanten 
wurden sie im Griechischen überall beseitigt. 

Kurze sonantische Nasale (Vf. Grdr. 1, 192 ff.). 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 21.) 4| 

1. Unbetont vor Verschlusslauten, Spiranten, Nasalen, Liquidae und 
m Auslaut wurden ?j, rn, f, n zu a. zaiög, xävvTai idg. "^Ui-tö-s, 
^fn-nu-tdi, W. fen-. riarai — idg. *es-tßdi. niaQÖ-q aus * pT-u^-rö-s 

70, 9 Anm.). ovo-iia = idg. -m)}. ßarog = idg. *gm-t6-s, W. gew?-. 
icTo-r = idg. *k?ntö-m, lit. sfimta-s. Stxa = idg. ^dvkrti oder ^d('kmt 
101). flcKfQog = idg. *lfgh-rö-s (ahd. hingar „flink"), (fax- in (fax- »'«r 

x-fu- aus * f^-^ü-, ai. rf«^-«-s „Biss", ahd. zangar „beissend, scharf" (Sr/^oi^iat 

;aa waren jüngere Neubildungen nach Formen von unnasalierten Wurzeln). 

. C. St. 9, 285 ff., K. Z. 24, 255 ff., M. U. 2, 151 ff.. Osthoff, K. Z. 

. 415 ff., FicK, Bezz. B. 4, 167 ff., de Saussure, Mem. 18 ff. Über das 
a — nas. son. eingetretene o in eixocn {pixati), Sicc-xöaioi (-xävioi), 

h. arkad. öexorog und arkad. exorövßoia (Meister, Gr. D. 1, 51) s. § 101. 

2. Hochbetontes n erscheint als av, z. B. ion. ectai aus * (^')(r-aiT/ = 
j. *s-?jti, ai. s-dnti, umbr. s-ent. Entsprechend i'-Aai^ ai. y-dnii, ayvv-aai. 

ai. Saknuv-dnti „sie können", navt- aus "^ku-nt-, ai. Sd-svant- (§13 
32, § 72, 3). Vf. C. St. 9, 304, Osthoff, K. Z. 24, 420 ff., M. U. 4, 
• ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 12. Über iTiTci § 101. 

Anmerkung 1. Unhaltbar scheint mir die Ansicht von J. Schmidt und Meringer, die 
•^gesetzliche Vertretung von betontem n sei fv gewesen (K Z. 25, 591, Ztschr. f. österr. 
iin. 1888, S 149 f ), und ebenso diejenige von Bechtel und Hartmann, sie sei « gewesen 
,il. Anz. 1886, S. 16 f., Deutsche Lit-Zeit. 1887, S. 375). Vgl. Vf. Grdr. 2, p. XIV. 

3. n und m wurden vor { zu ar, z. B. Ttxiatra aus *rfxrarfa, 
*t€XT»'ia (gen. taxzaivr^g wie got. laiihmunjös „des Blitzes"); rexTatro) aus 
*TfxTavio), *TaxTn-i^o) (vgl. got. gUtmimja „glänze"); ßaivu) aus *ßccno), idg. 
♦g;n-|V^. Vf. M. U. 2, 195 ff., 206 ff.'. Osthoff, Z. G. d. P. 452. Über 
-i'l- aus -mi- § 30. Man darf vermuten, dass sonantisches m, n auch vor 
^ zu ai^ wurde (vgl. ai. -anv- aus -mu-, -iiu-^ Vf. M. U. 2, 211 f.) und dass also 
ßißaoiq ytyccwg (W. gew- gen-), als Neubildungen nach der Analogie von 
icTcmg, für *ßfßavf:o)g, *ysyavj=(6g eintraten, so wie yi'yäxa bei Pindar nach 
faraxa geschaffen war (Vf. K. Z. 24, 279. 25, 223, Grdr. 1, 195, Osthoff, 
Z. G. d. P. 365). 

4. Vor Sonanten wurden /^ und fp mit konsonantischem Übergangs- 
laut, als 9» und mm, gesprochen (vgl. {(a, u^a mit i und i/ als Übergangs- 
laut, § 12. 13. 17); daraus av, a^i: z. B. rar-v- in tavv-yXüiaao-g (lat. 
ten-u-i'S) = idg. *tnn-ii-, xiavcov zu W. xit-v-, böot. /?ara = ved. gand 
aisl. Arona, idg. ^g^na- „Weib", df^io- (a/ioJg) = got. suma-^ idg. ♦«i^im-J- 
, irgend einer" von W. seni-. taiiun' zu W. r*jU-. Osthoff, M. ü. *-. 1 1 f. 
143 f. 4, 362. 367. 398, Vf. ebd. 2, 154 ff. 

Lange sonantisebe Nasale werden wohl mit Recht für die idg. 
Urzeit neben den kurzen angenommen. Im Ablautsystem verhielten sie 
«ich zu diesen wie / ä zu / u. fßait ffliiie = ai. dgaUt, idg. *<• y>«-/('. 
W. gern-, navo-g nrjvo-g = lat. pannu-s, idg. ^p^-no-s, W. {s)pcn' (Vf. 
Grdr. 2, 136). llQOjiai^fvg IlQoin^i^fvg vereinigt sich vielleicht so mit ai. 
pra-tnunthn-s „Stab zum Feucrrcibon" (Moulton, Amor. Journ. of Phil. 8. 
212). Im Anlaut iä-: i-rt- .un-" in dor. viUti oi to-g hom. n^-xfQSi^g: i»;<r<ra 
aus ♦rrtifa, ai. nii-s ein Wasservogel, lit. dtiii-s „Ente*, dk Sauhhukk» 
Mäm. 239 ff., Ohthoff. M. U. 4 p. IV und S. 280, Z. G. d. P. 367. 374 f., 
W. Schulze, K. Z. 27, 606, Vf. Grdr. 1, 208 f. 



42 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Anmerkung 2. Eine in der att. Vulgärsprache entstandene nasalis sonans folgert 
Kretschmer, K. Z. 29, 424 aus den auf Vasen öfters vorkommenden Schreibungen wie 
inoltjay (für enoitjaey), indem er hierin einen Ausdruck für die Aussprache inoirjan {\g\, 
nhd. lassn = lassen) sieht. Bei der Beschaffenheit der Orthographie dieser Denkmäler 
ein nicht sehr sicherer Schluss, 

Idg. Liquidae als Konsonanten. 

22. Die Frage, wie viele Liquidae und welcher Art (Sievers, Phon.^ 
104 ff.) die idg. Grundsprache gehabt habe, ist ungelöst. Auf mindestens 
zwei weist der Umstand, dass die europ. Sprachen und das Armenische 
in vielen Fällen übereinstimmend r und in vielen übereinstimmend l zeigen. 
Wir schreiben die idg. Grundformen im ersten Fall mit r, im zweiten mit ?. 

Idg. r. sQv^-QÖ-g = lat. ruber aksl. rüdrü^ idg. ^rudh-rö-s „rot". 
(fhQw = lat. ferö got. baira, idg. "^bherö „trage", firj-rtg-a, lat. mätrem 
air. mäthir aksl. matere armen, mair, idg. ^mä-ter- „Mutter". 

Idg. l. XsiTTü), lat. linquö air. lecim got. Jeihva lit. lekti armen. 
W-anem^ W. leiq- „lassen". xleir-TM, lat. depo. ^rj-Xrj, lat. feläre, lett. 
de-I-s „Sohn". 

Spontaner Übergang von g in X oder von X in q auf griechischem 
Boden ist nicht sicher nachgewiesen (über kombinatorischen Übergang 
durch Dissimilation s. § 60). In dfitQyco oiiöqyvviii und dfxsXyw, Suffix 
-TQo- und -tXo-, -d^Qo- und -^?.o- u. dgl. war die Doppelgestalt aus vor- 
griech. Zeit mitgebracht (vgl. Vf. Grdr. 1, 227 f.). 

Anlautendes r- entwickelte einen Vokal vor sich, z. B. igvO^Qo-g = 
lat. ruber, sqsßog = ai. rdjas „Dunstkreis", oQvacM vgl. lat. runcö. Da- 
gegen wurden sr- und ur- {pQ-) zu ^-, z. B. qto:> = ai. srdv-ämi, qv^qA 
= el. j^gdtgä; der Spir. asp. (vgl. kork, inschr. qhopaiai) bezeichnete Ton- 
losigkeit des r (vgl. § 43. 51). Froehde, K. Z. 22, 263 ff.. Hassencamp, 
Über das anlaut. q im Griech., Posen 1876, G. Meyer, Gr. Gr.2 113. 173 ff. 
Doch kommt auch q- = idg. r- vor, z. B. qvo^ai neben sgvofiai von W. 
reu-, worüber § 28. 65. Nicht lautgesetzlich war das qq in Fällen wie 
s-ggsi (s. § 45) und aTTo-QqrjTog (s. § 13 S. 31). 

Auch l- erhielt Prothese, z. B. slaxv-g = ai. laghü-s „rasch, behende, 
leicht", dcUvM, lat. Uno; daneben ohne solche Xsvxög vgl. lat. lux, Ityw - 
lat. legö u. a., worüber § 28. 65. ^yco aus ^alrjya) von W. sieg- u. a. dgl.; 
nicht lautgesetzlich war AA in a-XXr^xzo-g, s, § 45. 

Antekonsonantisches A wurde im Kret. zu u: avxä, avcrog, ^svyead^ai 
(Hey, Quaest. de dial. Cret. 29). ddsv(fiai neben zwölfmaligem ddslcf- auf 
der grossen Inschrift von Gortyn (V, 18) lässt für die Mundart dieser Stadt 
gutturales / (slav. „hartes" l), die Vorstufe zu u, erschliessen ; die Schreibung 
dieses l mit v war durch denselben akustischen Eindruck veranlasst, der 
manche Ostlitauer z. B. saudüs neben saldüs („süss") schreiben lässt. 

Aus -kr-, -Xd-- entstanden in einigen Mundarten des Dorischen -rr-, 
-v^-, z. B. (fivTaTog, rjv^ov, s. Morsbach, C. St. 10, 30 f., G. Meyer, Gr. 
Gr. 2 178, Kretschmer, K. Z. 29, 443. 

Idg*. Liquidae als Sonanten. 

23. Die idg. r, / wurden im Griechischen durch Lautwandel beseitigt. 
Kurze sonantische Liquidae (Vf. Grdr. 1, 228 ff.). 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 22—23.) 43 

1. Im Inlaut vor Konsonanten (ausser /) entstanden oa oder aQ und Xct 
itr «^- e^'Qcxxo-v = ai. ddi'sa-m, W. derk- „sehen", dgaro-g und Sagrö-g 

av. der^ta- „geschnitten, gemäht", idg. *d^-fö-s, W. der-, adgraiiai und 

k. ßagrauerog^) (zunächst aus * ßoarcejufvog § 30) = ai. mr-nd-ti „zer- 

Imt, zerschlägt". xgccS-h] und xaqö-iä = lat. corJ-, lit. szird-i-s, idg. 

/ fZ-. naTQÜ-aiy vgl. ai. piti'-su. Tttgaro-g Tt'raQTo-g = lit. Jcetvirta-s^ idg. 

htr-fo-s „quartus". 7rAorri5-g = ai. piihii-s „breit". iviiuXro aus 

-fe-tJ-to von W. ^e?-. Worauf die Verschiedenheit der Stellung der Li- 

jla beruhte, ist nicht sicher ermittelt; zum Teil scheint die Stellung ag 

durch das Danebenstehen von Formen mit eq «A oder oq oX veranlasst 

: den zu sein, z. B. öaqiö-g neben ökOM, Söget. Bei rtzgaTog : Ttzagiog 

eist sich ga durch den urgriech. Wegfall des u (rsTga- aus ^TSTpga-) 

1 bei rgä-ne^a : TagTr^!.i6giov (' rsTagrrjiLiögior Hesych.; der cod. hat rgi- 

yogiov statt Tfriagi.) dieselbe Lautgruppe durch den urgriech. Wegfall des 

r (rga- aus ^Tiiga-) als das ältere, s. § 59. Osthoff, P.-Br. B. 3, 52, M. 

J. 2, 144 f., Vt. C. St. 9, 325. 385, K. Z. 24, 258 f., M. U. 2, 151 ff.. 

.<'icK, Bezz. B. 4, 167 ff., de Saussure, Mem. 6 ff. Im Äol. ging « bei g 

n über, z. B. lesb. argovog fit'fxogO^ai, böot. rgotog, s. § 27. 

2. Bei anlautender liquida sonans stand a regelmässig voran: agxio-g 
= ai. iksa-s „Bär", ag-rv-i^iai, ai. i'-}jÖ-mi „erreiche, erlange". Dass auch 
luslautendes -r zu -ag wurde, hat man aus ovO^ag, rjnagu. a. geschlossen, 
ndem man z. B. für ersteres *otidhr als Grundform annahm. Diese Grund- 
■orm auf-/' steht aber nicht sicher, s. § 7r\ 1 und g 78. gic (neben ceg) = lit. 
•r, idg. *f (§ 201, 1) würde nicht widersprechen, weil diese Form im Zu- 
sammenhang mit konsonantischem Anlaut des folgenden Wortes kann ent- 
«rickelt worden sein. 

3. Vor {' wurden r, l zu ccg, aX. anaigui (daTiai'gu)) aus ^aTragito = 
lit. spiriü „stosse mit dem Fusse", idg. *sp^-i^6. SxO^cci'gu) aus *fXx^i'-io). 
jxäXXü) aus *axaX[ü) = lit. skiliü „schlage Feuer an", idg. *S(jl-id. Kluge, 
Z. G. d. g. C. 146, Vf. M. U. 2, 207, Bezzenberger in seinen B. 3, 160, 
Osthoff, Z. G. d. P. 89. 

4. Aus den vor Sonanten gesprochenen p', II (vgl. § 21, 4) ging a^, 
fiX hervor, ßagv-g = ai. gurii-^^ idg. ^^fr-us „gravis", jjtagwv aus 
urgr. *ptrr-6-nt'. Kork, iagög el. in-iagög = ai. i^ird-s „eilend, regsam, 
frisch", idg. *iS'ir6'S. ßaXo'n' = idg. *(^/l-o-tii-. Osthoff, M. U. 2, 14 f. 
143 f. 4, 362. 367. 398, Z. G. d. P. 439, 450, Vf. M. U. 2, 154 ft 

Lange sonantischo Liquidae sind für die idg. Ursprache in wei- 
terem Umfang zu belegen als die gleichartigen Nasale (§ 21). Im Griech. 
entstanden go) Xo) und o)g wA, woraus nach S 26 og oX; im Anlaut stets 
mg (og), atgw-to-g, aiog-vv-fti, lat. sirä-tu-s ai. stir-nd-s, idg. s//*- zu W. stcr- 
»auHbreiten*. ßi-ßgüi-axio ßgu)'Xi]g^B\. uTr-nd-s, idg. ^ff- zu W.g<?r- „schlingen*. 
nögtT'i^, ai. hr^'d-m ^Kopf", idg. Xf«-. 7ßg7T-i^^\ lat. satp-ö, idg. >7>-. 
ßXw^'go-g, ai. mnräh-dn- „llüho, der höchste Teil, Kopf", idg. *mfdh'. 
ovXo^ .kraus" aus ^ffoX-ro^c, ai. ür-na ..Wolle" lat. lä^ua (aus urlat. 

( i'ii-*i- iMiiii ini iiiii II mi-t fiiMi Hii .liii-Mii.M '* 'inrngcwiPMon, 

poetiHchcfi IriNchrift (c. 4011 v. (*hr.) von ; 



44 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



*ißa-nä), idg. "^iil-no- ^uj-nä-. Lesb. ßoXXoßm att. ßovXo^ai aus */?oA-vo- 
^lai, idg. *g|- zu W. ge?-, vgl. dor. dtjXofxcu (§ 35). oQd^o-g = ai. ürdJivd-s 
lat. arduo-s^ idg. "^fdh-uö-s „aufrecht", o^jy-aco, ai. #r;- „fettreicher Trank, 
Kraft, Labung". oQ-vvfxi, wq-to (augmentiert), S^s-oqto-q, ai. fr- (3. sg. med. 
7>-^e) „sich in Bewegung setzen, sich erheben, entstehen", de Saussurk. 
Mem. 239 ff.. Osthoff, M. U. 4 p. IV und S. 280, Z. G. d. P. 251. 3G0. 
448, W. Schulze, K. Z. 28, 281, Vf. Grdr. 1, 243 ff. In e^ogov neben 
^oQvvfjiai ^QMaxüo, ßoXo^ai neben ßovXoiiai u. dgl. war o analogische Neuerung, 
s. Vf. a. 0. 246. 

Ablaut. 1) 

24. Unter „Ablaut" oder „Vokal abstuf ung" verstehen wir solcl 
quantitative, qualitative und accentuelle Verschiedenheiten des sonantischen 
Elementes- einer Wurzel- oder Suffixsilbe, die nicht durch Lautgesetze, 
welche zur Zeit der Einzelentwicklung der idg. Sprachen wirkten, hervor- 
gerufen wurden, sondern in bereits uridg. Verschiedenheiten wurzelten. 
Z. B. liTi-sTv : XsiTV-siv : Xs-Xom-a'^ dqa-rog : Stq-siv : doq-d; l'-CTä-f^n \ 
arä-TÖg; Xv-ai-g : "^Xv-asi-sg {Xvasig)'^ na-tQa-ai : Jta-TSQ-sg; vvjxifä : Vok. 
vvfi(p-ä. Nichts mit dem Ablaut hatte demnach z. B. die Verschiedenheit 
w : o in k'-yvw-fisv : s-yvo-v yvo-vr-sg zu thun; denn yvo- war hier erst in 
der speziell griech. Sprachentwicklung aus yvoo- verkürzt (§ 26). 2) 

i und u mit vorausgehendem oder folgendem Vokal {ei, ie) standen 
auf einer Linie mit den konsonantischen Nasalen und Liquiden in gleichen 
Verbindungen {en, ne), z. B. hheidh- bhoidh- {Ttsid-si, rct-TioiO^-e) wie spend- 
spond- (aTTsvd-co, (SnovS-rj) und derk- dork- (StQx-sTai, Ss-doQx-s); suep- (aisl. 
svef-n „somnus") wie prek- (lat. prec-or). Daher entsprachen sich auch 
z. B. s-Tiid^-s und 6-öqax-£ (ai. d-drS-a-t), vTt-vo-g und lat. poscö (aus 
""PtK^yskö). 

Wir unterscheiden zwischen Tiefstufe und Hochstufe und nennen 
in der Wortbildungslehre die morphologischen Einheiten, welche Tiefstufen - 
vokalismus aufweisen, schwache Formen, die, welche Hochstufenvokalismus 
aufweisen, starke Formen. 

Die Tiefstufenformen waren durch Vokalreduktion infolge der Hoch- 
tonigkeit der folgenden Silbe entsprungen, z. B. "^pt-e- (TTT-e'-a^ai) aus 



1) S. Osthoff, P.-Br. B. 3, 1 ff., M. U. 

4, 1 ff. Vf. C. St. 9, 361 ff., M. U. 2, 148 ff., 
Grdr. 1, 246 ff Masing, Das Verhältnis der 
griech. Vokalabstufung zur sanskritischen, 
Petersb. 1878. de Saussure, Mem. sur le 
Systeme primitif etc., 1879. Möller. P.-Br. 
B. 7, 492 ff. FicK, Bezz. B. 4, 167 ff., Gott, 
gel. Anz. 1881, S. 1425 ff. Bloomfield, Amer. 
Journ. of Phil. 1, 281 ff. Collitz, Bezz. B. 
10, 1 ff. 11, 203 ff. Hübschmann, Das idg. 
Vocalsystem 1885. G. Meyer, Gr. Gr. 2 4 ff. 
Bremer, P.-Br. B. 11, 262 ff. Merlo, Ren- 
diconti del R. Istituto Lonibardo, vol. XX, 
fasc. 15-16(1887), vol. XXI, fasc 8 (1888). 
Meringer, Ztschr. f. österr. Gymn. 1887, 

5. 363 ff. Pezzi, La 1. gr. ant. 97 ff. Weitere 
Litteraturnachweise bei Hübschmann, S. 1 f. 



und Vf. Grdr. 1, 32. 246. 

'^) Idg. Vokallängen, die sich der ety- 
mologischen Betrachtung als Kontraktions- 
produkt zweier Vokale darstellen (Vf. Grdr. 
1, 106 ff.), setzt man nicht als besondere 
Glieder in die jeweilige Ablautreihe ein. So 
stellt man z. B. beim o-Suffix trotz der 
Formen wie Vtittm Innwu ovrcj (mit ö) nur die 
Ablautglieder e : (vgl. inns tnnog) auf, weil 
nichts der Annahme entgegensteht, dass ö 
erst durch Kontraktion entstanden war, z. B. 
-öi im dat. sg. aus -o-ai. Freilich sind wir 
keineswegs sicher, dass nicht auch hier in 
gewissen Kasus von Anfang an e und ö neben 
e und gestanden hatten (vgl. Suffix -Wien-, 
-mon-, -mm-, -mön-, u. dgl.) 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 24.) 45 

d-e- (vgl. ntr-s-a^ai), *liq-c- (Xiti-hi) aus ^lei^q-c- (vgl. XaiTj-sii), *p9-tr j. 
(c-To-m) aus -pd-ter ± (vgl. 7ra-r6^-6c). Die Tiefstufe hatte zwei Ge- 
ilten, die man nach Osthoff als die „tonlose" und die „nebentonige" 
rm bezeichnet. Erstere z. B. in (fv-ai-g (bhu-) und vTitQ-f^-iaXo-c aus 
r£Q-(f/:-ta/.o-g (hhii-), letztere in 8-(fv-i^iev (bhä-) und €'(fv-r^r (hhuii-), von 
. hheti-. Wie solche Doppelheiten entstanden waren, darüber sind heute 
r erst Vermutungen möglich. Zum Teil scheint die Gleichung zu gelten: 
/ : eu, rl und ue le = ?7, / : eu el und W(% le, vgl. z. B. ocfgii-g : ahd. 
iva „Braue" und das Optativsuffix -7- : -{^- (§ 145, 1). 

Die Hochstufenphasen innerhalb der sechs Ablautsreihen, die wir 
lerscheiden, bezeichnet man vorläufig am besten ganz äusserlich als 1. 
etc. Hochstufe. Ob die gleichbezifferten in den verschiedenen Reihen 
ts unter gleichen Bedingungen (der Betonung etc.) entstanden waren, 
iss man nicht. 

1. e-Reihe. Hochstufen: 1. e, 2. 0, 3. e, 4. ö. Der Wechsel zwischen 

ind 0, r und ö scheint hier ursprünglich so geregelt gewesen zu sein, 

-s e c in haupttoniger, ö in der Silbe nach dem Hauptton standen, 

1. (fQii''fg (fQi]v : (x(fQov-eg u<fQwv] naiiq-sg nari^Q : ^ir^TQo-TiaxoQsg -ttcctwq, 

i 71. 71», 2 und G. Meyer, K. Z. 24, 248, Mahlow, D. 1. V. 161, 

. ' K, Gott. gel. Anz. 1880 S. 421 ff., Möller, P.-Br. B. 7, 492 ff. Wir 

geben einige Beispiele für diese Ablautreihe mit Berücksichtigung der 

drei am häufigsten erscheinenden Phasen: 



Tonlose Ticfstu 


ife: 


1. Hochstufe: 


2. Hochstufe: 


pt'i i-TtT-o-^rjy 




pet-: niX'O^fAai 


pot'\ noz-douttt 


Hq-: i-Xin-o-y 




leiq-: Xein-üi 


loiq-: Xi-XotrTi-e 


tru-: ^V'Xog 




sreu-i ^eif)-(ü, ^siifia 


srov-: ^of'(c 


djri-: t-dgux-o-y ,^ Z.i, 1) 




derJc-: ^sQx-o-fÄta 


dorfc-: ds-doQx-e 


j'tr-: nu-TQ-iiiy \ 
Wr-: Tiu-iQiiai (§ 23, 1) \ 




'ter-: na-rtg-sg 


'tor-: ev-7J (i-roQ-eg 






-e-: otx-S'i, oiX'E 


-0-: oix-o-g 


ni}9-: t-7t((9-o-y (§21, li 




ney»-: niv^-og 


Tioy&'i ni-7ioy&-e 



W: yi-r-H^y (§ 21, 1) ( :>'■"-■ ■■"-"' 

l-iwy»-: yuiyv-fty-o^g , 

|-m».i-: 5»'o-/^«-r-(§21,l), ;f«-^«iVw(§21,a)| '""""• ''"'""^'-^^ 



(#1/1- 



: uiu aus *au'Ut \ .... 

: ä-nai (§ 21. 1) *^'"*= ^'' *"^ ^^ *^'"'- .''^ 



Die nebentonig«- i iii.^tufenform zeigen ausser den genannten ^-(/^-/»^l• 
{hhil') und f'<^V't^r {bhuij-) noch z. B. x/r-/.<«^ xXi-rt^ xt-xXi-cttiu zu W. 
tlei't f'ßa-Tf ßu'i/i (g)]/-) neben ßa-tö-g (gw-) von W. gciN-, atgot-Kn; 
'^'''-) neben at^n-to-g (sf^-) von W. s/e;-, «/t-(>- (stfwt-) neben den ge- 
inten 11-/« (sm-) und ü-na^ («w-), taX-ag {tll-) neben noXv-rX-ag von 
Ms nebentonig tieffitufige Formen sind mit Ohthoff auch soIcIjo 
.i. ,i i,^ =z a\. pak'tä'S, idg. *^pcq-t6'S (von W. pcq-) anzusehen; tonl^w 
t stufig war ^pq-td-s (etwa in o-nto-g, mit „prothetischem** Vokal?). 

l>io 2. und 'l Hochstufe, /" und ö^ erscheinen am häufigsten im nuni. 

. /. H. tfQtfV uf/ifwr, Tiatt'^(f tv^nniütQy dva-^hvi^g aidotg^ tidwg aus *^#«J- 

.; ferner in xAoi«/», <yxoii/% i/oip, denen die Donominntiva wie xXmitäopm, 

iffüt/tüoK fonaofiM sich zugesellen, mit Verkürzung nach § 2G in Ztvg aus 



46 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



'ÖTT-OiTl-S 0)lp. Ö^CO 

erwachsen), vgl. lat 
112 f., Osthoff, M 



*Zrjug (ai. dyäü-s) neben Zsv = idg. *dieu (§ 74, 1), wohl in den o'-Aoristei 
wie s-rei-aa a-TSQn-aa (vgl. ai. ä-jai-sam d-hhar-sam, § 137) und noch ii 
andern mehr isoliert stehenden Formationen. 

2. o-Reihe. Höchst.: 1. o, 2. ö. oipoi^iai o^pia 
o6-a)6-8. üofxo-g aus *«/i-ö'-o-g (aus einem St. *öm-es- 
umer-u-s. J. Schmidt, K. Z. 25, 17 ff., Vf. M. U. 3, 
U. 4, 343 ff., SoLMSEN, K. Z. 29, 62 f. {ßodg ziehe ich zur e-Reihe, s. § 74, 1) 

3. a-Reihe. Höchst.: 1. a, 2. ä. ay-co : dor. ay-ay-oxcc arqar-äyo-g.^ 
ddog, 6ai(o : dt-&rj-8, dccj^-io-v drjio-v, Tiefst, dv-ij. Zu dieser Reihe dai 
Femininsuffix -a-, wie voc. vvfxcpä : nom. vi\a(p-ct vvfjig)-rj. 

4. c-Reihe. Höchst.: 1. e, 2. ö; nebentonige Tiefst, o. ^ij-aco : ^co 
fi6-g : ^s-To-g. ij-(f(o : dcp-sw-xa : s-zo-g (lat. sa-tu-s). ccTj-ijli : ccm-to-v, W 
tie-. h]y-co : Xay-aQo-g, W. sieg- (lat. laxu-s : ?ma aus '^leg-\-sna). pqri'ii-g 
sQQiay'S ', qay-rjvai. ^€-, i- für *i!>^a-, *«-, s. § 11, 1. Vgl. de Saussurs 
Mem. 141 f., Vf. M. ü. 3, 101 f. Ob Xay- und i^^ay- die tonlose oder di( 
nebentonige Tief stufenform darstellen, ist unklar, da sie die lautgesetzlich 
Fortsetzung sowohl von sig- tirg- als auch von shg- iirdg- gewesen seil 
können. 

5. (7-Reihe. Höchst.: (7; nebentonige Tiefst. 9. Sw-üm öm-qo-v : öcc-voi 
öo-TÖ-g. Ttw-^aa nb-TCM-xa : tto-to-v. ßco-rwg : ßo-to-g ßo-axco. So-, tto-, ßi 
für Sa-, *7r«-, "^ßa-, s. § 11, 1. Vgl". Vf. a. 0., J. Schmidt, K. Z. 26, 335 

6. ä-Reihe. Höchst.: 1. a, 2. ö; nebenton. Tiefst. 9. (fä-pX {(fr^-fjl) 
(fo)-vrj : (fcc-ixhv. e-axä-v azä-^iMV [s-arrj-v CTri-iiMv) : ata-TÖ-g ara-TTjQ. räx-i 
(Tt-jx-co) : Tax-sQo-g. Die tonlose Tiefstufe wäre durch l-(TT-6-g (i-ar-io-v 
vertreten, wenn dieses, was fraglich ist, eine altererbte Bildung war. Ost- 
hoff's aivü) aus ^ot-tv-i^w (vgl. ai. savye-sthar- aus ^-st-ter- und lat 
sta-tu-ö) ist recht zweifelhaft (M. U. 4, p. XII). 

25. Die ursprünglichen Ablautverhältnisse wurden im Griechischer 
oft durch analogische Neubildung verdunkelt. Namentlich sind drei Fällt 
zu berücksichtigen: 

1. Die einer Form von alters her zukommende Stufe wurde durcl 
Angleichung an andere Formen mit einer andern Stufe durch diese letztere 
ersetzt, z. B. ns-(fsvy-€ statt "^Tis-ipovy-s nach ne-(f8vy-(äg (pevy- 
(fsv^-ofxai (§ 132), hom. na-rsq-og statt na-TQ-og nach na-Ttq-a Tra-TtQ-Si 
(§ 69. 71),' €-i'rj-fi€v statt e-i-ix8v nach s-l'r^-v (§ 145, 1). 

2. Die Wurzel trat aus einer Ablautreihe in eine andere über. S( 
gab fjiaivofAai, aus "^mn-io-mai von W. men- (§ 21, 3), den Anlass zur Bil 



') Nach DE Saussuke, Melanges Graux 
739 und Bezzenbergee, Gott. gel. Adz. 1887, 
S. 415 dürften OTQccr-dyog od-uyog hier nicht 
genannt werden, weil sie in eine Kategorie 
mit den Fällen wie uy-rjvuiQ : dvtjQ gehören 
können. Ich vermute, die eigentümliche 
Sitte der Griechen, den Vokal im Beginn 
des zweiten Kompositionsgliedes zu dehnen 
(vgl. noch a/LKf-fJQiarog : iQiC(o, vn-rjQetrjg, 
vxjj-rjQscf^g, fx-U)vv'^ yufxxp-üjvv'^, nod-rjye^og), 
hatte sich gerade an einigen Verhältnissen 
wie OTQca-uyog : uyog entwickelt. Muster- 



formen dürften namentlich auch unter dei 
es-Stämmen, z. B. &va-r]Xsaro-g : uxog, &va 
f]X7]g : ci/og (wenn diese Zusammenstellung 
richtig ist), sv-wdtjg : lat. odor (vgl. ai. vid 
mayi-dpas- : apäs- dpas-), zu suchen seil 
Der Verbreitung dieser Neubildung war di 
Abneigung gegen die Folge von mehrere) 
kurzen Silben günstig, die auch den Gegen 
satz der Formen wie aoqpw-rsQog : wfxö-xsqo 
zur Regel machte (vgl. Vf. K. Z. 27, 590 f.; 
Homer. »/i'f^uoeK kann man als in Anknüpfung 
an noö'-TJysf^o-g gebildet betrachten. 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 25-26.) 47 

A\g von i^itf.ictra fi6i.ii^rcc nach Analogie von Perfekta wie XäXal}a XiX}]d^a 
1. M. U. 3, 115), ähnlich ina'iiiäXe (.ujur^Xe zu i^uXfi von W. mel- (Osthoff 
G. d. P. 109 f.). Zuweilen veranlasste zufällige Formgleichheit noch 
•idamentalere Neuerungen, z. B. pindar. ytydüu zu y^»-, hom. nt^i^aum 
> 140 /]' TibifUT i] xtc\ ineiia jTt(fi]atTai) zu b-nt-qr-o-v infolge des Neben- 
: anders von ytyansv (aus *geffn-men) und lat^afner, 7Tt-(fcc-iai (aus *gÄe- 
/-^rt/) und VaTccvai (W. crci-) u. dgl.^), ähnl. hom. Konj. xriojfnv zu 
/f^.Mfi- von xiar- (Vf. K. Z. 24, 2G4. 279). 

3. Es entstanden neue Ablautverhältnisse durch „proportionale Neu- 
}ildung". So wurde das ursprüngliche Verhältnis *o/i-r6i'-a/ .• oii-vv-juti' 
lach Massgabe von dc'<u-rä-ni : dcai-rti-fitv u. a. in o/t-i-i;-«/ : üix-vv-^isv 
imgebildet (Osthoff, M. U. 2, 139); nach rax-w : zcex-f^vai entsprang 
jriy-ü) : nviy-ijrai, TVif-co : rv(f-t]rc(i. Hierher gehören auch die Ver- 
lältnisse tQtTi^-g : vTT-r^Qtzr^c u. s. w., wofern unser Erklärungsversuch 
3. 46 Fussn. 1 das rechte trifft. 

Vokalkürzung: vor /, u, nas., liqu. + Konson. 

26. Diese trat in der urgriechischen Periode ein. tkTToig aus ^i'ttttcoic 
= ai. dsvais (§ 91). alj=tt ai{f)(jüi' aus *tz/w-, vgl. ai. instr. sg. äyun-ä „mit 
iem Leben* (Vf. M. U. 2, 190, Grdr. 2, 340 f.). nXeiaio-g aus ^TiXt^-ia-Toc 
^§ 73, 3). Zsvg aus *Zr^ug, ßovg aus '^ßwfig, vavg aus *rät/g (§ 75, 1). bv^aio 
aus *i]u^aTo (g 109). avTi- aus *sauta d. i. *sa u ta (§ 94). yvovt- aus 
*y»'«ir-, ifiiysv aus *€fjiiyip'T (§ 114). mtQva wohl aus ^TiTr^garcc^ vgl. ai. 
pärsni-s, aioorvini aus *(TT(ßiQ-rv-iu (§ 23 S. 43). Die (X-Aoriste titiau 
fdii^u t^tv'^a titQxlia titiva wohl aus "^t-ri^it-aa *€-dr^i^x-cct *€%r^?jX'aa etc. 
(§ 24 S. 46 und § 137). Osthoff, Phil. Rundsch. 1, 1593 fif. 

Dieses Lautgesetz kam erst in Wirksamkeit, als -ns- bereits zu -n- 
geworden war, wie Gen. /Lu^t-ög lesb. iiu]vr-og aus ^i^ir^ra-og = lat. mens-is 
(gegenüber Nom. ion. megar. kork. fi€i'g aus *fX£vg, "^f^rp'g) zeigt, s. § 45. 56. 
73, 1. Auch war es, wie ?ywc aus *ö?/(s)-ös (§ 73, 1) beweist, jünger als 
der Ausfall des intervokalischen • s- (§ 45), s. Solmsen, K. Z. 29, 348. 
Es darf also nicht mit Bremer, Bari. phil. Wochenschr. 1887 S. 502 f. in 
die Zeit der vorgriechischen Urgemeinschaft hinaufgerückt werden. 

Durch Analogiebildung wurden diesem Lautgesetz viele Ausnahmen 
geschaffen : z. B. ion. vr^vg nach vr^(py6g etc.*), kret. 3. pl. 6ieXtytjv nach 
duXtyijui' etc. (Vf. M. U. 1, 72 f.), ift'QMvn (dor.), (ftQonrm nach (ftQM- 
fitr etc. (die lautgesetzlichen Formen auf *-«ii/ *-ortf(i waren mit dem 
Indik. zusammengefallen, daher die Neubildung). 

Das« die Wirksamkeit dieses Gesetzes in ein/flniundailliclu'r Zeit 
erloschen war, zeigen auch die Dative auf -t^at (g 90), (^(taiog (aus idiaiog), 
riuüivTfg (aus Tiftäovttg) und vieles andere. Indess kam in einzelnen Teilen 



*) Mit Unrecht llndort WACKKRHAon, j unsoro obige Auffamung^ von nnf^ttm mög- 

K. Z. 27. 27U, dorn (}. Mkyer' 474 folgt, lieh iHt, darf man nr^ittf^rrrt niciit ala StOtxo 

nttf^atrtft in nttftiattm (*nnfnonui), cino für dan von ^VA(KKl<^AUKl. a. O. angonominono 

Anomalie durch die andoro nuHtreibend Lautgosetx geltiMi liinnon. 

Fieilirh versucht Wa« kf.nna(ikl jetzt (K. Z. *) Dm iweinilhige trfC^ wurde erat »iiIU 

29. \M\) nftffiaitm aIh Fortnetzung von i nach der AnaJogio von pc^iV gebildet 

*nfrftytrinn zu rechtfertigen. Aber hü lange ( 



48 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

des griech. Sprachgebietes in jüngerer Zeit ein analoges Lautgesetz 
auf, vgl. däjuiioQYog neben SäfxiwQyög und dgl. (Johansson, De der. ver! 
p. 19 sq.) und die inschr. Formen sTi-ev^rjfxtvov (zu av^dvco) und svxovfirji 
(zu «17 tw) mit SV aus r^v (§ 109). 

Einwirkung" von Nasalen und Liquiden auf die Qualität benachbarter 

Vokale. 

27. Ark. kypr. iv aus sv, G. Meyer, Gr. Gr. 2 67 f.. Spitzer L. d. 
a. D. 14 ff. 

Lesb. thess. 6v- = dva-, lesb. ovicc = dviä, Meister, Gr. D. 1, 50 f. 
295, G. Meyer, Gr. Gr. 2 63. 

Lesb. (XTQOTog, fibpog^m, thess. ^EQOToxXictg, böot. (TTQOTog, Meister, 
Gr. D. 1, 48 ff. 216. 295. 

Q verwandelte vorausgehendes s in cc im Lokr. und El. Lokr. naragct, 
dviforaQog, el. paQyov, (fdgrjv, ndq (:= TCbQi), onoxaQog, Vf. C St. 5, 329 
ff. 9, 376, G. Meyer, Gr. Gr. 2 28 f., Meister, Gr. D. 2, 29. Dabei ist zu 
berücksichtigen, dass in Elis s auch schon ohne Einfluss konsonantischer 
Umgebung eine sehr offne Aussprache hatte (§ 8). Die beiden Schreibungen 
xccT-iaQavasis und XaTQccio)/ji€v- lassen die Frage aufwerfen, ob q im El. 
nicht auch nachfolgendes s in a veränderte (vgl. Meister a. 0. 30. 38). 

Eine dem e sich nähernde Aussprache des i scheint durch q hervor- 
gerufen und durch s ausgedrückt zu sein in el. ttoXsq Collitz, Gr. D. n. 
1172, 16 (neben ttoXiv auf derselben und qittiq oq-tiq auf andern Inschr.) 
und in thess. xQsvvsfxsv, ^Yßqsaräg Collitz, Gr. D. n. 345, 14. 71 (YßQiGTaiog 
auf ders. Inschr.). 

Vgl. auch § 10 über att. xooqü = ion. x^QV- 

Prothese vor u (f), Nas. und Liqu. und Anaptyxis. 

28. Prothese. Die sogen, prothetischen Vokale sind noch in man- 
cher Hinsicht unaufgeklärt. Kret. dsgaa, hom. Ssgarj neben 8Qarj = ai. 
varsd-s „Regen". drifAi aus "^dpr^ixi = ai. vämi. evqv-g aus "^i-pqv-g^ s. 
§ 13 S. 31. dvr]Q ^^ ai. ndr~. dvsipio-g aus "^d-vsTTT-io-g, vgl. ai. najjt-t- 
„ Enkelin". dfjis'Xyw = lit. melzu „melke". oiiixXiq ofxixico, inf. aor. duX^ai 
(Hesych), vgl. lit. miylä „Nebel", lat. mingö. sQvd-Qo-g = ai. rudhird-s. 
oQvaao), vgl. lat. runcö. iXaxv-g = ai. laghü-s (§ 22). Curtius, G.^ 578 ff. 
720 ff., Fröhde, Bezz. B. 7, 87, G. Meyer, Gr. Gr.2 113 ff.O Dass die 
Prothese bald erscheint, bald nicht (z. B. stQaij : sQCrj, dvrjQ dv^Qog : dgcöU' 
aus '^v{6)Q-(joip, ofioQyvvjiii, : fxoQ^ccvTo, iqvo^ai : Qvofiai, dXsicpco : Xittcc), mag 
zum Teil auf urgriechischer, ursprünglich nach verschiedener Stellung im 
Satze geregelter Doppelformigkeit beruhen, s. Osthoff, Z. G. d. P. 304. 
Bei ccrjfxi und dvrjQ kann in Frage kommen, ob d- nicht vielmehr erhaltener 
Wurzelvokal gewesen sei (Vf. C. St. 9, 387 f. M. ü. 1, 29 f., J. Schmidt, 
K. Z. 27, 396 f.). Auch müssen Erscheinungen wie ottoi' arra aus onoid 
Tza (§ 65, 7. 95) und das in § 53 dargelegte davor warnen, hier alles nach , 
einer Schablone zu beurteilen. 



^) Dass auch Tanger Vokal prothetisch i ojQvytj u. a. s. § 200. 
auftrete, ist unerwiesen. Über das w- von 



2. Vokale, Nasale und Liquidae. (§ 27 -30.) 



49 



29. Anaptyxis oder Svarabhakti heisst die Entfaltung eines kurzen 
der reduzierten Vokals aus einem Konsonanten vor oder nach einem an- 
dern Konsonanten. Am sichersten ist sie nachgewiesen bei Liquidae und 
Vasalen, z. B. ßäqayxog = ßoäyxog, auf att. Vasen 'AosTiviä = Uqttvui 

i)ual), ^EQii.u]g = 'EQfxt'g, Tsqotkjov = Ti-QTiMr , lesb. dXXdztQQo-g aus 
<XXoT£Qio-g = dXXÖTQio-g,^) yccXaxv- neben yXaxto-(fayo-g , aXsyeivög von 
/.yog^ l'ßdoiiQg und epidaur. iß^sjuceTo-g herakl. delph. tßSsiiijxovTa von idg. 
rpfm-O' oder *sehd))i-o- (§ 101). Curtius, G.^ 727 ff., G. Meyer, Gr. 
1.2 109 ff., Kretschmer, K. Z. 29, 427. Die Entwicklung des Vokals 
tzt ein Sonantisch werden des konsonantischen Dauerlautes voraus, z. B. 
IS ßguyxog zunächst "^hrrcmJchos, daraus ßdgayxog, aus uXXö-rqiog im Lesb. 
rios, daraus "^-tcrios, -rsQQog (vgl. Sievers, Phon.^ 241 f.). Bei nicht 
enigen der in sprachwissenschaftlichen Werken hierher gezogenen Formen 
t zweifelhaft, ob nicht eine bereits vorgriechische sonantische Aussprache 
.s Lautes (§ 21, 4. 23, 4) anzunehmen ist, z. B. bei aTitn-a-cc^ev (vgl. 
I. uksäip-s-ma), wo man eine urgriech. Form -s-mmen mit idg. inm an- 
tzen kann (§ 136). 

Die Lautgpuppen mr^ ml^ nr, ni, ri, li, mi, ur, im, ru, lu, In, rn. 

30. Aus mr, ml, nr entstanden in urgriech. Zeit /t/^(>, ///?A, vSq: im 
\ Illaut ging mit der Entwicklung des Verschlusslautes der Nasal verloren: 

-nßQOTog, ßgoTog (wahrscheinlich Kompromiss zwischen ßOQvög = ai. märta-s 
id ^ßgÜTÖ-g = ai. m^'td-s); iJ.i]ußXu)xa, ßXwaxu); dvÖQÖg, öq-miI>. G. Meyer, 
1. Gr.2 185 f. 277. Anders, aber mich nicht überzeugend, Johansson, De 
r. verb. 59. Einige Schreibungen auf Vasen wie 'OfiQixog, UrQoiiic'exij 
\ RETSCHMER, K. Z. 29, 451) dürften beweisen, dass der Übergangskonsonant 
Vnlksmund schwach oder selbst gar nicht artikuliert wurde. 

Aus ^xtav-io) lesb. xitvvu), mit „Ersatzdehnung" ion.-att. xteho), aus 
/ .>^^-/w lesb. (fO^tQQü), mit „Ersatzdehnung" ark. (fO^t'^QO), att. (f^eiQM (^ 12. 
'). Dagegen fand bei -X^ im Kyprischen „Epenthese" statt, während die 
idern Dialekte -XX- zeigen: kypr. aiXo-g = att. etc. aXXo-g^ kypr. 'Anfi- 
'»• = arkad. pamphyl. dor. 'AntXXMr (g 54); doch gesellt sich zum Kyp- 
chen vielleicht noch das Elische, da Collitz, Gr. D. n. 1151, 2 laXömiu 
•ht (s. Meister, Gr. D. 2, 38. 58). 

Vor i wurden ursprüngliches postsonantisches nt und m = ufi zu 
iitalen Nasalen. In allen Fällen erfolgte dabei Epenthese des i (§ 54): 
'voq aus *xoju-fo-$ zu lat. cum, umbr. osk. com*), x^««"»'« zu xXa^ivgy ßmvto 
-^ idg. ^f^m-io von W. f^cm-, xahu) zu ai. ^nm- (caus. „zum Tode bringen, 
veniichten-). Kluge, Z. G. d. g. C. 14G, Vf. M. U. 2, 207, Mahlow, D. 
1. V. 63, Thukneysen, Über Herkunft und Bildung der lat. Verba auf -io 
S. 30, Osthoff. / (\. .1. P. 5U5 ff., G. Meyeu, Gr. Gr.« 185. 



') t'tXknt tqQo-i nui * ttXXo-t iQo- ,e'\ne Nobon* 
form von •«ÄÄo-rpo-, zu h<'zi<»hon (8. § 70, 10), 
vcrhirtot Hirii (iiirrii «iif mit ihm zusammen 
Vdii •!* II (iiaiiiiii.kiik* in (ilM'rliffeiion fAinQ- 
Q' iQift. iiinn mOMt« 

«i« ' ' nn Können seien 

fon dm <iruniiiiuiik('rn nnrli ilmi .Munter 



von fiXh'}r(()QO( erfunden worden. 

') Schwerlich richtig rieht .1 lUi sv.k. 
Stud. 1, 44 unser Wort zur \Sui/<I \.ii 
xoi'ttj. Nur HO viel kann ich zugrl.un. lla^-'' 
hio und dn eine volkHcty niulogiHche 
VorknÜpfunK von avytttt'Oi mit nr; jroiro v 
u. dgl. stattfand. 



B«U4lhtu-li «Irr klsM. AlU<rtiinMWiiM<<iiiM-li«rt II. 'J. Aufl. 



50 A. Griechische Grammatik, h) Lautlehre. 

Noch im Einzelleben der Dialekte bestanden die Lautgruppen tir. 
kyprisch e-pqs'^a; mi, kork, nqö-'^svpo-g', rii, xoQpä; lii, kypr. aXpov (§ K3. 57). 

Schwierig ist die Geschichte der Lautgruppe In. Dreifache ßehand- 
lungs weise. 1. Lesb. thess. -H-, sonst -A-, eventuell mit „Ersatzdehnung". 
Lesb. ßöllsrai, att. ßoidsrai aus "^ßol-vs-rcci Grundf. "^gl-ne-tai, thess. ßt'Ä- 
XsT€i, dor. drjXsTm, lokr. delph. dsilsrai Grundf. "^gel-ne-tai, W. gel-, ovXo-z 
aus '^0oX'Vo-g (§ 23 S. 43 f.). Lesb. ccn-tXXM, dor. fryAw, homer. siXu) au 
"^psX-voi). oidofisvo-g neben oXXvfui (s. u.). 2. Allgemeingriech. -XX-. oXXv/ji. 
iXX6-g aus "^sX'V-o-q^ vgl. sXacpo-g aus ^eln-hho-s und lit. el-n-i-s „Hirsch". 
wXXov • rrjv tov ß^a^iovog xafxTirjv (Hesych) aus ^wX-v-o-v (Vf. M. U. 2, 173). 
3. -Xv-. niXva^ca (zu ntXag). TtiXvov ' cpaiov. Kimqioi Hesych (zu nsXö- 
TTsXio-g). Ich betrachte die 1. Behandlung als die altertümlichste. Als du 
aus vorgriech. Zeit überkommene -Jn- und das -Xv- von -oXv- = idg. -In- 
schon eine gewisse Veränderung erlitten hatten, kam durch Neubildung 
(beziehungsweise durch analogetische Wiederherstellung) die Gruppe -Xv- zum 
zweitenmale auf und führte zu allgemeingr. XX (2) ; man beachte das w von 
wXXov gegen § 26. Wieder in einer jüngeren Periode entstand -Xv- von 
neuem (mXvaf^iai nach mTva/jim u. dgl.) und blieb nun unverändert (3). 

-rn- blieb ausser im Kretischen: gortyn. dwioiro = aqvsoiTo. 

3. Verschlusslaute. 

31. Artikulationsart der Verschlusslaute. Keine Veränderung der 
Artikulationsart durch spontanen Lautwandel erlitten bis zum Einzelleben 
der griechischen Dialekte die idg. Tenues {q, k, t, p), Tenues aspiratae 
(qh, kh, t\ ph) und Mediae (g, g, d, h). Z. B. i-xccrov = lat. centmii, 
TiarsQsg == ai. pitdras „Väter"; oia-^a = ai. vet-tha „scis"; ^vyov = ai. 
yugd-m „jugum", olSs = ai. veda „seit". Dagegen wurden die idg. Mediae 
asp. (g/i, gh, dh, hh) bereits im Urgriechischen zu Tenues asp. und fielen 
so mit den ursprünglichen Tenues asp. zusammen, z. B. dvg-xi^ixo-g = ai. 
himd-s „Kälte", idg. *gJiimö-s, ^vfio-g = ai. dhümd-s „Rauch", 6-cpQv-g = 
ai. hhrü-s „Braue". 

Mancherlei Modifikationen erlitten die verchiedenen Artikulationsarten 
durch kombinatorischen Lautwandel im Urgriechischen (z. B. urgriech. 
Hithemi Ti&rjiii aus Hhi-the-rni) und durch spontanen und kombinatorischen 
Wandel im Sonderleben der Mundarten. 

32. Dass die Tenues in einigen Mundarten, besonders im Attischen, 
Aspiration erfuhren (Roschek, C. St. I, 2, 63 ff., Cuetius, G.^ 500 ff., von 
DER MüHLL, über die Aspiration der Tenues vor Nas. und Liqu. im Zend 
und Griech., Leipz. 1875, G. Meyee, Gr. Gr.2 207 ff.), kann nicht abge- 
leugnet werden. Doch ist noch genauer zu untersuchen, in welchen Grenzen 
sich diese Affektion bewegte, in wie weit sie rein lautmechanisch ein- 
trat. Dass in vielen Fällen, wo man bisher rein lautliche Entstehung der 
Aspirata annahm, z. B. aXsi(p(o neben XiTta (ai. limpämi „beschmiere, be- 
streiche"), St'xoficcL neben ion. dor. lesb. dtxo/jiai, vielmehr Analogiebildung 
vorliegt, zeigt Osthoff, Z. G. d. P. 284 ff.; vgl. auch iifioqxtw, icpl leqtix.g 



.3. Verschlusslante. (§ 31—33.) 51 

durch Ausgleichung von icfOQxa'o) und sni'OQxt'co , von €(f' isQtMg und ^ttI 
■ hgewg (Thumb, Spir. asp. 72). 

Was den Wechsel zwischen Tenuis und Media betrifft, so war in 
(i Fällen wie nrjY'Vv-fxi : TiäaaaXo-g (aus *7iax-k(xXo-g)^ /.u'y-vv-i^u : ai. mis-rd- 
:j , gemischt" die Media aus der Zeit der idg. Urgemeinschaft mitgebracht, 
i- indem damals bereits die Tenuis unter gewissen Bedingungen zur Media 
li wurde (Zimmer, Nominalsuffix a und a S. 288 f., Osthoff, M. U. 4, 325 ff., 
i Z. G. d. P. 316, Kluge, P.-Br. B. 9, 180 ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 201, Vf. 
kj Grdr. 1, 190 f. 348); auch war aus vorgriech. Zeit die Media mitgebracht 
fj in Formen wie ini-ßS-cti zu "^ped- (J. Schmidt, K. Z. 25, 55), nkty^t^r zu 
H jiXt'xo), xltß6i]v zu xXom] (s. Vf. Grdr. 1, 346 f.). In andern Fällen kam im 
i Griech. die Media an die Stelle der Tenuis durch analogische Neubildung, 
li z. B. messen. xtxXaßwg zu xXsn- „stehlen", wQvytp' oqvyi] zu oqvx- „graben" 
P| (Osthoff, Z. G. d. P. 284 ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 201 f.). Zuweilen ist 
1 schwer festzustellen, ob die Media nach der ersten oder nach der zweiten 
Weise entsprungen war, z. B. bei Tr]yavo-v neben r^jxw und bei ßXdßr^, 
das man nach Wiedemann, Bezz. B. 13, 306 ff. mit ai. wfc- „Beeinträch- 
tigung, Schädigung" zu verbinden hat. 

Tenues aspiratae sind nur in wenigen Wortformen als uridg. 

gesichert. Wir erwähnen noch (KpdXXo) : ai. skhdidmi „strauchle, gehe fehl", 

(jvau : ai. ^;Am^ Interjekt. des Pustens und Blasens, mvx- : ai. nakhd-s 

-Xagel". Vieles ist strittig. Sieh G. Meyer, Gr. Gr.^ 206 f. und die dort 

f zitierte Literatur, ferner Vf. Grdr. 1, 406 ff. und Moulton, On the treat- 

ment of original hard aspirates, Amer. Journ. of Phil. 8, 207 ff., dessen 

.', Ansicht, dass im Griech. die idg. Tenuis asp. die Aspiration verloren habe 

'\ ausser bei vorausgehendem Hochton, mir nicht genügend begründet zu sein 

1^ scheint (wegen des Superlativsuffixes -laio- = ai. 'i^fha- s. Vf. Grdr. 

2, 229 Anm. 2 und zu dem dort erwähnten XoTa^o-g Danielsson, Pauli's 

iAltital. Stud. 4, 172). 
33. Für die Mediae ist Wandel in tönende Spiranten nachweisbar; 
auf diesem beruht die neugriechische Aussprache. Auf Übergang von y m 
i Spirans j (in irgend welchen Lautkombinationen) weisen die im 2. Jalirh. 
V. Chr. vorkommenden Schreibungen vyiyaivig^ ^agantyijov, xXaiyo) u. a. 
(Hlass, A.^ 107) mit y als ungenauem Ausdruck für i oder eine aus i 
entwickelte Spirans (§ 12). Spirantische Geltung ist auch Voraussetzung 
für den Ausfall des y nach i in böot. im' = iyiöw, taront. und sonst oXh^ 
= oXiyog^ *PiaXtvg =^ (PiyetXtrg u. a. ; in verschiedenen nichtattischcn Mund- 
arten mag y nach / schon vor dem 5. Jahrh. v. Clir. zur Spirans geworden 
»ein. Weiteres s. bei G. Meyer, Gr. Gr.* 218 f., Meisterhans, Gr.* 58 f. 
Der Wandel von d in ä (interdentaler Spirant) ist am frühesten im Elischen 
nachzuweisen, wo man den neuen Laut durch f darstellt«: f*', ^ixmu, 
fHi^üK. Wenn auf den jüngeren elischen Inschriften J, nicht C geschrieben 
ist (I)amki,, FU:/,/. ]\. 6, 213). ho erklärt sich dies daraus, dass mittler- 
weile auch in andern Mundarten S zu d geworden war, ohne dass man den 
Huchstubon linderte; man drückte also nunmehr auch in Klis ft durch ^ 
awH. Für J i<lK. ^ wurd<» im Arkad. auch C geschnoben, was nuf 
lisclu- Aussprache hinwulHt, z. H. itkXu» = dtkXu» , werfe". Der l 

4' 



52 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

von /^ in V ist schon in vorrömischer Zeit für das Lakonische und das 
Elische dadurch erweislich, dass u (f) durch ^ dargestellt wurde, was nur 
bei spirantischer Aussprache des ß (als v) begreiflich ist, z. B. lakon. Evi^- 
äXxr]g, el. ßoixiag (§ 13). Im Attischen wurde ß, wie es scheint, erst um 
den Beginn der christl. Zeitrechnung Spirant (Meisterhans, Gr.^ 60). 

In Formen wie ^sv^co ^svxiö-g neben ^svyvvfii ^vyo-v wurde bereits 
im Uridg. Tennis für Media gesprochen (Vf. Grdr. 1, 346), und es ist ein 
Misbrauch namentlich unserer Schulgrammatiken, urgriech. Formen wie 
*^£VY-(Tci) '^^svy-To-g *7roJ-ö't anzusetzen. Über den angeblichen Übergang 
der Mediae in Tenues im Kret. und Boot. s. G. Meyer, Gr. Gr.^ 203. 217. 

Dass die Mediae öfter lautmechanisch zu x ^ 9 geworden seien, ist 
zwar wiederholt behauptet worden (s. namentlich Curtius, G.^ 521 ff., Fick, 
K. Z. 22, 110 f.), aber nur für einen Fall ist dieser Wandel zuzugeben. 
Wenn ein (^, hinter dem ein auslautender Vokal elidiert worden war, mit 
folgendem h zusammentraf, so wurde der Verschlusslaut tonlos und es 
entstand ^ (vgl. tonloses /^ aus s?/ § 13 und tonloses q aus sr § 22), vgl. 
att. Inschr. OY0OI = ovS'ol 373 v. Chr., neuatt. ov^sig (neben ovSs-i^iiu) 
aus ovd'slg, und vielleicht schon im 6. Jahrh. v. Chr. od^''EQf.tfjg = od"EQiii}jc, 
s. Wackernagel, Phil. Anz. 1886 S. 67, Meisterhans, Gr. 2 80. Es ist 
nicht kühn, hieraus auch die Aussprache oxrjQMg für y jjQMg u. dgl. zu 
erschliessen. Durch Analogiebildung kam die Ten. asp. an die Stelle der 
Media in Fällen wie eiXo^a zu ^670), s. Osthoff, Z. G. d. P. 284 ff. 

84. Die urgriech. aspirierten Tenues (= idg. gÄ, gh, dh, hJi und 
qh, kh, th. ph) blieben wohl in den meisten Dialekten bis in die historische 
Zeit hinein unverändert. Mehrfach aber ist schon im Altertum der Über- 
gang in tonlose Spirans {ch, p, f) nachweisbar, welcher tonlose Affrikaten 
{hch, tp, pf) als Mittelstufe voraussetzt. Diese ganz allmählich vorrückende 
Verschiebung in ihren einzelnen Stadien örtlich und zeitlich genau zu be- 
stimmen sind wir, bei der Ungenauigkeit der Darstellung der Laute, nicht 
im stände. Verbleiben des explosiven Elementes ist überall da anzunehmen, 
wo für /, ^, (f X, T, Tt geschrieben wurde und umgekehrt (z. B. kret. 
xgrjixccra für xQr]ixaTa), auch weisen die Transskription der griech. Aspiraten 
durch c, t, p bei den Römern und die Wiedergabe von lat. p durch (f 
{^oXcfixio-g u. dgl., s. Meisterhans, Gr. 2 60) noch auf Verschlusslaut hin. 
Die Affrikatenstufe tritt in Schreibungen wie 0x70g, axim(fog und in Mes- 
sungen wie öcfiv (Homer), ßqoxov (Theogn.) hervor. Röscher, C. St. I, 2, 
63 ff., Progr. von Meissen 1879 S. 56, G. Meyer, Gr. Gr. 2 207 ff., Blass 
A.^ 99 ff. Spirantische Geltung ist im weitesten Umfang für -d- nachzu- 
weisen. Lak. a = d-, z. B. aio-cpoQo-g (Müllensiefen, Diss. phil. Argent. 
6, 185 ff., 249), wobei es zweifelhaft bleibt, ob a ein ungenauer Ausdruck 
für p war, auf den Fremde, denen p gegenüber ihrem einheimischen th 
auffiel, leicht kommen konnten, oder ob p wirklich weiter in s übergegangen 
war; die Verwandlung in p und eventuell weiter in s scheint aber in diesem 
Dialekte auf die Stellung im Anlaut vor Vokalen und im Inlaut zwischen 
Vokalen beschränkt gewesen zu sein (Blass, A.^ 108 f.). (f für ^ =^ idg. 
dh beweist den Übergang von th in p und weiter in f (vgl. neugr. dial. 



3. Verschlusslaute. (§ 34.) 53 

lo) = &€'Xo) u. dgl.): z. B. böot. Giö-q^atoc (Dissimilation?), dodon. Inschr. 
:()c, (fvo) (= ^vco, ai. (Um-), Alkman (Aolismus) (foirä (=d^o(vr^, zu ai. 

/-); die Darstellung durch (f beweist zugleich, dass ph (phcrö = idg. 
hhf'rö) zu f geworden w^ar (§ 35). Vgl. J. Schmidt, K. Z. 25, 174. Ferner 

utet er = (T^ in böot. iifccmeaTr^, el. Ivaccaro), lokr. iXt'(TT(o u. dgl. (auch 
if einer lak. Inschrift, Röhl, I. G. A. n. 72, scheint ein Infin. auf -aiat 
^ -aO^cci zu stehen) auf ^ = /) ausserhalb der Verbindung mit voran- 
. liendem er hin: nachdem ^ im allgemeinen (in ^eög, iXvd^r-v etc.) zu j) 

worden war, gewöhnte man sich daran, in der Verbindung ad^^ wo tli 

'gen des a geblieben war (vgl. ia-il neben Si6(o-ai § 37), diesen Ver- 
hlusslaut durch t darzustellen (vgl. Meister, Gr. D. 1, 261). Minder 

her scheint mir, dass im gortyn. Dialekt p entstanden war. Zwar haben 
ir hier w und itq = ^r und vO^q, TväTwv = O^rt^ioir, arioomoi' = 
. 'f^oomov; aber vielleicht handelt es sich in diesen Fällen um Übergang 
•n th in t, und dass ^0^ in did6l>i}oi = SiSoad^w, xdO- d-vyaTtqaq = zag 
rycntoag als pp und nicht vielmehr als fth oder etwa tp gesprochen worden 

i, ist trotz Baunack, Gortyn 34 f. und Blass, A.^ 110 sehr fraglich, vgl. 
•rtyn. iiiritg mit rr = at und räS öt aus räz 6t (§ 48). 

Lautmechanischer Wandel der Tenues aspiratae in Tenues fand im 
igriech. durch das Hauchdissimilationsgesetz statt, s. § 60. Dass sie in 
i:end einem Zeitpunkt der griechischen Sprachentwicklung in dieser oder 

jener Lautverbindung zu Mediae geworden seien (Curtius, G.' 527 f., 
. Meyer, Gr. Gr.^ 205 f.), ist mir unerwiesen. In att^ißa) : n-atfj^Kfi'^g, tivv- 
'(^ : nvx^niqv, h'Svo'V : ai. vadhii-s „Braut", eyco : ai. ahdm „ich" u. a. liegt 
ahrscheinlich eine uridg. Doppelheit der Artikulationsart, Media und Media 

p., vor, s. Vf. Grdr. 1, 348 f. Dagegen w^aren homer. x«i «/;•'//( fio-g 
'X^g) und Formen der späteren Gräzität wie exQvfitp' {xQvcfa), e^ß^gviif^v 
fovTiTü) zuTQV(f-= "^O^QVif-) Ncubildungeu, s. Osthoff, Z. G. d. P. 298 f. ''17. 

35. Artikulationsstelle der Verschlusslaute. Die dentalen und 

ibialen Laute änderten im allgemeinen ihre Artikulationsstelle nicht, 

B. nattqeg = ai. pitdras, idg. ^pdtcr-es; Tegnu), ai. tarpdi/dmi „sättige, 

friedige"; Stxa = lat. dcccm; egv'/Qo-g = ai. rudhini-s „rot"; tiäQßa^o-g^ 

it. balhu-s; (Hf^v-g = ai. bkrä-^ „Braue". Von assimilatorischen Prozessen 

wie kret. vtmf = vvxti abgesehen, haben wir nur folgende Moditikationen 

der Artikulationsstcllc. S wurde frühzeitig im Elischen, später auch ander- 

wärtH, zum interdentalen Laut ft (Jj 33). Ebenso wurde i> in mehreren 

Mimdarten frühe interdental (p), und p wurde teilweise weiter zu y, einem 

labiodentalen Laut (S 34). Diese Schreibung mit y, z. B. (ftog, gibt zwar 

k(;in(-n Hichcren Beweis, lÄast aber doch vermuten, dass auch das urgriech., 

bilabiale </ (ph ~ idg. hh, ph) in den betreffenden Gegenden des grioch. 

Spra(;hgebictc8 über bilabiales /' zu labiodentalem f geworden war. 

Die pal ata Ion Laute (idg. /:, X7*, </, (jh) erscheinen regelmässig als 
*i X» y» X^ z. B. hxaiO'V, ai. ^atd^m^ idg. ^hntö-m ,100"; Stxn, ai. dd.^a, 
idg. ^drktfi „10"; «yo), ai. nj- av. ^1/-, idg. *it(j6 „ago": 'Tr-y«"»- •' hlufd- 
„Kälte, Schnee", av. zimn- „Winter", idg. *(Jhimo-. 

In sehr mannigfaltiger Gestalt treton die volaren (v, qh, g, g/*) auf. 



54 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Die Griechen gingen in der Art der Behandlung dieser Laute im allgemeinen 
mit den Italikern, Kelten und Germanen Hand in Hand, und wir haben für 
diese Sprachen eine doppelte Entwicklung der Velarlaute zu unterscheiden 
(während z. B. im Ar. q überall zu h geworden war, woraus erst in der 
ar. Sonderentwicklung vor palatalen Vokalen c wurde): 

1. Fälle, in denen die ^-Laute als Z;-.Laute ohne Zusatz von u auf- 
treten. xaqTtö-q : lat. carpö, ai. Jc^päna-s „Schwert", dyxwv oyxo-g : lat. 
ancu-s uncti-s, ai. a/dJcd-s „Haken", aysiqu) : lat. grex, ai. gräma-s „Schar, 
Dorf". €Q€vyofjLai : lat. e-rügö^ lit. rtigiu „rülpse". ^f^X^c, a-Xoxo-g : got. 
ligan „liegen", aksl. sa-logu „consors tori". 

2. Fälle, in denen die g'-Laute u hinter sich hatten, z. B. tvo- {tto^sv 
etc.) aus *ki^o-, lat. quo-d, kymr. pwy „wer, was?" (aus Huei), got. hva-s 
„wer?" gegenüber ai. Ms, lit. Ms „wer?" etc. 

Wie diese beiden Gruppen sich geschichtlich zu einander verhielten, 
ist noch nicht ganz klar, s. Vf. Grdr. 1, 289 ff. Die hj', g^ waren überall, 
wie es scheint, nicht positions wirkende Doppelkonsonanten, und hj' fiel im 
Griech., wie der Gegensatz iTcito-g = ai. dsvas und ensrai = ai. sdcaU 
zeigt, mit idg. kti nicht zusammen. Die urgr. 7cu, gu, kJm wurden teils 
zu TV, ß, (f, teils z\x T a, 6 ^, i^, teils zu x, y, x- 

Aus urgriech. ^?* wurde 

a) 71 vor ö- Vokalen, vor sonantischen und konsonantischen Nasalen 
und Liquiden, vor t, tJi, s. Stamm tto- in rtö-d^sv etc., s. o. Ttoi-vr : av. 
Me-na „Strafe", rtoi-po- „machend" Tvoij^i'M Jioiäco zu ai. ci- „aneinander- 
reihen, schichten, aufbauen". 87i-o-^iai : lat. sequ-or. rjTiar- aus HeqA-t-, 
vgl. lat. jecin-or-is ai. yahn-ds. Tts^artag, Grdf. '^pefdq7its (§ 72^). o^i^a 
aus *07r-/i«, vgl. lit. ak-ts „oculus". s-TTgi-diiirjv : ai. hn-nd-mi „kaufe". 
£-7tX-s-To 7t6X-o-g : lat. colö aus "^quel-ö, in-quilmus. TtsfiTTTog : lit. penhtas 
„quintus". ntn-xö-g e-nsTt-aa : ai. pak-fds „coctus" aor. pdks-a-t. viti-tqo-v, 
viipco: ai. nik-tds „abgewaschen" fut. neksyd-ü, W. nei(^-, vgl. acc. x^Q'^i^^ß-^- 

Manche Neubildungen nach h. Z. B. TisvTdg für ji^fiTTcxg, nsvTwßoXo-v 
für (hom.) TisunMßolo-v nach tcsvts (vgl. Meistek, Studia Nicolaitana 1884, 
S. 10); dva-ToXrj für ^-TioXifj nach -tsXXco. 

Anmerkung. Schwierigkeiten bereitet ion. x6-&sp xaig etc. neben noLpij, noiiu), 
snofica. Ich habe in der 1. Aufl. S. 33 vermutet, *yt1^a- sei im Griech. lautgesetzlich zu 
xa-, xä- geworden, es hätten also einmal no- (masc neutr.) und xä- (fem.), letzteres in den Ad- 
verbien *xä *x^, neben einander gestanden, und dann sei in den verschiedenen Mundarten 
Ausgleichung des Anlautes in verschiedener Richtung erfolgt: im Ion. xo- nach xä- [xi]-), 
im Dor. u. s. w. nä- nach no-. Man kann zu Gunsten dieser Auffassung xai =z Ht. Jcai 
„wie" (§ 201) geltend machen, da diese Partikel ebenfalls zu qo- gehörte. Eine andere 
Möglichkeit wäre, dass das Ionische einmal, wie das Thessal., xlg oder vielmehr in älterer 
Gestalt *x/:Lg = rig besass, und dass damals dessen Anlaut auf no- überging, vgl. die um- 
gekehrte Analogiebildung in kypr. bni-aig mit n nach no- : während dann *xfL-g zu dem 
historischen rlg wurde, entstand aus dem neugebildeten *x/?o- das historische xo-, vgl. ns- 
%6Xxo-v aus *nsXexf:o-v u. dgl. § 13, S. 32. 

h) T vor e- und sonantischen «- Vokalen. Tb : lat. que. Hom. rto, 
gortyn. o-rsia undiTeTov' nolov. KgrJTfg (Hesych), St. qe-. Ttaaaqsg : lit. Jceturl 
„vier". TTb'vTs : lat. qumque. Ti-g : lat. quis. ri-ai-g : ai. dpa-citis „Ver- 
geltung", zu Ttoi'vrj {a). 

Thess. m-g als Vorstufe für das Ti-g der andern Dialekte zu betrachten 
geht nicht an. Vermutlich stand ni-g zu ri-g ähnlich wie nhd. quängen 



3. Verschlusslaute. (§ 35.) 55 

i nihfl. twengen. Noch vor dem Schwund des u der urgriech., im Anlaut 
cieits palatal affizierten Form H'u'i'S bewirkte der w-Laut Rückverwand- 
';ing des k' in l\ Kyprisch ai-g zunächst aus Tt-g, s. § 37. 

Vielfach wurde r analogisch durch tt verdrängt. Z. B. stts- [i'Tie-ai, 

c.) nach tno- {l'jio-nm etc.), sneog etc. nach sTiog (ai. vcicas), dor. ttfT 

iitt *TfT nach tto-; böot. Tisttaqsg TitxQaTog lesb. ntavqeg aber wohl kaum 

ch *7rro«- [tqci-718i^cc) *7ttqv- {TQV-(fäXsia) ^ wie J. Schmidt, K. Z. 25, 

- f. 138 will, sondern nach JTtvts. 

<■) X vor und nach r, welches zum Teil erst durch das u von kt^ scheint 

1 vorgerufen worden zu sein. Xvxo-g : ai. vfka-s „Wolf". oho-ipXv^ 

.vxTi-g neben (fXt'tl). xvxXo-g: ags. hweoivol „Rad", ai. caJcrd-s „Kreis, 

id", idg. *qeqlo-. Hierher wohl auch vvxT-6g, vgl. ai. näkti-s „Nacht*. 

'klärt sich das x in azQCixvo-g und a-TQexaoog d-TQfxsg neben tq^ttiü aus 

in ehemaligen Vorhandensein eines i^-Stammes (ygl. ai. tark-u-s „Spinder)? 

War X auch lautgesetzliche Fortsetzung vor a, a ? S. die Anm. S. 54. 

d) Mit folgendem { entstand aa, tt. Urgriech. kui fiel mit kl — idg. 

zusammen. Trtaao) niTTO) neben ntipM u. a. S. § 38. 

Aus urgriech. gVf wurde 

(i) ß vor 0- Vokalen und vor sonantischen und konsonantischen Nas. 
ij Liqu. ßov-g : ai. gclii-s „Rind", ßak-i^ : ahd. quellan „quellen". fQfßog: 
't. riqis „Finsterniss". aeßofxai ursprünglich „ich trete zurück vor etwas" 
irl. aoßiü)) : ai. fi/dj-a-tl „verlässt, verzichtet". ßa-To-g ßcc-axs ßairu) : ai. 
-fd-s qd-chämi, lat. venia von Wurzelform gm- „gehen", nvcco^iai von 
IVA' aus ""ßvA- „Weib" (Osthoff, K. Z. 26, 32G, Vf. Grdr. 1, 317, 
EN, K. Z. 29, 102 f.): air. mna gen. „der Frau", bi. gnd- „Frau eines 
-, idg. *^Ma-; daneben böot. ßcaa : aisl. komi „Frau", idg. *^nna-. 
ivo-g aus *aß-vo-g : lat. av-illa ägnu-s. ßag-v-g : ai. gur-ü-s, idg. *c^i'r-u-s 
ravis". ßt-ßgo^-axo) ßgw-TT^Q : ai. glr-nd- „verschlungen", idg. Wurzel- 
nd ^f-- ßcc^^-o) ßcdtiv ßXfjvai aus gf, gl-, W. gc/-. Lesb. ß6XXof.icci^ 
\. ßoiXofica, Grundf. ^c^l-no-mai, vgl. dor. di]Xo^iai (6.), W. gel- (Vf. bei 
^ T'ssuRE, Mem. 265, Fick, Bezz. B. 6, 211 f., Blass, Rhein. Mus. 36, 610). 
Auffallend ist ß vor /. ßio-g : lat. vlvo-s, got. qiu-s „lebendig", ßio-g 
liugen": Q\. jyd- „Bogensehne". ß((i ßcito) : a.i. jgd- „Übergewalt". Vgl. 
^MiMiDT, K. Z. 25, 150. 161, Osthoff, M. U. 4, 173 f., Vf. ebend. 410 f. 
lOin paar Neubildungen nach 6, wie SoXifc-g nach öeXtpi-q u. a. : ai. 
ibha-s „Mutterleib, Schooss". 

hj d vor «-Vokalen. Dor. di/.oiuci, lokr. delph. SeiXofim aus *6fX'io- 

(i, Grundf. ^f^rl-no-mau vgl. ßovXufuu (a). Arkad. ötXXw, Nebenform von 

XXm (a). Delph. gortyn. u(hX6'g, Nebenform von oßuXit-g. Arkad. SbQfihQo-v 

..Am\ att. ßÜQai){io-v. dt : aksi. ze „J*, aber". (t(ii]v -trog : lat. iiujuen, 

Grundf. ♦p^-cw-. Im Arkad. muss dieses cT, da es auch durch f dar- 

gOHtollt wurde (i^hXXtn. C'^'e^-'^e''»'). von S ^ idg. (/noch vorschieden goweson 

Boin; folglich waren idg. r^c- und de- auch noch im IJrgrieclüschen geschieden. 

Zahlreiche Neubildungen nach a. ßt'Xog nach ßdXXta etc. Thoss. 

ßtXXofitvof, böot. ßtiXontvog nach ßoXXofiat. oßfXtt-g nach oßolo-g.^) El. 

•) Da «1«« ß von tiflfXo'S setno iingo- j o,'»o;ioc findet, ho kann ich MKWTitnnAiw, flr.« 
Kwungcnc Krklilrung durch die Nobonfonn j lö und (J. Mbyer, (Jr.Or.' 32 nicht folgen, die 






5(3 A. Griecliisclie Grammatik, b) Lautlehre. 

ßsrt'ü), im Sinne von fxiayotAcci (Meister, Gr. D. 2, 22. 31), nach (böot.) 
ßccva, vgl. aksl. zena got. qlnö und air. hen neben gen. mnä (vgl. Vf. Grdr. 
1, 196. 317. 330). aeßs- (atßscci etc.) nach aeßo- ((rs'ßofxca etc.). sQtßi^og 
etc. nach sgeßog. 

c) y vor und nach v (vgl. die Tenuis). Gen. olv6-(fXvy'og, s. o. olvo- 
(fXv'§. sy-yvij, vgl. lat. voveö aus "^guoti-cö, W. geu~. yoy-yv-^w, zu /^or aus 
"^ßop'd. yvvi] neben böot. ßavä hom. ^väopLcci el. ßsve'w. Hierher wohl auch 
TiQ^a-yv-g neben iiQta-ßv-g Tiqiaßa (Vf. Grdr. 1, 319. 567) und rjXvytj, das 
Bezzenberger in s. Beitr. 1, 340 mit ahd. wolchan „Wolke" und aksl. 
vlugükü „feucht" verbindet. 

dj Mit folgendem i entstand t (0*^5 ^^)' Urgriech. gui fiel mit gi = 
idg. gi zusammen, ^t; : av. jyaiti- jyatu- „Leben", vi^m neben vintqo-v. 

Aus urgriech. Mm wurde 

a) (f vor 0- Vokalen und son. und konson. Nasalen und Liquiden. 
(fjoV'O-g (fa-ro-g e-7t€-(fv-o-v : ai. Jidn-ti „schlägt", W. ghen-. rjX(f-o-v dX(f- 
dvct) (aus *-?inö) : lit. alg-ä „Lohn", W. algh-. o(pa-Ta ' dea/nol äqoTfyo^v 
(Hesych) aus "^uoghn-, zu preuss. wagni-s „Pflugmesser" (Fick, Bezz. B. 12, 
162. 168). sXacf-QÖ-g : ahd. lungar „behend", Grundf. Hfgh-rö-s. 

Analogische Ersetzung des (f durch d^ (b). d^av-tXv {^ghnn-) ts-^v-dai, 
nach ^dv(x), zu cpov-o-g, W. gJien- (Osthoff, Z. G. d. P. 366 f.). 

hj ü- vor e-Vok. ^sivco, W. c^hen-. d^eq^^io-g d-äqog : armen, jerm „warm", 
ai. hdras n. „Glut", W. g/^er-. ^e(y^)-6-g : ai. ghö-rd- „scheueinflössond, 
ehrfurchtgebietend, hehr" (Götterbeiwort), vielleicht auch got. gu-p „Gott". 

Analogische Ersetzung des ^ durch cp. vi(p-€i vsiip-si nach Formen wie 
vKfofxsvo-g vicp-a : got. sndiv-s „Schnee", W. sneigh-. rjX(f8 nach rjXcfo-v etc. 

cj X vor und nach v (vgl. Tenuis und Media), ovvx- : lat. unguis. 
sXayi-g neben sXacfQo-g; das ^ von iXa&QÖ-g (Hesych) war vielleicht aus 
einem ^eXad^ef- (neben iXay^v-) und aus ^sXad^ifSTo-g übertragen worden. 

d) Mit folgendem i entstand (sa, tt. iXäaacov iXävcMv, zu eXa^v-g^ 

vgl. § 73, 3. 

.\scoLi, Vorles. über die vergleichende Lautl. 25 ff. Fick, Die ehemalige Sprach- 
einheit 15 ff. CuRTius. St. 7, 267 ff. Fkoehde, Bezz. B. 3, 12 ff. J. Schmidt, K. Z. 25, 
135 ff. G. Meyer, Gr. Gr.^ 188 ff. Vf. Grdr. 1, 261 ff., wo (S. 289) weitere Litteratur- 
angaben. 

Als Vertreter eines ursprünglichen Velarlautes ist auch anzusehen 
das if in ipMvoa (ai. hsi-nd-ti „vernichtet"), i'cfd-ifxo-g (ai. hsdyati „ist herr- 
schend, vermögend, mächtig", s. Collitz, Amer. Journ. of Phil. 8, 214 ff.), 
(p^siQco (ai. hsdrati „zerfliesst, zergeht") u. a. Doch ist in solchen Fällen 
die ursprüngliche Artikulationsart des Lautes noch nicht sicher ermittelt. 
Sieh Baetholomae, Ar. Forsch. 1, 18 ff. 2, 54 ff. 

Verbindung'en von Versehlusslauten mit Versehlusslauten. 

36. Welche Konsonantengruppen für xr, (Tt, tct in Fällen wie exrog 
zu e%(x), d-TTvaro-g zu Tvsv&ofxai, qomog zu QO(f۟) (Wurzeln auf Media 



oßoXog aus oßeXo-g durch Vokalangleichung 
entstanden sein lassen. Das Nebeneinander 
von -bißeXiov und -ujßolov u. dgl. im Att. er- 
klärt sich aus einer Bevorzugung der einen 
oder der andern Form je nach der Qualität 



des Vokals der folgenden Silbe. Dass ander- 
wärts auch wirkliche Assimilationen vorge- 
kommen seien, leugne ich nicht, vgl. Tginro- 
Xofxog, docpo^o'kov K. Z. 29, 411. 



3. Verschlusslaute. (§ 36 -38.) 57 

-pirata) in vorgriechischer Zeit gesprochen wurden, ist noch nicht sicher 
rmittelt. Baktholomae (Arische Forschungen 1, 3 ff.) vermutet z. B. für 
y.iöc, als idg. Grundform ^segdhö-s. Vgl. auch Kluge, P.-B. B. 9, 153, 
'^THOFF, Z. G. d. P. 320 ff., Bartholomae, K. Z. 27, 206 f., Vf. Grdr. 
1, 404 ff., Meringer, Ztschr. f. österr. Gymn. 1888, S. 142 ff. 

Das (scheinbar auf urgriech. *-rr- zurückgehende) -er- in Formen wie 
a-naato-g zu TTat-toiua, i'ats zu i'S-ixfv beruhte wahrscheinlich auf vorgriech. 
'ff-, mit urgriechischer Assimilation des ersten t an den folgenden die 
beiden Explosivae trennenden Zischlaut (§ 48). Vgl. Vf. M. U. 3, 131 ff., 
Kluge, P.-B. B. 9, 150 ff., Meringer a. 0. 146 ff. In entsprechender 
Weise t'a^i (zu oi'da) aus vorgriech. *iii(Pdhi (ai. vkl-dhi), wobei es zweifel- 
haft bleibt, ob aus dieser Form zunächst *ukdhi oder *uitsfhi wurde (Vf. 
Grdr. 1, 365). 

Die in sTrXt'x^ijv von TiXex-, €Tv(pd^rjV von Tvit- u. ähnl. (inschriftl. 
auch ej »^V^«»' u. dgl., s. Meisterhans, Gr.^ 82) vorliegende Assimilation 
des X und rr an das folgende 0- betrachtet man wohl mit Recht als eine 
bloss graphische; gesprochen wurde Jcth, pth (vgl. gort. 0^^ -- Uli g 34). 
VON DER MüHLL, Über die Aspiration der Tenues S. 21 ff., Curtiüs, G.*^ 
418 f., OsTiioFF, Z. G. d. P. 614 ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 211 f. Anders 
J. Schmidt, K. Z. 28, 176 ff. 

'TT- aus -xr- im Kretischen, z. B. Avttioi = ^vxtioi, vvttC :=^ vvxti\ 
entsprechend iSSir^Tca = ty-dir^Tca (Blass, Rhein. Mus. 36, 615). -tt- aus 
-7rr- im Kret., tyquTTai = ytyqccTXTai^ irt'vTog aus "^irerTTog = TttßTrvo-g, und 
im Thessalischen, AsTTivaiog zu AsTiTivCtg^ ot TToliaQxot, dQXi-''^^ohaQxt'rrog 
(vgl. ctTTag = cc7t Tag), vgl. auch thess. ^AT^oveiTog = 'AcpO^ovrjrog, 

Verbindungen von Verschlusslauten mit Vokalen, Nasalen und 

Liquiden. 

37. Für ursprüngliches -//, wenn ihm nicht s vorherging, erscheint 
fast in allen Mundarten -ai neben -ti. Z. B. ion.-att. SiSwai, fl'xoai^ nXov- 
mog, /.vtrig, ßc'eaig, Xt'yovai, «r/ri/Zfoc, Xt'^ig, dagegen ^«ri/, ntGTig; daneben 
Ausnahmen wie <fatig (neben (fdatg), iiccQJing^ ^iccvTig^ xtQccii, Trarrt', hi, 
tthio-g. 'Xi war vielfach im Boot., Thess., FjI., Dor., Pamphyl. erhalten, 
wo das lon.-Att. -ai hatte, z. B. nkoinio-g^ diSoni^ fixnri, aber daneben 
Nominalsuflix -ai- aus -ti-. Das Kyprischo hatte überdies aig aus iig^ 
desKcn / ja nicht im absoluten Anlaut stand (xt aig, ont-aig); vielleicht 
nahm nach otg in diesem Dialekt auch lig a an (vgl. G. Mryeu, Gr. Gr.- 
290). Wie alle diese Ungleichinässigkeiten aufzufassen sind, ist zur Zeit 
noch rätselhaft. Vgl. Ostiioff, V. i. d. Nc. 173 ff., Z. G. d. P. 465 f., 
Alfr. Mülleic, Dr 2'lif.-n. p. 09 sqq., Q. Mevm:. r;,-. Gr.« 288 ff. Vf. Hnlr 
1, 362 f. 

Iloni. llnCf-idäMv arkad. Iloaoidnvog lak. Hoolöuvog mit <r statt / (\-l 
brM)t. Ihnndttinv //oioi(haxo-g) nach der Analogie von Uoan)- in honi. //" 
mi)i\ut'g u. a. (PuKLLwnz, Ihzz. B. 1>, 328 f.). 

38. Die urgriecli -/'- -//"-, -Aiii- -AAm(- (g 35) wurden nocii /m 
Zeit der griech. Urgemeinschaft zu einer gominicrten Spirans (^/»?), die im 



58 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



Boot., Thess., Att. als -rr-, sonst als -aa- erscheint.') (Ädaawr, zu /mx-^o-g. 
TcdaaaXo-g^ W. päk-. Tt&'cfcfM ttätzw zu nsmö-g. öaas zu oiJ.>oßai. raqüadta 
Tagätjo) zu raqu^r. Wie urgr. -ss- = -ti- nach Konsonanten zu -s- wurde 
(z. B. urgr. "^navaa aus *7r«i'ijf«), so muss man annehmen, dass auch jene 
von ihr verschiedene Doppelspirans in gleicher Lage damals vereinfacht 
wurde; daraus folgt, dass sXä(S(SMV sXaTran', ^äacMV ^arran', daaov, in 
denen ä durch „Ersatzdehnung" aus av hervorgegangen war (vgl. die 
§ 73, 3 ^xtr. zitierte Litteratur) , ihr aa tt statt einfacher Spirans von 
7J<T<rcov TjTTwv, Ttdaawv u. dgl. bezogen hatten (Bartholomae, Bezz. B. 12, 86). 
Dass die Behandlung jener urgriech. Lautgruppen im Anlaut prinzipiell 
dieselbe war wie im Inlaut, zeigt ä-aaa a-Tra^ s. § 95, wozu megar. ad 
[riva). Vgl. ferner hom. cfsvM (vgl. ots aasvaixo P 463, e-aaava, Xao- 
ctröo-g), zu ai. cyav- cyu- „in Bewegung setzen"; hierzu nach Fick, Bezz. 
B. 6, 236 att. rsviidoiiai xsvTd^oo. Unsere Lautgruppe auch in adm att. 
dia-TTdu), dessen Herkunft freilich unermittelt ist (vgl*. Wackernagel, K. 
Z. 28, 121 f., G. Meyer, Gr. Gr.^ 221), und in avQiy'^, das Bezzenberger 
in s. Beitr. 13, 299 ansprechend mit lit. Mür-ti „Löcher bekommen" verbindet. 
Urgr. -ti- -tili- wurde damals nach Sonanten zu -ss-. Hieraus bei 
Homer, im Dor. und anderswo -aa-, im jüngeren Ion. und im Att. -er-, im 
Boot., Kret. -rr-. Toaao-g 6aao-g,T6ao-g oao-ghöot. o-TTorro-g gortjn. o-JioTTo-g, 
urgr. *ro-r(o-g. iisaao-g fxsao-g aus ^fis^-^o-g : ai. mddhya-s „medius". 
nqoaaoi) ngoaM zu nQÖg aus "^tvqotji, (wie hom. dv aus *«V/, Osthoff, M. U. 

4, 382 f., anders und mich nicht überzeugend Bechtel, Bezz. B. 10, 287). 
Dieses -aa- war von urgr. Zeit an mit idg. ss und idg. ts zusammengefallen, 
vgl. hom. xofjLiaadfÄSVog att. xo!Jiiadf.i€vog böot. xofiiTtdixsvog (§ 45. 48); 
man beachte auch die kret. Schreibung mit t, neben tt, die zeigt, wie 
schwer es ist, über die Aussprache unserer gedehnten Spirans ins Klare 
zu kommen: o^og = oTTog oaao-g mit urspr. ti neben dv-Sd^ad^ai == -ödxTa- 
{d)d^ai ödaaaad^ai mit urspr. ts\ vgl. Trrjva = Zrjva § 41. Nach Kon- 
sonanten entstand aus ti im Urgriech. ebenfalls -aa-, das aber damals 
bereits zu -a- vereinfacht wurde (vgl. dieselbe Reduktion bei -aa- = idg. 
-SS- § 45 und bei -aa- = idg. -ts- § 48). Kret. rvdvaa dor. ion. att. Tväaa 
lesb. naiaa aus "^itavT-^a. Sö^a aus *Jox-i:jfa; öiipa aus ^SiTt-r^a-, xafA,ip6-g 
(Hesych) aus ^xa^TC-rji,o-g; ion. Si^6-g iqi^ö-g aus ^Spix-Tf.o-g "^ZQix-Tj^o-g 
(§ 70, 15); noch anderes dieser Art bei Röscher, Progr. von Meissen 1879 

5. 56 ff., wo aber diese Formen falsch beurteilt sind (wie auch schon 
Angermann, Progr. v. Meissen 1883 S. 13 sah). Im Anlaut a-: atßo^iai 
aoßi'co zu ai. tyaj- (§ 35 S. 55), wo freilich Zweifel bleibt, ob die W. als 
tie^- oder als tjeg- anzusetzen ist (§ 49). 

Allerdings erscheint nun im Inlaut als Fortsetzung von ti thi häufiger 
derselbe Laut, den wir als Fortsetzung von Jci kennen lernten. Zuver- 
sichtlicher als ich in der 1. Aufl. dieser Grammatik (S. 36 Fussn. 1) that, 
möchte ich jetzt behaupten, dass in allen diesen Fällen Analogiebildung 
vorliegt (s. auch Wackernagel, K. Z. 29, 136 f. und Meisterhans, Gr.^ 



^) Das -aa- der älteren att. Schriftsteller 
halte ich mit andern für einen lonismus, 
dessen Herübernahme sich leicht erklärt, wenn 



wir, was statthaft ist, annehmen, dass die 
Aussprache der durch -rr- und -aa- darge- 
stellten Laute eine nur wenig verschiedene war. 



3. Verschlnsalante. (§ 39—43.) 59 

75): iiiäaao) (//<«(r)r-), liaao^ca {Xir-) u. a. nach iiaXdaaM (i^iakax-), 

maao) (aix-) u. dgl., durch welche Neuerung ein formaler Unterschied 

zwischen der Präsens- und der Futurform erzielt wurde, die zusammen- 

I gefallen waren; xotaaorv xQeiaaojv (xoer-) nach judaaoyr (fiax-) u. dgl., wie 

f'wir oben auch das aa von iXdaawv u. dgl. als analogische Neuerung kennen 

lernten; i-itMaacf (iuXit-) nach d(.i(fi-bXia<ya (eXix-) u. dgl. 

' Vgl.' AscoLi, Studj crit. 2, 410 ff., Cürtius, G.^ ^Q flF., G. Meyer. Gr. Gr.-^ 272 ff., 

! 282f., Vf. Grdr. 1, 3G1 f. 367. 

39. Im Lakon. und Kypr. ging -a- = -ti- und im letzteren Dialekt 
^zugleich das -c- von -ai- = -ti- in -h- über: lak. 6ri]ßümig, kypr. Sii^iowh. 
i^oovtm (Deecke, Bezz. B. 6, 81. 147); vgl. § 51. In der Mundart von 
l'lEretria wurden dieselben a zw q: ofirvovQag, rragaßahMgir, KrrjQi-ßiä^r^g 
("'(Weissschuh, De rhotacismo linguae Gr. 1881, S. 28, J. Baunack, Stud. 

1, 290); dieselbe Erscheinung ist aus Oropos belegt: Sr^inoQiMr. 

40. Urgriech. />/ wurde ttt, z. B. tctv- in Tcrm) aus *{a)7Tj^v- (Osthoff, 
M. U. 4, 19. 33. 317), ^f^Umu^, daTqdnxay (§ 123. 125). Vgl. Curtius, 
G.^ 497 f. 

41. Aus urgriech. (/i'/, <//, di entstand f, wie in r/^« zu viti-tqo-i' 
:55), cc^oiuu zu dyio-g^ Zevg = ai. dt/dus, ns^ög zu ntS-o-v. Im Les- 
chen neben ^ auch ad: nxctaSm (Meister, Gr. D. 1, 129 ff.). Im Lakon., 
et., Megar., Boot., El. S6: lak. TraiSSco, gortyn. dixäSdo), meg. XQ}]^^^^^ 
»t. 6oxific(6So), el. ßgcadSü); im Anlaut S: /fsvg^ öwog (vgl. Meister, Gr. 

1, 2G3). Seltsam ist t, it für t im Kretischen, z. B. Tr^va^ Tttjkc 
zr^vcc) geschrieben (vgl. G. Meyer, Gr. Gr.2 217. 256. 274 f., J. Baunack, 
iL phil. Wochenschrift 1887, S. 56), welche Schreibung unzweifelhaft 
t dem graphischen Nebeneinander von o^og und oiiog = oaaog oaog im 
sammenhang stand. Über die Aussprache aller dieser Schriftformen, 
(tS, (f(), i, IT, sieh § 52. Vgl. auch Ascoli a. a. 0. 432 ff., Curtius, 
615 ff. 669 f. 

42. Über idg. im {j.'7inog)^ tu {tätTaQFg, ai), dy, (Jpemng), dhu (og^og), 
(vn^niog), bhu (v7isQ-(fi'aXog) s. § 13. 

i3. Aus -gii' "(jm- entstand im Urgriech. -»»- -fsm-, z. B. ^lyronni 

1. fir)vofi(a, arvyvog d. i. atvfdvog, ayfiög d. i. dnnög (§ 20). Diesen 

isal vertrat y auch in ttfiHyuai, iXi]Xhy}ua u. a. (neben -yj«t -yxim), 

li. -rKjm- war durch -t^rtni- zu -mn- geworden, gleichwie -iin^i' durch 

;i/i/i- zu -/iju- ward (s. u.); ebenso vielleicht iyrva aus ^ir^-yvva (Curtius, 

G.* 180). 'imi- wurde im Der., Thess., Boot, weiter zu -m-, yito^tm, 

yii'oiaxo), 80 auch in der Keine (Jj 57). 

Aus hu- entstand im Urgriech. fii-. fudoftat aus '^ßue-io-mu „suche 
mir ein Weib" (Jj 35, S. 55). aefitog zu aeßofutt. 

Aus -7r/i' entstand -/'/'-: ^ftiift, xkiniut. Ebenso aus -/^,"-, -9/*-: rt-'tQin- 
/ica^ ygiiiina. xt-xitpifiiti aus *xt-x((fi7T'fiai^ wie ff/xUyiiai (s. o.). Wackku- 
haori/h Ansicht (K. Z. 30, 204), dass diese -/i/i- nach langen Vokalen laut- 
gOHotzlich verkürzt worden seien, scheint mir von ihm zwar theoretisch 
auHreichend Ix^grlindct, aber nicht durch sichere Heispielo zur Evidenz er- 
hoben zu sein. Die lesb. onnata^ ahnna nebst Balbilla's yifonrtam dürft^^n 



50 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

durch Neubildung nach den Formen mit o/r-, Xm-^ yqaii- entstanden sein, 
wofür auch das i von ahmia (vgl. alsißina) spricht. 

Die oft vorgetragene Behauptung, t; 0^, S seien vor /x zu er geworden, 
z. B. in nenva^im, ist falsch, s. Vf. M. U. 1, 81, J. Schmidt, K. Z. 27, 
313 f. 329 und unten § 70, 8 Anm. 

Intervokalisches -vt- = idg. -nt- -tdq- wurde im Pamph. zu -vö-: 
i^äyM{v)6i, 7ts{v)ös-xai-d£xa. Über die Nichtschreibung des t' s. § 20. 

^5 d. i. tonloses r (§ 22), verwandelte vorausgehende Tenues in Aspi- 
ratae, z. B. itd-qiTtrcov aus tt'TQiTtTVo-v, *TeTQ-l7t7To-v, (fQovöog aus n^ovöog, 
"^TiQo-oSo-g. Diese Aifektion ist lautphysiologisch ebenso selbstverständlich, 
wie die Entstehung von 8(fo6og aus sn-oSo-g. 

-XX- aus -SX- in lak. iXXä „Sitz" zu «Jog, wohl auch in vXXo-g „Ich- 
neumon'' (CuRTius, G.s 248). Vgl. auch Fick, Bezz. B. 1, 333 f. 

In dorischen Dialekten wurde Xr, Xd- zu vr, vd^ (§ 22). 

4. Spiranten. 

44. Tonloses und tönendes er. Gr. ö-, das teils Fortsetzung von 
idg. s und ^, teils durch Assimilationsprozesse aus andern Lauten ent- 
standen war, wurde meist tonlos gesprochen, z. B. in san. Die Geltung 
z hatte es vor Mediae und vor ^, wie die Schreibungen wie IlsXa^yixov, tt^c^- 
ßsvTTjg, ZfivQva, iprj(pi^!J.a zeigen (G. Meyer, Gr. Gr.^ 224 f., Blass, A.^ 89), 
und worauf auch der dialektische Übergang in q, thess. &£OQÖ6t8iog neben 
OsoaöoTog, ^iqy-dßwQ = /biKTy-rjcog Hesych, kret. xoQfxog u. a. (Weissschuh, 
De rhotacisrao p. 24 sqq.), hindeutet. Auch wo sonst q für ö" erscheint 
(eretr. o^vvovqag § 39, el. tiq § 45), muss dem q, wenn damit ein stimm- 
hafter r-Laut gemeint war, zunächst z vorausgegangen sein. 

Unklar ist, was die Alten mit der in den verschiedensten Dialekt- 
gebieten nicht selten vorkommenden Doppelschreibung des antekonsonan- 
tischen cx ausdrücken wollten, z. B. aqiadto-g^ yqäxpaaa^ai. ^AaaxXaTtidöagj 
ÄiaaxvXog, ^EaansQiöeg. Dass nicht der tonlose s-Laut als solcher gemeint 
war, zeigen z. B. A€(S(rßog x6(yaixog und a^ für ^, da ^ = zd war (§ 46). 
Ein Erklärungsversuch bei G. Meyer, Gr. Gr.^ 227. 

Idgf. s (tonlos). 

45. Dieses war als s-Laut erhalten: 

1. In Verbindung mit tonlosen Verschlusslauten. axävSaXov von W. 
sqand-. ßd(fx€, idg. 1. sg. "^gm-sko. a^wv, vgl. lat. axi-s. anaiqw von W. sper-. 
8(iTisqog = lat. vesper. dXsiipo), ai. lepsydmi „werde beschmieren, bestreichen". 
atarö-g = lat. statii-s. sari = ai. dsti „ist", näaaaa^ai aus "^Tiar-aaad^cci 
(§ 48). Unaufgeklärt ist noch xr gegenüber ai. hs lat. hs in aqxro-g = ai. 
flcsa-s lat. ursu-s aus *orc5ö-s, rsxtwv : ai. tdhsan- „Zimmermann". Vgl. 
Vf. Grdr. 1, 409 f. 

2. Mit vorausgehendem q (idg. r r f). Lesb. ^t'qaog (GsqaiTrjg) von 
W. dJiers-. aqarjv = ai. vrsan-, idg. "^iirs-en-. xoqa-rj : ai. krs-d-m „Haupt". 
Hom. 8(fd^8q-aa wie ai. dhhärsam; aus -qcr- im Att. -qq-^ wie aqqrjv. Wohl 
auch mit X. TsXaov, das entweder die durch -o- erweiterte schwache Stamm- 
gestalt von TeXog (T€X{€)(y-) enthielt oder wahrscheinlicher zu ai. kdrsämi 



4. Spiranten. (§ 44—45.) 61 

irche, pflüge" (W. qelS') gehörte und volksetymologisch mit Ti'/og ver- 
.iiüpft wurde. Hom. exikacc. 

Über die von Wackernagel, K. Z. 29, 127 ff. bezüglich der Formen 
wie e(f0^8iQa sateiXa aufgestellte Hypothese s. S. 63. 

3. Mit (X. Hom. ^kcatv von ^ea-- sttXeaaa von rtj^ia-. t7isa-Gi. 
Vereinfachung des ao von Homer an. Bereits im Urgriech. geschah die 
Vereinfachung bei vorausgehendem Konsonanten, wie im loc. pl. */työ't 
(kret. lujai, att. ,ur^ai) aus ^(.u^raai für lautgesetzl. ^i-isiaai (nach § 26). 
Vgl. die gleichartige Reduktion bei aa = ti (§ 38) und aa = ^5 (§ 48). 

4. Mit folgendem u oder v im Anlaut, wie aäXog zu ahd. stvellan. 
Ob in derselben Verbindung auch im Inlaut ö* erhalten war, ist sehr zweifel- 
haft. S. 8 13. 

5. In der Verbindung -nsi-, woraus -rr-. riaojiiai aus *rt-ro'-io-//^« 
(§ 122) nach Osthoff, V. i. d. Nc. 339 ff. Durch das nachfolgende d 
blieb (T vor der Assimilation an v bewahrt, durch die z. B. *€\a£yaa zu 
lesb. tixtYvcc att. t}.uiva wurde; später wurde dann *vivaoi^iai zu riaoiua. 
Anders, aber mich nicht überzeugend, Wackernagel, K. Z. 29, 136 (über 
Wackernagel's angeblich homerisches icsiffiasTai s. S. 47 Fussn. 1). Auch 
für TTiiaacü Trr/riw ist "^uTiva-iu) (vgl. lat. pinslö), ^TiTirau) "^jiTiao) voraus- 
zusetzen. Hier vollzog sich wegen des l der andern Tempora {ßTivlaa smia- 
O^t^v^ 8. § 55) eine Neubildung nach den Verba wie näaam nattia und 
Ificefrao) u. dgl. (g 38 S. 58). Bei dem Präsens viaoi^ua war zu dieser Neu- 
bildung kein Grund gegeben (auch ^} 76 ist viaoixai Präsensform, nicht 
(T-Futurum); die Schreibweise viaaoiiai (La Roche, Hom. Textkr. 316 f.) 
wurde später eingeführt, als man sich an der morphologisch isoliert stehenden 
Präsensform stiess. 

6. Im Auslaut, l'nno-g = ai. diva-s. scfSQS-g = ai. dbhara-s. Kret. 
Toi's (lovg) = got. I)ans. üXg. Im EI. ging -g als -z in -q über: ng, toi(), 
8. OsTiioFF, Lit. Centr.-Bl. 1879 Sp. 1096, Z. G. d. P. 26 ff., Weissschuh, 
De rhotac. p. 3 sqq., G. Meyer, Gr. Gr.* 227 f. Über den gleichen Rho- 
tazismus im Lak. s. Müllensiefen, Diss. phil. Arg. 6, 184 f. 119, G. Mevek, 
Gr. Gr.^ 228. Über den der Theräer und andrer Griechen Cauer, D.^ zu 
n. 147 und G. Meyer a. (). Vermutlich war in diesen Fällen -z (-g) nicht 
erst in der griech. Sonderentwicklung aus dem tonlosen -s entstanden, 
sondern bereits in uridg. Zeit wurde vor tönendem konsonantischen Anhuit 
-* gesprochen, so dass Verbindungen wie *K>eoz 6ida)tt (vgl. thess. (rhog- 
doitiog äS 44 Jiöiotog d. i. /iioz-dotog g 102. 171. Wlh^vait d. i. 'Axhi\v(t£-dt 
§ 55. 87) idg. z repräsentierten (vgl. § 64). 

7. In der Anlautgruppe sm-, z. B. (ffitgSaXbog vgl. ahd. smerzan. 
Daneben auch Assimilation, wie in luiSdo) {(ßiXü-iinn(h]g) zu ai. stui- ..lächeln**, 
fn'ft aus ^aii'tu^ wtw aus verschiedenen Bedingungen der Satzphonetik /u 
deuten ist (g 65). 

Wandel dos s in urgriech. Zeit: 

Im Anlaut vor Sonanten und zwischen SonauUii wurde s' im Urgriech. 
zu //. um dann im letzteren Fall ganz zu schwiiideÄ: o = ai. .svi, !%• = lat. 
9ii'S\ ytrut^ = ai. jmuis-as „genoris", *« = ai. lis-am .eram", rr/räo- 



(52 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

*sp^so (SoLMSEN, K. Z. 29, 108); über die Nachwirkung des -h- aus -s- 
die sich in Formen wie avco in der Gestaltung des Anlauts zeigt, s. § 60 
Dass das (T in avg, ejiohjaa, ri^saai u. a. auf Analogiebildung beruhte 
zeigt Osthoff, V. i. d. Nc. 344 ff., M. U. 2, 38 ff. 4, 356 ff.; über ak 
s. auch AscoLi, Sprach wissensch. Briefe 78 f. Bezzenberger's Hypothescl 
(Gott. gel. Anz. 1887, S. 422), -s- sei im Urgriech. nur bei vorausgehenden 
Hauptton geschwunden (vgl. (fhQs{a)ai = ai. hhdrase, aber %ix>6{Sai = dhatse) 
hat gar nichts überzeugendes. 

Sil: pol Ol, rj6v-g aus "^suoi, *suädu-s neben adXog zu ahd. swellan u. dgl 
s. oben in diesem § unter 4 und § 13. 

Aus anlautendem si- entstand li-\ v^-r'jv zu ai. syü-man- „Band, 
Riemen". Inlaut: hom. roio att. tov aus Ho-a^o, hom. isXdoo att. tsX(Z aus 
^a^c-^o). S. § 12. 79. 123. 

Aus anlautendem sn- entstand im ürgriechischen vv- v-, wie in vi(p-a 
vei(fH zu got. sndiv-s, W. sneic^h-. Dagegen schwand das s in sm-, wie 
wir oben sahen, nur teilweis.e, wie in iisiödo}. Die vv und f^if-i in hom. 
Formen wie dyd-vvi(fog s-vvsov (piXo-j^fisi&rjg s-fAfioQs waren nicht rein laut- 
gesetzliche Fortentwicklung des Ionischen (durch solche wären "^dyrjvi^og 
"^d'vsov "^(filovfjisidyjg "^si'fxoqs entsprungen), auch schwerlich Aolismen ; son- 
dern zu der Zeit, als im Anlaut noch nn- mm- gesprochen wurde und im 
Inlaut schon das Ersatzdehnungsgesetz zu wirken begonnen hatte (s. u.), 
richtete sich in jenen Formen der Inlaut nach dem Anlaut, und der Doppel- 
konsonant blieb weiterhin lautgesetzlich erhalten. Aber auch der geminierte 
Nasal wurde weiterhin noch analogisch beeinflusst: wie msm vs/nw : €-v€fxov 
(W. nem-), ^svco : s-fjitvov (W. men-) hatte, so entstand zu vt'w s-vsov, zu 
fu'Xdco (ahd. smilzu) s-^sldov. Solmsen, K. Z. 29, 86 f. Inlautendes -s-, 
zwischen einem Sonanten und folgendem Nasal oder zwischen einem Nasal 
und folgendem Sonanten stehend, wurde im Urgriech. dem Nasal assimiliert; 
in den meisten Mundarten trat dann Vereinfachung des Doppelkonsonanten, 
eventuell mit „Ersatzdehnung", ein, z. B. lesb. asXdvvä att. aeXrjvrj aus 
"^asXacs-vä, lesb. iii^l att. eliil aus *60'-/it, lesb. jurjvvog att. iJ.rjv6g aus 
"^fATjva-og. S. § 56. Wie pfjvv-og zeigt, war die Assimilation des a an den 
vorausgehenden Nasal älter als die § 26 besprochene urgriechische Volial- 
kürzung. Wackernagel's Hypothese (K. Z. 29, 136), dass das a von va 
nach dem Hauptton nicht assimiliert worden sei, scheint mir nicht aus- 
reichend begründet. Wo in der historischen Gräzität -c/i- erscheint, z. B. 
rjnifd-8a^iai, dccaiJiog, war diese Lautgruppe entweder überall durch Analogie- 
bildung neu entstanden, wie z. B. Stdaai^iai i]fx(pi-£a ^ai nach StSaaTai 
rji.i(fi-e(TTai gebildet worden waren für "^SsSaTiim, -sifxm, oder zum Teil, 
bei gewissen Nominalformen, lag vielleicht -tsm- zu Grunde, z. B. daa/no-g 
vielleicht aus "^Sar-a^o-g, s. § 70, 8 Anm. und Solmsen, K. Z. 29, 117 ff. 
Während nun in diesem aix- der Zischlaut blieb, nur dass er als tönender 
Laut im Kretischen dem Rhotazismus verfallen erscheint, xog/no-g = x6aixo-g 
(§ 44), wurde -er-, wo es neu aufkam, z. B. in Harv/iU (das neben das 
alte lautgesetzliche (ion.) sl'vvf.u getreten war als Analogiebildung nach 
t'a-aai ia-^rjvai etc.) zu -vv-, (-'wv/ni, eine Assimilation, die zu derselben 
Zeit geschah, als üeXoTiog-vr^aog zu UsXojiovvrjaog wurde. Dieses jüngere 



4. Spiranten. (§ 4G.) (53 

j- erfuhr im Gegensatz zu dem älteren (vgl. att. (xr^v-6g = lesb. fi)}yr-og) 
ine Vereinfachung, z. B. ^^^^'»'7". S. Vf. K. Z. 27, 589 ff., Solmsen, 
ond. 29, 74. 

Aus sr- s1- im Anlaut entstanden im Urgriech. tonlose qq- //-, q- X-, 

10 o*w aus *srm-ö, Xi'jo) aus *slcr^ö. S. § 22. Durch analogische Ein- 

irkung dieser Anlaute entsprangen die Formen wie xaTa-QQtM, Tr^o-otm 

liiid U'/J.r^xTo-g, ci-h^xro-c, die genau wie t-vv€ov, t-vaov (s. o.) zu beurteilen 

-iüd. Solmsen a. 0. 87. 350. Inlautende -sr- und -sl- wurden wie -sn- 

n- behandelt: avQio-v aus "^ccva-g-io-v; tqh'jqcüv aus Hqua-Q-wv, W. trcs-; 

(cvXög aus *O^Qccva-Xo'g\ lesb. %6'/A/o/ lak. x^/^^^t ion. xtiXioi aus *x«ö'/-/o-, 

^<t-lidsra-\ 7h^m aus "^oi-ah-iii (g 115). Solmsen a. 0. 348 f., 350 f. 

-^5- und -?5- blieben in einer Anzahl von Formen sicher bis ins einzel- 

ilektische Leben der Sprache erhalten, wie wir oben sahen. Im Attischen 

irde -QO- zu -qq-^ z. B. ctQqr^v, OaQQto) (Meisterhans, Gr.- 76 f.); die 

weichenden Formen wie 0^rjQ<n\ Qi^togai erklären sich als Wirkungen des 

stemzwangs. Die Formen wie lesb. ttfl^sQqa att. sg^^ftga dor. f'g,!//^^«, 

b. tattXXa att. toieiXa dor. taTi^Xa erklärte Osthoff, Phil. Kundschau 

1591 für Neubildungen nach dem Muster von Aoristen wie ixreiva und 

//tcf, in denen lautgesetzlich „Ersatzdehnung" stattgefunden hatte. Dagegen 

cht Wackeknagel, K. Z. 29, 127 ff., dem Solmsen ebend. 352 beistimmt, 

zeigen, dass -rs-, -Is- im Urgriech. eine verschiedene Behandlung er- 

iiren nach den verschiedenen Betonungsverhältnissen: die Lautgruppen 

ieben bei vorangehendem Hauptton, bei nachfolgendem unterlagen sie 

rselben Veränderung wie -ns — ms-. Ein Hauptgewicht wird dabei auf 

lige Fälle wie oggo-g (uratt. ^^ogao-g) : ovga und xögarj : xovqev-g gelegt; 

i den c-Aoristen trat Uniformierung in verschiedener Richtung ein. 

llig überzeugt bin ich nicht; die Zugehörigkeit von ovqa zu öggo-g und 

jenige von xovgevg zu xögai^ kann mit l^ug bestritten werden. 

Idg, z (tönend). 

46. Idg. z war vorhanden in Verbindung mit folgenden tönenden 

lauten, ^g, Z(^i^i u. s. w., und im Auslaut (S 45. 03. (>4). a^tvwin 

, inglichem Anlaut Z(^- (Vf. M. U. 1, 19 f.). Lesb. nuQ-iadio^ att. 

'> = lat. 8Jdö, idg. *si'ed-ö von W. sed- (vgl. Bartholomae, K. Z. 27, 

7, OsTHOFK, Z. G. d. P. 4); ob ^Jo/m/ und TTit^w (ursprünglich „aufsitzen*, 

A. ai. pid- „drücken, pressen" aus *j)i-zd-) aus ^at-ad-o-iiai '^ni-at-ad-o) 

oder aus ^aeS-io-fiai ^nt-atS-iu) entstanden waren, ist zweifelhaft. Losb. 

vadog, att. ofo^ =:= got. ast-s „Ast", idg. *ozdo-s, ßt'ir^r ßvCör (Hesych) 

d. i. livz-di^v fivz-dör zu ßvortö-g. Ji6a(5oio-g Jid^otog (Jiog- gen. sg., g 171). 

*A'}rjv(ii€ = 'AxH]vaa-dt (g 55). Vor tönenden idg. Mediae aspiratae wurdo 

e mit diesen zugleich tonlos. fiiai>6q^ vgl. got. mizdö „Lohn*, idg. *mizdho'. 

ta!U „.sei", vgl. av. zdi "sei", idg. *z-dhi von W. es- (vgl. § 53). faxof aus 

^e-z(jh'0-m von W. ^seyh-. ogtatfi aus *-eZ'hhi, Vgl. Osthoff, K. Z. 23, 

87 ff. 570 ff.. Z. G. d. P. 13 ff., Kluok, K. Z. 25, 313 f., 0. Mkyku, Gr. 

Gr.« 219 f., Vf. Grdr. 1, 448 ff. Auf einer idg. Lautgruppo mit r nuig 

auch das x*^ von x'^*"^' (^i. A\viw/- av. rem- aksl. zemlja „Erdo") beruhen, 

8. Bautiiolomak, Ar. Forsch. 1, 18 ff. 2, 54 ff. 

Vgl. hierzu laüi (von VV. ycjW-) aus vorgrioch. *ifidulhi\ g 30. 



64 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Nicht ohne Wahrscheinlichkeit nimmt Thukneysen, K. Z. 30, 351 ft 
an, dass in uridg. Zeit neben dem konsonantischen z auch sonantisches , 
(l) bestanden habe, daraus im Griech. i. i^v-g aus "^^dhü-s, zu ai. sadhü- 
„gerade". xQi^rj aus '^ghr^dha, zu ahd. gersta „Gerste", x^^-^«* aus "^ghzl-iio- 
neben lesb. xsXXioi. 

Unupsprüngliches a, 

47. Solches war in folgenden Fällen entstanden: 1. asvw, f^uaaog fxtaoi 
u. s. w. mit idg. volaren, palatalen^ dentalen Verschlusslauten + ?' § 38 
2. c*', Ti'aaccQsg u. s. w. mit idg. tu § 13. 3. SidoDai = dor. Siömti u. dgl, 
§ 37. 4. Lak. a = ^, wenn hier a nicht bloss Ausdruck des Lautes /> war, § 34 

Verbindungen von a mit Verschlusslauten. 

48. Vorgriech. ts wurde zu cxo', woraus von Homer an a-, diese Gruppe 
fiel schon im Urgriech. mit idg. ti (§ 38) und idg. ss (§ 45) zusammen. 
Ttdaaaa^ai näaac&ai zu TraT-i-ojuai. icfnaadiievog dvs'cTavTsg zu tV-, noaai 
noai zu 7io6-; denn aus d -\- s war schon in der idg. Grundsprache ts ge- 
worden (§ 33). Boot, undkret. tt, z. B. böot. xofiiTTcifisvog kret. -SdTTa(x))^ai^ 
gleichwie in böot. o-nÖTzo-g kret. o-noTTo-g mit urspr. ti ; und die kret. Schrei- 
bung mit ^ in -dd^a&ai gleichwie in o^o-g (§ 38). Schon im Urgriech. wurde aa 
zu a nach Konsonanten, z. B. aor. kret. sansvaa att. eannaa aus ^iaTtevr^/a 
zu aTT&'vdo), dat. kret. (fSQovai att. (fsqovai aus "^(fsgovrai, hom. r^^sqaa 
aus "^ä^sqraa zu dfisQ^co; vgl. urgr. ^rcavaa (kret. Trcfi'o'a att. yrao*«) aus 
^Tiavaaa '^Tiavr-i^a (§ 38) und urgr. ^^.T^vai (kret. jjirjvai att. jttryö'«') aus 
"^inqvG-ai für lautgesetzliches "^^svö-ai (§ 45, 3). 

Dieselbe Assimilation wie in Tidaacca^ai war in a-Ttaato-g, Tats, olffd-a 
geschehen, s. § 36. 

Welche Konsonantengruppen für ^, ^/z, (Xcr in Formen wie ejo) von W. 
se^Ä-, sv^ofiai von W. eugh-, svlxps von W. sneigJi-, exaqxpa von W. shrehh-^ 
nsvaoixcci von W. hJieudh- in vorgriech. Zeit gesprochen wurden, ist noch 
nicht recht klar. Vgl. «Wo-g § 36 und die dort zitierte Litteratur. 

Lakon. dxxoQ = «cxög, kret. TtqeyyevTaC neben rcQsay^vtai. Aus er 
im Lak., Böot. und Kret. tt: lak. axTaai * ardarrj^i Hesych, böot. «Vtw, 
«Vzr«; auf der grossen gortyn. Inschrift p^insg „bis zu" = ^iisarsg (^tarig 
oder i.u'aT€-g wie cixQi^-g avsv-g u. dgl.?), aber daneben ptxaarog u. dgl. 
Aus (Ti^- im Böot. tS^ : oniT&oTiXav, im Kret. ij^^S^ : dnopsiTtdd^d^M^ ;f^i}i9^i9^af , 
TiQÖ^&a-^ dass dieses a9i9- als ^f/i (^y&?) gesprochen wurde, ist mir wahr- 
scheinlicher als die Ahnahme der Aussprache pl) (§ 34). 

Idg. j. 

49. Dieser Spirant, der von i d. i. i consonans (§ 12) scharf geschieden 
werden muss, ist für die idg. Ursprache anzunehmen, wo dem griech. an- 
lautenden ^- ai. «/-, lat. j- gegenüberstanden, z. B. ^vy6-v = yugd-m, jugu-m^ 
^€0) = ai. ydsami (vgl. dagegen vixsig, og „qui" mit idg. Anlaut ?'-). G. 
Schulze, Über das Verhältnis des C zu den entsprechenden Lauten der 
verwandten Sprachen, Gott. 1867, Vf. M. U. 1, 4 f., Grdr. 1, 453 f. In- 
lautend stand j vielleicht in W. tje^- aeßo^xai (csmo-g = ai. iyahtd-s), § 38. 

Das idg. j- fiel mit ursprünglichem di- schon im Urgriechischen zu- 



4. Spiranten. (§ 48—51.) 65 

inmen, daher z. B. 6vy6v wie Jevg, twvcc (^wv»;) wie Ti]va (G. Meyer, 
r. Gr.2 217,^ oben § 41). Vgl. § 52. 

Anm. Über idg. i\ das wir in dieser Grammatik von tt nicht scheiden, s. S. 30 

ussn. 1. Darbishire, Notes on the spir. asp. 24 gründet die Annahme der uridg. Doppel- 

.'it u und V auf den vermeintlichen Fund, dass, wo im Griech. Spir. lenis für f erscheine, 

- Annenische y habe {(iQrjv armen, ga' n), dass dagegen dem griech. Spir. asp. für / 

Mien. v entspreche {ixöyr- armen, vasn). Mit dem Beweismaterial für ' = ü ist es aber 

lit misslich bestellt, und ich bin nicht überzeugt. 

Auch F. Hartmann 's Hypothese (Deutsche Lit.-Zeit. 1887, Sp. 375), die eine Unter- 
heidung von i und J, ti und v beseitigen soll, vermag ich mir nicht anzueignen. 

Spiritus lenis und asper. 

Darbishire, Notes on the spiritus asper in Greek etymologically considered, Cam- 
idge 1888. Thumb, Untersuchungen über den Spir. asp. im Griech., 1889. 

50. Das Spir. lenis genannte Schriftzeichen hatte nicht etwa nur 
11 Zweck, die Abwesenheit des asper anzuzeigen, sondern der Spir. lenis, 
B. in e(TTi, uisr, ayu), war ein wirklicher Sprachlaut, ein tonloser Explosiv- 
iit des Kehlkopfs (Sievers Phon.^ 131). In Fällen wie den angeführten 
:,'ann das Wort in der idg. Grundsprache vokalisch. Als die lautgesetz- 
lie Vertretung von /^- erscheint der Spir. lenis in sjiog, ol'xog, aaiv u. s. w. 

13). Urgriech. ion. etc. f'x« aus *t'%ö) u. dgl., s. § 60. Lesbisch u. 
ast 6 aus o, s. § 51. 

51. Der Spir. asper, dessen Aussprache nicht überall und zu allen 
Zeiten die gleiche war (Thumb 90), wurde von den Griechen anfänglich 
durch B, H bezeichnet. Im ion. Alphabet bekam aber g, H den Wert 
eines c-Lautes (auf Naxos wurde durch offenes e dargestellt und zwar 
sowohl langes, z. B. in NixmdQrj, als auch kurzes, z. B. in aXXtm' gen. 
pl. fem.) und h blieb meist unbezeichnet. Mit der Einführung des ion. 
Alphabetes um 400 v. Chr. Hessen auch die meisten anderen Stämme, z. B. 
die Attiker, das Zeichen für h fallen; man opferte die Bezeichnung des h-, 
weil ein notwendigeres Bedürfniss, die Bezeichnung des c, zu befriedigen 
war, und that es vielleicht um so leichter, weil man schon damals die 
Aspiration nur als eine Modifikation des Vokals ansehen mochte. Erst von 
den alexandrinischen Grammatikern wurde dieser Laut wieder ausgedrückt, 
durch das aus H gekürzte (auf den herakleischen Tafeln vorliegende) 
Zeichen h. Tonlose (>, A, ii, r und p findet man inschriftlich ausgedrückt 
durch pH (kork. QhopaXai, vielleicht auch HR in ion. 'Ahqaiüiv, s. Bechtel, 
Inschr. d. ion. Dial. S. 133 mit den einschränkenden Bemerkungen Tiiumb's, 
8. 52), AH (att. Xhkon\ aegin. Xhußtäv)^ MH (korkyr. Mfut^iog att. fihfyäXov), 
NH (att. *Avhu^iXtü)) und FH (böot. phtxu-öüiiot). S. Hinrichs, Handb. 
1, 420, Krethciimeh, K. Z. 20, 445 f., Tiiumü S. 19. 40. So weit die 
Tonlosigkeit nicht durch die Einwirkung tonloser Nachbarlaute desselben 
Wortes erzeugt war (vgl. ^ VS. 22), ist ihr Ursprung noch unklar. Bei 
anlautendem Konsonanten kann an Katzphonotischo Verhältnisse gedacht 
werden. Im Pumphyl. zweimal (f(xuii für fixati nach -- (vl'1. Br^al, Möm. 
d. 1. S. d. 1. G, 333) : war mit tf tonloses f gemeint: 

Als HolbstUndigor Laut war h der idg. Ursprache ii< '^tand 

in griech. Zeit aus a-, z. B. o —- ai. sd (g 45), aus toni .^i.. , idg. 

»V-, z. B. o\ zu ai. üvu" (g 13), aus i-, z. B. o^ — ai. yd-a (g 12) und au« 

ÜMMlbiioli a«r kiMi. AlUrtüiMwltwmnhin U. 8. Avfl. 6 



Qß A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

si-, z. B. vfnijv zu ai. syüman- (§ 12). Durch Dissimilation schwand ei- 
dann in f%w aus "^heJchö u. dgl. (§ 60). 

Für den Spir. asp. erscheint in einzelmundartlicher Zeit häufig dei 
Spir. len. Dieser (die sogen. Psilosis) muss dem Lesbischen, dem Elischeii. 
einem Teil der kret. Dialekte (sicher dem von Gortyn und Lyttos, viel- 
leicht auch dem einiger andern Städte) und dem Asiatisch-Ionischen seil 
den ältesten Zeiten ihrer Überlieferung zugeschrieben werden. Die andern 
Mundarten verloren aber ebenfalls in der historischen Periode den Spir. 
asp., und zwar wahrscheinlich zuerst, schon in vorchristlicher Zeit, da- 
Lokrische und der Dialekt von Kalymna; in der christlichen Zeit breitei 
sich das Schwinden des Hauches über ganz Griechenland aus, ein Prozes 
der seinen Abschluss im 5. Jahrh. erreicht zu haben scheint. Vgl. Curtiu 
G.5 683, G. Meyer, Gr. Gr.^ 241 ff., Fick, Bezz. B. 11, 245 ff.. Blas 
Ausspr.3 90 ff., Thumb a. 0. 

Inwieweit die Interaspiration der Kompositionsfuge (ausser nach Tenui- 
in älterer Zeit hörbar war (vgl. Schreibungen wie TiäQheÖQog neben nccQeSQOQ). 
ist bei der ungenauen Schreibweise schwer zu sagen. Thumb S. 69 ver- 
mutet ansprechend, dass das Sprechen oder Nichtsprechen des Spir. asp. 
davon abhing, ob das Kompositum in der Vorstellung bereits zu einem 
einfachen Worte geworden war, oder ob noch die einzelnen Glieder da.v 
Zusammensetzung als einzelne Wörter vorgestellt wurden, wozu z. B. gut 
stimmt, dass die Alexandriner svaliKov, aber Evaifioov vorschrieben. 

In einzeldialektischer Zeit entstand h neu aus unursprünglichem ö" im 
Lakonischen, z. B. Ilooldävt, ivi^ßamig, ivixai (die letzte Form aus der für 
"^ivixäs eingetretenen Neubildung ^h'ixäas, § 45), im Argiv., z. B. sTioipi^t 
(wie lak. ivixas zu beurteilen), und im späteren Kypr., z. B. (pQovsau (§ 39). 
Im El. auf den älteren Inschriften Aoristformen mit -(T- wie Ivadarw^ da- 
gegen auf der jüngeren Inschr. Coll., Gr. D. n. 1172 sTToirja; auf dieser 
Inschrift daneben iiäaav, ava-^eaioQ, so dass man folgern möchte, das a des 
Aoristes müsse von dern aus t (in den Verbindungen -rt, tj) entstandenen 
verschieden gewesen sein (Meister, Gr. D. 2, 51). 

Durch Formassoziation war der Spir. asp. öfters für den Spir. len. 
eingetreten, z. B. äfxbg rjixeTg, (ai. asma-) nach vfxtg vp^sig (ai. yusma-); att. 
iaTTOfxrjv stcfTzofjirjv nach sTro/Liai; svco (idg. *ms-ö lat. ürö) wohl nach Formen 
mit vö"-, vgl. vtS^ov • to rcvQiscp^ov Hesych.; aXxvcov (lat. alcedö) nach aXg\ 
att. inschr. e^o) nach «^w, äxovaia nach excav, herakl. oxrw (lat. octo) nach 
smä; hom. etc. rjiiai (ai. äs-) nach Formen von sS-. Curtius, G.^ 690 f., 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 243, Osthoff, Z. G. d. P. 484 ff., Darbishire S. 1;3 
ff., Thumb S. 64 f. und sonst. 

In einer Reihe von Formen, in denen man statt des Spir. asp. den 
len. erwartet, lässt jenen J. Baunack, Stud. 1, 240 ff. ansprechend aus 
der Verbindung mit den vorgesetzten Artikelformen o, ä (?J) entstanden 
sein, z. B. oqo-g, saTVsqo-g, leqo-g, l'jiTro-g, rj/na-Qä (neben rj^ccq). 

Zeta. 
52. Mit dem Zeichen Z sind in verschiedenen Mundarten und zu ver- 
schiedenen Zeiten verschiedene Laute ausgedrückt worden, und es ist noch 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 52—53.) 67 

nicht gelungen, die verschiedenen Werte überall genau zu bestimmen. Als 
ststehend darf gelten : 

1. der Wert zd für das lon.-Att., für das Nordwestgriechische und 
Aolische, und zwar sowohl in W^örtern wie ö^oq, l'^oa mit idg. zd (§ 45. 46), 

> auch in den Fällen, wo idg. j und di, gi zu Grunde lagen, wie ^vyö^' 
■ 49) und na^og, vi^oi (§ 12. 41). S. Blass, A.^ 114 ff. Im Lesb. wurde 
jüngerer Zeit a^ geschrieben, was G. Meyer, Gr. Gr.^ 275 so deutet, 
ISS man zu dieser Schreibung überging, weil C anderwärts in Griechen- 
!id mittlerweile zu z geworden war. zd bereits der urgriech. Zeit zuzu- 
li reiben, empfiehlt manches, vor allem der Wegfall von v in (Tv^vyog, 
.).TnXü) u. a. Präsentien dieser Art (Solmsen, K. Z. 29, 331 f.); denn da 
r vorausgehende Vokal nicht gedehnt war, so müssen wir diesen Nasal- 
'gfall mit dem urgriechischen in ^Ai>i]väi^€, xsazog u. s. w. (§ 55) zusammen- 
ingen.') Die -6ö- (J-) des Lakon., Kret. u. s. w. (s. § 41) waren hiernach 
;.s zd assimiliert, vgl. gortyn. xäd Sä = rdz 6t'. Ob freilich -Jc^- überall 
'/- geblieben war, ist zweifelhaft. Für gewisse Gegenden in Kreta weisen 
• ' Schreibungen ir, t {sa-ngtui^uxTev^ sfi-naiTorTai, Tvr^va TT^va) auf einen 
iJern Laut hin, und zwar wird hier, wie die Schreibung o^og neben onöixog 
rmuten lässt, ein ähnlicher Spirant gesprochen worden sein wie er als 
)rtsetzung des urgriech. ss — ti, ts gesprochen wurde, nur dass derselbe 
as eine Mal tönend, das andere Mal tonlos war. 

2. der Wert z in den seit dem 4. Jahrh. v. Chr. vorkommenden 
Schreibungen wie IleXa^yixöv, iln](fi^na (§ 44). 

3. der Wert d für das Elische in C* = ^^ u. s. w. (§ 33). Die Ver- 
wendung des ^ zur Darstellung dieses Spiranten hing damit zusammen, 
dass zd zu dd geworden war ifigaidSa), ima-dvy(oig), das C also in seinem 
ursprünglichen Werte nicht mehr gebraucht werden konnte; vgl. die Ver- 
wendung des Z in kret. o^og (2). Auch in arkad. ^tlXta (§ 35 S. 55) 
mag C ein d gewesen sein. 

Vgl. nocli Ahcoli, Studj critici 2, 451 ff., Cubtius G.* 615 ff., Mondbt Bbaudouin, 
Annales de la faculUi des lettres de Bordeaux 3, 813 flf., L. Havet, Mdra. d. 1. S. d. l. 3, 
192 ff., G. Meyek, Gr. Gr.^ 274 ff., Meister, Gr. D. 1, 129 ff. 262 ff.. 2, 52 ff. 105 f. 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. 

Prothese vor Verschlusslauten und vor a. 
53. I*rothesc vor Verschlusslauten nimmt num an in i-xiig, *-X'^N'« 
l-'X^vgy t-if^ifto-g, u-(fXotafwg u. a.; vor rr-f Kons, in ((-gixiuqü)^ a-aiaxvg, 
d-atrjQ, t-Cx^i = av. zdi (g 46) u. a. Sieh Lobeck, Pathol. Graeci serm. elem. 
1, 13 sqq., CuRTiUH, G."^ 721 ff., 0. Meykk, Gr. Gr.« 11(5 f. Viola von den 
hierher gezogenen Filllcii sind über ganz unuicher, nuinentlich diejenigen 
mit »-. Dieser Vokal kann in einigen wie z. H. a-üxa^ii^ui Rest einer Prä- 

*) Dans ffttA/iiCtti, nlii^M {InXuyia) se- 1 p«C<u u. dg). Hatto man aaXni^n gtsprochen. 

■prochen wiir(l<>, crKf^l'^n, aufwcr rthiCt, nXn- woIcIipn ointroton inuKH(«\ wenn die Form 

Co*' u. (Igl. I nicht uXüU, nXnCoy), die Neu* j ^auXnitzdtu vmt in rin/.chlialoktiicher Zeit xu 

bildunK''n wio attXrttxtt'jt fUr auXniyKtfj^. Htarnlo knni, ho wttro fllr jono NcnnrhApfungon 

Die««* vollzogen sieb nach of r;^<'xir;v zu attj- kaum ein Muster r.u (iudcu. 



()8 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Position, in lesb. aacpi aatfs Analogiebildung nach ct^u/xt a^xiis (vgl. neu^ 
sav nach iy(ö) gewesen sein. Auch kommen satzphonetische Verhältniss 
in Betracht, vgl. cc-ttu (§ 95) und was Foy, Bezz. B. 12, 38 ff. aus dei 
Neugriechischen beibringt. Wirklich aus dem Anlaut entwickelt war viel- 
leicht nur das i in den Wörtern, die einst mit einer z enthaltenden Kon- 
sonantengruppe begannen, wie i-alhi = av. zdi:, i-x^vg = lit. zuv-l-s. 

Epenthese. 

54. Durch i wurde vorausgehendes v und q mouilliert, und indem die 
t- Artikulation noch über r und q hinausgriff, entstand in der vorhergehenden 
Silbe ein i-Diphthong, während i selbst schwand. So gjaivco aus *<fav-j^(o, 
xoivog aus *xor-/o-^ (§ 30), fxäxaiQa aus "^fjiaxaQ-da. Die Mouillierung konnte 
sich auch auf einen dem v unmittelbar vorausgehenden Explosivlaut mit 
erstrecken: alxvov aus '^dxvjiiO-v (ai. as-nd-ti „isst"), SsItvvov aus "^östiv^o-v 
(ahd. gi-zehön „anordnen, richten", W. deq-), i^-ai^vrjg aus "^-acpvj^äg (vgl. 
a(pv(o bei Hesych); so auch bei postkonsonantischem fi: cxlx^rj aus "^axfij^ä 
(zu syxog). Dieselbe Erscheinung bei postvokalischem X nur dialektisch 
kypr. allog aus "^aX^o-g (att. aXXog), 'AtzsiXmv aus '^'A7t6X^(üv (arkad. ^^^rt^Awi') ; 
alXo- auch im Elischen, s. § 30. 

Mit Wackeknagel (K. Z. 25, 268) ist ^'-Epenthese auch bei p anzu- 
nehmen: ^^xXap-f^u) "^xXaipw xXam. Vgl. § 18. 

Anm. Dagegen ist Epenthese abzuleugnen für xQelrrojy neben ion. xqiaoMv aus 
*xQBX-tMv und fXEi^uyv neben ion. fxel^cjv aus */ii€y-io}y. Diese Formen mit €t waren Um- 
bildungen derer mit e nach Analogie von xe'lqojv, d/uelpcop, oXelCcoi^ (Osthoff, Jen. Lit.- 
Zeitung 1878, S. 485, Z. G. d P. 449, Vf. Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1883, S. 193). 

Epenthese nahm man öfters da an, wo vielmehr „Ersatzdehnung" vorliegt, z. B. in 
xreifw, (pd^eigu), afxeivüyv, xelqojp {§ 15. 55, 58). Diese Formen in Verbindung mit lesb. 
n€QQo/og aus *n€Qi-oxo-g zeigen, dass auch in hom. siy und vnsiQ, die aus *ev<; und *v7ieQ!, 
vor vokalischem Wortanlaut entstanden waren («tVt war Mischbildung aus evt und ctV), 
nicht Epenthese, sondern „Ersatzdehnung" zu suchen ist (vgl. Osthoff, M. U. 4, 382), 
vgl. § 56. 

Ob es im Griechischen auch eine w-Epenthese gegeben habe, ist strittig. 
Jedenfalls ist keines der für diese Erscheinung vorgebrachten Beispiele, wie 
TccvQo-g, x€VTavQo-g, Hesych's ysvvcov, von der Art, dass es jede andere Deu- 
tung ausschliesst. 

CuRTius G.^ 678 ff. Bezzenberger in s. Beitr. 3, 160, Gott. gel. Anz. 1887, S. 416. 
Frankfurter, Über die Epenthese von j {t) f {y) im Griechischen, Hamburg 1879. Yf. 
Lit. Centr. 1880, Sp. 913 f. Meinck, De epenthesi Graeca, Lips. 1881. Osthoff, Z. G. 
d. P. 457 f. G. Meyer, Gr. Gr.^ 121 ff. 

„Ersatzdehnung" und Verwandtes. 

55. Vor -g und vor dem sekundären , durch Assimilationsprozesse 
entsprungenen a (§ 47) ging in den meisten Dialekten v mit vorausgehendem 
kurzen Vokal, infolge von Vorausnahme der Gaumensegelsenkung, in langen 
Nasal vokal über, der dann seine Nasalierung verlor: z. B. dor. Tag^ Toig, 
^g, TCQSTiMaa^ ion. att. %ag, Tovg, slg, nqsTtovacc, 3. pl. Xsyovai. Daneben 
Xsywai aus '^XsyMvai, furjao aus "^inqvai u. dgl. Das urgriech. ra wurde in 
einigen Gegenden von Kreta, in Argos und im Nordthessal. festgehalten, 
z. B. xävg, Twg, TiS^tvg, nqsnovaa^ dat. Xsyovai, eaitsvaa^ ebenso bei voraus- 
gehender Vokallänge, wie kret. i^r^vai. Aus dem Arkadischen sind mit rc 
nur Konjunktivformen wie xsXsvwvcfi überliefert, wo diese Lautgruppe erst 



5. Sonstiger kombinatorischer Lantwandel. (§ 54—55.) ßQ 

1 einzelmundartlicher Zeit aus vt entstanden war; aber da in den in- 
hriftlichen Formen wie 6aox,iiccg das a wahrscheinlich kurz zu lesen ist 
\ gl. unten), so steht nichts der Annahme entgegen, dass im Arkad. auch 
argriech, vcr, z. B. in ngtriovaa, erhalten war (Solmsen, K. Z. 29, 343). 
Wo im ion.-att. Zweig nach Vollzug jenes Lautgesetzes, welches v vor a 
vernichtete, die Lautgruppe ra neu aufkam, blieb sie nunmehr unangetastet, 
80 homer. xtvaai ^ 337, eine Neubildung nach Formen mit xerr-, att. 
^iQuavaig, v(favaig (vgl. xd^^agaig). Die Entstehung des /-Diphthongs in 
den el. acc. pl. toiq, xava^iaiQ (neben SiSwaaav^ näaav) hing nach Osthoff, 
Z. G. d. P. 26 ff. und G. Meyer, Gr. Gr. 2 123 mit der tönenden Aus- 
sprache des -g im Elischen zusammen, während Solmsen, K. Z. 29, 345 f. 
im Anschluss an von Wilamowitz-Möllendorf , Ztschr. f. Gymn. 1877 
S. 649 nachzuweisen sucht, dass diese Formen akkusativisch gebrauchte 
Dative (Instrum.) gewesen seien. Der im Lesb. an der Stelle der alten 
Lautgruppe Vokal + v erscheinende Diphthong {coig, ra/g, sig „unus", ngt- 
noiaa, nataa, 3. Plur. sxok^i, yQce(fo)(rt) war sicher lautgesetzlich ent- 
sprungen: das /-haltige tonlose ö* 1) palatalisierte (mouillierte) zunächst den 
Nasal {-a/iS'), dieser entwickelte ein i als Übergangslaut (-a'ws-), schliess- 
lich schwand der Nasal (-ais-)^ s. G. Meyer a. 0. 

Die hier besprochenen Dehnungs- und Diphthongierungserscheinungen 
unterblieben bei urgriech. ns und nz -\- Kons. In dieser Verbindung fiel 
im Urgriechischen n einfach aus. xsatog aus *x€vat6g von xsvt-. (ff- 
q6al>ü}v aus "^(ftQovaOwv (§ 144). öta/rövrjg aus ^Stig-Tidir^g (§ 79). Sixaa- 
nolog aus "^Sixaig-noXog und wohl auch (trotz Henry, Rev. crit. 1887 
p. 100) noyoaroxog aus ^fioyovg-roxog. xoa{.io-g aus *xova}xo-g (zu lat. ccnseo), 
0vax€vci^ü) aus avr-ax., av^vyo-g aus *(yvv~zdvyo'g. auXmXM aus ^aaXmvzdu) 
^aaXniyy-iü) (s. § 52). 'A&rjva^€ aus "^'AiyctvävZ'Se. Hierher auch die in 
verschiedenen Dialekten auftretenden acc. pl. wie log, ,>fog, rag, xaXug und 
nom. sg. wie Alug, ngu^ag thess. nvfQyntg, ferner eg aus €>$. Diese Formen 
waren vor konsonantischem Anlaut entstanden: tog nccTöag, aber lor? (xorg 
etc.) ch'Sgag, sg lovio, aber srg (tig) aviö. Vf. C. St. 4, 76 f. Ber. d. sächs. 
Ges. d. W. 1883 S. 187, Osthoff, Z. G. d. F. 591 ff. Berl. phil. Wochenschr. 
1885 S. 1606 f., G. Mkyer, Gr. Gr.« 286 f., Solmsen, K. Z. 29, 329 flf. 

Einige scheinbare Ausnahmen von diesem Lautgesetz. iXaaamv aus 
*dXayx-io)y, (iaaov aus *ityx-io%' hatten ursprünglich einen einfachen Spiranten 
(wie urgr. *^nuvau aus *nuyi-iu), und demgemäss erfuhren sie im ion.-att. 
Zweig ^Ersatzdehnung" ; aa (11) drang aus Formen wie i,aauiv ein (s. § 38). 
In einzeldialektischer Zeit kam öfters die Lautgruppe icr + Konsonant 
von neuem auf, nunmehr wirkten die oinzoldialektischon Ereatzdohnungs- 
gesetzo: att. iainta^ai (antiaio wie (anttaa (krot. fansvaa) a/rtiaio, zu 
CTt^vSüj; ion. ntXana „Tau* aus ♦7r«v<r/4a, einer Neubildung für *nfv%hina 
(s. 8 70, 8 Anm.). Natürlich waren Neubildungen auch hom. «1- / 
att. inschr. dw-auunan (('. I. A. l*. 10r»l, 61. I. .lahrh. v. Chr.). hv (>i 



') Da-HM niirli toriloHf'M a iTinihro hatte, | Mkihtk«, <«r. D. 1, 24'Ji: " .Im. lt. In. i w 
innamvuaty ti. n. w. (J. .SrimiDT, Voc. 1, 112, | sprAohe des • «um. 



70 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

vgl. epidaur. «-ororg att. (tvaraftic, inschr. ScrftTrjlr^, auch slatriXii (Meistei 
HANS, Gr. 2 86); alarrjXri stellt sich jenem sansiato zur Seite. 

56. Vor den in urgrieeh. Zeit durch Assimilation entstandenen vv = ai 
va (§ 45) vk (§ 12. 54), /i^a = (7/t /io" (§ 45), qq = qj, (^ 12. 54), qq = ag' 
XI = (tX (§ 45) vollzog sich in allen Dialekten ausser dem Lesb. und Thess. 
durch Verzögerung der Übergangsbewegung von kurzen Vokalen zum fol- 
genden Konsonanten eine Vokaldehnung und mit ihr Vereinfachung der j 
Geminata. Dor. asXavä ion.-att. (T^Xrjvrj =z lesb. aeXdvvä aus "^(fsXaa-vä. 
Dor. sjiirjva böot. ion.-att. t^isiva = lesb. sp.svva aus *sfxfv-aa; vgl. lesb. 
firjvv-og, thess. varsQo-iieivvia, ion.-att. }XY}v-6g von "^firjva- mit ursprünglich 
langem e. Ion.-att. xtsivm == lesb. xravvü) aus "^xTsv-dw; ion.-att. dfxsivan' 
böot. ^AfxsivoxXdog arkad. 'Afirjvi'ag kypr. ^AiLirjviji,a aus ^dfisv-j^cov. Dor. 
äi^iilg ion.-att. 7]iiisTg = lesb. afifxag aus "^ddfxs-; ion.-att. sif^ia dor. f^^fjia = 
lesb. «ytaa aus '^p€(y-iia. Dor. svrj/iia ion.-att. svsi^a = lesb. svtfxpia aus 
^svsfi-cfa. Arkad. (fd^r^qw ion.-att. (pO^siqu) = lesb. (f^tqqco aus *9)i^f^-/w; 
n8(Q-(avd^o-g) = lesb. 7r6^(>()-(o;fO-g) aus *7r«()/ {Usiqi-^oog dor. Jlrjqi-^oog 
war Mischbildung aus -irf^^ — [- 7r£<(>- dor. '^itrjq-, vgl. «fcV/ § 54). Hom. 
rqrjqojv aus *i:(>aö'-(>-öJi^. Dor. xrjXioi, ion. xsiXioi =-- lesb. x^^^^ot aus "^xsaXioi 
(über ;cUfot s. § 46). 

Über scheinbare Ausnahmen von dem die Verbindung (X + Nasal be- 
treffenden Ersatzdehnungsgesetz, wie att. dfjKfi&wvfXL xoqtvvvfjii xqsixdwvfjLi 
neben ion. sl'vv^i, ia^ihv neben sl^hv, rjiicfisafxai neben ion. aipai s. § 45. 134. 

In § 45 extr. sahen wir, dass Wackernagel auch für Formen wie 
att. h'(p^€iqa dor. scp^rjqa (urgrieeh. "^Scp^sqaa) unsere „Ersatzdehnung" an- 
nimmt. 

Diese hatte wohl auch in einigen Wörtern mit urgrieeh. Xv statt- 
gefunden, wie ßovXo/jiai (lesb. ßoXXo^iai), siXw (lesb. dn-aXXüi). S. § 30. 

57. r^j qp, Xp blieben in einigen Dialekten bis in die historische Zeit 
hinein unverändert. Im Lesb. und Thess. entstand vv^ qq, XX, im Ion., 
Böot. und in dorischen Dialekten wurde die Doppelkonsonanz mit „Ersatz- 
dehnung" vereinfacht, dagegen fiel im Attischen f ohne „Ersatzdehnung" weg. 
El. gen. asvp-dqsoq, kork, nqo-^svpo-g, lesb. ^s'vvog, ion. böot. ^sTvog, dor. 
^rjvog, att. ^svog; lesb. yovva (vgl. av. ^anva, lat. genua), thess. Fowoi 
(vgl. Meister, Gr. D. 1, 143. 301 f.), ion. yovva, att. yöva-Ta; hom. (f^ävo\ 
ävo), Tivo) att. (f^dvM, dvco (d), tivo) (J) aus "^(f&ävpw, ^dvpco (d), *Ttvp(o 
(§ 130); bei att. xevÖTsqog aTsvoxeqog (zu xsvo-g arsvo-g ion. xsivog arsivö-g 
aus "^xsvpo-g ^^aTsvpo-g) zeigt sich die Nachwirkung des p in dem o statt 
des zu erwartenden m (§ 70, 3). xogpä, ion. xovqrj, dor. xwqä, att. xoqrj. 
Homer. ovXog, att. oXog = ai. sdrva-s „ganz, all"; homer. novXv- dor. 
7i(oXv- aus ''TroXp-v- (§ 70^ 1, Anm.). Vf. C. St. 4, 97 f. 117, Dehler, 
De simplicibus consonis continuis in Gr. 1. sine vocalis productione gemina- 
tarum loco positis, Lips. 1880, p. 53 sqq., Wackernagel, K. Z. 25, 261 ff., 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 281, W. Schulze, Quaest. homer. 14 sqq. Vgl. § 13 
und 30. 

Aus -i?dn- = -ign- (§ 43) entstand im Dor., Thess., Böot. -tn-: dor. 
ytvo^ai yivwaxM (so auch in der Keine), thess. yivvfxtväv böot. yiviov^svov 
(§ 116). Bei Hesych xalvira • dSsXcprj = ^xaai?dvrjvä. 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 56—59.) 7| 

58. Die durch „Ersatzdehnung" aus geschlossenen £ und o entstandenen 
und Ol' sind nie Diphthonge gewesen, vgl. § 15. 17. Das ai der ion.-att. 

jot. fig, axaO^eTacc und das 8i der lesb. sig, ixccveiaa waren also nur gra- 
phisch gleich: jenes war Monophthong, dieses Diphthong. 

Die Dehnung des ä in ion.-att. rag, jiäaa (§ 55) und in ion. (f^avoo 
(§ 57) war jünger als der Übergang von ö in rj (§ 10). Dagegen war 
Üter als dieser die Dehnung des ä in ion.-att. XV*'"^^ ^^s *xai'ö*-og, drjvog 
aus *dai(T-og (ai. ddsas „wunderbare That, Geschicklichkeit"), siexir^väiir^v 
aus *sT€xTavaai^r^v (§ 137), rjfxitg aus "^dafis- u. s. w. (§ 56). Das ä der 
Aoriste wie Xetcaai ivreroävai (wonach in jüngerer Zeit vcfavai) war also 
dasselbe wie das von xagöiä x^Q^ § 10 (vgl. von Bamberg, Jahresb. d. 
phil. Ver. 8, 206, Riemann, Rev. de phil. 9, 88, Meisterhans, Gr.2 145). 
Immer noch scheinen mir gänzlich unhaltbar J. Schmidt's Kombinationen, 
K. Z. 27, 322 Anm., denen G. Meyer, Gr. Gr. 2 287 und W. Schulze, 
Quaest. hpm. p. 25 beipflichten. Gegen Schmidt jetzt auch Solmsen, K. 
Z. 29, 65 ff. 

Erleichterung" dreifacher Konsonanz. 

59. Aus dem reichen hierher gehörigen Material sei nur einiges bei- 
spielsweise ausgehoben. 

Bei mittlerem s und 2 wurde verschieden verfahren. Bei voraus- 
gehendem Q, l schwand der Zischlaut. mtQva aus ^msgara : ai. p«;>;»/-^' 
ahd. ßrsna „Ferse". Homer. TitQlhui aus "^TitgaO^ai, entsprechend sanccQÜ^ai 
icxä'/.Ocei. näXio aus *naX-G-to Medium zu nijXai (§ 136). tQÖoa aus 
ftQ^ü) d. i. ^peQzSüi, W. iierg- (Osthoff, Z. G. d. P. 596). Dagegen 
schwand vorausgehender Nasal, wie xtaxö-g aus "^xavaro-g (§ 55); 7i€(färi}m 
war wohl Neubildung für ^neffc'calhai (§ 146, 1). er fiel wiederum aus bei 
vorausgehendem Verschlusslaut (ausser bei ts + Kons., wo nach § 48 ss 
entstanden war), niüg-rv-fica aus *7TaTaQ', vgl. lat. ster-nuö aus ^pster- 
(Fröiide, Bezz. B. 6, 182). ßdtü) aus *ßzS-i(x) zu lat. pPdö aus ^jiczd-ö 
(J. Schmidt, K. Z. 27, 320, Osthoff, Z. G. d. P. 273). Xt'xio aus Hex-a-io, 
wie ndXto, s. o. l'xto-g (doch vgl. § 101), Vxjieöo-g, txxm'dtxa zu IJ und 
entsprechend Vx noSayr^ ay öaxTvXwv u. dgl. (Meisterhans, Gr.* 85. 125). 
So kann auch ix durchweg aus a^ entstanden sein, vgl. ax-iatvo), ex tov. 
Nun findet sich x<r vor Konsonanten oft auch so behandelt, dass das erste x 
schwand. fVcrxw, riTvaxonid^ öiaxo-g (zu dixaTi*)^ böot. aa-xi^'Saxcctt^\ das 
Arkad., Thessal., Böot. und Kretische hatten *'^ vor sonantischon Vokalen, 
ii vor Konsonanten, z. B. arkad. s^-aatu), ia-daXXm. Ich vermute, dass 
ursprünglich in xax das erste x, dagegen in xat u. s. w. das or wegfiel, so 
dass z. B. einerseits axxaiSaxu, axxuXao), anderseits ea-O'äfiary tg tov Neu- 
bildungen waren. Dabei wird man bezüglich des antckonsonantischen ^g =: if 
nicht bloHH anzunohnion haben, dass die vor A-Luuten lautgesetzlich Gin- 
get nttono Furm verallgeiiieiiiert wurde, sondern auch, dtiss die antesonan- 
ÜMcho Form df auch vor Konsonanten gesetzt wurde und in dieser Stellung 
durch ein jüngeres Lautgesetz ihr x oinbUsste. 

llrgricch. ^tnore- (hom. laHia-ai etc.) aus ^rttpQtt-^ b. S 18 Anm. 
8. 32 und K 2:: I 



72 



A- Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



Wegfall des ersten Konsonanten im Urgriechischen, mv- {mm)) 
aus (TTT/,!)- (§ 40). TQd-7T€^a aus ^TTTQa-, TQv-(fccX8ia aus *7TTQv- vom Zahl- 
wort „vier" (§ 101), wonach auch TaQvrjfAÖQiov (s. § 23, 1). 

Vereinfachung vorausgehender Geminata. stfO^ayiiai aus -eTdgmai, indem 
fdrim durch fBTdm zu Tdm wurde, entsprechend xexaii^ai aus ^-amptfiai, s. § 43. 

Vereinfachung nachfolgender Geminata. Urgr. -co'- = idg. ss, ts, tl 
wurde -er-, ^fjii^vai (kret. firjvai att. iJ^rjai) aus "^fxrjva-ai; "^xavai (att. x^o^' 
für lautgesetzl. ^läai) aus *x«vö'-ö'i : vgl. daneben homer. ensaai, ^taaai.^) 
*€(f7T8V(ya (kret. sansvacc att. saTisiaa) aus ^ianaraaa "^sansvTaa^ zu antvSw\ 
*äjii€Q(ya (ion. rjfisQcya) aus '^äjusgacra *ä/Af^i:o'a, zu dfu'QÖo) : vgl. daneben 
hom. sTTacrrfdfjirjv aus *€7caT(rajj,äv. *So^cc (att. <^o^«) aus *Joxo'o'a *Joxr^or; 
"^TKxvaa (kret. nävaa att. Trao"«) aus "^Ttavaaa "^TiavT^a : vgl. daneben hom. 
oorcrog aus *or^o-g. Die Erhaltung des vorausgehenden Nasals in die einzel- 
dialektische Zeit hinein lässt schliessen, dass diese Vereinfachung von Ga 
zu 0- älter war als das urgriechische Lautgesetz, durch welches xsaxog aus 
"^xsvaTog entstanden war (§ 55). Gortyn. ntvTo-g aus '^TtsvxTo-g = att. 
TTs'iiiTtTO-g, vgl. syQaTTai = att. ytyQaTiTat (§ 36); hccqtwv (ion. xQ^Gawr} 
vermutlich aus '^xaQTTwv. 

Dissimilation. 

60. Vokale, v wurde zu t: z. B. TiivvTog aus ^Ttv-vv-ro-g, xpid^vgog 
von xpv^og. Angermann, Die Erscheinungen der Dissimilation im Griech., 
Meissen 1873, S. 23 ff., Osthoff, M. .U. 4, 66 f. Viel zweifelhafter ist, 
ob durch Dissimilation auch i^ zu ^ wurde (Angermann a. 0., Osthoff a. 
0. S. 110. 190): (phv lässt sich als Hhu-t-tu- zu lat. fw und air. hin „fio, 
sum" stellen, und Id^v-g deutet jetzt Thurneysen aus "^^dhü- (§ 46). Viel- 
leicht erklärt Wackernagel die urgriech. "^ueip- {slrctiv) und *ueid- (dsido)) 
richtig als durch Dissimilation entstanden aus den reduplizierten "^ue-iip- 
(W. ueq-) und '^ue-ud- {av^rj, v^aw), in welchem Fall Formen wie asidi 
doiS6-g jüngere Neubildungen gewesen wären (K. Z. 29, 151 f.). Dissimi- 
lation von vv zu vo (Osthoff a. 0. S. 185 ff.) als rein lautlicher Prozess 
scheint mir ebenfalls nicht sicher erwiesen. 

Liquida e. A für q: vav-xXäQo-g neben vav-xqä-Qo-g^ el. XaXddqioi 
zu XagdSgä. q für X : dqyaXsog und xecpaXaqyia neben x€(faXaXyia zu dXyog. 
V für Liquida: yayyaXiXw neben yaqyaXit^m^ dfxdvdaXog zu dfxaXdvvco. S für A: 
UoXvdsvxrjg aus "^UoXv-Xsvxrjg (Baunack, Mem. de la Soc. de lingu. 5, 3). 
Wegfall einer Liquida: (päxqiä neben gjqäzqiä, exrrayXog aus *€x-7TXay-Xo-g, 
(fuvXo-g aus '^(pXavXo-g, woraus auch (fXavqo-g (Pott, Et. Forsch. 2', 100), 
Sqv(fccxTog aus ^Sqv-cfqaxro-g. Bei der einen oder andern von diesen Dis- 
similationserscheinungen mag übrigens auch volksetymologische Formasso- 
ziation mit im Spiele gewesen sein, z. B. bei vav-xXäqo-g (s. G. Meyer, 
C. St. 7, 179 f.). Angermann a. 0. S. 35 ff., Bechtel, Über gegenseitige 
Assim. und Dissim. der beiden Zitterlaute, Gott. 1876. Gortyn. pLuirvq- 



^) Der Aorist enxioct nicht aus *enxiva-aa, 
das zu Hmloa geworden wäre. Entweder 
war smXacc Neubildung für *eTJxloa nach 
Formen wie inxia&rjv, die lautgesetzlich v 
ohne „Ersatzdehnung" verloren haben können 



(§ 55). Oder der Nasal, der ursprünglich nur 
dem Präsens angehörte, war im Griechischen 
auch auf dieses beschränkt geblieben. Über 
das Präsens mlaaia mixxoi s. § 45, 5. 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 60.) 



73 



Ku'rvoa etc.) aus ficcQTVQ- war wohl durch die Mittelstufe ^iiaXrvQ' mit 
ilatalem / hindurchgegangen. 

Aspiratae und Spir. asper. Das Hauchdissimilationsgesetz war 
nur in urgriech. Zeit in Thätigkeit, in einzeldialektischer Zeit lagen nur 
•eh seine Wirkungen vor (was oft, z. B. bei Meisterhans, Phil. Rundsch. 
-S6 S. 251 und Gr.-^ 78, unbeachtet bleibt). 

Regressiv. tiO^r^iiii aus ^^i-i^r^-fii, stbO^rjv aus ^i-O^s-O^r^-r. invO^ero 
IS *8-(fvO^-6To (W. hheudh-). nöiyoc, aus ^(foü^og^ zu ^iaaaad^ai aus ^sra., 
V. f^hedh-. TQix-oQ aus *&Qix-ög. fxf /*/(>/« aus "^Sxf-x^iQict, inschr. att. 
>y.8-!/to)Qo-c, delph. 'Ext-tfvXo-g. axs-i^Qo-q zu (Xx^Tv. f/w aus *^x<ö. /V/w 
is */-(rxw. fded^Xov neben l'Sog. d-d^goo-g a-Xoxo-g neben a-nal^. avM ans 
vlm für *havhü) (VV. saus-). In Formen wie ^Qi'^, d-taaaaO^ca und *xroc, 
'0 waren die Aspirata und das h erhalten, weil die folgende ursprüngliche 
-pirata schon vor dem Aufkommen des Dissimilationsgesetzes die Aspi- 
tion verloren hatte. Formen wie nevaof^iai^ niarig (W. hheidh-) waren 
iialogiebildungen für *(f6V(roi^iai, ^cpiarig nach den Formen mit nsvO^- nvx^-, 

Progressiv. aMlhrjri für *a(od^r]-v^ij vgl. (parrj-d-i. d[H(fjiaxü) Hesych 
eben di^iTiiaxo)) für ^di^igiaxf^' Diese Richtung der Dissimilation war 
■erall bedingt durch Systemzwang und Formassoziation: ao'yO^iji wegen 
(ö^r^y (vgl. Osthoff, Z. G. d. P. 306 Anm.), di^Kftaxo) wegen a/«^/- in 
ii(fitrvviiu etc. 

Keine von den zahlreichen Formen der historischen Gräzität, in denen 
doppelt« Aspiration oder anlautende Aspiration bei ehemals folgendem, erst 
in einzeldialektischer Zeit verlorenem h erscheint, darf als lautgesetzliche 
Fortsetzung aus der Zeit betrachtet werden, in der das Hauchdissimilations- 
gesetz noch nicht wirksam geworden war. Alle waren Neubildungen oder 
Produkte des Systemzwanges. Formen wie dQXf-O^kwQo-g ^ naxv'Xi^iio-g, 
dit(ft-xto), oQvi^o-O^r^oug (vgl. oben ixs-x^iQiu u. s. w.) erklären sich leicht 
daraus, dass solche Komposita in der Regel nicht oder nicht bloss rein 
gedächtnismässig reproduziert, sondern in Anknüpfung an die Wortformen, 
aus denen sie zusammengesetzt waren, neu gebildet wurden. Und so waren 
auch Neubildungen z. B. ax^O-tfiBv (vgl. axsO^Qiyg) nach ryx**"*' ©tc., ^x"^V*' 
nach x*-^^ c*^c., u-^goo-g (neben d')Qao-g) nach a-nag, d-Tia^ etc., diiöO^t-r 
(neben dfiö.'Hi) nach dfxwg etc., l'x^o (neben f'x^O n*^^^ ^f**^ etc.,') avo) (neben 
ffi'w aus *avJuo = *havho), W. saiis-) nach avffo) etc., i'tfini (für ^i-hi^-fn = 
*h'ht^-/u, W. 8S') nach i^Jcro) etc. Für Formen wie lokr. ^sx/fto-g irf^fio-g 
Pind.) att. und sonst inschr. *.>*V>/^ (neben fitO^i^) gortyn. i>{i>ti^i^ai (att. 
t(i>fa^(ti) kann freilich auch in Frage kommen, ob nicht eine rein laut- 



I) Mbimtkriiakh. Phil. HimdBch. 1886, 
8. 2r,l L'ljml.t .lurch den Hinweis auf ,dio 
•ii lif>, diiAH iVa» Kttdi^M dio 

8« I «i. und r». Jahrb., tyta, Ktt- 

f//w dio h<!hr«'ibwc'i«o d«M 4, iin«I dor fol- 
gen fl'n Tnfirh int". /< i;j< ii /u krmncn, dufw 
i/ Form* Mci. Wir 

^' 'in Atlinnor höbe 

im «i. uikI *i, .lalirli. * ^m Ki'M|»rt»rh«'n (be- 
weiften iüMMt »ich duM nutiUlich «n dor Hand 



dor dürftigen Sprachreste nicht). Dann hfttto 
man nichts desto weniger /Vw ror Umbildung 
von urgriech. *!>/« lu halti^n und dus /*/(•* 
des 4. Jahrb. als Neubildung nach «i/cr 
tayoy anzufirhon. Ich halte on aIno nncli fih 
fAlHcb, dasM (}. Mbybr, (ir. Cr.' JIM »;<»( 
9i9$99tu u. dgl. »nicht diiwimilirrto KtMnu'ir 
nennt, ala noion diese alt4>rtamlichor aU uli. 
il9to9M. 



74 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

liehe Assimilation des Anlautes (x) an den inlautenden Konsonanten (x/) 
stattfand; denn von einer „Abneigung, zwei Aspiratae auf einander folgen 
zu lassen", kann ja für die einzeldialektische Zeit nicht die Rede sein. 

In welcher Weise das Hauchdissimilationsgesetz des Urgriechischen 
in dem Falle thätig war, dass drei oder mehr Aspiratae oder h auf einander 
folgten (vgl. 7ibTcoiO-£ = *pJie-phoith-e, ts^rjTi = Hhc-the-thi), ist schwer zu 
ermitteln. Klar ist bis jetzt nur so viel, dass ausgleichende Neubildung 
die lautgesetzliche Wirkung vielfach durchkreuzt hatte. 

Vgl. Angbkmann a. 0. S. 32 ff., Fick, Bezz. B. 1 65 f., G. Meyer, Gr. Gr.^ 220. 
291 f., Osthoff, Z. G. d. P. 305 ff. 478 ff., Vf. Grdr. 1, 366 f., 422. 

Tenues und Mediae: ttvtiXm aus "^mmi^w, ayrjoxcc aus ayriyo^cc. 
Angermann a. 0. S. 28 ff. 

Über Dissimilationsprozesse in reduplizierten Formen s. insbesondere 
R. Fritzsche, C. St. 5, 277, Vf. C. St. 7, 185 ff. 273 ff., Osthoff, P.-ß. 
B. 8, 540 ff. 

61. Häufig kamen ganze Silben durch Dissim. in Wegfall: rsTQaxfJiov 
= TSTQl^dSQl^axijiov , aiJL(fOQSvg = ai^i(f[i-(f\oQsvg , xs'vtmq aus *x€i'r[i^-r]w(), 
^ccQ(Jvvog aus '^(>aQa[o-a']vvog. S. die Litteraturan gaben in M. U. 1, 199 
und Leo Meyer, V^l. Gramm. P, 526 f., G. Meyer, Gr. Gr.^ 293 f., 
J. Baunack, Rhein. Mus. 37, 476 ff., Vf. Grdr. 1, 483 f. 

Lautvepsetzung*. 

62. Sehr wenige Fälle stehen einigermassen sicher. 

Syrak. SQicpog = Sicpgog, herakl. rgäcpog = Td(fQog, dodon. OqscfTiwTwv 
(Karapanos, PI. XXVII 2), att. inschr. kÜtqotitov = xcxtotttqov, xazavtQoxv 
= xavavToxQv u. dgl. (Meisterhans, Gr.^ 62). XsTxvo-v = vslxXo-v (Röscher, 
Progr. von Meissen 1879 S. 53). dfjud^Qog = d^i^fiog. xtQxvog = xsyxQog. 
Lobeck, El. 1, 487 ff., Siegismund, C. St. 5, 117 ff. Bei derartigen Meta- 
thesen handelt es sich sicher zum Teil um Formen, die nur geringe Ver- 
breitung in der betreffenden Sprachgenossenschaft hatten, hie und da sogar 
vielleicht nur um ganz individuelle Produkte; das von Meisterhans a. 0. mit 
aufgeführte aTsXyyig ist gar nur Schreib versehen, da entweder (Sxleyyig oder 
axeXyig gemeint war. 

-fxsfivon' in 'Äycc-fxsfxvcov S^Qacrv-fjiäfjivwv nach de Saussure, Mem. d. 1. 
S. d. 1. 4, 432 aus ^-{jLsvfXMv (zu ai. mdn-man- n. „Sinn, Geist, Gedanke"), 
und zwar geschah die Metathesis vor der Wirksamkeit des Gesetzes, durch 
das laxvfjLfjiaL entstand (§ 20); J. Baunack, Stud. 1, 280 f. knüpft minder 
wahrscheinlich an einen Aorist "^i-iie-iiv-o-v an. 

'§{(fog = lesb. axi(fog, syrak. ipe ^= (T(fs. Ob die Schreibungen auf att. 
Vasen wie sraxä^svog = sv'^dinsrog, syqaaqjsv = eygaxpsv etwas hierher fal- 
lendes darstellen, ist fraglich, s. Kretschmer, K. Z. 29, 458 ff. 

TixTw aus Hi-Tx-M (§ 120), aber vielleicht nicht rein lautlich, sondern 
infolge des Zuges, den die zahlreichen Präsentien auf -tm wie m-xTü) übten 
(Osthoff, P.-Br. B. 8, 305); sehr unwahrscheinlich ist J. Baunack's Deu- 
tung von TixTO) Stud. 1, 248. SdxzvXo-g „Finger, Zehe", das mit dem zu 
W. deik- deig- „weisen" gehörigen lat. digitu-s nicht vereinigt werden kann, 
möchte ich auf ^dax-x-vXo- „kleine Zinke, Zacke" z.urückführen, Grundf. 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 61—63.) 75 

nt-qo-, zu ahd. zinJco mhd. zint „Zinke, Zacke" (vgl. § 70, 15 und Vf. 
dr. 2, 261). 

Über axaTiTo/nai von W. spek- s. § 125. 

Weitaus die meisten der in früheren Zeiten für Metathesis vorge- 
lebten Beispiele sind falsch beurteilt. Z. B. stand das (Tx*- in f-ax^g 
//TS etc. nicht für ö-*/-, sondern e(rx^g zerlegt sich in s-^x-f-g (Vf. M. 

ilJ. 1, 23, Fleck. Jahrbb. 1880 S. 224); ttA?;- in tiXtjto nXrjQr^g u. s. w. 
nicht aus nf?.-, sondern — idg. i^Zt^- (ai. ji;m-, lat. ple- u. s. w.), Vf. M. ü. 
1, 39 ff.; über argo)- in axQM-TÖ-g u. s. w. s. § 23; Qt^o) neben tgöu) (aus 
*f:iQl^o} § 59) von W. ucrg- entstand nicht durch Metathesis von sq zu qs^ 
sondern Qt^oi war eine Neubildung für *^a^co ^j^gay^a} = got. vaürkja, av. 
vtr'zyami, idg. "urg-iö (Vf. Lit. Centr. 1880 Sp. 943), u. a. m. 

Auslaut und Anlaut (Satzphonetik, Sandhi). 

63. Man hat zu unterscheiden zwischen absolutem und bedingtem 
Aus- und Anlaut der Wörter. Absoluter Auslaut nur am Ende des Satzes, 
absoluter Anlaut nur im Anfang desselben. Im Innern des Satzes werden 
die Wörter meist miteinander verbunden gesprochen, der ganze- Satz ist 
eine geschlossene phonetische Einheit. So ist denn die lautliche Entwick- 
lung des Wortes meist auch durch den Satzzusammenhang bedingt, namentlich 
insofern als Auslaut und Anlaut assimilatorisch auf einander einwirken. 

Nur diejenigen Änderungen, die im absoluten An- oder Auslaut ein- 
traten und eben durch die Stellung im Satzanfang oder Satzende hervor- 
gerufen waren, lassen sich als eine besondere Kategorie des Lautwandels 
Oberhaupt abtrennen. Dagegen geschahen diejenigen Änderungen, die sich 
i bedingten An- und Auslaut vollzogen, nach denselben Lautgesetzen, die 
im Wortinneren Umgestaltungen bewirkten. In vielen Fällen nahm die 
Grammatik hier auch nie eine Trennung vor, z. B. das ry aus urgriecli. ^ 
in tuu] und rjov wurde immer mit dem von fUjtiqfg u. s. w. zusammen 
behandelt. Aber auch z. B. bei den acc. pl. wie vt\u(fdg ro/nog und bei 
dem nom. sg. täXug (neben att. vvfKf&g röfiovg und tdXag)^ bei att. xum 
dor. xry/ri = xai sm, bei toX Xoyov, sg ^P66(n, xdr röjj^or, bei hora. otti 
(att. Ott) = *od ti (15 98) u. dgl. m. kann nur von solchen Lautgosotzen 
die Rede sein, die für die betreffenden Lautgruppen überhaupt galten. 
vvfKfdg entstand im Urgriech. aus vvfi(farg in Verbindungen wie vi\u<f«vg' 
xaXdrg nach demselben Gesetz, nach dem ^xnmö-g zu xtaiö-g wurde (Jj 55), 
xa:tl xi]nl aus *x«(i)<^rr« wie tlf^utt iifii]ii aus f//ur(/)*r* (jj 12. 17). Was 
TÖA Xoyov etc. und oin betrifft, so fanden solche Assimilationen zur selben 
Zeit im Innern des Wortxjs allerdings nicht statt (Wort nehmen wir hier 
im engsten Sinne, verstehen also Ziisammcnrückungen wie /rdXXf vxog (rvX- 
l^yta nicht als öin Wort). Ab< i mii <laiiiiii. weil die betreffenden Laut- 
grti! 1 der Zeit, als die Vonlnderung eintrat, im Wortinnorn überhaupt 

Di< I iiHl(*n (bei xdrvofior, xdgQMtr beachte nuin, dass die Silbontreiiining 

xdi yonm xdi'^oov gewesen war gegenüber yd tn^^ XnjtQ^vui etc.). Lt'tz- 
teres int natürlich für die fiaut Veränderung HeUmt ein gleichgiltiges Moment. 

Wenn ein Wort infolge verschiedener Stellung im Satze verschiedene 
Gestalt bekommen hat, m« werden diese verschiedenen Formen naih Ab- 



76 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

schluss der Wirksamkeit der Gesetze, die die Formverschiedenheit herbei- 
geführt haben, oft promiscue, d. h. ohne Rücksicht auf die Bedingungen 
unter denen die Differenz ins Leben getreten war, gebraucht, oder es gehl 
wenigstens die eine der verschiedenen Formen über den ursprüngliche! 
Gebrauchsbereich hinaus. So wurde vvf.icj:ag auch vor sonantischen Vokalen 
und vv/iiqävg vi\a(fäg, das in einzeldialektischer Zeit nur in Verbindungen 
wie vv/uxpavcaviarg vv^KfCcgavTag (vgl. ndvaa näacc) und im absoluten Aus- 
laut lautgesetzlich stand, auch vor Konsonanten angewandt. Diesen Pro- 
miscue-Gebrauch haben wir z. B. auf der grossen Inschrift von Gortyn, 
wo aber die alte lautgesetzliche Verteilung doch noch in der Bevorzugung 
der Artikelformen Tovg, xdvg vor Vokalen und rog xdg vor Konsonanten durch- 
blickt. So waren auch Doppelheiten wie arsyog : xsyog^ axsödvvvpn : xsSdv- 
vvfjii ursprünglich von verschiedener Gestalt des vorausgehenden Wort- 
schlusses abhängig (§ 65), aber jede der beiden Formen wurde dann ver- 
allgemeinert. Meist nun blieb man bei diesem Schwanken nicht stehen, 
die eine Form verdrängte die andere vollständig. So kamen im Attischen 
die Formen vvficpäg vofxovg rdXäg Tid^sig u. s. w. zur Alleinherrschaft (doch 
noch ig neben dg, vgl. Vf. Grdr. \, 488 Fussn. 1), umgekehrt im Nordthes- 
salischen und Arkadischen (so weit die dürftigen Sprachreste einen Schluss 
gestatten) die Formen vv^(fdg etc. (Reuter, De dial. Thess. 24 sq., Solmsen, 
K. Z. 29, 343). Im EI. hat man auf den älteren Inschriften in Bezug auf 
-g und -q (aus -z) noch den Promiscue-Gebrauch, auf den jüngeren erscheint 
-Q zur Alleinherrschaft gelangt (§ 64). a^ixqo-g und fxixQo-g promiscue, 
aber einerseits nur noch iisiödw, fjiia, anderseits nur noch (yfxsQ^aXtog, aiiv^M 
in der historischen Periode des Griechischen (§ 45. 65). 

Bei den satzphonetischen Veränderungen, die sich in vorhistorischen 
Perioden vollzogen, ist oft nicht ins reine darüber zu kommen, was im 
absoluten An- oder Auslaut, und was im bedingten lautgesetzlich eingetreten 
war. Das erschwert dann oft auch das Urteil bezüglich der Prozesse, die 
sich erst in späteren Zeiten abspielten. Und in Bezug auf diese sind wir 
häufig auch darum übel daran, weil die schriftliche Darstellung die Ge- 
staltung des Aus- und des Anlautes der Wortformen nicht genau wieder- 
giebt; der Schreiber bringt sich leicht das Wort als selbständiges Ganzes 
zum Bewusstsein und übersieht dabei die Sandhiwirkungen entweder ganz 
oder trägt ihnen nur in unvollkommener Weise Rechnung. Im Griechischen 
ist es aber in dieser Richtung mit der inschriftlichen Überlieferung im 
ganzen weit besser bestellt als mit der handschriftlichen. 

CuKTius, Stud. 10, 205 ff., G. Meyer, Gr. Gr.^ 293 ff., Breal, Phonetique syntactique. 
Mem. d. 1. S. d. 1. 6, 326 ff., Vf. Grdr. 1, 485 ff., wo (S. 490) weitere Litteratur ange- 
geben ist. 

Wir können in der folgenden Darstellung der griech. Satzphonetik 

nur das wichtigste ausheben. 

64. Auslaut. 

1. Von den in idg. Urzeit auslautenden Konsonanten (mit Absehung 



^) Dass auch die inschriftliche Über- 1 wo das Metrum Elision fordert, doch oft 
lieferung kein treues Spiegelbild der leben- pleno geschrieben ist. Sieh die Beispiele bei 
digen Rede ist, zeigt z. B. der Umstand, dass, | Meisterhans, Gr.- 54 undBiASS, Ausspr.^ 124. 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 64.) 77 

n den konsonantischen Vokalen, s. 5) blieben im Urgriech. im allgemeinen 
verändert -r -n -s und -z, z. B. tiütsq^ tcstiov döj^iar, rig e(fSQsg, tiz 
. B. tiZ di). 

'Q wurde im Kret. (Gortyn) an d- angeglichen, wie (xvi]6 Sm. 
Verbindungen wie att. inschr. ioTifli] = sv öT/'A/y mögen aus urgriech. 
it ererbt gewesen sein (§ 55). Über einzeldialektische Wandlungen des 
wie Sil Botet, ik li'iiraig, ig ^PöSoi s. § 63 S. 75. 

-g tonlos. -SS wurde im Urgriech. im absoluten Auslaut und vor 

ns. zu -s, z. B. /wrg aus *müs s^ veoTv^g aus *neuotäsSy älter ^ne^o-fat-s 

^\. näaaaa^ai aus ^nccTcaad^ai, § 48). Von -xg scheint im Urgriech. 

or andern Konsonanten als x geschwunden zu sein, z. B. tx noSeg neben 

uvögeg, ix twv neben e^ avTwr, dagegen -g aus -xg vor x, z. B. sg xoivmv, 

xi;rfg (vgl. böot. icr-xr-Sexarij); durch Verallgemeinerung der verschie- 

iien Formen wurden dann die lautgesetzlichen Verhältnisse in verschie- 

iier Weise gestört, s. § 59. In verschiedenen Mundarten kommt Nicht- 

hreibung von auslautendem -g nach Vokalen vor, wie nom. EvO^v/no, gen. 

dQoytvfv (s. G. Meyer, Gr. Gr.^ 295 f.); ob hier intervokalischer Weg- 

1 von -c- zu Grunde lag (§ 45), woran G. Meyer denkt, oder Anglei- 

iing an folgende Konsonanten (r-, q-, A-, ct-, vgl. im besonderen rrj^Tr^Xr^g 

rii^iog u. dgl., Meisterhans, Gr.^ 69 f.), in welchen Fällen auch hier 

alogische Verallgemeinerung stattgefunden hätte, bleibt zu untersuchen. 

jiii Kret. (Gortyn) td^ ^vyaztQag, wie ngoO^O^a (§ 48). 

Über die Verallgemeinerung der urgriech. Doppelheiten wie Tovg und 
-, TiO^tvg und Ti&tg in den verschiedenen Mundarten s. § 63. 

Wie weit -z neben -s im Einzelleben der Mundarten erhalten blieb, 
ißt darum nicht genau zu kontrollieren, weil wir nicht wissen, wie weit -g 
zugleich auch den stimmhaften Laut bezeichnete. Natürlich kann -$ z. B. 
in att. Tt'^g yt'^g, tovg ßovXoiurovg ebenso gut als z gelesen werden, wie es 
in i^uayo), TiQkcßvg u. dgl. als solches gelesen werden muss. Sicher setzt 
-^, wie es namentlich im Elischen erscheint, -z voraus, s. § 45. 46. 63. 
Ferner war -z Vorstufe für die Assimilationen des Gortyn., wie vued 6t\ 
nui{)6d dovTog, iS SixuaiijQior, gleichwie dixäd^o) aus "^d'txäzdio (§ 41. 52). 
Auf -z im Att. in Verbindungen wie ifjg St' lässt U^r^rct^e = 'A^i]raZ'de 
u. dgl. öchliessen. Im Urgriech. stand -yz neben -xg. Daher att. dy Jiog, 
dy ßovXi]g, e'y raqyi^Txmv u. dgl., ^V «^«x*«'^««^ (Meisterila.NS, Gr.* 82 f.), 
woneben böot. (a-yovog d. i. dz-y.^ arkad. da-dtXXo) d. i. dz-ö, etc., vgl. g 59. 
Und diese Form dyz erklärt auch das y in att. dy Xiiibvog, dy ri^awr u. dgl. 
(Mei.steriians a. 0. 83 f.), da bei einer Grundform ^x ohne -g hier kein 
Anlass zur Erweichung war (vgl. xi-xAo^, xtfxrog etc.). Demnach dürftti 
das s auch in gort. toT). ln'imu w. cIl'I. vor dor Anciloichung ein stinini- 
haftes gewesen sein. 

2. Die VerHchluööluuto jedweder Üattung lielen im Urgritnli. ah. 
fiftQf = ai. ähfmnif. 3. pl. fyrov aus ♦^yro-ii (S 26), vgl. lal. tKutt; 
welcher Fall zeigt, dass dioHOH Lautgesetz jünger war als die Vokal Verkür- 
zung vor n 4- t. Dor. i]g „erat" - ai. ved. an, idg. ^t's-t. %( = lat. qui-d, 
Vük. yvi'ui aus *yi'r«ix, vgl. yviuXx-a. 3. sg. >; .sprach* wohl aUB *^'XT 
(g 112). yaA«, vgl. gen. yäXaxt-og. dtvgo vermutlich aus *dtv((on (g 74, 3). 



78 — A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

xqT n. wohl aus '^xQid^, vgl. xQiO^rj. Dieser Wegfall scheint vorzugswei| 
dem absoluten Auslaut angehört zu haben, vgl. das Verbleiben des V( 
schlusslautes in *o'for ti, ^a^ÖT nwg (älter "^apod), hom. otti orcTiMg (§ 9( 

Anmerkung 1. Dass -t, -& auch zu -g geworden seien (*ovt(x)Ö' zu ovrcog), ist eij 
unerwiesene und unwahrscheinliche Annahme. S. Vf. K. Z. 24, 74 f. 27, 417, G. Meyi 
Gr. Gr.'-^ 294, Osthoff, M. U. 2, 53 f. 4, 243. 

3. -ni wurde im Urgriech. zu -v, wie tov = ai. td-m, e(fsqov = 
dbhara-m. Dieser Lautwandel trat im absoluten Auslaut, ausserdem voi 
Dentalen (vgl. cxvtXo-v aus "^ccix^lo-v, § 20) ein. Idg. -m fiel also damali 
mit -n zusammen (s. 1). In einzelmundartlicher Zeit richtete sich das -v 
wie die häufigen Schreibungen wie yfjy xal, ttj^ ttöXiv zeigen, nach dei 
Artikulationsstelle des folgenden Konsonanten. Aber der Nasal muss damah 
und muss auch bereits in urgriech. Zeit eine stark reduzierte Ausspracht 
gehabt haben (vgl. § 20). Denn nur so begreift sich, wie die Pausaformei 
mit nicht reduziertem Nasal x^öir und x*^^ (aus *x^w// *x*«;i*5 § 74, 1 
es bewirkten, dass die andern Kasus gen. '^x^^f^'^? *xtö|tt-og etc. v statt jU 
annahmen: hätte man in Verbindungen wie x^w^ TrazQom dasselbe volh 
^ gesprochen wie in *;fi5^o^-6g, so wäre -fi- in dieser Form erhalten geblieben. 

4.. -m -^ erscheinen als -cc, acc. sg. ^sqovt-u = "^bheront-m, ovo-pn 
=^ idg. -mn (§ 21, 1). Diese Entwicklung geschah im absoluten Auslaui 
und vor allen Konsonanten ausser ^, u. Über -lav in TioTviav für idg. 
-^^■-m s. § TO*' Anm. Wie hier -v nach der Analogie der idg. Ausgänge 
't-m -ä-m etc. angetreten war, so geschah dies auch später in kypr. 
a(y)öqiji,ä(v)Tav etc. (§ 77). 

5. -{, -u. Aus vorgriechischer Zeit waren "^ttsq^, "^vtt^qj^, "^jiQOTff, '^ttotj^ 
als antesonantische Formen überkommen (vgl. ai. pary, praty in gleicher 
Stellung), denen sich *fV/ zugesellte; aus ihnen "^ttsiq-, vttsIq, ttqoq, nog 
(arkad. kypr.), siv und durch Vermischung mit neqi, svi die Formen nsiqi- 
und «m, s. § 38. 56 und Osthoff, M. U. 4, 382 f. ; über rtog anders, aber 
gewiss unrichtig Baunack, Gortyn 22. Ein gleichartiges antesonantisches 
*rf {vv) — ai. nv {ml) vermutet Thumb, Fleckeis. Jahrbb. 1887 S. 646 f. 
in vir aus "^vp Iv (vgl. § 95j. 

Darauf, dass im Urgriech. z. B. xal inl als Jcaliepi, tvx^ ayadä als 
tuJchajiag. gesprochen wurde, beruhten die Formen Sitt. xani dor. xrjTii, att. 
Tvxäycc^fi kret. &vxäya^ä, in denen i bereits in urgriech. Zeit weggefallen 
war (§ 12). Später wurde aber die diphthongisch schliessende Form, die 
sich lautgesetzlich vor Konsonanten gehalten hatte {xal tovto, xa tvxcc etc.), 
auch wieder vor Sonanten eingeführt, z. B. xal im — haijepi^ und es fand 
dann von neuem ein Hinüberziehen des { zur folgenden Silbe statt. Aus 
letzterer erklärt sich die Messung von {avdqa) fioi evvsns- als möliennepe, 
die von derselben Art war wie die von oiog (aus ^^ioi-io-s) als höHos bei 
Homer (vgl. § 12). Die ältere Schicht {xänl) hielt sich, wie die att. In- 
schriften lehren (vgl. Mfistekhans, Gr.^ 55), besonders in der volkstüm- 
lichen Sprache. Vgl. 6. 

6. Bereits im Urgriech. fand bei auslautendem -o -a -s vor son. 
Vokalen Apokope (Elision) statt, z. B. t avzo, dji amcov, dvrjq = h{o)dv7]q, ' 
xaz aXXo, xd d'äXXa^ ydq = y'ccq. Sie vollzog sich zu derselben Zeit, als 
"^inno-ayuiyög zu iTui-aycüyög wurde (§ 17). Diese Verkürzung des Aus- 



5. Sonstiger kombinatorischer Lautwandel. (§ 04). 79 

iites übertrug sich auch auf die Stellung vor Konsonanten, und zwar am 
iihesten auf die Stellung vor ', z. B. a/r' ov {a(f ov), ovS' eig, xar a 
iO^ c(), dann auch xav tov, ndq töv u. dgl. Die Form xu = xut xavd 
uürfte eher in Verbindungen wie xaid tov durch syllabische Dissimilation 
> 61), als in Verbindungen wie xdv tov durch Reduktion von tt auf r 
tstanden sein (vgl. Baünack, Gortyn 22). Über die sehr mannigfachen 
iigestaltungen, die gerade die Präpositionen im Zusammenhang mit der 
:,'riech. Elision erfuhren, ist übrigens nicht eher möglich ins klare zu 
mmen, bis von jeder Präposition die ursprüngliche Form, bezw. die ur- 
1 anglichen Formen festgestellt sind; dass man unter allen Umständen 
' vollste Form immer als die ursprünglichste und einzig ursprüngliche 

betrachten habe, ist ein unrichtiger Standpunkt. Elisionsfähig wurden 
ch die -a und -o, hinter denen im Urgriech. / geschwunden war, daher 
,/ (=zz x{a) Ol, xa{i) oi), x ov, x sr (vgl. Blass, Ausspr.^ 43. ü4, wo auf 

Schreibung xd dv C. I. A. 2, 50 verwiesen wird), daher der „Abfall der 
rbalendung -at'' bei Dichtern und in Prosa, wie ßovXof.i syu) [A 117), und 
1 Jen ige des -01 von }.io\ 001 zoi bei Homer, wie og ß t^eXev (Z 105); 
ndahin gehören Nominativformen verschiedener Dialekte, wie t' 'Avifi- 
/.Ol, ddtXi^oi uQxat d. i. ]iddtX(foi lidq^ai, wodurch auch o^eV oSvvai 
112 erklärt und geschützt wird. Von r' = rö und vd in t'ccXXo t'uvto, 
KXa lavxd kam man dazu, auch andern vokalisch auslautenden Artikel- 
men ihren Vokal oder Diphthong zu nehmen, man bildete i'ctXXov 
vdqi etc. Im Elischen wurde diese analogische Verallgemeinerung beim 
likel zur Kegel, und man bildete sogar r'avTMv = twi' aviwv (s. J. Bau- 
' K, Stud. 1, 239 f., Meister, Gr. D. 2, 43); dabei ist zu berücksichtigen, 
•s auch im loc. sg., t'iuqoi, x'uQttcd, und im nom. pl., r' 'AvqiöoXoi, die 
sion bereits lautgesetzlich eingetreten war, vgl. auch xdno = xal dno 
demselben Dialekt. 

Anmerkung 2. Ob neben -o -a -e auch -v irgendwo lautgesetzlich edidiert worden 

z. 13. in uviov, txoif^' «*'," ea&* oniog, ist mir mehr als zweifelhaft. Wahrscheinlich 
• n, wie bei m'Qi : ns^i u. dgl. (5), auch sonst überall Düppolformen mit sonantischem 

^' nsonantischem i, je nach der Stellung vor konsonantischem oder sonantischem Au- 

(iriechische hineingekommen (vgl. ai. äjti und djfy u. s. w.), und infolge der As- 

-.yn des i an etliche der vorausgehenden Konsonanten entst^ind der Schein der Elision. 

Neben der Elision ging wohl in allen Mundarten die Kontraktion 
(Kra^is) einher, wie in tdXXu aus td liXXa, O^uitga aus td l'ifQa, ion. 
«»'r^(» aus ü dvi^Q, lokr. tr]\' aus td er. Oft findet sie sich auch bei den 
Schlussvokalon, die im Urgriech. hinter sich i verloren hatten (5;, wie 
Mu/il dor. xyri = x(t(i)tm, xuyuO^ög = xa(i)ayai^üg, fiovati fui(t)i-att, 
017x0/ = 6(i)f-fwi, ni^xX'ii = tw(i)«x^';'- i"^ allgemeinen war diese Art der 
Beseitigung des Hiatus ohne Zweifel jünger als die Elision. Unter ge- 
wihhon, noch nicht festgCKtellten Bedingungen (wahrschoiniich dor Saf/- 
iKjtonung) trat keine Eliniun ein, hielt hieb also z. B. i« itXXa neben rü/./ir, 
*u iv (vgl. ausser dem oben zitierten xa dv auch kypr. nd d(v)%\ = ndi 
aiu ('<iLMTz, Or. D. n. CO, 5) neben x* dv ( - xuk /i»), und in einzol- 
dialekti < Inr Zeit geschah dann die Kontraktion.') Nur der Kchriftlichen 



ttl uXktt {luXXa) neben t' ^XXtt 

\f\\ tt' tfnitt und dorgl. peu gebildet Mei, 
daif »chweilicii ungiMiummon werden. Denn 



dann wäre man auch xu der Annahme go* 
nötigt, daM einnml Hni<»kt>nMonHnti»rho «rt. 
ftö .- Kui, fioi u. dgl in wtiU'U'm rnifany 



80 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



Darstellung, nicht der Sache nach war von der Krasis die sog. Aphäresi^ 
verschieden, wie i^iov 'näxovaov. 

Ahrens, De crasi et aphaeresi, 1845. Kühner, Ausf. Gr. V 173 ff., 182 ff. Curtil> 
St. I 2, 279 ff. Hartel, Hora. St. 3, 43 ff. Christ, Metr.^ 32 ff. G. Meyer, Gr. Gr. 
140 ff. 162 ff. BLASS, Ausspr. »124 ff. Meisterhans, Gr.'' 54 ff. 

Anm. 3. Das sogenannte v ecpeXxvoTixov verdankte sein Dasein nicht dem Streben 
den Hiatus zu vermeiden. Sein Gebrauch im Altertum regelte sich auch keineswegs nacli 
der bekannten Theorie späterer Grammatiker (y^\. u. a. Maassen, Leipz. Stud. 4, 1 ff. 
FiCK, Die homer. Odyssee 33 f.). Der Konsonant hatte vielmehr, wie jeder andere au.s 
lautende Konsonant, ursprünglich einen etymologischen Wert, nur sicher nicht überall, 
wo er auftritt, z. B. nicht in ^eixvvaaiv und eXeyev. Seine grosse Ausbreitung in einigen 
Mundarten verdankte er dem Wirken der Analogie. Von wo das v seinen Ausgang go 
nommen hatte — vermutlich von mehreren Formationen zugleich — , ist noch nicht sicho 
ermittelt. Vermutungen bei G. Meyer, Gr. Gr.^ 297, Osthoff, M. U. 4, 231, Z. G. d. P. 340 1 
und andern. Vgl. auch § 92 über -cpiv und § 201, 1 über vvv. Da die ältere lesbisch 
böotische und lakonische Prosa das v icpsXx. noch nicht kennen (Meister, Gr. D. 1, 12- 
258, MüLLENSiEFEN, Diss. phil. Arg. 6, 195 f.), so ist anzunehmen, dass die wuchernde Aus- 
breitung erst im einzeldialektischen Leben der Sprache erfolgte. Am spätesten scheint -y 
an die 3. sg. pl. des Verbum gelangt zu sein, im Attischen etwa auf folgendem Weg: 
Xsyovaiv (dat.) — Xiyovaiv (3. pl.), sialv - eaxiv, xii^rjaiv, eXeyev. Im Herakleischen hatte 
der dat. pl. -cftp (neben -fft), aber noch kein -y in der 3. pl., in iczl und flxaiv (Meister, C. 
St. 4, 413). 

65. Anlaut. 

1. Doppelheiten wie ssqaiq und sQaiq^ aXsicpco und XiTta, sQvop,ai und 
Qvo}xai entstanden aus satzphonetischen Verschiedenheiten. Siehe § 28 und 
vgl. auch § 53. 

2. Idg. r- und f- erscheinen stets als aq- und oq-, wie in uQxTo-g, 
oQd^o-g. S. § 23. Es war dies ohne Zweifel die Form des absoluten An- 
lautes. Qci = lit. \r idg. *r entstand nach Konsonanten (§ 201). 

3. Die Verschiedenheiten wie (STsyog und Ttyog, axiSva^iai und xiSva- 
(jLui,, andü) und Trrjvo-g, aiiixqö-g und fiixQo-g waren zum Teil aus vorgriech. 
Zeit mitgebracht und hatten sich im Uridg. bereits durch Sandhi entwickelt. 
S. Osthoff, M. U. 4, 329 f., von Fierlinger, K. Z. 27, 196, Vf. Grdr. 
1, 447, G. Meyer, Gr. Gr.^ 247 f., 249 f. Das a kann auch auf griechi- 
schem Boden in Verlust gekommen sein im bedingten Anlaut, und dies ist 
überall da das wahrscheinlichere, wo die verwandten Sprachen nur Formen 
mit s- bieten. Verlust des c- in der griechischen Entwicklungsperiode ist 
bei sm- sn- natürlich auch überall da anzunehmen, wo für den Anlaut noch 
(Xß- vv- nachweisbar ist, s. § 45. 

4. Durch Assimilationsprozesse war im Urgriechischen öfters eini 
geminierter Konsonant entstanden, und dieser blieb nach sonantischem Aus- 
laut bis in die einzeldialektische Zeit. 

Jci-: oT€ aaevaiTo P 463, otcoIcc aaa onotd ri^a, s. § 38. sr-: xaxd\ 
QQOOV ^ 254; sl-: ots X^^sisv; sn-: cog ts wicfäSeg M 278. S. § 45, WQi 
gezeigt ist, dass für solchen volleren Anlaut auch die Formen wie xara- 
QQ€(o, d-XXrjxTog, dyd-vvi(fog^ (piko-fif.i8i6rjg indirekt zeugen. Bereits im ürgr. 
wurde die Geminata im absoluten Anlaut und nach Konsonanten verein- 
tacht: (TevcQ, megar. (fd, Qoog, ^y(o, vi(fa, fisi^dco, und indem diese Form 



bestanden, von denen aus xd ep, xäv neben 
x' iv u. s. w. entsprangen. Dass Formen 
wie x« auch vor Konsonanten gesetzt wurden, 
dafür kenne ich nur ein sicheres Beispiel: 



kypr. xd nori Collitz, Gr. D. n. 68, 1 ; ausser- 
dem war das bis jetzt unaufgeklärte dvo 
neben cTtJw vielleicht die alte Neutralform 
= ai. dve, idg. *d{u)'i^oi, s. § 84, 2. 



6. Betonung. (§ 65—66.) gl 

\inn durch Verallgemeinerung auch nach sonantischem Auslaut eingeführt 

iirde, verdrängte sie hier allmählich die Form mit Geminierung ganz. 

»mer. xvfxa qöoio steht also auf einer Linie mit nqu-gkca u. dgl. (s. § 45). 

i Homer finden wir nun freilich anlautende Nasale und /- oft, ja meist 

ch da verdoppelt, wo die Gemination keine etymologische Begründung 

tte, z. B. a/t« di rrtifog J 274, zu viy:og = ai. vdhhas, idg. *nehhos. 

lier es war natürlich, dass man die Doppelformigkeit, die in einigen Fällen 

Recht bestand, der Bequemlichkeit der Versifizierung halber auf andere 

örter übertrug; ich stehe hier auf Seite von Cürtius, Stud. 4, 489 gegen 

vRTEL, Hom. Stud. V 25 ff. und G. Meyer, Gr. Gr.2 279 f. Ob bei Homer 

ch i=i=-, wie Y^'^'^^o FF^^X^ (J^- Havet, Mem. d. 1. S. d. 1. 6, 324 f.)? 

cht urgriechisch war qq- = pQ-, wie r« qQr\'§8iv M 198 vgl. f-ggr^^ce; 

fragt sich, ob nicht bei Homer noch i=q- gesprochen wurde, s. § 13 S. 31. 

ue erst in einzelmundartlicher Zeit entstandene Geminata zeigt auch das 

»rdthessalische: oi Tzo).iaQxoi (§ 3G). 

5. rgä-Tce^u im absoluten Anlaut aus *7rr(>of-, s. § 35 S. 55. 

0. Vielleicht war in Fällen wie fihsydXov (inschr.) die Tonlosigkeit 
> anlautenden Konsonanten durch vorausgehenden tonlosen Auslaut (-$) 
wirkt worden, s. § 51. 

7. Bei oTioid tt«, afiixgcc tta entwickelte sich das Gefühl für eine 
' iiisale Abhängigkeit des rra von vorausgehendem -a, so dass man diese 
rbindungen als ottoI' cczza, ai.uxg dxta empfand. Die Folge waren Aus- 
ücke wie Plato's TtTtaga iv avToTg arra. In ähnlicher Weise entsprang 
rfxcc = l'rtxa in Verbindungen wie ixsivovvsxa aus sxeivov l'rsxcc. Sieh 
ACKERNAGEL, K. Z. 28, 109 ff. ÄhuHches aus dem Neugriechischen bei 
V, Bezz. B. 12, 38 ff., z. B. dßgdtur^Xa „Schlehen", entsprang aus t« 
((iii^Xa, das man als i'ücßgafir^lcc empfand. 

6. Betonung. 

L. «iöTTLiNo, Allgem. Lehro vom Accent der griech. Sprache, 1835. J. Hadley, 
Über Wesen und Theorie der griech. Betonung, C. Stud. 5, 4U7 flF. F. Misteli, über 
griech. Betonung 1875 (vgl. das liitteraturverzeichnis S. 3 ff.), Krläuter. zur allgem Theorie 
der griech. Betonung, 1877. J. Wackernaoel, Der griech. Verbalaccent, K. Z. 23, 457 flF. 
L. ScnKOKDEK, Die Accentgesetze der homer. Nominalcomposita, mit denen des Veda verglichen, 
ebend. 24, 101 ff. Th. Bk.nfey, Dieeigentliohe Accentuation des iiid. praea. von fV und ff« sowie 
einiger griech. I'rllpoHitionen, in: Vedica und Linguistica 1880. M. Bloomfield, lii.storical 
and critical remark«, introductory to a comparativo study of Greek accent, Amer. .lourn. of 
Phil. 4. 21 ff., The origin of the recessive accent in (Jreek. ebend. !), 1 ff. J Kühl, Die 
B«MlrMitung des Accents im Homer, Progr. von Jülich 18H3, Bk/zenbekuer in s. Boitr. 
7, ♦!»! ff. K. Meister, Bemerkungen zur dor. Accentuation, in: Zur griechischen Dialektttl.iLrir. 
1883. F. Hansse.n, Der griech. Circuniflex stammt aus der Ursprache, K Z. 27, • 
B. I, WiiEKLEK, Der griech Nominalaccent, 1885. K Lüokhil. Zur Frage über die \ 
tuation der Wiirter un<l Wortformen im CJriech., Hb. Mus. 43. 1 ff. 220 ff Vf. iJrdr. 1. 
hl¥) ff. (vgl. das liitteraturverzeichnis S. 5m flF.). D. I'ezzi, lia 1. gr. ant. 128 AT. (wo auch 
•in liitteraturverzeichnis). Blass, AuHspr. ' 127 flF. 

66. Der Accent des Altgricchisclion war, so viel sich erkennen Hlsst, 
im wesentlichen ein musikalischer oder chromatischer, d. h. das Hervor- 
hchcn des sonaniischcn KlomontcH d(>r 8111)0 geschah im wesentlichen durch 
Stimmerhöhung, nicht Stimmverstärkung. 

Die überlieferte Accentbezeichnung berücksichtigt zu gleicher Zeit den 
Silbon-, den Wort- und den Satzaccent, obschon den ersten und den letzten 

lUodbucb drr kiMi. A lUrtuaMWi—Duchift II 8. Aufl. U 



82 



A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 



nur sehr unvollständig. Die innerhalb der einzelnen Silbe sich abspielenc 
Tonbewegung wurde durch den Unterschied von Akut und Zirkumflex smi 
gedrückt, aber nur, wenn die Silbe die hervorragendste im Wortkörpeil 
war, z. B. ^otarjg, fxovaa. Beide Accente dienten also zugleich dazu, den 
Sitz des Hochtons im Worte anzuzeigen. Durch den als Modifikation des 
Akuts erscheinenden Gravis in ßaaiXevg iy^vsvo (gegenüber SysvsTo ßaaiXavg) 
und den Gravis in ttsqI tovtov (gegenüber tovtov neqi) sowie durch Nicht- 
accentuierung von Wörtern {xaXercov saxi, avfi (fsqs vgl. ai. sdm hhara) 
wurde auf Satzbetonung Rücksicht genommen. Es gab indessen im Altertum 
auch vollständigere Accentuationsmethoden, bei denen dem Gravis eine andere 
Rolle zukam (s. Blass 129 f.). 

In der Zeit der idg. Urgemeinschaft, in welcher die dem Hauptton 
vorausgehende Silbe die in § 24 besprochenen Schwächungen erfuhr (z. B. 
pU- aus pete-, in TTTs-a&ai), muss der Accent einen stärker exspiratorischen 
Charakter gehabt haben. Dieser scheint aber noch vor der Zeit der Auf- 
lösung der idg. Ureinheit einem vorwiegend musikalischen Charakter ge- 
wichen zu sein, und dieser blieb dann im Griechischen bis in die christ- 
liche Zeit hinein. Nur wenige und nicht ganz sicher gedeutete Laut- 
erscheinungen der vorchristlichen Periode der griech. Sprachentwicklung 
sind Zeugnisse für exspiratorischen Charakter des Accentes: die verschiedene 
Behandlung von ^cr in oqqo-q und ovQä u. dgl. nach Wackernagel (s. § 45), 
und die von so in v£og und vovfxrjvia u. dgl. nach demselben (K. Z. 29, 138)» 
Bald nach Chr. Geb. trat, wie gewisse Thatsachen der Metrik zeigen, der 
exspiratorische Accent energischer hervor, und bereits im Mittelalter hatte 
die griech. Sprache dieselbe wesentlich exspiratorische Betonung, die sie 
heute besitzt. 

Der Gegensatz von Zirkumflex und Akut war aus der Zeit der 
idg. Urgemeinschaft überkommen. Dabei ist zweierlei zu unterscheiden. 

1. hatte das Griechische in dem Zirkumflex eine der „schleifenden* 
oder „geschleiften" Betonung des Litauischen entsprechende Betonung be- 
wahrt, z. B. gen. Tifiäg, wie lit. gerös[-ios), im Gegensatz zu riixa, wie lit. 
ger6{-ji). Diese Betonungs Verschiedenheit galt nicht nur für die hoch- 
tonigen Wortsilben, bei denen allein sie graphisch zur Anschauung gebracht 
wurde, sondern auch anderwärts. Tieftoniges -oi im Auslaut war lang, wo' 
die Silbe, wenn sie Hochton hatte, den Zirkumflex zeigt, z. B. loc. ol'xoi 
neben 'la^fioi, dagegen kurz, wo die Silbe als hochtonige den Akut zeigt, 
z. B. nom. 01x01 neben xaloi: das wortschliessende -01 von olxoi war also 
zirkumflektiert, das von olxoi akuiert; vgl. auch opt. Xsinoi und lit. 
te-suke „er mag drehen." Wir nennen diesen Zirkumflex den schleifenden.^) 

2. entspricht die Doppelheit Zsv : Zsvg der altindischen voc. dyäus\ 



^) Wenn die im Vedischen oft vorkom- 
mende metrische Auflösung eines langen 
Vokals in zwei kurze auf unserer Zirkum- 
flexbetonung beruhte, wie Bezzenbergek, 
Gott. gel. Anz. 1887, S. 415 ansprechend ver- 
mutet, vgl. z. B. gen. pl. a'paam = apam 
wie nodtoy, acc. gaam = gdm ßcoy, nuu = 
rt'i. pv-y, so müsste in Bezug auf die nicht 



stimmenden Fälle (s. Oldenbekg, Die Hymnen 
des Rigv. 1, 1 63 ff.) angenommen werden, dass, 
was ursprünglich nur in einer bestimmten 
Anzahl von Formen zu Recht bestand, auf 
andere Fälle übertragen wurde. Und das 
wäre nur so denkbar, dass die schleifende 
Betonung in dem Zeitalter der Entstehung 
der Lieder im Absterben war. 



6. Betonung. (§ 66.) 83 

m. dyäüs. Während der Akut ein steigender, bei einem sonantischen 

i'ment von zwei Moren auch noch auf der zweiten Mora ansteigender 

u war, wurde bei diesem Zirkumflex die ganze ansteigende Bewegung 

hon der ersten Mora zu teil und die zweite hatte nur absteigende Be- 

gung (^). Bei Zsv (vgl. näreQ neben Trart^Q) handelt es sich, ebenso 

'.K' bei dem in eJf.ii, ot6a, ßf]v für ältere Worttonlosigkeit eingetretenen 

d sicher gleichgesprochenen Zirkumflex (vgl. unten), um die Verleihung 

> Hochtons, genauer der ganzen ansteigenden Tonbewegung an eine vom 

irtende möglichst entfernte Mora, und so mag dieser Zirkumflex der 

zessive heissen. Er hatte aber wahrscheinlich auch dieselbe Form mit 

in bei Kontraktionen wie in rq^g = TQt'sg, tatiattg aus iavadreg, rceXXa 

< tu aXXct entstandenen Zirkumflex (vgl. ai. diviva aus divi iva) und mag 

I diesen Fall der Kontraktionszirkumflex genannt werden. 

Ob die beiden Zirkumflexarten {tmug etc. und Zav etc.) schon in 
1 alexandrinischer Zeit zusammengefallen waren, wissen wir nicht. 

Der Gravis (ßaQelcc rrgoaciidia) wird für zwei wesentlich verschiedene 
Ue statuiert. 

1. Für die letzte Silbe proklitischer Wörter, z. B. rivd yccQ, ^^qI 
t lov, dXXd tavTa, rji av, tcc ad. Der Wortaccent bei nicht proklitischem 
brauch war riVa, TrtQi, dXXa,^) *r:-i=€,td. Die sogen. Anastrophe in TrtQi, 

10 etc. repräsentiert also die eigentliche und ursprüngliche Betonung 
ser Präpositionen (vgl. ai. txiri, dpa etc.), s. G. Meyer, K. Z. 24, 238 
„:id Benfey's S. 81 genannten Aufsatz. *v-f« ergibt sich aus der Erwägung, 
dass -f€ das von idg. Urzeit her enklitische *ue (lat. -ve) war. Auch o 
Ty Ol ul, €v, eg, €^ gehören hierher, für die man konsequenterweise o /^' 
etc. schreiben raüsste; man befreite sie vom Accentzeichen, weil Accent- 
und Hauchzeichen zusammentrafen (Wackernagel, K. Z. 28, 137). Dass 
dieser .Gravis gegen die Barytonesis keinen Gegensatz bildete, beweist 
am besten der Umstand, dass auch die Lesbier did, did() u. dgl. sprachen 
(§ 68). 

2. Der Gravis trat für wortschliessenden Akut ein, wenn das Wort 
nicht den Satz abschloss, wie ßaaiXtvg f'noh-ae, ausgenommen //c, //', die 
stets den Akut behielten, wie rtg inoir^ae: 

Ob in beiden Fällen genau dieselbe Tonbewegung stattfand, ist unklar. 
Überhaupt ist das Wesen beider Graves noch nicht sicher ermittelt. 

AniTiürkung. Wenn man bei ß(taiXti<i inoitjoe von „gOHchwächtem" oder „ge* 
dämpften! Akut' spricht, ko iHt daniit nichts nufgokliirt, 8. die treiTlichon BcmcrkungtMi 
Ton L. Mahino, Die Iluuptformon dcH serbiHch-oliorwntischcn ArcontÄ nebst einleitenden 
Bemerkungen zur Accentlehre insbcHondero des (iriech. und des Sanskrit, 187t), S. ll> ff. 
Sicher ist nur, dass die Deutung davon auH/ugehon hat. dtiMS dieser Gravis seine Stelle 
hatte, wo unmittelbar nueh ihm eine Silbe gesprochen wurde, in der die Spannung der 
Stimme anhob oder gipfelte. In TQtfc (tQtic), nttttQ, rd-de, «c rif, xaXoi ri»'fv* hatte die 
•uf den Akut folgende Silbe eine absteigen<lo Bewegung, die Spannung der Stimme begann 
in ihr iiacli/ulaiMien, und nach den Worten <'/ioö;«yf liaaiXivi irAt \ imuiigMloHi^keit, 

die I'auKr, ein. Dagegen in *ii(t<nXfvc IrniQttj^ und in *(iaatXfis folgte dem auf- 

steigenden Akut sofort wieder aufnieigende Tonbewegung. Mit *,ii(OtXn\ 2;iff(>r»^c ver- 
gleiche man, duHH auch im \Vortinn<'rn /.»«•{ Akute auf zwoi unmittelbar auf «'inander fol- 

') l nrichtig Wim iifii<i(iint;H (m>4 \ n nait iHnMiiiigk S. 100 iMMiit'ni. 

Hiss von uXXri zu (iXXft von .f. .Silin ii>t. Fest- 



§4 ^- Griechisclie Grammatik, b) Lautlehre. 

genden Moren nicht geduldet wurden, weshalb z. B. kein *ayyeXog rts, was man zunäcli.si 
erwarten sollte (s. Wheeler 126. 129). Es ist demnach zu vermuten, dass dieser Gravis 
kein lediglich steigender Ton war. 

Was den Gravis der proklitischen Wörter betrifft, so ist zu beachten, dass t« aUc. 
ebenso zu räXXa wurde, wie iaraoreg zu earcoreg. 

67. Der Wortaccent der idg. Urzeit war frei, d. h. weder an Silben- 
zahl noch an Quantitätsverhältnisse gebunden. Im Griechischen wurdo 
diese Freiheit wesentlich eingeschränkt durch das sog. Dreisilbengesetz, 
demzufolge im Ausgang eines mehrsilbigen Wortes oder einer mehrsilbigen 
Wortverbindung (Verbindung eines Wortes mit einer oder mehreren En- 
cliticae) nicht mehr als zwei, nur bei trochäischem Schluss drei Mor;i 
unbetont bleiben konnten, r^dtcov rjdtcov für '^rjSiayv *rj^io)v : ai. svädlyau. 
(fSQOfJisvog für * (pegofisvog : ai. hhdramünas. (fSQo^ivoio (hom.) für *^6^o- 
lisvoio : ai. hJidramänasya. Zsvg TJfüv (d. i. "^Zsvg tj^üv) für *Zfi'g riiiiv. 
oTtTtÖTSQog, avTog tzotsqov „ipse utrumvis" (d. i. "^avvog noTeqov) für *ö'y^of) 
7Tor8Qog, "^avrog Ttoreqov. anö-Tiaig für "^arto-riaig : ai. dpa-citi-s. dv-tni- 
x^€Tog dv-€7ii-i}€Toio für "^ av-s7Ti-^€Tog ccv-sTii-^sToio : ai. dn-apa-hitas dn- 
apa-Mtasya. Die letzte Silbe, wenn sie auf einen Diphthong ausging, 
dessen Eigenton der schleifende Zirkumflex war, galt dabei als Doppelmora, 
wie loc. sg. (psQOfXivoL (el.,böot. etc.) für ^(fsqoixsvoi : ai. hhdramäne, dagegen 
galt sie als eine Mora, wenn des Diphthongs Eigenton der Akut war, 
wie nom. pl. (psQofisvoi für "^ (fSQOfisvoi, s. § 66. Ein aus -r]o- durch sogen. 
Umspringen der Quantität entstandenes unbetontes -«w- zog keinen Wechsel 
im Tonsitz nach sich, z. B. 'ätqsi6€m, noXswg, l'Xswg (§ 19); -ew- hatte hier 
nicht den vollen Wert von ^ -, weshalb es auch bei den Dichtern sehr oft, 
in gewissen Fällen durchgängig, einsilbig gemessen erscheint. 

Innerhalb der von diesem Gesetz nicht berührten Wortsilben finden 
wir oft noch den uridg. Tonsitz festgehalten. Und zwar in folgenden Fällen : 

1. Auf der letzten Mora ausser bei daktylischem Wortausgang. 
Ttodog noai : ai. padds patsii. ßaqvg : ai. gurüs. iagog tsqog ; ai. isirus. 
na^vlog : ai. hahulds. xXvrog nsTcrög i^isrog : ai. srutds pahtds vamitds; 
dyanriTÖg. T8i(yafX€v6g : vgl. ai. sasrmänds. jTaTrjQ ^svxttjq ysvsTrjQ : ai. 
pitä yöMd janitd. irecfVMg SaTacog : ai. hahhüvdn tasthivdn; TcsTtrjyMg xs^cc^rjoK. 

Hier mögen auch genannt sein die Fälle der Übereinstimmung des 
griech. Akuts mit dem litauischen „gestossenen" Ton. Sg. g)vyä pl. (pvyai. 
Tißä Tifxai, i€Qä, dyaixrftä : lit. sg. gerö(-'ji), du. gere{-ji), vgl. § 84. 8(5. 
Du. xaXco pl. xakoi : lit. du. geru{-ju) pl. gere{-ji). 

2. Bei schleifendem Zirkumflex auf der letzten Silbe. TtoSwv, xaXwv, 
IsQcov, äyamqrdöv : vgl. lit. szunü, gerü. (pvyf^g, rlfirjg, hqäg, dyaTir^Trjg : vgl. 
lit. mergos. ^I(td^iJ.ot : vgl. lit. nam'e. xaXoig : vgl. lit. germs. 

3. Auf der vorletzten Silbe bei pyrrhichischem und trochäischeni 
Ausgang, nsqi : ai. pdri. naTsqsg, ^vycczsQsg : ai. pitdras, duhitdras. tiüTTog : 
ai. dhas. dqaxovrsg : ai. drsdntas. Hierzu auch: dyad^d ts, dya^ög rig u. dgl. 

4. Als nicht erst durch das Dreisilbengesetz bedingt kann der Ton- 
sitz auch in folgenden Fällen angesehen werden, ^vyaxeq : ai. dühitar. 
vareqog : ai. üttaras. iqöiov : ai. svddtyas. ye'vsog : ai. jdnasas. bxTw-novg : 
ai. astd-pät. (fiXog ng, ^coxqdrrjg rig, Tcarr^q (iiov, 7roTaf.ioi Tivsg. 



6. Betonung. (§ 67.) 85 

Indes trat auch im Gebiet dieser freien Wortsilben für die Tonstelle 
nach zwei Richtungen eine Beschränkung ein: 

1. Hatte, bei trochäischem Ausgang, die vorletzte Silbe einen langen 
\'okal oder einen Diphthong, so konnte nur die erste Mora desselben den 

V>n haben, d. h. die Silbe bekam stets den Zirkumflex. Es handelt sich 

.abei aber wahrscheinlich stets entweder um den rezessiven oder den 

K'ontraktionszirkumflex. Jener z. B. in fxrjzsQ (vgl. Zev), dieser z. B. in 

rroirfg aus taraoreg (nicht *£ö'rwT*g, wie man nach eazwg aus savamg er- 

arten sollte), gleichwie (foßovvt^g aus (foßtorrsg. Über die Ausnahmen 

im Dorischen, wie pl. Titwxsg^ s. § 68. Verbindungen mit Encliticae wurden 

>n diesem Gesetz nicht betroffen, z. B. TTavr'JQ ye^ d. h. der genuine Accent 

s ersten Nomons wurde durch die Analogie der Betonung des nicht mit 

Her Enclitica belasteten Nomons gehalten. 

2. Daktylisch ausgehende Oxytona wurden zu Paroxytona. ayxvXog 
i^dvXo-g : vgl. Tiay^vXvg. teXeaifÖQog : vgl. (fOQog und ilivxoTiofiTTog. sqqw- 
fievog^ axaxfuyog : vgl. (f>a/i5roc, Tsiaafisrog. Durch Analogiewirkung wurden 
diesem Gesetze viele Ausnahmen geschaffen, z. B. XsXv^uvog nach 8qq(ü' 
fie'rog, drjioßoQog nach leXeacfÖQog, umgekehrt z. B. agiaifQog nach öe^neQog. 
Nach ihm kam neben Tiovg noSog noSC lautgesetzlich otfqvg 6(fQvog oipQvi 
(ai. hhnts hhruvds hhruvi) zu stehen, und solche in mehreren Fällen laut- 
gesetzlich eingetretene Ausgleichung des Tonsitzes im Paradigma wirkte 
Ar andere Fälle vorbildlich. Vgl. Wheeler S. 60—104. 

Was nun die Entstehung des sogen. Dreisilbengesetzes betrifft, so 
handelt es sich dabei um einen auf griech. Boden neu entwickelten Wort- 
accent, dessen V^oraussetzung war, dass entweder das ganze Wort oder 
wenigstens die zwei oder drei letzten Silben desselben unbetont waren. 

Jenen Fall haben wir bei den Pronominalformen nöisQog „einer von 
beiden** (neben noaog noiog) und i^iwo)»' ijiiv (neben nov /(o/) und beim Verbum 
finitum. Dieses war seit uridg. Zeit im Hauptsatz unbetont und verlor 
hiernach im Griech. auch im Nebensatz seine ursprüngliche Betonung. So 
waren z. B. (ftQoiitv, (/f^QÖfUx'/u, 6t6oQX€ Substitut für -^ yfpo/i*r, -^ (ffQo- 
fif^a, -' dtdoQxf-. Nur tiid und y/^,u/ blieben enklitisch. Über die Aus- 
nahmen Idi, Xaßb etc. 8. Osthoff, F.-Br. B. 8, 265 f. Waren innerhalb 
eines Paradigmas von Verbalformen (ind. praes. etc.) eine oder mehrere 
Personen, die auf Grund des Dreisilbengesetzes den neuen Accent bekommen 
niussten, so erhielten auch die Formen einen neuen Accent, welche hätten 
enklitisch bleiben können, und zwar stets auf der ersten Mora, z. B. T/ifr 
hn^g^ laiitv o'idu tifu, ßtj, ßi'ti' (vgl. faffi, Xt/rofity, itraaty /ö?»;iv ß"t't*)' 
Ähnlich aXyfa Tjfitv statt ^äXyed i^fxiv nach aXyea ijinan' und ^/lii'. Aber 
^ iig, ^ tirog und hiernach ^ tircor : aXyfd firwv statt *äXy§a thutv nach 
aXyfd rti'og^ vgl. ßüanii\\ 7ii]xhu)V nach ßäattag, nrjx^tog (§ 89). 

Beispiele für den andern Fall sind Uyaint^tov für ♦'llya/if/noij) 
ift-fföfin'og für * ift'QOfitvog. 

') DiiHN in drn Vokativen dicMCT Art O. ' icluluniiii «nnobniMlIll 



(vkI ihmIi ' liiintnyntnt', '.lu(fi»Qntt() der 

hl lit an (iio St«'llo ftliorar 

'!• M wai (vgl. WiiilLKll A. 



•lor wie Tiatfff 



86 A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

Anmerkung 1. Bloomfield's gegen Wheeler gerichtete Ausführungen Amer. Journ. 
of. Phil. 9, 1 ff. scheinen mir nur unwesentliche Modifikationen der^von diesem letzteren 
Gelehrten aufgestellten Hypothese nötig zu machen. Dass in yt'pog, eldog und vielen andern 
Nominalformen nicht der altererbte Ton erhalten worden sei, dass nach gewissen, zunächst 
im Verbum finitum entstandenen Betonungstypen durch blosse lautliche Analogie, ohne Be- 
rücksichtigung der Bedeutung, diese Nomina ihren Accent erhalten hätten, leuchtet mir 
nicht ein. Warum das Griech bei Wörtern von der Form - w mit langem Vokale in 
der Penultima nur den Zirkumflex duldete, wird mir auch durch Bloomfield's Hypothese 
nicht klar; denn diesen Ton hatte auch z. B. vijsg, wo man wegen pr]6g prjdJiy doch nicht 
an neuen (rezessiven) Accent denken darf. Höchstens kann ich zugeben, dass bei ge- 
wissen Nominalkategorien, z. B. bei den Neutra auf ;oc, wo meist der alte Ton in einem Teil 
der Kasus mit der Rezessivaccentuation bereits in Übereinstimmung war {ysyog yeveog etc.) 
und nur im gen, pl. du. der neue Ton sich neu daneben stellen musste {yevsiav für *ysveoiv), 
Unterwerfung der ganzen Wortkategorie unter die Piinzipien der Rezessivbetonung er- 
folgte, vgl. z. B. sQsßog, nicht *iQ€ßog = ai. räjas und so vielleicht auch eldog für älteres 
*f eldog mit Verlegung des Tones auf die erste Mora des Diphthonges. Die allermeisten 
aber von den Nomina, die, ursprünglich Oxytona, im Griechischen eine Rezessivbetonung 
erhielten, bekamen diese ohne Zweifel nach dem Muster von anderen Nomina, die schon von vor- 
griech. Zeit her Barytona waren, wofür von Bloomfield selbst ja mehrere Beispiele gegeben 
sind, und es ist keine kühne Annahme, dass sie alle auf diesem Wege ihre neue Betonung 
erhalten hatten. Weiter auf die Einzelheiten der zum Teil sehr scharfsinnigen Erörterungen 
von Bloomfield einzugehen, verbietet mir leider der Raum. 

Durch Analogiewirkung wurde die Betonung oft gestört; einige 
Fälle wurden schon oben erwähnt. Man kann drei Kategorien unter- 
scheiden. 

1. Dass man ccv^qcottov Tiva, av&qwixog ttov, (fwßd ßov sprach, kam 
daher, dass der Accent, den das erste Wort sonst, wenn es nicht mit 
einer Enklitika belastet war, trug, im Bewusstsein lag und sich geltend 
machte. awiJid ts statt "^awfxa xs (vgl. acofiaTog) nach der Analogie von 
C«^« fj^ov und von xaXog ts u. dgl. Vgl. auch dv^Qcarcdg rig statt *ar- 
S^QWTtog Tig (vgl. § 66 Anm.) und jratrjQ ys statt ^TiaTrJQ ys (oben in 
diesem Paragraphen S. 85). 

2. Wechsel des Tonsitzes im einfachen Wort. ixvQog (vgl. ai. svd- 
sura-s) nach sxvqd, xqvaovg statt "^xQvaovg (aus x^i;o'fo-g) nach xQvaov 
aus xqvaäov, umgekehrt svvov statt "^svvov (aus svvoov) nach svvovg. fit^rrjQ, 
älter *iiirjTrjQ, statt '^jurjTrjQ (ai. mafa) nach larjrsQ (die Übereinstimmung mit 
lit. mote neben moß halte ich für zufällig) und ^vydrrjQ, älter "^^vyarrjg, 
statt ^^vyarrjQ (ai. diihitd) nach d^vyaxsq. Ti&stai statt Ti^siai nach lardai 
(§ 115). Tid^sTusv statt ^Ti'&sifjisv nach sifisv sldsii^isv (§ 145, 1). x^dricfTog 
statt '^xgaTKfTog nach xQs'aacov (§ 70, 14b.). Die durchgehende Barytonesis 
der Abstrakta auf -ti-s, wie ßdai-g, nach den andern von alters her bary- 
tonen Abstraktklassen, den Nomina auf -o-g, -og, -fxa (Bloomfield a. 
0. 30). (f€Q€TQO-v, eIvtqo-v (ai. hharitra-m varütra-m) wurden zu ^sqstqov, iXv- 
TQov = ai. hharitrasya, varütrasya hinzugestellt nach anderen nom. acc. 
neutr. auf ^ ^ ^ , gen. ^ ^ - . 

Anmerkung 2. Im Griech. waren viele Wörter als Eigenname anders betont denn 
als Appellativum, z. B, Jtoye'ytjg : dioyepijg, TeLoafiepog : reiaäueyog, 'JfxcpoTeQog : afxcpöteQog. 
In den meisten Fällen beruhte dies darauf, dass ein altererbter Betonungsunterschied be- 
nutzt wurde, um die Funktionsverschiedenheit zu markieren (s. 1. Aufl. S, 49 Fussn., 
Wheeler a. 0. 50 fi^., Pbellwitz, Gott, gel. Anz. 1886, S. 760). Abei- damit kommt man 
nicht aus. Bei der grossen Masse zum Teil jüngerer und jüngster Formationen muss an- 
erkannt werden, dass, nachdem diese Accentverschiedenheit zu einem charakteristischen 
Merkzeichen der Verschiedenheit der Bedeutung geworden war, analogetische Neubildungen 
aufkamen. In ähnlicher Weise wurde auch die altüberkommene Betonungsverschiedenheit 
zwischen Abstraktum und Nomen agentis {xofxnog : xofinög, ipevdog : xpevdtjg u. dgl., s. § 73, 1) 



6. Betonung. (§ 68.) 87 

s formatives Prinzip produktiv: z. B. nach dem Verhältnis von xQoxo-g ,wer läuft, Rad, 
-.heibe" zu TQo/o-g ^Lauf stellte man zu doh/o-g ein doXt^o-g „Langlauf". 

3. Wechsel der Tonqualität. Trag für *7räg, vgl. ßag (pag (§ 72, 3). 

:((ic für *7Tatg aus 7r«(^)/g. sig für *£l'g (vgl. ovS-si'g und rovg aus rorg), 

wa nach r(>frg (Bloomfield a. 0. 20). ij/trv für *)]intv (vgl. f/*^»') wohl 

ach ilucöi' t]ixäg (G. Meyer, Gr. Gr.^ 389). ßovg vielleicht nach ßoiv ßovv, 

_:1. Zevg neben Zt]v, u. dgl. m., s. Bloomfield a. 0. 7 sqq. Wo der 

Zirkumflex als Neuton der rezessive war, handelt es sich freilich auch 

hier um einen Wechsel des Sitzes des Accents, indem dieser um eine Mora 

nach dem Wortanfang zu rückte. 

68. Alle oben vorgetragenen Thatsachen der Betonung des Griechischen 
beruhen auf den Festsetzungen der alexandrinischen Grammatiker, die über 
die Betonungsverhältnisse der voralexandrinischen Epoche nur sehr unvoll- 
kommen unterrichtet sein konnten. Man muss sich dessen bewusst sein, 
dass die Accentsetzung für alle älteren Texte im grossen ganzen nichts 
anderes ist als einfache Übertragung der Betonung der alexandrinischen 
Zeit auf Sprachphasen, in denen die Accentuation sehr wahrscheinlich 
in vielen Punkten eine andere war. Nur die Rücksicht auf die Unter- 
stützung, die die Schreibung der Accente dem Verständnis so häufig ge- 
währt, kann es rechtfertigen, dass man Texte wie die homerischen Gedichte 
nicht ohne Tonzeichen lässt. 

A priori ist zu vermuten, dass die Betonung in den verschiedenen 
Mundarten nicht überall genau dieselbe war, und über einige Abweichungen 
von der attischen Betonung geben die Grammatiker Nachricht. 

Die Lesbier zogen den Accent überall nach Massgabe des Dreisilben- 
gesetzes zurück, z. B. Trozaiwg, ^v/nog, 'AtQSvg, ßaaiXfvg, (Tocfog, Zfvg, xv>'; 
in den beiden letzten Wörtern bedeutet der Zirkumflex Zurückziehung des 
Haupttons auf die erste Mora (vgl. § 66). S. Meister, Gr. D. 1, 31 flf. 
Dass Präpositionen und Konjunktionen wie «irr, Sta, ardg, cevraQ auch im 
Lesb. ihren Endton behielten, ist nicht auffallend, da es sich hier um den 
proklitischen Gravis handelt, der zur Barytonesis keinen Gegensatz bildete 
(8 6(3). Im Lesbischen haben wir also eine Betonung, die auf einer Linie 
stand mit der im Attischen für die vorgriech. unbetonten Formen des 
Verbum finitum eingetretenen Neubetonung, Ztvg wie ßrj, aotfog wie /^ufv, 
x^vnog wie ftfii', O^vfuo wie gtQfig, närafiog wie (ftgofifv u. s. f., s. § 67 
und Bloomfield a. (). 14. 26. Ob diese Betonungsweise sich schon geraume 
Zeit vor dem alexandrinischen Zeitalter ausgebildet hatte, ist ungewiss 
und unsere Accentsetzung in den Texten der altäolischen Dichter daher 
durchaus hypothetisch. 

Im Dorischen findet sich, im Gegensatz zum Tonsitz im Attischen, 
ein «prozcHsivor" Accent, z. B. in fXdßor, (\vi>Qumoi. inf. (nnffni. nTytq, 
UXxfiin, y/«i'J, wobei der Akut gegenüber dem att. Zirkumflex derselben 
Silbe ein Vorrücken des Accentes um eine Mora bedeutete. S. Bloomfield 
a. (). 14 sq. Leider ist die Überlieferung eine zu dürftige und tmvoll- 
kommeno (h. Meihtku'h zu Anfang dieses AbHchnittcs S. Hl genannten Auf- 
satz), als dass wir den Umfang dieser Eigentümlichkeit hoHtimmen und ihr 



8g A. Griechische Grammatik, b) Lautlehre. 

auf den Grund kommen könnten. Auch wissen wir nicht, wie weit sie im 
dorischen Gebiet verbreitet war, und ich ziehe es vor, die dorischen Sprach- 
formen für gewöhnlich, wo Accentfragen nicht im Spiele sind und nur 
die Betonungsweise die Form als dorische charakterisieren würde, ohne 
Rücksicht auf dieselbe nach attischer Weise zu schreiben. Diese Schrei-i 
bung ist ebenso wie unsere Accentuierung der hom. Gedichte und anderer 
Texte ein Notbehelf. 



Flexionslehr e.) 



1. Vorbemerkungen. 

69. Das flektierte Wort besteht aus Stamm und Flexionsendung. 
le Flexionsendungen sind teils nominale und pronominale (Kasussuftixe), 
teils verbale (Personalsuffixe). In manchen Fällen fungierte im Griechischen, 
wie in den andern indogermanischen Sprachen, der Stamm als Wort, und 
schon die idg. Grundsprache entbehrte der Flexionsendung, z. B. nom. sg. 
xXvtr^ = ai. Srutd^ idg. *klutd^ loc. sg. dönev (infin.) wie ai. Icdrmnn, 2. sg. 
-r'nf =z ai. hhdra, idg. *hhrrc. Die Annahme, dass in solchen Fällen in der 
it der idg. Urgemeinschaft ein Kasus- oder Personalzeichen abgefallen 
sei, enträt jeglicher Begründung. 

Die meisten Stämme, nominale (pronominale) und verbale, hatten im 
öriech. innerhalb des Paradigma's verschiedene Gestaltung, ohne dass hier- 
durch eine Funktionsverschiedenheit bedingt war, z. B. nattq-a TraiQ-og 
nargd-ai, (figovr-tg (ft()ov-at, öd^Lvr^-^u Süiiva-iifv^ /;-/(«/ r^a~zat. Ein Teil 
dieser Verschiedenheiten war aus der idg. Urzeit vererbt, andere hatten 
sich erst innerhalb der griech. Sprachentwicklung eingestellt. 

Aus der idg. Urzeit waren alle die Formdifferenzen überkommen, 
welche die sogenannte Stammabstufung ausmachen. Man unterscheidet beim 
abstufenden Stamme zwischen starker und schwacher Form oder starken 
nnd schwachen Formen, jene hatten Ilochstufen-, diese Tiefstufonvokalismus. 
Bei den meisten Nominalklassen waren die starken Stammformen von idg. 
Urzeit her dem nom. acc. voc. loc. sg., dem nom. acc. du. und dem nom. 
nnd wohl auch acc. pl. eigen (z. B. 7iau]Q nattQ-a nuifQ TtartQ-i^ naitQ-t-, 
natäg-tg natbo-ag; Zhv-g Zr^-r Ztv)^ die schwachen den andern Kasus (z. 
B. ntaQ-iK; tiuiq-mv ;i ta Qu-m -^ Ji(/:)-6g). Eine andere Verteilung zeigen seit 
oridg. Zeit z. B. die «-StUmme wie ijSv- iJ<J*f-, z. B. zwar nom. pl. i;(J*'(^)-fv* 
mit starker, aber nom. sg. i'^dv-g mit schwacher Stammform, und wieder 
war der Ablaut bei ilon o-Stämmen, wie «/x*- o/xo-, verteilt, z. B. 
u'. o/xo-H, loc. pl. r/xo-KTi, loc. 8g. t/xf-i und tMxo'i. Im Gebiet des 
Verbuiii I t ind bei den sogen. themavokalloHon Temi)ora und Modi schon 

1,1» I. gr. H.i , , 21H5. 



90 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

in der idg. Grundsprache die Kegel, dass die drei Singularpersonen des 
Aktivs starke, der Plural und Dual des Aktivs und das ganze Medium 
schwache Form hatten, z. B. tb-iiy-a/, laTa-fiev l'cTTa-f^iai; ol-d-a i'd-f.i€v; 
€irj-v si'fxsv. Anders waren Stammformen wie (fSQs- (fsQo- verteilt, z. B. 
fcpsQo-v tifSQs-g u. s. w. Alle diese Unterschiede der Stammgestalt waren 
aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine mechanische Folge urindogermani- 
scher Betonungs Verschiedenheiten, und man hat anzunehmen, dass mannig- 
fache Verschiebungen dieser Abstufungsdifferenzen schon bald nachdem diese 
ins Leben getreten waren, d. h. bereits vor der Auflösung der idg. Ur- 
gemeinschaft stattgefunden hatten. Auch im Gebiet der Kasussuffixe und 
der Personalendungen zeigen sich derartige Ablautbewegungen, doch treten 
sie gegen die in den stammhaften Wortteilen sich abspielenden ganz zurück, 
z. B. Genitivsuffix -os {Tiodög) und -s (Ssa-TToirjg, s. § 79). 

Ebenfalls aus der idg. Ursprache brachten die Griechen einige Ver- 
schiedenheiten der Stammform mit, die durch konsonantische Assimilations- 
prozesse hervorgerufen waren und auf die der Name Stammabstufung nicht 
angewandt wird, z. B. ^pet- in *petsü (rtoaai, § 48. 72) neben ^ped-i 
(tioSi) u. s. w., "^uoiPtha (oiad^a, § 36) neben *uoide (oiSs) u. s. w. 

In der griechischen Sprachentwicklung erfuhr der überlieferte 
Stand der Stammabstufung vielfache Abänderungen. Die meisten und tief- 
greifendsten durch Formassoziation, besonders durch Uniformierung inner- 
halb desselben Formensystems. So wurden rcaTsq-og (hom. thess.) irartQ-wv 
(att.) statt TCUTQ-og TrarQ-cov nach Tiuräq-a nccttQ-i TCccTsq-sg etc., ^vyarQ-a 
(hom.) statt d^vyaTsq-a nach d^vyarq-og etc., SwToq-og ömtoq-mv öwToq-ai 
SoTTJQ-og doTTjQ-wv 6oTfjQ-(Ti statt *-Tq-og "^-TQ-wv "^-TQa-üi nach 6ükoQ-cc dotYiQ 
etc., ysyov-a^^iei^ statt ysya-iasv nach ysyov-a etc., rsxQccif-a statt TSTQOcp-a 
nach T€TQd(p-af,i€v rsTQa^picci etc., €r?y-^6v statt sl- fxsv ndich. drj-v etc., XeXeiJiTcti 
statt *XsXi7i-Tai nach Xsinw etc. neu gebildet. Mehr nur die Oberfläche der 
Formen wurde berührt durch die lautgesetzlichen Umgestaltungen, z. B. 
s7t£-og aus ^psnsaog neben ensa-ai (§ 45), kret. (fsqovai att. (ftqovai aus 
*(p€qovT-ai neben (fäqovr-sg etc. (§ 48), rjjjiai, aus Hjcr-iaai, neben fj(f-rm (§ 45). 
Doch wurden manchmal durch lautgesetzlichen Wandel Verschiedenheiten 
geschaffen, die den aus vorgriechischer Zeit herstammenden Ablautverhält- 
nissen sehr ähnlich sehen und auf die man daher den Namen Ablaut eben- 
falls gelegentlich angewendet hat, z. B. eyvo-v yvö-vr-sg aus urgriech. "^syvw-vr 
"^yvw-vi-sg (§ 26) neben eyvw-v syvw-nsv etc., an So- : Sw- u. dgl. erinnernd. 
Die durch Lautwandel hervorgerufene Formzersplitterung gab ihrerseits 
sehr häufig wieder Anlass zu Assoziationsbildungen. Wie z. B. durch die 
Neubildungen nod-eaai und nöö-oig in einigen Mundarten der altererbte 
Abstand der Stammgestalt des loc. pl. von derjenigen der andern Kasus 
TioS-eg etc. (schon vorgriechisch "^pet-sü mit t gegenüber "^ped-i etc. mit d) 
aufgehoben wurde, so durch die Neuschöpfungen (fsqovt-saai (fsqovr-oig 
die durch griechischen Lautwandel entstandene Verschiedenheit zwischen 
(fäqovai und (psqovr-sg etc. (§ 90). xd^-rjTai für '^xa&-rj(fTai (vgl. rja-Tcci) 
nach xdO^-rjfiai -r^fis^a; rjT€ rjTov rjvrjv für rj(r-T€ r]a-Tov rja-rrjv nach ^fjiev; 
safxiv für fliniv nach «V-rt (§112). 

Es erübrigt noch, darauf hinzuweisen, in welchem Sinne wir den Aus- 



1. Vorbemerkungen. (§ 69.) 2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 70.) 



91 



ruck Suffix gebrauchen. Wie wir das, was wir die Wurzel eines Wortes 

•nnen, nicht ohne weiteres für etwas ursprünglich einheitliches und s. ]],- 

ändiges ausgeben (s. § 11 Anm. S. 28), so behaupten wir auch nirin. 

ass die Laute oder Lautkomplexe, die wir Suffixe nennen, von Anfang 

II in der Gestalt, wie wir sie aus dem Lautkörper auslösen, etwas ein- 

-itliches und selbständiges gewesen seien. Wir bezeichnen als Suffix viel- 

lehr das, was von den sprechenden in einer gewissen Periode als ein 

verschiedenen Wörtern in gleicher Weise eigenes formatives Element em- 

I pfunden wurde und seine Stelle hinter der „Wurzelsilbe" hatte. So reden wir 

B. von einem nominalen Stammbildungssuffix -es- in *gen-cs-*nehh'eS'(ytvoq 

t(foc) etc., obwohl "^(jenes- vielleicht durch Antritt von s an gene- zu stände 

gekommen war. Und wir sprechen von einem gleichartigen Suffix -o- (oder -e-) 

in *gon-0' (yöro-c) und einem präsens- und aoriststammbildenden Suffix -o- 

(oder -e-) in *gen-o- {f-yer-6-ut^r), obwohl die Lautkomplexe *gonO' *gone- 

*geno- "^gene- vielleicht nicht durch Zusammensetzung entstanden waren, 

mdern von allem Anfang eine Einheit gebildet hatten. Die naive Analyse, 

^ eiche die sprechenden an den Formen vollziehen, ist nicht durch alle 

I Perioden hindurch dieselbe. Sie verschiebt sich mit den Umgestaltungen, 

^io die Formen erleiden. So waren die die Kasussysteme von y^^'^^* f*'y«c 

;c. ausmachenden Formen für die Griechen nur zu der Zeit <r-Stämnie 

(ta : oc-Stämme), als das intervokalische c noch gesprochen wurde: y«ro»: 

*yivta-0Q *yivea-i etc. Dagegen konnte später, als die Formen wie ytiog ytiov^ 

yivd yi'rr^ yevon' ytveai entstanden waren, nur y*i- n-g- etc. als das den 

Kasusformen gemeinsame, als „Stamm" empfunden werden, -c- schwand 

bereits in urgriechischer Zeit, und wenn wir trotzdem z. B. sagen: ,dio 

*(y-Stämme erfuhren im 4. Jahrh. v. Chr. die und die Umwandlung*, so 

ist das eine abgekürzte Ausdrucksweise, die sich aus praktischen Gründen 

nicht wohl umgehen lässt. Vgl. u. a. von der Pfoh!»tkv Zur Qescb. d. 

griech. Denomin. 1886, S. 1 ff., Vf. Grdr. 2, 17 flf. 

2. Nominal- und Pronominalflexion. 
Die nominalen StammklassenJ) 

1 Nomina mit stammbildenden Suffixen. 

70. A. Suffixe auf Vokale. 

I. Suffixe auf -o und -(t. Bei den o-StAmmen Wechsel zwischen 
-e- und -0-. e im s^'. v<»c., loc. («Vi), instr. sg. (gortyn. o-m]), beim I*ro- 
nomen auch im gen. sg. (z. B. hom. f*o, g 94), vgl. ferner dwh neben 
dvoii (g 85). S. Vf. M. U. 2, 244. o z. B. im nom. aoc sg. Mehrero 
Kasus hatten seit uridg. Zeit sowohl -c- als -o-, z. B. loc. oTmh und oTjwi, imIt. 
lak. 7ti]'7iox(i gortyn. i] neben /rci>-7ror#, was auf uridg. Accentweohsal be- 
ruhfn fhiorOhor zulrfzt .f. SfHMii>T, Fe«fgniM an BOhtliiigk lOI). Marke 

; i,... :.;,.,». ............ ..aiar«f«cll»r8l»iwm«MMfun« Im A»l 

Kr. und hit. Spr., J. \U\. <; Mivnc. Hoitr. ind. und \m nri»rh., I' 

zur Stammbildungshlirc^ «Ir« (Mitch. und Ut., Ordr. 'J, Wl ff. Kwnrr ; 

C. 8t. h. H. CoLLiTz, Di« FNxion der No- ! luuioten Back« sditAltfW UttMii««!. 



92 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



die Trübung der ursprünglichen Stammgestalt in X^M-g aus "^hjoq ^ dor. 
Xä6g (§ 19). Bei den (I-Suffixen Ablaut ä \ a. a im voc. sg. {vv^Kfo)^ 
nom. acc. du. (s. § 84. 86). 

Die o-Stämme waren in vorgriech. Zeit alle Mask. oder Neutr., die 
a-Stämme alle Fem. Griechische Neuerungen waren rj vri(ro-g und o vea- 
vi'a-g, s. § 172. 

1. Suffix -0- -Ö-. Xvx-o-g : ai. vß-a-s „Wolf", ^vyo-v : ai. yug-d-m 
„Joch". nXrff-ri : lat. plag-a. -o- und -a- waren namentlich in Wurzel- 
abstrakta produktiv, wie xqöfx-o-g Xöy-o-g, afioiß-rj. Adjektiva, z. B. vs-o-g 
rt'-o-v ve-ä : ai. ndv-a-s ndv-a-m ndv-ä „neu" lat. nov-o-s nov-o-m nov-a. Mit- 
unter Übertragung des Ausganges von o- oder ß-Kasus auf andere Stamm- 
klassen, ohne dass dadurch die Bedeutung dieser andern Stämme modifiziert 
wurde, wie -oiiv -oiv in noS-ouv noö-oTv (§ 85), noS-oig für noaC (§ 90), 
tioUt-ov für urgr. ^TtoXirCtg? (§ 79, 2), ßaXlovr-avg für ßccXXovt-ag (§ 87). 

Suffix -tr-o- -tr-a-, -tl-o- -tl-a- (Weiterbildung aus -ter-, § 71%2). 
Vorzugsweise mit der Bedeutung des Werkzeuges oder des Ortes der Hand- 
lung. (fsQ-TQo-v (pe'Qs-zQO'V i lat. fcT-culu-m praefericulum, ai. hJiari-tra-m 
„Arm" (das, mit dem man trägt). Xsx-tqo-v. QVj-TQä. av-rXo-v av-rXo-g av-rXrj : 
vgl. ai. dma-tra-m „Gefäss, Krug, Trinkschale". 

2. Suffix -io- -(ä-, 'iio- -iiä-.^) Verbaladjektiva, öfter mit der 
Bedeutung des sogen, part. fut. pass. oder part. necessitatis, wie äy-io-g 
„venerandus" : ai. ydj-ya-s dass.; das Neutr. substantivisch, aifccy-io-v. 
Weiter war -io- lebendiges Suffix in denominativen Adjektiva, wie tkxtq- 
to-g : lat. patr-iu-s, mTr-io-g : sd. dsv-iya-s „equinus", n;st,6-g aus *7re(f-/o-g 
: ai. pdd-ya-s „den Fuss betreifend". Das Fem. und das Neutr. zu solchen 
Adj. oft substantivisch: (fwTrjQ-ia „Rettung" zu (fcoTrjQ-io-g, ion. avayxairj 
„Notwendigkeit" zu ävayicmo-g, ^sXxrrjQ-io-v „Ergötzung, Zauber mittel" zu 
^€XxT7]Q-iO'g; solche Neutra in nachhomerischer Zeit mit Deminutivbedeu- 
tung, wie oQvid^'io-v, aamS-io-v {-iSio- wurde als selbständiges Suffix weiter- 
getragen, z. B. ddsXcp-iSio-v). An den Gebrauch in denominativen Adjek- 
tiva schliesst sich der in Komposita an, wo -lo- seit uridg. Zeit Zeichen 
der adjektivischen Geltung des Wortes war, wie ofio-nd-cQ-io-g (: altisl. sam- 
fed:-r „von gleichem Vater") neben ofjLo-TiccTcoQ (§ 105, 2). Endlich -io- 
zu weilen mit der Bedeutung der Vergleichung (komparativisches -«'ö-), wie 
aXXo-g aus *dX-{o-g : lat. al-iu-s, fjisaao-g iisao-g aus "^fjis^-^o-g : ai. mddh-ya-s 
„medius"; von diesem -io- scheinen die Komparativsuffixe -ien- und -ies 
(§ 73, 3) ausgegangen zu sein. 



i 



*) Benseler, De nominibus propriis et 
Latinis in is pro ius et Graecis in ig iv pro 
iog Lov terminatis, C. St. 3, 147 ff. Aly, De 
nominibus to suffixi.ope formatis. Berol. 1873. 
Akens, Üb. die Adjektiva auf taog, eiog, 
TjCog, oiog, mog, Emmerich 1873. G. Meyer, 
Das Nominalsuffix lo im Griech., K. Z. 22, 
481 ff. FiCK, Zum sogen. ja-Suffix im Griech., 
Bezz. Beitr. 1, 120 ff. Zacher, De nomini- 
bus Graecis in -aiog, -aia, -caov, Halle 1877. 
Fritsch, Zum Vokalismus des Herodotischen 
Dialektes (über -rjio- und -ho- in Ableitungs- 
silben), Hamburg 1888. Streitberg, Die Ab- 



stufung der Nominalsuffixe -io- und -ien- im 
German. und ihr Verhältnis zu der des Indo- 
germanischen, Halle 1888. In der letzt- 
genannten Abhandlung wird wahrscheinlich 
gemacht, dass im Uridg. neben -io- -iio- eine 
Tiefstufenform -i- -i- lag, im nom. acc. voc. 
sg., vgl. z. B. lat. ali-s, fiU, osk. medici-m. 
Im Griech. war diese Suffixgestalt schon in 
vorhistorischer Zeit durch Ausgleichungs- 
prozesse verdrängt. Dass sie noch durch die 
späten Formen wie JijjurjtQi-g repräsentiert 
werde, ist durchaus unglaubhaft, s. Streit- 
berg S. 37 f., Vf. Grdr. 2, 116. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 70.) 93 

Anmerkung, -lo- verband sich öfters mit vorausgehenden suffixalen Elementen 
zu einem einheitlichen Suffix. Genannt ist schon -t&io- in Deminutiva. -ttjQio- war von 
solchen wie »eXxiriQ-io-g, zu feXx-rrjQ, ausgegangen. Nach ß<taiXi]{/:)-io-g ßna'dno-g von 
ßaaiUv-g u. dgl solche wie uv&Qwn-rio-g (vgl. Fkitsch, a. 0. 28 ff.). Vieles dieser Art 
bei L, Meyer, 2, 440 ff". Besondere Schwierigkeit machen -(uo-g, -oio-g, -eiog, wie in dix€tio-g, 
aXXoTo-g, oix£?o-g; ihre Entwicklung ist noch nicht genügend aufgeklärt. 

3. Suffix -uo- -ua-. Primär und sekundär. oQd^o-g aus *6q^-^0'C : 
ai. ilrdh-vd-s , aufrecht" lat. arduo-s, idg. *['dh-u6-s; lak. BoiQO^ia Bw^atu 
Cauer D.- 34. 36 ist hiervon zu trennen und mag zu ai. vardh- gehören, 
obwohl ich für das oj auch so keine Erklärung finde. Ion. xsiYÖg alt. 
xsvö-g aus *x6r-fo-g, daneben ion. xsvs-o-g kypr. xsvsvpov d. i. xers-po-v. 
Tara-{/:)o-g neben Tavv-jlMaoo-g. Wie ein Partizipialsuffix erscheint -wo- 
in lak. llr^-/:o-g kret. iXfo-g und hom. iXce'{f)o-g zu ^'ih-m *lXa-iJifv aus 
*ai-<f/.r^- *(T(-GrAa- (§ 115 c), vgl. das Nebeneinander von *(rr»;-(/r)ö>$ und 
iaTa-{/=)oK. Sekundärsuffix vermutlich in kret. i^tapo-g homer. Taao-g (nicht 
iVo-c) att. ico-g, aus ^j^tia-f^o-g, zu einer schwachen Stammform von fidog 
(Bechtel, Philol. Anzeiger 1886 S. 15, Vf. Grdr. 2 p. XIII). Ferner wahr- 
scheinlich in den Verbaladjektiva auf -rso-g, aus *-r6-/^o-c, wie Siiox-rto-g 
(sehr produktive Bildung), und den Adj. auf -ctXto-g aus *-a/f-yro-g (nueXio-g 
niulo-g 8. unten unter 11), vgl. Vf. a. 0. S. 127 f.; unhaltbar ist Ascoli's 
Herleitung des -lio- aus *-r(o-, s. § 12 Anm. Endlich in rrargiag aus 
*7iaiQU)'i=0'g, mit Q(o = f (§ 23), mit Übertritt in die Deklinationsweise 
konsonantischer Stämme (acc. TraTQco-ec); anders G. Meyek, Gr. Gr.* 315, 
Prellwitz, Gott. gel. Anz. 1886 S. 765. 

4. Suffix -wo- -na-, -nno- -nna-. In Verbaladjektiven (meist 
passivisch) und primären Substantiven, wie orry-ro-^, vir-vo-g : aksl. srtnrt 
aus ^süjy-nii; arey-vö-g wnAarty-ccvö-g, tS-avö-g fd-aro-v, SgiTi-avo-v Sgerr-dn/, 
zu den Formen auf -aro- vgl. jedoch auch Suffix -meno- (7). Sekundär in 
*-&a'Yo- *-f((r-vo-, wie (faftrö-g, sgarro-g, aeXr^vr^ (dor. aeXavA lesb. Cf/ari-rt). 
ea()t-v6-g to)0^i-vo-g u. dgl. wohl von taqi rjwO^i etc. aus gebildet, wovon 
sich ein einheitliches -no- ablöste, in SsiX-ivo-g u. a. 

-ono-. xX-6ro-g {xtXof.icei), i7(>-o»'o-^' (W. dher-), i^d-ort], Durcli Kon- 
traktion war der Anfangsvokal von -ono- oder der von -eno- (vgl. aksl. 
vcz-enü „gefahren" vrct-eno n. „Spindel") mit dem wurzelschliessenden Kon- 
sonanten bereits in uridg. Zeit verschmolzen in SvaUfVo-g (Vitfro- „Stand" 
ai. sfhfina-m), tv'/i^rto), el. <Trr-.'//*iw „Vcrtm^r" fror.T.iTZ Or. I). n. IH'M. 

.'). Die Suffixe -ino- 'inu- und -' -""- in denomi- 

nativen Adjektiva, die Stoff, Herkunft, Art bczciLinKUn (jnodiiktivo Ka- 
tegorie), wie f/rj-no-g : lat. fdg-inu-s^ aA»^.'/-/ro-c. Mit ähnlicher Funktion, 
welche in die des Deminutiven überginjLr. -im-: «yx'<"-<'»o-v*> fift'^^Q^ro-g 
(quasi „Hötling"), xo^ux-ho-g „ein rabenschwarzer Meerfisch*, auch ,junp i* 
Habe, Uubenbrut", (hXißux-ivi^ neben J*Ar/-nrt, vgl. ^'ot. «ff-Wf» n. .S<ln\rm- 
nelien gr. i-g, gdit-cin n. „Böcklein*. 

G. Suffix -cri'io- -rrrrrt- >) Sekimuai m Anj.. wi^ 
das Fem. substantivisch (Abstrakta), wie Jor/o-m ri^. Der Ai 
-ocrrirt- verallgemeinert, daher z. B. fiavt-oatni^ zu /umis, Uff^wavra .1 
pl.) nn(\ tfOKnrTri I :■: •;-, r' M 'r ;...;.,,.,: <\\ ...■.„. .,^, pi.;i \,./ . 



94 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

S. 73 f.). Engerer Zusammenhang mit ai. -tvand- z. B. martya-tvand-m 
„Menschen weise" ist kh\r, doch ist die Entstehungsart des -av- von -avvo- 
noch nicht sicher ermittelt, s. Vf. Grdr. 2, 153 f. 

7. Suffix -meno- -mena-, -mno- -mnä-. Das Suffix der part. 
med. (pass.). Im Griech. blieb in dieser Funktion nur die Ablautform 
-meno- produktiv, wie nsvO^o-fisvo-g jTevao-iisvo-g, vgl. ai. praes. hödha-mäna-s 
fut. hhötsyd-mana-s (W. hheudh- „wachen, achten"), -/ii'o- vielleicht in 
einigen nicht mehr partizipial gefühlten Nomina, wie ßtXs-i^ivo-v, (tTa-juvo-g. 
In den Partizipien der themavokallosen Tempusstämme zeigt das Arische 
-ana- -ana-, z. B. av. say-ana- ai. §dy-äna- „liegend" zu indic. ai. M-te = 
gr. x8i'Tai. Hat man diese Suffixformen mit Hirt auf -mno- -mno- zurück- 
zuführen (s. Vf. Grdr. 2, 133. 143), so gewinnt man für alle medialen 
Participia dasselbe Suffix, und aus dem Griech. können dann auf -mno- 
die Formen wie ^Si-xs-avo-g („der umlagernde", zu ai. d-sete nach v. Fier- 
LiNGER, K. Z. 27, 477), sd-aro-g (vgl. ai. indic. dd-mi), s-avo-g aus "^pea-avo-g 
(vgl. ai. indic. vds-te), und auf -mno- das Adjektiv rcz-ävo-g Trr-rjvo-g be- 
zogen werden. 

8. Suffix -mo- -mä-. Häufig als Primärsuffix in verschiedenen 
Funktionen, wie ^v-^6-g (ursprüngl. „Wallung") : lat. fü-mu-s ^ ^sQ-fjio-g 
^a'Q-firj : armen, jer-m „warm". Besonders war unser Suffix produktiv zur 
Bildung von Verbalabstrakta , wie (fXoy-fi6-g oSvQ-fxo-g xrjQvy-fx6-g, Ti-fxrj 
l^Lvrj-Hri. -T-iuo- : €QS-r-f.i6-g zu iQtaCM igt-rrj-g, icp-s-T-infi zu icf-t-rrj-g u. dgl.; 
zu dem -t- vgl. § 72, 1. -^-p.o- {-^- war das sogen. „Wurzeldeterminativ" 
-dh-, vgl. 7iXrj-^-(ü) wurde als einheitliches Suffix schöpferisch: ara-^ixo-g 
ard-^inq, ä^i-^fjio-g, xrjXrj-^iÄO-g u. a. Vgl. -r-ixsv- -d^-^xsv- § 71, 4 und 
-i>-Qo- -d^-Xo- in diesem § n. 12. 

Anmerkung. Ym 6a<jfx6-g [i^axsofi.aC), wofxo-g [w&soS), oafxij (neben älterem 6&-fj.i]), 
axio^o-g, fLi£Qia^u6-g, ev(hovoiaafi6-g (zu Verba auf -tC«, -«C^) kann man das Suffix -s-mo- 
zu Grunde legen, also &aafx6-g aus *^KT-af^o- etc. (Vf. M, U. 1, 81). Doch lässt sich auch 
mit SoLMSEN, K. Z 29, 123 annehmen, dass diese Nomina von Haus aus nur -mo- hatten 
{*daT-fj,6-g, *i6&-^u6g, c^-^rj), dass dann zuerst bei solchen, denen Perfektformen auf -a^ai, 
•afis&a, -ofisvog {a von -orcti übertragen, didaafxca nach (^s&aarm, s. § 134) zur Seite standen, 
aus diesen Formen a für den Verschlusslaut eindrang und dieser dann auch sonst (z. B. 
in öd^tj) durch a ersetzt wurde, a griff alsdann auch für das t9^ von -S^fxo- Platz, wie 
^va/uo-g für ^v-»f^6-g, »sofio-g für (lakon. und sonst) &6-x'^f^6-g. Vgl. -af^ey- § 71, 4. 

Seltner als Sekundärsuffix : Sqv-^ü pl. und ÖQv-no-g von Sqv- : ai. dru- 
ma-s „Baum"; stv-^o-g zu irso-g aus "^hsp-o-g. Das -^lo- von vo^-i^io-g 
r6(TT-ifio-g u. a. war von (fv^i-iio-g u. dgl. ausgegangen. 

Von besonderer Art war das -mo- mit Komparationsbedeutung: 
sß^ofio-g, sßSs^ato-g sßösixrixovTa (§ 29. 101) : lat. septimu-s preuss. septma-s^ 
nqo-iio-g (zu tiqo) : umbr. promo-m „primum" got. fra-m adv. „vorwärts, 
weiter". Vgl. Vf. Grdr. 2, 156 ff. 

9. Suffix -ro- -ra-, -^ro- -^rä-.^ Hing zum Teil mit dem -q 
im nom. acc. sg. neutr. zusammen, vgl. z. B. vS-wq : vS-go-g, nt-ag : m-ago-g 
(§ 78), zum Teil mit -er-, vgl. z. B. al^-rjg : aT^-gä (§ 71% 2). In sehr 
verschiedenen Funktionen, egv^-go-g : lat. ruher rub-ro-, idg. "^rudh-rö-. 
dy-go-g : ai. dj-ra-s. Korkyr. iago-g aus Ha-ago-g : ai. is-ird-s „eilend, regsam, 

^) Em. Coemaks, Les adjectifs grecs en qo- et en Äo-, Le Museon 7, 483 ff., 529 ff. 



2. Xominal- und Pronominalflexion. (§ 70.) <i;, 

frisch", idg. "^is-rro-. -i-qo- Adjektiva bildend (produktiv), zu Verba auf 
-tw, wie novr^Qo-Q zu Trortouca. Antritt des -qo- an Tempusstämme mit 
thematischem Vokal: ttt-^-qo-^' zu Tu-t-oO^ai : vgl. ai. pat-a-rd- „fliegend". 
iSX-s-Qo-g zu ö";^-*-?, wie ax-s-ro-g (Tx-i'-cri-c. Sekundäres -qo-. oi^v-gö-g zu 
oi^v-g oi^v-og, (poße-go-g zu (foßo-g, wonach -8qo- als einheitliches Suffix in 
xQccT-fQog axi-ego-g u. a. Tüs-Qo-g [ttUiqo) : ai. pJva-rd- „fett", idg. *pJ-ue- 
ro-s, neben 7rf-(^)wv 'ai. pi-van- „fett", vgl. auch Trio-ir^g; entsprechend 
r^-^e'-Qä zu rj-(xa-Ta. 

Anmerkung. muQÖ-g war nicht lautliche Variante zu TJieQo-g, sondern gehörte zu 
niuii'b), wie f^uvuu-ro-g zu ^tcv^aivio (vgl. auch maXo-g nlaXeo-g unten unter 11); ebenso 
fuctQÖ-g zu fÄudvü). Vielleicht war isQÖg Neubildung nach niegö-g axiegö-g, umgekehrt axia-QÖc 
nach TiiciQo-g fAiago-g. Vf. Grdr. 2, 171. 174. 

Zugleich als denominatives und als primäres Suffix lässt sich -go- in 
in 'ä-go- und -v-go- ansehen, z. B. oSvvi]gö-g dor. odwAgö-g neben oSvn^ 
und odvvccM, hom. o/fi'-(»o-g neben oi^v-g und oiivoi (vgl. oben att. ot^v^go-g); 
vgl. -ä-/o- 11. 

10. Die Suffixe -ero- -erä- und -tero- -tercl-, Komparative 
bildend.^) Zusammenhang mit den lokativischen Adverbien auf -(fjcr und 
-(tjer-iy vgl. z. B. vnego-g : virtg und vrrsig (aus *i''7rf^i). vntgo-g vTiego-r 
vnegä : av. upara- „oberer". Suffixform -^ro- in ri(p)-ag6'g. ^v-rego-v : ai. 
dn-tara-s „innerer, lieber, intimer". Tigö-rago-g : av. fra-tara- „vorderer, 
früherer". Suffixform -tro- in ulXo-Tg-io-g, va-igo-g (zu '66-sgo-g, vermut- 
lich kyprisch, ai. ud-ard- „Bauch"), vgl. ai. an-ird-m lat. in-tra u. a. <>li 
--Tsgo- an kasuelle Adverbia angehängt, wie iLivx^i-Tfgo-g, nakcci'-ifgo-g (indem 
nakaiiego-g auf nukiuö-g bezogen wurde, bildete man y^gnii^go-g zu y^g€a6'g 
u. dgl., und indem weiter -airsgo-g als einheitliches Suffix empfunden wurde, 
kam man zu r^aüx-ccirego-g u. dgl.), vifu'-ifgo-g, xarw-ifgo-g, dra)-rtgo), fyyr- 
Ttgo). TiO'itgo-g : ai. ha-tard-s „uter". i]fii-Tfgo-g : vgl. lat. nos-fer. -rf^o- 
wurde im Griech. bei Adjektiven da regelmässig zur Bildung des Kom- 
parativs verwendet, wo -rato- (14 S. 07) Superlativsuffix war, wie (ouo- 
Ttgo-g, ykvxv-tsgo-g^ Xcegnaitgo-g {-ptr- für älteres "^-fcti-, s. S "'-» ^)y "^i,^*"'^' 

go-g (hiervon das -eaTegO' von fvSaijttov-t'att-go'g, ^ggtojim^-tarfgo-g, fiW-o- 
taitgo-g tvvovaifgO'o). Die Formen wie aotfoi-ifgo-g waren von Adverbien 
auf -0) ausgegangen, s. § 80 und Vf. M. U. 3, 78 f. K. Z. 27, 591. 

Oft Kombination mit andern komparativischen Suffixen. Allererbt 

war '1(7-1 sgo-g in ugiaifgö-g (s. Vf. Grdr. 2, 179), wonach solche wie ^a/- 

imtgo-g; die Ausbreitung dieser Suffixkombination wurde durch den gleich- 

lutenden Ausgang von uxctgitTTt^go-g ^= ^uxagn ^ tfgo' unterstützt, «ufiio- 

ngo-g zu uiiftVMv. xvvitgo')-it-go-g. 

Auch Komparative von Substantiven; ;/rj / v' 

11. Suffix-/o- -/<Z-, -llo—lla-.^) Als l'rinmrMitli.\insehr MI 
•■ " »'•mktionon. (Ttv-Xo-g \ m. sihü-rd- sthü-ld- , massiv". 'h-/i 

l.ak. ///rr „Sitz- aus »/cT-ää (g 43) : lat. sefln, giü. 

iv'ko'v tfvXr], xuf'uXi] neben x^;Wi^ : got. ffib-Ut m. //innu". m 

n-ako-v. -r^-Xif Adjektiva bildend (produktiv), zu Vorba auf -*«• 

a/i/.Aii-c zu fiifuonm. Auf Antritt des -/o- an Tompusstammo mit il 

iiKicii, Do KradibuM cumparationiii i c«o, Qu». IWJÜ. 
n .iM^f riUo Uraocfto Utinao (ioÜii- ') Vgl. S. !M. Ku»«n. 1. 



f)ß A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

tischem Vokal beruhte wohl -e-Xo- in ev'Tqän-s-Xo-g (: lat. torculu-s aus 
Horcii-lO'), aiv(f-e-X6-g neben aiv(f-X6-g u. a. niaXo-g von maivM, wie 
niaqo-g (vgl. Anm. zu 9), und hiervon mittels des Suffixes -uo- maXso-g 
(s. oben 3 S. 93); wie letzteres, so deiiiccXto-g zu Ssi^iaivM u. dgl. m. 

Sekundäres -lo- von vorgriech. Zeit her vornehmlich mit deminuie- 
render Bedeutung (die oft mehr oder weniger verblasste) : naxv-Xo-g : ai. 
hahu-ld- ursprünglich „etwas, einigermassen dick", dfi-aX6-g : lat. simili-s. 
In späterer Zeit wurde der Ausgang -v-Xo- mit der Weiterbildung -vXXio- 
in deminutiver Funktion schöpferisch, z. B. aQxi-iXo-g av^-vXXio-v. Hierzu, 
als uridg. Erbgut, die Kosenamen, deren -lo- auf griechischem Boden 
eine Anzahl von analogischen Erweiterungen erfuhr : z. B. Ta^i-Xo-g, wonach 
2co-iXo-g; und 0Qa(fi-Xo-g, wonach 'Ay-iXo-g 'Hy-vXo-g; mit -XXo- (aus *-A-/o-) 
TiQipi-XXo-g, wonach Jöq-iXXo-g, und Bd^v-XXo-g (neben Ba^v-Xo-g), wonach 
Ntx'vXXo-g; vgl. die Kosenamen ai. Bhänu-la-s, gall. Teutalu-s, got. Vulfi-la. 
7ti-!.i€-Xr, &v-f.is-Xr], wie i^-j^iä-Qä (9). Zugleich als sekundäres und als pri- 
märes Suffix lässt sich -Xo- in -ä-Xo- ansehen, z. B. aiyrjX6-g dor. aiyäXo-g 
neben atyi] und aiydcD, vgl. -ä-Qo- (9). 

12. Die Suffixe -dh-ro- -dh-rä-, -dh-lo- -dh-lä-, nur in den 
europäischen Sprachen, gleichwertig mit -tro- -tlo- (1) und -ro- -lo- (9. 11). 
-dh- war, wie in -^-fio- (8), „Wurzeldeterminativ": vgl. ax-s-^Qo-g zu 
ax-S'd^-suev (für lautgesetzliches "^ax-s-^-sfisv , s. § 60), ferner ßd-^qo-v 
neben ßa-^^io-g, xrXrj-^qo-v neben xrjXrj-^fjic-g. oXs-^qo-g, fivXco-^qo-g, 
qs(p)8-d^Q0-v qst-^qo-v, xot^jirj-^qä. v-^Xo-g, yevs-d-Xo-v y€vt-&Xrj. Den Formen 
mit £, cc im Schluss der Wurzelsilbe (vgl. noch eSe-Mo-v, ^sXa-^qo-v, xqs^id- 
^qä) vergleichen sich die lat. verte-hra, mandi-hulu-m, condüci-hili-s u. dgl. 

13. Suffix -hho- -hhä-. Elqaif-iwTrj-g lesh/EqqacpsooTä-g, Beiname 
des Dionysos, bringt man mit ai. rsa-bhä-s „Stier" zusammen (vgl. § 45 
S. 63). 8Xa-(fo-g Gf. "^eln-bho-s, zu sXX6-g aus *f^-r-o-g, aksl. jelen- „Hirsch". 
Wohl auch xoqacfo-g (wahrscheinlich zu xoqcovrj) aus *-i^-hho-, vgl. lat. cor- 
n-i-x. Als Tiernamensuffix wurde -acpo- einigermassen produktiv, z. B. 
xdXa(po-g daxdXa(pO'g, xiqacpo-g, s. LoBECK, Prolegg. p. 291 sqq. Nicht-Tier- 
nameii : xoXacfo-g xqoraifo-g xoqvcpi], aqyv(fo-g. Nicht unwahrscheinlich ist 
der etymologische Zusammenhang dieses -bho- mit dem -(fo- von diÄcpco, a-cfw, 
s. Johansson, Bezz. B. 13, 123, wo noch weitere Kombinationen. 

14. Suffix -^ö- -^c^-.i) Zwei Gebrauchskategorien. 

a. Primärsuffix in partizipialen Adjektiven und mit ihnen zusammen- 
hängenden Substantiven. xAv-iro-g : ai. sru-td-s „berühmt" lat. in-clutu-s. 
ßa-To-g : ai. ga-td-s „gegangen", a-ßaro-g : ai. d-gata-s „unbetreten", (fsq- 
To-g, (foq-To-g : ai. hh^'-td-s „getragen" air. ed-harf f. „oblatio". v6a-To-g : 
ahd. ^65-^ n. „Wegproviant, Unterhalt". TtXov-To-g won Wm. pleu-.'^) dSd/iia- 



BüHLER, Das griech. Sekundärsuffix 
ri]?, Gott. 1858. Ebel, Die Maskulina auf 
■Tt]g, K. Z. 4, 155 ff. 

^- ^) pl-eu- neben pl-e- wie ai. dr-u- neben 
dr-ä- .laufen" u. dgl. Vgl. Vf. M. U. 1, 43 ff. 
7iXovTo-g also zu ai. plu-, plutä- „schwim- 
mend in, überschwemmt, erfüllt von". Dazu 
wohl auch das aus *ple-ios nicht berleitbare 
lat, 2ylous plus, aus *pleii-os, ursprünglich 



ein Substantivum wie mi-n-us (Vf. Grdr. 2, 
406). plürimu-s aus *2:)leu-{e)s-imo-, wie 
maximu-s aus *mah-{e)S'imo- (a. 0. 169). 
Die eigentlichen Komparativformen {pleöres, 
plisima, a. 0. 404) wurden durch die von 
jenem Neutrum ausgehenden Neubildungen 
zurückgedrängt. Im übrigen vgl. Osthoff, 
P.-Br. B. 13, 445 f. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 70 ) 97 

ro-c dnr^'To-g : SLi. dami-fd-s „domitus". f/(f-ro-c, subst. ttif-ro-g : ai. vami- 
ta-s „gespien". ysis-n- yen-Tr^-c : lat. geni-tu-s. ax-i-rö-g, fQTT-f-TÖ-v, 
uQi-ÖHx-s-io-g : vgl. ai. darS-a-td-s „sichtbar"; dv-rjvvTo-g zu d-vi-w. Vgl. 
ax-t'(Ji-g cc-vv-ai-g § 70 % 5. ßio-ro-g ßio-Ti] : vgl. aksl. zivo-fü „Leben, 
Lebewesen" lit. gyva-tä „Leben, Lebensunterhalt". Der Begriff der Fähig- 
keit oder Möglichkeit, der so oft mit den adjektivischen Formen verbunden 
war, z. B. ),viö-g „lösbar" ßctio-g „gangbar" Ü^ccviiaarö-g „erstaunlich", war 
aus vorgriech. Zeit überkommen und am frühesten, wie es scheint, in Ver- 
bindung mit negierenden Elementen {u-XvTo-g, ovx ovo^iaarö-g) entwickelt 
worden. 

Das zur Bildung von primären Abstrakta dienende -tä- (cegs-tt^ ysvs^t] 
ßgor-i)]) war schon in uridg. Zeit auch denominativ verwendet worden. 
Diese Kategorie (vgl. lat. juvcn-ta, ai. dcvä-tä- „Göttlichkeit" u. s. w.) liegt 
im Griechischen in zweifacher Umbildung vor. Einerseits wurde in diesen 
Nomina, so weit sie ihre alte abstrakte Bedeutung festhielten, -fdf- (das, 
wie -tati-, aus -fa- weitergebildet war, s. § 72, 2) an die Stelle von -ta- 
geschoben, z. B. ßagv-tr^g -iift-og : ai. guni-ta- „Schwere". Anderseits 
waren, indem unsere Abstrakta von Personen gebraucht wurden, Maskulina 
auf -rä-g entstanden in derselben Weise, wie yert-rr^-g („Erzeuger" und 
„Erzeugter") aus ysvs-rr entsprang, z. B. TroXv'ßov-vi^-g : vgl. ai. a-gö-ta- 
„Mangel an Kühen", dygo-n^-g, inno-Ta (voc, s. § 76). Die primären und die 
denominativen Maskulina auf -va-g berührten sich erstens infolge davon, 
dass z. B. oixt-Tr^-g und ysvt'tr^g den gleichen Ausgang 'exct-g hatten, so- 
dann weil Formen wie xogra-rr^-g xt^oda-rr^-g ebensowohl als denominative 
wie als partizipiale Bildungen erscheinen konnten. 

Wie dieses -fa-^ so konnte auch -to- im Griech., wie im Ar. und 
Ital., von jeher unmittelbar an Nominalstämme angesetzt werden, wodurch 
eine besondere Art von denominativen Partizipien entstand, z. B. axec-io-g 
zu axog, d-yhQaa'iO'g zu ytqag^ vgl. ai. dn-ap-ta-s „unbewässert, nicht 
wässerig" zu ap- „Wasser", lat. sceJes-tu-s zu sccius. Darauf beruhten auch 
aller Wahrscheinlichkeit nach die altererbten Neutra mit -m/i-/o-, -(/w-/o-, 
wie ovo-^utta : lat. cognö-menta, xaaav-fxata : lat. assü-meiita, nn'qaia lesb. 
niQQUTcc urgr. ^ntq-fcixu : ai. pdr-vata-s „Gebirge" (zu pdr-voti- n. .Knoten, 
Knotenpunkt, Absatz, Abschnitt"). *orr>-/<an>-r gehörte als substantivisches 
Neutrum zu einem *oi'o-/ta-ro-$ „benamt" vgl. x^aifia-ro-g zu x^a{\ua) und 
fUutete ursprünglich „das Benamtsein, die Benamiheit', wie ai. wif-/<i-m 
l.i. Totsein, Tod" neben wr-td-s „tot" (vgl. Vf. Grdr. 2, 212. 234 f. 
\\4 ff.). Im Griechischen wurde dann diese Neutralbildung schöpferisch, 
vgl. noch *<-/i«irt (vgl. tv-n'(io)r, ai. vds-tnaU' n. „Decke"), fnt'^-fiatay 0^/1»^'- 
ictia und HÖctiu d. i. fd-ptau (vgl. b\. agradvan- „zuerst essend", 8 Ki S. 32), 
aittau aus ^atic-pata (vgl. ai. stlul-vard' „stehend, unbeweglich"), und er- 
grifT zuletzt auch die neutralen -cw-StÄmme, vgl. »";i-«irt (ai. yal-an- 
„Leber") ov'^-uta (ai. üdh-an* „Euter"). Die Formen des nom. acc. sg., 
mit-ntt xuQ(( ion. xuqi^ aus *xrt(>«<y-ff, und des loc. pl., orö-finat ntigaat 
ov^'ttai, waren noch als die alten unerweiterten «-Stammformen insGriechischo 
hineingekommen, und nachdem das Grundnomen und das von ihm abgeleitete 
-/o-N<Mitrum {tro'im und ♦or«-/i«-M>-i) gloichhodcutcnd geworden waren, ver- 

il.iii'l< .1. .I> r klAM«. Alhrtiiiii-MiiMMliiHliAlt il .' Aufl. 7 



98 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



schmolzen beide Formationen zu einem Paradigma. Es geschah das so, 
dass man uvofia-ia, 6vofid-Tm' zu dem mit dem ai. Ablativadverb ndma-tas 
identischen oro/ucc-Tog ins Verhältnis setzte und diese Formen nunmehr 
als 6r6(iiaT'Cc ovoitidT-MV ovoixax-og empfand. Dadurch wurde es möglich, 
die Formen ovof.ia und ovof^iatri als Glieder dieser r-Flexion aufzufassen, 
und man schuf einerseits die Form ovo^iari neu hinzu und Hess anderseits 
Hvo^ictTO'V u. s. w. fallen. Vgl. Vf. M. U. 2, 220 ff., 227 ff., Fick, Bezz. 
B. 5, 183, Osthoff, M. U. 4, 201 f. Dass das altel. xQ^^^dtoig, wie Curtius, 
Zur Krit. d. neuest. Sprachforsch. 81 und G. Meyer, Gr. Gr. 2 358 annehmen, 
noch den dat. pl. der alten -ro-Deklination darstelle und nicht durch den- 
selben Metaplasmus erzeugt gewesen sei, der in nordwestgr. u. s. w. noö-oig 
etc. vorliegt (§ 90), ist recht zweifelhaft. 

b. -tO' als Komparationssuffix. 

Zunächst Zahlwörter. TtraQ-to-g Tttqct'To-g : lat. quar-tu-s aksl. cetvri-tü. 
l'x-To-g : lat. sex-tu-s. An eixocf-ro-g (böot. pixaüTo-g altertümlicher, mit 
a = n), TQiäxocf-To-g u. s. w. schlössen sich als Neubildungen ixavoaTo-g, 
SiäxoaiodTo-g, xi^toaTog, ferner auch nolkoaro-g^ ohyoCTo-g an. Von sva-ro-g^ 
Säxa-To-g aber löste sich -ccto- als einheitliches Suffix ab : ^TiQüof-aTO-g (zu 
*7TQ(ü'j=0' in dor. TTQav d. i. "^Tiqw-pä-v = ai. pür-va-, idg. "^pf-iio-, § 23), 
woraus att. etc. rtQMTo-g dor. TtQccro-g 1), T^ir-ccTO-g, Sßdofi-ciTo-g, fisaa-aro-g, 
ßäXT-aro'g, (ftQT-aro-g. Das aus Tqkccro-g, (pegvccro-g u. dgl. einheitlich ent- 
nommene -T«To- wurde dann das geläufige Superlativsuffix da, wo der 
Komparativ mit -r^^jo- gebildet war (10): naXm-taTo-g, Miio-TaTo-g, aocfo)- 
raTo-g etc. S. AscoLi, C. St. 9, 339 ff., Misteli, Ztschr. f. Völkerps. 11, 
469. Eine andere, mir unwahrscheinliche Erklärung des -raio- versucht 
Bezzenberger in s. Beitr. 5, 94 ff. (vgl. Vf. M. U. 3, 68 f.). 

Dann das primäre Superlativsuffix -is-to-, das seit uridg. Zeit als 
schöpferisches Suffix dem Komparativsuffix -«es- (§ 73, 3) zur Seite stand, 
z. B. Vjd-iavo-g : ai. sväd-istha-s got. suUist-s „suavissimus". Die Tiefstufen- 
gestalt des 'iS' war durch die ursprüngliche Betonung -is-tö- bedingt (Vf. 
K. Z. 24, 99, Kluge, P.-Br. B. 8, 520). Durch jüngere Neubildung kam 
'icjo- auch hinter nominale Stämme zu stehen, z. B. xdlX-iato-g zu xdXlog, 

T€()7TV-l(TT0-g ZU TSQTC-v6-g. 

15. Die Suffixe -ko -ka- und -qo- -qä-^). Auf Grund urindoger- 
manischer -k- und -g'-Stämme (Vf. Grdr. 2, 384 f.) wurden im Griechischen 
manche -xo-Nomina in die konsonantische Deklination übergeführt, z. B. 
dXcÖTTrj^ ( : ai. löpäsä-s löpälca-s), oqtv^ ( : ai. vartaJca-s), f^ieiQa'^ ( : maryaM-s), 
v€ä^ (: aksl. novaJcü). 

-ko- steht für das Griech. nirgends ganz sicher; es ist für vdxiv&o-g 
vorauszusetzen, wenn das diesem zu Grunde liegende vaxo- sich mit ai. 
ytiva-ki-s lat. juven-cii-s deckte (vgl. Vf. Grdr. 2, 237). Dagegen ist -xo- 
= -qo- öfters durch die verwandten Sprachen verbürgt, z. B. ^istqa'^ ; ai. 
marya-kd'S. 

-xQ- s elten primär, wie ^fi-xri : ai. dhä-M-s „Behälter". 

rn !^ ^' -. ?!fw^^'^ Grundform *nQo-cao-g 2) b^denz, Das Suffix x6? [ixög, (ix6g, 

(br. br.^ lo4) ist mir wegen tjqkv und att. vx6g) im Griechischen, Gott. 1858. 
Ti^iorjv minder wahrscheinhch. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 70''.) 99 

Als Sekundärsuffix zunächst in Adjektiven, die von Adverbien gebildet 
waren, jitoi-'^ für *Tr8Qt-xo-g (nach dem Muster von TvaQt^ vTie^ axp u. dgl. 
adverbial gebraucht), dazu nsQi-aao-g aus *-x-/o-g. TiQu-aana (hom. aXu 
7tQi]aaoyTsg) von *7ro«-xo-, zu Tiega TTtQä-v (Leo Meyer, K. Z. 22, 61 (F.). 
r*x«w (urspr. „mache nieder") von einem ^vi-xo- : ai. nl-ca- „niedrig, ab- 
wärts gehend" (Osthoff, M. U. 4, 223 f.). ^m-aaa (vgl. ai. apT-c-iya- 
„geheim", J. Schmidt, K. Z. 28, 122). /ntTa-aaai. Weiter in Adjektiven 
von Nomina und Zahlwörtern : (fvai-x6-q, ixam-xo-g (vgl. lat. Civl-cu-s^ av. 
lasvi-ka- „kleinlich" von kasvi-s „Kleinheit"); von den /-Stämmen aus war 
'ixo' schon in vorgriech. Zeit (s. Vf. Grdr. 2, 245) auf die anderen Stamm- 
klassen übertragen worden, z. B. ititi-ixo-q, äat-ix6-g, urdq-ixö-g (produktive 
Bildungskategorie); vereinzelt erscheinen im Griech. ein paar auf -r-xo-, 
wie yiißv-xö-g. Siaaö-g aus *cf/r/-x-/o-c ^) : ai. dvi-ka- „aus zwei bestehend" ; 
ion. di^ö-g wohl aus *S/:i-x-i^O'g {vg\. av. hi-ti/a- „der zweite"); entsprechend 
jQi-aaö-g TQi-'§6-g. 66ä^ aus *o(f«r-x(o)-g zu 666rT- (auf den Gebrauch wirkte 
deexro) ein): ai. a-dat-ka-s „zahnlos" ags. tusc tüsc „Zahn" uridg. '^(Int-qo-; 
hierher vielleicht auch SdxrvXo-g, s. § 62. Entsprechend y^'^''^ zu yrr- 
„Knie". m^Xi-xo-g, i]li-xo-g i]Xi-'i : vgl. ahd. alemann. wc-lPr „wie beschaffen" 
urgerm. *-//-x-«-^, aksl. /iO//-Zrt „quantus". Verhältnismässig selten erscheint 
im Griech. das urindogermanische deminuierende oder deteriorisierende -(/o-, 
wie //froa^ aus */<fo/ax(o)-c : ai. marya-kd-s „Männchen", 6ik(fn'^,XtUia^,vfOZVL 
luiQÜx-io-v (vgl. ogri^Z-io-v, S. 92). Hierzu Namen wie "irrncexo-g, Aäßqal^^ 
MoXvxo-g MöXv'^. Wahrscheinlich XeTiia'^ : XeittoU' und 'in^Tiaxo-g i^Ittttuh' 
wie ahd. Berldung : BerJdo, d. h. -«-x(o)- aus -n-qo-. Seltener waren auch 
die gleichfalls altererbten -tqo-^ -üqo-^ -aqo-, wie ntg^-ii, xi'n-r:^ (vg[, ai. 
kar-ü-^ „Lobsänger"), vs-ä^ (: aksl. nova-ku „Neuling"). 

16. Suffix -sko- -skü-. ßo-axi] zu ßo-axo). dfaxo-g aus "^dix-axo^ 
(S 50) zu 6ixtTr. Die (bei Homer fehlenden) Deminutiva wie Tiaidfaxo-g :jai' 
d(axi^ '^) mögen mit dem Präsens auf -/'crxw zusammenhängen, und die ältesten 
Formen dieser Art mögen als Primärbildungcn (vgl. aofaxo-g zu ttQf'ffxu)) 
zu einer Zeit entstanden sein, als diesen Präsentien noch der incohativo 
Sinn eignete, vgl. vedriaxo-g mit lat. adulcscPns. 

70». II. Suffixe auf -/-. Ursprünglich vier Ablautphason im i'ara- 
digma: -/-, -cj- w'/-, -oi-. -oi- (im gen. sg.) wurde im Griech. verdrängt, 
H wirkte» noch im loc. sg. nach, s. g 82. Da« Griech. brachte mask., fero. 
und neutrale /-Stämme aus der Ursprache mit; die Iet7.ten erHchcinen aber 
nur noch in dürftigen Resten. 

I Suffix -»-. Primäres Suffix, nicht häufig, oi^ o^s m. f. : lat. 
ov-i-s m. f. ^(>-<-« f. : ai. aV-i^s m. „Feind". iQHg aus ♦f^*»-#v : ai. tray^as, 
uridg. *//•-!- (vgl. ai. fr-flya-s^ lat. tcr'tiH's). Altes Neutrum 'o<x<ft' du. aus 
*oq-i'e (zum -jf- vgl. yoria aus *yov-p^ g 70*») : ai. dk^i, vgl. J. S<iiiin)T. 
K. Z. 26, 16 ff. 

2. Suffix 'ui-. Sehr selten, oy-i/s (gen. metaplasUsch -/«J-oy*?) ' 
t/i'v/^ . aaotQov Hesych: preuss. wag^i-s „Pflugmesaer*, Qt •yogÄ-iii-« (vgl. 
FiCK, Bezz. B. 12, 162. 168). «v-ris, vgl. ai. ü-nä-s , woran etwas mangelt*. 

au« •cf/»i f/io-f hergeleitet ' in -Uttof, Thorn 185«. 



•^QQ A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

3. Suffix -mi-. Selten. tX-iu-g f., vgl. die suffixgleichen ai. k^-mi-s 
m., lat. vcr-mi-s m., Vf. Grdr. 2, 272 f. ^t-iii-g f. : av. cla-mi-s „Schöpfung, 
Geschöpf" ; die Stammform ^A/i^r- nach Fick, Bezz. ß. 12, 7 aus ^s^i-xoc 
(vgl. oio.««-Tog S. 98) abstrahiert. 1) (pyj-f^n-g f. 

4. Suffix -r/-. Selten. cix-Qi-g ox-gi-g f. : ai. dS-ri-s „Ecke, Kante", 
lat. oc-ri-s m. TJ-^t-g : aisl. vlt-r „weise" urgerm. "^uit-ri-z. 

5. Suffix -^/-. Seit uri dg. Zeit produktiv, primäre Abstrakta(nomina 
actionis) generis fem. bildend, ri-ai-g dnö-Tiai-g : ai. dpa-ciU-s „Vergeltung, 
Strafe", do-ai-g 6co-Ti-g : aksl. da-ti „Gabe". yvM-ai-g : ai. jM-ti-s „das 
Erkennen". oQä-ai-g, d^ico-ai-g, xäO^ag-ai-g. Mit -e-ti- ax-s-ai-g, Xdx-s-6i-g 
u. a., wie ai. diß-a-tH f- „Ansehen", ähnlich d-vv-ai-g, vgl. ai-^-xb-g^ dv-ijvv- 
To-g § 70 S. 97. iidv-Ti-g m. war ursprünglich fem. Abstraktum, gleichwie 
lat. hos-ti-s, aksl. ta-tl „Dieb" u. dgl. Über die Anlehnung der -^/-Stämme 
in Komposita wie TSQipi-fxßQOTo-g an den (X- Aorist s. § 103. 

Anmerkung. Hier mögen noch genannt sein die öfter, namentlich von Danielsson 
(Om de grekiska substantiverna med nominativändelsen -w, Upsala univ. ärsskrift 1883) 
und J. Schmidt (K. Z. 27, 374 ff.) behandelten Feminina auf -w -w, wie Af]r(jo A7]xm. Schmidt 
vermutet darin öi-Stämme und vergleicht ai. sähhä „Gefährte, Freund" acc. säkhäy-am, 
welches sich aber vielleicht in sä-khäy- so zerlegt, dass -Jcha(y)- Wurzelsilbe war. Auch 
der Vergleich mit ai. pänthu-s, mänthä-s, welclie von *pänthäy-, *mänthäy- hergeleitet 
werden, ist unsicher. Jedenfalls ist ein aus vorgriech. Zeit überkommenes Suffix -öi- noch 
nicht erwiesen. Es scheint, dass -w eine Umbildung von -ai war nach dem voc. -ot (Bak- 
THOLOMAE, Ar. Forsch. 1, 30, Schmidt S. 377). Arjzoog, Arjiöi stünden für -o^-og *-oi-l. 
Acc. kret. yiüx(6v ion. Atjxovv att. AfjzcS. Die Herstellung der lesb. böot. dor. Flexion -a>, 
-log, -w, -toy vollzog sich, ähnlich wie die lesb. Flexion 'EQfxoysvrjg, -t], -rj, -t]y, -s unter dem 
Einfluss der entsprechenden Kasus der ä-Deklination (Vf. M. U. 2, 196, Meister, Gr. D. 
1, 154 f. 269 f., Schmidt S. 379). Vgl. noch G. Meyer, Gr. Gr.^ 315 f. 324. 328. 333. 
339. 344. 347. 

W\ III. Suffixe auf -u. Von den ursprünglichen Ablautphasen -u-, 
-eil — eu-, 'Oll- wurde die letzte (im gen. sg.) im Griech. verdrängt. Mask., 
fem. und neutrale ^-Stämme erhielt diese Sprache aus uridg. Zeit. 

Anmerkung, Dass in urgiiech. Zeit in gewissen Kasus gewisser Stämme -u- vor- 
handen war (vgl. ai. instr. sg. pas-v-a u. dgl. und oaas aus *oq-i-e § 70 ^ 1), zeigen 1. die 
Formen wie yovrog yovvu aus *yov-j:-og *yov-p-a (§ 57), 2. ns?,£xxo-p aus *ns^£X-f-o-y neben 
■niXexv-g u. dgl. {§ 13), 3. ep. novlv-g (dor. n(6Xv-nog) aus *7ioX-f-v-, eine Stammform, die 
durch Übertragung von *7ioA-/'- in die Kasus mit nokv- entstanden war (vgl. got. agg-v-u-s), 
s. G. Meyer, Gr. Gr.^ 92 f., Vf. Grdr. 1, 246. 

1. Suffix -U-. Primäres Suffix, vorzugsweise in Adjektiven, tttjx-v-q 
m. : ai. häh-ii-s m. „Arm", ysv-v-g f. : ai. hdn-u-s f. „Kinnbacken", ilu'^-v 
n. : ai. mddh-u n. „Süssigkeit, Honig", ßaq-v-g : ai. gur-ii-s „gravis". 
nXar-v-g : ai. prth-ü-s „breit", wx-v-g : ai. äs-ii-s „schnell", lat. acu-pedius. 

2. Suffix -iu-. In andern Sprachen häufiger auftretend, ist -m- im 
Griech. gesichert nur in lak. f-ti^-g kret. vlv-g att. (inschr.) tw-g, homer. gen. 
vtsog, Gf. *su-iii-s, vgl. ai. su-ta-s „erzeugt, Sohn". Vgl. W. Schulze, 
Commentationes philologae Gryphiswald. 1887, p. 17 sqq., Kretschmek, 
K. Z. 29, 470 f. 

Hierher würden auch die Maskulina wie vofxsv-g TTOfxrvev-g (nom. pl. 



^) Dass &e\uiaTog durch neue Anfügung j geworden. Nach Danielsson, Gramm, und 

von 'Tog entstanden sei, wie Fick will, ist I etym. Stud. 1, 51 war ^efXLGx- „ein Kom- 

nicht glaublich. In der Zeit, in welcher i promiss von ^sfxia- und ^f.M/r-", vgl. § 73, 2 

dieser Neubildungsprozess sich vollzogen haben I Anm, 

müsste, wäre schwerlich mehr -x-x- zu -ax- I 



2. Nominal- nnd Pronominalflexion. (§ 10^—10^.) ^^qI 

-t^r-^g im Kyprischen) gehören, wenn Wackernagel .s \ erknüpfuug mit 
den ai. Maskulina auf -äi/u-s das richtige träfe (K. Z. 24, 295 ff. und 27, 84 ff.). 
Doch bleiben bei dieser Hypothese erhebliche Schwierigkeiten. S. Johansson, 
De der. verb. contr. 73 sqq. und Wackernagel selbst Phil. Anz. 1887 S. 232. 
Anmerkung. Zunächst möchte man festgestellt wissen, in welchem historischen 
\'erhältniss die Nom. sg. auf -ev-g und die arkad.-kypr. auf -tj-g (z. B. yQatfr^g) zu einander 

tanden. Spitzer. L. d. a. D. 27 ff. sieht -^g als Neubildung an, während Pbellwitz, Gott. 
- "1. Anz. 1880, S. 7G5 nom. -rjg : voc. -ev für das ursprüngliche hält. Des letzteren Ge- 

lirten Verknüpfung unserer Nomina mit närquyg (vgl. § 70, 3 S. 93) scheint mir kein 
^glücklicher Gedanke. 

3. Suffix -na-. Sehr selten. Hom. ^qf^-rv-g neben att. O^Qa-vo-g. 
hy-vv-g. 

4. Suffix -rit-. Sehr selten. Säx-gv : corn. (hjr (pl. dagroti) 
»Zähre", lat. lacru-ma. Auch xcixQv-g f., xcc^qv (x«y/^r) n. und ßotqv-g 
m. hierher? 

5. Suffix -tu-:^ Verbalabstrakta und aus ihnen entstandene Kon- 
kreta, ein besonders im ion. Dialekt produktiver Bildungstypus. Nach 
Ausweis der Schwestersprachen (z. B. lat. ad-Hu-s) waren dieselben ursprüng- 
lich masc. gen., sie wurden im Griech. fem. hauptsächlich wohl durch An- 
lehnung an das Genus der -^/-Abstrakta (§ 70*, 5); das späte yT-rr-g m. 
wurde damals erst von (ft-rv n. und (fi-ivoi aus neu gebildet. ctQ-iv-g : 
lat. ar-tu-s. aanaaii-g zu ctana^oiicci, wie got. ihnassii-s „Gleichheit, 
Billigkeit" zu "^ibnatjan (ags. cmncttan) „adaequare". ßor^-tv-g. Zwei 
Neutra: aff-iv paa-rv : ai. väs-ta n. „Wohnstätte", und (ft-rv. iiv-no-g 
von *atv- „Wesen" für *h'€-iv-, vgl. ai. Ir-d-fu-s „Tüchtigkeit" und ^X"^- 
0i-g ax-^'tö-g S. 100. Den mit -ti- gebildeten Zahlsubstantiva der andern 
Sprachen, wie ai. xmTdhti-s aksl. pctX ,^Fünfheit, Fünfzahl, Anzahl von fünf", 
entsprachen im Griech. Formen auf -tv-g^ wie ntvn^xoaiV'g, rgirv-g (tgung 
unter dem Einfluss von iQiiiö-g = Hgi-xio-g), TQixTv-g, vgl. Baunack, K. 
Z. 25, 249 ff. 

70«. IV. Suffix 'i- -ic-.^) Dieses Suffix, das im Griech. infolge 
analogischer Neuerungen die Gestalten, die es im Paradigma ursprünglich 
gehabt hatte, fasst ganz einbüsste, diente seit uridg. Zeit zur Bildung von 
Feminina zu substantivischen und adjektivischen Maskulinstämmen der ver- 
schiedensten Art, ähnlich wie -ä- neben -ö-. ^ijaaa aus "^O^iji-ia zu O^rg 
yh^-i'ög. fi-i'u n-iüg aus *(ffi-ta zu A- aus *sem- (§ 74, 1). Zu M-Stäni- 
men urspr. nom. -rii-t gen. -u-v's -u-iös. fiagda aus *fiaQ(f-t€t zu fiaQ-t^-g : 
vgl. ai. (jurv-i „gravis"^); bei diesen w-Adjektiva fungierte, wie anderwärts, 
so auch im Griech. (bei Homer u. sonst) die unmoviorto Form auf -v-g 
auch femininisch. Zu cw-Stämmen: itxitaya aus *#fxfrfr-i« zu f*xiwr : 
vgl. ai. tak^i'X zu tdk^an- „Zimmerer", qdyaiva zu yayciir, iHqanatvtt nelwn 

*) Haupt. Do nominum in -ivg cxcun- ■ dors im Griech.. K. Z. .'10, IW8 ff., konuto ich 

iiuin flexionc Hotnorira. IHHM. I nicht mehr b«nOtii*ii.] 

») Hkkfky. I»if Stiffixi! fi, tu Mmiatu, 1 *) Dms da» Oriech. «urh (v«n dw Form 

K. Z. 2. 215 ff. j d«i Oon. u. w. w. aiM|(e|nnK' * 

') f>ANiEi>s 'Ic indoeurop^inkm ' -vtn gehabt habe, wio Pbki 

f. iitimria j..i *, l |mttU univi'mif««!« > Ai«. I88H. K 7<in 

.11 -Hl. (.IoiiAJ«»i»oi«*H Aufmitx Zur lieh, i'/jtii« «rl 

1 • in, l'.iMung in «Im idg. Hprachni. bmon- «Imu «I' 



102 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



pau-n-a ^§ 72, 4) zu orco-eig : ai. 
Zu ->^^-Partizipien von thema- 



^fgait-i'-rj zu ^f-QfCTC-Mv (ursprünglich ?i-Stamm, s. § 71, 1); -mra wurde 
als einheitliches Suffix weitergetragen, z. B. Xvx-mva zu Xvxo-g, r'jfxi-^saiva; 
aus TToir- 17« : ai. i^a'^wF „Herrin" darf wohl geschlossen werden, dass ein 
derartiger Prozess schon einmal im Uridg. stattgefunden hatte. Zu er- 
Stämmen urspr. -er-l -r-i.es, daher -rsiga neben -rq-ia, svvr^-rsiQa svvrj- 
roia, sv-TTaTsiga, do-rsiqa (: ai. da-tr-t lat. da-tr-i-x)^ ipäl-xq-ia. Zu iient- 

Stämmen: ono-saaa aus *-/?€T-(a für * — — ^* '^'^ ^^ "" "-^-^ "* 

äpa-vat'T zu dpa-vant- „wasserreich", 
vokalischen Tempusstämmen : (pägovaa aus *^€Qo-vT-ji,a zu ^6^wr : ai. &Äam- 
nt-T zu hhdra-nU „ferens", löovaa zu tVwi^ : ai. vidd-nt-t zu vidd-nt- „fin- 
dend". Zu Partizipien von themavokallosen konsonantisch schliessenden 
Tempusstämmen ursprünglicher Ausgang -^t-ij dor. sccaaa (kret. dat. fc«z:z^«) 
aus *f (X-ar-/« : ai. s-a^-^, uridg. *5-^^-7'; f ovcra ovtr« war Neubildung wie icav mv 
(§ 112). Zu es-Stämmen: av-aiSsia aus -«tf-f« zu av-aidrig : vgl. ai. 
rodas-i neben ro(?(«s- „Welt", lat. temp-er-ie-s zu tempus. TiVl «^es-Stäm- 
men urspr. -nes-J -us-ies, daher ysyov-sTa dor. att. (aus ^^-psa-ia) und 
yfyoi'-m«. Bei den -o-Stämmen fehlte seit uridg. Zeit der Stammauslaut 
-0- vor unserem Suffix : msiga aus "^nipsg-ß^a zu nisgö-g : ai. ptvar-t zu 
pJvard'S „fett". 

In einigen Wörtern hat -icc das Aussehen eines Primärsuffixes, z. B. 
9)1)^« aus *(fvy'ji,a. S. Vf. Grdr. 2, 319. 

Anmerkung. Der Ansatz der idg. Suffixform -i für den nom. sg. ergibt sich aus den 
Fonnen wie nom. sg. ai. sati, lat. datr-i-x, air. Brigit = ai. hrhat-t, got. frijönd-i, lit. sukant-i. 
Im Griech. war -T- wohl erhalten in noXi-xrj-g zu ai. ^^*r-^' (trotz Bechtel, Phil. Anz. 1886, 
S. 13). Der acc. sg. ging teils auf -i-m aus, vor sonantischem Anlaut (ai. -i-m), teils auf 
•ii-rp,, vor konsonantischem Anlaut (vgl. im opt. 3. pl. *s-ii-nt neben *s-i- *s-iie-, § 107). Aus 
letzterem gr. -/«»/ mit Antritt des -r nach der Analogie der Ausgänge -i-m -ä-m u. s. w. 
Entsprechend im acc. pl. -iins, das im Gr, vielleicht noch durch -tag, die antekonsonantische 
Nebenform von -Lccvg, vertreten war (§ 87). Nach -iccf wurde im nom. sg. -la für -T ge- 
bildet, -ie- als starke Suffixform setzen wir an auf Grund von lat. mäter-ie-s ac-ie-s und 
von lit. zem-e- aus *zem-ie-; es wurde durch -iä- verdrängt, z. B. gen. -iäg. Eine Fort- 
setzung dieses urgr. Prozesses war es, dass -iä- auch in den nom. acc. sg. eindrang, z. B. 
etcdgcc „Genossin" für ^excaqa (zu hago-g, s. Wheelek, Nominalacc. 59). Das Schwanken 
zwischen dXtq&eia und ('dtj&eid ion. aXr]&€ti] u. dgl. (G. Meyer, Gr. Gr."^ 55 ff.) erklärt sich 
zum Te'l wohl daraus, dass in einigen Fällen von Haus aus beide Bildungen neben einander 
gestanden hatten. 

Die Flexion der je-Stämme geriet mit derjenigen der i-Stärame, in denen je nach konso- 
nantischem oder sonantischem Anlaut der Kasusendung -i- und -n- wechselten (§ 70 ^), zu- 
sammen. Die Akkusativendung -T-m der ^e-Stämme bestand auch einmal im Griechischen, 
wie hom. noXlp ^) = ai. purim (vgl. nohä-rd-g nolirj-rrj-g noXtä-o)(o-g, die den Übertritt in 
die Analogie der iä-Stämme repräsentieren), und wurde Anlass zur Flexion noXiog u. s. w. 
Daneben stand auch noXi-, noXet- : ai. puri- und beförderte jenen Metaplasmus, da die -i- : 'ü- 
Stämme und die i-Stämme auch ihrerseits ihre Flexionen vermischt hatten (§ 70 ^). Vgl. ausser- 
dem die Doppelheiten xpdXxg-ia : Xrjarg-lg (gen. -Id-og), vijaaa aus *vuxia : ai. ät-i-s „Ente" u. 
dgl. Das Schwanken zwischen den drei Stammklassen {-i- : -ie- ; -i- -ii- ; -i- : -ei-), das zum Teil 
aus vorgriechischer Zeit stammte (vgl. Vf. Grdr. 2, 262. 314. 455), bedarf im einzelnen 
noch näherer Untersuchung. 

Die Doppelheiten dXij&sicc : clX^&eiä, evd^vva (aus *€v%hvy-ta) : sv^vvrj u. dgl. mögen 
Formen wie toXfxa ixsQLfj.va nrigva statt solcher auf -ä ins Leben gerufen haben (Vf. M. U. 
2, 199, G. Meyer, Gr. Gr.^ 57). Doch bedarf es noch näherer Untersuchung, inwieweit 
dieselben etwa ehedem Neutra auf -« gewesen waren. Die letzte Auffassung ist durch 
kret. gen. prjfiäg zu ion. elfxa u. dgl. (Wheeler, Nominalacc. 35 f., Solmsen, K. Z. 29, 64) 
nahe gelegt. 



*) Der Bemerkung von Bechtel über 
homer, noXl-g im Phil. Anz. 1886, S. 12 
stelle ich die Frage entgegen : wo hätte denn 



Homer nöXig noXiv mii / in der Senkung ge- 
brauchen können? i in der Senkung bei 
ijvlv, K 292, y 382. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§70'^— 71.) j^q3 

70'^. Mehrsilbige Stämme auf -Z^- -//- und Siui -ü- -uu-. Hierher 
gehören die Flexionen wie TröXc-g nolioq (neben noh-g TiöXeoq), ßXo- 
avQ(üni-g {A 36) und vtxv-g rexv-v vsxv-oc. Dass dieser Deklinations- 
typus aus vorgriech. Zeit mitgebracht war, ist sehr wahrscheinlich, und 
ich nehme an, dass er durch Nachahmung der Deklination einsilbiger 
Stämme auf -T- und -ü- (z. B. xT-q xi-6g, ai. hht-s hhii/-ds, 6-<fQv-g 6-(fQv-og : 
ai. bhni-s hhmv-ds) entsprungen war (Grdr. 2, 314). Die i-Stämme (§ 70*) 
wurden im gen. sg. etc. in allen Dialekten ausser dem attischen in diese 
i-Dek\. übergeführt, z. B. gen. (fvaiog = att. (fvaeog, und durch denselben 
Einfluss erklären sich die Messungen wie ngr/^iv für TTQi^'^ir bei Homer 
(Hartel, Hom. Stud. P 105). Geringer war der Einfluss der «-Dekl. auf 
die M-Stämme (70''), z. B. bei Homer 7toXv-g lO^v-v ßgcDTv-r (Hartel a. 0.). 

71. B. Suffixe auf -w.') Es sind vier: -en-, -im-, -um-, -men-. 
Dieselben standen seit uridg. Zeit im Austausch mit -o-, -io- -i- -f-, -mo-, 
-wo-. Daher Kompositionsformen wie aiiio-ßcccft'^g und av-miio-g (neben 
av-aif.i(üv) zu ai-jia (§ 103) und Ableitungsbildungen wie X'^'."-"/ zu XfT-iia 
Xfi'uoh'. Neben o-Stämmen stehend, hatten die w-Stämme seit uridg. Zeit 
das Amt, den Adjektivbegriff zu individualisieren, ein Einzelwesen zu be- 
zeichnen, das eine Eigenschaft in auffälligem Masse besitzt; daher auch 
viele Personennamen mit >i-Suffixen. Z. B. aiQaß-o-g „schielend" : aiQc'cß-iav 
„Schieler", ^lodßwr: orgdv-io-g „himmlisch" : ovQar-ton' «der Himmlische": 
vgl. lat. multi-hihu-s : hih-ö, rüf-u-s : liüf-ö. Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass -jew-, -^en- und -men- erst durch Weiterbildung von «-, t«- und m- 
Suffixen mittels -en- ins Leben getreten waren. 

Die w-Stämme waien ursprünglich teils mask. (wie x*'/twr), teils neutr. 
(wie x*'*«^«); in ccgrjwv ^tä, tgr^gayv neXeia war die Maskulinforni unmo- 
viert mit einem subst. Fem. verbunden, vgl. i]dvg ctviin] n 360 u. dgl. 
Nur ein Teil der -?V;;i-Stämme, wie mS-Tv-, scheint fem. Genus aus vorgriech. 
Zeit mitgebracht zu haben (vgl. Vf. Grdr. 2, 321 f.). 

Die starken Kasus hatten -hi- -ön-, -/^/i- -ion- -u> n- -linn- u. s. f., 
die schwachen -n- -n-, -in — in- -in- -iin-, -im- -du- -nn- -ntni, -wu- -mn- 
-mn- von vorgriech. Zeit her. 

In den schwachen Kasus stand ursprünglicii die koiisoiianiix h aus- 
gehende Suffixform vor den sonantisch anfangenden Kasiisiiiduimi'n; m» 
noch ctQ'V'Og xv-v-6g (vgl. ai. Sii-ii-as nä-mti-as) gegenüber den Noubiidungon 
wie ttxT-ov-og 7tl-{f:)oy-og noi-iitr-og ciy-öii-og. Dagegen stand die sonanUach 
ausgehende Suffixform vor den konsonantisch anfangenden Kasusendungen; 
80 noch (/gä-m', kret. nXia-m (neben nKor-og, s. g 73, 3) und (tQvt'tfSt für ♦ff^-<r# 
(»von t\Q-\'-ög u. 8. w. übernommen), und so einst auch ♦i^xm-cri (ai. tdkia-.^i) 
*ntnfu(-m für it'xio-ai noint-ai durch Angleiihung des Vokals an den der 
andern Kasus (vgl. r^S^-ai für *i]6v-ai, ßdat-at für ßdtri-m); xv-<rt für •xm-oi 
(ai. iuva-8u). Völlig verdrängt war die ui-spr. kcIi wache Suflixgostult in den 

') OMTIIOFF,Zin(HH(||ir|itr(lcHM<llWlirllOfl 1 148 ff. STKItlTIlWI«, Dio AlmlufllDK ilrr No- 

dont»clion AdjcktiviiiiiM, IHT».. Dorn. P.Hr. | tninalmifflx«« in- und ien- im (;rrm. und ihr 

H. :J, 1 ff. Vf. Di«- Mc-liwaclir Form der ! VorliÄltni» tu der d««« lndogrrin«ni»»rhrn. 

NominalHtÄinino auf n in miffixulon Writ4»r- Hallo IS^H. 

btidungcn und /uHMinniciiH«t/unK«>n, M. \' . 2, \ 



^10^ A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Neubildungen wie hom. }]yeiiöv'eaai nach dem Typus sTtsa-di (§ 90) und 
xoTvh]Sov'6(fi nach dem Typus atQarö-ifi (§ 92). Schwache Suffixform war 
ursprünglich auch Regel bei Weiterbildung mittels anderer nominaler oder 
verbaler Stammsuffixe, und oft erhielt sie sich hier, während sie aus der 
Deklination des zu Grunde liegenden n-Stammes bereits verschwunden war. 
Z. B. ysit-v-iA zu yeiTODV -ov-og, Ttxxaiva aus Hsxt^-ka zu tsxiwv -ov-og, nl- 
(p)aiv(a aus "^m-pn-kw zu m-{i=)o)v -{j^)oV'Og, noi-^v-ri noi-fxv-io-v Tioi-fxaivw 
zu Tcoi'iu]v 'fib'v-og, varvv-^iv-o-g zu ovo-fxa. Vgl. auch die Bildungen wie 
ovo-fia-ta Tteigata § 70, 14 S. 97 f. 

Was dann die starken Kasus betrifft, so war der Wechsel zwischen 
S und Ö wahrscheinlich von jeher von der verschiedenen Stellung des Wort- 
tones abhängig, vgl. z. B. <pQ-8V-sg cpQ-rjv : a-(pQ-ov-eg a-ipQ-wv, wie na-%tQ-eg 
Tict'Ti'jQ : ixrjTQo-TTd-TOQ-sg 'Ttcc-rwQ, s. § 24 S. 45. Der nom. sg. hatte von uridg. 
Zeit her überall langen Vokal, xv-mv Ttoi-fxip'. Der acc. sg. und nom. acc. pl. 
du. zum Teil -en-, wie av^-sv-a noi-ji&'v-a, und zum Teil wahrscheinlich 
-on-y wie Ttxi-ov-a ax-iiov-a. Ob auch Formen mit -ön-^ wie ovQav-icov-eg, 
aus vorgriech. Zeit überkommen waren, ist nicht sicher entschieden (Vf. 
Grdr. 2, 323 f.). Im loc. sg. war -en -en-i sicher alt, in av^-iv-i, al-{p)tv, 
dö-fisv noi-ixtv-i, und mit Rücksicht auf al-(p)i-v : al-[p)Mv, got. loc. ah-in : 
acc. ah-an, ai. räj-an-i : räj-än-am ist mir wahrscheinlich, dass -en -en-i 
auch bei den Stämmen einst im Gebrauch waren, die anderwärts in den 
starken Kasus -on- hatten, also rtxiov-i für Hsxisv-i. Gortyn. Infinitive 
wie So-firjv scheinen den av. Lokativen auf -äw entsprochen zu haben (so 
jetzt auch Johansson, Bezz. B. 13, 113, Bartholomae, K. Z. 29, 497), also 
hier -en wie im nom. sg. 

Wie die starken Stammformen vielfach ins Gebiet der schwachen 
Kasus eindrangen, so auch umgekehrt, z. B. uq-v-u (nom. aq-rjv), xv-v-cc 
(nom. xv-Mv). 

Vgl. ausser der S. 103 Fussn. 1 zitierten Litteratur noch Vf. C. St. 9, 375 f., M. U. 
3, 126 ff., DE Saussuke, Mem. 211 ff., J. Schmidt, K. Z. 25, 28. 30. 38 f., Bartholomae, 
Ar. F. 1, CoLLiTZ, Bezz. B. 10, 1 ff., Vf. Grdr. 2, 322 ff. 

1. Suffix -en-. Durch Verallgemeinerung der verschiedenen Suffix- 
gestalten waren im Griech. fünf Bildungstypen entsprungen: dq-v- (aq-v-a 
ccQ-v-6g)\ dS-ev- äga-sv- [dS-tv-a -äv-og, dqa-ev-a -sv-og)\ Ttxr-ov- «ryJ-or- 
{rexT-ov-u -ov-og, dtjd-ov-a -ov-og); 7T€vd^-rjv- (7r€v&-rjv-c( -rjv-og); xXvS-oov- 
dy-föv- (xXvd-bov-a -wv-og, dy-cov-a -wv-og). 

Seit idg. Urzeit primäre nomina agentis, deren ursprüngliche Bedeu- 
tung aber zum Teil schon in vorgriech. Zeit durch Lockerung des Ver- 
bandes mit dem Verbalbegriff eingebüsst war, so dass nur der Begriff eines 
konkreten Wesens oder einer dauernden Eigenschaft übrig blieb, t^xt-wv : 
ai. tdks-an- „Zimmerer", xv-mv : ai. sv-an- suv-an- „Hund" (nach Benfey 
„der häufig und viele Junge gebärende", zu xv-og), gen. xv-v-6g : aLsii-n-as.^) 
dq-Y'V dq-v-6g (daneben TioXv-qqrjv, das sich zu dq-r^v verhält wie TcoXv-rXäg 
zu TaXäg, ai. d-gni-s zu gurü-s) : armen, ga-rn „Lamm". dq(T-r]v ion. kret. 

1) xvyogkami für *xvvog nach xvy-a (vgl. j ärgerlichen Lapsus acc. xr-ov-« als überlieferte 

7rd<f-« : TToJ'-d?) gebildet sein. Daher unrichtig Form gesetzt; man schreibe S. 325 dafür 

Peellwitz, Gott. gel. Anz. 1886, S. 757. — voc. xvoy, während S. 328 der ganze Satz 

In meinem Grdr. 2, 325. 328 ist durch einen „Dazu kommen etc." zu streichen ist. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 71.) 205 

na-t^r : RY. ars-an- „männlich, Mann", urspr. «befruchtend, Befruchte^^ 
>(oi]y-(üv. iQvy-cov. Auch die Kategorie der Denominativa, wie Sgofi-o)*' 
(dQÖiio-g), YäcTQ-oar {yaarrjQ), scheint in vorgriech. Zeit hinaufzureichen. 
Viele Personennamen, wie XQtii-ioy (: ahd. (rrimmo), ^vx-wr (: ahd. Wolfo). 

Zuweilen Übertritt der Maskulina in die Deklination der -ort -Stämme, 
cranlasst durch den gleichen Nominativausgang -wi-, wie A«wi' A*orr-oc 
neben /fd->T«(>Jo-c (wie muo-ßc((fi\c) Xtcara (Vf. M. U. 2, 1G8 f. 197). 

Die idg. neutralen c'/?-Stämme (meistens Körperteilnamen) schlössen 
sich der auf einer Ableitung mittels -to- beruhenden Deklination der Stämme 
auf -meii- und -ficn-, wie oiofiaiog ovofiäti etc., an. xdcQd aus *xaQHa-a, 
gen. ion. xagr^atog aus "^xagäa-a-rog (vgl. xcigäio-v aus *x«^rtcr-i-o-r) : ai. 
Sirs-dn- n. „Haupt" (vgl. Vf. M. U. 2, 173 f. 227 ff., Solmsen, K. Z. 29, 
69, Danielsson, Gramm, und etym. Stud. 1, 40 ff.). i^Tr-a-Tog : ai. yak-dn- 
n. „Leber". Hierher wohl auch ^ley-a aus ^/^ley-ri : ai. niah-dn- n. „Grösse"; 
hierzu dann die Neubildungen jm'yag [ue'yccv nach der Analogie von t>/*Ar : 
^i]kv'g x/i]'/.V'V u. dgl. (Vf. M. U. 2, 175; anders, aber ähnlich .1. S. hmidt, 
K. Z. 26, 408. 27, 283 und Bartholomae K. Z. 29, 565). 

Ging die Infinitivendung -nr (dor. lesb. -/^r), wie in (ftQi^ii y^c^V'- 
aus -ffTfv hervor, was lautgeschichtlich wahrscheinlicher ist als ihre Her- 
kunft aus 'f-j=€v, so sind idg. Inf. auf *S'en ^-s-en-i (loc. sg.) anzusetzen: 
vgl. ai. Inf. wie m-^-dn-i von ul- „führen". Vgl. § 146, 4. 

2. Suffix 'ieu'. Maskulina: ovQcci-iun', ftaXax-foyy : vgl. lat. vulp-iö, 
lihell-iö; auch einige mit Verallgemeinerung der Suffixform -iti-, wie 
SfX(f'h'- „Bauchfisch" : vgl. ai. (jarhh-in- „schwanger". Feminina nur mit 
'IV- : y/wx'-n- (zu yXdöaaci aus *y/wx-/«) dxi-Tv- mö-Tv- ^ijn-ti- und mit 
Kennzeichnung des fem. Genus durch Überführung in die rt-Deklination 
vaniv-if neben vaiiTv-^ 6oniv-r^ zu Jw-t/-c; öwriv-i] stellt sich zu lat. da-tiö 
u. dgl. (Vf. Grdr. 2, 277. 335 f.). Vgl. Streitberg a. 0. 45 fr. 

Hierher gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Komparativ- 
bildungen wie i]6-iu)v -/o)'-og, wie wir § 73, 3 sehen werden. 

3. Suffix 'ticn-. (d'(/=)o)i' mit loc. sg. (u-{f)tr : ai. dy-mv- (schwaciic 
Stammform) n. „Leben". 7ii'(f:)u)v : dA. pUvan- „fett". d-TifiQwr aus ♦-;r*^ 
^ft)v, ntiQuivu) aus ^nfQ-pn-io) und neutr. neiQuta aus */rf^/rw-ra : ai. pdr- 

'iv- n.; über ntiQuia und die gleichartigen tidcci- d. i. fd-pai-, y^»H>^)''['"> 
Gitat' 8. 8 70, 14 S. 97 f. Die Suffixform -nn- wohl in fv^vra ev^^ivat 
aus **i5/>-ri'-/a -ri-/w erhalten, s. Osthoff, Forsch. 1, 24 ff Vf M T^. 
2, 190. 201 f. 205 f. Grdr. 2, 342, Strkitbero a. 0. 56. 

Der Dativ von nomina actionis auf -ucn- seit vorgriocli. /.ci 
Infin. : kypr. do-ptv-iu att. dovvai : ai. da-cdn-v ,zu gobon"; H^-ma 
^pud-ptv-ai : av. vld-van-öi „zu wissen". Vgl. g 146, 3. ♦-v<^»i-«i mit »t. 
>rm des Stammsuffixes war eine uridg. Neuerung flir ♦-»/f»-ai ♦-mm-<ii. 

x*if(yr)wr neben xnt-pit-g g 7(», 3 S. 93. Kh ent^itand ein einhoitlichoa 
iffix -#(f)a)r- zur Bezeichnung von Örtlichkoiten, wo eich etwa« befindet, 
.\io oii'fo'yr oh'tor, hr/itav, Xitaiwr. Vgl. die Nachträge. 

4. Suffix -mcw-. Seit uridg. Zeit hilufig gebrauchte» Suffix fWv 
nomina actionis (n. und m.), die oft in Dingbedoutung übergingen (. 

, Strömung, das Strömende"), seltener von nomina ugentis (m.). Die Ni mmhi 



jQß A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

gingen im öriech. in einem Geleise mit denen der -im- und -^c;^-Stämme, 
indem ihre Deklination sich mit der einer -fo- Weiterbildung verquickt 
hatte (§ 70, 14 S. 97 f). /«i5-iwa x*^-/^« xv-^cc : ai. hö-man- n. „Guss". rsQ-fia 
t€Q-l^iü)y : lat. ter-men ter-mö. ^W-cnry^ta airj-iimv : ai. sthd-man- n. „Stand- 
ort, Kraft". iiivrj'f.ia fxvt]-^ü)V. vor^-fia vorj-^orr. ^laO^w-fxa. xsv^'fxwv. 
i^'fiwv, vgl. i'S'iiev-ai. Xfi-juwv und Xi-iJirjv. noi-ixr^v : lit. p'e-men- m. 
„Hirtenknabe". Im Anschluss an Formen wie xrjds-fiwv rjy8'fxo)v x«A«-awv 
wurde -/twr zuweilen auch als Sekundärsuffix gebraucht, wie axq^iiwv, 
SceiTVfxm'. 

Der Dativ der nomina actionis seit vorgriech. Zeit als Infin. : 66- 
fiev-ai zu ^o-fia : ai. dd-man-c „zu geben"; l'S-ixsv-ai zu iS-iimv : ai. vid- 
mdn-e „zu erkennen, zu erfahren"; ßr^-fiev-ai zu ßrji^a. Ebenso war wohl 
auch der infinitivische Gebrauch des entsprechenden Lokativs altüber- 
kommen : S6-fi€r, l'S-^ifv u. s. w. : vgl. av. inf. cas-man d. i. -man „zu 
schauen" neben dat. cas-maine; der av. Lokativform scheint kret. 66-f^irjv 
entsprochen zu haben (S. 104). Vgl. § 146, 2. 

Entsprechend den -r-«o-, -d-ino-, -cr-^to- in § 70, 8 S. 94 finden sich 
-i-liifi'-, 'O^'iLuv-, -a-fiev'. kahi^ia wohl zu Xcci-iao-g, vielleicht hierzu noch 
aerfia avrf^nqv. i'-d^fxa. TiXaC^ia^ sgeia^ia, rr^'V^«, v6ixi(f^a, acfiraa^aa; 
TIoXv<fqäanün' (fqaa^ioavvri (Meisterhans, Gr.^ 68). 

71 a. C. Suffixe auf -r. 

1. Nom. acc. neutr. auf -ccq -mq, z. B. ovd^aq : ai. üdhar „Euter", 
rjTiaQ : av. yäJmr^, arrjag (arstaQ falsche Schreibung) ackäg, rjficcQ, aXeiipaq 
neben aXsixpa, Xv^iaq neben Xdi^ia-, vömq. Dieses -q darf darum unter den 
stammbildenden Suffixen genannt werden, weil es zweifellos Zusammen- 
hang hatte mit Suffix -ro-, z. B. maq neben Ttiago-g, vS-coq neben vö-qo-c. 
Vgl. DE Saussüre, Mem. 18. 225, Vf. M. U. 2, 224 ff. 231 ff. Grdr. 2, 
352 f., J. Schmidt, K. Z. 25, 22 f.. Osthoff, M. U. 4, 196 ff., G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 325 f. 

Anmerkung, Dass -mq aus -f entstanden sei, wie ich früher annahm, ist doch 
zweifelhaft. Mit Rücksicht auf lit. vand-u „Wasser", das jetzt Mask. ist, ehedem aber Neutr. 
gewesen sein muss, lässt sich annehmen, dass *vö'-io der neutr. Nom. eines n-Stammes ge- 
wesen sei von derselben Art, wie die maskulinischen Nominative von w-Stämmen lit. ahm' ai. 
dhnä, und dass hieran -q antrat, gleichwie ciXeicpaQ = äXsicpa d. i. ^dXsirpn + -q war. 

2. Die Suffixe -er- und -ter-.^) -ter- in nomina agentis (wie 
So-Tr'iQ 6(6-tmq) und Verwandtschafts Wörtern (wie TTa-Trjq), -er- in Ver- 
wandtschaftswörtern (wie 6ä-rjQ) und ein paar andern Nomina verschieden- 
artiger Bedeutung (wie dv-r^Q, d-rjQ). 

Die Deklinationsweise aller dieser Wörter war wahrscheinlich ur- 
sprünglich eine einheitliche und der Unterschied e : ö durch uridg. Be- 
tonungsverschiedenheiten hervorgerufen, vgl. do-rrjQ 6c»-TrjQ : Sw-tmq (ai. 
dä-tä : dä-tä), jra-TrjQ Ticc-rtq-a : fxrjTQo-TiccTWQ -7Tcc-T0Q-a, dv-rjQ dv-sq-a : 
dy-riv-MQ -r^r-OQ-a, wie (fqrjv : a-(fQ(ov, s. § 24 S. 45. 

Danach war die Betonung von fxrj-rrjQ (ai. mä-td) ^vyd-trjQ (ai. 
dtihi-td) und das ö von (pqä-Ttjq -rsg-sg (daneben altertümlicheres (fqd-rwQ) 

') Vf. Die Nomina auf -ar- und -tar-, 1 Suffixes -tsq -roo -xriQ -xci in Homer, Leipz. 
C. St. 9, 3G1 ff. D'OoGE, On the use of the | 1873. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§71* -72.) 107 

sekundär. Über /n;x/^o ^vyair^o s. § 67 S. 80. Dor. (/oai/^Q scheiqt mit 
dem 1] von Trazr^Q auch dessen Accent bekommen zu haben, doch lässt es 
sich auch durch den „prozessiven"* Accent dieses Dialektes erklären (§ 68). 
I Die schwachen Kasus hatten von Haus aus -r- -r, so noch z. B. 

na-TQ-og na-TQ-orv und Tia-TQct-ai (ai. pi-ll'-su). Formen wie na-iiQ-og 
da~6Q'(av (fga-tsQ-tn (fQa-rog-ai zeigen Eindringen der starken Stammformen. 
Durchgehends hatten sich diese bei den nomina agentis in den schwachen 
Kasus an die Stelle der schwachen Formen gesetzt, z. B. Qt^-roQ-og ^i^- 
rijo-og, Qi]-TOQ-at gr^-rr^Q-ai statt ♦^/^-i^-oc, ^Qt^-rga-ai (vgl. ai. dat. sg. 
dd-tr-e (la-fr-e, loc. pl. dd-ti'-m da-tf-su). Sie erscheinen aber noch in Ab- 
leitungen, z. B. h]a-TQ-ig Xr^a-TQ-ixo-g neben h/a-Tutq Xr^ta-ri^Q, lä-iQ-o-g 
neben ion. hj-zr^Q (vgl. auch lat. da-tr-l-x neben da-för-is etc.). 

Was die starken Kasus betrifft, so waren sicher lautgesetzliche Nach- 
kommen urindogermanischer Grundformen na-ri^Q Q'r^'tQ (fqa-roiQ ^i'-iuig, 
na-Ti-Q-a na-TtQ-eg und na-Tto-i und wahrscheinlich auch cfgce-roQ-a gi-ioQ-u 
ifQa-ioQ-eg Qr^-roQ-eg, während q)^-h]q-cc Qi^-rT^Q-i für *^i^-TaQ-cc *Qi-itQ-i 
(vgl. noch voc. aw-ifQ neben nom. aco-it'^Q) nach qi-tiIq (entsprechend hom. 
Hi]a'Ht)Q-cc nach jurja-ToiQ), und qi'^-ioq-i für *()i^-ifQ-i (vgl. ai. dü-tar-i und 
d(l'tdr-i) nach qij-toq-cc gi^-roQ-fg gebildet worden waren. Wie der loc. sg; 
bei beiderlei Betonung e hatte (vgl. das S. 104 über avx-tv-i : Text-'or-i ge- 
sagte), so auch fV'TiccTiiQce zu ev-7rdio)Q wie ^int^-ifigce zu (fii?;-Ti-^. Vgl. 
Vf. Grdr. 2, 355 f. Seltener drang schwache Form ins Gebiet der starken 
Kasus ein : O^vyatqa für ^vyaiega^ ccvdqa für dvega u. dgl. 

SätiQ aus *Saipi\o (g 18) dätgct dätgog : ai. dcvdr- „levir''; die schwache 
Form "^daim'- "^^ antesonantisch wohl ^daiiü'; für das metrisch unmög- 
liche Satquiv Si 769 wäre hiernach ,nicht (mit Ebel) ÖMpqoiv, sondern 
6avqü)v (aus *Sa{i)vqon') einzusetzen (vgl. Vf. Grdr. 1, 141). uvi\q nvtqa rri- 
dq()g : ai. w-aV- „Mann"; neu uviqog u. a. (ti]q (lesb. ccvi^q) ai^qcc atqog; vgl. 
avq-a. i]qi adv. aus "^i^sq-i {i]tq'io-g) aus *Cms-er'^ ttYX'Ccvqo-g aus *-rti'<r-^o- : 
ai. ns-dr- „Frühlicht". Hierzu wohl auch i^oq (voc.) * ^vycnt^q, etvftf'iog 
und foqf-g • nquar^xaiit-g, avyytvtXg Hesych : lat. soror aus *siiesör. 

nU'Ti^Q, urgriech. narqog Tiatt'qi (att. natqi) natiqa ncneq nan-'q^g 
natqöir (att. naitqon) naiqaai naitqng, und int^iqo-ndtioq : ai. pi-tdi-. 
fn.-Ti^q iii-iiqc(, der nom., wie oben schon bomorkt. oino analogincho 
Neuerung für ^fit^-ri^q : ai. nta-tdr-. ya<s-n]q 

Produktiv war die Kategorie der nonmi.i .ij;« m,-. «in ....ili u» ihr 
Form sich einheitlich konstituierton, indem sie -io()- und -m,(»- dun-hführtm 
(isoliert steht Homers fii](T'iu)q-a, als Eigonnanio daneben Mt\ato{Ht). 
cix'twq fTT'Cex'i i[q : lat. dc-lor, yn'f'u]q yfvt-twq : lat. tjüiti-hr. yvM-ti^q 
(urspr. „Verbinder") : ai. yök-tdr- „AnschirrorV latwQ Jaiw^ : ai. vvtUu- 
.Kenner". 'ßi^q^-iv^g ^t^qei-iMq. (fvXax'ii^Q. aijtäv-tiaq. 

72. D. Suffixe auf -/. 

1. Suffix -/-.') Am häuiigston als PrimUrsuffix mit Partiripial- 

hodoutung (aktiv und passiv), bosondors in Zusammonsotxungon, z. W nXms 

ilia-t'og („Schwimmer", Namo eines Fisches). wt^o-^Q^^ nqo-flh^s. ÜiouHal. 

•) Dl 8AUMUBI, Lo »uffixo t-, Möiii. d« U 8oc. do ling«. B, 197 ff. 



108 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



avvxXnj-og „cfvyxXi^Tov'' . Mit ^rjg vgl. av. fratema-d^ä-t- „Erstgesetzter, 
Vorgesetzter, Fürst". 

ri'^, gen. vvx-t-6g : ai. ndk-t- got. nah-t- „Nacht". 

Eine Anzahl von Nomina mit Vokalen zwischen Wurzel und -t-, 
wie ceQY't'i- und (xQy-rjt- (vielleicht ursprünglich nom. -et, gen. -et-os etc., 
vgl. ags. nom. hcele „Held" aus urgerm. *%a?^"/')> x^'^^-, XeßrjT-, 

Sekundäres ^-Suffix in dem Partizipialsuffix -{p)or-, das sich mit -ues- 
zu einem Paradigma vereinigt hatte, s. § 73, 4. 

Die § 70, 8 S. 94 und 71, 4 S. 106 aufgeführten Suffixkombinationen 
'i'ixü- und -i-iifv- scheinen auf diesem Suffix -t- zu beruhen. Ähnlich ai. 
Iq-^i-nn-s „thätig" zu Jq'-f- „thuend" u. dgl. (Vf. Grdr. 2, 367). 

2. Suffix -taf-.^) Abstrakta gen. fem. von Adjektiven und Sub- 
stantiven. dXo-TYjg : ai. sarvd-tät- „Vollkommenheit", vso-rrjg : lat. novi-täs. 
^eo'Tijg. yXvxv-Tr^g. Der Ausgang -o-tät- wurde verallgemeinert, z. B. 
tV'O-Trjg, 7TavT-6-Tr]g (vgl. -o-f^evr- unter 4 und 7ravi'6'ixoQ(fo-g). Trorryg aus 
*Troio-Tcti- nach § 61. -tat- hatte sich im Griech. auf Kosten von -ta- 
ausgebreitet, s. § 70, 14 S. 97. 

Anmerkung. In vorgriech. Zeit standen -ÜM- und -tüti- gleichwertig neben ein- 
ander, vgl. ai. sarvä-täti- neben sarvd-tät-, lat. civi-täti-um neben clvi-tät-um. -tat- und 
-täti- entstanden wohl durch Erweiterung von -tä- mittels -^ (§ 72, 1) und -ti- (§ 70 '\ 5), 
vgl. das Nebeneinander von *noq't- und *noq-ti- „Nacht" u. dgl. (Vf. Grdr. 2, 290). Und 
wie das Griechische *noq-ti- neben yv^ lallen Hess, so -täti- neben -r«r-. 

3. Suffix -nt-.^'^) Mit -7it- waren seit uridg. Zeit alle aktiven Par- 
tizipia mit Ausnahme des part. perf. (§ 73, 4) gebildet. Die Partizipia 
wurden zum Teil schon in vorgriechischer Zeit zu rein nominaler Natur 
übergeführt, z. B. y^Q^^ > ai. jdra-nt- „gebrechlich, alt, greis", zum Teil 
in der griechischen Periode, z. B. ixqxwv, excöv. 

-nt- mit konsonantischem -n- seit uridg. Zeit in allen Kasus der 
Formen mit vorausgehendem thematischen Vokal und abstufungslosem 
langen Vokal (vgl. Bartholomae a. 0. 548 ff.). (ptQo-vr- : ai. hhdra-nt- 
„ferens". IS6-vt- : ai. vidd-nt- „findend", asvr- aus "^aprj-vT- : ai. vä-nt-, 
yvövT" aus "^yvoa-vT- (§ 26). Ebenso wohl auch ard-vT-y S6-vt- von jeher 
mit -nt-, s. Vf. Grdr. 2, 372. 

Dagegen sonst -nt-. Durch gehends unbetontes -7it- in idg. "^de-d-tü- 
*dhe-dh-?it- zu dö- „geben" dJie- „ponere" (vgl. ai. acc. dddat-am dddhat-am), 
dafür gr. 6id6vT- nd^tvz- (J. Schmidt, K. Z. 27, 394 f.). Ebenso wohl aor. 
"^peq-s-tit- zu peq- „kochen", gr. ^itsipar-, wofür neipavT- : vgl. ai. nom. 
dhdks-at zu dah- „verbrennen". Im übrigen Wechsel zwischen -nt- (-avT-) 
in den starken, -9it- (-cct-) in den schwachen Kasus. So *s-?jt- *5-w^- zu 
es-ti „ist", gr. "^dvr- *«t-, letzteres noch in dor. saaaa (§ 70*' S. 102) und in 
dem aus herakl. svT-aaai u. dgl. zu erschliessenden "^daai (§ 90), während 
"^dvT- in derselben Weise durch svr- ersetzt erscheint (dor. £VT-8g), wie 
3. pl. €vtI dal für '^arri, s. § 112. -avT- durchgeführt in ttccvt- : ai. 
sd-svant- -svat- „vollständig, ganz, jeder", uridg. '^ku-nt- '^ku-'^t-. Ebenso in 



^) Aufrecht, Das Affix xtit tat, K. Z. 
1, 159 tf., Angermann, Das Suffix Tjyr in 
Priniärbildungen, C. St. 3, 122 ff. 

2j Ebel, Das Suffix -ant und verwandtes, 



K. Z. 4, 321 ff. Bartholomae, Die ar. Flexion 
dor Adjektiva und Partizipia auf nt-, K. Z. 

29, 487 ff. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. f§ 72*.) jQf) 

idi-v-uvT- : vgl. ai. mr-n-chit- mv-n-aU „zermalmend-, ayvvvi" für *ay- 

r-uvT- *«y-ri;-«r- : vgl. ai. sak-nuv-dnt- kak-nuv-at- „könnend". 

Doppelte Bildung des nom. sg. im Griech., <ftQon\ iSm', ion. odm- 
(att. oSoic) und «f/c, 7r«c, J/Jorc u. s. w. S. § 75. Bei den Partizipien mit 
thematischem Vokal weisen mehrere idg. Sprachen auf urspr. ^-o-nUi^ (bez. 

-r-nt-s). Gr. (ftqüdv kann aber nicht aus ^q^gorr-g erklärt werden und hat, 
wenn aksl. hery aus *beront'S entstand (s. Vf. Grdr. 1, 87), nirgends ein 
Analagon. Aus Hh'rönt ist es auch nicht, wie Bartiiolomae glaubt (a. 0.), 
herleitbar: hieraus wäre *(ftgoi' entstanden, vgl. ^yror aus '^syrrnt (§26). 
Und so dürfte das wahrscheinlichste sein, dass zum neutr. (ftgoi' (aus ^qt- 
qovt) ein mask. (fiQü)i' nach der Analogie der ?e-Stämme, wie i'^fioi : rä^im-, 
mov : yTtwr, geschaffen worden war und zwar zuerst bei rein nominalem 
Gebrauch, wie.»*x/wr „künftig", txw'i- „freiwillig", (futi}ün' „leuchtend, hell". 
Anmerkung. Nach obigem gehörte o^öfx- zu einem tliematischen (djtf-o-, dagegen 
o<f«| (§ 70, 15 S. 09) zu einem unthematischen [6)^-. Derselbe Gegensatz zwischen ixtuy 
(is'xoiy und dem aus ein paar verderbten Hesychiusglossen entnommenen fem. uixitaait. 

4. Suffix -?ient'.^) In denominativen Adjektiven in der Bedeutung 
des Versehenseins mit etwas oder wie etwas Geartetseins. In den starken 
Kasus urspr. 'uent-. gw-psvi-, in den schwachen -?^^^-, gr. -far-, wofür 
im Urgriech. -r^r-, indem e von -j^svt^ herübergenommen wurde. Dieses 
-ftT- erhielt sich nur im loc. plur., wie x^^^/'-iC/, ferner im fem., x^^'-^o"«^" 

: 70*^ S. 102), und in x«(>'*'ö'^^(>o-g ^'^(»/tVTrwros- 

ono-eiq : ai. dpa-vant- „wässerig", oirö-eig : lat. nnösu-s Sius *-ove»ssO'S 

o-unt-\-to-. Tifxi\eic^ pamph. tinupeaic. x«(>''^*'c. -o-fsir- wurde verall- 
gemeinert: ixr^Ti-oi-ig, nc^-vsig; auch wo fl-Stämme zu Grunde lagen, wie 
^xiötig, wie umgekehrt ntai]eig zu ixtao-v u. dgl.; verallgemeinertes -*/ic 

ich in 0^vi\tig neben O^iwfig, Tth^tig neben ttXttig aus *r<^/*((y)-^*ii-,-) ^a>- 

i]sig u. dgl. fiQiütig wohl „modrig, dumpfig", zu fVQwg, xtjtwfig neben 
- ','o'y^r,g (§ 72») u. a. 

Aus einer in die uridg. Zeit hinaufreichenden Vermischung der Suf- 
fixe -ucnt' und -ucs- erklären sich ^rä-i^og *«-^oc hom. fi'^og i^og att. rttog 
^''og dor. ceg : vgl. ai. td-vant- „tantus" yd-vant- „quantus". In gleicher Weise 

• llt sich der Ausgang von hom. tf^-fiog i]-fiog zu ai. -mant-. S. Baktho- 

.MAE a. 0. 519 ff., Vf. Grdr. 2, 379 f. 

72*. E. Suffix 'd-. Häufig -ctd- und -/J-, wie ni^uö- Xattnad-, fq^S- 

iy(d-. Mit diesen r)-Bildungen standen vielerlei suftixale Klomento mit cJ, 

grosscnteils unzweifelhaft Ableitungen aus ihnen, im Zusammenhang, z. B. 

die Verba auf -«fw und -(iw mit Dentalcharakter wie i)txd:^ui roiu'itü, X9^ 

nnd(}-g xoQvdo-g, fitktöuh' iitXtdairo) r<x»'>»/Joii', die Adjektiva auf -u><f»^< wie 

tuiöi^g (vgl. xi^ioi-tig § 72, 4), die von Haus aus mit denen auf -o-/rfi<f-»^^ 

(;ht« zu schaffen hatten, und die Patronynuka wie Uxiogidi^g m. (ncbon 

y.iogfg f.). DasH die griech. (/-Suffixe zum Teil aus vorgrioch. Zeit ororbt 

iiren, ist sicher. Vgl. z. B. die Verba auf -affir mit den gorman. Dentv- 

') S. Kbkl'm und Hahtiioix)Mak'm S. 108 i worden win, aln den Urioclifn nur mehr 

i-MM 'J genannte AufHlitzc. übcrdic« Ooibkl, I f#Ä«- «U SUmmfomi erachien Cm u'Xt f»c etc.). 

liietis Uomerici« in #<f dciiinentibun, Däm W«»rt bewreiiit «Uo m \«i»fj«ll 



; ti'f.i /u einer ^«it gebildet 



der I^utK">pl"' *'* » ^'^l- 8 



110 



A. Qriecliische Grammatik, c) Flexionslehre. 



minativa auf -atjcm (ahd. (jramizzön gremissön „zornig sein": XQ^nictöo-cM 
und fieXi-Scth' ax^rjdcöv mit lat. ordö capedö. Es ist vielfach im einzelnen 
noch unklar, auf welchen Wegen die grosse Ausdehnung, die das (^-Element 
im Griechischen hatte, zu stände kam. Von wo nahm z. B. die Vermischung 
mit den /- und /-Stämmen, wie %-r : ^Qi^- (Gr. Meyer, Gr. Gr. 2 311 f.), 
ihren Ausgang? Dabei kommt aber auch noch in Frage, wie weit -ö- aus 
-t- entstanden war, vgl. z. B. dt-xccg -üö-og ; ai. dcddt- (Vf. Grdr. 2, 366. 
368. 382). 

72*». F. Die Suffixe -x- und -y-. Dass das Griechische auf suffixales 
-li- ausgehende Wörter aus vorgriechischer Zeit überkommen hatte, unter- 
liegt keinem Zweifel, da dieses Element als Suffix auch in den andern 
Sprachen vorkomlnt. Doch ist zu beachten, dass Wörter, die ursprünglich 
-Äo-Stämme waren, in die Analogie der Ä;-Stämme übergeführt worden 
waren, z. B. insiQa^ : ai. marya-Jcd-s (§ 70, 15 S. 98 f.), und es dürfte schwer 
auszumachen sein, welche unter den Ä;-Stämmen die aus uridg. Zeit mit- 
gebrachten Musterformen für diese Überführung waren. Vgl. Vf. Grdr. 
2, 384. 

ry-Stämme ausser im Griech. {a^Tray-, nTtqvy-, (fdqccyy- u. a.) nur noch 
im Ar., wie ai. sandj- „alt". Dabei kommt in Frage, wde weit -y- an die 
Stelle von -k- gekommen war, vgl. Ickay- : lat. latic- (Vf. Grdr. 2, 385). 

73. G. Suffixe auf -sA) 

1. Suffix -es-. 2) War altüberkommen in den Neutra auf -og, wie 
ytvog : lat. genus; in den Adjektiva wie ipsvd/jg, 6v(!-f.i€vt^g : vgl. ai. yaMs- 
„herrlich" dur-manas- „mismutig"; in den geschlechtigen Substantiven wie 
t](6g f. : ai. usds- f. „Morgenröte". Die erste und die dritte Kategorie standen 
neben einander wie die ungeschlechtigen und die geschlechtigen -menStsimme, 
z. B. xsT-i^ia und xsi-ixm\ 

Die Deklination war ursprünglich eine abstufende. Der nom. acc. 
sg. der subst. Neutra hatte -os, z. B. ytv-og ai. jdn-as „Geschlecht" idg. 
'^(Jen-OS, dagegen beim Adjektiv -es, z. B. dv-ay&g ai. an-agds „sündlos". 
Beim Mask. entsprechend -ös und -es : soig rjwg (lat. cmrör-a) idg. "^dtcs-ös^) 
und dv-ayrjg ai. an-agds, if.i€vSr^g; rjwg mit veränderter Betonung, vgl. Aa- 
-f-iMv. Dass die schwachen Kasus einmal -s- hatten, zeigen Ableitungen 
wie xoQ-a-rj (zu ai. Mr-as n. „Kopf"), piapo-g l'ao-g aus "^pixa-po- (zu döog, 
s. § 70, 3), sowie gen. lesb. iirjvv-og aus "^men-s-os (s. S. 111). Das -es-, 
welches die subst. Neutra und die Adjektiva im ganzen Gebiet der schwachen 
Kasus zeigen, z. B. yav-siayog dv-ay-8{o)-og, stammte aus dem loc. sg., der 
ursprünglich -es -es-i hatte.*) Bei den geschlechtigen Substantiva hatte 

cTo? : ipsv&ijg, ebenso ai.äpas- „Werk" : apus- 
„thätig") waren aus einem einheitlichen Para- 
digma erwachsen. Die verschiedene Ver- 
teilung der Betonung hing mit einem uridg. 
Brauche zusammen, nach dem ein Wort als 
nomen abstractum baryton, als nomen agentis 
oxyton war; vgl. z. B. x6fxno-g „Prahlerei" : 
xofj,7i6-g „Prahler", ai. esa-s „das Hineilen" : 
esä-s „hineilend". S. Wheeler, a. 0, 70 ff. 
78. 



') Vf. Zur Geschichte der Nominalsuffixe 
-as-, -jas- und -vas-, K. Z. 24, 1 ff. 

^) Aufrecht, Bildungen auf nus, vog, 
nas, K. Z, 2, 147 ff. Goebel, Das Suffix r^sg 
in seinem Verhältnisse zum Sn.ffix eg oder 
die Neutra in ^og, ebend. 11, 53 ff. 

2) Ai. ums lasse ich bei Seite, weil man 
nicht wissen kann, ob -äs aus *-es oder aus 
*-ös entstanden war. Vgl. Ui-fiwv h-fiijy 
u. dgl. neben einander. 

^} Die Substantiva und Adjektiva {xpsv- 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 72'*~73.) \\\ 

der acc. sg. ursprünglich wohl -os-, ifi aus */^'o« : ai. ukis-am '), mdoi zu «iVwj, 
«/w aus "^cclfoa-u (zu f«Vc, s. u.). Dieses -os- wurde im Griechischen in 
derselben Weise verallgemeinert wie die Stammformen rexror- dioroQ- u. 
dgl., z. B. gen. \ovc aus *i]o(a)'Og. Es drang auch in den loc. sg. ein 
{tjol aus */)o(ö')-/), der, wie «/Vc und aiet aus '^at/:8(a)-t (betont wie i(!>tn' 
u. dgl., s. § 82) und die Ableitung cddtoucci fut. uldea-aofiai zeigen, ui*sprüng- 
lich -es -es-i hatte gleichwie die subst. Neutra und die Adjektiva. Vgl 
Vf. Grdr. 2, 387 ff. 

Die neutr. Substantiva waren meist primäre Abstrakta und erscheinen 
mit den zu ihnen gehörigen Adjektiven (meistens Komposita) häufig. xXifr-o^ 
xXiog : ai. Srdv-as n. „Ruf, Ruhm", 6va-xksi]g : av. dcm-sravah- „von schlech- 
tem Ruf". St^vsa pl. : ai. ddsas- n. „herrliche That" (idg. *dans-os), ttoXv- 
St^vsa ' TioXifßovXov, ti o Xv /lu jv i r (Hesych) : Sii. 2^u)ii-ddsas- „reich an herrlichen 
Thaten". C^vy-og : lat. jüger-a jüger-ilms. (fty-og : lat. frlg-tis. Arkad. 
Ttfievfg für litisvog wohl nicht durch Vokalassimilation, sondern durch 
Analogiewirkung. Die Eigennamen wie 2wx^ar/^c wurden im Attischen in 
die Deklination der ä-Stämme (ATQsidr^g) übergeführt, acc. -xQdrt^i' gen. 
'XQUTov, und so hie und da auch rgti^Qt^v neben ^(^n'^Qt^ u. dgl., s. Meister- 
hans, Gr.^ 104 ff. Trifft 'Wackernagel's Zurückführung des Stammes 
XetQ- auf *x^Q^- das richtige, so dass man das Wort zunächst mit ^va-x^Q*,^ 
und ai. hdr-as n. „Griff" zu verbinden hätte, so wäre die Deklination des 
Wortes als durch Verallgemeinerung der schwachen Staninifnim. wio bei 
dem sogleich zu erläuternden ♦/tijr-o'-, aufzufassen. 

-es- erscheint im Griech., wie anderwärts, zuweilen in enger \ crbiu- 
dung mit vorausgehenden stammsuffixalen Konsonanten. m-/:og : ai. i>/-r(i,«? 
n. „Fett". efQog aus ^peq-pog, vgl. lat. vervi^x. iQ^vog, Y^'Vog, dd-vog : 
vgl. lat. vol-ntis, ai. rrk-nas „Reichtum". Traxf-rog. (6a(fog. Adjektiva: 
TiXi]-Q-i^g (vgl. nXi^-Qoui und lat. ple-ru-s)^ ytXürt]g aus ^ytXcta-v-i^g u. a. 
\'on gleicher Art war idg. *me-nes- (lit. gen. menes-io), woher, durch Ver- 
allgemeinerung der schwachen Stammform *mP-ns-^ das Mask. ion. mogar. 
korkyr. ^uig aus *{it%'g ^fu^vg (§ 26), gen. lesb. in]rr-(K att. .»/m-oc. wn/n 
y als Neubildung (Vf. Grdr. 2, 389). 

Die Kasusausgänge -fC-GT/, -ta-tfi sowie der Koniparativausgang -fo-/^(y»>> 
wurden auf andere Stammklassen übertragen, z. li. honi. t^iXux-toai, x^jut- 
<fi (8 90) und att. tidatnov-tctiQO'g (§ 70, 10 S. 95). 

2. Suffix -9S-. Neutra: xQtag : ai. kravi^- n. „rohes Fleisch*. 
oag. yt^Qug, ytqug. difxag. Diis s dieses Suffixes war jedenfalls dasselbe 
Element wie das s von -c«- -o«- (1), und man könnte -os- auch als eine 
besondere Ablautphase von -es- bezeichnen. Vom Standpunkt dos Grie- 
chischen aus müsste man os, wenn Solmhen, K. Z. 29, 109 Hecht luit. 
der annimmt, zwischen den Nominativen fquig ytXmg und den Stammformon 
iduC' ytXua- (in hom. h{iurvf't-g i*(>«<y-<y«io, pindar. ytXayi]g hom. tytXua-<ju) 
bestehe dasselbe Ablaut Verhältnis wie zwischen *r/'>- cJ«- ißw^qo-v) und 
♦ri;- da- (dü-vog) \ ursprÜnglitheH yt'Xwg ^ytXnff-og etc. sei zu ytiXu}^ ^ytXoa-o^ 
"<'• Musgeglichon worden (vgl. do-to-g für ♦Jrr-ios)» und von da huh hc'\ 

Hnncben uinn-am. Wnlir«r!f"'».ii. I. A«'""i"i' '«••!». f ..iii.-i iiiti|.iniiuli.1wn Pmi.i»« H-il 
.• '""-s- »Mit: 



112 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Übertritt in die o-Dekl. erfolgt : acc. yt'^o-v tQo-v etc. Vgl. auch xtQaQ : 
vipi-xsQcog, xQtag : lat. cruor. Vgl. Fick, Bezz. B. 3, 160, Vf. M. U. 3, 81, 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 307, Danielsson, Gramm, und etymol. Stud. 1, 44 fl. 
Danielsson's Analyse y^'Q^-9 y^jQ^'<; u. s. w., wonach -c- an zweisilbige 
Wurzeln gefügt war, widerspricht unserer Auffassung dieser Stämme nicht, 
s. unsere Definition des Wortes Suffix S. 91. 

Anmerkung. Eine Suffixkombination -i-s- nimmt Danielsson für d^s/M-a- in Ssiukj- 
XQetay, t^s^ia-x- u. a. an, undSoLMSEN, K. Z. 29, 115 vermutet in E{xe&vo9i]v jus&vaTti^ 
einen Stamm fuel^ra- — ai. mddhm- n. „Süssigkeit" . Vgl. Vf. Grdr. 2, 399. 

3. Suffix '{es- iieS'J) Das Suffix war von Haus aus primäres 
Komparationsuffix, von -(o- -iw- aus, wie es scheint, weitergebildet (s. § 70, 2 
S. 92). 2) Die mit ihm gebildeten Adjektiva wurden aber wohl schon in 
der Zeit der idg. Urgemeinschaft zu den „Positiven", die irgend welches 
Nominalsuffix, -u-, -o-, -ro- etc., hatten, in eine derartige ideelle Beziehung 
gebracht, dass man sie wie aus diesen gebildet empfand, z. B. r^^-ion' ai. 
svdcl-iyas- : r^S-v-g ai. sväd-ü-s. So bekam -ies- {-is-to-) den Charakter eines 
Sekundärsuffixes. 

Unser Suffix hatte nur ein Teil der griech. Komparativformen. Nem- 
lich acc. i]6-iw, nom. (acc.) plur. -lovg und nom. acc. pl. -ico, aus *-<o(Gr)-t^, 
*-fo(cr)-fg und *-<o(ör)-a. Ferner mit verallgemeinerter Tiefstufenform -?'s- 
hom. TrXhsg irkäag kret. TiXisg TtXiavg nlia (i aus s) aus "^pleis-, vgl. TtXsT- 
cto-g aus *pIeis-to-s, homer. sg. x^Q^^^ x^^Q^icc pl. xiqsisg /«^cm neben 
XSQsicov, s. Mahlow D. 1. V. 46, J. Schmidt, K. Z. 26, 381, Collitz, Bezz. 
B. 10, 66. 306, J. Baunack, Stud. 1, 5. Endlich das aus TTQsla-yV'g TiQsTa-ßv-c 
zu entnehmende und mit lat. magis osk. mais u. dgl. zu vergleichende Ad- 
verbium "^TTQsig = lat. pnS' in pns-cu-s (über nqsa-yv-g -ßv-g s. Vf. Grdr. 
2, 406). Ob auch kret. ttXivi als '^nXr^-j^oa-i (loc. sg.) sich hierher stelle, 
wie J. Baunack, Stud. 1, 5 u. a. annehmen, ist mir sehr zweifelhaft. Die 
Stufe -ioS' gehörte ursprünglich wahrscheinlich den starken Kasus (ausser 
nom. sg. und loc. sg.) an, die Stufe -is- -is- sicher den schwachen. Im 
übrigen s. Vf. Grdr. 2, 401 ff. Wie im Ai. -fpas- mit -t-, so att. -io(a)- 
(-iMv), schwerlich eine zufällige Übereinstimmung. 

Hingegen nehme ich mit Danielsson, Gramm, u. etym. Stud. 1, 49 
an, dass das Paradigma -ton' -lov-og etc., wie rjS-iwv -lov-og etc., ein Suffix 
-ien- -iien- enthielt, das selbständig neben -ies- -lies- aus -{o- -iio- hervor- 
gegangen war, und dessen Hervortreten und Ausbreitung im Griechischen 
auf Kosten des s-Suffixes dadurch bedingt wurde, dass die mit ihm gebil- 
deten Formen eine leichtere und deutlichere Flexion gewährten als das 
durch lautgesetzliche Umgestaltungen stark zersplitterte -ies-Fsiradigma. 
Vgl. das Nebeneinander von ^äi-uo- (lat. aevo-m) "^äi-ties- (altg) ^m-uen- 
(ctUv) u. dgl. Neben der Hochstufengestalt -{on- auch -in- -in- in att. 

^) Weihrich, De gradibus comparationis i Die Bildung war durch die Jautliche Über- 
linguarum Sanscritae Graecae Latinae Gothi- | einstimmung des nom. acc. neutr. fxsiov 
cae, Giss. 1869. J. Schmidt, Das primäre ; .9«tto»/ mit dem gleichen Kasus der o-Stämme 



Comparativsuffix, K. Z. 26, 377 ff. 

'^) Man darf in den att. inschr. Genitiven 
lÄELov ^cixTov (Meisteehans, Gr. 2 119) nicht 
Gen. von alten -to-Forraen sehen, wie ich 
Grdr. 2, 403 vermutungsweise gethan habe. 



verursacht worden. S. Wackernagel, Phil. 
Anz. 1886, S. 77. Vgl. auch fxccXitü-ieQo-g 
(Solon), ßsXxioi-TEQo-g (Teiesilla) zu fxdhor 
ßs'krioyy nach demselben Bildungsprinzip Avio 
ao(fvJ-Teqog. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 73.) Ilf; 

Atn- und in kret. uqsi'v hom. ttqÜ' att. tiqiv (zu Tigfia-); ferner -jV- in 
/xiet. rrKa-ai neben nXiov-oc {t aus f). 

t/.«aao)r : ai. Jcuih-ujas- „behender, rascher", fiuaawr : av. mas-yah- 
„grösser''. ^üzTon' und rax-iMV. nuaamv und nax-im'. Att. oXet^cor zu 
oXi'yO'C. xQHTTUiv (ion. xQtaaon) und juti^cor (ion. /mX^i) erhielten ihr ti 
nach x^^Q^^y ufLuhorr bkuXwv (§ .54 Anm.), ion. Icrcö^r (att. /Jrrwr) aber 
sein f nach xotfrawr. Gortyn. xccovon' = ion. xQt'aawy vermutlich aus *xa^rrwr, 
wie dor. xüoqmy aus *xa^ö'ö'6ür, älter *x«^T-/o;r. 

Zu den mannigfachen Schwankungen in der Gestalt der Wurzelsilbe, 
die sich teils aus gegenseitiger Beeinflussung der verschiedenen Kompa- 
rationsgrade, teils aus Abstufungsverschiedenheiten innerhalb des Kom- 
parativparadigma's selbst, teils aus der Einwirkung sinnverwandter Kom- 
parative auf einander erklären, s. J. Schmidt, K. Z. 25, 156. 26, 380, 
Osthoff, Jen. Lit.-Zeit. 1878 S. 485, Z. G. d. P. 449 f., Vf. Ber. d. sächs. 
Ges. d. Wiss. 1883 S. 193, Grdr. 2, 400 ff. 

4. Suffix -ues-^) Es diente seit uridg. Zeit zur Bildung des part.perf.act. 

Nom. sg. masc. idg. auf -uös^ gr. eid-wg, neutr. idg. auf -iios, gr. 
fiS'og. Daneben die Suffixstufen -ues- und -ms- im Femininum erhalten, 
-eia neben -vTa-^ älteres -tTa\^-viag (urspr. -ues-T \ -us-ies) wurde teils zu 
'tia -iiCiQ, teils zu -vuc, -viäg ausgeglichen (g 70 '^). Ausserdem -ucs- wohl 
auch in dem lak. Beamtennamen ßtdeoi neben ßidvoi t^vioi ISvoi, zum fem. 
IdvTa gehörend (vgl. tzaTQo-g nach ttaigil für H'iaiQct und ^i'^Xsia g 88). 

Wie wir das Komparativsuffix -res- als eine Weiterbildung von -i'ö- 
auffassten und neben -(es- auch -(en- in komparativischer Funktion annahmen 
(3), so betrachte ich -ties- als Erweiterung von -?jo- und nehme neben ihm 
ein gleichbedeutendes 'iieU an, das durch Anfügung des g 72, 1 S. 107 f. 
behandelten -t- entsprungen war. -uet- erscheint auch im Gotischen, in 
veit-vöd' „Zeuge" {vcit-vöd- : *ui(l-ues- = got. mc-nöp- „Monat" : *wkMic5-, 
8. S. 111) und darf demnach als uridg. Nebenform von -ncs- gelten, -for- 
mit eignete ursprünglich nur den starken Kasus ausser dem nom. sg. und 
loc. sg.; der nom. sg. hatte -ijöf-s (noch älter wohl asigmatisch -mö/), 
woraus -/?w?, und das Zusammenfallen dieses Ausgangs mit dem -pwg = 
idg. -fjös brachte das kontaminierte Paradigma zu stände. Die f -Formen 
setzten sich um so leichter fest, als sie einer bedeutenderen lautlichen 
Zersplitterung, die das /yrs-Paradigma im Griechischen erfahren hatte, ab- 
halfen. Da.s 0) von hom. i^'^ri^-o)i-u 7ft-(fv-o)t-ag fif-iKt-wi-tg u. dgl. war 
aus dem nom. sg. übertragen, vgl. hom. /ii^'(T-fa>^« g 70». 2. 8. Vf. 
Grdr. 2, 412 f. Anders Bautholomae, K. Z. 29, 537 t. 

fiV-w^- id'vTu : ai. vid-väs- „wissend". ;r*-yr-ö>i : ai. Im'hhn-r>i<- In. 
bn-tus aksl. hy-vii vcm W. bheu- „werden, sein". 63'i^6-wi : ai. <itli'ia>- 
ad'ü^'f W. eil' „essen", i^atd^g i^twg und i-ctr^-wg iatttog : td. Ui^sthi- 
vfiM' ia-sth-ii^-, W. sfa- „stehen". TTt-TTor^-wg ni-na^-vTa. Zu wollen solche 
Partizipia auch zu a))geleiteton Verba, wie h(»m. /''A/*'ffeV-^'v»*böc)t. ft^vMoio- 
fiHovtuiv (att. tpxoroftt^xottav; zu -oitwr statt >. u.), die man nach 

*) I. Schmidt, Da« Suffix de« Mriidpium 1 M7 ff. (vrI. xti di««i*m AufsnU Sni/ 
jMrfecH activi, K. Z, 20, 820 ff. W. SciiULXt. 1 «I. «. D. 11 ff), 
/iiiii pnrticipium |MTfccti aciivi, ebt^nd. 27, 

ÜMabocb dOT kla«. AUftttBMW l MW Mc haft. IL i. AuH, 8 



114 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



T€'^vrj'(6g xS'Xfiij'iog u. dgl. gebildet hatte. Weiter trat unser Suffix auchi 
auf das x-Perfekt (§ 135) über, wie tcrrrjx-Mg Tsiif^ir^x-Mg. Wie die andern 
Formen des Perfektstammes, so gingen auch die Partizipien in verschiedenen 
Mundarten, besonders in den äolischen, in die Analogie der themavoka- 
lischen Präsentien über, z. B. lesb. TrsTrXrjQMxovTa, thess. h'-oixodofxfixor- 
ttaai, böot. pepvxovoiisiovToav (s. o.), homer. xsxh'jyovTsg, delph. TSTsXsvia- 
xovödg. S. § 134. Die nach Formen wie lifiMaa vollzogenen fem.' Neu- 
bildungen wie hom. att. ßsßwaa herod. tCTSMaa att. sarcocra Tsd^vtioaa 
waren durch den äusseren Umstand bedingt, dass die zugehörigen Maskulina 
und Neutra durch Kontraktion zu -wr- gekommen waren («Wwr- aus ta- 
raÖT-, iarscoT- aus iairjor-); dass dem taiwaa ein ^tarccovaa vorausgegangen 
sei, darf man schwerlich annehmen. 

Von dSwg iSvTa, elxwg, ayvia (sc. oJög), md^via (sc. öqvlg) u. dgl.^) 
darf man annehmen, dass sie nie Reduplikationssilbe besessen hatten, und 
slöuig IdvTa, dxcog mögen bewirkt haben, dass auch die Formen des Verbum 
finitum sich der Reduplikation begaben, olda, herod. oixa. S. Vf. Grdr. 2. 
410 f. Anders J. Schmidt, K. Z. 25, 32, Osthoff, M. U. 4, p. XI. 

2. Nomina ohne stammbildende Suffixe (Wurzelnomina). 2) 

74. Wurzelnomina nennen wir solche Nomina, in deren Stammauslaut 
ein auch sonst in gleicher Funktion vorkommendes nominales Stammbil- 
dungselement nicht erscheint. 

1. Nomina mit nachweislicher ursprüngliche r Abstufung. 

TTovg dor. Tvcog [TTwg? vgl. Bloomfield, Amer. Journ. of Phil. 9, 15) 
Tiog, gen. 7Tod-6g : lat. pes ped-is. Die alte Stufe der schwachen Kasus 
Tisd- noch in dem zur Präposition gewordenen instr. lesb. böot. etc. neS-d 
„nach, mit", vgl. auch Ableitungen wie ns^o-g herakl. plxaTi-nsd-o-g. noö-a 
betrachte ich als Fortsetzung einer uridg. Form "^pöd-m. Vf. C. St. 9, 369, 
M. U. 3, 124 f., J. Schmidt, K. Z. 25, 15, Osthoff, M. U. 4, p. V, Col- 
LiTZ, Bezz. B. 10, 36. Immer noch nicht überzeugend gedeutet ist das ov 
von Ttovg, zuletzt über dasselbe Solmsen, K. Z. 29, 358. 

€(g iv-6g. Das m des Stammes *sem- (6iJ.-6-g, lat. sem-el) war in evg 
(kret.) und h'v lautgesetzlich in v übergegangen (§ 20. 64), und v wurde dann 
in die andern Kasus übertragen. Zur Accentuation von slg ovS-sig s. § 67 
S. 87. Die schwache Stammform '^smm- in dem instr. afa-a (adv.), *5m- 
in a-Tca^, "^sm- in fx-fa fi-ww'^ (de Saussure, Mem. 285). 

Wenn in ion. 0Qv-ix-sg und hom. TQixa-ix-eg oder TQixcc-ix-sg ein 
schwacher Stamm */^tx- (V*^-) = ai. vis- „Haus, Wohnsitz" steckte (de 
Saussure, Me'm. 69, Fick, Bezz. B. 3, 168, Osthoff, M. U. 4, 209 f.), so 
gewährt der aus oi'xa^s, besser otxd-Ss, zu entnehmende acc. "^fotx-a die 
zugehörige starke Stammform. 

ft)i//, acc. wTi-a. Dazu KvxX-Mip sXiX'COTr-sg und olv-oxp ai^-oip, so 
dass eine alte Abstufung wiff W7t-cc Hrc-og etc. wahrscheinlich ist (J. Schmidt, 
K. Z. 25, 19 f.). 



^) S. WöRNER, Sprachw. Abb. 1874, S. 
111 ff. Mit Unrecht will Prellwitz, Gott, 
gel. Anz. 1886, S. 763 nur "I&via als hierber 
gehörig gelten lassen. Vgl. S. 101, Fussn. 4. 



^) L. Meyer, Die einsilbigen Nomina im 
Griechischen und Lat., K. Z. 5, 366 ff. Vf. 



Grdr. 2, 448 ff. Bloomfield. 
of Phil. 9, 8 sqq. 



Amer. Journ. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 74.) j|5 

Eine besondere Gruppe bildeten Zivg, ßoifg, x^oiv, x'<«i' und <ff«- 
.Haus") mit Rücksicht auf die Gestaltung des acc. sg. Vgl. über diese 
tzt Meringer, Ztschr. f. österr. Gymn. 1888 S. 132 ff. und Vf Grdr 
_'. 451 ff. 

Zevg : Sil dyaü-s, gen. abl. div-ds, „Himmel, lichter Tag". Das ur- 

rüngliche Paradigma war wohl : nom. ^diPii-s (Zev-g^ § 26), acc. *diem 

/Tm), voc. *f/K?/ (Zsv), loc. *dir?ji, gen. ^diu-es -ös (Ji^-og). Jip-i wie 

uTQ-i für TiaTtQ'i, Ji{i=)-c( wie ^vyavQ-a, xvr-a, ciqv-a. Zijv wurde Aus- 

angspunkt für Zfjva Zrjiog Zr^vf, vgl. 7r-a iv-6g (: lat. vi-m) u. dgl. Havet, 

Aiem. d. 1. S. d. 1. 2, 177 ff., Osthoff, M. U. 4, 235, Collitz, Bezz. B. 

10, 47 ff. Die Komposita kypr. ^ifei-^ffii-g att. Ji€i-TQ6(frjg (wahrscheinlich ist 

bei Homer mit Zenodot auch Sisi-Tisxrig statt Sii-TisTr^g zu lesen, G. Meyer, 

Gr. Gr. 2 129) und böot. Jioi-Soro-g zeigen einen loc. sg. nach der Weise 

der o-Stämme, vgl. ai. loc. dire-divc „Tag für Tag" (Delbrück. Altind. 

Synt. 149). 

ßovg : ai. gäd-s, dat. gdv-e. Mutmassliches urspr. Paradigma : nom. 
ßg. *QöiJ-s ißov-g, § 26) und vielleicht zugleich '^gös (dor. /?wc), acc. sg. 
♦gäm (dor. hom. und nach Wackernagel, K. Z. 29, 141 auch att. /?wi), 
nom. pl. *2^t(-es (ßo-fg), loc. sg. *g^'?^-?* (ai. gdv-i), dat. sg. *qu'di *Quu'di, 
Die schwache Form noch in Ixaxot^i-ßi] = *-gw-ö und vielleicht in Boa- 
noQog. Sonst ßof- verallgemeinert. Acc. ßovr nach ßovg gebildet. 

X.>w>', x»>«>'-«g für *x^oiii-6g, indem das lautgesetzlich entstandene -r des 
nom. sg. in die andern Kasus überging (§ 64, 3) : ai. Jcsds ,Erde% nom. 
pl. hmm-as. Im Ai. acc. sg. ksdm, im Griech. Neubildung "^xO^on-a x^ova. 
Die schwache Stammform mit -mm- war in x^^l^-f^^^^ X"/'-"' erhalten. 

X/wr, x'o»'-o^ für *x<o/i-o?, wie X'^or-og entstanden : av. zyä „Winter", 
acc. zyam gen. zim-ö, lat. hiem-. Die schwache Form x'/<- nicht mehr 
erhalten, da Sia-xH^o-g als -X'-,"o- anzusehen ist. Grdr. 2, 453 suche ich 
wahrscheinlich zu machen, dass idg. *yhicm- durch Einwirkung des Op- 
positum *.scm- „Sommer*" aus *fjhien- d. i. yhl -f Suff, -en- hervorgegangen 
war, so dass das Wort ursprünglich zu § 70, 1 gehörte. 

Von ^dem- „Haus" nur etliche Keste. Sfa-TTOTr^-g aus *<f*/is gen. sg. 
(S 79). da- = *dm- in öi't-Tifdo-v „Fussboden im Hause", dann überhaupt 
„Boden". Über anderes zu *dcm- gehöriges s. Mkrinoek, Ztschr. f. österr. 
Gymn. 1888 S. 152, Vf. Grdr. 2, 453 f., Bartholomae, K. Z. 29, 497. 

2. Nomina ohne nachweisliche Abstufung. 

Eine Gruppe für sich bildeten: otfQv-g : ai. hhriU^ «Augenbraue*, 
v-<; : lat. srt-s, ix^v-g : lit. gen. pl. Ituv-ü „der Fische", i'-g : lat. rr-.<, xf-^. 
Bei diesen stand von Haus aus -/?- -/- in allen Kiikus mit konsonantisch 
anfangendem, -ut/- -ii- in allen Kasus mit sonantisch anfangondom Kawus- 
suffixe, vgl. z. B. otfQv-og : ai. thmv^äs, wfqvai xXa( fQr ^o^vai ^niat : 
vgl. ai. hhra-sii dhl-^ti (g 90). 

rai'S : ai. naü-^ »Schiff", rctv-g tav-ci aus ♦lÄvs ^i'^'Ct (g 26); 
ion. vrjv-g vr^tMji waren Neubildungen. Nom. pl. »•»*•««, gen. sg. r»^-atf ••#«v*- 
Acc. v/j-a = lat. nar-em; att. tavv nach nom. ravg gebildet. 

Hvg : lat. miis^ Stamm idg. ^müs-. Von der alten Flexion VK«')-«^* etc. 
nur dürftige und unsichere Reste, ftvtg fit'Ci (s. Schulsk, Quaest. homer. 



2j(] A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

49 f.); vgl. dazu homer. /tfwj'. Schon frühe wurde das Wort in die Ana- 
logie der Nomina wie ocpgvg gezogen : fivv fivog etc. 

Xr^v (dor. x«!') x^/^'-^g : \lt gen. i^\. zas-ü „der Gänse". Urgr. *x^^'^- 
(§ 58). Nom. /ar für *x«e wie firiV für fisig. Das stammschliessende -s- 
war freilich wohl, wie das von ^fit^va- (§ 73, 1 S. 111), suffixales Element. 

Xvy'^ Xvyy-6g, zu Xvy^rjv Xv^co IvyYavoiim, Der Nasal als ein ur- 
sprünglich niclit zur Wurzel gehöriges Element vergleicht sich dem von 
lat. con-junx neben con-jux, ai. yiinj- neben piij- „verbunden, zusammeii- 
gespannt", lat. plur. ningucs neben nivcs. 

ßiü : ai. jyä- jiya- „Gewalt". XQ^i- In Komposition i^isao-d^rj o/io-xAi;. 
S. Vf. M. U. 1, 6. 49. 64. 

Andere Beispiele. vi(f-a acc. : lat. nix. <fMQ : lat. für. atv^. ^«^. xXoyif.), 

3. Nomina als hintere Kompositionsglieder. Seit uridg. 
Zeit standen die Wurzelnomina häufig in Komposita im Sinn eines aktiven 
oder passiven Partizips, v^i-ig acc. vri-ida : vgl. ai. visva-vid- „alles kennend". 
xp€vai'(Tvv'^. x^Q'^^^M^ urspr. „die Hand waschend", crv-fv^ o^ö-fv^ : vgl. 
Qx.sa-yuj- „durch Freundschaft oder Verwandtschaft verbunden", lat. con-jux. 

Adverbial das Neutrum i'/ro-J^a aus "^-d^ax (§ 64). V^on gleicher 
Art vermutlich dsvQo aus "^Ss-^qotc „hergeneigt, herwärts" (zu ^«'ttcü, qotii]) 
oder wohl besser aus "^dsv-pqoTv (vgl. Ssv-ts), ^Sev wie avsv, leicht deut- 
bare analogische Neuerungen ösvqu^ (F 240), att. ösvqs (inschr.), ösvqi. 

4. Infinitivische Funktion. Die Formen dsV^-ai ygdtp-ai waren 
gleichsam Dative des als Wurzelnomen fungierenden sigmatischen Aorist- 
stammes. Sie stellen sich arischen Inf. wie ai. ji-s-e „zu siegen" und zu- 
gleich vielleicht den lat. Inf. wie cla-r-t fer-r-t zur Seite. Das -s- des sig- 
matischen Aoristes kann sehr wohl mit dem s des Nominalsuffixes -es- 
identisch gewesen sein, und so Hesse sich dst^ai auch zu § 73, 1 stellen. 
Hierher gehört die Form jedenfalls insofern, als sie nach der Sprach- 
empfindung der Griechen Glied des Aoristsystems war. S. Vf. M. ü. 3, 
42 ff., Grdr. 2, 459 f. 

Die einzelnen Nominalkasus, i) 
75. Nom. sg. masc. fem. 

1. Kasus'suffix -s. mno-g = lat. equo-s. m-g = lat. ovi-s. 1)6 v-g 
=■ ai. svädil-s „suavis". vsozrjg aus '^vsj^o-Tät-g = lat. novifäs. ocfQv-g 
= ai. hhrü-s „Braue". Zsv-g = ai. dyäii-s, fivg = lat. müs, idg. wohl 
*mws-5. (fXo'^, Mifi wie lat. vöx av. växs. n^g nbg novg wie lat. 'pes^ s. 
§ 74, 1. Auch die w^-Stämme hatten von Haus aus wahrscheinlich alle 
einen s-Nomin. : nag aus ^navx-g wie ai. sdn „seiend" aus "^sant-s, öeC^äg^ 
diSovg, laTÜg, dovg, (TTäg, yvovg, x«^«'«c; die Formen wie Xsitcmv hrtcov ion. 
ocFwv = att. odovg waren wahrscheinlich im Griech. nach der Analogie der 
n-Stämme neu gebildet worden (§ 72, 3). 

2. Stamm als Nominativ. S^sa wie lat. dea. Die Maskulina 



') Vieles hierher fallendes bieten die | und lat. Dekhnation, 1862, und Stolz, Bei- 

Schriften über die nominale Stamrabildung, 1 träge zur Deklination der griech. Nomina, 

s. S. 91 ff. Ausserdem sei hier auf Leo | 1880, verwiesen. Vgl. auch G. Meyer's 

Meyer, Gedrängte Vergleiehung der griech. j Litteraturangaben Gr. Gr.^ 301. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§75—76) 117 

ie ifckria-g yeiiir-g waren ursprünglich Feminina (§ 70, 14. 172) und 
oekanien ihr Nominativ-i- erst auf griech. Boden nach der Analogie von 
maskulinischen Nominativen wie (}s6-g, wie auch ihre Genitivhildung eine 
griechische Neuerung war (§ 79). Die 6-lose Nominativform blieb in 
vokativischer Funktion : 'Eg/nsict, alvccQSTij. Letzteres erklärt wohl am ein- 
fachsten die mask. Nominative auf -<t, wie böot. ^AXxivia, 6JLt\uniorixa, 
leukad. <t>UoxXsida (vgl. megar. tov 'AgatHg § 79),') indem man diese als 
nominativisch gebrauchte Vokative ansehen kann wie {u^nkxd (g 76); dass 
es Nominative aus der Zeit seien, wo die mask. rt-Stämme überhaupt noch 
kein -6- angenommen hatten, ist unwahrscheinlich; eher möglich, diiss -g 
wie in den böot. Nom. auf -h =^ fig u. dgl. durch Satzphonetik geschwunden 
war (g 64, 1). Die Nom. auf -/« -icc wie Tiörvia dXrj&fin iftgovacc^ denen 
in den andern Sprachen Formen auf -J gegenüberstehen, halte ich für 
griech. Neuerungen nach dem Akkusativ auf -lar -lar (§ 70 •= Anm.). 

Dritte oder vierte Hochstufenform bei Stanmibildungssuffixen auf -n^ 
-r, -.s-, die der c-Keihe angehörten (§ 24). itxiMv, ni{f)(tn', ovQai'iia\\ i]Sim\\ 
(cx/^iioi., 7Joiiu]v, do'nwQ, doii'^o, :xciir^Q^ i]wg^ HÖwg^ ififvdi'^g. Da bei den ;^- 
und den r-Stämmen in andern Sprachen auch Formen ohne den auslauten- 
den Konsonanten des stammbildenden Suffixes auftreten, z. B. lat. Itomo, 
ai. iii/xsa = tixiüiv und ai. pitd = 7iait]o, so nimmt man wohl mit Hecht 
idg. Doppelformen an, deren Gebrauch sich dereinst nach verschiedenen 
Sandhiverhältnissen geregelt hatte; doch sind diese im einzelnen noch nicht 
genügend aufgeklärt (zuletzt hat über dieselben Meringer, Ztschr. f. österr. 
Gynin. 1888 S. 187 f. gehandelt). Das Griechische hätte also die vollere 
Form verallgemeinert; doch fragt sich, ob nicht in den Nom. eixo) nr^do't 
auch die andere Form festgehalten war. Durch Anlehnung an die Nomi- 
nativkategorie mit -s entstanden in jüngerer Zeit einige Formen wie lak. 
aQdi^g = €(()(JT^\\ lucxuqg = (ucxdQ. 

Stämme mit dem Suffix -n-, die diese Tiefstufen form durch das ganze 
Paradigma durchführten (g 71, 2 S. 105), bildeten ihren neuen Nomin. -— die 
alteGestalt war -/ö(//) oder -M?/) — teils iiacli d^r I.. Irils nach d«M*2. \V<'is<«: 
df-'/.(fig und dt'/Afii'. 

iKig herakl. in'^g aus *}n^tg, älter */tvv (>? 20), war ebenfalls eine in 
den Nom. eingedrungene schwache Stammform, und es ist nicht zu er- 
mitteln, ob ihr je ein Nominativ-s angefügt war, d. b. ob je ♦m<iw-s 
bestanden hatte, s. § 73, 1. ftt^r wurde zu ui^r-og etc. gestellt nach dem 
Muster von nn>:^i]v u. dgl. El. ^itvg, einmal bezeugt (Collitz, Gr. 1). n. 
1151, 15), erklärt Solmsen, K. Z. 29, 62 ansprechend als Neubildung nach 
Ztvg, die durch das Zusammenfallen der casus obliqui veranlasst war : /ii^i'W 
H^va wie Zf^r(jg /J^vu. Mit dem für xitv xv»' vorauszuseUenden älteren •x«* 
aus *x«*'^ batte es wahi. scheinlich dieselbe Bewandtnis wie mit M'i< 1**^*1 
« 74, 2. 

76. Voc. sg. masc. fem. l.. i .. -.»i - . • idg. Grundsprache. 

weit die Formen nicht enklitisch waren, durchgebonds xu rückgezogen. 

iher z. B. i^vyntfQ, nnttg, Ztv, Durch Anlehnung an den Tonsit« in den 

'I y.\ 'Xiattif SU korrigieren. S Mrimi 



IIQ A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

andern Formen des Paradigma's entstanden die Formen wie ccvioxqcxtoq. 
Säi'ifQov. Vgl. Wheeler, Der griech. Nominalacc. 49 ff. 

'iTTTis = lat. eqiie. vvfxtfä Stanoxct^ wie ai. dmha „Mutter", aksl. 
zeno „Weib", idg. -a. Die mask. Vokative wie svqvojia fir^Tnia bekamen 
im epischen Dialekt auch nominativische Funktion, z. B. svqvona Zevg 
nach svQiona Zsv (Vf. M. U. 2, 199 f., G. Meyer, Gr. Gr.2 318); anders, 
aber mich gar nicht überzeugend, Fick, Bezz. B. 3, 159 und Bezzenberger 
ebend. 174. Eine Folge der Erstarrung solcher Formen in Verbindung 
mit einem folgenden Nomen waren evgvona Zrjv bei Homer, xvavoxcchcc 
IJoasidämiy liiTtoiä (prjQÖg bei Späteren, worüber Vf. C. St. 9, 259 ff. 
QtTi, ybvv u. dgl. waren griech. Neubildungen, vgl. ai. dve sunö mit äl- 
terem /- und ««-Diphthong im Ausgang, xvor, th-tiov^^'AtioXXov^ wie ai. svdn 
„Hund", tdJcsan „Zimmermann", nätsg^ awTfq, gqäroQ, Swioq : ai. jyitar 
„Vater", ddtar „Geber". y£(>ov aus *yf^oi'r, Aiav aus "^Aiavi. IlovXvSäixüi 
(St. IIovXvSafxavT-) war Neubildung nach der Analogie des Verhältnisses 
rsetvtä-g : vsaviä (ähnlich acc. 06äv für Goavta § 77), gleichwie voc. 
KvitQoytvi] Theogn. 1323 statt *-y«reg durch alvaQktr^g : aivaQt'rrj hervor- 
gerufen war (G. Meyer, Gr. Gr.^ 327 f.); umgekehrt 2rQeipiaSeg zu nom. 
2TQ8ipiä6r^-g nach ^wxgaieg. ava aus *aj'ax (*ax'axr), yvvai aus "^yvimx. 
2(6xQaT€c, Jidyei'sg, als Appellativum Sioysvtg mit unursprünglicher Betonung, 
naTQ6xXe(p)eg, wie ai. üpama-sravas „hochberühmter". Zev = idg. "^dieu, 

vgl. den vokativisch betonten ai. Nom. dyau-s (§ 66). 

77. Acc. sg. masc. fem. Das Suffix war -m, das teils konsonantisch, 
teils sonan tisch fungierte, -v und -«. mno-v = lat. equo-m. (fvyrj-v = 
lat. fuga-m. ci-r = ai. dvi-m „overa". i]dv-v =^ ai. svadu-m „suavem". 
Für altüberkommen halte ich ferner xT-v, v-v, 6(fQv-v, ttoXi-v, vtxv-v (§ 70 <^); 
acc. */-r = lat. vi-m (vgl. i-g = lat. vis und i'(pi), wofür Iv-cc eintrat, 
wonach dann iiog heg (Osthoff, M. U. 4, 235 ff.). Über -lav -j^av in 
TTOTviav, (ftqovüav s. § 70*^ Anm. texzov-a, Tioifiev-ce, rjdiov-a, 6(6ioQ-a, jia- 
T€Q-a, aX-cc, vgl. Osthoff a. 0. 307 ff. (fbQovT-a, nctvT-a. rjw, bei Homer 
vielleicht rjoa zu schreiben, aus "^ävcrocr-a, ^so-sidk[aya -siSrj (über vyiä 
u. dgl. § 10), rjSia) aus "^apäS-ioa-ct. Durch Übertritt in die Analogie der 
Bildungsweise der sonantisch auslautenden Stämme att. ^wxQccvrjv für 
^wxQdzr], kypr. areXr^v für drsX^a, lesb. Säf^ioTäXrjv, böot. Jioytvsiv u. dgl. 
(G. Meyer, Gr. Gr.^ 321), wie umgekehrt herod. öeanöxea^ Fvyta nach 
der Analogie der iXT-Stämme. Weiter ^ivv statt '^f.iv{a)-a nach av-v (§ 74, 2); 
hesiod. &6äv (nom. Qoäg) statt Qoavra nach Avaiäv (Ahrens, De Gr. 1. 
d. 1, 114, RzACH, Der Dial. des Hes. 414) und für vrj-id-a (Homer) bei 
Späteren v^iv. r^i/ycc = lat. näv-em; att. vavv neu gebildet nach vav-g. 
vonr^(p)-a böot. XaXxiSsTa; aus -r^a ion. -bd att. -iä (§ 19). ZifV — ai. 
dydm, ßcov == ai. gdm, ßovv neu gebildet nach ßov-g, Zriv-a (wozu Zrjr-6g 
Zrjv-i) wie iv-a, s. § 74, 1, und tiv-a, s. § 95. 

Die Akkusati ve kypr. käTrJQ-av d{v)^Q^d{^>)T-a^\ rhod. ardgcov-av, 
thess. xi6v-av erhielten gleich den späten arÖQ-av, vvxr-av u. s. f. ihr -v 
wahrscheinlich von den sonantisch auslautenden Stämmen (Vf. C. St. 9, 
299, Stolz, Beitr. zur Decl. S. 40, G. Meyer, Gr. Gr.^ 319), ähnlich wie 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (77—79). 119 

kret. (foivix-ccvg statt -äg nach TroftyfVTarg (§ 87). Anders Bezzenberger 
in s. Beitr. 7, 74, J. Schmidt, K. Z. 27, 283. 

78. Nom. acc. sg. neutr. 

Kasuszeichen -w* bei den o-Stämmen: fi'yd-v = lat. jugu-m, väo-v 
= lat. novo-m. Dieses Suffix war etymologisch mit dem Akkusativzeichen 
-m der geschlechtigen Stämme (§ 77) identisch. 

Anderwärts blosse Stammform. r^6v = ai. svadd ,8uave*. aaxv : ai. 
västu „Wohnstätte". i'Sqi wie ai. hhdri „multum". ttstiov, rjSioy. -«« in 
ovo-fxa, antQ-iia aus idg. -mn, vgl. ai. nd-ma „nomen", analog xa^rt aus 
^xagaa-a, -ti, und wohl auch fiäy« aus ^lisy-n (§71 S. 105 f.). y*^oi(r), 
Ti^tr{T), dor. äol. 7r«r(i:) hom. 7r(>o-7r«r(T), x«?'*^ »*(«)• Att. 7r«i' a-irar nach 
Trag a-iräg (Osthoff, M. U. 4, 253); ähnlich axiofir, Sccxqvöhi' bei Apoll. 
Rhod. nach dem Mask. auf -osig, wobei wohl der Umstand mitwirkte, dass 
in den kontrahierten Formen der damaligen Umgangssprache Mask. und 
Neutr. den gleichen Vokal bekommen hatten (-ovg -ovr aus -oeig -öev). 
yevog = lat. genus, övafuvi'g = ai. durmanas „missmutig", xqeag = ai. 
kravi$ „rohes Fleisch", tlSog aus */=fiS-f^og (§ 73, 4). 

Über Neutra mit -q wie ov^ceg v6o)q s. § 71% 1. 

79. Gen. sg. Drei Suffixe, -og, -g und -{a)io = idg. -05, -s und sio. 
1. ~og = kelt. lat. -os (lat. Vener-us, nömin-iis). Daneben stand einst 

^cs (— lat. 'CS -is, balt.-slav. *-es), das aber durch -os schon im Urgriech. 
verdrängt wurde. ') xv-i-ug : ai. su-n-as „canis". naiq-og : av. bropr-ö 
„fratris" (-ö = -as). (ftgorr-og : av. harant-ö „ferentis". oXott/t^g : ai. 
sarvd-tat-as „der Vollkommenheit", ysvf-og yivovg : ai. jatias-as „geneiis*, 
6vafurt-og SvafXf-vovg : ai. dunvanas-as. aidovg aus *cxi6o(a)'Og. yi]Qa(a)'Og 
att. yf]QO)g, xQtwg : ai. Icravis^as. Attisch und anderwärts ^oyxQciiov für 
^wxQcctovg nach noXitov (vgl. acc. JSuyxgdii^f, S 77). Lesb. Gtoyt'yi^ (wie 
acc. -y*V/^r, dat. -y*Vi;, voc. -yf^vt) ebenfalls nach der Analogie der ma.sk. 

-Stämme (vgl. § 70* Anm.) 

xiog : vgl. ai. hkly-ds „der Fiiiclit ". loÄtoc: tK/Qvtt^ : lu. I>f"" . : 

lat. su-is, vt'xv-og, s. j} 70'*. 

Die i- und w-Stämme hatten im Urgriech. 'f(i)'Og und -*f-os. Att. 

lo/.i-og (fvatog {noXi-g <fval-g), die aber, bei dem Nichterscheinen dor laut- 

• setzlich zu erwartenden Kontraktion, nicht als ungestörte Entwicklungen 
'lor urgriech. Form gelten können. Homer. noXi^og war Neubildung nach 
n'ßXf^i (g 82). i]S6{f:)'0g, 7Tt'^x^(/=)'üg, a(rit(f)'og. Att. TroAioi^ aus (hom.) ;r«i- 

'/>?, ebenso (fvatwg etc., und im Anschluss an diese ni^iftog^ tiattoig (zur 
Bet^mung s. g 07 S. 84); auch ion. ttoA^oi^ (auf einer von Attizismon freien 
TuHchrift von Cliios, Beciitel, Inschr. des ion. Dial. S. lUü) violloicht laut- 

'setzlich aus 'r^üg (s. g 10); noXtiav Neubildung nach noUw^ (8 80). 

her IcHb. el. etc. (fimtog s. g TO*». Kypr. ßttmXT^p-'Oi, hom. -rjo^, losl». 

/ /;.. flii'ss liodi. -^Toc, dor. ncMiion. -m>c. att. -»o>f (j 19). 

') Dor «icbraudi Vdii " uimI - v-.i m 'ihrolr-nH hit. fralr-H» (unbtl<tft), *M^ 

'iniifflich nach H«'t4>niinK^"" f • 1"' •'' "I" >'* " > nton gr tft\n>$tot. 



It, s. b. idg. */'Wr 



120 A. Griechißcho Grammatik, c) Flexionslehre. 

////r-og Jf-vQ = ai. <i'u)-ds. vä{py6g vt/k vf(og (s. § 19) -= Jii. ndv-ds 
^navis" ; neuion. vfog für rnng nach no6-6g u. dgl. 

2. -g = ar. ital. germ. balt.-slav. -s (z. B. ai. dvc-H „ovis", osk. 
castrov-s „fundi"); wahrscheinlich dasselbe Element, welches in sx-g an-g 
u. dgl. enthalten war. f^fC- in ösa-norrig aus "^dsfi-g „des Hauses" (§ 55. 
63), mit ai. dan (ved. pdür ddn „Herr des Hauses") auf idg. Hcm-s 
zurückgehend (Osthoff, Z. G. d. P. 591); derselbe Stamm in Sä-nsSov 
(§ 74, 1). 

Xwqag : vgl. ai. gnds „deae" in gnds-pdti-s, umbr. ^oto „civitatis", idg. 
-(?8, wobei freilich zu berücksichtigen ist, dass dieser Ausgang auch durch 
Kontraktion von -ä mit -es oder -os entstanden sein konnte. Die masku- 
linisch gewordenen ^-Stämme nahmen im Griech. den Ausgang der o-Stämme 
(3) an, Hom. ^AtQsiöäo nach Ttttioo, böot. -äo, lesb. dor. -ex, ion. -fM -w 
'fv, arkad. kypr. -av {-ccv?) att. -ov. Über ion. -w, -«w und -f?' s. § 19. 
Im Arkad. wurde -ccv auf die Fem. übertragen: ^diuav, oixiav (Leskien, 
Decl. 40 f., Osthoff, M. U. 2, 128). Umgekehrt trat im Megar. und Thess. 
der Ausgang -äg der Femin. auf unsere Maskul. über, wie Ugaiag, Nixtag 
(J. Baunack, Stud. 1, 233); diese Neubildung erklärt sich daraus, dass der 
Nom. und der Gen. beide den Ausgang -« bekommen hatten (vgl. § 75, 2). 
Im att. TtoXiiov war entweder der ganze Ausgang -ov von Tttttov über- 
nommen, oder die lautgesetzlich entstandene Form "^tvoXilsw bekam zu einer 
Zeit, als noch Hjittoo gesprochen wurde, nach dieser Form -o für -w, und -fo 
wurde dann -ov (vgl. § 19 über ion. Tlvi^tv). Eine lautgesetzliche Ver- 
kürzung von -€w zu -fo, an die Bechtel, Bezz. B. 10, 283 denkt, ist un- 
erweislich. Att. Eigennamen wie Kalhädovg (Meisterhans, Gr.^ 93) nach 
^wxQaiovg, vgl. voc. ^tQsxpiaösg (§ 76). 

3. -(c){o = ai. -sya (vgl. § 12). Hom. Ttitioio (-oio war schon damals 
eine Antiquität) mmw, neben denen man auch miroo vermutet, und Urivf-- 
^€0)0 (nom. Ilrjve'ksw-g) aus *-r;Go. Dor. lesb. böot. -ca, thess. (Pharsalus) 
-ov aus -o; (vgl. § 9), ion. att. dor. -ov. Vgl. G. Meyer, Gr. Gr.2 333 f. 
und die dort zitierte Litteratur. Att. Xew aus *Afwo "^hjoo. Nicht klar ist 
der kypr. gen. sg. auf -mv, wie ccqyvqmv, die Zusammenstellung mit arkad. 
Tw-vi „huius" leidet an einer Schwierigkeit, von der in § 94 die Rede sein 
wird. Neben -o-io bei den Pronomina auch -s-io, s. § 94. 96. 97. 

Anmerkung. Dem Griech. neben -sio auch die Endung -so (vgl. aksl. vX-so, got. 
Jyis aus *pe-so) zuzuschreiben sehe ich auch nach Johansson, De der. verb. 215 keine 
Nötigung. 0. Hoffmann's Grundform *inno-jo für 'innoi und Innoio (De mixtis Gr. 1. dial. 6) 
schwebt ganz in der Luft. 

Das korkyr. TXdat'u/o (Röhl, I.G.A. n, 342) ist wohl mit Blass u. a. für das Mach- 
werk des Verfertigers der Grabschrift zu halten, der das ep. -do unrichtig nach rde6(; u. 
dgl. dorisierte. Jedenfalls darf die Form nicht, wie wieder Fick, Bezz. B. 11, 248 thut, 
zu Schlüssen über die Grundgestalt des griech. Gen. benutzt werden; Fick beachtet bei 
seinen Kombinationen nicht, dass -oio -ov auf 'O-sio, nicht auf -o-si{i)o zurückzuführen ist. 

80. Abi. sg. Eine besondere Form hatte die idg. Grundsprache nur 
für die o-Stämme (vgl. Leskien, Decl. 34 ff., Osthoff, M. U. 2, 106): -öd 
und -ed (alat. Gnaivöd, facilumed). Im Griech. nur -öd erhalten, und zwar 
nur bei Pronomina mit Sicherheit nachweisbar, z. B. gortyn. w oVrw lokr. m 
071M „unde", kret. tm-Ss „hinc." Wie weit die Adverbia der Art und 
Weise auf -m und -w-c, wie m-ös, ovro) ovTwg, xaXcog, aoifw- in aocjoi^xsQog 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 80—82.) ]o| 

,:; 70, 10), Ablative und wie weit sie Instrumentale waren (Mahlow, D. 
i. V. 80) — vermutlich waren beide Kasus in ihnen vertreten — , ist schwer 
zu sagen. Das -c von oviw-c etc. war ein neu hinzugekommenes Suffix, 

lentisch mit dem -c von sx-g an-g ^y-yv-q ixt^Qi-g u. dgl. (vgl. § 79 2).') 
Nach der Analogie der Formen wie xccXiog wurden cf/rf^foorr-wc, (r«yf(<y)-w$ 

'((fMQ, i^ccQb(f)-o)g u. dgl. gebildet. 

81. Dat. sg. Die idg. Dat., Lok. und Instr. des Sing, waren im 
Griech. syntaktisch verschmolzen, s. § 184. Hier haben wir zuzusehen, 
welche Formen einem jeden dieser Kasus zuzuweisen sind. Schriften über 
diese Kasus zitiert (j. Meyer, Gr. Gr.'-^ 337. 

Das Dativsuffix war -a/. Die konsonantisch schliessenden Nominal- 
Stänime verloren die Dativform, doch blieb sie in Infinitiven, fS-iifv-cn : ai. 
vid-mdn-e, kypr. So-pfv-ai : ai. dü-vdn-v, ö^Tx-a-ca {^ 146), ausserdem viel- 
leicht in ein paar Adverbialformen, etwa in Jiag-ai (G. Meyer, Gr. Gr.- 
341). Mit dem Ausgang der o- und der a-Stämme war -a/ bereits in 
uridg. Zeit zu -öi und -ai verwachsen. Diese Formen auf -o) und -«, wie 
iniTO} (vgl. osk. Abellaniii, av. haomiil „der Somapfianze'*) und x^W (^'g^- 
ai. HHvaindijCü, Stamm suv-apatyd- „eine, die schöne Nachkommenschaft 
haf*), erhielten sich in dem grössten Teil des Sprachgebietes, in einigen 
Mundarten wichen sie den Lokativformen (§ 82); über -w (thessal. -ov) und 
'ic mit Verlust des -?' s. Jj 10. 

82. Loc. sg. Zwei Formationen. 
1. Suffix -/. 

Hei den o-Stilnnnen -o/ -oi und -cl -t-i, beide aus idg. Urzeit; zu -oi 
vgl. ahd. fuge -- idg. *dho(^hoi, zu -cj osk. terei lat. dornt (s. Vf. M. U. 
li, 244, J. Schmidt, K. Z. 25, 95, Köoel, Ztschr. f. deutsch. Altert. 1884 
S. 118 f.). (Mxui, 'Ifrt'ffior, noT, oi, ordanoT. Im lon.-Att. waren solche 
Formen zu Adverbien geworden, daher Neubildungen wie att. hixvrrui zu 
i] Kixvvru. Dagegen blieben sie im Ark.-Kypr., Boot, (-of, -i»), El. und 
Nordwcstgriechischcn lebendige Kasus und wurden liier auch dativiscli ge- 
braucht (§ 184). Im Thessal. (Pelasg. und Perrh.) bekamen sie Genitiv- 
bedeutung (§ 181). -ei nur in adverbialer ErstaiTung, z. B. att. wxfi, 
(U}tti\ nardrjjiiei, (}avkti\ kret. dirrkt-T^ tth, korkyr. tnH. 

Die fl-Stämme zeigen -ai. Im lon.-Att. nur Adverbia, wie (-h^tim- 
yfvi'jg (vgl. JlvXoi'ytvi\g), vielleicht auch xn^icd, TidXai (vgl. Ohthoff, Z. G. 
d. R 195, G. Mkver, Gr. Gr.-' 338. 311). Im Boot. (//Arfi>r/^, f^fkatn) 
und gewiss auch in den andern Mundarten, die -ot als lebendiges Kasus- 
iffix besa-ssen (man beachte, dass inschr. -AI sowohl -m als auch -^ ge- 
lesen werden kriiinte), blieb die Form -/« als Schwesterform zu -oi bosteheti 
und dif'iite sowohl als Lokativ (el. OXvftTiütt „in Olympia"), als auch als 
>' I < )b es bereits in idg. Urzeit Lokative auf -ai gab, ist sehr frag- 

I n.liiil III «Hill MM IM N |)iiii(i-| All IUI iii-<i hilft. HnUtKVDkK»».*« r. i.tkitkiUUf* 

ifHHHUn )i<K)t. InHclirift • -r. I). n. der Form. («iAU. gel. Ann. 1H87. 8, i^ß) M 

14'» ifit wohl «ino Art)l>|".. - --r .-.r.i.u 

nl««ht durch oTioTtoi u, dgl 



I 



122 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



lieh. Ebenso ist aber auch nicht ausgemacht, dass -cci in urgriech. Zeit 
als Parallelform zu -oi neu gebildet worden sei.') 

Ansprechend vermutet Johansson, Bezz. B. 13, 111 ff., dass mehrere 
Stadtnamen auf -oi und -ai, wie JtXcpof, 'Ad^rjvm, auf Grund von loc. sg. 
erwachsen waren. 

avx^^'-f^ TToipt-v-i : ai. uJcsdn-i got. aühsin (uksdn- aühsin- „Ochse"). 
7iaT€Q-i = ai. pitdr-i. (ptgovr-i : got. nasjand (nasjand- „Retter, Heiland"). 
yivfi ykVH (vgl. § 17) = ai. jduas-i; aiSot t)oT, bei Homer vielleicht aldöi 
i]6i zu lesen; y\Qai atXm wie ai. hravis-i (§ 73, 2), att. yiiQcc schwerlich 
aus *YrjQct(T-ai (Dativform § 81), vielleicht neben yrjQ^'' gestellt nach der 
Analogie des Verhältnisses von -m (loc.) zu -rt (dat.) bei den (l-Stämmen; 
vgl. auch Danielsson's Erklärungsversuch Gramm, und etym. Stud. 1, 28 f. 
Ji/s-C Jti Ji = ai. dw-i. vA{p)-i ion. att. ^•//>'■ =^ ai. näv-i. noS-C : ai. pad-i. 
xi'i \ vgl. ai. hhiy-iy kypr. TtioX^i (zu TvoXi-g); 6(fQv-i : ai. hhruv-i, avi, vsxvi, 
s. § 70^. Dies kret. lesb. böot. nöXi ist wohl eher für kontrahiert aus 
^TToXa anzusehen, als für einen Instrum. wie ai. matt (von St. rnati-), wie 
OsTHOFF, M. U. 4, 385 vermutet. Hom. r>dk(p)-i, att. r-Sn. Hom. vojiirj(pyi, 
herod. voixh (§ 19); att. vofjisT wohl Neubildung nach 7'jdst (vgl. vofislg 
§ 86, ToxfifTi § 90) zugleich unter Einwirkung von vo[ji€wg vofisä mit laut- 
gesetzlichem f. 

Wenn das -i in hom. nar^Qi, vTteqfxevti u. a. (Hartel, Hom. Stud. 
P, 56 ff.) nicht bloss metrische Längung war, so kommt in Frage, ob es 
nicht uridg. Nebenform von -i war, wie ved. tanüv-t neben tamiv-i, vaktär-t 
neben vaktdr-i (vgl. Osthoff, M. U. 4, 222 ff., Phil. Rundsch. 1, 1596). 

Der Ausgang der adverbial erstarrten Lok. wie sxovti S^eXoni wurde 
auch auf o-Stämme übertragen, z. B. ovofjiaaii, afftaxti. 

2. Homer. TioXrji, att. Tiöhj (Meisterhans, Gr."^ 108) zu noXt-g war 
nach J. Schmidt, K. Z. 27, 298 f. Neubildung für "^ttoXyj, eine mit ai. agnd 
(zu agni-s „ignis") zusammengehörige Lokativformation auf -e, das in idg. 
Urzeit aus -ei hervorgegangen war; es hatte also hier das Stammbildungs- 
suffix die 3. Hochstufenform, vgl. unten S6-^rjv. Ob die Nebenformen 
hom. 7iT6X8i TTÖaei att. noXu nöaei jüngere analogische Umbildungen von 
-r^i -1] waren, oder ob von urgriech. Zeit her -t] und -£(/)-fc so neben einander 
gestanden hatten wie 66-firjv und noi-ixev-i, ist nicht auszumachen. Be- 
achte übrigens, dass im Att. -iß und -h seit Beginn des 4. Jahrh. laut- 
gesetzlich zusammengefallen waren (§ 16). 

Inf. 66-i^ifv (§ 146), adv. ah'v (zu amv) stellen sich zu den ai. Loka- 
tiven wie hdr-man (hdr-man- n. „Werk, Handlung") W(i-cm {ud-dn- „Wasser"), 
s. Vf. M. U. 2, 190, J. Schmidt, K. Z. 27, 306. Die kret. Inf. 66-f,irjv 
u. s. w. mit 3. Hochstufenform, wie die av. Lokative auf -an (§ 71 S. 104). 

Dass diese zweite Lokativformation -i im Auslaut verloren habe, ist 
nicht im geringsten wahrscheinlich zu machen. Eher ist glaublich, dass 



\) Der loc. sg. der «-Stämme hatte ur- 
sprünglich wahrscheinlich den Ausgang -äi, 
war also dem Dat. gleich. Nun kann man, 
worauf mich W. Streitberg aufmerksam 
macht, annehmen, dass aus -äi vor Konso- 



nanten im Urgriech. -ai wurde nach § 2(i 
(z. B. ©rjßai-ysvrig, xmqcci rit^og) und dann 
der Form -ai mit Rücksicht auf -oi speziell 
lokativischer Sinn zuerteilt wurde. Vgl. § 184. 



3. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 83—84.) ] j:; 

die im loc. sg. seit uridg. Zeit starke Stammform aufweisenden arx^r-i 
TtartQ-i den Zuwachs von -i erfahren hatten nach dem Muster der Formen 
wie 7ToS-i (J. Schmidt a. 0.). 

83. Instr. sg. Suffix -«. Nur in adverbialer Erstarrung erhalten. 
aii-a, Tte6-d u. a. (Vf. M. U. 2, 158, Osthoff, Z. G. d. P. 572 flf.). 
Mit dem Ausgang der o- und der «-Stämme war das Suffix bereits 

in uridg. Zeit zu -ö -e (vgl. lat. modo^ altir. dat.-instr. celUi , socio" mit 
idg. -ö, got. pe „eo" mit idg. -e) und zu -fi (vgl. ai. dhdnt^ St. dhära- 
,,Strom, Guss, Strahr) verwachsen. Hierher wohl ein Teil der Adverbia 
auf -0) -w-c, etwa nw-note, vgl. § 80. Sicherer sind Formen auf -^ : lak. 
7ii\-7ioxu {ni]- = got. live), gortyn. ?/, o/r/;, wohl auch i) „wenn" (g 201, 3), 
tri „da! nimm!"),0 s. Vf. M. U. 2, 244. ä-Stämme: tt^, »;, xgvtfr^, der. 
tavra, a-tf, xQV(fä, lesb. oTirtä, aXkä; wenn daneben auch -t^t erscheint (im 
Attischen in den Inschriften der klass. Zeit fast immer -« -/;, wie iSi'^, i;, 
Meisterhans, Gr.- 114, gortyn. u, ccXkn u. s. w.). so beruht das darauf, 
dass auch Dativformen mit der gleichen Bedeutung zu solcher adverbialen 
Verwendung gekommen waren (g 187). Mit dem Übergang von -(f in -« 
(8 IG) fielen die Instrumentalformen mit den Dativformen zusammen. Eine 
ganz abweichende Ansicht über die Adverbia auf -ä, die Mahlow, D. 1. 
V. 131 vorträgt, überzeugt mich nicht. 

84. Nom. acc. du. Litteraturangaben bei G. Meykr, Gr. O?-.- :>r)0 f. 
Zwei Bildungsweisen. 

1. Suffix -f, das mit dem ved. -a identisch zu sein scheint (O.sthokk, 
M. U. 1, 226 f., Meringer, K. Z. 28, 230). noi^uv-f, llxtiov-f. naitg^f. 
'SunoQ'f-. (f€Qoi'T-f^. Att. inschr. (SxtXd aus -f(cr)-f, die handschr. Form ytvff 
war Neubildung, während axtXi^ in Verbindungen wie axth^ ovo Pluralform 
war. x/V, 6(fQVf, ave. Diesen Bildungstypus zeigen auch die /"- und m- 
Stämme, die in idg. Urzeit nach Ausweis der andern Sprachen die Aus- 
gänge -1 und -ü hatten (z. B. ai. dvl „Schafe", sümi „Söhne")-). Att. inschr. 
ciJivfTft, handschr. TTÖÄti (zu nokf-g) und noXff, letzteres, wenn richtig über- 
liefert, eine Neubildung ähnlich wie y*V«; isoliert stand oaae von St. *oqi' 
(vgl. 8 70», 1). Hom. >T/;x*(f)-* i«X*(fH? att. inschr. vUt, während nan; 
Plural form war. 

2. ihTiü) = ai. ved. d^va, idg. *e/c^(l. Strittig ist, ob diese Form aus 
-o -I e entstanden war, oder ob ein idg. -ö(/ (vgl. ai. dhott), das mit dem 
-c der ersten Bildungsart nichts zu schaffen hatte, zu Grunde lag, 8. Vf. 
M. U. 1, 159 f., 0.STH0FF, ebend. 226 und 2, 120. 134, Mkrinokr, K. Z. 
2«, 217 flF., ToRp, Beiträge zur Lehre von den geschlechtloson Pronomen 
in den idg. Sprachen (Christiania Videnskabs-Selskaba Forhandlinger 1888 
Nr. 11) S. 45 f. ivyto war nach Jir/rw gebildet, idg. Grundform war *juani 
(ai. !/i(p(\ aksl. '/>/). Die idg. Grundform der rt-Stflmme hatte -<i([ (ai. divr 
\im fisrfu , Stute- uknl. hnir von itnia .Weih"), und diese Form liegt 

') Imn mit dM'ö«'iii oft v.mli. li. nr lit. llutiH-i . »"-tont ww. VgM 'JOI, I. 

ir .H«! nimm!' Himmt nicht i... A.r.nt, U« | ^ ») 1 i - ;'•«*«•«" * •*^.«**' *" 

PH auf •/<< mit «eHtofifloncm Tun wi-ihI (vgl. I fi Ktni .iv. .* au'.^ I«» i,mut, \ i:\ w . 

^ iUi). Freilich winum wir nicht, ob it] bei . .ScilUU«, K. 7*. 2», 27. 



124 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

walirsclieinlicli in den pluraliscli fungierenden x^^qcci, vi\a(fca etc. vor (§ 8()). 
/w^rt, rvjn(/(i waren Neubildungen nach den Maskulin formen auf -co (bei 
Homer dieses -rt nur erst bei den maskulinischen «^-Stämmen!), doch sagte 
man to) (firjXn, entsprechend totv aii'j?,mv, und ebenso fungierten auch die 
Maskulinformen andrer Pronomina zugleich femininisch. 

Die alte Form des Neutr. scheint nicht ganz ausgestorben gewesen 
zu sein. Da pi-xaii Dual war (s.S. 123Fussn. 2), so liegt die Vermutung nahe, 
dass das pei- von pfi-xaii ei'-xoai die Dualform eines o-Stammes war; -ei 
neben -o/, wie im loc. sg. und sonst (§ 70 S. 91). So fände auch das e 
von att. 6imv seine Erklärung, indem dies aus "^Svei-aiv herzuleiten scheint, s. 
8 85. Ferner ist mir nicht unwahrscheinlich, dass Svo (neben Sim) als altes 
*(Jvo/ (vgl. kypr. xä aus xa( vor Sonanten und vor Konsonanten) hierher 
gehöre, s. S. 79 Fussn. 1, und lak. Svs Röhl I. G. A. n. 69, 8 könnte die 
Schwesterform mit -c- gewesen sein. Ebenso böot. 6xr6 neben oxim. Gerade 
bei Zahlwörtern ist der Gebrauch der Neutralform für alle drei Geschlechter 
leicht erklärlich, hinzu kam die morphologische Isolierung der Form. 

85. Gen. dat. du. «-Stämme -aiv, wie xooaiv. Sonst -oiv, hom. 
-o/tr, wie iTiTvoiv i'rcTroiir, 7io6oiv ttoSüTiv. Im Elischen övotoig, avioioiQ u. dgl. 
Neben -oiv auch -oi : argiv. rot paväxoi und C. I. A. 1, 472 ttcciSoi, ^ai'6{v)T0f 
(vgl. J. Baunack, Stud. 1, 174 f.). Deutungsversuche bei Fick, Bezz. B. 
1, 67 f., J. Baunack, Mem. d. 1. S. d. 1. 5, 25 ff., Gortyn 70 f. und a. 0., 
Thurneysen, K. Z. 27, 177, Torp, Geschlechtlos. Pron. 47 f. Vermutlich 
wurde zunächst von den nom. acc. du. masc. I'tttim fem. vv/iKfai neutr. 
*^vyoi (vgl. § 84. S6) aus durch Anhängung des Suffixes des loc. pl. 
HTtnw-ai, ^'nnw-aiv^ '^vv/iqca-ai '^vv[X(f)m-aiv, ^vyoi-ai "^^vyot-fnv gebildet 
(vgl. lat. diiö-bus mit Pluralendung). Daraus *e^7r7rwi(r), '^vv}X(fmi{v), "^^vyou 
^vyouv. Entsprechend zu voi "^vM-aiv rto-iv. -a- fiel hier also aus und fehlte 
fortan, während es im loc. pl. durch die Analogie der Formen wie (filax-ai 
gehalten, bezieh, wiederhergestellt wurde. "^iTtTtwi^v) wurde dann nach 
^vyou{v) "^vviiKfaii^v) zu l7iou(v) umgestaltet. Die Genitivfunktion dieser 
Dualformen erinnert an den genitivischen loc. sg. auf -oi im Thessalischen. 
El. -owig (vgl. pl. dywv-oiQ) scheint gebildet worden zu sein, als -oii zu -oi 
geworden war, um diesen Kasus vom dat.-loc. sg. auf -oi (§ 82) zu scheiden. 
Att. ^vHv vielleicht aus "^dvei-aiv, zum nom. neutr. "^övei, s. § 84 extr. 

86. Nom. pl. masc. fem. Zwei Bildungsweisen. 

1. Suffix -fg, idg. -es.^) ax^iov-sg = ai. dsmmi-as „Steine, Felsen". 
7iattQ-eg = ai. jntdr-as. (ftQovr-sg = ai. hhdrant-as. dvapi^vb^g -sTg = ai. 
dur-manas-as. rjSiovg aus -io[a)-8g. xi-sg nöXi-sg (zu nöli-g) wie ai. dhiy-as 
„Gedanken", 6(fQv-eg = dii. hhriiv-as, vt-xv-eg. ßäasig aus '^ßcc(Ss{j)-£g = d^A. 
gdtay-as „Gänge, Wege"; ßäaieg Neubildung s. § 70<*; hom. nolmg, wie 
TtoXi^og, Neubildung nach Tiolrji (§ 82). i^d'e{i=)-£g -sTg = ai. sväddv-as. 
nod-sg = ai. pad-as. va(f:)-sg, rrj-sg, vt-sg = ai. ndv-as. 

Herakl. lesb. böot. TQig (neben att. TQsig = ai. trdy-as) war nomina- 



') Die angeblich kretischen Formen auf S. G. Meyee, Gr. Gr,^ 342, R. Meister, Berl. 
-8v, wie uxovaavTsv (Baunack, Gortyn 70, philol. Wochenschr. 1888, S. 853. 
Stud. 1, 250 f.), sind blosse Schreibfehler. 



I 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 85—87.) ]•)•, 

tiviscli gebrauchte Akkusativfonn, ebenso lesb. tioXiq (?) Collitz, Gr. D. 
n. 213, 2 und att. aoxvg (§ 87. 177). 

Neben hom. ßaaiXr^{p)'ig el. -«fc, böot. -ftfc, herod. -tfc, -att. -/j 
(aus -/~6c kontrahiert) erscheint auf att. Inschriften des 5. und des Anfangs 
des 4. Jahrh. auch -t>^c, z. B. iTTitti^g (Dittenberger, Hermes 17, 38 ff.). 
Dass -tt^g die Vorstufe zu -tjg gewesen sei, ist nicht möglich; Wacker- 
XAGEL, K. Z. 29, 148. vermutet ansprechend, -t- sei nach unkUir empfun- 
dener Analogie aus iTTniwg -tun' -tu -tag übertragen worden, vgl. rtV.j 
Ttniai statt TOi Totai nach reo (§ 94). Att. -etc, das im 4. Jahrh. aufkam, 
war Neubildung nach t^^tig, ^rij^tig, vgl. roj^iti § 82, loxt'ai g 90. 

2. Das -Ol der o-Stämme, z. B. Ttttioi, nach der pronominalen Dekli- 
nation (toi, § 93) für *-wg (idg. *-ö6' : ai. -äs, umbr.-osk. -ös^ got. -ös). 
'/ö)()ai für *xo;oac (idg. -äs : ai. -ä."?, umbr.-osk. -äs, got. -ö>', lit. -(>5) scheint 
die altererbte Dualform (JJ 84) gewesen zu sein, s. Vf. K. Z. 27, 199 ff. 

87. Acc. pl. masc. fem. Suffix -?is, dessen Nasal nach Konsonanten 
sonantisch war (urgr. -ug = ai. -as, lat. -es aus *-ens, got. -uns). 

Kret. Torg, odfXorg, dor. böot. -ox*, ion. att. dor. -ovg, lesb. -oig, vgl. 
got. vulfa-ns „lupos". Kret. idrg, nQiiytvjdrg^ argiv. 'AXf'^ar^giiarg, dor. 
böot. ion. att. -ceg, lesb. -«/g; -«ic zunächst aus *-u-rg nach § 26. Über 
el. -oiQ, -aiQ s. S 55 S. 69. Vor Konsonanten wurden -ovg und -cerg im 
Urgriech. zu -og und -äg, s. § 55. 03. Kret. rging (auf der grossen Inschr. 
V. Gortyn 5, 54 und bei Röhl, I. G. A. n. 478, 8) doch wohl Neubildung 
für *ronc (Baunack, Gortyn 70 f.). Dor. böot. iQTg = got. pri-m ,tres". 
hom. öig, ion. inschr. 7iQt]aig. Kret. invrg^ hom. xXtnvg ytivg, wie got. 
sunu-ns „filios". Die antekonsonantischen urgriech. Nebenformen auf -?c 
-vg (vgl. -og -äg) könnten nur in der gebundenen Rede konstatiert werden, 
scheinen hier aber nicht vorzukommen; vielleicht wurden sie überall schon 
früher aufgegeben als die entsprechenden Formen der o- und a-Stämmo. 
Die att. rgtig^ ßaatig und rßtig, vhTg, nii]xtig waren die Nominativform(»n 
(§ 177). Hom. ylvxkug, herod. ni]x^ag Neubildungen wie sg. tvot« für 
evQVV. noaiag nach noXiag (zu noXl-g). 

Wegen ai. acc. pl. masc. -an, -in, -Rn (aus -ans, -Ttis, -uns, s. Vf. 
Grdr. 1, 496) gegenüber -org, wie, -vrg ist der Ansatz der idg. Grundform 
zweifelhaft. Es muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass diese 
urgr. Ausgänge zunächst aus -wig, -irg, -vvg verkürzt worden waren nach 
demselben Lautgesetze, nach dem -arg aus -ceig entstanden war. Vgl. 
Hanssen, K. Z. 27, 615, Bremer, Berl. phil. Wochenschr. 1887 8. 502, 
Merinoer, Ztschr. f. österr. Gymn. 1888 S. 773. 

-«j = -wA\ ttxtov-ug, ftgr-ag. nati(^g» (ftgorr-ag. aoXXti(a)'a. 
n'ytvtTg, ßtXtifovg w Aren Nominotivformen. «/-«« noh-ag (zu ;roA/s) wie ai. 
l/inHis, tKfQv-ag = ai. hhnir-as, rt'xv-ag', o(fQvg, r*'xiv nach xXfitvg. fOfn^{f)'4ti 
>'>HKtg: im Att. wurde neben -tttg schon früh die Nominativform auf -/v. 
s|.it('r (inschriftlich seit 307 v. Chr.) auch die auf -#!%• akkusativinch go- 
iHiiiicht. iä(/?)-«s' » ^-«v' ai. nav-fis, ßo^^ = lat. bov^s; all. rtng ßoiy 
u'.uh rrtry ßnvr; theokr. ßoK nach ßu)y (Ohtiiokk, M. U. 4, 313, Vf. Grdr. 



\2G A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Die kret. Formen (foirix-aig imßaXXovi-arg u. dgl. schuf man nach 
der Analogie der rt-Stämme wie nQsiytvvävg (Osthoff, P.-Br. B. 3, 197, 
Vf. C. St. 9, 299, Stolz, Beitr. z. Dekl. 42), und zwar wurde diese Neu- 
bildung durch das Nebeneinander von -dg und -mg bei den ä-Stämmen 
veranlasst (Vf. Zum heut. Stand der Sprachwiss. 93 f.). 

88. Nom. acc. pl. neutr. 

Suffix -« = ai. -i, idg. wohl -9, s. § 11, 3. (ftgovi-a — ai. hhdrani4. 
Triov-a. y«Vf(o')-a ytvrj. rj^io) aus -io{a)-a. Mehrdeutig sind Doppelheiten 
wie Yi'Qct ysQcc zu ytQccg (G. Meyer, Gr. Gr.^ 349). 

Die i- und w-Stämme scheinen in uridg. Zeit -t und -ü gehabt zu 
haben (ai. tri „tria" lat. tn-ginta, ai. purü „multa"). rgia, r.Sia^ aarsa 
waren gr. Neubildungen (vgl. hierzu Mahlow, D. 1. V. 73, Osthoff, M. 
U. 4, 384); das £i in ^rjXsia (Aratus und Thera Cauer, D.2 148 C 29) 
und in o'^sia (Hesiod) stammte aus dem Femin. (Vf. K. Z. 24, 83). 

Die o-Stämme hatten ursprünglich -ä (ai. yiigci aksl. iga „iuga" lat. 
juga). Die griech. Formen wie C^yce, deren -ä nicht aus -ä gedeutet 
werden darf, waren also Neubildungen nach (psgovr-a etc. Ob das voraus- 
zusetzende -« durch TQiä-xovra ion. TQirj-xovTa repräsentiert war, ist wegen 
nsvTi'XovTa (ai. pancä-Sdt) herakl. TSTQco-xovra u. dgl. ungewiss. 

89. Gen. pl. Das Kasuszeichen war wahrscheinlich -om, idg. "^ekiwm 
aus ^ehiio-om. Von den o-Stämmen ging -mv auf die andern Stammklassen 
über. S. Osthoff, M. U. 1, 207 ff. 

'irnnav wie ai. deväni „deorum" (Lanman, Journ. of the Amer. Or. 
Soc. 10, 354). Hom. d^samv böot. ^gaxfJiäcov Neubildung nach der prono- 
minalen Dekl. (t«wv aus *Täao)v = ai. tdsam^ § 93); aus -äcov wurde thess. 
-aovv und -ar, ion. -tcor, att. -cor, dor. lesb. -äv.^) Im Attischen adj. fem. 
(fiXcov statt "^(fdüiv (ion. (pikewv, dor. (fiXdr) nach dem mask. cfiXan', vgl. 
namentlich att. fem. tovtwv gegenüber dor. lesb. Tavvdv. Dor. mask. 
(fiXoov wohl entweder nach (pddv betont (Osthoff, Z. G. d. P. 199 f.) oder 
mit dem dor. „prozessiven" Accent (vgl. § 68 und Bloomfield, Amer. 
Journ. of Phil. 9, 15), schwerlich aus '^(fiXoi{a)Mv (vgl. ai. anyesäm), wie 
W. Schulze, Quaest. Homer, p.- 4 will. dQV'(av. ^vyarQ-cov ^vyaTSQ-wr. 
(peQovT'WV. iTih{a)-(xn' inwv. xi-o)v, ttoXi-mv (zu iroXl-g), 6(pQV-cüV, vsxv-cov. 
'«cor oicov, ßä(fs(ov, rjSi'wv, tttjx^cov; der Ton von ßdaswv, Trrjx^cov nach ßdascog 
^TrrjX^cog (§ 79, 1), s. J. Schmidt, K. Z. 27, 302, G. Meyer, Gr. Gr.^ 351. 
vo/^iy'jcüv vofiecov. 7io6-wv. vä(j:)-(ov vrjcov vecov. 

90. Loc. pl. Suffix -at -aiv, verwandt mit ai. -su, lit. -su. 
(fQa-ai (pQ€-ai, ovoina-ai (ai. ndma-su), Troifiä-ai, TsxTo-ai, vgl. § 71. 

naTQu-ai (ai. piti-su); Neubildungen ScoroQ-ai ^oTrJQ-ai. (fäqovai aus *9>f- 
QovT'CTi, x^Q^'^f^i^ für '^x^Qi-i^aT-(n, vgl. § 72. sTvsa-ai snsai (ai. vdcas-su 
von vdcas- n. „Wort"), Smaa-at 6t7xaai (vgl. ai. Jiavis-su von havis- n. 
„Opferguss"). 

xt-af, 6(pQv-ai, vsxv-ai waren Neubildungen für "^xi-ai, *6^Qv-(n, *v€xv-ai 
(vgl. ai. dJü-sü, hhrü'M) nach Analogie der Kasus mit vokalisch beginnen- 

^) Dieselbe Furmübertragung im Italischen, z. B. lat. deärum nach istäntm u. dgl. 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 88 — 9Ö.) ] 07 

*m Kasussuffix, xiög etc., unter Mitwirkung der Formen wie ßucl-ai *in'xv-at 

-. u.), und es ist möglich, dass für homer. rt'xvaai, ytvvGGi^ TTirvaai, deren 

r> als altüberkommen zu betrachten sehr misslich ist (s. u.), einst Formen 

lit -vai im Text standen; anders Osthoff, M. U. 4, 215. 220. ßaal-at 

^ai. gdti-sf() wurde zu (hom. att. arkad.) ßäatai nach ßäaeig (^ßaa^-fc) 

ßdae-(üi', ebenso ^7Ti]xv-ai *i-Sv-ai (ai. hähu-su, svadü-su) zu 7ii]x^ai i]dtat 

nach 7it]xa&g etc. Neben dem gew^öhnlichen roxtv-ai im Att. roxtai C. I. A. 

3, 1311 und bei Kallim. dgaiiitai, nach t]dtai unter Mitwirkung von rox*'a>r. 

TToaai, att. rroai aus *7T0T-ai : ai. 2>a^s//. ravai : ai. nau^ii ; bei Homer 
die Neubildung vr^vai (nach r/;-oc etc.) neben lautgesetzlichem rctvai-xltyra^ 
u. dgl. (§ 26). ßovai : ai. gö-su. 

Kret. jur/i'ö-/' att. jui^ai für lautgesetzliches *fi€vai (att. *fieiai) aus 
*{ii^ya-ai (§ 26). Ahnlich att. x^ö*'' für lautgesetzliches *x^<^' aus *x«>*<^-<^'> 
noiiu-ai für *7Toiuce-ai u. dgl. {§ 71, S. 103). 

Hom. ion. altatt. lesb. Xvxoi-tn : sli. vike-su aksl. vlüce^hn „in lupis"; 
über -0?- vor dem Kasussuffix s. § 93. Altatt. ra/nfa-ffi, dtxi-ai^ später 
nur noch in Adverbien wie O^vgctai, nXaxaiuai^ 'AO^t'^n^ai, im Ion. inschr. 
dtanovi^aiv : vgl. ai. dSvä-su „in equabus", aksl. mka-chü „in manibus*. 
YviKfl^ai (vgl. Meisterhans, Gr.^ 94) und rv^t(faiai waren Neubildungen 
nach -o/c/, Osthoff, M. U. 2, 64 ff. Im Att. wurde nach dem Zeugnis 
der Inschriften -okti nach 450 v. Chr. durch den instr. auf -oig zurück- 
gedrängt, und -r^at -aai und -}]ai -aai wichen um 420 y. Chr. dem nach 
-oiq neugebildet^n -uic (§ 91), s. Meisterhans a. 0. Ähnliches im Ion., 
8. Fritsch, Zum Vokalismus des herodot. Dial. 33 ff. 

Anderweitige Neubildungen : 

1. Von ^TTta-ai tntai löste sich -taai -kti als Kasussuffix ab, vgl. 
xQux-tijqi nach sQkßea-fft^ fvdaijuoi-taTtQog nach dfixla-rtQog u. dgl. So 
entsprangen Formen wie hom. ijf-inoy-i-aai av^taai (fvXitx-taai noS^aai, 
aTy-tat xf/'(>-f<y/; dieselbe Neubildung in den drei äol. Dialekten, im Nord- 
westgriech. und in einigen dor. Mundarten (s. G. Meyer, Gr. Gr.* 355 f.). 
Indem -taai dann zu den t<r-Stämmen zurückkehrte, entstand hom / 7/->^#r* 
u. dgl. Vf. C. St. 9, 297 f. 

2. Herakl. hi-aaüi für ^h-ctaat (aus *ö'-«f-(Ti), indem die hcliwa. li. 
Form des Partizipialsuffixes mit der Kasusendung zusammen als einheit- 
liches Kasussuffix von neuem an den Partizipialstamm angefügt wurde 
(vgl. uQvuai für *«(>a-o'/, § 71 S. 103), hiernach auch nQaaauvt'atfat für 
i'urgr.) ^TTQiiiaaüyoi. S. Köoel, P.-Br. B. 8, 116, J. Schmidt, K. Z. 25, 

•0 flF., Bartholomak ebend. 29, 550. Hierher auch a-ßattaair ' dra-ßaair 
ilosych, wenn diese Änderung des tiväßaaiv des Codex das rechte trifft 
M. Raunack, Rh. Mus. 37, 474). 

3. Im Nordwestgriech. und auf jüngeren iHjloponneeischen Inschriften, 
lue und da auch bei älteren Dichtern, z. B. Ueeiod, Sappho, eraoheint das 
-oig der Formen wie Xvxoig auf andere Stammklassen flbertingeii, i. B. 

'lov-oi^, iti-oig^ ori-oi^, igf-oig. S. J. Baunack, C. St. 10, Ol ff*., G. Mkvrk, 
I. Gr.» 357 f., U. Meistkh, Piniol. An/ H "''' f Über el. ze»."''"^ 
a 70, 14 8. 98. 

Den Anstos« zu dicHon drei Neuerungen gab thi'- n.sli.b. ti. im |. . 



228 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

pl. denselben Stammauslaut wie in den andern Kasus herzustellen: z. B. 
TTÖcf-fCori, Tioö-oig mit d wie nöö-tQ etc. 

4. Hom. TToXtaai, ni-Xtxtaai, osaai wahrscheinlich statt noXtai etc. 
infolge des Nebeneinanders von intai und tntaai, xbqaai und Stnaaci u. dgl. 
In derselben Art lässt sich auch vkxvaai etc. erklären, doch kann hier 
altes -vai vorliegen, s. o. S. 127 und W. Schulze, Quaest. hom. 48. 

Über das Verhältnis von -ai zu den Suffixen der andern Sprachen 
sind verschiedene Ansichten aufgestellt worden, von denen keine als die 
unzweifelhaft richtige bezeichnet werden kann. Den lautgeschichtlichen 
Thatsachen wird am ehesten die Auffassung gerecht, dass -ai Umbildung 
von 'SU nach der Analogie des loc. sg. -i, vielleicht unter Mitwirkung von 
-(fL -(fiv gewesen sei (Osthoff, M. U. 2, 1 ff.). Vgl. ausserdem Osthoff, 
M. U. 4, 229 ff., Thurneysen, K. Z. 27, 177, Torp, Geschlechtlos. Pron. 47. 
In den Fällen, wo -cn in der historischen Zeit hinter sonantischen Vokalen 
und hinter Diphthongen stand, z. B. ßdae-ai Tuiiiä-ai Xvxoi-ai, war -a- 
nach dem Muster von Formen wie (fvlax-ai erhalten, bezw. wiederhergestellt, 
vgl. den Wegfall dieses Spiranten im Dual § 85. Jedenfalls abzuweisen 
scheint mir die früher oft behauptete Entstehung von -ai aus -api. Vgl. 
auch Mucke, De cons. gemin. p. 5, W. Schulze, Quaest. hom. 47 ff. 

Über das sogen, ephelkystische -v von -aiv s. § 64 Anm. 3 S. 80. 

91. Instr. pl. Ivxoig, das weiter verbreitet war als Xvxoiai und 
überall ausser bei Herodot neben diesem auftritt, war nicht aus Ivxoiai 
entstanden, sondern aus *At;xw/g (g 26) = ai. vrkäis lit. vilkais „cum lupis". 
Eine Neubildung nach -oig war -aig (vgl. vvfKfjjCi vv^KfaiCi nach Xvxoiai 
§ 90), att. dor. lesb. böot. und homerisch; am frühesten scheint sich diese 
Neubildung beim Artikel {toic) eingestellt zu haben. Neben -aig ist auch 
'ijg (-jjg : -riai = -oig : -oiai) bei Homer, Hesiod und den Elegikern überliefert, 
doch ist diese Form vielleicht allenthalben zu tilgen (zuletzt handelte über 
dieselbe Fritsch, Zum Vokal, des herodot. Dial. S. 35). 

Zwischen -atg und ital. -ais (osk. diumpais, lat. mensis) war kein un- 
mittelbarer Zusammenhang. S. Osthoff, Z. G. d. P. 195 f. 

92. Suffix '(fi{v). Dieses Suffix, über dessen Funktion § 188 zu 
handeln sein wird, hing mit lat. -W {ti-b% u-bi), ai. -bhis -bhyas -hhyäm 
zusammen. Vermutlich bestand ein uridg. "^-bhi, das damals keinem be- 
stimmten Numerus angehörte, wie auch griech. -(fi{v) hinsichtlich des 
Numerus noch neutral war, und dann in verschiedener Weise weitergebildet 
wurde. Für -(fiv ist wohl idg. -hhim vorauszusetzen (vgl. auch Leskien, 
Ber. d. sächs. Ges. d. W. 1884 S. 102), und -(fi und -(fiv mögen einmal 
verschiedene Funktion gehabt haben. Vgl. die Litteratur bei G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 363. 

Der 9:i-Kasus erscheint nur bei Homer und seinen Nachahmern als 
produktive Bildung, doch war das Gefühl für den ursprünglichen volks- 
tümlichen Gebrauch w^ohl schon bei den Dichtern der ältesten Stücke der 
homerischen Gedichte nicht mehr ganz lebendig. Z. B. aTqarö-ifi, ayihi-(fi, 
i-(fi, rccv-cp^, iqtßsa-qji. xQäT-sacfi war eine Neubildung wie noö-saai^ 
xoivX7]^ov-6(fi eine solche wie TTÖd-oig (§ 90). Das hom. Adv. hxQi-^ig ent- 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§93—94.) jog 

hielt gewiss nicht ein mit ai. -hhis unmittelbar zusammenhängendes -(fig, 
wie oft behauptet worden ist, sondern war auf griech. Boden durch -^ 
erweitert worden, wie dfi(fi-g, syyv-g u. dgl. (§ 80). 

Unser Suftix wohl auch in dem allgemeingriechischen a-(fi a-(ftr, das 
aber schon im Urgriechischen für die naive Formanalyse zu a(f-i a(f-tr ge- 
worden war (§ 97). 

Die pronominale Flexion. 

Caueb, C. St. 7, 101 flF. G. Meyer. Gr. Gr ^ 880 tf. J. Baünack, C. St. 10, 63 ff, 
Mem. d. 1. S. d. 1. 5. 1 fF. Vf. K. Z. 27, 397 ff. Schmollino, Über den Gebrauch 'einiger 
Pronomina auf attischen Inschriften, 1882. 1885. Wackernagel, K Z. 28, 1-^8 ff. Torp, 
Beiträge zur Lehre von den geschlechtlosen Pronomen in den idg. Sprachen, Christiania 1888* 

93. Die geschlechtigen Pronomina. Die Deklination war im 
Griech. im grossen ganzen dieselbe wie die der Nomina. Die hauptsäch- 
lichste Abweichung zeigt der nom. acc. sg. neutr. : tö ~ ai. tci-d, idg. */o-f/, 
Ti = lat. qui-d, idg. *qi-d; das -d war erhalten in dXXo6'a7To-g, noS-anö^ 
(s. Bezzenberger in s. Beitr. 4, 337 ff.). In der idg. Urzeit war die Bil- 
dung der meisten Kasus von derjenigen der Nominalkasus verschieden. 
Im Griech. erfolgten aber, wie in andern Sprachen, Ausgleichungen. Teils 
nahmen die Pronomina nominalen Ausgang an, z. B. no nach xa/oJ, iTr/rr^), 
vgl. ai. tdsmäi umbr. pu-sme got. panmia preuss. s-tesmu mit einem Ele- 
ment -sm-, das auch im Griech. noch in gortyn. 0-111.11 (wohl -tii^u, aus 
*-Ti-afii) vorzuliegen scheint; masc. nor nach xuXm\ \nnun\ vgl. ai. iv^am 
preuss. S'teison aksl. techü altisl. peua; so auch tuviov für tavio u. dgl. 
nach xaXov, ^vyöv. Teils umgekehrt: xaXoi\ itittoi nach loi = ai. te got. 
pdi (g 80); </tuu)v nach iccwv — ai. iäsäm (§ 89). 

Das -/- der Ausgänge -0-/, -u-i-ai hatte ursprünglich wohl nur den 
Wert eines Pluralzeichens; vgl. J. Schmidt, K. Z. 26, 5 f., der auch -oicri 
für anfänglich nur pronominal erklärt. Kögel, Ztschr. f. deutsch. Altert. 
28, 110 flf. und P.-Br. B. 14, 117, sieht in den westgerm. Ortslokativen 
auf -a.9 einen idg. loc. pl. auf "^-u-su und urteilt, dies sei ursprünglich die 
Bildungsweise dieses Kasus bei allen Nomina gewesen. 

94. 0- und d-Stämme. 

0, ij, TÖ = ai. sa, sd, tdd, idg. *so, ♦««, Ho-d, Neben o auch oj (i? 
6' oc) = ai. sd-h (Otto, Beitr. zur Lehre vom Relat. bei Homer I, S. 2, 
DELBRtJcK, S. F. 4, 139, Vf. Techmers Intern. Ztschr. f. allgem. Sprachw. 
. 238 und unten § 203 Anm.). Ion. att. lesb. thess. arkad.-kypr. ol, ai 
yoi, al) waren griech. Neubildungen nach o, « statt roi\ tm\ entsprechend 
o)-^, W'dt „so** und herakl. (( fitv — (t dt „einerseits" — .andeiueits* (wie 
luv — 6 dt) u. dgl. (s. AnRENs, D. Gr. 1. d. 2, 276 sq.). 

Von O'St mit doppelter Flexion rwrc^fwi- (Alkaios), toTa^t^,{^i\^ (llom.). 
/m diesem Pronomen auch die in eins zu schreibenden odtU' odtha, loi«- 
h'og tovdthd u. s. w., deren zweiter Bestandteil zu dem l'ronominalstamm 
(lat. i'ü) gehören mag, h. J. IUunack, Stud. 1, 46 ff. 

Anmerkung 1. Nach doinMclbcn Gelchrt«ii «. 0. 8. 55 f. mU Mf« dadurrh ml 
'f-n «ein. dawi man «-in ro<fi ai. ttul ui dem pinfachr' - -..i.,.i.„ ..^i,i...i.. i. .1.. ...1 
•litnn Htatt ü-i ein odi und ho diirrlm ganzo Pnrndignia 

-IM. ii -dt »volkMctymolo^mrh* mit »W verband, waa lu öd« ; 

•' nicht gerade wahntchcinlicho volle Netymologi*ohf Vtrbiodung mit d^ und <i- 

11. iL AttIL U 



230 A. Qriechisclie Grammatik, c) Plexionslelire. 

dass für thessal. -ys neben arkad. -yt, die in der Beurteilung von -tTe -&i nicht getrennt 
werden können, eine analoge Erklärungsmöglichkeit sich nicht bietet (vgl. Anm. 2). 

Die arkad. loj-vt „huius" räv-vi „hanc" sind mit thessal. t6-vs „hoc'' 
u. s. w. zu verbinden, offenbar ein Verhältnis wie oSi : 06 s. Ob hierzu 
auch der kypr. gen. sg. auf -ow, wie agyvQMv, der doch schwerlich auf 
Vermischung mit dem gen. pl. beruhte? Der Ursprung des w-Elementes 
ist unaufgeklärt. Unter der Voraussetzung, dass -vs füs -v eingetreten 
war (nach der Analogie von o-J«, indem man to-v( mit ro-di parallelisierte), 
könnte man in diesem Element die Partikel -m -om sehen (vgl. Leskien. 
Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1884 S. 105), die beim Pronomen vom gen. 
sg. auf die andern Formen wäre übertragen worden. 

Anmerkung 2. J. Baunack's Annahme (a. 0. 56), dass man aus acc. masc. *Tor / 
fem. *Täv-i, gen. *xvjv-i „irrtümlich -vi als Affix abgehoben habe", ist unglaublich. Wi< 
soll bei dem Vorhandensein von top, xccXöp, räy u. s. w, ein solcher „Irrtum" möglich ge- 
wesen sein? 

TovTo = *To V To. woHu V oiuo Partikel == ai. ü (§ 201, 1).. Aus 
vorgriech. Zeit stammte masc. *ov fem. *öi5 = idg. *5ö u, *sä u, vielleicht 
schon in uridg. Zeit kontrahiert zu *söu *sdu, vgl. apers. masc. hauv. 
Indem das Neutrum t6 als Adverb enklitisch angefügt wurde (vgl. aksl. 
M-to „wer?"), entsprangen die Formen "^ovto, "^ahro (aus "^ämo, § 26) und 
als Neubildung tovto für HoS-v-to. Diese im Auslaut flexionslosen Formen 
erlagen alsdann der Einwirkung andrer mit Endflexion versehener Pro- 
nomina, so ergaben sich ovrog avvä tovtov etc. Boot, ovtov ovto ovra 
ovTcov von nom. sg. masc. aus. 

o-g „qui" =- ai. yd-s „qui". Mit Rücksicht auf lit. ji-s vermutet 
Streitberg, Die Abstufung der Nominalsuffixe -«ö- und -ien-, 1888 S. 31 f., 
dass das ursprüngliche Paradigma nom. H-s acc. *z-m, gen. He-sio oder 
*io-sio (u. s. f. als «o-Stamm) war. 

Idg. *go- *ge- Frage- und Indefinitpronomen, no- in no-d^sv, ttoT, 
noi\ TTwg, no-rsgo-g^ noüo-g aus *7ro-T/o-g, noTo-g aus *7ro/-/o-g (Vf. Grdr. 
2, 121), thessal. noxxi = *7r6J xi (§ 201, 1), vgl. ai. kd-s „wer?", lat. quo-d. 
TB- in hom. Tto att. rov = av. ca-hyä got. hvi-s „cuius?", eine Genitiv- 
bildung wie i^ito sfieio (§ 96). Gortyn. orsia = att. onofa, bei Hesych 
kret. TsTov • iroiov. Ion. xo- in x6-^€v u. s. f. Der Femininst, idg. *^ä- 
(lat. qua-, got. hvö-) war nur durch tttj, ti'tj vertreten. Durch Neubildung 
kamen die verschiedenen anlautenden Konsonanten in Lautverbindungen, 
in denen sie lautgesetzlich nicht entstanden wären. Dor. ttsT. Att. to7 
Toig (o-TO) o-Toig) für '^mTi ^noTg nach {rto) rov, dagegen hatten ion. Tt(o 
TsoKfi mit dem r auch das s von rto übernommen, worauf dieses wieder 
zu Ti'ov (Archilochus) umgebildet wurde, s. Wackernagel, K. Z. 29, 148; 
lesb. Ti(o Tioiai waren nach Wackernagel a. 0. Umbildungen von rni Toiai 
(vgl. gen. OT-To)) nach rtg riva, während G. Meyer, Gr. Gr.^ 400 f. sie von 
einem pl. neutr. *r/a ausgegangen sein lässt. Vgl. § 35 S. 54 f. 

Dor. lesb. xi^vo-g ion. xaivo-g ixelvo-g att. ixHvog. Hing vielleicht mit 
6ö-8Tv (s. S. 129) zusammen. Wenn das -hv des letzteren, wie J. Baunack 
Stud. 1, 47 annimmt, — ai. aydm war, so dürfte man von *x dv mit xt 
= lat. ce (in ce-do) ausgehen; die Endflexion -o-g nach ovzo-g u. dgl.; 
ixdvog durch Anbildung an ixet ixei-d^sv. Doch kann auch an xe -\- ^svo- 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 95 — 96.) 131 

= ahd. jener gedacht werden. Vgl. auch Prellwitz, De dial. Thess. 41, 
Johansson, Tidskr. f. nord. filol., ny r^kke 8, 216 fif., Holthaüsen, P.-Br! 
B. 13, 372, Vf. Grdr. 2, 141. Mit x/;iog war wohl dor. irjvo-g gleichartig. 

avTo-g mit der dor. Nebenform des nom. avg, die jedenfalls nicht aus 
avTo-g lautlich verkürzt war, wie oft behauptet wird, ist noch unauf- 
geklärt. Auch Deecke, Progr. v. Buchsweiler 18«7 S. 30 überzeugt nicht 

ajno- in a^iüig u. a. : got. sums „irgend einer", s. § 21, 4. 

Über die Possessi va s/x6-g etc. s. § 98. 

95. Andere Stämme. 

Tt-g, Ti\ Ti-ai, kret. o-rmi (§ 93), megar. pl. neutr. aa aus *tia : ai. 
ci-, lat. qui-, idg. *ge-. Über thess. xi-g § 35 S. 54 f. Neutr. pl. enklitisch 
*r/cf, woraus aau rrd, das, weil an Neutralformen auf -« angeschlossen, 
später die Form aaaa uiia annahm (Ahrens, Griech. Formenl.^ 41. 215, 
Wackernagel, K. Z. 27, 90. 28, 121 ff.). Der acc. *r/'.vi) (idg. *^/-m), 
zu Tiv-a umgestaltet, erzeugte die i-Flexion, td-og u. s. w., vgl. § 77 über 
Zr^va. Über das ursprüngliche Nebeneinander von *qi' und *qo- *qe- im 
Paradigma von ti-g s. Wackernagel, K. Z. 29, 147 f. 

Stamm i- „is" nur in versprengten Resten. Am besten ist bezeugt 
der acc. i-v (s. J. Baunack, Stud. 1, 47); dieser war auch enthalten in iin« 
und rh', die nach Thumb's ansprechender Vermutung (Fleckeis. Jahrbb. 
1887, S. 641 flf.) aus %/t' iv (*o'^' Partikel = ai. sma) und *)•- h {*vf 
= vif, 8. § 64, 5 S. 78) hervorgegangen waren. 

Ein Neutr. xi „dieses" war wahrscheinlich in ov'Xi\ noXXa-xi enthalten, 
s. Osthoff, M. U. 4, 241 f. Die dor. Formen auf -xiv wie iti^axir, in 
denen v nicht ephelkystisch gewesen sein kann (Müllensiefen, Diss. phil. 
Arg. 6, 196. 243), hatten das Kasussuffix -v, vgl. tavtov neben tavio, 

%. Die Personalpronomina. Pron. der 1. und 2. Pers. Die 
Pronomina wir und ihr trugen in allen idg. Sprachen ursprünglich singu- 
larische Flexion; die Pluralbedeutung lag im Stamme selbst. So noch 
ufifie wie sfik, ujut'v wie fiuv. Die Kollektivbedeutung und der Umstand, 
dass wir und ihr oft mit Pluralformen appositiv oder prädikativ verbunden 
wurden, führten diesen Pronomina pluralische Kasuszeichen zu, z. B. ion. 
if/fuug neben älterem lesb '"'"^ !" ""^. Vgl. J. Sciimii>t. K. Z. C*' *" 
Vf. K. Z. 27, 398 f. 

Ich. Neben (yo) stand St. /«•- fio- = ai. wo-, ^f»«- «/lo- entv 
nach der Analogie von f/o), oder aus einem idg. *«we- •ftuto-, das Wa 
»AOEL, K. Z. 28, 138 aus ai. gen. mdttia für ♦awa, Tobp S. 23 au 
armen, gen. im glaubt erschliessen zu dürfen. 

Du. Neben iv ci stand St. 1 -^- '-"- ai Iva- und ♦!*;:*. 
lat. tovo' aus ^te^o-. 

Wir. St. ro- im Dual io>, /u lat 
nsma- entstand aus *fi«wc-, d. i. cntwed« i i' i l.utiK- 

Das erste Element hing jodenfulls als Tiefst ufen form mit m und m 
/.usamnien, vgl. got. uns aus ^9«. War ^^-nue die Grundform, ko nnuu 

') Eine «ohr unsiehor« Spur von tlv isi Httych' 



132 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



dies ursprünglich die einzige Form dieses Pronomens gewesen und alle 
andern Kasus werden erst später hinzugebildet worden sein. Vgl. auch 
DE Saussure, Mem. 25 und Torp S. 30. 

Ihr. St. *i>aix£- — ai. yusma-, idg. *msme- d. i. "^iu+sme- oder *jfws-f sme-. 
Unklar ist c^w, Deutungsversuche bei Wackernagel, K. Z. 28, 139 ff., 
ToRP S. 48, Johansson, Bezz. Beitr. 13, 123. 

Nom. eyo) und €yo)v, lat. ego, ai. ahdm (zu y : ai. h s. § 34 S. 53); 
der idg. Ausgang ist unermittelt. Über böot. iwv und Imv (letzteres bekam 
nach Darbishire, Notes on the spir. asp. p. 21 sein ' nach a/^t'g; vgl. jedoch 
Thumb, Spir. asp. 42) sieh § 33. Dor. i^v, att. av mit o" aus den obliquen 
Kasus (Wackernagel, K. Z. 24, 609) ^ ai. tu (vgl. Osthoff, M. U. 4, 
268). Hom. tvv-t] = av. tum; die Quantität des ov in böot. tovv und 
lak. Tovvr] ist unermittelt. In der idg. Grundsprache standen wahrschein- 
lich Hu und *^il „du" nebeneinander (Osthoff a. 0.). Das -v von syajv, 
sy(6v-rj und tovv, tvv-tj war eine angetretene Partikel, s. Leskien, Ber. d. 
Sachs. Ges. d. Wiss. 1884, S. 94. Über das -?; von sywv-rj (Torp's syM-vq 
S. 24 leuchtet mir nicht ein) und xvv-ri s. § 201, 1. — Lesb. aix^sg v^iii^q, 
dor. ä^€g vfisg, büot. ccfo-g ovfxeg (über die letzte Form Meister, Gr. D. 1, 
252); ion. att. i^fjieig v^islg waren Neubildungen nach Formen wie aatpsTg, 
durch das Verhältnis r]{xtwv : aa^e'wv veranlasst. Die andern Sprachen zeigen, 
dass die Stämme *ao'^f- ^va/jis- erst auf griech. Boden in den nom. ein- 
drangen (vgl. z. B. got. veis, jus). — vw, acfo) Dualformen wie tw. vöii 
üifun (Hom.) wohl mit deiktischem -i (vgl. dor. i^^-'i, t€-1'; auch kypr. 
acc. fii = fx'i?) = ai. i-d (so auch Torp S. 47); dann wird aber vwf, 
a(fwi zu betonen sein (zur Accentuierung vml können die Alexandriner 
leicht durch vcoiv verleitet worden sein); vwt in JI 99 für vmv einzusetzen? 
Vgl. § 201, 1 unter -t. vws (Korinna) und (f(pws (Hom? vgl. La Roche, 
Hom. Textkr. 356 f.) mit dem -s von ttöSs (vgl. unten vmv, atfonv). 

Akk. ixh, sj^is; aus Tj^e (Hesych tqs, § 13) dor. rt^) ion.-att. Ot'; 
lesb. ccfifis, vfXfjL€, böot. dor. äfit', böot. ovfxt, dor. vfi€. Diese Formen zeigen 
den reinen Stamm, ifis-ys = got. mi-k, afifxs = av. ahma^). Das kypr. 
iit-v hatte sein -v wohl von der Nominaldeklination bekommen (Deecke, 
Bezz. B. 6, 152); ebenso das von G. Meyer, Gr. Gr.^ 382 dazugestellte 
€^8v einer metrischen Inschrift (214 n. Chr.). Dor. tv war akkusativisch 
gebrauchte Nomin. -Form. Wenn die Dativformen riv und siv (s. u.) einige 
Male als Akk. vorkommen (G. Meyer, Gr. Gr. 2 382 f.), so mag das durch 
analogische Anlehnung an die Funktion von liiv vlv bewirkt worden sein, 
die durch die zahlreichen Akussative der nominalen ^-Stämme {xccqiv^ ßäaiv) 
erleichtert wurde (Kühner, Ausf. Gramm. 1^ S. 457, Thumb, Fleckeis. 
Jahrbb. 1887, S. 641 f.). Durch Pluralisierung entstanden ion. att. r]ixtag 
Tjfxäg rjixag, vpLeag vnäg vfiag. 

Dat. (Lok. Instr.). fxol, sfioi = ai. me. Neben dor. toi, att. (foi 
aus *T/rofc ein urgr. toI == ai. te, idg. ""toi (Wackernagel, K. Z. 24, 594 ff., 
Torp S. 9 f., Johansson, Bezz. B. 14, 153 und § 201, 2). Dor. s^tv s^iiv, 



') Torp's Annahme S. 10, dass dor. rs, 
wie Tot, ursprünglich kein 1* hinter dem t- 
gehabt habe, überzeugt mich nicht. 



2) TjfiB^ano-g mit tf halte ich für eine 
Neubildung nach dem als dlXo-Sunog em- 
pfundenen aXXo^-anög (§ 93"^ 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 97.) I33 

riv Tiv aus ^r/^iv HpXv, tarent. eiiiv-r^ ziv-r^, hom. t*/V aus *f-f/r/vi). lesb. 
afifur, vfiiin', dor. a.a/r a.un- a/t/r, v/tfV v^an-, ion. att. r^uTv rjm\ viilv 
t'litiv, hom. auch r.füv, vfiiv, scheinen zwar altererbt zu sein, haben aber 
noch keine sichere Anknüpfung in den andern Sprachen gefunden; mit der 
Annahme, diese Formen seien ursprünglich Akk. gewesen (vgl. Torp S. 27) 
kommen wir kaum weiter. Lesb. hom. «a.t«, vfifii ohne -v vielleicht Neu- 
bildungen nach (y-(fi' (vgl. § 92. 97). Pluralisiert war lesb. annfciv. — 
Hom. rmv, (r(fO)ir, att. von', aiforv waren nach Torp S. 47 f. durch An- 
hängung des Lokativsuffixes -aiv an die Form des nom. acc. (vgl. lat. 
ambö'hus) entsprungen; ihre Genitivfunktion war ebenso un ursprünglich wie 
bei dem mit ihnen zusammenhängenden touv toTv. Vgl. § 85. 

Gen. Alle Formen waren im Grunde gen. sg. von Possessivstammen 
mit Suffix *-ö'io. aiiisTo s^eo i/iiov, ano aio aov aus *f/<f-(rjfo, ^rps-ako (av. 
ma-liya, pva-hi/ä). sfu-To : eino-To = ion. no (av. ca-hyä) : ttov aus *TrO'<rio. 
Nach Torf S. 26 fungierten die suffixlosen Formen eiLie tps (und Cff) ur- 
sprünglich zugleich akkusativisch und genitivisch; im letzteren Falle wurde 
ihnen durch den Drang nach formaler Unterscheidung die Genitivendung 
-atiO zugeführt. Durch -g waren erweitert (nach Analogie von yXvxio^ u. 
ähnl.) dor. sf^u'og, rtog; vgl. acc. kypr. fit-v. Hom. »J,af/wr i\u€iwr, r^juitov 
vjiuon', att. ilfnoir i'f.i(av, dor. äfittav afiion', vi^iewv vf.iiwv (über 1 =: * § 18) 
basierten auf urgriech. ^aafxs-aj^o ^j^vai^u-aj^o, ^df^i/nsTo *vuinfTo (vgl. lat. 
mcTinostn), die zu -simv -t'ojv pluralisiert wurden. Als Gen. des sub- 
stantivischen Personalpronomens fungierte auch rfoTo (0 37), Tfov; auch 
diese Formation auf *-o-(rio erfuhr ^-Erweiterung: dor. reovg. Vf. K. Z. 
27, 397 ff. 

i^i-O^ev ae-O^ev mit demselben ablativischen Suffix, das in aXX(H&fv 
7i(}-^fi' u. s. w. vorliegt. Die Formen lebten sich so fest ins Paradigma 
ein, dass sie zugleich Genitivbedeutung bekamen (S 181). 

Die herodot. ijxsiüvvov ifieiavioi sfisowtov, aswviov u. s. f. waren vom 
Gen. ausgegangen i^'/'fou^roi; aus f/tto avrov durch Kontraktion. Ander- 
wärts Elision. Att. at-aviov laviov lässt Wackernaoel, K. Z. 27, 279 
wegen des Fehlens eines ffisavrov (es wurde nur Sfiatftov gesagt) von 
den Akkusativformen Hff'avrör, *&c'avi6r {*TfavT6r wurde nach flrarroi» 
zu (Tfftvior) seinen Ausgang genommen haben. Wegen kypr. gen. pfnvrtn 
{Meister, Berl. phil. Wochenschr. 1887, S. 1644) ist^ die Annahm, 
zuziehen, dass att. (nuvi- iuvi- am Gen. (at'aviov, Vavrov), nur (snvi- tat- 
am Akk. (cr'criVioi', h'aviör) entsprungen war. Dass neben f,n (trtor der 
ien. ^/i«" avrov nicht produktiv wurde und sich nicht hielt, mag daran 
gelegen haben, dass tfifftviov eine Silbe mehr hatte als aiaviov tnvtov, 
fibrigens ist mir mit Rücksicht auf g 64, 6 S. 78 f. sehr wahrsrhoinlich, 
hiss auch die Dativformen zum grössten Teil lautgeset/Jich entstanden 
waren: z. B. herod. ^wrrf;' aus **o(i)«rrr/; (Homer tot avfti*) wie o»rfo/' aus 
♦f>{f)«rio/', att. ffi'ftvtfö wie h't'tdtXtfoi x'm (*«' ^) ^*** Mkimtkhiianm. 
Gr.« 56. 

f)7. Keflexivura. bt. *<r/?«- ♦<y/?o- (/:*-, /ro-) - ui. sm- und *'■..■ 

Andern Ober diese Form, aber mich nicht O b w MB giid, 3. Baukacr. S(u>) l i 



134 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

^aspo- (h-, €0-) = lat. sovo- aus "^seuo-, Acc. f^t', h\ hom. auch «V, wie 
«>*; böot. tiv akkusativisch wie %iv (s. § 96 unter Akk.). Dat. pol, ol 
wie siioi\ hom. auch toT; gortyn. piv wie sfxiv, iiv Korinna. Gen. €io h'o 
ov aus *ö'/^f-ö'/o, wie e^sio; daneben iov ( T 384 nach Zenodot), soio (Apoll. 
Rh.) aus ^aapo-ako, mit -g weitergebildet 8ovq (Apoll. Dysc. de pron. p. 98 B), 
s. Vf. a. 0. 406 ff. i'-^ev wie Sfxa-d^sv. 

Nicht digammierte h' ol bei Homer will Torp S. 15 auf ursprüng- 
liche *as *aoi (vgl. Tol) zurückführen, was probabel wäre, wenn die be- 
tonten Formen mit, die unbetonten ohne Digamma gewesen wären. 

Ion. tüWTov att. tavxov u. s. w., s. § 96 gegen Ende. 

Die mit c^- beginnenden Formen gingen wahrscheinlich von (S-ffi, 
(f'(piv (§ 92) aus, worüber Vf. a. 0. 399 f.: (Tcpiv, mit sfiiv assoziiert, zog 
(f(pi' nach dem Muster von Sfis, ccpov nach dem von s^iov etc. nach sich. 
Das von Wackernagel, K. Z. 28, 139 ff. gegen diese Deutung vorgebrachte 
Bedenken erledigt sich, wenn man, wie wir § 92 gethan haben, -(fiv nicht 
als eine jüngere Erweiterung von -(fi, sondern als Nachkomme eines idg. 
*'bhim betrachtet: als (Tcpiv mit f<V ii^iiv tiv assoziiert wurde, empfand 
man es noch als eine von (T(pi verschiedene Form; s. jetzt auch G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 388 und Johansson, Bezz. B. 13, 123. 

Pluralisierung: (Tcpeig, acfsioov (T(fcov, acpiai (vgl. afjifJLsaiv), atpsag a(fccc\ 
seltsam ist arkad. dat. acfeig [aifeig?]; vielleicht lag ein "^acpstv zu Grunde, 
das nach etv neugebildet war wie acpsog nach iog (§ 98). Mit den Dual- 
formen acc. a(fw€, dat. acpw'i'v (bei Homer) vgl. Sfia' (Kpt', rstv a(fiv\ sie waren 
also gewissermassen Dualisierungen von a(ft, a(fiv durch Einschub von w. 

Lak. (fiv = a(fiv\ syrak. \p8 § 62; lesb. aa(fi aaq)s § 53. 

98. Posse ssiva. Die Stämme der Personalpronomina fungierten von 
idg. Urzeit her auch adjektivisch und deklinierten dann nach Art der 
o-Stämme. i^^io-g zu f'a6' (vgl. § 96). ao-g aus Hpo-g == ai. tvd-; hom. dor. 
T€{f)6'g = lat. tovo-s aus Heuo-s. Lesb. a/ifio-g, vfx^o-g^ dor. äjj,6-g, v^io-g : 
av. ahma- „noster". Die komparativischen ?y'u6'2:f()o-g, vfxstsqo-g waren zwar 
speziell griech. Bildungen, knüpften aber vielleicht an ähnliche Komparativ- 
bildungen der idg. Grundsprache an (vgl. Vf. a. 0. 404. 405, Grdr. 2, 421). 
— pog, og = ai. svd-, aog := lat. sovo-s aus *seuo-s. Hierzu hom. /^wg 
„gleichwie" {^sov pwg), vgl. got. sve „wie", sowie das neutr. ^pod (got. 
sva „so") in ot-ti, poxi, ori, on-nwg, onwg etc., vgl. § 201, 1. 207; die 
Vereinfachung der durch Assimilation entstandenen Doppelkonsonanz in 
poTi^ onwg u. s. w. erfolgte nach dem Muster der Simplicia ti\ nwg u. s. w. 
Neubildungen mit cry- (§ 97): affog (vgl. og), acfsög Alkman (vgl. eog), 
a(f6T€Qog (vgl. rjfJietSQog). 

3. Anhang. 

a) Komparationsfopmen. 

99. Das Griechische hatte fast alle Stammbildungssuffixe bewahrt, 
die seit uridg. Zeit zum Ausdruck des Begriffes der vergleichenden Gegen- 
überstellung und der relativen Giltigkeit der Bedeutung eines Adjektivs 
dienten, -^o-, in aUo-g fit'ao-g, s. § 70, 2 S. 92; -ien-, in ^ö-icov, s. § 71, 2, 



2. Nominal- und Pronominalflexion. (§ 98). 3. Anhang. (§ 99—101.) X35 

-. 105; 'ies-, in r^ö-iw, s. § 73, 3 S. 112 f. -io-, in t'x-roc, und -iWo-, in 
d-iGTo-g, s. § 70, 14*^ S. 98. -ero-, in vn-eQo-g, und -tero- -tro-, in tto- 
,-oo-g aXXo-TQ-io-g, s. § 70, 10 S. 95. -wo-, in IßSo^io-q TTQo-fio-g, s. 70, 8 

-. 94. Neu entwickelt wurden -«ro- und -raro-, in fisaa-aro-g und <wjUo- 
^^ro-c, s. § 70, 14b S. 98. 

100. -ien- und -jes- drückten zunächst eine vergleichende Gegenüber- 
stellung im weitesten Sinne aus. Erst nachdem sich -is4o- daneben gestellt 
hatte, das dem Vergleich mit mehreren andern diente, beschränkte man 
'ien- -(es- auf den Vergleich mit einem andern. Der letztere Begriff 
hatte in uQ-Kf-regö-g „links" (mit Hindeutung auf , rechts") durch -r«^o- 
noch einen besonderen Ausdruck bekommen. 

'Cro- und -tero- waren zunächst, wie es scheint, nur in Wörtern, 
welche eine Raum- oder Zeitanschauung darstellten, und in gewissen Pro- 
nomina anderer Bedeutung üblich. Dabei stand nur ein ßegrifif, der streng 
gegensätzliche, in Vergleichung, z. B. "^cn-tero- „der innere" (f>T«^o-i'), 
Oppositum ,der äussere"; i]!iit-T6Qo-g, Opp. vfu-Tsgo-g; dygo-rego-g .,das freie 
Feld bewohnend, wild", von ayQ-io-g unterschieden durch den Hinweis auf 
aCTv. Im Griech. wurde nun -tfQo- (wie im Ar.) ein Komparativsuffix für 
Adjektiva irgend welcher Bildung und Bedeutung, z. B. o)ii6-t6Qo-g, und 
hier fand der Vergleich nicht mehr mit dem absoluten Gegensatz statt, 
sondern mit dem durch den sogen. Positiv ausgedrückten Begriff; dieser 
Prozess vollzog sich wahrscheinlich unter Einwirkung der Komparativschicht 
mit Suffix -ien- -ies-. 

-to- und -mo- standen zunächst in Zahlwörtern und bezeichneten, der 
wievielte einer in einer grösseren Reihe sei, z. B. I'xto-c, l'fiSoiiiO'g. Danach 
-is-to- und die griech. Neubildung -laio-, um mit einer Anzahl von Gegen- 
ständen zu vergleichen, vgl. jueyKTvog syco vfiiöv „ich bin grösser als jeder 
einzelne von euch" (neiXoyv vf.i(ör „grösser als ihr", vfuTg als ein Begriff 
genommen), nöXtuov ct'^ioXoyonazov tun' jiQoyeytvijiJLivoov Thuk. 1, 1. -mo- 
blieb in dieser Richtung im Griech. unproduktiv. 

Vgl. Weihrich, De gradibus comparationis p. 1 sqq., Vf. Grdr. 2. 42^ ff. 

b) Zahlwörter. 

OsTuoFF, M. U. 1, 92 flf. Baunack, K. Z. 25. 225 ff. (l. Mkykb, Gr. Or.« 872 ff. 

101. 1. St. iv- ursprüngl. *sem- {ofi-o-g, lat. sem-el): nom. sg. maac. 
gortyn. l'vg att. tig, fem. /i-/'«, Stammform d- in a-Tiaf aus *Sf^', s. g 74, 1. 
Über l'ng bei Hesiod s. J. Baünack, 8tud. 1, 45. Etymologisch zweifel- 
haft sind hom. lesb. thess. /« und hom. gortyn. iV;» (vgl. Osthopp, IL ü. 
4, 18f> f.). «-17; zu lat. oi-no-s iiniui (vgl. out-g «allein* zu apere. a»-«i- 
-unus"). ngono-g dor. nQihug entweder mit G. Mkvkr, Gr. Gr.* 154 aus 

{Qo-ato-g^ also ein junger Superlativ zu ;r^i«^o-^, oder wahrecheinlicher 

rlat. eines ^TiQwpo-g (vgl. tQiKttog von ig^tog) >» ai. pürva-s idg. 

'-^, vgl. dor. TiQuv aus ^/r^Mfu-r und 7t(M^n^y aus •/t^^-f; sieh g 23 

43, 9 70, 14b 8. 98. Lesb. att. nginari^ neben n^avp^ deutet auf 

iuen Stamm ^pr^u- neben ^pj^-vO'. 

2. ()vw ^ ved. duvd, daneben ♦<J/»« «— ved. dvd in 4ti-6%na, Flu- 
ilisch dvwv, övoitrt bei Herodot, gortyn. SvoTg. 8t iv- in dor. jungatt 



130 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Svai, lesb. Sveai oder Svsaai, thess. Svag, zu welchen Bildungen wohl Simv 
neben SvoTv Simv (g 85) Anlass gegeben hatte. Die auffallende urgriechische 
Form Svo (böot. Siovo, vgl. Blass, Rhein. Mus. 36, 607 f.), die im Att. 
die Form Svw verdrängte und sich, wie nivTs, s^ u. s. w., unflektiert mit 
allen Pluralkasus verband (Keck in Schanz' Beitr. zur bist. Synt. 2, 38 f.), 
war vielleicht, ebenso wie böot. oxro, die alte Neutralform mit dem ur- 
sprünglichen Ausgang -oi (ai. dve), s. S. 79 Fussn. 1 und § 84, 2. 85. 
In echten Compositis Si- = ai. dvi-, lat. U-. SsvrsQog („nachstehend, 
folgend", vgl. lat. secundus) doch wohl trotz W. Schulze's unmotiviertem 
Einspruch (Quaest. hom. 4) zu df-vofxm, s. Vf. K. Z. 25, 298 ff. 

3. TQfTg = ai. trdyas, idg. Hrei-es. Diese Nom.-Form auch als acc, 
und umgekehrt acc. tqTq = got. pri-ns auch als nom. (§ 86. 87. 177). rgi-ro-g 
(zu rgkarog erweitert nach eivarog, StKarog) wie av. pri-iya-, got. pri-dja 
(vgl. Osthoff, M. U. 4, 195), lesb. rtq-xo-g aber wohl zu lat. ter-tiu-s ter-nt. 

4. St. idg. "^qetiier-. Att. rtxTaqsg^ hom. reaaaqsg niavqsg^ neuion. 
Thcrasgeg, böot. nexTaqeg^ lesb. Ttt'avQsg, dor. rärogsg, s. § 13 S. 32, § 35 
S. 54 f. rqä'Tisl^a, TQV-(f)dXeia § 65, 5 S. 81. Über diese selben Formen 
und über tstqu- auch § 13 S. 55, § 59 S. 71. Ausserdem vgl. J. Schmidt, 
K. Z. 25, 43 ff., Wackernagel, K. Z. 25, 283, G. Meyer, Gr. Gr.2 376 f.. 
Osthoff, Phil. Rundsch. 1, 1592, M. U. 4, 333, Kluge, P.-Br. B. 8, 517 ff. 

5. 7itvT8 = ai. pdnca, idg. '^perdqe. TisixTtro-g = lat. quintu-s, idg. 
"^pefdqto-s; gortyn. 7itvTo-g aus "^Tisvxro-g mit rr = 7rr § 36. Über ana- 
logische Neuerungen wie Tisvxäg für nsiinccg s. § 35 S. 54. nevTa- in 
TisvTa-xöaioi dor. nevTa-xccTioi und andern Zusammensetzungen mit « nach 

TSTQa-, STCXa-. 

6. ptl^ £^ aus "^ape^ = kymr. chwech. Über die idg. Grundform s. 
VON Fierlinger, K. Z. 27, 194 ff., G. Meyer, Alban. Stud. 2, 56 f. Ob 
ptxTog k'xTog aus "^psxaxo-g entstanden (§ 59) oder von alters her ohne a 
war (vgl. ahd. sehtö), wie Osthoff u. a. vermuten (M. U. 4, 329 f., Z. G. 
d. P. 219), ist unsicher, s^a- in s^a-xöaioi und andern Kompp. mit a nach 
xsTQcc- u. a., daher auch die Bildung s^a-ai auf einer späten Inschrift 
(G. Meyer, Gr. Gr.^ 378) wie värga-ai. 

7. intd entweder für H'TVTa = ai. sdpta d. i. *septm nach der Ana- 
logie von oxTO) (Osthoff, M. U. 1, 97 ff.) oder für ^^stttccv = "^septm (§ 21, 2) 
in Anlehnung an den Auslaut von svvt'a, Stxa ; die letztere Auffassung ver- 
dient nach dem von G. Meyer, Alban. Stud. 2, 64 f. und Wheeler, No- 
minalacc. 19 entwickelten den Vorzug (auch ved. saptd für lautgesetzliches 
^^saptdm). Das ßS von sß^o/xog, epidaur. sßds^aTo-g (§ 29) war wohl nicht 
erst auf griechischem Boden aus nr entstanden (s. Osthoff, M. U. 4, 328, 
Z. G. d. P. 321, Kluge, P.-Br. B. 9, 180). 

8. bxTw = ved. astd, idg. *o^^o, Dualform; daneben böot. 6xt6, viel- 
leicht, wie Svo^ alte Neutralform, s. oben Svo. Herakl. oxtw hatte seinen 
Spiritus, el. otttm sein ti^ oxrä- in oxia-xöcfioi (lesb. oxToj-xoaioi), oxid-Tiovg 
(neben oxTM-novg, ai. astd-pad-) das a von der Sieben zahl. Die Mediae in 
oy^oog sind wie die von eßSoaog (s. o ) zu beurteilen. 

9. Griech. Grundform "^ivpa [svva-, uva-, iva- § 57) für zu erwarten- 
des *rff« (vgl. armen, inn, pl. inun-Tc Hübsohmann, K. Z. 23, 33) — ai. 



3. Anhang. (§ 101.) ^37 

ndva, idg. *neu?i (lat. novem für *woren nach Septem^ decem), s. Wacker- 
nagel, K. Z. 25, 260 ff. Über f irt'a sehr verschiedene, meist erweislich 
unrichtige Kombinationen, bei Osthoff, M. U. 1, 123, Kögel, P.-Br. B. 8, 
119, DE Saussure, Mel. Graux 743, Wackernagel, K. Z. 28, 132 ff., 
G. Meyer, Gr. Gr.2 379, Smyth, Der Diphthong EI S. 64, W. Schulze! 
Quaest. hom. 29 sq. Am wahrscheinlichsten ist mir Wackernaoel's Deu- 
tung, nach der iviia Zusammenrückung von *fr vk=a „im ganzen neun, 
volle neun" war mit Verblassung dieser anfänglichen Bedeutung. Herakl. 
(vvta wie oxToi, nach sTizd. 

10—19. Se'xcc entweder ~ lat. decem, ai. dd^a, idg. *dchn, oder = lit. 
dcszimt (nom. pl. dcszimts, aksl. desete), got. taihun, idg. ^dckr^t. Sixato-g 
= lit. deszmta-s, idg. *dekmto-s; über lesb. ark. Sixotog s. u. i'vSexa, 
SoySfxa und Skxa 6vo, tgeTg xcct Sixcc und Stxa tgeTg u. s. f., s. Meister- 
HANS, Gr.2 126, Wackernagel, Phil. Anz. 1886 S. 78 f. 

20—90. Dor. böot. pixari, vgl. lat. viginti, -xavi aus *-kmH (vgl. S. 
123 Fussn. 2 und W. Schulze, K. Z. 28, 277). Eine Vermutung über 
das fi von dor. feixari und ion. att. f-i'xocn hom. eeixoai äusserten wir 
§ 84 S. 124. Böot. fixaarrj (Meister, Gr. D. 1, 276) zu lat. vlci^simtis 
{*vicenssimHs) von Grundform *tilkmt-\-to-, *fiT/im('fo- (§ 36). Die Form 
elxoaxög mit für « war Neubildung nach tQiä-xoaiög aus ^-xovaio-g (§ 55) 
und veranlasste weiterhin die Bildung sixoai statt ^fhaai. Dasselbe von 
-xoaTÖg, -xorra ausgegangene o in lesb. ark. Sixoiog, ark. exoi6r-ßoia und 
in -xöaim (s. u.). Die Form i'xariir bei Hesych. (Codex ixnrtir) zeigt sich 
in anderer Weise von -xovra beeinflusst. Vgl. Vf. K. Z. 24, 66, Osthoff 
ebend. 424, M. U. 1, 128 (anders, aber unwahrscheinlich G. Meyer, Alban. 
Stud. 2, 13 f.). Herakl. tfiquixovia war wohl nach oySwxovta gebildet 
(Baunack, K. Z. 25, 235). nevxr^xovxa mit urgr. Tq zu ai. pahca-kit „fünfzig", 
idg. *pcfDqe'k' ; hiernach tl^r]xovTa gortyn. pt^r^xovta. Zur Bildung der Zehner 
überhaupt vgl. noch Thurneysen, K. Z. 26, 309 ff.. Spitzer, L. d. a. D. 
18 ff., Prellwitz, De dial. Thess. 41 sq. und S. Bugoe, Bezz. B. 14, 72, 
der für -xan idg. *(d)km'tJL als Ableitung von *d('Atp, „decem* voraussetzt 
(-xoi'i« also aus *(d}kom-t-L ?). 

100 u. s. w. Der zweite Bestandteil von f-xaior = lit. «jriiMte-«, 
ai. ^atd-m, idg. *krf}t6-m (zu der Annahme von Ascoli, Krit. Stud. 94, die 
idg. Grundform sei ^kuto-m gewesen, das m von lit. SM^mka lett. 8i*mh 
sei von der Zehnzahl lit. drszimti- übertragen, ist kein ausreichender (Jrund 
vorhanden); ^krntd-m nach Bugge a. O. aus *{d)krgt'tö-ni, Ableitung von 
*drkrri „decem**. Das «'- von fxarov wohl für a- =t »aip- (vgl. ai. sa-lidsia- 
„tausend") mit Anlehnung an den Vokal von #1-; vermutlich bestand ein 
♦f»' xuiör „ein Hundert** neben ^tt-xcaov. Der. böot. -x«noi, ark. -x«m»i 
zu ai. -iaft/a-; das o von -xoaioi von -xorr« 'xwrto^ entlehnt (s. o.). \ 
♦x«<y>lo- = ai. isa')hdsm' beruhten lesb. x*'^^**** ^^^' X*,^'** >on- Z"^"'« 
(S 45. 56); über das ( von hom. öfxa-xdot att. x^Xiot h. Ji 16; zur Stamm- 
erwoiterung -toi vgl. ai. safmsrii/a-. Nach ipirtxfMriri-^ waren 

Axaro<Tfo-c, (haxoaiofTtO'g, x*'^'"'^"'"^' /*''C""''"''v% ferner auili lo/./.tmm'^, 0X1- 
yoaitfg gebildet (Vf. M. U. 3. 69, Ohthokf, Z. (i. d. I*. M»!) V^l. anrli 
ixatortaxig (spät) nach TQtAxot^axtg u. h. w. (Baunack I\ / J'». J^^"^» 



138 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

c) Nominalkomposition (Form und Bedeutung)« 

Litteraturangaben bei Hübner, Grundriss zu Vorles. üb. d. griech. Syntax 29 ff. und 
Vf. Grdr. 2, 21 f. 

Form der Zusammensetzung. 

102. Man kann für das Griechische wie für die andern idg. Sprachen 

vier Klassen von Komposita unterscheiden. 

1. Das 1. Glied war der Stamm eines deklinierten Nomens oder Pro- 
nomens, fnovo-Y^vrjg neben f^iövo-g. 

2. Das 1. Glied erscheint in keiner der Forschung zugänglichen 
Periode der idg. Sprachgeschichte als flektierbares Wort und tritt nur in 
Kompp. auf, a-ßarog. 

3. Das 1. Gl. war ein altüberkommenes adverbiales Wort mit oder 
ohne Kasussuffix und wurde auch ausserhalb der Komposition gebraucht, 
ijii-^sTog neben eni [im). 

4. Das 1. Gl. war entweder ein Kasus, der als lebendiges Glied eines 
Kasussystems die Zusammensetzung mit dem andern Teil einging, oder ein 
Adverbium, das erst in der griechischen Entwicklungsperiode zum Adverb 
geworden war und als solches Kompositionsglied wurde, Jioa-xovqoij 
Tiav-aioXog. 

Für die Kompp. kommt in Betracht, dass zwischen syntaktischem 
Wortkomplex und Kompositum und zwischen Kompositum und Simplex 
häufig keine festen Grenzen zu ziehen sind. 

Auf jeder Stufe der Sprachentwicklung gibt es werdende Kompp., 
und man kann oft nicht entscheiden, hat man es schon mit einer einheit- 
lichen Zusammensetzung oder noch mit einer syntaktischen Wortverbindung 
zu thun. Daher z. B. der Streit, ob xaQrjxofxowvTsg oder xaQrj xofnocovzeg 
u. dgl. bei Homer (s. La Roche, Hom. Textkr. 311 ff.). Wo Kompp. aus 
Teilen bestehen, von denen jeder als selbständiges Wort auftreten könnte, 
erkennt man den Korapositionscharakter am sichersten aus folgendem. 
1 . Wenn der Ausgang des einen Gliedes der Zusammenrückung auf solche 
Wörter übertragen wird, die ihn in freiem Gebrauch anzunehmen unfähig 
sind, wie 6i6a-6oTog (diog gen. sg.) ein ^eoa-Sozog erzeugte. 2. Wenn in den 
analogischen Nachbildungen das 1. Gl. nicht mehr die Kasus- oder sonstige 
Flexionsbedeutung zeigt, welche Bedingung für die Entstehung der Muster- 
form war, z. B. 'ÄQTji-Xvxog, aq^i-^vaccvog nach dQrji-(faTog ägsi-cpaTog „im 
Kriege getötet". 3. Wenn die Zusammenrückung „mutierte" Bedeutung 
(§ 105) hat, wie asgi-oixog „in der Luft die Wohnung habend". 

Anmerkung. Kein sicherer Beweis für befestigte Komposition ist, dass Weiter- 
bildungen mittels ableitender Suffixe vorgenommen werden, wie Jlogxovqsiov von Jioa- 
xovQoi, Aiyoa-noxafitirjg von Atyoa-norafxol. Denn oft schafft erst das Bedürfnis der Ab- 
leitung ein Kompositum, wo vorher noch keines da war, wie xaXoxäyad^iü von xalog xäya- 
&ög, eyxscpaXog von bv xecpaX^, naQa&aXaoaiog von tkxqo, ^d'kctaaav. 

Anderseits ist das 1. oder das 2. Gl. eines Kompositum oft im Über- 
gang zu einem präfixalen oder suffixalen Element begriffen. Z. B. -siSrig 
in ^so-8idr^g u. s. w. nahm in der historischen Periode den Charakter eines 
Suffixes an, ein Prozess, der sich bei -ano-g in noS-aTtö-g etc. (zu ai. -anc- 
„ wohin gerichtet") schon in vorgeschichtlicher Zeit vollzogen hatte, aya- 
^6-g ursprünglich „sehr kriegstüchtig" (J. Baunack, Stud. 1, 260 ff.) war auf 



3. Anhang. (§ 102—103.) I39 

ne Linie gekommen mit noo-o-c ay-o-c, und in ähnlicher Weise waren 
/.ccTÖii-ßr^ (vgl. ai. safa-gu- „100 Kühe habend"), 6ä-nf6o-y ursprünglich 
„Hausboden" (§ 74 S. 115), (o-xsavo-g urspr. „umlagernd" (§ 200) für das 
naive Bewusstsein zu einfachen Wörtern geworden. (Zum Teil hatt« diese 
Veränderung des Sprachgefühles bereits in uridg. Zeit stattgefunden, z. B. 
bei e-xvQo-g, pi-xazi und 7i6Q-vat, das mit pärog zusammenhing.) Wenn man 
derartige verdunkelte Zusammensetzungen mit unter den „Komposita" be- 
handelt, wie wir thun, so kommt freilich mancherlei auf gleiche Linie zu 
8tehen, was für das Sprachgefühl der betreffenden Periode verschieden war. 
Vgl. Vf. Grdr. 2, 3 ff. 

103. Erste Klasse. Beispiele. 6fio-7täT(oQ : apers. hama-pitar- „von 
gleichem Vater". TioXv-Srjifa • noXvßovXov, noXvurixiv Hesych : ai. piun- 
ddsas- „reich an Wunderthaten". rgi-Trorg : lat. tri-pcs. Der Stammaus- 
gang des ersten Gliedes zeigt häufig nicht mehr die ursprüngliche Gestalt. 
Für die Nomina, welche schwache und starke Stammgestalt nebeneinander 
hatten, war schwache Stammform von Haus aus die Regel. 

o-Stämme. Über inji'aywyög aus "^Inno-ayo^yög s. Jj 64, 6 S. 78. Ob 
das -8- in 'Ayt-Xäo-g [ayo-g], ccQx^-^oXi-g [agxo-g) u. dgl. aus uridg. Stamm- 
formen mit -c- herrührte, oder ob es erst infolge der S. 140 zu besprechen- 
den Assoziation des 1. Gl. mit einem verbalen Stamme an die Stelle von 
-o- getreten war, ist unklar. Von den o-Stämmen aus wurde -0- auf dio 
verschiedensten Nominalklassen übertragen, z. B. TraiQ-o-qoiog av-o-xtmog. 
Umgekehrt wurde -0- öfters durch -Ct- verdrängt, z. B. ^arart'fft'mn: statt 
und neben O^avavo-ifÖQog zu ^dvaro-g (vgl. Vf. Grdr. 2, 45 f.). 

fl-Stämme. Meist -«-, wie vixi^-qÖQog, einige Male ein uiiauigtkKu ics 
-«-, wie UXxä-&oog, ii/^iwQÖg aus ^iifLiä-aoog.^) Häufig -o-, wie Nixo-fnaxog 
dor. laiio-nuiKüv; der Gebrauch von -0- bei Adjektiven als 1. Gl., wie 
dxQo-TioXig --- dxQu noXig^ war schon uridg. Das -ö- auf andre Nominal- 
klassen übertragen, z. B. O^arca r^-gogog (s. o.), uam6-}^'(f6{iug, 

i- und «^-Stämme. Alte Bildungstypen: TQt-novg navu-noXog, i]6v' 
{f)€7ir^g. Mit -0- z. B. (fvai-o-Xöyog. 

f' und e<-Stämme. Ursprünglich -7- -m- vor Kons., -11- -uv- vor Son. 
So noch ffV'ityxo-g, dagegen ai-ffOQiiog für *m -y., wie ciW für *av^( (§ 74, 2 
S. 115). Mit -0- z. B. aV'O'XTÖvog^ ixi^v-o-ifäyog. 

w-Stämme. Selten -cf- ^ -n- (vor Konsonanten), wie m'o^idfxXvtog; 
xvrünvta für *xvc(-fxvia durch Übertragung des -i'- von xrr<ic, xvr-ijog etc. 
Daneben o-Stamm statt »-Stamm, wio xiö-xgavor, «x/io-.'/Mor, a^f^O',in<ftlg. 
ein uns idg. Urzeit mitgebrachter Bildungstypus, mit dem die ebenfalls 
alte Vertretung des w-Stammos durch einen o-Stamm im 2. Gl., /.. B. 
dv-ta/^io-g neben ai-a/'/iwr, zusammenhing (vgl. 8 71). Griech. Neubildungen 
waren solche wie ifgtv-iäXi^g ttxtov-aQxoi dytav'dnx^t^ und y^i'-o-ziarrjc 
nloV'ifXQ^ vnv uyinv-n- .'/f'r i^g. 

r-StiiimiM' Alter Typus ntttg-mvuioc, avif^äyf^a. Dagegen vor Kon«. 

') Man lt.. .^^ .. ■...!. r.MnglirhV-'*""»" : . J». «Im« m$A ahta- n««"« •«>»»■ aHM./iirttr. 

daandaMl. (JI. in'J>/fr-.Vooc.>i*' 1 1 . . 1 ,, . i . wl« •m»!« -pe«« 

Hf' <*inoH Wiirzolnomcn« wor ;^ \,i.\. ■ K. /. J7, 2tin. 2R \?fl 

yi-tf{futy mit loc. sg., und dsM erat da- | wurden. 



140 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

in der Regel mit -o-, wie naTQ-o-tfovoq für ^Ttarga-cpovog. Alt noch t€tq('<- 
yvog = idg. *qcttii'-^ wo sich « unter dem Schutze der Kompp. mit stitu- 
svvea- etc. hielt; nach TetQÜ-noSa scheint avdqd'Tioöa gebildet (bei Beute- 
verteilung und sonst öfters lagen die beiden Begriffe dicht bei einander), 
s. Vf. Grdr. 2, 48, Wackernagel, K. Z. 30, 298. Neubildungen waren 
auch die Formen mit starker Suffixgestalt, wie aaTsq-o-sidrig , qrjToq-o- 
didäaxaXog, Xajj.7TTr]Q'0-(p6Qog. 

Die n^Stämme im Griech. stets mit starker Stammgestalt. Ttdvt-aQxog. 
7tavT-o-ijiiat]g, öqaxovT-6-iiaXXog. Die schwache Stammgestalt der abstufenden 
^^-Stämme scheint ausgestorben. 

Neutrale s-Stämme. aaxsa-ipoQog, wie ai. rajas-tür- „den Luftraum 
durchdringend". Daneben auch einige Male schon bei Homer -o- statt -«c-, 
regelmässig in der Prosa: slQo-xoiaog, ino-Tioiög, entsprechend xpsvd-dyyslog; 
-0- für -sc- wohl infoige der gleichen Nominativausgänge {ßnog : iTinog)] 
mit -ßt- statt -0- z. B. ^('(prj-cpoQog (neben ^i(po-(f6Qog). asXacf-cpoQog; daneben 
x€QO-(f6Qog, xQSo-Soxog und xQsri-Söxog. 

Andere Stämme, vav-nriyog und nq-o-aaoog. ßov-vofiog und ßo-o-xXsip 
ßo'iq-vö^og. d-Tza^, vgl. lat. sim-plex, idg. *sm-. dä-nsSov, idg. *c?m- (§ 102). 
liiva-(p6vog, vgl. lat. nms-cipula. nvy-^äxog. Tzo^-wxrjg, noS-o-xdxxrj. vi(f-6- 
ßoXog. 

Der Charakter des 1. Gl. als Nominalstamm wurde in doppelter Weise 
gestört : 

1. An die Stelle der Stammform trat eine Kasusform (Übergang in 
Kl. 4), z. B. JIvXoi-y6vr]g, Ji£i-TQ€(prjg (§ 74, 1 S. 115), SoQi-fiaxog, 'l(pi' 
xqdvr^g^ vovv-€x^j9y SLxa<y-Ti6Xog (6ixa(f- acc. pl., s. § 55. 63). 

2. Das Sprachgefühl änderte sich gegenüber dem 1. Gl. in der Art, 
dass dieses verbal empfunden wurde. Das veranlasste dann zahlreiche Neu- 
bildungen, in denen nun wirkliche verbale Stammformen als Vorderglied 
eintraten. So deutete ma,n Tavv-yXwaaog („mit gestreckter Zunge", Havv-g 
= ai. tanü-s) als „die Z. ausstreckend" (zu rdw-rai)^ (piXo-'^svog („dem der 
Gastfreund lieb ist") als „den Gastfr. liebend" (zu (piXtw), (fvyo-TvroXsjiiog 
„der dem Krieg abhold ist" {'^(pvyo-g, vgl. lat. lüci-fugus) als „den Kr. 
fliehend" (zu 8(fvyo-v). Daher dann Neubildungen wie }Jiw6-'§svog (nach 
(fiX6-'i€vog geschaffen, vgl. iiiatw : (filtw) „den Fremdling hassend", (paivo- 
(xrjQig, s^sXo-Ttovog. Wenn das -s- von Formen wie 'Aye-Xäog (s. 139) nicht 
als die nominale Suffixgestalt -e- aus vorgriech. Zeit mitgebracht war, so 
muss man es als infolge der verbalen Umdeutung aus den Formen wie 
ays-rs herübergeholt betrachten. TSQipi-fxßQOTog, Tavvai-TiTsqog, dqxsai-yviog 
u. dgl. enthielten Abstraktnomina mit -ti-, Ttqipi-g etc. Sie wurden mit 
den s-Aoristen srsQipa, hdvvaa, rjqxsacc assoziiert und nunmehr verbal 
empfunden, „die Menschen ergötzend" u. s. w. Daher alsdann Neubildungen 
wie 2Trj(fi-xoQog [eaTTqaa) neben aTaai-agxog {ardai-g), (f^iai-fxßQOxog {scp^Ma) 
neben (f^taig. Weiter veranlasste die ideelle Verknüpfung dieser aoristischen 
Kompp. mit solchen wie Xeino-ipix^^ (fvyo-TrroXsfiog, a^/i^xaxog, (pvy-aixfJ^rjg 
einerseits Neubildungen wie Xsiipo-^qi'^, nsqas-TtoXig^ ^%r^(S-ayöqrig^ anderseits 
solche wie dXs^i-xaxog, Xaxh-xrjdrjg (vgl. Xrjai-fißqozog), dqxi-TtxvMV, dqxt- 
^i-coqog für dqxs-^eojqog, Xaiqi-ye'Vtjg neben Xaiqs-axqarog, sogar TrjXi-fiaxog 



IzO 



3. Anhang. (§ 1Ö3.) 141 

1.) für Ti]X€-fiaxog , woneben auch die Neubildung TtjXo-xQizog. Diese 
Ungleichungen mögen durch die Doppelbildung des cr-Aorists, edtt^a und 

gefördert worden sein. Ferner brachte man unsere Kompp. mit -at- 
mit solchen der 4. Klasse zusammen, die einen loc. pl. auf -ci enthielten, 
wie oQtai-TQOifog „in den Bergen genährt", worüber Osthoff, Vb. i. d. Nc. 
193 ff. Endlich seien noch erwähnt die Neuschöpfungen JlgiüTtai-Ädag 
(neben IlQünö-Xäog) nach 'Aysai-läog Uoxeai-Xäüg u. dgl., und 'EQi^ir^ai-Xswg, 
^Egiuit^cn-äva'^, 'EQf.ir^(f-arSQog nach Uyr^ai-Xäog, ^Hyi-ai-ara^, 'Ayi^a-cevSoog. Über 
diese ganze verbale ümdeutung, die sich auch im Germ, und Slav. in weitem 
Umfang zeigt, s. Osthoff's eben genanntes Buch S. 137 ff. 

Zweite Klasse. Idg. *n- *tin- „un-", Tiefstufenform zu *//c = 
lat. ne, z. B. a-yvünog = ai. d-jfiata-s lat. tgnötu-S; ai-vögo-g = ai. an- 
udrd'S; nach solchen wie a-virvog aus "^ä-aimvo-g, a-otvo-g aus ^a^poivt^-g 
bildete man ct-o6i.iog^ ci-o^og (vgl. lat. od-or, got. ast-s „Ast") neben cii-oSiiog 
ar-o^og u. dgl. Mit m- aus idg. ^n- „un-" dor. ra-notiog u. dgl. (g 21). 
Idg. *dus- „mis-, übel-", z. B. 6va-fisvrjg = sd. dur-manäs. 

Dritte Klasse. sni-iy&Tog -. q\. dpi-hita-s „zugemacht**, cmo-natg : 
ai. dpa-citi-^ „das Abbüssen". 

Anmerkung. Gegenüber diesen uridg. Nominalkompp. geschah das Zusammen- 
wachsen solcher Adverbia mit den Formen des Verbum finitum. z. B. (nt-Ti9^t;ut, ei-st 
in der einzelsprachlichen Entwicklungsperiode und wurde durch jene ältere Schicht dor 
Nominalkompp. vielfach begünstigt. Und die verbalen Kompp. wie inirl&rjfn wirkten dann 
auch wieder auf die nominalen zurück. Wenn man sagt, z. B. t^o^o^; sei nicht aus i$ und 
6)(0i zusammengesetzt, sondern eine einfache Ableitung aus f^«/w, und demgemäss solche 
Bildungen ^Pseudokomposita" nennt (Zacher, Zur griech. Nominalcomp. 8, vgl. auch .1. 
Grimm, D. Gramm. 2, ö. 094 des Neudrucks), so ist das richtig. Man übersehe aber nicht, 
dass es sich bei der Schöpfung von solchen Formen im Grunde nur um Zuführung neuer 
Beispiele zu bereits aus idg. Urzeit überkommenen nominalen Kompositionstypen handelt, 
und dass ja überhaupt weitaus die meisten im Griechischen und in den andern idg. Sprachi-n 
begegnenden „Komposita" gar nicht wirklich durch einen Akt der Zusammensetzung, son- 
dern durch analogische Nachahmung gegebener Musterformen zu stände kamen, also 
.Pseudokomposita" waren. 

Zusammensetzung von Präpositionen mit einem von ihnen regiert 
erscheinenden Nomen. nQoa-iantQog, vgl. ai. prati-do^d- , gegen Abend be- 
findlich". vTifQ-üvOQümog -r^vwg^ vgl. ai. updri-martya' »über Sterbliche 
sich erhebend", eiii-yaiog. 7ittQ(c-vof.iog. vcvix-Xoyog. Der acc. .neutr. als 
Adv., wie tn-riKhn. r/if-'o-nooor. Meist mit -fo-, wio vrT'itaJu'd'to-g^ TiaQft- 
O^aXaaa-io-^. 

fiT^'i tg : ai. mu-Li-s. ui-ug ersclzlt- tiii nL 

Vierte Klasse. Altorerbt waren namcuUKli /.aiiiwortkompp., wio 
düi'dtxa dvü)'6f-xu = ai. dvd-dahi lat. duo-dccim. Ferner nod-ano^ mit 
nom. acc. sg. neutr. (g 9'i), wohl auch diua-doxog „von Zoua gegeben ' und 
dt(j-n6ii,g »des Hauses Herr" (g 7U). Das meiste entsprang im Oriecli. 
selbst, wio JiwJ'Xiwqoi, veoitX'Oixoi^ tuHf'Xva^iog^ SovQ^-xttjto^f #«^W^/iro;, 
'AXxi-iih'dü)v^ xt^QKTfTt-</n(ti^iog, nOat'fuXüi%\ Ttitt-ifutQ. i ' ' uuig. 

Analogische Neubildungen: !}m<jdonu nach d*" ,/r>fo<r«rprr 

nach htHtHf'OVQa u. dgl. 

auch des Kasus im 1. (iL, als hci w nur Stamn'' 

dt; unkelung seiner ursprünglichen Funktion, z. H. < 

harmlosem Sinn" nach diaXu y^oiVoir; nv(H'i^xi,g .mit feuriger ^<plUo• 



142 



A. Öriecliische Örammatik. c) Flexionslehre. 



nvQi-nvoog „feuerschnaubend" n2Lc\i Tivgi-xavaTO-g „mit (im) Feuer gebrannt"; 
xr^Qsai-tfOQog; txO^vat'XrjiaTi^Q u. dgl. Lokative wie ttvqi- im Sinn von Stamm- 
formen zu setzen, konnte man leicht auch durch Kompp. wie ^avTi-nöXoc 
veranlasst werden. Und für die Kompp. mit loc. pl. auf -ai kommt das 
Danebenstehen von Formen wie agxeai-yviog Tuvvai-TiTSQog in Betracht. 
Übrigens begegnet vieles hierhergehörige nur bei späten Verskünstleni 
und war dem Volk selbst fremd. 

Weitere Beispiele zur 4. Klasse s. bei G. Meyer, C. St. 6, 382 ff., Neckel, De no- 
minibus Graecis compositis, quorum prior pars casuum formas continet, 1882, Vf. Grdi. 
2, 51 ff. 

104. Komposita aller Klassen fungierten seit uridg. Zeit als Personen- 
namen/) z. B. 'lTVTt6-!Jiaxog,"A-dijirjTog, 'Yrco-dixog, ^AQr/-Xvxog. Diese Kompp. 
hatten in mehreren Beziehungen ihre eigene Geschichte. 

Bei den Griechen, wie bei den Germanen, findet sich die Sitte, dass 
in den Kindesnamen eines der Kompositionsglieder herübergenommen wurde, 
die im Vaters- oder Mutternamen enthalten waren, z. B. Jivo-xQaTrjg Sohn 
des Jlvo-xXr^g, Ev-xQccrrjg S. des EvQV-xQccTr^g (vgl. J. Baunack, Stud. 1, 57). 
Hieraus wird die Thatsache verständlich, dass man öfters Wörter ver- 
schiedenartigster Bedeutung zu einem Namen zusammenstellte, wie '/tttto- 
Xäg, '^Pöd-iTCTiog. 

Abkürzend setzte man für das Kompositum nur das eine der beiden 
Glieder, meist das erste, und hängte dem einstämmigen Namen oft hypo- 
koristische Suffixe an, z. B. Zsv^i-g, Zsv^iä-g = Zsy^-niTiog , Zsv'^i-däjjiog, 
Zsv'^i-^sog eic./'l7i:T€o-g,l7T7iaxog,l7r7ivXXog = ^IrtTiO'xXrjg, ^IrcTio-üTqaTog etc. 
(vgl. auch ^I(fi-g = ^Icfi-dvaaaa etc. mit instr. i-(fi)^ umgekehrt z. B. KXv^u'vrj 
= 'ET€o-xXv!^u'irj (Maas, Hermes 23, 617). 

Da bei solcher Abkürzung das Gefühl für die etymologische Kon- 
stitution des Komp. nicht immer wach war, so kam es auch vor, dass das 
2. Gl. nur bis auf seinen Anfangskonsonanten oder seine anfangende Kon- 
sonantengruppe abgebrochen wurde, z. B. Nixo-fxag = Nixo-^xriSrig, Jr^io- 
a^äg = Jrji.w-(T^i-'vrjg. 

Unklar ist, wesshalb in den Personennamen ein inlautender Konsonant 
öfters geminiert erscheint, z. B. Ssvvo^^ 'Aya^^M, Oso-xxw, KXsö-iif.ug. Der 
Erklärungsversuch J. Baunack's Stud. 1, 232 befriedigt nicht. 

Bedeutung der Zusammensetzung. 

105. Bei der Stammkomposition (z. B. iTuio-ßoTog) war die be- 
sondere Art der Beziehung, in der das 1. Gl. zum 2. stand, zunächst 
völlig unbestimmt. Sie ergab sich lediglich aus dem Sinne, den die ver- 
bundenen Stämme an und für sich hatten. Es war natürlich, dass die 
Zusammenstellung von „Sonne" — „Mond" ein anderes Bedeutungsverhältnis 
darstellte als die von „Sonne" — „Strahl", die von „Mann" — „tötend" 
ein anderes als die von „Speer" — „tötend". Da vielfach eine gleich- 
artige Bedeutungsbeziehung zwischen den beiden Gliedern bestand, so er- 
gaben sich hieraus verschiedene Klassen von Stammkomposita. Dagegen 



^) Hauptschrift: Fick, Die griech Per- 
sonennamen nach ihrer Bildung erklärt, mit 
den Namensystemen verwandter Sprachen 



verglichen und systematisch geordnet, 1874. 
Kurze Zusammenstellung des wesentlichsten 
bei Vf. Grdr. 2, 32 ff. 



3. Anhang. (§ 104-105.) I43 

war bei den Kompp., deren 1. Gl. eine bestimmte fJexivische Form 
hatte, durch diese von Anfang an eine bestimmte Beziehung zwischen den 
beiden Gliedern gekennzeichnet, z. B. 6t6a-6oTog „von Zeus gegeben'', 
iaQi-SQfTiTog „im Frühling gepflückt". 

Aus idg. Urzeit ererbt waren der Gegensatz von „unterordnenden 
Kompp." und „beiordnenden" (ai. dvandva) und derjenige von .nicht mu- 
tierten Kompp." und „mutierten" (ai. hahuvrihi). 

1. Bei den unterordnenden Kompp. war das eine Glied durch das 
andere nur näher bestimmt, das eine war der Hauptbegriff", das andere 
ein subordinierter Zusatz. Die Art, wie das Hauptglied durch das andere 
determiniert war, ergab sich bei den Stammkompp., wie bemerkt, lediglicli 
aus der Stammbedeutung, bezieh, dem Redeteilcharakter der Glieder. Die 
Art des Bestimmtseins konnte eine sehr verschiedene sein. Man unter- 
scheidet: attributive oder appositionelle Bestimmtheit, z. B. iäigo-navitz 
„Wahrsager, der Arzt ist", dxQÖ-noXig „obere Stadt, oberer Stadtteil*", 
o)xv-7iTeQog „schnelle Flügel habend"; numerale Best., z. B. rgt-wßoXor, St- 
TTovg; kasuelle Best., z. B. nccTo-ccStXifog „Vaters Bruder", x^'^o-tto/V^to^ 
„mit der Hand gemacht"; adverbiale Best., z. B. djmpi-fu'Xag „beiderseits 
dunkel". In dieser Weise lassen sich aber auch noch andere Kategorien 
aufstellen, und es muss betont werden, dass die Grenzlinien zwischen allen 
solchen Kategorien unsicher und fliessend sind. 

Anmerkung. Eine den Thatsachen der Sprachgeschichte in jeder Beziehung ge- 
recht werdende, alle unterordnenden Kompp. richtig unterbringende Khissifikation ist un- 
möglich. Einerseits war das in der Seele der sprechenden lebende Bedeutungsbild, das 
der Sprachforscher zu reproduzieren hat, bei den meisten Kompp. in Hinsicht auf die gegen- 
seitige Beziehung der beiden Glieder ein viel zu unbestimmtes und schwankendes, als dass 
es sich mit der Sicherheit, wie es gewöhnlich geschieht, dieser oder jener von den aufge- 
stellten Bedeutungsklassen zuweisen und sich mit einem der üblichen grammatischen Ter- 
mini fixieren Hesse. Und es is*^^ darum unnütz, z. B. darüber zu streiten, ob ot'xo-ffvXtti 
zu den attributiv oder den kasuell bestimmenden Kompp. gehöre, ob n«rpo- in rrcrrpo- 
ifoftvg als (Jen. oder als Akk . ßgoro- in ßQoro-Xoiyoi als Gen. oder als Dat. aufzufassen 
sei. .Solche genaueren Beziehungen werden doch gewöhnlich nur erst von dem Ctrammu- 
tiker hineingelegt — namentlich leicht, wenn er bei der Übersetzung des Komp. in ein»« 
andere Sprache zu einer Umschreibung greifen muss — , während die sprechenden «elbst 
aus einer allgemeineren Anschauung nicht herauskommen. Anderseits war dus Bcdeutungs- 
bild sicher oft auch in den verschiedenen Perioden ein verschi»Mlenes. 

Mögen solche Kla.ssifikationen immerhin den Wert haben, dass sie die Orientiernn:» 
erleichtern, sie können nicht das Endziel der Forschung sein. Diese hat vielmehr uurh 
hier vor allem die Aufgabe, historisch vorzugehen, den Entwicklungsgang, so woit es niöj; 
lieh ist, aufzudecken und sich dabei aller subjektiven, nicht lediglich die Natur dos Int»-!- 
Buchungsobjektes ins Auge fassenden Beurteilung zu enthalten. 

Beiordnende Kompp. gab es ursprünglich wohl nur mit Kasusformcn 
als erstem GL, wie doi-Sexa = ai. dvä-daia lat. duo-decim, und man kam zu 
den Dvandva mit Stammform erst dadurch, dass man jene nach der Form 
der unterordnenden Kompp. mit Stamm als 1. Ol. ummodoKo oder neu 
schuf (vgl. die Bildungen mit x«i : KuXoxttyaikiu zu xoAfiy »ayalPoi und 
rf/i/tO'X((ifiXt^nfX(tiog). Im Grioch. war diese Kla*«»o seiton. Deutliche Falle 
erst in jüngerer Zeit, wie Xv{t'(ta;ini' in ioQvtvii^Xv(>aani6o'ni^Yot .gcdrcch- 
selte Leiern und Schilde zusammenfügend* Aristoph.,») ••i'x,>-»-/4#por .dicni 
noct6roque\ Xovtga cirJ^o-yiT« .Bäder für Männer und Frauen*, A#i»jro- 

') Av. 491. Kin Dvindv» hittrn %»ir Usmi '< : «T r«frtr««pfi AiPf«( 

auch dADii, wenn die Erklärung de« 8cbo- , ircti 



144 



A. Grieohische örammatik. c) Plexionslehre. 



IJieXäg „weiss und schwarz". Im Neugriech. mehr Bildungen dieser Art, wie 
yvvmxö-naida „Frauen und Kinder", fxaxccigo-TitQora „Messer und Gabeln". 

Die Grenze zwischen den unterordnenden und den beiordnenden Kompp. 
war naturgemäss eine fliessende. Z. B. läTQo-fiavTig, das wir oben unter den 
unterordnenden nannten, konnte auch als „einer, der Arzt und Wahrsager 
ist" erscheinen, und ähnlich konnte man auch TQay-bXa(foq^ yXvxif-mxQog u. a. 
doppelt auffassen. Um so leichter begreift sich die Entstehung der Dvandva 
mit Stammform als vorderem Glied. 

2. Die Doppelheit der nicht mutierten und der mutierten Kompp. 
beruhte auf einer bereits im Uridg. vollzogenen und seitdem immer wieder- 
holten Bedeutungsentwicklung. Wie der Begriffsinhalt eines nicht zusammen- 
gesetzten Substantivs oft durch eine Metapher adjektivisch auf ein anderes 
Subst. bezogen wurde, ein Eigenschaftsbegriff für den Träger der Eigen- 
schaft eintrat, ohne dass diese adjektivische Beziehung einen sprachlichen 
Ausdruck erhielt, z. B. JB 235 c6 nhTiovsg^ xdx eXty%sa^ so geschah dieses 
auch mit dem Begriff von Kompp., z. B. Eos hiess 'Rosemfinger, Qodo- 
SäxxvXog, im Sinne von rosenfingrig (vgl. DicMopf = dichJcöpfig u. dgl.). 
Vgl. § 189. Natürlich machte nicht jedes Mutatum die Bedeutungsent- 
wicklung für sich durch; die meisten traten sofort als Mutata ins Leben 
als Nachbildungen nach älteren Mustern. 

Der substantivische Ursprung bekundet sich zum Teil noch in mangel- 
haftem Geschlechtsausdruck, z. B. qodo-däxxvXo- trotz -o- auch für das Fem., 
XQi(yo-x6firj- „goldhaarig" trotz -rj- auch für das Mask. Doch wurde viel- 
fach schon frühe auch eine den adjektivischen Charakter kennzeichnende 
Weiterbildung vorgenommen. Diejenige mit -io-, wie ofno-TiccTQ-io-g = altisl. 
sam-fed^r (neben d^o-TudTO)Q = apers. hama-pitar-), kam wohl bereits im 
Uridg. auf (§ 70, 2). 

Mutiert erscheinen sowohl unterordnende als auch beiordnende sub- 
stantivische Kompp., wie TioXv-oivog „viel Wein habend" und dv^Qo-ywog 
„für Männer und Frauen bestimmt" (Xovtqov). 

Auch zwischen den mutierten und den nicht mutierten Kompp. ist 
keine scharfe Grenze zu ziehen. Man erwäge z. B. cc-ömqu öwqu (Soph. 
Ai. 665), wo a-dwqa ebenso gut substantivisch (vgl. dvrjQ dTQaTTjyog) als 
adjektivisch erscheinen konnte, ebenso jiöXigvsÖTioXig (Aeschyl. Eum. 690) u. a. 



4. Verbalflexion.^) 

Personalendungen. 

106. Die Personalendungen zerfallen in (1) primäre, z. B. -/u (ind. 

praes. und fut. act. und med., perf. med.), (2) sekundäre, z. B. -v (Aug- 

mentindikative act. und med., injunct. act. und med., opt. act. und med., 

zum Teil ursprünglich wohl auch im ind. praes. neben den primären), 



') Veitch, Greek verbs irregulär and 
defective, Oxford 1879. Curtius, Das Ver- 
bum der griech. Sprache, Leipz. P 1877, 
11- 1880. G. Meyer, Gr. Gr.^ 402- 517. 
Pezzi, La 1. gr. ant. 216--258. Lautejjsach, 



Verbalflexion der att. Inschriften, Gotha 1887. 
G, Mekler, Beiträge zur Bildung des griech. 
Verbums, Dorpat 1887. Bartholomae, Zur 
Verballehre der idg. Sprachen, K. Z. 29, 
271 ff. 



I 



4. Verbalflexion. (§ 106—107.) 14 5 

(3) ein paar ursprünglich speziell perfektisclie (act), z. B. -«>«. Der 
Konjunktiv scheint von idg. Zeit her sowohl primäre wie sekundäre Endungen 
gehabt zu haben, noch neben einander ayr^ und ayt] (s. § 107). 

Der Ursprung der Personalsuffixe ist nicht sicher ermittelt, doch ist 
von einigen, z. B. -mi, nicht unwahrscheinlich, dass sie Pronomina waren. 
Vgl. Vf. M. U. i, 133 f., Delbrück, Einleit. in das Sprachstud.« 97 ff., 
Sayce, Techmer's Intern. Ztschr. f. allgem. Sprachw. 1, 222 ff., Merlo, 
Appunti critici sulla genesi delle desinenze personali, Riv. di filol. 12, 425 ff. 
13, 385 ff. 14, 369 ff. 

107. Aktivendungen. 

1. Sg. Prim. (ftQO) = lat. fero, idg. *hherö {-ö vielleicht aus mit einem 
«-Vokal, der Personalendung, kontrahiert, Vf. M. U. 1, 146 f., Osthoff, 
ebend. 2, 121 f.), ei\ui = ai. emi, idg. *('i'7)ii. Hom. Konjunktiv iO^eXioni 
Neubildung für ii^tXw. Über lesb. (filr^i^ii ((fiXtu)) § 123. 

Sek. -V = idg. -m und -« — idg. -7^: ^(fSQo-v = ai. dhhara-my 
tn^-y = lat. sle-iH; ?;«, f-x€ce, t'dii^a. Opt. ursprünglich *(;tgoia (daraus 
att. *(feQ(M)), dafür Neubildungen, (pa'Qoifxi und (ftQoiv (anders über die 
letztere Form Osthoff, M. U. 4, 302, G. Meyer, Gr. Gr.« 405). — Ob 
das -a des Perf. (XiXom-a) idg. -a gewesen sei (vgl. das Suffix in *hherö) oder 
-m, ist strittig, s. Osthoff, Z. G. d. P. 61. 

2. Sg. Prim. -sl (ai. hhara-si) unversehrt in hom. syrak. eff-at (vgl. 
das aksl. jesi aus *es-s7, Vf. Grdr. 1, 442. 445), wozu noch das epi- 
daur. aviTi&r^ai (v. Wilamowitz, Hermes 19, 451), das aber wegen des 
intervokalischen a (§ 45) dem ai. dddhasi nicht lautlich gleich gesetzt 
werden kann, vielmehr junge Neubildung war (vgl. G. Meyer, Gr. Gr.* 407, 
J. Baunack, Stud. 1, 126). Daneben ei aus *6gi — ai. eis/, idg. *esi\ aus 
*/' durch Anfügung von -g (nach dem Muster von (fi]q u. dgl.) hom. herod. 
tic, oder ti'g (Vf. K. Z. 24, 75), wobei zu beachten ist, dass bei Homer an 
allen Stellen taa' {iaai) für tig eingesetzt werden kann ausser q 388. *« 
„du gehst" aus ***-(<;)( = ai. tifi; auch hier -$, tlq, bei Hesiod. (ftQftg, 
mit ai. hhdrasi lautgesetzlich unvereinbar, war wohl eine Erweiterung von 
*(feQti (aus *(feQiai} durch -g, worüber Vf. M. U. 1, 173 ff., G. Meyer, 
Gr. Gr.'-« 407; anders Bechtel, Phil. Anz. 1886 S. 18, Johansson, De der. 
verb. 138. 205 (Becutel's und Johanssons Einwand gegen unsern Deutungs- 
versuch ist leicht zu widerlegen, s. § 17), A. Tomsona, Lingvisticeskija 
izsledovanija, St. Petersb. 1887, S. 112 ff. Entsprechend Konj. y*e//^- 

Sek. -s: t(jf-Qtg = ai. dbharas, (ftQotg = ai. bhärP^. Auch im ind. 
praes.: der. (Theokr.) kypr. (ftQfg, att. u. 8. w. »/'^lyg, SiStog, wonocli lesb. 
(jiXr^g und wohl auch <ßtQr^g (vgl. lix^dfr^ijn); mit Kücksicht auf lat. vehis^ 
air. do'bcir (= ^-bercs) scheint anzunehmen, dass f/Zp^c, r/'.Vis altorerbt^ 
Formen waren (Thubneysen, K. Z. 27, 174). 

Perf. -«>«: ola-i^a = ai. vHtha, got. vät^t- i^fji^{ttin,fit lAnlnii. Die 
J'erfektform i)(r,>a, die, weil i]a, t]fftor, »'/i#is t^ats zugleich Perfekt und 
Imperfekt waren, zu imperfektischer Funktion kam, gab Anlauu tu den 

') Die AnnahnHM«ino8*7*eoi« wird nirht ' urKriccliiiicho. roKplinÄMuigc lUUiung i^4fm¥ 
imr durch da« Ar. und (tot. iiiipfohh'n, non- l»ctr«(-lit<*n. »o bogriffo »ich nicht» wit 
dorn authduich r/i'poi^i. WollU« man ftlndio ' su der Neubildung tft^otfit kam. 

llAIulbUCh 'tT kl&M Alt. rliiluaWÜMrliiuiiAfl II 2. Aufl. IV 



146 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



Neubildungen 8(frja&a, Ti^7]a^a, si>tXria^cc, ßccXoia^a u. a. (Osthoff, K. 
Z. 23, 320 if. Z. G. d. P. 607 f., Vf. M. U. 1, 162. 4,^411, J. Schmidt. 
K. Z. 27, 315 ff.)- ob die von Aristarch verworfenen rjO^ag olad^ccg bei 
Homer anzuerkennen sind, ist eine rein textkritische Frage; sprachgeschicht- 
lich wären sie durchaus verständlich und unanstössig. 

3. Sg. Prim. -ri: sa-ii, dor. böot. Sidco-ri, att. SiSwai = ai. ds-ti^ 
däda-ti. Hom. i^tXjiat, Weiterbildung von id^^Xji (Vf. M. U. 1, 179 ff.). 
(fiiQei, aus Hhereti (ai. Ihdrati) nicht herleitbar, war wahrscheinlich Neu- 
bildung zu (fkqeig nach Analogie von (fkqoig : (fsqoi und scpsQsg : sgjsgs; dem 
(f€Qfi ging zunächst vielleicht ein "^(psQs aus *(p€Q€T (vgl. (f^Qsg) voraus 
(vgl. Vf. M. U. 1, 175 f., Thukneysen, K. Z. 27, 174); mit den Spekula- 
tionen von Smyth, Der Diphthong EI S. 55 und Johansson, De der. verb. 
205 vermag ich mich nicht zu befreunden. Entsprechend Konj. (ftQj]. 

Sek. -{t). sifSQs = ai. dhharat, (fsgoi = ai. hhdret. Im Lesb. auch 
ind. praes. ti^rj, vgl. 2. sg. Ti^rj-g. Im Konj. in mehreren Dialekten in 
der 3. sg. -rj aus "^-rj-z neben -r^, wie arkad. f'x^, s. Vf. M. U. 1, 182 f., 
Johansson, De der. verb. 165, Meister, Gr. D. 2, 112. Dor. r^g „erat" 
= ved. äs, idg. *es-t. 

Perf. -f. oi6€ = ai. veda, idg. *u6id-e; auf den sigmatischen Aorist 
übergegangen s^ei^-s (Vf. M. U. 1, 158 ff.). 

1. PI. Im Dor. durchgängig -/ifg, in den andern Mundarten -/i6r. 
Wahrscheinlich urgr. primär -fisg, sekundär -fjisv; Ausgleichung in den 
Mundarten in verschiedener Richtung. Ansatz der idg. Grundformen 
zweifelhaft. Vgl. Vf. M. U. 1, 151 ff., Osthoff ebend. 4, 290, G. Meyer, 
Gr. Gr.^ 411. 

2. PL überall -ts. Vielleicht ursprünglich prim. *-i^« (ai. hhdratha), 
Sek. -T€ (ai. dbharata). 

3. PI. Prim. Drei Formen begegnen, -vti = idg. -nti: dor. el. 
nordwestgr. (fsQo-vri, woraus (fkqovai u. s. w. = ai. hhdra-nti. -avri -äai 
= idg. -nti\ sdai, iaai, dyvvdai, ösSiäai^ dor. Te^kxavTi (vgl. ai. s-dnti, 
y-dnti, saJcnuv-dnti). -äri, -äai = idg. -^ü (mit unbetontem n)\ perf. dor, 
iO^wKäri (Hesych), phok. l€QrjT€vxccTi, hom. XsXöyxdai (vgl. ai. praes. 
Ubhr-ati). J. Schmidt (K. Z. 27, 394) lässt das perfektische -dri -dai aus 
dem Praes. herübergekommen sein, indem er Hid^-dzi "^öiS-äxi (ai. dddh-ati, 
aksl. dad-eti) voraussetzt (vgl. § 115), Osthoff dagegen (M. U. 1, 100) 
hält das -an im Perf. für griech. Umbildung von -ccvti nach dem med. -dzai. 
Durch Formübertragung entsprang -avTi in Ti^ääai, böot. Sedöavd^i, rs^ij- 
xav^L u. a. Über ivcl, sial § 112. Auffallend ist ^ in böot. xaXa'ov^i, 
dsSöav^i etc. (vgl. sarQOTSva^r], sßdXov^o, yQaxpdvd^u), thess. scpavyqsvd^siv, 
iysvovd'o).'^) 

Sek. Zwei Formen begegnen. -r(r) = idg. -nt: sifsqo-v, sfiiy€-v, 
vgl. lat. fereha-nt, -av{T) = idg. -nt: böot. naq-sTav {naqrjaccv), att. sSsi^av. 
Böot. e^eav Neubildung wie zi^ääai (s. o.). Vom Aorist drang -av im 
Dor. in jüngerer Zeit ins Perf. ein, z. B. Seöwxav. Opt. el. avv-sav kann 



^) Eine lautliche Begründung ist für 
dieses ^ (trotz Meister, Gr. D. 1, 260 f.) 
picht gefunden. Möglich ist, dass ^ zuerst 



in die Medialendungen nach der Analogie 
der Endungen -a-&£, -fzs&cc u. s. w. eindrang 
und sich dann auch auf das Aktiv verbreitete. 



4. Verbalflexion. (§ 108.) 14 7 

die urgriech. Form mit -ar darstellen (lat. sient, idg. *sii-7Jt), kann aber 
l auch durch den speziell el. Wandel von * in a entstanden sein (§ 8). Das 
s von €t€v beruhte auf qualitativer Anlehnung an das ?; von sh^v (vgl ^6- 
für *!>«- nach ^r^-, § 11, 1), oder, wie Misteli meint (Ztschr. f. Völkerps. 
12, 26), auf Assimilation an das s der Schlusssilbe von tJ'-fxtr, et-Tt; auch 
können beide Analogien zugleich gewirkt haben. Altes *-a(r) aus -nt 
(mit unbetontem ?i) ist für den opt. der themavokalischen Verba voraus- 
zusetzen: *(f€Qo{i)a(T) = Hheroi'f^t; daraus zunächst durch Übertragung 
des -V von *eiav (siev) die Form *(f€Qo({)av, weiterhin *<ft'Qotav (= el. 
Tivoiav?, s. § 8) mit Wiederherstellung des 01 nach (ftQoijtui' (ftqoixe (vgl. 
§ 12): weitere Neubildungen (ftooiv und (figour, letzteres nach thv (Ost- 
hoff, M. *U. 4, 295 f.). Die thessal. Formen aor. drs^eixaiv ha^aiv und 
f6ovxa€v impf. iv8(faviaaoev sind unaufgeklärt trotz Fick, Bezz. B. 7, 284, 
Prellwitz, De dial. Thess. 9, Reuter, De dial. Thess. 63 sq., Brand, De 
diall. Aeoll. 57, Cauer, Wochenschr. f. klass. Phil. 1886 S. 1090; die 
richtige Deutung ergäbe sich vielleicht, wenn Form und Gebrauch des 
Optat. im Thess. bekannt wären. — Der Ausgang -aav in tO^fCay, tyrwaav, 
fru^aar, hellenistisch eXaßoaar, nnaauv (Meister, Gr. D. 1, 277) war wahr- 
scheinlich zugleich dem sigmatischen Aorist [sXsx-aav] und der Form \(sa\\ 
in der a nach /yoTf restituiert war (vgl. böot. naQ-tXav), entnommen (Ost- 
hoff, V. i. d. Nc. 337 f., M. U. 4, 292, J. Schmidt. K. Z. 27, 319 flf.). 
Nach Taav war neu gebildet l'aäai (§ 134). 

1. Du. Die idg. Form (ai. -vas etc.) war, wie es scheint, ausgestorben. 
Dafür die 1. pl. im Gebrauch. 

2. 3. Du. Prim. -ror, -ror, sek. -tov -tav (-Tt]v). Die ursprünglichen 
Primärendungen (ai. -thaSj -tas) fehlten dem Griechischen. i(ftQtTov, iiff- 
QkTav = ai. dhharatam dhharatäm, idg. *-tom, *-tam. 

108. Medialendungen. Dieselben waren, ausser im Griechischen, 
im Arischen und in Resten im Gotischen lebendig, verdunkelte Spuren 
auch im Lat. und Slav. Ihr etymologisches Verhältnis zu den Aktiv- 
endungen ist noch gänzlich unklar. Man beachte, dass der in verschie- 
denen Formen am Schluss auftretende Diphthong gr. -a» ai. -? etc. statt 
auf idg. -«?', wie man die Grundform gewöhnlich ansetzt, auch auf idg. -.»i 
(vgl. atal'Utv aus ^stoi-) zurückgeführt werden kann. 

1. Sg. -juai, -juäv (-/iryi). Keine von beiden Endungen hatte ausser- 
halb Entsprechung, s. Vf. M. U. 1, 147. 172. 186; -/<«r erinnert an die 
ai. Endung der 2. sg. -ihas, die Wackernaokl in fSö-^i^^ sieht (g 114), 
vgl. Merlo, Kiv. di fil. 14, 369 flf. In einem Teil der Tempora wenigstens 
hatte -iica älteres ♦-ai* (ai. -f) verdrängt, z. B. im ind. perf., wie t*fi7/iai, 
vgl. ai. iutud't = lat. tutud-l, aksl. vM-S (Osthoff, Z. G. d. P. 191. 609). 

2. Sg. Prim. -iXai: (ft'Qtai yif^ »= ai. hhdrasv, idg. ^bfirn-sai; t^<xa$, 
yiy(tu\jfttt. Das vielbesprochene -« neben -/^ erklärt man am einfachHton 
als rein graphische Variante, s. g 16 und Mkihtkkiians, Gr.* 131. 

Sek. '00 : f(ft{tto i-'tßt(fov sss av. ahara-ntha (— *'Sit), idg. ♦rfM«r»'^, 
aor. hom. -o"««, att. -<tw, dor. -üä; rjaoy *y*y(>«i/'o. Clier das soheinbar 
hiutgcsetzwidrige -<r- in ti\'}taai, e'n'^tao, ttiOtiatu etc. 8 Ah. Neben idg. 
-.so war nach Wackkrnaoel's AuHführungon K. Z. 30, 302 ff. im Oricch. 

10* 



148 ' ^' Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

auch das ai. -thas vertreten, durch Formen wie s^o-^rjg = ai. ddi-thas, 
wonach edö^rjv sdoü^t] etc. neu gebildet wurden, während anderseits zu 
iSö'iiirjv Uo-To ein ""iSo-o eSov entsprang (vgl. § 114. 150); *-sö war im 
Uridg. der thematischen Konjugation eigen, "^-thes der athematischen; durch 
Ausgleichung, die in den verschiedenen Sprachen in verschiedener Rich- 
tung vor sich ging, wurde die ursprüngliche Verteilung gestört (vgl. 
§ 114. 150. 151). — Die ai. Imperativendung -sva nehmen manche auch fürs 
Griech. an und setzen z. B. Ü^io = ai. dhi-svd; aber wenn es auch wahr 
sein sollte, dass -su- zwischen Sonanten im Griech. schwand (s. § 13 S. 33), 
so ist es doch wahrscheinlicher, dass das -o des Imper. aus *-cro hervor- 
gegangen war, ^£0 &0V (ptgso (ftqov also mit s-S^so s-(fsq8o bis aufs Augment 
identisch waren (Vf. M. U. 3, 6 ff., Wackernagel, K. Z. 25, 273,* Bechtel, 
Phil. Anz. 1886 S. 14). 

3. Sg. Prim. -tcci (böot. -x^ry, thess. -rsi § 15): (ftgsrai = ai. hhdratc, 
idg. "^hhere-tai. 

Sek. -To: €(fSQ€TÖ =^ ai. dhharata, idg. *ebJiere-to. Nach der Ana- 
logie von -To trat arkad. -tol für -Tm ein. 

1. PI. -fi€^a, vgl. ai. -mähe, av. -maide (primär), ai. -mahi, av. -maidl 
(sekundär). ~^€^a kann dem ai. -mahi gleich gesetzt werden, idg. "^-medlw 
(§ 11). Äol. '{ji€&€v, nur durch Grammatikerüberlieferung bekannt und 
angezweifelt (Osthoff, Z. G. d. P. 339), scheint nach -i^^sv gebidet, vgl. 
thess. 3. plur. icf-avyQsv&si-v (s. u.). Hom. -fisa^a mit c nach der Ana- 
logie von -a^€, -a&ov, -cxS^rjv, vgl. auch G. Meyer, Gr. Gr.^ 418. 

2. PI. 'd^s: rja-d^e^ ntTtva-d^e. -x^s aus *-^j^€, vgl. ai. -dJive (prim.), 
-dhvam (sek.). Erklärt sich die Differenz im Auslaut zwischen der grie- 
chischen und den arischen Formen so, dass die Griechen die Endung an 
die Aktivform anlehnten? Dies konnte geschehen, nachdem -tov, -räv, 
-T(o und -(a)d^ov, -{a)^äv, -{a)^(ü parweise zusammengekommen waren (s. 
u.). Indem das a von Formen wie rjaS^s nsTivad^s mit zur Endung ge- 
zogen wurde, entsprangen die Formen wie cpsQs-a^s, s. Osthoff, K. Z. 23, 
322 ff. Ob tanaq^s^ saraXS^€ noch die ursprüngliche, (X-lose Form der 
Personalendung hatten, oder ob sie aus "^ianaQad^s "^iarala^a hervorgegangen 
waren, ist fraglich (vgl. sanäq^m § 146, 1). nsifav^s, neben Ttt(faa{xai 
und Tit'^avTai, dürfte Neubildung für "^näipaad^E nach dem Muster von 
sCTtaq^s : eanaqTai gewesen sein (vgl. Solmsen, K. Z. 29, 117). 

3. PI. Prim. -vxai, und -azai : (fsqovtai = ai. hhdrante, idg. ^hhero- 
ntai, TjCCTai =^ ai. dsate, idg. "^es-ntdi (vgl. des Accents wegen ved. indh-ate 
u. a.), hom. xa'arai (daneben xstarai, § 12), kret. xiarat; xsxXiaTai, ysyqd- 
(farai, TSvqdipaTai. 

Sek. -VTO und -azo : s(fsqovTo = ai. dhharanta, idg. *ehJiero-nto, 
rjazo = ai. äsata, idg. *es-'^to, xa'aTO, slqvazo; sTsraxccTo; ysvoiaro für *yf- 
voaro nach ysvoiixe^a u. s. w. (§ 12). 

Über die böot. und thess. Formen mit ^ § 107 (unter 3. PI.). Über 
das «von thess. -r^a-r § 15; das -v scheint dem Aktiv entlehnt. 

rjvrai rjvro, xstvzai sxsfvro, ayvvvrai sTqvvTo, ysvoivro waren Neubil- 
dungen nach ar^vrai ar^vro, /xf-'iJivrjVTai i{.isfxvr^vTo, (fsqovrai scps'qovTo u. s, w. 
Umgekehrt hom. ßsßlrjarai ßsßXrjaro (statt ßeßXrjvTai ßsß^vTo), entsprechend 



4. Verbalflexion. (§ 109.) I49 

auch herod. ohtarai und riS^earai SiSoarai (wie ri&eäai^ § 107) nach 
xexXiarai u. s. w. Vf. C. St. 9, 295, Osthoff, M. U. 4, 286. 292. 

1. Du. -^u€^or, nur spärlich belegt und angezweifelt, war wohl dua- 
lisch, nach -(T^^ov umgebildetes -/Jis^a (vgl. ai. -vahe, -vahi). Vgl. Cürtius 
Vb. P 100 ff. 

2. 3. Du. -a&ov -(f^ov und -a&ov -a^äv {-a^t^y) waren entweder 
speziell griechische Medialisierungen der Aktivformen, wie (fSQtad^m eine 
solche von (fSQbim war (g 144), oder -a-&ov war ursprunglich Suffix der 
2. PI. = ai. -dhvam [-a- wie in -tr-i^f, s. 0.), wurde wegen des gleichen 
Ausgangs mit -rov dualisch und zog -a-O^cw als Neubildung nach -lav 
nach sich. 

109. Das Augment ') war ursprünglich ein selbständiges Wort, e = 
gr. f-, armen, e-, ai. a-, etwa „vordem" bedeutend, z. B. *e leiqom (fJUiTrov), 
*c liqöm {aXiJior). Die Verbalform selbst trat enklitisch an. Die Ver- 
schmelzung nahm zwar schon in der idg. Urzeit ihren Anfang, denn Kon- 
traktionen wie in (dor.) i]g = ved. ds „erat" aus *e est wird man für uridg. 
halten müssen, aber sie war damals noch nicht durchgeführt: an die Zeit, 
wo *c noch selbständiges Element war, erinnert einerseits die arbiträre 
Weglassung des Augments bei Homer u. s. w. (ßrj neben ^ßr^), die als 
lautgesetzlicher Schwund um so weniger gelten kann, weil sie auch im 
Arischen vorliegt (vgl. auch das Italische), anderseits die Betonung von 
Kompositen wie nicQ-t-axov (nicht "^naQaaxov), die mit derjenigen von TraQ- 
tv-^eg auf gleicher Linie steht. Vgl. Vf. C. St. 9, 325, M. U. 3, 13. 88, 
Wackernagel, K. Z. 23, 470. 27, 470, Delbrück, S. F. 4, 68. 

Die langen Vokale von ayov (t^yor) und o;^or u. s. w. sind wohl nicht 
als Produkte der Kontraktion des e mit dem kurzen anlautenden Vokal 
des Tempusstammes anzusehen, sondern entstanden nach Massgabe des 
Verhältnisses von *cst (i]g) zu *(''sti (tau), indem man, durch solche Formen 
wie *('st veranlasst, die einfache Dehnung des anlautenden Vokals als 
Charakteristikum der Präteritalbildung nahm (Osthoff, M. U. 2, 123. 139). 
Über die i und v in ixtuvaa und v^uvaiovv u. a., die auf *<?-/-, *r-M- nicht 
zurückführbar sind, s. Curtius, Vb. P, 134, Vf. M. U. 1, 70, Osthoff 
a. 0. und 4, 61. 195. Die scheinbar augmentlosen herod. Formen atttt, 
fvxf^io, av^eto u. dgl. (Bredow, De dial. Herod. 309 sq.) können lautge- 
setzliche Fortsetzung von urgr. Formen mit fli-, ä'-» ^¥' gewesen sein 
nach § 26, und jedenfalls beruhte die Vokallänge in att. 5101% /jxaao/ii^i', 
t^v^ufii^v, r^v^or sowie in r-vino, i^^x'^v, ojQto u. dgl. auf einer Wiederher- 
stellung der Länge unter dem von Formen wio ? yoi«, rj^foi», «fov aus^ 
übten Systemzwango (Osthoff, Phil. Rundscl »5), während ifttv ^tt 

ihr r^ zunächst von /)« bokamon (S 112). Die spaicrcn inschriftlichen Formen 
fTT'fv^tjuior (bald nach H() v. Chr.) zu avSarw und «rxo«7* V (Thera, röm. 
Zeit) zu avxt'o) (Meisterhanh, Gr.« 136) beweisen, dass in jüngerer Zeit ein 
' liartigea Verkürzungsgesetz aufkam wie das, welches in urgriech. Zeit 
ikt hatte, und nach diesem sind auch tvQato u. dgl. (s. MnsTlRRAmi, 

Ulli 117) zu beurteilen (vgl. §26). 

') I,itt«riiturang»bri <»r.» 420. 426 f. 



150 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Praeterita von Stämmen, die nach Wegfall der ursprünglich anlau- 
tenden Konsonanz vokalischen Anlaut bekamen, nahmen öfter, namentlich 
in jüngeren Zeiten, die Augmentgestalt der von Haus aus vokalisch an- 
hebenden Verba an, z. B. (oxr^aa (von poixtw) nach mdriaa (von oiStw) u. dgl. 

Kontraktion von i- mit nachfolgendem Vokal nach Wegfall von g, 
p, ap, z. B. ei7iö^ii]v aus "^i-asno^äv (vgl. lat. sequor), siöov aus "^i-piöov 
(Homer siöov, lesb. svidoy^, tlgya^öiiriv aus *€-i^€Qya^6fxrjv [ipsQydaaro Her- 
mione, Röhl, I.G.A. n. 48), d'^i^ov aus "^i-apsO^i^ov, sllxov aus "^s-a/^sXxov. 
Der Spiritus asper in den Formen wie §r;xa rjxa el^iev (von Irnii =^ ^ai-arj-fii), 
si7t6(.i7jv, flQTTov (vou ^'qtvco = "^(tsgirw), slXxov war statt des lenis aus den 
unaugmentierten Formen eingedrungen (Cürtius, Vb. 1^ 134 f.). Zu kypr. 
i-pQriräaarv att. s-QQrj^cc vgl. § 13 S. 31, zu hom. s-vvsov, e-^/xoQs, att. 
S'Veov, S-QQ81, s-Xy]yov § 45 S. 62. 

Neben i- hatte das Griechische auch ^- als Augment, z. B. in hom. 
TjSiSr^, ferner in att. icogcov, iaXcov, in denen sm, ea aus i^o, ?^a entstanden 
waren (§ 19), 7]ßovX6iuir]v, r^dvvdfirjv, rjfxsXkov neben sßovXofJirjv etc. (über 
das Vorkommen auf den att. Inschriften Meisterhans, Gr.^ 134). So sind auch 
tJXtti^ov von j^sXjif^w, i^Qya^o/jirjv neben dQya^6ßr]v von j^sgyä^ofjiai (vgl. v. 
Bamberg, Jahresb. d. phil. Ver. 8, 204) auf ^rjsXrc., "^rjsqy. zurückzuführen. 
Vgl. Vf. C. St. 4, 166 ff., Wackernagel, K. Z. 27, 272 ff., Phil. Anz. 
1886, S. 80, OsTHOFF, Z. G. d. P. 58. 129. 604 f., G. Meyer, Gr. Gr.^ 
422 f. Von den verschiedenen Erklärungen dieses ?J-, das nicht durch 
„Ersatzdehnung" entstanden sein kann, ist die einfachste die MEYER'sche, 
nach welcher bei gewissen mit p anlautenden Verben Formen mit prothe- 
tischem s augmentiert wurden (vgl. r)si6ri : ieiaäiievog), wonach dann auch 
andere digammierte Verba i]- annahmen, während die attischen rjßovXo/urjv, 
rdwai^r^v, rjfisXXov durch Anlehnung an rjS-sXov (zu i^sXw) entsprangen. 
Unaufgeklärt bleibt dabei freilich dv-tro^a, s. G. Meyer S. 423. 

Bildung" der Tempusstämme. 

Präsens (und starker Aorist). 

F. Hartmann, De aoristo sec, Berol. 1881. Osthoff, Über Aoristpräsens und Im- 
perfectpräsens, P.-Br. B. 8, 287 ff. 

110. Der Unterschied zwischen Präsens und starkem Aorist war nur 
ein syntaktischer, kein formaler. Denn Formen derselben Bildungsgattung 
wurden bald präsentisch, bald aoristisch verwendet, z. B. stprjv, syqacfov 
(W. yqecf-), 8y£iiov, sviTTTofjirjV waren Imperfekte, dagegen die formal gleich- 
artigen s'axrjv, sTQaTtov, sysvofxrjv, sßXaaxov Aoriste. Vgl. § 155. Nur hie 
und da gab die Bedeutungsverschiedenheit auch zu einer formalen Son- 
derung Anlass, am klarsten bei ysvsadai, eXetv eXmv^ die wegen der aoristi- 
schen Funktion ihren Accent änderten. 

111. I. Themavokallose Stämme oder Verba auf -/it. Meistens 
Stammabstufung, und zwar hatten von idg. Zeit her starke Form der sg. 
ind. act. und der conj. Das zwischen der Stammabstufung und der ur- 
sprünglichen Betonung bestehende Verhältnis (vgl. ai. e-mi „ich gehe" : i-mds 
„wir gehen") wurde durch die in § 67 S. 85 besprochene Neubetonung des 
Verbum finitum verwischt. 



4. Verbalflexion. (§ 110-112). 151 

112. 1. Klasse. Unerweiterter Verbalstamm. 

a. Verbalstamm = einfache Wurzel, mit Stammabstufung, 
z. B. si-ni, : T'fiev W. ei-, fx^(f)-u : ixv-ro W. gheti-, *^,>»;-i' : a&e-uev e^s-io 
W. dhe-; vgl. ai. c-mi : i-7Hds, ddhä-m : ddhi-ta. 

Einige Einzelheiten: 

fim. 3. pl. läai aus *ra»'T* wohl für ^dvti = ai. y-dnti mit Vorsatz 
von <- nach i'^u^r, he (anders Osthoff, M. U. 4, 363). Konj. Tw statt 
*f(if)-w (ai. dy-ani) nach /"«*»' etc. Der alte opt. */-(i)i;-r == ai. ud-iyam 
(vgl. Osthoff, M. U. 4, 52 f.) wurde durch / w^t ersetzt, das wie viele andre 
Formen unseres Verbums (s. J. Baunack, C. St. 10, 96 ff., Rh. Mus. 37, 472) 
nach Kl. 5 gebildet wurde. Der Inf. itvai, aus *l-/:f:rcci entstanden (§ 146), 
veranlasste im Verein mit lfi\v (s. § 145, 1) die Neubildung ngoaisf^isv 
nQoctoyöiis^a Hesych (vgl. rid^f/^uv) u. ähnl. Die ursprüngliche Formation 
des partic. zeigt 'En-iaaaa (d. i. imovaa), Beiname der Demeter, wonach 
M. Schmidt haaa-ßadiXovaa bei Hesych in Taaaa korrigiert, vgl. ictai 
und ai. ydnt- : yat- {[dg. '^(-(ft- : *i-tit'), fem. yat-f, iovt- wie Tor/u etc. 
rja für lautgesetzliches */;« (aus */;/-« = ai. dy-am) hatte sein / subscr. vom 
PI. und Du. i]nev etc., die gleichwie ai. ai-ma die starke Stammform nach 
dem S^. angenommen hatten (Vf. Bezz. B. 2, 245, Osthoff, M. U. 4, 300). 
Hom. ?;« und jfOfiav, wie i'oif.u etc., nach der thematischen Konjugation, und 
80 dürfte auch gortyn. EIE als f.e zu lesen sein (Wackernagel, Phil. Anz. 
1887 S. 240). Über f/W und hom. rjia § 137 b. 

Über eifii = ai. ds-mi (pl. s-mds) s. Osthoff, K. Z. 23, 579 flf. 2. sg. 
ai, elq {eig), iaal § 107. Lesb. inschriftl. taai (Americ. Journ. of Phil. 3, 
463), das wohl als 3. sg., nicht als 3. pl. zu nehmen ist, aus iati == ai. dsH 
durch Einwirkung von Formen wie /J-c/? 1. pl. iaiUv neben fiju^ i» theokr. 
yifitq war Neubildung nach fait (§ 45). 3. pl. ^üa § 21; 2. 107. fvu nai (für 
*dt'ti) mit *- nach den übrigen Formen des Indik., vielleicht zugleich nach 
tf^avtt, wie mess. Konj. rjvtai, Cauer D.^ 47, 85 nach *ti^r^vTm (über- 
liefert ist nur act. ii^i^vti) gebildet war (Vf. M. U. 1, 36 f., Misteli, 
Ztfichr. f. Völkerps. 11, 400); ivxl als 3. sg. im Khodischen, bei Archimedes 
und sonst (vgl. die verschiedenen Deutungsversuche bei G. Meyer, Gr. Gr.* 
431). Der 3. pl. ivii stellt sich das part. h't't<; zur Seite, für ♦«rf-#^ = 
ai. s-dnt-as, woneben /W« (Epidaur., Troez.) für ^daaa, so dass sich die Pro- 
portion evtl : faai = iaaa : taaaa ergibt (vgl. u.). Die Zurückführung von 
ivt'i auf idg. ^s-r-nti mit dem völlig unverstilndlichon Element -<•- bt>i Fick, 
Gott. gel. Anz. 1880 S. 421, Köoel, P.-Br. B. 8, 105, Bechtkl. l'hil. Anx. 
1886 S. 17 f. kann ich nur für verfehlt halten. Über die Enklisis von 
tifil Wackehnaoel, K. Z. 23, 457 ff. Konj. Iw ot == lat. er-o (vgl. g 165). 
Opt. Hr^v aus */(r-i/,-v (vgl. jedoch § 12 S. 29) ; lat. ÄiVf», ai. sydm. Ob 
da« ^' im pl. du. indic. und im opt. aus den ursprünglich starken Formen 
(tiiu, fü)} eingedrungen oder aus vorgriechischer Zeit überkommen war 
(Ohtiiokf, M. U. 4, p. VI sq.), ist schwer zusagen. Impor. i^-üC^i §46.53: 
iiineben bei Hekataeus ^cr^i. Pto. ursprünglich stark •«ii-, schwach •«• .- 
,. 8-dnt', 8-ai', idg. ♦^-w(-, ♦«-9/-, ein Rest von •<«- in (aaoa gortyn. dat. 
aiif (8 72); die Form /rr- (dor. /rr-#f) ist wie fit l tu bourtcilon (m. o.). 
"iy, wv aber waren ebenso wie iov, ioi^ /(iifw, cirroi' Neubildungen lUMsh 



|f^2 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Kl. 5. ijv, rjT€, rjTov, rjrrjv neben rja rj, rjars etc. waren durch rjiisv (*^(r-/i*r 
§ 45) veranlasste Neubildungen nach Kl. Ic (Vf. C. St. 9,310), umgekehrt 
r](sav neben dem lautgesetzlichen böot. naQ-sTav Neuschöpfung nach rJcTTv- 
(§ 107); die lautgesetzliche Form der 3. pl. war wohl auch durch dor. u. 
s. w. TjV aus *^yai' vertreten (G. Meyer, Gr. Gr. 2 432). Mehrdeutig ist die 
3. sg. fjv, die jedenfalls nicht für eine als 3. sg. gebrauchte 1. sg. aus- 
gegeben werden da'rf, s. Curtius, Zur Kritik der neuest. Sprachforsch. 48 f., 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 433. Im Anschluss an die aus ria entstandene Form 
ia bei Herodot (§ 19) entsprangen als Neubildungen sag sars (Vf. C. St. 
9, 310, Bezz. B. 2, 245, G. Meyer, Gr. Gr.2 432). Perfektformen waren 
ija^a und r^€v (§ 107), über erjad^a, h'rjv rjrjv § 131. Über die Stammstufe 
im pl. und du. impf, (rjars = ai. ästa), die aus dem sg. entlehnt war, s. 
Vf. Bezz. B. 2, 245 f.. Osthoff, Z. G. d. P. 151 f. Was endlich die Formen 
1. pl. sfjilr bei Kallimachus, thess. 1. sg. sfÄi, hom. Inf. s/aev sfjLsvcci be- 
betriift, so ist die Annahme lautgesetzlicher Entstehung ausgeschlossen. 
Entweder schuf man auf Grund des Verhältnisses sial : xi^siai, sl'rjv : Ti^sCriv 
die 1. pl. und den Inf. nach tid^sfisv und Ti^sfisv xid^s^isvai, was dann 
auch noch ein iiil entstehen Hess (Vf. M. U. 1, 6. 37, Zum heut. Stand 
der Sprachwiss. 72), oder die Parallelen täai : Xaai, sco : Im u. s. w. Hessen 
als den charakteristischen Unterschied beider Verba das s oder i vor der 
Endung erscheinen und so waren 1. pl. T-iiUv inf. I'-ilisv X-ixevai die Vorbilder 
(SoLMSEN, K. Z. 29, 72). 

(fiqiil^ (fccf^tiv, (paa^€. Über das Verhältnis zu (fccivco Osthoff, Z. G. 
d. P. 353 f., über die Betonung Wackernagel, K. Z. 23, 457 ff. 

rj „sprach" aus *rjx-r (zu ai. perf. aha), woran sich rjv und praes. 
rjfil rjal als Neubildungen nach (frjfjil anschlössen. Wackernagel, K. Z. 
23, 467, Osthoff, Z. G. d. P. 175. 

sQa-Tcci wahrscheinlich aus idg. ^rm-tdi, W. rem-, wozu igarog = ai. 
ratd-s, idg. "^rm-tö-s; das Verbum wurde in die Analogie der Kl. Ib (§ 113) 
übergeführt. Vf. K. Z. 23, 587 ff. Anders Fick, Gott. gel. Anz. 1881 
S. 1425, Fröhde, Bezz. B. 9, 111. 

xsT-rai -= ai. M-te zeigt auffallender Weise starke Stammstufe. . Un- 
sichere Erklärungsversuche bei Osthoff, Z. G. d. P. 173 und Meringer, 
Ztschr. f. österr. Gymn. 1888 S. 134. 

Tja-Tai = ai. äs-te, t'j-azai = ai. äs-ate [xad^-r^Tai und rjvtai durch rjfxai, 
rifxs^a, Tjam veranlasste Neubildungen, vgl. § 108; umgekehrt das von 
Grammatikern überlieferte ijapicci nach rjaTai) scheint von Haus aus ein 
Perfekt gewesen zu sein (Osthoff, Z. G. d. P. 170 ff.). Über den Spiritus 
asper des Verbums § 51. 

sarrjv -— ai. dstham; saTrjfjisv war Neubildung für Haräfisv (J. Schmidt, 
K. Z. 23, 282, Vf. K. Z. 25, 220, Osthoff, Z. G. d. P. 374). Die Stämme 
^£- in s^€-f^i€v, s&s-To (ai. ddhi-ta), i- in sffxsv aus '^i-as-f.isv und 60- in 
eSo-ii8v, edo-To (ai. ddi-ta) für *i^a-, *a-, "^da-, § 11, 1. 24. Über die 
x-Formen f^iyxa, §'r;xa r^xa, Uwxa (Meisterhans, Gr. 2 151 f.) s. Vf. K. Z. 
25, 217 ff., Osthoff, Z. G. d. P. 372 ff. und unten § 135. 

Die als Parallelen zu s^ofisv und ptc. ^Sov erscheinenden exof^isv • f^cf^o- 
fi€^a und xov ' sidog Hesych (J. Baunack, Stud. 1, 257) haben mit ^vo- 



4. Verbalflexion. (§ 113-114.) I53 

axoog nichts zu thun, sondern gehörten zu lat. ca-tu-s „gewitzigt, gescheit" 
ai, sc^Sita-s „geschärft, spitz (von Reden), bereit, fest entschlossen*, W. Äö-, 

Von xTsv- = ai. l'san- fxTcc-ßsv, an-ixTa-xo = ai. dk^a-ta. 3. sg. 
aTT-exTa Neubildung für *fxrfr(r). 3. pl. exrciv und xtsw^sv neu nach Art 
der ö-Stämme (§ 25, 2). Vf. K. Z. 24, 264 f., Osthoff, M. U. 4, 298 f. 301. 
Das seltsame hom. ovza (3. sg.) war wohl dem sinnverwandten exrü nach- 
geschaffen (vgl. ovTctjiuvog, ovTdfis%'ai : xTUfisvog, xTccnevai). Vgl. G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 461 über dit-r^vgcc. 

Vherl'x^-a e'x^v-a (e'xv-To), scasv-a [saav-To), sln-a, ^V«x-a(att. r^vsyx-a^ 
vgl. G. Meyer, Gr. Gr.2 287, Baunack, Gortyn 56 flf.) u. a., die sich 
mit ihrer Flexion der Weise des (r-Aorists anschlössen (z. B. exict^iev statt 
*fXV!ur, vgl. herod. sag, sare), s. Vf. Bezz. B. 2, 247 ff., Wackernaoel, 
K. Z. 25, 277, Osthoff, M. U. 4, 300 f. Hieher vielleicht auch engidinr^r, 
8. Osthoff, Z. G. d. P. 408. 

3. pl. s-rndv von W. pet- erklärt Osthoff, Z. G. d. P. 371. 409 
ansprechend aus (e-)pt-nt (die 1. sg. w^äre Hner-a) und lässt danach J^nxAv 
fTiTt^v entstanden sein (nach earäv : sarar). 

Das Paradigma eqv-i' : 6(fv-fi6v zeigt in allen Formen die schwache 
Stammgestalt (fv-. Ihm stellt sich ^ßr^v (eßa-i') : eßtj'fxev von W. gern- zur 
Seite, s. § 21 S. 41. ßä-zt^v neben ßr^-np' wie xXi-fnevog : xXv-^i, Xv-to : '/.v-io. 

113. b. Verbalstamm = Wurzel + 9 (oder Wurzel auf j, .s. 
§11 Anm.), z. B. xQt\ua-nai, ovo-fiai. Vgl. ai. dni-mi (cf. arf-,uo-^, lat. 
ani-mu-s), svdpi-mi. i^uoi wahrscheinlich Umbildung eines älteren ^fffu-fu 
{-•■ ai. vami-mi, idg. *uemo-mi), wie ccycco^iai für dya/^iai, xii/iü) für tt&r^ini 
u. dgl. Vgl. Vf. M. U. 3, 80, Fröhde, Bezz. B. 9, 110 fif., G. Meyer, 
Gr. Gr.2 434 f. 

114. c. Verbalstamm auf langen Vokal, ohne Stamniabstu- 
fung. c({f)rj'Ct, aij:)r^-tov, a(f:)i^~io, ul/r^-fievog (ai. vä-ti^ vä-tas), ^yia>-i\ 
fyvM'piev. Vokalkürze (d{f)6iai == der. *a(/?)€-tT«, iyvo*v(%)^ yio-tT-#c, yvoJ- 
fi(i') überall erst auf griech. Boden entstanden nach § 26; «fcr«r bei Apoll. 
Rhod. statt ar^aav nach dem Muster von fi>faa\'. yvoTfxtv (aus *y%'UHiui\ 
*yyo)'i'/iifv) zog yvofrjv nach sich (§ 145, 1). Andere Beispiele: x^i;<rc^a, 
^Sq^v^ ^ßhp' ißXtpo, (TrXr'fup'; fQQvtp\ fßc(Xrp\ ffidrtp\ fftXan' aus *i)(/)«^air 
(diese vier mit nebentoniger Tiefstufonform der Wurzelsilbe, § 21, 4. 23, 4. 
24), ßiükay ßtoirat, tyr^Q^v. Vf. C. St. 4, 113. M. U. 1, 30. 64. 71 ff. 81». 
Mihteli, Ztschr. f. Völkerps. 11, 466 ff., Osthokf, M. U. 4. 364 ff. 

fx'ffQtpai, f<V-y(>/*ia/, titna-^gtig von St. (fQif- zu W. hher^ (9^'c^l. 
Krst durch assoziativen Anschluss an das bedoutungsverwandie lyii ont- 
prangen die Formen (fQtg, fhtt/Qi^xn u. a. Vf. Flsckkis. Jahrbb. ]^H{) 
X 217 ff. 

Sekundärer Eintritt in diese Klasse ist für fit^', f»;.^ anzunehmen, y.u 
♦w/,-/w (Wackkh.nagel, Phil. Anz. 18H7 S. 231). 

Hierher auch die Aoriste auf-^»^»', wie Alö-^i;!', imd^iPt^v, /ri;4v-»'/»,i\ 

hie Annabmo, dass man nach dem VerhültniH von fyQaqar zu dy^off^v 

y\\ ay^ihn ein ^(Tx* •''''/•'* '''" y///V/w ein ftfih'ihp' w. n. w. gebildet habe und 

(lii'Mc ganze Aoristkatogoric entsprungen sei (S< laKiciiRii, Compondiuni • 



154 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

S. 813, Vf. M. U. 1, 78 flf.), stösst auf Schwierigkeiten. Wackernagel, 
K. Z. 30, 302 ff. setzt sSö-O-rjg ■— ai. ddi-thas, Sxrd-^rjg — ai. dksa-thas; 
diese Formen gehörten als 2. sg. zu sSo-ro, exia-ro, ebenso sfxtx^rjg zu 
ff^ilxTo, eXeXi'x^Vjg zu iXtXixro als c-Aoriste {^Sfxix-tf-d^rjg *«/itx-o'-To, ^sXsXix^a- 
O-r^g ^sXsXix-a-To), ferner sgeiff^r^g zu iqaiaaro, sSafidcf^rjg zu idafxdaaato'^ 
indem sSöO-r^g mit iyqcc(fr^g auf gleiche Linie gestellt wurde, entstanden 
eSoO^rjv Sdox^t] etc. (vgl. § 108). Ich sehe keine Schwierigkeit, die dieser 
scharfsinnigen Kombination entgegenträte. Zur Bedeutung dieser Aoriste 
vgl. § 150. 151. 

115. 2. Klasse. Reduplizierter Verbalstamm. Der Vokal der 
Reduplikationssilbe war i und zwar in einem Teil der Beispiele schon in der 
idg. Grundsprache, z. B. l-aTTqiii wie ai. ti-sthami (3. sg. tisth-a4i), lat. 
si'Sto (J. Schmidt, K. Z. 25, 74 f.). Der Nasal in niii-nXriiii ni^i-nqviiii 
war von nip-nXctvm (§ 129) her eingedrungen, s. F. Hartmann, De aor. 
sec. 10, G. Meyer, Gr. Gr.^ 437. 448. Zuweilen wurde die Reduplikations- 
silbe vom Präsens aus in andere Tempora mitgenommen, wie hom. didwaw, 

a. Formen mit altüberkommener Stammabstufung: z. B. larä- 
pii : latd-fisv, laTa-Tcci. Während die schwache Form lata- altererbt war 
(idg. *si-st9-), waren ri&s-, ts- (aus *o'fc-o'«-, lat. sero aus "^si-sö. W. se-; von 
andrer Wurzel hom. tsixai „strebe", s. L. Meyer, Bezz. B. 1, 301 ff.), 
SiSo' Neubildungen: ti^siusv, diöo^sv statt Hi^-pisv, "^did-fxsv (vgl. ai. 
dadh-mds, dad-mds) nach s-d^s-^sv, s-do-p^sv (§ 112); ebenso waren urgriech. 
dor. Ti^svTi, SiSovTi wahrscheinlich für Hi^-dri, '^SlS-cctl (vgl. ai. dddh-aU, 
ddd-ati) eingetreten. Neugestaltungen nach dyvväai u. ähnl. waren zi^eaai, 
didoäai, HüTädai, woraus laTaai. Nach der Analogie des letzteren wurde 
im Att. auch rid^slai, SiSovai statt Ti^siai, diSovai gesprochen (Herodian 
I 459), während bei Homer vielleicht noch ri^siai, didovai wie auch iCTäai. 
(aus l'aTa-vTi) galten. Vgl. G. Meyer, Gr. Gr.^ 413, Osthoff, M. U. 4, 
286 fiP. Z. G. d. P. 366 f., J. Schmidt, K. Z. 27, 395. Neubildungen nach 
b. waren hom. Ti^rj-fjisvog Tid^rj-^svai, SiSco-d^c. Neubildungen nach der 
Analogie der Verba contracta (Kl. 9. 10) xid^st. SidoT, imper. xid-ei, öidov, 
Icrä, inf. rix^sTv, avv-istv, ptc. delph. SiSsovacii (zu diSiqixi), impf. sSiSovv^ 
sTi^sig, l^ig u. a.; €vi^€ig svid^si und l'eig l'si veranlassten svi^siv, Ihv 
(Curtius, Vb. 1^ 158) nach dem Muster von 7]€iv (§ 137 b). 

Über hom. ßiß^g, dor. ßißccvTi s. Osthoff, Z. G. d. P. 375. 

b. Stamm auf langen Vokal, ohne Abstufung. Si-^rj-iaai, Si- 
^rj-fjtsvog (Vf. M. U. 1, 8 f.),') xi-x^j-fjii, xi-x^-tyjv, xi-x^j-fAsvog (vgl. Bezzen- 
BERGER in s. Beitr. 2, 191 und L. Meyer, ebend. 5, 102 ff.). Ob diese 
Klasse altererbt war, ist zweifelhaft. 

c. Eine besondere Klasse bilden die abstufenden ttitcXti^i, niTtQTqfxi, iXrjpi 
aus ^ai-aXri-fii : niTiXäiisv, TriTrgäfjisv, iXdd^i iXaxs iXafiai. Neben dem ersten 
Verbum stand ai. pipar- : pipr- nach unserer Kategorie a. Vgl. Vf. M. U. 
1, 44 f. 52, Fleckeis. Jahrbb. 1880 S. 222, Fröhde, Bezz. Beitr. 9, 119, 



^) An J. Baunack's Cs- als schwache Wurzelform zu Cv (Stud. 1, 248 f.) glaube 
ich nicht. 



4. Verbalflexion. (§ 115-116.) I55 

SoLMSEN, K. Z. 29, 88. 113. 350 f. Wir haben es hier mit Verbalstämmen 
zu thun, die mit denen von § 114 (ß^-) auf gleicher Linie standen, und 
es ist nicht zu erweisen, dass Tri'TrXrjixi : niTiXai^isv eine uridg. Konjugations- 
art repräsentierte, mögen wir nmla- = ai. pipf- oder — idg. *pi-pb- 
setzen (vgl. § 24 S. 46 über XayaQog). Hom. mnXr^d^i 'iXr^O^i entscheiden 
nichts, weil sie wie diSwÖ^i beurteilt werden können. Ich halte bis jetzt 
immer noch für das wahrscheinlichere, dass Typus c. eine griechische 
Neuerung war, bei der Typus a. (ai. pqyarmi) als Vorbild diente. Vielleicht 
bringt Solmsen's a. 0. in Aussicht gestellte Abhandlung Aufschluss. 

116. 3. Klasse. Schwache Wurzelform -f ^«^ : ^'t»? z. B. ay-vv-fui : 
uY'Yv-f.uv, TrTaQ-vv'f.icci. -rv- war Umbildung von idg. -new- (ai. -nö-, -naV') 
nach Massgabe des Verhältnisses -vä~ : -»•«- Kl. 4 (Osthoff, M. U. 2, 139). 
Aus den ursprünglichen Ausgängen ind. *-v€Vfii, conj. *-rffa), impf, ^-repa 
erklären sich xi^vtio neben xi-rv-rai und ^v-vew (de Saussure, Mem. 187, 
Osthoff, M. U. 4, 35). 3. pl. urspr. ^j^ay-vv-arTi (dyivaai) wie ai. Sahmv- 
änti (idg. *-«w(?/)-w^i), aber "^ii-vp-avTi = ai. ci-nv-dnti (idg. *-nw-w/y); 
W. Schulze's Ansatz eines postkonson. *-nu-tjti = gr. -ar/^-airi (Quaest. 
hom. 41) ist ohne genügenden Anhalt. Schon im Urgriech. wurde der 
Typus *-vf:avTi überall durch -rvarzi verdrängt. Ion. ayrvai (mit derselben 
hysterogenen Betonung wie ri^eTai, die jedenfalls für hom. gijrvoi nicht 
anerkannt zu werden braucht, vgl. § 115 über nÖ^eTai) war ebenso Neu- 
bildung wie ayvvvzai statt "^pay-vv-atai (ai. äp-nnv-dte, mit ursprünglichem 
Ton ved. ta-nv-ate), s. § 107. 108. Die Tiefstufenform der Wurzelsilbe 
hatten auch noch z. ß. Tt-vvfisvai = ai. ci-nu-y oiyvv^u aus *ofiy- homer. 
ouyvvvTo (neben lesb. btiyi-v^ s. G. Meyer, Gr. Gr.^ 438), /iT-ir- (in /iiri'i/o), 
8. u.) = ai. mi-nu-y xa-vvxai = ai. ta-nute, idg. *tn'nu-tdi (W. /en-), 
rjvvTo d-vv- in att. d-vvo) = ai. sa-nu- (W. sen-). Die sogen, nebentonige 
Tiefstufenform in ri-rwrai (neben Tl-rvinfrai), in xi-wum (neben ai. ^i-nu-iv) 
und in oqvvui, aTogwiii (neben ai. ^-no-mi, sff-m-mi), (\nÖQyri'fii mit oq = f. 
Mit unursprünglichem Hochstufenvokalismus solche wie ogty-rvfu, dax-ivfii, 
itvy-vvm, nr^y-rviii, Qt'^y-rvjnt (Vf. K. Z. 24, 255 ff.). 

Andere Neuerungen. Erweiterung durch i>: /u-rt»-,3^o): ai. mi'ti>'*'-mi, 
(fi^t'vv-^o): ai. k^i-no-mi. — Häufig, von Homer an, -irw statt -vvpi. 
tavvo) (vgl. La Roche, Ztschr. f. Ost. Gymn. 1876, S. 584 ff., Meisteuha.nn 
Gr.* 153 f.). Diese Verba auf -rvo) waren jüngeren Ursprungs als die 
formal ähnliche KI. 15. — Nach Cwvvvfii (urspr. ♦fci)<r-ii»/4i, vgl. faMr-ri;>, 
W. jöS'), diKfi'tryviit (neben lautgesetzlichom dw^u aus ^fftr-i'vtu, armen. 
g-genum „ich ziehe mich an", idg. ties-), atitrvvm (vgl. [firviiiv bei He«ycb| 
bildete man {^onvvfii, aiQohvvfu, xoQhvv^n, ntftiyvvfu u. a., s. g 45 und 
Leskien, C. St. 2, 108 ff., Vf. K. Z. 27, 589 ff., Solmhkn. K. Z. 29. 73 ff 
Man beachte, dass das u^- von i'vvvfu wahrscheinlich in (/-*•<- zu /.erlegen 
ist und 80 mit aß-fc-, i-ta- u. dgl. auf öine Linie kommt (Vf. Grdr. 2. 2(»). — 
Dem yironui aus y/"/!'©/!«« (§ 57) wurde ein yirvftai (thosH. yiir/uims böol. 
yiuov/uroi) zur Seite gestellt auf Grund des NebtMieinandor» von mvfiat 
und (hofim, thvfuti und iho^im u. Ähnl. (8 130). xahvfini wurde wohl 
zu xhxatT/im gebildet fuich dem Muster von itiSaaftat : Sahvf^m. — Indem 
tuvvfiai tuivu) zu den Formen wie f/^v/uiai i((vm «siehe* in Beiiehung 



156 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



gesetzt wurde, entstanden xavvüam, texarvarai nach eqvaaai, siQvatai 
(vgl. auch eXxvaai, stXxva&rjv zu I'Xxm nach dem bedeutungsverwandten 
iqvw) u. dgl. m. 

117. 4. Klasse. Schwache Wurzelform + vä : m, z. B. ddii- 
vä-f.u : 6dfi-vcc-/jL€v, wie ai. S^-nä-mi : S^-m-mds. Das lautliche Verhältnis 
von -va- zu ai. -ni- ist unaufgeklärt. Die schwache Stufe der Wurzel 
zeigen noch iidqva^ai und korkyr. att. ßaQvdfisvog aus ^ßgava/^isvog (§ 28, 
1. 30) zu ai. m^ndti, idg. "^mi^-nd-ti und noqvccixsv ' TtcoXstv Hesych (neben 
TTiiQrrjfxi), das entweder ursprüngliches *p^-nä-mi repräsentierte und dem 
böot. Dialekt angehörte (s. § 27) oder aus *p^-nä-mi hervorgegangen war. 
Ein noch nicht befriedigend erklärtes i in der Wurzelsilbe zeigen xigv^u, 
TiiXva}iaij rtiTvrjiLu, axiSvrjiii^ vgl. G. Meyee, Gr. Gr.^ 441, Solmsen, K. Z. 29, 
74, Wackernagel ebend. 126 [vgl. den Nachtrag zu dieser Stelle]. 

Der Übergang von -väiii in -raw in nirvdw u. a. steht dem von 
'Vviii in -vvw (§ 116) gleich. 

118. II. Themavokalische Stämme oder Verba auf -w. Die 
Verteilung von -s- und -o- über die verschiedenen Formen (z. B. (ptQ-s-rs, 
(f€Q-o-fjL€v, (f€Q-o-vT-sg) wsLV dlc urindogermanischo. Bemerkenswert ist 
-€-i.i€vo-g in delph. lokr. xccXeiiievog, arkad. ddixrjfisvog, pamphyl. ßwXrjfisvvg, 
el. xaSctXrifxsvog aus *-f-(i)f-/i«x'o-g neben -6-fxsvog (Allen, C. St. 3, 267, 
Osthoff, M. U. 1, 212, Wackernagel, K. Z. 27, 86, Johansson, De der. 
verb. 43 sqq.), ein Nebeneinander, das vielleicht ebenso altüberkommen 
war wie tso (*ge-s{ö) neben Ttov {"^qo-sio) u. dgl. (§ 79. 96). 

119. 5. Klasse. Wurzel -f o ; 6. 

a. Starke Wurzelform, z. B. (fSQ-o-^sv (fsQ-e-xs, Xsin-o-iisv Xein- 
€-T€, Trjx-o~fi€v, aid--o~ii6v, vgl. got. hair-a-m, hair-i-p. Die häufigste 
Präsensbildung. Mit aoristischer Funktion iysvoiiriv, sXsTv. 

b. Schwache Wurzelform (Tiefstufe), z. B. yXv(f(ü^ yqdi^(a (vgl. 
aksl. grehq nach 5a. und el. yQO(f€vg, wie TrofiTisvg), dor. r^dTtw, TQdxoo 
(während att. tqsttco, tqsx^ nach Klasse 5 a. gebildet waren) ; ferner e-ax-o-v, 
TiT-i'-a^ai, 7i€Qi-7TX-6'^€vog, xTav-stv, za/ii-sTv, ßaX-sTv, TiraQ-sTv, die vier 
letzten mit nebentoniger Tiefstufenform (§ 21, 4. 23, 4. 24). Vgl. ai. tud-d-ti 
„stösst", gir-d-ti „verschlingt". Ob szsxov, dor. lesb. sttstov hierher (mit 
nebentoniger Tiefstufe, vgl. Osthoff, P.-Br. B. 8, 304) oder zu 5a. gehörten, 
bleibt zweifelhaft. 

Der ursprüngliche Betonungsunterschied zwischen 5 a. und 5 b. tritt 
nur noch im Verb, infin. {XsiirovTsg, XsiTceiv : Xinörrsg, XitteTv) und in den 
Imper. Idä, Xaßä etc. (§ 67 S. 85) hervor, i) Die Betonung yqd(f€iv, yXtxfwv 
war nach Analogie von 5a., die Betonung ysvsa^ai (alat. geno), sXwv nach 
5 b. geneuert. Die paradigmatische Doppelheit XsiTto- XsTtts- (idg. Heiqo- 
Heiqe-) und Xirro- Xint- (idg. "^iiqö- Hiqe-), z. B. eXsmov neben sXiTtov, war 
wahrscheinlich aus einem einzigen Paradigma auf die Weise entsprungen. 



^) Nur scheinbar sind <t/-w, ax-oT(j.ey 
altertümlicher betont als Xin-o}, Xin-oi^Ev. 
Denn nach dem in § 67 bemerkten waren 
auch Ö-/W, axoTfiev einmal enklitisch und 
bekamen ihren historischen Accent erst auf 



griechischem Boden. Die Übereinstimmung 
mit der uridg. Accentuation {*sgh-ö-) war 
also ebenso zufällig wie bei (pego), cpeqofxsv, 

(pBQBXai u. s. w. 



4. Verbalflexion. (§ 117- 121). I57 

dass eine durch den wechselnden Accent entstandene Verschiedenheit 
zwischen den Formen, *Itiqo- "^liqv-, nach zwei verschiedenen Seiten hin 
ausgeglichen wurde (vgl. Fick, Bezz. B. 4, 179, Paul, Prinzipien 2 218, 
Osthoff, F.-Br. B. 8, 288). Vgl. § 155. 

Im Anschluss an die Doppelformen riveyxov : rjvsyxa und sItiov : elrta 
(s. Kl. la.) gingen die themavokalischen Präterita in der alexandrinischen 
Zeit öfters in die Flexions weise von r^riyxa über, z. B. fcrx«, €vgäut^i\ 
rjtpega. So auch i'jaya für rjayov (Kl. 6), ijXTTi^a für rjXm^or (Kl. 8|. 
S. G. Meyer, Gr. Gr. 2 467, Meisterhans, Gr.-' 147. 

120. C. Klasse. Reduplizierte Wurzel + ^ : f. 

a. Reduplikationsvokal (. Z. B. yi-yr-ofiai {yirofiai), ini-fir-fo, i'axio 
aus H-ax-oi (§ 60), t^« aus *ai-zd-(ü = lat. sid-o (§ 46), iccxo aus *pi^^ax'io 
(zu i]x^)'. vgl. lat. gi-gn-o, ai. in-hd-a-te. tixtü) aus *n-rx-w (§ 62). Un- 
klar ist, ob das i von ttZ-ttt-w ursprünglich war (vgl. ai. aor. causat. 
d'pt-paUa-t) oder dem sinnverwandten ginTO) entlehnt wurde. 

b. Andere Reduplikationsweise. l'-aTi-o-no, i-Tit-ifi-o-ut^t, x^- 
xX-£-To, 7is-7iv^-o-iaTo, T€-TäQ7T-€-To, ks-Xaß-t'-a&ai , vgl. ai. sd-Sc-a-fi (sa-^c-a- 
= t-üTi-o- von W. seq-) und lat. tendo aus He-tn-ö (Thurneysen, K. Z. 20, 
302). Schwierigkeit macht «(ttov «/'ttov gegenüber dem auf idg. ^c-ue-uq-o-m 
weisenden ai. d-vöc-a-m von W. t/eq-^ s. Vf. K. Z. 25, 306 und Wacker- 
nagel's g 60 erwähnten Deutungsversuch ^). 

Ob diese Klasse schon mit Beginn der Überlieferung des Griechischen 
auch präsentisch auftritt (wie ai. sd-$c-a-ti), ist zweifelhaft, da la/rtKa 
S 826 angefochten ist und von tlojuai nicht feststeht, ob es aus ^ae-zS-o-iim 
(KöGEL, F.-Br. B. 7, 192) oder aus *ae6-io-fim (Kl. 7) entstand; in ale- 
xandrinischer Zeit ntifvw (vgl. über na(f(av * xtetvag bei Hesych Vf. C. St. 
7, 206), xbxXofxai. 

r'iy-uy-o-v = ai. dj-ij-a-m, dx-dx'O'VTo, rJQ-aQ'e, mq-oq-^, jüngerer Typus 
€Qvx-ax'ttiv u. a. (vgl. Bezzenberger in s. Beitr. 3, 311). 

121. 7. Klasse. Wurzel -\- io : j^e. <fvü) lesb. (fvio), %(<a tito (ai. 
Ci-yd'ic, vgl. Osthoff, M. U. 4, 12). Xiaaoy^uv • €C(<xo)fur (Hesych) aus 
urgr. *likV'iö-men, oQvaao), vi^oiitv aus urgriech. ^nigM-io-men (g 35. 38. 41), 
atiiu), aqv^it). ßairo), fxaivoiiiai^ lesb. xtatru), uanatQüi^ rngta aus *p(uqta 
(Vf. K. Z. 27, 197 f.), (dor.) y^a/'^w, (ion.) axdXXu^ (§ 21, 3. 23, 3. 54). 
Alle diese mit schwacher Wurzelform, wie ai. tf;^'j/a'fi .dOrstet" fiir-iya-M 
„moritur"; ebenso auch ^tio) für ^pQccI^u) = got. vaurkja „wirke*, idg. 
""f^ry-v* (8 ^32). Vgl. Frühde, Bezz. B. 6, 178 ff. Dauebon oft auch Hoch- 
stufenvokalismus (*), z. B. xrtno), af/^o), if&t(Qt»i (lesb. »r*!»»»«, cr^^i, 
ifi}iQQü), ark. (/x/t'jQü)}, aibXXü) (§ 12. 30. 56). Die Wurzolstufo in rr^erao* 
aus urgriech. *j)ekv-iö (g 35. 38) ist zweideutig (wenn Tiofstufenlorm, «o 
vergliche es sich mit nento-i, g 24), ebenso x*f**» Ob die Formen mit 
^och.stufigem * speziell gricch. Neubildungen waren (teils nach dem Fut. 

rid Aor., z. B. xtt^iiM nach xinüi /xiMia, teils nach solchen PriUens- 

I »rrnen wie ntaau), falls diese tiofstufiges « hatten, teils vielleicht auch 

ach Formen wie y*^w, vgl. Fuöiidk a. O. 180). oder ob es einen idg. 

') Hichor verfehlt iet wm Smytii, Dor Diphthong £/ & 67. 59 ttbsr Ifüier MiCiUUi. 



15Ö A. Griechische Grammatik, c) Plexionslehre. 

Wechsel z. B. zwischen *uerg-io- {eQ6(o, § 59) und "^u^g-ij- {^pqä^M s. o.) 
gab, analog dem zwischen "^derk-o- {ötQxoiiai) und "^d^k-e- {Sqaxstv), bleibt 
zweifelhaft, doch ist mir das letztere das wahrscheinlichere (vgl. aucli 
Spitzee, L. d. a. D. 7, Hartmann, De aor. sec. 21). Vgl. auch dor. 
drjXofiai : lesb. ßoXXoinm § 129. Das neben tim tio) stehende arkad. dTw-TeitTw 
lässt sich aus Heji-^o) herleiten, also tico : tsico = xraivM : xTt'vvco, doch ist 
ebenso gut möglich, dass es aus tiw umgebildet wurde nach den Formen 
Tsiaw €i£iaa (ähnlich wie Qk'Cco für *Qa^o) eintrat); ein *rf(/)-w (ai. cdy-a-te, 
Kl. 5 a.) als Vorstufe dieses Tsioo ist weniger glaubhaft. 

Neben diesen Präsentien lag seit uridg. Zeit eine Kategorie von Formen 
mit langem Vokal vor dem Suffix -io-. "^Crj-j^oo : ^« ^^ (über e^rjv, ^rjd^i 
§ 114). *x(>^/-/« : XQ^ XQTh P^^. XQV^'^ ^ ^^- ^^^* *M^/-/^ „wünsche, be- 
gehre", Ar»} XfjTs. *Aö-/o^tafc : Xäa^ai ' ncciXtiv, oXiywQsTv, XoiSoqeXv Hesych, 
vgl. lit. lö-ju „belle". *J^ä-/a) : Sqw dqa. *^w-ia) Nebenform von *^?y-/w : 
C«(». Ausser lit. lö-ju vgl. noch die ai. sphä-ya-te „nimmt zu" == aksl. 
spe-ja „habe Erfolg", got. vaia = aksl. ve-ja „wehe". S. Mekler, 
Beitr. z. Bild. d. griech. Verb. 14 ff. Die Nebenformen auf -«<«, wie 
xraiü), ipaiM, Xaico (s. Mekler a. 0.), dürften sich am leichtesten als Um- 
wandlung von "^xvat-fjLi etc. (vgl. sfju'co für *€fi€-ij.i, § 113) erklären, vgl. 
yXai-vö-g mhd. hlein-öt neben yX^-vog yXri-vri u. a. laaiw^ naXam u. dgl. 
entsprangen wohl erst in jüngerer Zeit in Anlehnung an die Bildungs- 
doppelheit bei jenen Primitiva. Hierzu vgl. Johansson, De der. verb. 170 sqq. 

Der lautlich gleiche Ausgang von (fcpd^o), ea(fa^a (St. acpay-) mit 
(p^ä^ct), 8(fQa§a (St. (fqax-) u. ähnl. erzeugte neben aifd^w die Form aifdiTM 
nach (fQccTTw u. dgl. mehr, umgekehrt ßqd^w (spät) statt ßqücaM nach 
(fQÜ^w, gort. TCQddös^d^ai statt TTQaTTs^^ai (vgl. auch gort, avv-aa-ddöiß 
für -dyrj nach dem Aor. auf -a|at, R.Meister, Bezz. B. 10, 141, G. Meyer, 
Gr. Gr. 2 274) u. a. m. Vgl. Mucke, De cons. gem. 17 ff.. Osthoff, Z. G. 
d. P. 296 ff. 322 f. 

Die von Siw Siofiat (*Jf-/w, vgl. ai. dt-yä-mi) kommenden Formen 
di€T€, ^i€Tm, Sisad^ai u. dgl. riefen infolge von Assoziation mit «-f-r«, 
i-€-Tai, l'-s-a^at (Kl. 2 a.) die Formen iv-Sisaav, 6t€fxai, öievTai ins Leben 
(vgl. OsTHOFF, M. ü. 4, 13). Auf ähnliche Weise war wohl auch hom. 
pisiiai^ zu ai. vt- gehörig (Leo Meyer, Bezz. B. 1, 306 ff.), auf Grund eines 
"^pi-^o-fxai entstanden, auf das noch die meisten der bei Homer vorfindlichen 
Formen, wie pUrai^ fis'aO^rjv, bezogen werden können. Vgl. auch die zu 
öisTai und pisxai gehörigen dmxM [diw^ig, Sicoyiiä) und korinth. picoxsi „er 
verfolgt" (fcft}x>J, Icüx/iio-g, iM^ig); eine Vermutung über die Entstehung von 
^io)x(o bei G. Meyer, Gr. Gr.^ 52. 

Hom. att. xXtvo), xQivco, atvofjiai lesb. xXivvco, xqivvw, aivvofxai aus 
*xXiv-i,o) xQiv-j!,o), aiv-j^ofxai. Der Nasal dieser Präsentia war selbst schon 
ein präsensstammbildendes Element, z. B. *x^fc-r-/w zu lat. -df-näre ai. 
sn-nd-mi, W. kJei- „lehnen". Es hatte also ein Übergang von Präsentien 
mit Nasalsuffixen in unsere Klasse stattgefunden; dessen Ratio noch uner- 
mittelt ist. Nach der Analogie von ^xtsv-j^o) : *€XT8v-aa schuf man zu 
*xAn'-x« den Aorist "^ixXivacc ion. att. exXiva, und so kam der Nasal auch 



4. Verbalflexion. (§ 122-123.) 



159 



in die andern Tempora, xXivu) sxXtvr^r, ixQir^r^v u. a. Vgl. Cübtius Vb. 

12 313 f., SoLMSEX, K. Z. 29, 77 f. 

122. S.Klasse. Reduplizierte Wurzel + /o : f^. 

a. Reduplikationsvokal i: riTaivm aus Vi-fn-iö W. /ew-, vUxofim 
aus *ri-va-io-fiai (g 45) W. nes-, XiXaiofxai aus ^Xi-Xaa-ioi^iai (Curtit-s. G.'' 
361). War dieser Typus altererbt? 

b. Andere Reduplikationsweise: yccQ-yafQO), iiaQ-uaigo), 7T0Q'(fv(^w, 
(iioQ-nvQO): ßa^i-ßctivo), Trai^i-tfaiico; dai-ddXXw, Jiai-TiäXXui. nai-qäaaw, not- 
ifvaatt), ai'aau) (§ 18) u. a. Diese Formen hatten meistens deutlich Intensiv- 
bedeutung und hingen historisch mit den ai. Intensiva wie mar-m^j-yd-te 
„reibt wiederholt (kräftig) ab" zusammen. Zum Teil mögen sie denominativ 
gewesen sein, wie SaidäXX(o von daiSaXog (§ 123). Durch Übertritt in die 
Analogie andrer Präsensbildungstypen entstanden jitaguagi^a), nu^nfavtco} u. a. 

123. 9. Klasse. Nominalstamm + ;(o : /£, Denominativa.') 

a. Verba auf -ao^ -ton, -6w, -/w, -i;w, -svw, wie vlf-iau), (fiXtio, fita^öw, 
xovio), /luO^vw, ßaaiXavw. Ob -fi'o) griech. Neubildung war, hängt ab von 
der Entscheidung der Frage, welches der Ursprung der Nomina auf -tv^q 
war (§ 70^, 2). Zweifelhaft ist auch, ob die auf -öo; altererbt waren, da 
sich auswärts nur wenige sichere Parallelen bieten, wie lat. aegrotus von 
aegro- (vgl. v. d. Pfordten 151 f.). Die andern waren aus vorgriech. Zeit 
tiberkommen, vgl. z. B. ai. miSra-yämi von mihd- „gemischt" wie yiA*w 
von (fi/.o-g. 

Durch einzeldialektische Neuerung entstanden die Ausgänge -aw, -/;w, 
-üioj, z. B. ep. fitvoivijrjai, vTivtüovxeg, lesb. udixi]6i^ böot. daiiimovit^^ delph. 
avXr^ovTig, üTtifavwixw. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde der lange 
Vokal aus den andern Tempora, -«-(Tw etc., herübergeholt, und es fragt 
sich nur, ob nicht zum Teil zugleich die Gestalt von Priniitiva wie honi. 
XQi\on' (g 121) vorbildlich wirkte. S. Vf. M. U. 1, 89 f., Ck)LLiTZ, Anz. 
f. deutsch. Altert. 5, 329 f., Wackernagel, K. Z. 27, 88, Phil. Anz. 1887 
S. 238, Meister, Gr. D. 1, 177. Zur „epischen Zerdehnung" vgl. S 17. 
Att. di{pi]v und TTeivfji' wohl nach iptjr u. dgl., ähnlich scheinen iVrr/'w, nuXitiu» 
u. dgl. nach xpaiu) u. dgl. gebildet worden zu sein, s. g 121. 

Über -Ä/tt {'ceifii), 't^fii, -(ofii nach Kl. Ic (§ 114) für -«w, -*a), -oo» 
im Äolischcn und Arkad. sieh ausser der eben zitierten Litteratur auch 
L. HiKZEL, Zur Beurteilung des äol. Dial. 56 ff., Johansson 106 sqq. 
Ob diese Neuerung direkt von den alten Formen auf -aa>, -*a) -oii> aus ein- 
getreten war oder durch Vermittlung der Neubildungen auf -«w eU,, ist 
zweifelhaft. Im ersteren Fall wäre davon auszugehen, daas z, B. 2. pl. 
*<ftXt(t)tit zu lesb. qiXr^tt geworden und so mit den Formen wie ^n,1^ überein- 
gekommen war. Jedenfalls war aber Si-it^-fun neben dt-ii^-aoftm u. c1i?l. 
(J< 115 b) vorbildlich beteiligt.») 



Vl'1. ho8on(IerH yov dbk Vvouvrnn, Zur 

(lor griocli. I)cnoniinativii. 1880, 

NHAOK, De (IcrivatiM vorbiii oon- 

H lingufte Qniecae qttawtiooM, UptaU 

') Kin Haupigowichi gUabo ich immer 



noch darauf lef«n in 

nicht nach c!rm Typua r/^ij^, 

war. Wenn JouAHiiaoii p. 166 mir a a ig y at, 
daaa ea uranrflnglirh koint Vtrbft —f «^ 
ohn« Abaiufong gab, to mag daa Ar •{•# 



160 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



Was die Vokallänge in -ä-ao), -r^-cw, -M-aco und den andern Tempora 
betrifft, so war diese bereits vorhanden, als das Präsens nur erst -a-(w 
-€-jiiU) '0-j(M hatte. Formen wie Tifia-aw, (pikrj-aw^ i^ia^w-aw waren nach 
der Analogie von solchen wie Sga-aw, nlrj-ao), yvM-aofiat, gebildet worden, 
und es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Neubildung bereits in uridg. 
Zeit ihren Anfang genommen hatte. Möglich wurde diese dadurch, dass 
damals die denominativen Verba in der Bildung des Präsens mit den Pri- 
mitiva auf -(ö vielfach übereinstimmten. S. Vf. M. ü. 1, 69 f., Johans- 
son 72 sqq. 

b. TsxTaivo) aus *T€xTn-j^M zu TsxTcov, wie ai. uäan-yd-ti aus ^udn-ie-ti 
zu ud'dn- „Wasser", § 21, 3.^) ^(ogr^daw zu ^MQrf^. agnä^M zu ccQwa^. 
(TaXTiiCo aus *aaX7Ti{v)zS(o, *o'«A7rfyy-/w. sXni^M zu iXnig. ^uiya^o^ai zu 
l^uydg. Denen auf -a^w = *-aS-j^M stellen sich die german. auf -atjan, wie 
got. lauhat-jan „blitzend leuchten" zur Seite (Kögel, P.-Br. B. 7, 183, 
VON Bahder, Die Verbalabstracta S. 111, Vf. Grdr. 2, 382 ff.). Hom. 
TsAf/'w att. TsXd) aus *T«Afö'-/w zu rakog, ccxsiofnat zu axog, s. § 12. 45. 54; 
die auf sehr schwanker Grundlage ruhenden Kombinationen von Bechtel, 
Gott. Nachr. 1886 S. 375 ff", überzeugen mich nicht. 

Viele Neuerungen durch Form Übertragung, z. B. agiaT-dw (aQiaTo-v), 
fAavT-svofjiai [fxdvTi-g)^ d(pQov-8M (acpQwv), xegS-aivM (xigSog). Besonders 
stark wucherten die auf y- und (^-Stämmen beruhenden Ausgänge -d^w und 
-1^(0 (das C aus i zu erklären verbieten die klar zu Tage liegenden Laut- 
gesetze), z. B. ^txd'^o) h^-d^ot), xaqi-^co vofi-i^(o. Bei diesen wie auch 
bei f-isiXiaaco zu [xsiXixo-g, dyytXX(a zu dyyeXo-g^ s^^aiQü) (aus **'/i!/^-/w) zu 
ex^QÖ-g, welche wahrscheinlich nach der Analogie der auf konsonantischen 
Stämmen beruhenden Denominativa wie xr^Qvaao) gebildet waren (vgl. Vf. 
Techmer's Intern. Ztschr. f. allgem. Sprachw. 1, 238), wirkten zugleich die 
Formen der Klassen 7 und 8 vorbildlich mit. 

Für viele von diesen Neubildungen kommt in Betracht, dass an ge- 
wisse Ausgänge sich bestimmte Funktionen geknüpft hatten aus Anlass 
der Bedeutung einiger von den zu Grunde liegenden Nomina. So hatte 
durch Formen wie vavTidco fxaXaxidco der Ausgang -idoo die Funktion er- 
worben, einen krankhaften oder sonstwie tadelnswerten Zustand zu be- 
zeichnen, daher z. B. die Neubildungen vösqidw, h^idco, -ow bekam fak- 
titive Bedeutung, daher Neubildungen wie yscpvQOM. -svm die Bedeutung 
einer regelmässigen, beruflichen Thätigkeit, daher Neubildungen wie fiavTsvo- 
liai. So ist auch erklärlich, dass zu demselben Nomen oft mehrere abge- 
leitete Verba gehörten, wie saTidw und iWtow, voaew und voaow. S. Curtius, 
Vb. 12 356. 368, v. d. Pfordten S. 6 f. 16 ff. 139 ff. 

Das Zusammenfallen von *-y-/w und *-J-/w in -fco erzeugte Neuerungen 
einerseits wie d^ndata, rjQTiaaa neben d^Ttd^co, r^grca^a, anderseits wie (dor.) 



gewisse Periode der idg. Urzeit richtig 
sein; hierüber wage ich kein Urteil. Jeden- 
falls war aber im Urgriech. ein doppelter 
Typus, einer mit und einer ohne Abstufung 
vorhanden. Und einzig hierauf kommt es an. 
^) Für verfehlt halte ich Bezzenberger's 
Ansatz einer Grundform *rexTn-pi(o (Beitr. 10, 



72, Gott. gel. Anz. 1887, S. 415 f.). int]- 
fxdvS^tjv war natürlich nicht aus *E-7ir]fj,nv- 
^rjv entstanden, wie Bezz. meint, sondern 
nach den Aor. auf -uQd^rjv -a'^ihr^v gebildet, 
vgl. nicpavd^E : eanciqd^s, xheqfACivai-g : xd&aQ- 
oi-g etc. 



4. Verbalflexion. (§ 124-12G). l^;i 

I Soxifxä^ovTt, igi^arreg (s. Caüer, Sprachw. Abh. 127 ff.). Umgekehrt ver- 
anlasste lautlicher Zusamnienfall in nichtpräsentischen Formen Entgleisung 
im Präsens, daher Doppelheiten wie ä^fiÖTTü) und «(J/to^w, XctTrceaaco und 
kand^ü); vgl. aifäiTO) : a(fü^(a § 121 und die dort zitierte Litteratur. 

124. 10. Klasse. Hochstufige Wurzelform + sko : fia (Kausa- 
tiva), z. B. (foßt(ü zu (ft'ßof^iai (vgl. ai. caus. hhajdyämi „lasse hingehen, 
jage"), oxto), aoßäü), aoeuj {saaor^fxivov Hesych), tqoth'ü), tfoqtta u. a. Diese 
Formen, von den Denorainativa wie ohi-w (fiXe-co (§ 123) von idg. Urzeit 
her durch den Accent geschieden (vgl. ai. denom. miha-yd-ti gegen causat. 
hMjdya-ti), wurden im Griech. mit ihnen im Ausgang gleich infolge der 
neuen Betonung des Verb. fin. (§ 67, S. 85), vgl. aucli lat. denom. aJhe-o 
neben caus. moneo, noceo. 

Denominativer Ursprung ist für die Kausativa oft angenommen worden, 
aber nicht klar erweislich (zuletzt über diese Frage Johansson, De der. 
verb. 113 sq. 116, 135). Desshalb zählen wir sie als besondere Klasse. 

125. 11. Klasse. Wurzel -|- ro : t«, z. B. näx-tw (att. TTsxxkm) 
= lat. 2^ec4o. In der idg. Grundsprache kann diese Klasse, wenn sie über- 
haupt schon vorhanden war, höchstens erst durch ein par Beispiele ver- 
treten gewesen sein (vgl. Vf. Sprachw. Abh. 153 ff.). Abgesehen von ntxifü^ 
(fäQxioi^iai, di'iko), ccqvto) und den vier oder fünf Aoristen wie ^ßXaaiov 
(CuRTius, Vb. 22, 10 ff.) gingen alle auf -thü) -mov aus, wie ivniu)^ 
axantu), ntmio. Von diesen können alle die, deren Wurzelauslaut p war, 
z. B. TV7i%(ü^ axantto^ auch zu Kl. 7 gezogen werden : tvmia aus ^tvinta 
(§ 40) wäre wie x"^*^^<y (von x^^^^^c) aus *x"^*^~i^» datQdntiß) (von 
datganr]) aus *d(nQa7i-^ü) (Kl. 9). Dagegen lassen sich nicht auf Grund- 
formen mit -j'ö die zurückführen, deren W. auf q, ^, (g/<) schloss, wie 
nemu) neben älterem ntaao) W. peq-^ «W/rrcw neben ei'iaao) (beide bei Hom.), 
vtmofxai neben älterem vi^m W. neir^-. Ferner auch nicht die, deren Wurzel- 
auslaut altes (f war, z. B. xqvtiio) zu xQv(fa. Bedenkt man aber, dass die 
Formen wie xQvntia leicht erst nach dem Muster von solchen wie tr/riui 
geschaffen sein können (ähnlich wie a<fdii(a nach ifQÜitu)^ % 121), so steht 
für keine Wurzel auf labialen Explosivlaut ursprüngliche /o-Bildung fest; 
vgl. FiiöHDE, Bezz. B. C, 179. Und so fragt es sich schliesslich, ob nicht 
auch TitTriw, vimojuai *[i. s. w. mit wurzelschliessendem Velarlaut erst nach 
der Analogie von tvnio) gebildet worden waren. 

axtmonai von W. spck- entstand wohl nicht aus ^antxro^iai, sondern 
aus ^ant^xioiua (woraus zunächst *axt7nofiat) = lat. speciOf ai. pä^ydfHi; 
die auffallende Metathese von n—x (§ 62) mag durch das sinnverwandte 
axop- (^vo-axoog, Curtius, Q.' 152) veranlasst sein. 

120. 12. Klasse. Vorbalstamm |- crxo : «rx*. 

a. Verbalstamm = einfache Wurzel in Tiefstufonform (wie 
die schwache Form in Kl. 1 a.). ßüaxü) = ai. gdchami aus *gacfi(imi (vgl. 
pj;cMmi u. a.), idg. *g<|»-«>t^, %(taxü), qdaxat^ ßtxrxo) u. a. Von diesen Verben 
trat der Ausgang -<rxo) auf mehrsilbige VerlmlHtilmme üIm»»* 
i ßu-axo), ynnu-axü), IXu-axofuti, fuOv-axm, xo{tt-axuiy tigt^axu 
cheinlich war zur Zeit, wo diese letzteren Formen aufkamen, dw lud 

Uaodbucb d«r klwa. Alt^rtitnMWiMctMchftfl. 11. i. Aufl. 1 i 



V» nti-^MM. 



2(52 «Ä.. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

bedeutung von -o-xw noch lebendig, und die Neubildung wurde erleichtert 
durch den formalen Gleichklang von syijQav, eyrjQäaa, yrjQaffofxai mit sßäi, 
^ßäaa, ßaaoßai neben ßäaxoo u. ähnl. (vgl. Osthoff, Z. G. d. P. 257 f.). 
Zugleich von (pdaxco etc. und von den urgriech. Neubildungen wie yry^acrpcw 
bekamen wahrscheinlich die ion. iterativen Praeterita wie (fevysaxe, sQi'teaxov, 
av&rjaaaxs, (päveaxs ihren Ausgang: dem (pcc-axov (neben (frj^l) wurde 
lataüxov (neben l'avrjini) nachgebildet, xaXiaxsro wie xoqtaxw, ()imaaxov 
neben qitttcc^o) wie ysvsiccaxoo neben ysvsid^M u. s. f. Nachdem sich die 
Kategorie der iterativen Praeterita einmal konstituiert hatte, wurden auch 
solche Iterativformen geschaffen, für welche direkte Muster in der älteren 
Schicht der (Xxw-praesentia nicht vorlagen. 

Das y von fiiaya) für ^ixiaxw war von f^iyvvfxi i^iyrjv übertragen (Osthoff, 
M. U. 4, 84, G. Meyer, Gr. Gr.^ 450); danach auch SvayM • anodvM (Hesych). 
In ähnlicher Weise wird in Xta%ri d. i. *Af(;()-o'x«, dessen ursprüngliche 
Bedeutung „Herberge" war (Meister, Gr. D. 2, 51), das x für x durch 
Anlehnung an Ai^og etc., und in ndaxta neben dem lautgesetzlichen el. 
näaxM d. i. *7ra(i9^)-ö'xw die Aspiration des x durch Anlehnung an die 
Aspirata in enaS^ov etc. entstanden sein. 

b. Verbalstamm auf langen Vokal (wie Kl. 1 c), z. B. epir. 
yi'w-cxw {yi-yvM(Sxoi)) = lat. gnö-sco^ Qrj-axojjiai, (Hesych), &Qi]-(fxco (Curtius, 
G.^ 257). yv(6-(Tx(o : (pa-oxw = syvw-fjisv : scpa-fisv. Für d^väaxM {^vr^dxw) 
xmdi ßXwaxw vermutet Osthoff, Z. G. d. P. 367. 448 als Grundformen 
*g%-s^'0 und *ml-sk6 (mit nebentoniger Tiefstufenform, § 21. 23), wonach 
sie zu 12a. gehören würden; die Sprachempfindung der Griechen zog sie 
jedenfalls zu 12 b. Ion. x^iy/ö'xo^«fc, att. ^vf^axco ^Qoyaxca, äol. ^vaiaxoj 
waren wie att. /jnfxv^axw, äol. fii invaiaxco (üsener, Fleckeis. Jahrbb. 1865 
S. 245 ff., Meister, Gr. D. 1, 181) Neuerungen nach der Klasse -laxco (§ 128). 

Als Nachbildungen schliessen sich ava-ßicoaxo/mcci, äX6rj(rxoD (^ 599) an. 

127. 13. Klasse. Reduplizierter Verbalstamm + cxo : cxf. 

a. Reduplikationsvokal i: Si-ddaxco, Ti-Tvcrxo/im (vgl. Kl. 12a.); 
yi'yvw(Tx(ü, ixi'^vrjCxM, Si-dQaaxw (vgl. Kl. 12 b.). 

b. Andere Reduplikationsweise: a-iaxw, Ss~diaxofxai (vgl. Osthoff, 
Z. G. d. P. 388). 

13 a. und 13 b. wurden wohl erst auf griech. Boden geschaffen. 

128. Anhang zu Kl. 12 und 13. Verba auf -laxw, z. B. cfTSQ-iaxo), 
€VQ-iax(o, ccX-iaxo^im, aQ-ag-iaxw. Die sprachgeschichtliche Beurteilung dieser 
Kategorie ist schwer. Lat. in-gemtsco u. ähnl. sind wohl fern zu halten, 
s. Osthoff, Z. G. d. P. 157. Dagegen ist Zusammenhang mit den Demi- 
nutiva wie naid-iaxo-g möglich, s. § 70, 16. 

129. 14. Klasse. Wurzel + vo : vs und Wurzel (zum Teil mit 
Nasalinfix) + avo : avs, z. B. Sdxvco = *dnk-nö, Xrj&-dva) XavS^-ccvw, 
xsvd^-ccvco, Xipn-dvu). 

Der Typus ddx-vw hat zwar in allen idg. Sprachen Analogien, war 
aber vielleicht doch überall einzelsprachliche Schöpfung, an Formationen 
mit anderen Nasalsuffixen anknüpfend, vgl. z. B. nk-vM : mT-vrjfii, Beachtens- 
werte Doppelheit des Wurzelvokalismus in ßovXofxai Grundf. ^l-no- und 



4. Verbalflexion. (§ 127—131.) l^-o 

Dr. ^TjXoiiai Grundf. *gel-no-, in dor. hom. tcc/x-vw und att. T^ju-rw, ersteres 
iiir lautgesetzliches *ror-iw = *ttii~nö\ vgl. xr^nw und xraivu) u. dgl. § 121. 
Die auf -äioj kehren im Armenischen wieder, z. B. Ik^-anc-m ,ich 
verlasse", vgl. huTTdiw. Ansprechend führt Osthoff, Z. G. d. P. 404 flf. -tn-w 
auf *-?^wö zurück (vgl. § 21, 4). Ein Zusammenhang bestand zwischen 
dem Typus Xiiinccvoi^vrO^dvof^im, dem Typus ai. nWÄ-// (vgl. lat. Unquity) 
und dem Typus ai. lump-d-ti lat. riimp-i-t (zu dieser Bildung gr. cxyiV/wV), 
doch ist die Art des Zusammenhangs noch nicht genügend aufgeklärt. 
Vgl. CuRTius Vb. 1^ 251 ff., Frühde, Bezz. B. 6, 183 tf., Vf. M. U. 3. 
148 ff., OsTHOFP, a. O. Der Ausgang -ccrw ging im Griech. weit über sein 
ursprüngliches Gebiet hinaus: z. B. lax-civw, 6(fhax-itvo), ufiagr-uvü) (dem 
praet. ijfiagTov wurde durch diese Erweiterung Aoristfunktion zugeführt) 
u. a.; von besondrer Art war die Neubildung TniinX-üvu), da hier die Ke- 
duplikationssilbe so wie sonst die Wurzelsilben behandelt und nasaliert er- 
scheint (durch nifinXctvüi wurde das nasalierte m^inXri^u erzeugt, s. § 115). 

130. 15. Klasse. Schwache Wurzelform + »7-«: »r-f. Hom. 
(f^O^uvü), «rw, att. (f^ävü) uru) aus *(fd^a-rj:-ü), *d-rf:-ü) zu hom. ij-rv-io :^ ai. 
sa-no-mi (idg. *sn-nm'mi); hom. (fO^iio), tIvoh att. (fO^ira), liro) aus *9^i>/-rf-(i>, 
*Ti-vf:-o) zu (pO^i-vv-O^m (ai. ksi-nö-mi)^ rt-vv-jW« vat ; hom. xß-vvw Svvia aus 
♦vAv-j'/r-w *tfr-i'/?-w, ersteres zu ai. dhü-m-mi „schüttele, bewege rasch hin 
und her". Über die in (fü^avo) u. s. w. erscheinende „Ersatzdehnung" s. 
S 57. Es liegt hier wie bei dvvw, tavvoj etc. Weiterbildung von Verben 
mit Suffix -neti- : -nu- (Kl. 3) durch -o- -c- vor; aber während -rra> ei*st 
in der Sonderentwicklung der griechischen Sprache aufkam (S 11 G), scheint 
es sich hier um ein bereits idg. *-wm-ö, -nn-e-si etc. zu handeln: vgl. ai. 
f-nv-a-mi „setze in Bewegung, errege", got. rinna „renne" aus ^ri-n^i'ö u. a. 

Hierher auch hom. xixavo), att. xiyx"''^ (niit jüngerer Nasalierung 
der ersten Silbe nach § 129, G. Meyer, Gr. Gr.« 437. 448) d. i. *xix«»ra) 
(neben xi-xr^-rai, Kl. 2b.) und hom. Ixuro) d. i. ^pixavpm. Dies waren Neu- 
bildungen nach dem sinnverwandten (f^dro) (zugleich auch nach arco?). 
Nach dem Verhältnis von f//>/^(To/im : y,>arw stellte nuin zu xtxi](foftni das 
Präs. xixciro), weiterhin auch ixuro).'). Ahnlich schuf innn /n aiiaomu 
iati^v in jüngerer Zeit ein fftuvta nach <fx>av(a. 

Perfekt. 

H. VON i.Kic i')(.i;MiN. /m t.r-(li. (If'H griech. Porfectum«, MOnchcn **-^ 
ii- (;«-H(li. <icH l'«rfV( f-, IUI IrMln-.iiii. 1--I. Kbnaült, Du parfnit vx\ ; 

.IHM l^>^<i. 

1*U. Iteduplikation. 

Bei konsonantisch anfangenden Stämmen war dor Vokal der Ue- 
iplikationssilbc * : y«-yoi'«, dt'-Jogxa, Xt-koina, nt-^iaai, f-ayfiai, l-atafuh, 
j'thnai. DioHOR * war in allen Stammkatogorien auch schon in dor idg. 



uimnhcr jnt «h >on null •*!-»/ i mit -» 

Do der. v<rl. W. Wrnn nur ni, \" :r\ »i'«- , 



t. hom. 1» »-. ««« r ivjiim ntOmlc! 
(iricch. «lurrh iri'»'«'« '«or •) Aml«'niOlM»rir»/iiV«. /jrwrw. nl- 

-....,r ^,MMl.|| gnwcMon. xiV/w, dui fri'i- ««r nicht lOM'mMigniiU, hii«««i'l« ^^ 

h nuM •xioi/w nicht crklAri wcrilfn darf, Qimcut huin 41 »qq. 



164 



A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 



Grundsprache vorhanden (vgl. J. Schmidt, K. Z. 25, 32. 73, Osthoff, Z. G. 
d. P. 264 ff.). Unsicher ist, ob es im Griech. neben e auch ein dem a in 
ved. sa-säha u. dgl. entsprechendes r] gab. Man glaubt es in hom. dsidt- 
%a%ai, sioixvTai, gefunden zu haben, wo rj für si einzusetzen sei, ferner in 
icoQäxa (§ 19) neben eÖQäxa, iqyaa^ai (^sQyaa^iai) neben sl'qyaafxai und 
ähnl. (Heydenreich, C. St. 10, 137 ff.. Osthoff, Z. G. d. P. 56 ff.). Aber 
jene hom. Formen beweisen wenig 0, und die andern können Umbildungen 
nach dem Muster des Anlauts der Augmenttempora gewesen sein (Wacker- 
nagel, K. Z. 27, 273). 

Was die anlautende Konsonanz der Reduplikationssilbe betrifft, so 
waren z. B. folgende Formen lautgesetzliche Fortsetzungen urindogermani- 
scher Typen: öi-doQxs = ai. da-ddrSa, Tis-(fväai wie ai. ha-hhuva, xt-xXvTs 
wie ai. Su-Srumd und got. gai-gröf [greta „ich weine"), sl'iiaqTai aus *ö'£- 
a^ccqxai wie ai. sa-smära, e-araiisv aus "^as-aTafxsv wie l-arr^fÄi lat. sistö 
av. hi-staiti. Mancherlei wurde durch Analogie Wirkung geneuert, nament- 
lich entstanden auf diesem Wege die Formen wie s-ßXdaTr^xcc neben ßs- 
ßXd(TTrjxa, kret. s-yQccTtai neben att. y^-yqanxai, S. G. Meyer, Gr. Gr.^ 
475 ff., Osthoff, P.-Br. B. 8, 540 ff. Über sl'qrjxa, si'w^cc, €Urj(fa u. dgl. 
s. auch SoLMSEN, K. Z. 29, 349 f. 

Die vokalisch anlautenden Stämme hatten entweder gedehnten Vokal, 
wie r^axrjTm, f^ffxvvTm, oder die sogen, „attische Reduplikation", wie 
oX-coXa, ccQ-TjQa aq-agvia. Beide Bildungstypen stammten aus vorgriechischer 
Zeit. Die erste Weise beruhte auf der bereits in der idg. Grundsprache 
vollzogenen Kontraktion des Reduplikationsvokals e mit dem vokalischen 
Stammanlaut, welche zu formaler Gleichheit mit der Augmentbildung 
vokalisch beginnender Stämme führte, vgl. Vf. M. U. 4, 411 ff., Osthoff, 
Z. G. d. P. 122 ff. 166 ff. Die att. Redupi. (vgl. ay-ayetv § 120) war 
ursprünglich auf einen kleinen Kreis von Formen beschränkt und gewann 
im Griech. weite Verbreitung, vgl. z. B. sS-rjSwg gegenüber ai. dda lat. 
edi u. s. w., ion. dv-uQ-uiqTqiiai und dv-aiQ-tQrjfjim gegenüber älterem 

Hom. srjv, srjad^a {srjv als 3. sg. auch inschriftlich, Cauer D^. n. 497) 
hat man für Umbildungen von rjv, r]a^a nach sifrjv, s^rja^a erklärt, ähnlich 
wie exQ^]^' statt XQ^i^' {*XQ^J ^'^), Vf. C. St. 9, 310. Mit Rücksicht auf die 
Form rjTjv erscheint es richtiger, in sTqad^a neben 7]ad^a (vgl. ai. dsitha) eine 
Neubildung mit attischer Reduplikation (gleichsam "^ia-rja-^a) zu sehen. 
sr^v und r^'t^v waren Plusquamperfektformen, iriv : rjrjv : ^Tqa&a = sXrjXaTo : 
YjXrjXaTo : ilriXaTai. Wegen der imperfektischen Funktion von srja^cc vgl. 
§ 107. 112. 

Seit idg. Urzeit ohne Reduplikationssilbe war j^oT^e = ai. veda. 
Über die Ratio dieser Erscheinung s. § 73, 4 S. 114. 

132. Stammabstufung. Im Indikativ Hochstufenvokalismus im sg. 
act., sonst Tiefstuf e : oi6a : iSiisvlöixai (Hesych) ; f ofxa : sixrov rixro; nsrtoid^s : 



^) Christ, Rhein. Mus. 36, 35 f. will die 
„Unform" eioixxnm durch die Schreibung 
verjviaaiv fSBfixvTai statt des überlieferten 



pErjvLCiv sioixvttti beseitigen (2' 418). Vgl. 
auch G. Meyer, Gr. Gr.^ 4£3. 



4. Verbalflexion. (§ 132—133.) Iß5 

€7t£m^i^uv; ShSü) d. i. S€S^o{i)a : SfiSifui' d. i. dtd/nnsr (g 13 und Mahlow, 
K. Z. 24, 294); siXr^Äov&u : ih^Xvd^aev sXr^lvd^auer; et^d^oQa : f(f0^aQiim; 
T€TQO(pa : T€TQa(faixsv TtTQat^iuai; yeyova : ysyai^ier; HixoXa : terkccfisv (Vf. 
K. Z. 24, 266. 279, M. U. 1, 63 f.). Vgl. ai. vMa : mdmd, got. vditi 
vitum, idg. *wöVJ- : *wiV?-, u s. w. Dem ai. Plur. pa-pUimd von W. pd- 
entsprach einst ^Jis-m-af^isr, von dem nentwg -- *n€7TT-d'(j:)(6g, nemrjiag^ 
namoixa ausgegangen waren (Vf. M. U. 1, 15, Osthoff, Z. G. d. P. 370. 
383). Über etwaige Spuren des Typus ^sc-sd- (ai. scd-) im Griech. s. Ost- 
hoff a. 0. 106 flf. 

Zahlreiche Neuerungen fanden im indic. perf. statt, indem teils die 
schwache Form ins Gebiet der starken eindrang, z. B. toiy^uv und foixu^tVy 
slXr^XovO^^uv, TeTQ6(faii8v, y^ymai^ur, teils umgekehrt, z. B. Ss'dta, iXi]Xv&a, 
t6TQa(fa, teils der Hochstufenvokal e aus dem Präsens u. and. Tempora 
(eventuell auch aus dem conj. und part. pf., vgl. unten) herüberdrang, 
z. B. 7Tt(fsvya negevyai^ifv (statt ^neqovya ^7if(fvyf.uv, vgl. hom. Tx&ifvyntvog), 
neneiaiai (statt ^TTSTiiatai, vgl. hom. sTttTTid^fxsv), Trt/r/fx" ntJxXbxitti (statt 
nänXoxcc ^nsTrXaxvtti)^ ßt'ßXsifa, Xt-Xeya. 

Anders über niiffvya etc. de Saussure, Mem. 72 f. und Osthoff, 
Z. G. d. P. 61. Nach ihrer Theorie hatte die 1. sg. ursprünglich <•- Vokal, 
und der indic. pf. z. B. von (fsvy- hatte ursprünglich folgende Gestalt: 
niifsvya^ *7Ta(fovyag {^nscfovxO^cx), *7it'(fovy€, *7is(fvyjX€r u. s. w. 

Zweite Hochstufe zeigen auch l'(o-xa = got. saisö (§ 135) neben ei^tm 
= ^U-fiai von W. s^-, und iggcoya von W. f^gr^y-, beide zur f^-Keihe 
(g 24, 4) gehörig. Ob in Fällen wie XtXMa : XiXdavai, ^'aza-xn (g 135) : 
lard-i^uv, deren W. der rt-Reihe angehörte (g 24, 6), die starken Formen 
ursprünglich ö hatten, wie man erwarten könnte (vgl. ^«o-w; zu yrt-/i«), 
wage ich nicht zu entscheiden. Nach der Theorie von de Saussürb 
wären XtXaO^u, *XtXo)^(eg {*XeXü)(y0^a), *AfAw,'>f die ursprünglichen Singular- 
formen gewesen. 

Mt'urr^'fiai , dedi^it^'f.ica , xtxXi^-fiut, i-t])i^-nui, xtxfii^-o}g (denen sich 
Ttiifir^'Hai (l)xt^-uai etc. anschliessen) verhalten sich zu r*i«-jUOfi 7r*y 17-/1 *ro€, 
wie ^t^-axoiiai yvw-axu) yiyvM-axia zu ßu-axm tiivüxofiai (§ 126. 127). 

Der Konj. scheint von Haus aus erste Hochstufe gehabt zu haben, 

so hom. Hd-O'/itv; ntnoi^oiitv demnach für *7r«;r«^-o-/i«i' nach ninoiiHt 

DE Sauhsure, Mem. 127). Im Imper. von Haus aus schwache Stamm- 

orm: dt(di-i}i (Stdpi-i^i), ntma^i (Aesch. Eum. 589 Kirchh.). f*f^-,>#, 

if^fiu'tü) = lat. mcmcn-tö u. s. w. Im aktiven Partiz. wechselto von 

ig. Urzeit Tiefstufe mit erster Hochstufe, daher Doppelheiten wie iV-ii« : 

id'o')g, XtXax'Via : XiXi^x-o')g, uQaQ-via : dQi,(}-(ög, tat ü-otg \ tatt^-^g; vgl. auch 

hdi-oig, TTena^'Via, messen. xtxUß-iog, herakl. ^QQ'J-tiay 8. W. SoHVLSB, 

K. Z. 27, 547 ff., Vf. Grdr. 2, 411. 

133. Anfügung der Porsonalendungen. Die Penonalsulftxe 
wurden im Indik. von idg. Zeit her steU unmittelbar ao die WuntoWIbe 

't, 80 noch z. H. oJai/«, fS-iui', Tcri*, ntfia-fuv^ ninvvtm, -a/j#i' in 

i.<((f-afuv u. dgl. wohl au» ^-mmefi. Die Obereliiftiininung mit dorn 

\ori8t in den AuHf^änKnn -«, -^fttv führte zur HerObemahme von -«s. -«-J« 

in» Perfekt; im jüngncMi Dor. auch dtdoiu-ar nach dem Aor. ({l 107). 



IQQ A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

Vgl. Vf. C. St. 9, 314 ff., M. U. 4, 413, Osthoff, Z. G. d. P. 391 ff. 411, 
Bartholomae, K. Z. 29, 274 f. 

Ep. yf/aÄtr/, insfjLccäcfi, ßsßääai, att. ßaßaai waren Produkte des System- 
zwanges. Vgl. auch i(fTä(fi, wie taräai § 115 S. 154. 

134. Neuerungen durch Formübertragung. Ausser den in den 
vorhergehenden §§ besprochenen analogischen Neuerungen sind noch be- 
sonders folgende zu verzeichnen. 

Die „aspirierten Perfecta" wie nbnleia (ttXsx-), TST^dcfarai, (rgsir-), 
xtxXo(pa [xXsTt-), rjxcc («/-), oQMQbxarai {oqsy-) hatten die Aspirata nach Ana- 
logie von Formen wie ytyqa(fa, %sTsv%arai angenommen infolge gleicher 
Gestaltung des Wurzelauslauts in andern Formen des Tempussystems, vgl. 
z. B. TTSTiXexTai, rjxrai, mit Ti'Tvxrm. Umgekehrt mess. xsxXsßwg von xlsn- 
nach dem Muster der Verba auf -ß, u. dgl. m. Vgl. J. Schmidt, K. Z. 
27, 309 ff. 28, 176 ff., Osthoff, Z. G. d. P. 284 ff. 614 ff., Curtius, Z. 
Krit. der neuest. Sprachforsch. 58 ff. 

Gegenüber Formen wie sl^iai {psa-), ysysv^svog [ysva-), in denen *-ö'/i- 
lautgesetzlich zu -ii- vereinfacht erscheint, standen zahlreiche Formen mit 
-(S^i-, wie rjf.i(fis(T^ai, TsrsXsapisvoq^ s^coa/iis^a; dieses (f war von den Formen 
mit -(fr- wie i]fi(pi€arai übertragen (vgl. § 45. 56). Umgekehrt waren drai, 
sysysvvTo durch sifxai,, yeysv^aai hervorgerufen, gleichwie xäS^-rjiai rjvrai 
durch Tjixai (§ 108. 112). nsnvafjicci^ leXda^sd^a^ xsxaanhvog nicht durgh 
Übergang von -d^fx-, -Sp.- in -(T^-, sondern nach Analogie von TieTtvarm, 
Wkaaxm, xexaCTat (Vf. K. Z. 24, 261, M. U. 1, 81, J. Schmidt, K. Z. 
27, 313); ebenso i'(riJi£v für tSfisv nach lars, eventuell unter Mitwirkung 
von fiüiisv (vgl. § 137). Von rjp.(f>iscipai, Ttsnvaiiai etc. aus wurden die 
Ausgänge -aiim -apsd^a -apsvog weitergetragen: Tiii(faapai 7i8(faaptvog, 
fji€fxia(rf.iai u. dgl. Anlass zu dem letzteren Vorgange gab nach Solmsen, 
K. Z. 29, 116 f. der Umstand, dass einmal Formen wie '^rrscpaa^s ^tis- 
(fäad^ai bestanden (vgl. § 108. 146): diese glichen den Formen wie iQiq- 
Qsia^s SQTjQsTcT^ai, s^wad-s s^böad^ai, und so schuf man Tt€(pa(Tfjiai nach 

Zu Tb-&V'äai (so wohl bei Homer statt des überlieferten T€d^vä(n, vgl. 
§ 115), von W. ghen- (§ 35) herkommend und gebildet wie ai. 3. ^\. ja-jn-ür, 
erwartet man als 1. 2. pl. "^Ts^a^sv '^Ts&aTs, wie ysyafxsv von ysv-; das v 
in T€^va- war von der 3. pl. herübergekommen, ähnlich wie aQväai statt 
^uQaai (§71. 90). Vf. M. U. 1, 63 f.. Osthoff, Z. G. d. P. 366 f. 

Auf Grund von */ö'(rar, l'aav {pid-) entsprang i'aaäai, l'aaai, dor. l'aavTi 
(über das (Tö- von i'aaäai Curtius, Vb. 2 2, 157); den Anstoss zu dieser 
Formübertragung gab das Nebeneinander von f^dTe fjcfTov und l'(fT€ l'arov 
(vgl. § 137a.). Im Herakl. drang er auch ins Medium: ysyqäipaTai. Im 
Dor. wurde i'aavTi auf gleiche Linie mit Ictuvti gezogen, so entsprang die 
Flexion Tcrä/u etc. (Vf. C. St. 9, 296, M. U. 3, 18 f.). 

Häufig fand Übertritt in die Flexion der Praesentia auf -w statt. 
Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Plusquamperfekttypus sntTiliqyov 
altüberkommen war (§ 139), so dass die Formen des Konj., Opt. etc. nach 
der ö-Konjugation hier direkte Anknüpfung hatten, z. B. conj. hom. dqrjQiß 
neben ddofisv (§ 142); opt. ßeßXrjxoi neben i^Tairjv (§ 145); imper. att. 



4. Verbalflexion. (§ 134-137.) |ß7 

xexocty8T8 neben xtxoaxO^t ; inf. rhod. yf/oifM-, Find. xfx^ctSsiv; part. lesb. 
7i87i:Xr^Q0)x(x)v (honi. xexXriyovrsg) , böot. pfpvxovoiifiövron' {fiixoi'oiiir^xoTCDi')^ 
welches letztere von einem part. auf ->^-/='wg ausging (Blass, Rh. M. 36, 608) ; 
indic. hom. iu'ußXetai, oocoQsrai, syrak. oAwAö), wohl auch r^xw für *rxa 
(Osthoff, R-Br. B. 8, 290 f., Z. G^ d. P. 107. 382 f., Darbishire, Notes 
on the spir. asp. 20 sq.). Über avwya dvcoyo) vgl. Danielsson, Nord. 
tidskr. f. filol. fny raekke) 7, 138 ff., wonach das Wort zu ar-dyat ge- 
hören würde. 

185. Das X- Perfekt. Dass das Perfekt auf -xa [SäStoxa^ r«W/t ryxa) 
als eine umfänglichere Formkategorie griechische Neuerung war, steht fest. 
Über den Ausgangspunkt der Bildung aber sind sehr verschiedene Mei- 
nungen geäussert worden. 

Anmerkung. Nach Vf. K. Z, 25, 212 ff.^ war SsSioxa = ai. dadd^a, f&taxa = ai. 
ädäS-am (praes. däUi), opt. kypr. ^uJxot = ai. däSet von d<i.^- „verehren, huldigend etwas 
darbringen". Das Nebeneinander der im Gebrauch allmählich gleich gewordenen Si^taxB 
und *^eS(i} = ved. dadd (vgl. lat, duim, umbr. pur-doritu von W. da^- , verehren* neben 
dare von W. dö-, Osthoff, M. U. 4, 372) gab Anstoss zu i'aräxe neben *i'ar€t = ved. 
tasthä u. 8. f. Nach Osthoff, Z. G. d. P. 324 ff. Berl. phil Wochenschr. 1885, S. 1610, 
BüGGE, Bezz. B. 10, 117. 120 f. enthielt dedioxe ein Ved'w = ai. dadd -}- Partikel xe = lat. 
ce in ce-do hl-ce, so dass es ursprünglich „er hat hergegeben" bedeutete, fw-xf = ,er hat 
hergesendet". Da sich der Sinn der Partikel verwischte und dedioxe wie cQQütye etc. em- 
pfunden wurde, entsprangen dtdojxn u. s. w. Nach F. Haktmann, K. Z. 28, 284 ff. soll nach 
Xdaxüj (aus *A«x-<rxw) : XeXt]xa zu ,i«-ffxw ein ßeßf]xc( geschaffen worden sein. Bartholomab 
hinwiederum (K. Z. 27, 35-5, Bezz. B. 12, 84) setzt ef^r]xe und lat fecit gleich: A- sei ein Suffix 
gewesen, das zunächst dem Aorist vokalisch ausgehender Wurzeln zukam, 'e-dhe-k-t 
J9r^xe*. 

Sigmatisclier Aorist. 

136. Anfügung der Personalendungen. Diese geschah, wie in 
den andern Sprachen, von Haus aus unmittelbar; so noch (^J*ix)-<r-«, 
(fj^/xj-c-ctv = idg. 'S-mj -s-f}t (vgl. part. ((ffix)-o'-aiT- = -5-w/-) und wahr- 
scheinlich auch hom. Xtxio aus ♦A^x-c-ro, aq^tvog aus *«^-o'-«*io^ zu >/^a, 
näkxo aus "^naX-a-xo zu m]Xai, vgl. ai. dnai-^-^m^ dnai-^-maf än^-^-fa u. 

. w. Vf. C. St. 9, 311 flP., M. U. 3, 19, J. Schmidt, K. Z. 27, 320 ff. 
»iese Anfiigungsweise wäre ferner durch die Formen reprilsentiert, deren 

l'ersonalendung mit /i beginnt, falls Osthoff (Z. G. d. P. 407) -<ra/i«v, 
rfufuUu, -aain^v in fStf^afitr etc. richtig auf -s-^mc« etc. (8 21, 4) zurQck- 
ihrt. Jedenfalls war sonst überall, in -aag, -aare, -aao etc., das a ana- 
»giöch eingedrungen. Das * von (ideixya-e (für illteros ♦(Wfix)-<r-r, vgl. 

ved. dnäi^ aus *dnai-s-t) wurde dem Perfekt {ohUt-) ouf lohnt 'Vr \f V 1, 

101, Osthoff, Z. G. d. P. 412). 

137. Anfügung des s und Vokalisation der Verbalstammsilbe. 
a. Unmittelbarer Antritt dos «, z. B. finr^a, itn^a, /r- 

^Hx-iTu, (^ta-au (fC^trcx), vgl. ai. dya-sam {ya- .gehen*), dkiaip-^nn* 
werfen"), über das in ffivf/aa etc. scheinbar lautgesetzwidrig g« 1 
g 45; in el. fVro/'r^« war -</- erst in der ol. Entwicklungsp« 
hwunden (S 51 S. i\C)). Ober das Nebeneinander von fx»^a, i> 
xHQH, üixuXa H. S '**'>• öö. Das auffallende arkad. y»*>*^i Coli.it«, Gr. D. 
1222, 8 erklilrt Solmhkn . K / LM». M^S alt Angleichung an daa 

i Ut. f/i>f(KiJ. 

wahrend die Aoriste von Stämmen wi«- /(>»/- von alter Zeit her 



168 



A. Griechisclie Grammatik, c) Flexionslehre. 



sicher ebenso abstufungslos waren wie die Präsensklassen 1 c. § 114, 2 b. 
§ 115 (vgl. auch 12 b. g 126), ergeben sich für die abstufungsfähigen Wur- 
zeln, wie SsiX' atct-, durch Vergleichung mit dem Arischen folgende ur- 
sprüngliche Verhältnisse. Ind. sg. *deik-s-, "^qei-s-, Herp-s-, "^nem-s- = 
deix-a-, T€t-(f-, TSQTT-a- (§ 26), *^^ii*(iw)-, vgl. ai. draut-s-am, dbhar-s-am, 
dj/ä-s-am; '^ersfiaa (lesb. hs^fxa att. sveipa), Hxxsvaa (att. %xTsiva) waren 
Neubildungen nach dem Aorist der Wurzeln auf q, L Ind. pl. du. act. 
und ind. sg. pl. du. med. *dik-s-, *qi-s-, ^t^p-s-, *nm-s-y vgl. ai. drut-s-i 
dga-s-mahi. Conj. act. med. ^deiks-, "^qei-s-, Herp-s-, *nem-s- = Ssi'^o), 
T6i<ra), TSQipco, rsifiM^ vgl. ai. hJiar-s-a-t. S. de Saussure, Mem. 191, J. 
Schmidt, K. Z. 25, 600. 27, 320. 322, Osthoff, M. U. 4, 37. 80. 390, 
P.-ßr. B. 8, 552, Z. G. d. F. 30. 206 f. 376, Solmsen, K. Z. 29, 68 f., 
Bartholomae ebend. 288 f. Das alte Abstufungssystem wurde im Griech. 
hauptsächlich dadurch gestört, dass die Tiefstufenform im pl. du. act. und 
im ganzen Medium des Indik. beseitigt wurde, iSsC^cciiev eSei^diirjv nach 
sdsi^a, dsi^w. Doch noch hom. eatd-aav (vgl. ai. 3. pl. med. dsthi-s-atd) 
neben scrrrjcra. 

Ein anderer Rest mit Tiefstufenvokal war i'(rav und fjaav (aus ^rj-piaav), 
und wahrscheinlich waren auch f^arov, fjf^^W, fi^l^^^y t^^^ sigmatische 
Aoriste, also aus ^rjj^iTarov (d. i. '^rj-j^tS-a-tov) etc. entstanden und die ur- 
sprüngliche Art der Anfügung der Personalendungen darstellend (Osthoff, 
Z. G. d. P. 397). Das lautliche Zusammenfallen dieser Formen mit den 
ursprünglichen Praeterita zu idfisv, täte {rjffts = "^ripid-a-rs und = *ry/^( J-rt) 
führte den c-Aoristformen ri68a etc. (s. u.) ihre Funktion als Praeter, zu 
oJda zu. 

Dass die Aoristbildung denominativer Verba wie irtinfjau, ojxtjfxa, 
sfiia&caaa aus vorgriechischer Zeit stammte, ist wahrscheinlich; ihr Bil- 
dungstypus war der von sfivrjaa, s'xgrjcfa, av-syvwaa. S. § 123. Jüngeren 
Ursprungs war vermutlich der c-Aorist von Verba, denen Nomina auf 
Verschlusslaute, Spiranten, Liquidae und Nasale zu Grunde lagen, z. B. 
€TtXe(T'(ya [€Tt'X€(Ta), €xrjQvx-aa, sTsxTrjvdjjirjv (aus "^sxsxTav-aäiJiriv § 56. 58) 
u. a., die sich mit €^€(f-(fa, sSsix-aa, exrsivcc etc. vergleichen. Bei den 
Aoristen zu Präsentien auf -^w fanden infolge davon, dass in diesem Aus- 
gang -S-f,(a und -y-kw zusammengefallen waren, mancherlei Formübertra- 
gungen statt: z. B. für rjQTta^a (zu ccQTzd^M, dQTtay-) wurde auch rjQTtaaa 
nach sdixaaa gebildet, und für sdixuaaa sSixaaa (zu Sixa^oa, Sixad-) auch 
idixa^a nach rjQjta^a; besonders verbreitete sich -^cc auf (^- Verba im Do- 
rischen und Nordwestgriechischen. S. Cauer, Sprachwiss. Abhandl. 127 ff., 
G. Meyer, Gr. Gr. ^ 465 f. Diese selben Formübertragungen beim cr-Futur, 
§ 140. 

b. Zwischen Wurzel und -s- erscheint -9-. ^^ea = *^-^£<'(^«(ö')-a 
= ai. d-vedis-am, idg. *(e-)ueid-9-s-m, 1. pl. ißSsipisv = '^rj-p£i6sa-ii8v; über 
den Gebrauch als Plusquamperf. s. unter a.^) Der Konj. dd^ca sldco = ai. 



^) Was Wackernagel, der mit mir von 
von -e((r)-« ausgeht, bestimmt, zu sagen, ri&ecc 
könne kein Aorist von iieid- sein, weil ein 
solcher eben nur *rjeiacc lauten könne (Phil. 



Anz. 1887, S. 240), ist mir nicht ganz klar 
geworden. Kennen wir denn den ursprüng- 
lichen Gebrauch von 9 hinter „Wurzelsilben" 
schon so genau, um ein derartiges Urteil fällen 



4. Verbalflexion. (§ 138.) 169 

disäni lat. vldero, Opt. fiSsuifv aus *f:fi6-&-(f'i-fH€v = lat. viderJmus. 
Ferner att. }]eiv «nd das bei Homer für die Unform y« docb wohl trotz 
Mekler, Beitr. z. Bild, des gr. Verb. 67 zu restituierende /;*«, ai. 3. sg. 
med. cuj-i-s-fa, idg. 1. sg. act. *ci-o-s-tn. »;«n' stand für iautgesetzliches 
*Tjfii' (intervokalisches / fiel in urgriech. Zeit aus, § 12), daher fraglich, 
ob bei Homer statt /|'f« vielmehr rjsa zu schreiben sei. Aus -*a, -fac, 
-«(»•) entstand im Ion.- Att. -r^, -r^g, -f /(»'), herakl. 3. sg. aTT-ohokt^ mit 
-j; = -€€; von der 3. sg. auf -€i(v) und der 1. pl. auf -einer ging ei auf 
die andern Personen über, daher die Flexion i^deiv (vgl. rjv statt tja r^ 
§ 112), /^(^f/c, }]SeiTe für */^(yfö-rf und f^Jf/car für ijSeaav, welche letztere 
Form ihrerseits Vorbild zur Schöpfung von y^Sf.uev ij^ete ward. S. Cürtius, 
Vb. 2« 262 f., Wackernagel, K. Z. 25, 265 f. 29,' 126, Vf. M. ü. 3, 16 ff. 
24 f.. Osthoff, Z. G. d. P. 397. Die von Mekler a. 0. 84 ff. in Anknüpfung 
an FicK, Gott. gel. Anz. 1881 S. 1430 ff. entwickelte Theorie, der zufolge 
jjSea aus *i][:ei6eia, dem Aorist eines Verbums *y?«<ffjfoi, entstanden war, 
überzeugt mich gar nicht. 

Osthoff a. 0. vermutet ansprechend, dass -d-s statt -5- im Indikativ 
ursprünglich auf die starken Formen (sg. act.) beschränkt war, sodass 
*e''f:et6-ea, -eag, -ee, e-pia^ev, e-piaie u. s. w. die ursprüngliche Flexions- 
weise darstellen würde. 

138. Neuerungen durch Formübertragung. Ausser den in den 
letzten g§ erwähnten Neuerungen dieser Art sind noch zwei namhaft zu 
machen : 

1. Wo der Aoristcharakter scheinbar -aa- war, wie mxaliaam^oliaani^ 
e'Xdaaai, hatte vielleicht Formübertragung von Stämmen auf er oder auf 
dentalen Verschlusslaut {Cttraai, teXtaaai^ egkaam, Sixnaaat u. a.) statt- 
gefunden; der Anlass zu dieser Übertragung ist freilich unklar. Vgl. 
Leskien, C. St. 2, 67 ff., Vf. M. U. 3, 83 ff., Solmsen, K. Z. 29, 105. 
Andere, mir unwahrscheinliche Erklärungen dieser Formen bespricht Fröhdk, 
Bezz. B. 9, 115 ff. S. jetzt auch Johansson, De der. verb. 207 sqq. 

2. Umbildung nach der Analogie der thematischen Konjugation in dop- 
pelter Weise: 

a. Durch Einfügung von -o-, -t-, z. B. hom. ^fof, ßf]atxo, ^«o« den 
Anstoss gab das -e der 3. sg., ke : Jxe (Vf. C. St. 9, 313 f.). Daüs ion.- 
att. iTttaov nicht hierher gehörte, zeigen Hartmann, De aor. »ec. ($6 und 
W ACKERN aüel, K. Z. 30, 313 ff.») 



I dürfen? Und wenn auch ,Wur/»ln'' wir l.ar«r aus 7uti^ . i. ■:• .1. ut. !^ Iv-. ».. 

»//- nirht di<« ftlictttcn waron, die j liattm. Ilcm-r m« i \i.xn,,, .is.h.int ui. in.in ).. 

"I'-Hcr Vokal nicht Hchon im 'l.i rinli.nn I>. utim^r v..ii'imi... t...tsx . i,,i:. 

Ii ziigohraciit worden nein, rrvsattni nm-'^t«'. i-,f a'l. i-im.-« .mfi.i :. n.; 

KiniNAORL. wenn ich ihn recht \l'<r \i.l .In ;-laul.. i. Ii .i..-- 1'. i H-n. 

.r duhi-tnr- 9vyüti,{f an- .Im. lik'-»i't''.- ' '■•"" .•• ' '.«i'.l. n h.iM.' un.l^-i.. 

Ki-iiiKTi mii^Hti'? , dunh tlf 'i'.il-t.-, n.». ii ir.i. /*.- *- > 

') Wackkhwacjkl lÄMHt da« <f von fnraoy \ atofttu j;. ,. h. I.. n. N.ulilli 



l'ir. äol. Inttof) von ntaovfitu hortlhrrgo j dringt W4»»J*u lal, ab il.i' 

rnmen acin und nimmt an. in *nitto^tu j WAOKimf AOtt't Bfil«» I^uIk 

I t vor i in a nliorKcgangen. Wunini ' Vunn 
ird dann da« n von frtiany nicht unmitt«!- 



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170 



A. Griechische Grammatik, c) Plexionslehre. 



b. Durch Bildung des opt. -aai^i nach dem Vorbild -o^jttt, statt *-(rtr^) 
(§ 145, 1). 

Plusquamperfekt. 

139. Die als Praet. zum Perf. fungierenden Formen waren viererlei Art. 

1. ysyärriv, STTsm^fXsv, ^'arafisv, TstvyfiTjV wie pf. y^yä-fiev, T€TQä(paf.i£i. 
Vgl. ai. 3. sg. d-dn-drö-t von dru- „laufen". 

2. €(X€(^irjxov, avo^yov wie ccvMyw (§ 134). Im Bildungsprinzip kam 
dieses Plusquamperfekt mit unserer reduplizierten Präsensstammklasse b, 
wie TsTccQTisTo (§ 120), überein, und es ist hie und da nicht sicher zu ent- 
scheiden, zu welcher von beiden Kategorien man eine Form zählen soll, 
z. B. erttjrXrjyov, XsXdxovTo (CuRTius, Vb. 2^ 24 f.). Durch sein x war 
ejTtifvxov als Plusquamp. deutlich charakterisiert. Ob man diese griech. 
Plüsquamperf. mit Mekler, Beitr. z. Bild, des gr. Verb. 46 ff. als einen 
aus idg. Urzeit ererbten Typus anzusehen habe (vgl. ai. än-ars-a-t), bleibt 
fraglich. 

3. rjSsa^ laav, Aoristformen, § 137 b. 

4. Ti€noid^sa^ irtsTvoid^hiv; sariqxsiv. Diese Bildung hatte den Ausgang 
des s- Aoristes, war also gleichsam ein Aorist vom Perfektstamm. Ob sie 
griech. Neuerung war (nach fiSsa) oder aus vorgriechischer Zeit ererbt, 
ist strittig. S. Mahlow, K. Z. 26, 583, Vf. Ber. d. sächs. G. d. Wiss. 1883 
S. 178 f. 

Sigmatisches Futurum. 

140. Drei Bildungstypen. 

1. Verbalstamm + 0*0 : as. neyao^ai, dsi^co, Sw(S(o, ö't?^ö"w, vgl. 
ai. hhötsyd-te , wird erwachen", \\i. dusiu „werde geben"; yvcöao^m, fjivi^fro}, 
vgl. 2i\. jnä-sydmi „werde erkennen"; tsXea-aw, xr^Qvx-aw, tiprjaw, dovkMcrco; 
fxiyrj-aoi^iai, Xvd^rj-ao^ai (dor. mit Aktivendung ^avrjastv, avvax^rjaovvTi, 
§ 150) zu i^iyrj-v, iXv^rj-v, wie yvw-aoiiai, aßi]-aoiiai zu syvw-v, €aßr^-v{^ 114). 

Das intervokalische o" in Scöaw u. s. w. ist entsprechend dem in 
sCTViaa (§ 137 a.) aufzufassen; oXsaaco wie oXsaaai (§ 138). 

2. VTurzel -\- 8^ a, (= 9) -\- ao : as. revsco aus '^revs-cfo), woraus 
dor. Tsvict) (§ 18), att. tsvm (§ 17), ebenso (fd^sQtu), (p^sQiM, (p^sgco-, vgl. 
ai. tan-i-sydmi = tsvm. Danach auch die abgeleiteten Verba auf Nasal 
und Liquida, z. B. x^avfxavco, xa^agw, dyysXw. In einer Anzahl von Verben 
gehörte 9 {s, a, 0) dem ganzen Verbalsystem an (Wurzeln auf 9), z. B. 
oXs'-w oXco (vgl. oXb-aam, oXs-tvjq), xqs/jKx-m xqs/lIO), oiLio-ofiai ofiiovfiai (vgl. 
CuRTius, Vb. 2 2, 328). oXäco : oXä^m = ^dsa : wXscfa. Vf. M. U. 3, 83 ff. 

3. Verbalstamm + (reo : (fss („fut. doricum"), z. B. delph. riQä^tw, 
kret. ßoa^rjaia), att. (psv^ovixai. 1) Dieser Typus war griechische Neuerung 
und entstand durch Umbildung von 1. nach 2. S. Osthoff, V. i. d. Nc. 
333 ff., M. U. 2, 41. Anders, aber mich nicht überzeugend, Mahlow, K. 
Z. 26, 586, Johansson, De der. verb. 209. 

Über dvTidco dvria), xofiiect) xofxiM, rsXscü tsXw u. dgl. sowie über 



*) Wackernagel, K. Z. 30, 315 leugnet 
diesen Bildungstypus für das ion. att. Sprach- 
gebiet.' Es geschieht das aber seiner Er- 



klärung der Form neaovfiai aus *nerBO[xai zu- 
lieb, die ich nicht für gelungen zu halten 
vermag. Sieh S. 169 Fussn. 1. 



4. Verbalflexion. (§ 139—142) 171 

a/LKfio) neben a^xfitaw s. Osthoff, V. i. d. Nc. 330 fif., G. Meyer, Gr Gr » 
471, Vf. M. U. 3, 59. 85. 

Anm. Dass alle Futura (1—3) auf griech. Grundformen mit *-«tiw = ai. -syd-mt 
lit -siu zurückgehen, ist nicht so sicher als gewöhnlich geglaubt wird. Von dem » hinter 
a ist im Griechischen bis jetzt noch keine Spur nachgewiesen. Möglicherweise waren die 
unter dem Namen Futurum gehenden Formen teils Bildungen mit *-s\o- -sie-, teils Kon- 
junktive des «T-Aorists (§ 103). Vgl. Vf. M. U. 3, 58 flF, G. Meyeb, Gr. Gr.» 473 f., 
Johansson, De der. verb. 203 sqq. 

Futurformen wie aQTiäaoi und dor. Sixa^sw stellen sich entsprechenden 
ö--Aoristen zur Seite, s. § 137 a S. 168. 

141. Futura vom Perfektstamm waren Formen wie hom. xfx«?^-o'*/«'=»'. 
att. tair^x-ao), xei^vr^x-aw (auch Med. nach der Analogie des Fut. l),*med. 
/iuiiirr^-aofiai, XsXsin-aonai u. s. w. Futura vom Passivaorist, wie /wjtJ- 
aoiim, öat^-fTouaf, XvO^i-aoaai^ im Dor. mit aktivischer Personalendung, 
wie ccva-yqci(fi-afri oder -ygatfi^-aeT^ avr-ax0^t\-aovvxi. Seltner von andern 
Tempusstämmen aus, wie nsnix^riaw zum thematischen Aorist, hom. didmam 
zum Präsens. 

Bildung der Modi. 

142. Konjunktiv. Zwei altüberkommene Bildungskategorien: 

1. Suffix -0-, -e-, wenn der Indik. ohne thematischen Vokal war. 
z. B. hom. ciX-s-rat (aÄ-ro), eQvaa-o-jutr (tgvaa'ce)^ TzenoO^-o-f^itv (fTTÜtiO- 
fiev); vgl. ai. hän-a-ti, m^\c.hdn4i „erschlägt". Mit Stämmen auf Vokale 
war 0, e seit idg. Urzeit kontrahiert: daher arkad. tamiot, kret. arnnai 
ninätai (vgl. aor. nuai^iai)^ messen. Jilhr^vvi yQccffr^vxi u. dgl., s. Vf. M. 
U. 1, 8, Osthoff, 2, 115. 117. 122, Spitzer, L. d. a. D. 39 f., G.Meyer, 
Gr. Gr. 2 501, Johansson, De der. verb. 69 (anders, aber mich nicht Ober- 
zeugend, Mekler, Beitr. 33). Die stammabstufenden Präsentien und Aoriste 
hatten starke Stammform und zwar 1. Hochstufe, z. B. ^« = ai. ds-üni, 
lat. er-o von c5-, s-. Ebenso der conj. pf,, hom. nS-o-fUfv gegenüber otSa : 
tSn&v (sj 132), und der conj. des (T-Aorists, z. B. dtt^u) (^ 137 a). 

Dieses im allgemeinen die aus der idg. Grundsprache mitgebrachten 
Bildungsprinzipien. Schon von Homer an gingen diese Konjunktive in die 
Analogie von 2. über, z. B. uXi^tai, niinl<ü)iuv, eine Neuerung, die bei dem 
gleichen Ausgang der 1. sg. nahe lag und dadurch unterstützt wurde, dass 
die Formen mit r^, oi als Konjunktivformen klarer waren als die Formen 
mit f, o. Doch erscheinen im lon.-Att. auch noch nach Homer Formen 
mit f, o. In der 3. sg. auf Inschriften des 5. Jahrb. von Ephesos, Tods 
und Chios -fi, wie (inox^vil'H, neben f^^-tXtj, und in der 3. pl. nfftj^otctv neben 
laftumv, letztere Formen mit i durch lesbischen Kinfluss, s. W. Sciiulzk. 
Hermes 20, 491 ff., Bkchtel, Inschr. des ion. Dial. 90 f. 107. 110. 138. 
Ferner hielt sich die alte Formation in den als Futura gobrauchUn Kon- 
junktiven fSoiitti (vgl. fdiuvat)^ nhfitti (vgl. /rf^i und die 2. sg. nifj in 
imperativischem Sinne in einer att. Vaseninschrift: x«'V. *''* ^'h* •• 9 ^^^K 
X*'w aus *x*r« (^X*«. ^X*''«). »• Vf. M. U. 3, 32.') Ausserdom im Krot 
3. sg. Jef^H neben j5, tftvaxj^, s. J. Baunack, Stud. l. 1 f. 247. 
scheinbar sehr altertümlichen Formen wie ait]ofu%\ //»>/i#i\ Staofuw xixf/f 

•) Ob«r dit« hier mit herAngexogeno nnMKiiort9i s. Wackmhaukl. K. /.. > 



J72 A. Griechisclie Grammatik, c) Flexionslehre. 

(^€v, TQam^ofiev, yvMoiisv (und mit Eindringen des langen Konjunktivvokals 
arrjißg, arrjo)fi€r u. dgl.) neben ark. i(näToi u. dgl. waren Neubildungen 
(§ 17). Die Vokalisation der Wurzelsilbe kam oft durch Formübertragung 
aus dem alten Geleise, z. B. l'co (att. iwfxsv) für *«Xj^)-^^ ebenso hom. 
(fihisrai für *yi9^f(/)-«-Tat; hom. iop.€v hatte nach Analogie von SMOfxsv etc. 
langen Vokal angenommen (anders Osthoff, M. ü. 4, 53); hom. Ti6noi^o{.uv 
iür*7T€7T€i^ofi€i\ weun sl'dofjisv den alten Bildungstypus darstellt (§ 132), u.s. w. 
2. Suffix (0, 7], wo der Indik. den thematischen Vokal hatte: 
(fSQwiisv (fsQrjTs, iScoiiev l'drjTs; vgl. ai. 2. pl. hhärätha, viddtha. Nicht laut- 
gesetzlich war die Vokallänge in (fsqwvTi [(fsq^ai), (ftQoovrai (s. § 26). 
Über das Verhältnis dieser Konjunktivkategorie zu lat. ferä- (feräs), aksl. 
lera = uridg. ^hherä-m und lat. fere- (feres), s. Schrader, C. St. 10, 
306' f., Vf. M. U. 1, 145. 3, 30 f., Osthoff, M. U. 2, 123 if., Thurneysen, 
Bezz. B. 8, 269, Henry, Esquisses morphologiques 3, Douai 1885, Job, 
Mem. d. 1. S. d. 1. 6, 347 ff. 

143. Injunktiv (auch „unechter Konjunktiv" genannt). Von diesem 
idg. Modus, dessen Formen sich mit denen des dazu gehörigen augmen- 
tierten Indik. nach Abzug des Augments deckten, kamen im Grriech. die 
2. sg. pl. du. und die 3. du. vor mit imperativischer Bedeutung, z. B. 
(TX"«-?, oty-s-Q, ^og (für *Jwg nach 66ts u. s. w.; vgl. xar-sxTa für '^-£xt8v{t) 
§ 112), vgl. ai. hhdras, das; (pi'Qsvs^ Saus, dei^ars^ vgl. ai. hhdrata; (fSQ8rov^ 
vgl. ai. hhdratam; das äusserst seltene cpsQsroyv (vgl. ai. hhdrafäm) stand 
für *(f€Q€Täv durch Angleichung an die Formen auf -t(o{S) (§ 144). Med. 
g)do, ^eo ^ov, (fsqso (fsqov, (fdad^s u. s. w. Benfey, Kurze Sanskr.-Gramm. 
89 f., Delbrück, S. F. 4, 68, Vf. M. U. 3, 1 ff., Osthoff, M. U. 4, 254 ff., 
Thurneysen, K. Z. 27, 172 ff. 

144. Imperativ. Ausschliesslich Imperativisch waren von idg. Zeit 
her folgende Formationen: 

1. Die 2. sg. (f8Q£, ai. hJidra^ idg. "^hhere. Diese Form entbehrte 
ebenso der Personalendung, wie Ihres des Kasuszeichens. ISs, laßt etc» 
hatten, wie die Formen des Verb, infinitum, den idg. Accent fest gehalten 
(§ 67 S. 85). Von gleicher Art waren die 2. sg. oiivv, att. «öt?; dor. larä, 
äol. epir. ttw u. a. Es scheint Zusammenhang mit lat. ce-do „gib her" aus 
*c^ö und den ai. Formen wie hur-u s^-nu bestanden zu haben. Griechische 
Neubildungen nach der Analogie der «o- Klasse waren o^vvs^ xa^-iarä (dor. 
larrj), Ti^€i, di6ov, %a-ßä (dor. 's^i-ßri) u. a., s. § 115 a. 116. 

2. Die 2. sg. auf -d^i der themavokallosen Stämme, mit schwacher 
Stammform, i-d^i, deiSi-S^i [SäSpi-^i)^ ofjtvv-S^i,, vgl. ai. ihi (idg. H-dhi), ved. 
^l'-nu'dhi. Ob -dhi etymologisch eine Personalendung so wie -mi -si etc. 
war, oder eine angefügte Partikel, ai. dhi (Nebenform von adhi), wofür das 
Nebeneinander von srnu-lii und 5^n^* spricht (vgl. Thurneysen, K. Z. 27, 
180), oder ob es mit dem Infinitivsuffix -S^ai^ ai. -dhyäi (§ 146, 1) zu- 
sammenhing, so dass in den Formen auf -dhi imperativisch fungierende 
Infinitive vorlägen (Ludwig, Inf. im Veda 135), ist unklar. 

3. Die Formen auf -tw, lat. -töd, -tö, ai. -täd, idg. *-töd, fungierten, 
wie der Gebrauch in den verschiedenen Sprachen lehrt, ursprünglich als 



4. Verbalflexion. (§ 143 145). J73 

2. und 3. Person sg. und pl. und enthielten demnach in -töd keine Personal- 
endung. Von den verschiedenen Erklärungen ist die wahrscheinlichste die 
von Gaedicke (Accus, im Veda 225, vgl. auch Thurneysen, K. Z. 27, 
179 f.), nach welcher idg. "^hherc-töd aus dem Verbalstamm und Partikel *töd 
(„von da an, dann", abl.) bestand. Als 2. sg. erscheint diese Formation 
in ild^eTüi-g ' drzl rov sXd^t . ^cdam'vioi (Hesychius), durch angefügtes -c 
(nach J/'Jöj-c, cxt-g etc.) als 2. sg. charakterisiert (Vf. K. Z. 24, 75). Nach 
dem Verhältnis (figtie : (ftQsaO^s und ähnl. schufen sich die Griechen ein 
mediales -c^yw.i) In der Funktion als 3. pl. wurden die Formen auf -r«, 
-(r,>w in den verschiedenen Mundarten auf verschiedene Weise pluralisch 
charakterisiert: (ffQtioj-r, (ffQtTw-aar, (fegoivo) (vgl. lat. feruntö), (f&qövnn'V, 
(fSQoi'Hü-aav; (fiQta0^o)-v, (fsgt'a&co-aav, (fegoaO^ü), (f€Q6a0^o)-v (aus *(ftQova^(a, 
*(f:eQora^(0'V, § 55), vgl. die Zusammenstellungen bei G. Meyer, Gr. Gr.* 
498 ff.-^) Das als 3. pl. fungierende korkyr. (ftqtaO^o)^ das ich M. U. 1, 172 
als Zeugnis für den Sprachzustand in Anspruch nahm, wo die Formen wie 
(f,6otT0) noch zugleich pluralisch verwandt werden konnten, lässt auch die 
Deutung zu, dass das formale Zusammenfallen von 6166a O^m 3. sg. und 
6i6öai}(ü aus *6i6ov(r0^a) 3. pl. den Gebrauch der 3. sg. ifsqiaO^fa auch als 

3. pl. hervorrief (Osthoff, Z. G. d. P. 595 f.). Die auf einer jungen böot. 
und einer jungen phok. Inschrift vorliegenden Medial- und Passivforineii 
latdv^ü) und tardvO^on' (Blass, Rhein. Mus. 36, 610) waren Neubildungen 
für iaida0^o){v) mit Anlehnung an die Aktivformen, um die 3. pl. als solche 
deutlicher zu charakterisieren.'') Auffallend sind lesb. (ft'QorToi\, (ftQtal^ov: 
möglich ist (vgl. die überlieferten Endungen der 3. pl., Meister, Gr. D. 1, 187), 
dass in ihnen Umbildungen von ^(ftQovTüoaar , *qFQsai>(ü(Sctv nach J^yvov : 
^iyvoiGuv u. dgl. vorliegen; anders Thurneysen, K. Z. 27, 175 und Prellwitz, 
De dial. Thessal. 56, der (ftQtaO^ov für eine pluralisch gebrauchte Dualform 
und (ftQovtov für eine pluralische Umgestaltung der Dualform ^tQftor hält. 
Über -10) (-a^ü)} im allgemeinen Scherer, Zur Gesch. d. deutsch. Spr.* 389 f., 
Vf. M. U. 1, 163 ff., Osthoff, Ztschr. f. österr. Gymn. 1880 S. 64 ff. 

Über den Ursprung von zwei Imperativformen bestehen nur unsichere 
Vermutungen: 1. 6H'4or, syrak. Xdßor, s. Vf. Bezz. B. 2, 250, Thiun- 
eysen, K. Z. 27, 175, Pezzi, L. 1. gr. ant. 250; 2. 6er^ai, s. Thuknevskn, 
a. 0. 178, Bezzenberoer, Gott. gel. Anz. 1887 S. 428 (jedenfalls verfohlt 
ist Pezzi's Deutung von -aui S. 249 f.). 

145. Optativ. Zwei allüberkommene Bildungskategorien: 
1. Suffix 'ie- 'iir- (sg. act.): -?- (pl. du. act. und sg. pl. du. um«!.). 
wo der Indik. ohne thematischen Vokal war, z. B. tn^r : **'/i*»', urgrioch. 
♦^<y-(r^v (vgl. S 12): ♦^<r-^/i*l', vgl. lat. siettt aus ♦«-iV-wi ; s-fmus, ai. s-ifd-m 
(8 112). 3. pl. urgriech. *fJav aus ♦«V-i-rti(f) = idg. *(e)8'i'tU; dafDr die 
Neubildung thv (g 21, 2. 107. 112). Kypr. yiV,. ^*^V' war Umbildung 
von »^*(i)vv nach ^ttfitv (vgl. lesb. laxor^r und Ü 12), yvo/vv eine solche 

') In Ähnlicher Weise bildeten die U- I ') Im Böot. b«U« freilieb auch di« Aktiv- 

ti'inir «In mediales -minO nach to, Vf. M. form, wie »oniit, • tUU f bekommen, »o «, 

Y I ]tiw fl- B. tty'y^n*tnif9m, und dif««« 9 iiUmmt« vipI- 

'■') Filr v«»rfohU halte ich Bi»w«»Mi«i»*« leiobi mm dem Mtdium - ^ M«;, Fu«in. II. 
OpfKNtition (iött. gel. Ans. 1887, 8. 429. 



2<74 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

von *Yvct){j^)r]v nach yvoti.isv (§ 114). ti^siyjv, didoirjv für '^Ti^-n]v, ^SiS-irjV 
(vgl. ai. dadhydm, dadydm), wie Ti^e-f^sv für *ti^-fi€v (§ 115); auch die 
Betonung erweist Ti^sTjuer, SiSoTiiev als unursprüngliche Formen, sie zeigt, 
dass diese Optative der Analogie von 7TaQ-€irjv slödriv folgten, deren pl. 
7iaQ-eT}.i8v dösT^sv, als aus "^nccQ-bd-i-fxsv '^sidta-i-fisv entstanden, organischen 
Zirkumflex hatte (Wackernagel, K. Z. 27, 88). Med. xa^-f^ro, das freilich 
nicht ganz sicher steht (Curtius, Vb. 2^, 107), aus *rja-i-To; dasselbe i in 
den Neubildungen !^i€(.ivfjfirjv, xsxzf^fxrjv (lautgesetzlich wären ^insfiraif^iriv, 
'^xexTsifjirjv). Ein alter Opt. des s-Aorists war das eben erwähnte slösii^v 
Hd8^i8v (§ 137, b). Ob Uiriv (T 209) direkte Verbindung mit j]hv für 
^1,-6'aa (§ 137, b) hatte und demnach, für Hs-a-iirjv stehend, ebenfalls 
noch die alte Optativbildung des s-Aoristes war, oder ob es Neubildung 
nach sldsiTjv war (vgl. i-t'vai : sld-tvai), so wie dsöisniv (Plato) sicher nach 
eidair^v geschaffen war (vgl. ösdi-hvai : dS-tvai), bleibt zweifelhaft. Sd^aipi 
dsi^aig u. s. w. war Neuschöpfung nach dem Muster von -oiiu -oig, die 
leicht aufkommen konnte, als das a des tr-Aoristes weitere Ausdehnung 
gewonnen hatte und gewissermassen zum thematischen Vokal dieses Tempus 
geworden war (Vf. C. St. 9, 313). Die Form deC^siav ^vertrat "^dsix-asa- 
(-«r, im Ausgang wie *fV-/-ai' (s. o.) gebildet und dem lat. dixenmus aus 
*deic-sis-t-mus vergleichbar; nach ihr wurden dsi^siag, ^si'^sis geschaffen 
(Vf. M. U. 3, 64 f.. Osthoff, M. U. 4, 295, G. Meyer, Gr. Gr.2 508 f.). 
Über die arkad. 3. sg. opt. SiaxooXvcsi s. Curtius, Vb. 2 2, 293, Vf. M. U. 
3, Q^^ f. 159, Spitzer, L. d. a. D. 59 f. Ein alter perfektischer Opt. war 
iifTairjv, nur dass im sg. das t nach saTaT/j^sv neu eingefügt worden war. 

Vom sg. aus ging -u]- oft in den pl. und du. über, z. B. shii.i£v für 
siiisv nach sTyjv. 

Umbildung nach 2.: z. B. hom. £o«, herod. vtio^soito, allgemeingr. 
Tcscfsvyoi u. s. w. 

2. Suffix -^-, wenn der Indik. den thematischen Vokal hatte, (fi'Qoig, 
idoig, vgl. ai. bhdres, vides, idg. "^hherois, "^uidöis. Dieses Suffix ist mit 
dem der themavokallosen Tempusstämme leicht zu vereinigen, wenn man 
mit Bopp (Über das Conjugationssyst. 15) ^hherois — "^bhero-t-s setzt. 

Umbildung nach 1.: z. B. (Txoirjv, g)doirjv infolge der Übereinstimmung 
von (Txotfji€v, (fiXotfisv (aus (fiXsoijiei') mit dotßsv, diSoTfisv (Osthoff, M. U. 
2, 118, Wackernagel, K. Z. 27, 88). 

Bildung der Infinitive und Partizipien. 

146. Die Infinitive der idg. Sprachen sind erstarrte Kasus von 
Nomina actionis. Vertreten waren imGriech. der Dat., z. B. 66-ii€v-ai (§ 81), 
und der Lok., z. B. d6-i.isv (§ 82), zugleich auch der Akk., falls syrak. 
Xdßov für Xaßs (§ 144) eine imperativisch gebrauchte Infinitivform war. 

1. 'd^ai : Tja-S^ai, nsTiva^ai. Vgl. ai. 'dhyäi, mit welcher Endung 
-d^ca indessen nur entfernter zusammenhing, -a-d^ai wie -a-O^s (§ 108). 
Ob ianäqd^ai iaräXd^ai aus "^ianaqa^ai "^iaTaXa^ai hervorgegangen war 
oder noch die alte (X-lose Form der Endung hatte, ist fraglich (vgl. scxTtaQ^s 
§ 108). TTSifocv^ai, das jedenfalls nicht aus "^Tuscpava^aL entstanden war, 
wie J. Schmidt, K. Z. 27, 319 will, dürfte Neubildung nach sanccqdai 



. 4. Verbalflexion. (§ 146.) I75 

gewesen sein, vgl. § 108 über TTtifur^^s. Den medialen Sinn bekam die 
Endung erst infolge der an -^f {-a-^t) u. s. w. erinnernden äusseren 
Gestalt (Delbrück, S. F. 4, 123). Thess. eaata^siv für ^aatai^m wie 
youipeiv für yqäipai (unten 6); si r= ai § 15. 

2. -uei'-ai dat. hom., lesb.: rd-iifi-m = ai. vid-mdn-e, i^fievai, l^ivy- 
rvu€vai, doiitvai, yvw^tvai, darjinsvai, iaTd/nevai, asiStfievai^ iX^tfuevai, 
üi't\uerai. -(.lev loc. (vgl. ai. loc. Mr^rmn, s. § 82) bomerisch und vieler- 
orts sonst, z. B. bom. i'^juer, ffjifiir (kret. el. t'^ntr, nordwestgr. fifur), 
öüivfiev, 66^61', tazäiiav, dyipsv, sXvß^t^ufv, d^t/nsr. Umbildung von -fitv 
nach (ftQ-tiv war rhod. -^ifir, z. B. ^t'-ineiv, fi\nHr (Vf. M. U. 1, 175). 
Kret. dö^ir^r, ]]iu]v (neben eUtv, xava-axtr nacb 5) entbielten wahrecheinlich 
nur eine andere Hocbstufenform des Stammbildungssuffixes als <fo-/«*r und 
vergleichen sich den av. Lokativen auf -an. S. g 71, 4 S. lOG. 

3. 'fir-ai dat. : kypr. Soptvai (Accent unsicher), vgl. ai. da-vun-P; 
i-tiai, ötdt-ivai, tsO-vccvai aus HaO^^a-perai, wohl auch sid-ivai (vgl. av. 
vid-van-üi);'^) ferner a^iw aus ""m^pivai. Das Sprachgefühl abstrahierte 
einen Ausgang -vai, der besonders im ion.-att. Gebiet Verbreitung gewann 

' und sich an die Stelle von -^utr setzte: so entstanden Sv-vm, di6ö-rai, 
itl^vcc-vai u. s. w.; tivai arkad. i]vai waren unmittelbar aus *7jufr yur 

I umgebildet, ein "^iavai existierte nie. Vgl. Vf. M. U. 3, 21 ff., Wackku- 
NAüEL, K. Z. 25, 273, Phil. Anz. 1887 S. 235 f., Osthoff, M. U. 4, G4. 130, 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 512. S. § 71, 3 S. 105. 

4. *'p€v loc. (vgl. ai-bv, ai. loc. ddh-van, § 71, 3) oder wohl eher 
"^-atr loc. (vgl. ved. inf. auf -san-i) in ion. att. fftQtiv lokr. tfägeiv dor. lesb. 
el. (ftQi^v thessal. (ftgtii' aus *<ffQt'i:r, ion. idtsr (so bei Homer statt idt^n 
zu lesen, s. Renner, C. St. I 2, 32 if.) att. l^eTv, (fiXieiv (fiXeir, o^dttr o^iiv 
(vgl. (futnog (fävog), /^uff^osir {Xiai^ovv (vgl. ohoirig onorc). Vgl. § 71, l 
S. 105. Jüngere Neubildungen nach der Analogie dieses Typus waren 
dovv (Theogn.j, Si6ovv tix>tXv i^-elv (Oropus), lesb. ^eO^vaO^t^v u. a. Vgl. 
Curtiu.s, Vb. 22, 118 ff. 131. 

5. Nicht sicher erklärt ist -v nach dem thematischen * im dor. ark. 
-<-r, z. B. vTi-ttQxe-v, avv-ayayt-v. Da es keine altüberkommene Kategorie 
von Wurzelabstrakta mit Suffix -m- gab und an die wenigen auf griech. 
Boden entwickelten wie uyiöv [uytv zu dyu\v, wie ui'([:)iv zu «/-(y^jcör, g llf>) 
anzuknüpfen zu kühn wäre (Spitzer, L. d. a. D. 5(3 Fussn. 2 scheint nn 
einen solchen Ursprung zu denken), so liegt der Gedanke an eine speziell 
griechische Umbildung aus einer andern Infinitivkategorio nahe. Vermutlich 
gab das altererbte Nebeneinander von So-fti^r und do-ftfr (2) Anlass, neben 
y*^//i' ein tfigtr zu stellen. An -m- als Neubildung nach -"*• «^-'t* rtuch 
Baunack, Gortyn 75. 

6. -aai dat., dtt^ai, zu ai. -.*»>', ji'^\ s. § 71, 4 tS. llo. ThoKH. 

Vl''yQftlfffii' mit ti = «t (>5 1'^ "'"1 "»?'•'?>! immIi «l*-!- AnaluLMi» Villi aiiili 

Infinitiven angefügten -r. 

W11.11RLM. Do infinitivi lin^ .) 
de« Inf im Indogorni., 1H7M, Wiii Im 

I fil man (lu^ -lyat dtn IVrfoktii 

Wk ^cwoiioii Mviii, oiw» in tUirm 

(vgl. tiMuiy). H. Virrf. M. U. 8, 19 IT., 



\\\ 



<\\ ' 


.r. («r.» .'• 


Jon A 

»tufil.iwi. 

f«kUi itUKbt k. 





276 A. Griechische Grammatik, c) Flexionslehre. 

147. Partizipia. 

1. -nt-j -nf-: Xsitimv, Xitviöv, X8(if.)Ctg, Xt-iipwv § 72, 3, fem. auf *-r'T-(« 
§ 70c. Neubildungen nach dieser Formation waren lesb. ntnXr^QMxm' u. 
dgl., § 134. 

2. -(/^)«g, 'Via (-(f)«a), -[p)öc. § 73, 4 und 70c. 

3. -i^ii-vo-, das mediale Suffix aller Tempora. Daneben -/tro-, -aro-, 
-öro-. § 70, 7. 

4. -xo- : z. B. xXv-iö-g, ai. Sru-td-s; meist adjektivisch erstarrt. 
§ 70, 14. 

5. -Tfo- : 6o-T£ü-g; wahrscheinlich aus "^-ts-j^o-, § 70, 3. 

6. -ro-, bedeutungsgleich mit -ro- und einst ein lebendiges Partizipial- 
suffix, wie noch im Indischen und Albanesischen (vgl. G. Meyer, Alban. 
St. 2, 76); nur in wenigen Formen vorhanden, die als Adjektiva erscheinen: 
atry-vö-g, (Xs/j.v6-g aus ^aeß-vo-g (§ 43), atsy-vö-g, dy-vo-g. Vgl. ai. hhtig-nd-s 
„gebogen", lat. ple-nu-s „gefüllt" (adj.), u. a. § 70, 4. 

7. -10- in den Adjektiva dy-io-g, arvy-io-g = ai. -ya-, -iya- (lebendiges 
Suffix, z. B. in ydj-ya- „venerandus"), lat. ex-im-iu-s (adj.), u. a. § 70, 2. 



8 y n t a x. ) 



1. Das Verbum. 

148. Eigentliche Verbalformen waren nur die mit Personalendung 
versehenen Formen : Indik., Konjunkt, Injunkt., Imper. (vgl. § 144), Optat. 
Doch nahmen der Infin. und das Partiz., z. T. erst infolge sekundärer 
Angliederung an das Verbum finitum, an verbalen Beziehungen und Kon- 
struktionen Teil (/ifTo^ji), an der Kasuskonstruktion, der Zeitstufe, der 
Aktionsart und der Diathesis. 



Die Genera verbi (Diathesis). 

149. Für die passive Diathesis haben die idg. Sprachen keine be- 
sondere Form. Alle eigentlichen Verbalformen mit passiver Funktion sind 
entweder Aktiv- oder Medialformen. Die Unterscheidung zwischen Passiv 
und intransitivem Aktiv und die zwischen Passiv und Medium in unsern 
Grammatiken sind vielfach rein subjektiv. 

150. Die Formen mit aktiver Personalendung bezeichneten im Griech. 
wie anderwärts den Vorgang schlechthin, ohne die Nebenbeziehung, welche 
durch die (wahrscheinlich jüngeren) Medialendungen angedeutet war. Sie 
hatten seit der idg. Urzeit teils transitive Bedeutung (y*pw), teils intran- 
sitive (*//i/). Dieser Gegensatz beruhte aber lediglich auf der Bedeu- 
tung der Wurzel. Durch VVeglassung eines Objektkasus wurden Transitiva 
zu Intransitiva, z. B. eXavvm (sc. Innov) „ich reite", und der ObjoktkoMUS 
kam in dem Masse in Vergessenheit, dass man Konstruktionen wie fXttviwv 
urü x()i(iog id()Ovvii tt^) l'nnio (Xen. an. I 8, 1) schuf. 

Auf Grund der intrans. Praeterita wie faxXi^r, 'ifUr^y, ^Qifvi,t\ dSfifn^r 
erwuchs auf griechischem Boden die Kategorie des .Passivaoristes' 



..r 



') Vgl. Hrrkiiandy, WiÄgeiMichafllicho 

fax der KTU'cU. Sprache, 1821i. K. W. 

f.lchro, .V Aufl. I87Ä. 

(iraminat. IP. 1870. 

IM '. II der ffriech 8yn* 

U\ i\. 1H79. MoilBO. 

^ < iKiii'iMiii iii in< liwiiMiic dialMt» 1882. 

/.i, La lingtia grecn aiitica, 1888. 



Mit Rnckiiit'hl auf V '' 
rim lu VorIcN. Ober dir k 
der dio Littcratur r 
aUndig vrrxrirlinri 
Iralbl. lt*ki. S. '.. 
1241 ff.), wird im 

Hg^hl.r liifltlttiiiiir 



lUit'lhuoli der 



IL t. AtlfL 



178 -Ä.. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

(§ 114, Delbrück, S. F. 4, 75 ff.), zu deren Herausbildung der Gegensalz 
der trans. Bedeutung des sigmatischen und der intrans. des starken Aorists 
(sßrjaa : ißr^v u. s. w.) wesentlich beitrug. Nach dem Aufkommen dieser , 
Aoristkategorie gab der mediale Aorist seine altüberkommene passivische 
Funktion nach und nach auf (§ 151). 

Während die Formen wie sqqvtjv s^dfirjv von Haus Aktiva waren 
und zum Teil blieben (z. B. sQQvrj Praet. zu gd), entstanden die wie sdo- 
^r^v €xT(x-i>rjv nach Wackernagel's Hypothese in Anknüpfung an die 2. sg. 
med. mit der Personalendung -i5^ryg — ai. -thas^ s. § 108. 114. Auf Grund 
dieser Hypothese erklärt sich gut, dass die i9^/;t'-praeterita nie den Aorist 
zu einem praes. act. bildeten und dass sie anderseits bei Homer und noch 
später vielfach mit medialer Bedeutung neben den sonstigen Medialformen 
auftreten (Deponentia), z. B. bei Homer alSt'a^rjv gleichbedeutend mit 
alds(fdiiit]v, ixo^w^rjv gleichbed. mit ixoXwad^rjv, att. ijcf^riv, disXsx^rjv. Der 
aktive Ursprung der Aoriste auf -ijv erklärt, dass neben Scfdvrjv im Dor. 
(pavr](T€Tv als Fut. erscheint; und ebenda avv-ax^rjaovvTi dsix^rjasTv u. dgl. 
(Ahrens, D. Gr. 1. d. 2, 289 f., Blass, Rhein. Mus. 36, 612), weil das 
-<i/^ryo'-Futurum überhaupt erst dem -ryö'-Futurum nachgebildet war. Vgl. 
Wackernagel, K. Z. 30, 304 fP. 

151. Die etymologische Konstitution der medialen Personalendungen 
ist unaufgeklärt, daher kennt man auch nicht die Grundbedeutung derselben. 
Die verschiedenen Gebrauchsweisen des Mediums im Griech. einschliesslich 
der passivischen waren, wie es scheint, alle auch schon in der idg. Grund- 
sprache vorhanden gewesen. Über die unwissenschaftliche Unterscheidung 
eines dativischen und akkusativischen Mediums s. Vf. Fleckeis. Jahrbb. 
1880, S. 664 ff. Da der „Passivaorist" Siui -rjv eine verhältnismässig junge 
Schöpfung war, so ist anzunehmen, dass vor seiner Ausbildung die medialen 
Aoristformen (wie im Indischen) auch passivisch gebraucht wurden. Aus 
dieser Zeit stammten noch die passivischen sßlrjTo A 675, dnsxTaTo O 437, 
aT€(favw(Tä^€vov Pind. Ol. 7, 15 u. a. (Kühner 2^, 103 f.), denen man 
z. T. die passivisch-intransitive Bedeutung ohne Not hat absprechen wollen. 

Alte Medialformen waren aber im Grunde die Aoriste auf -^rjv (§ 150), 
und so hat man auch deren passivische Funktion als altüberkommen an- 
zusehen. Gerade der Umstand, dass die Medialformen seit uridg. Zeit auch 
passivisch gebraucht waren, hilft es erklären, dass Formen wie sdö-di^g 
€Ti--d^rjg der analogischen Einwirkung solcher wie fVa^iyg, durch die das 
neue Paradigma entstand, verfielen. Dass sich im Aorist, wo transitive Aktiv- 
formen wie sTQsipa sTQarrov bestanden, im grossen Ganzen die zugehörige Form 
auf -d^rjv auf den passivisch-intransitiven Gebrauch beschränkte, wurde 
durch die Form auf -rjv bewirkt, der diese Funktion von Haus aus als die 
einzige zukam, und im Gegensatz zu -rjv^ -^r^v zogen sich dann -adfxrjv und 
'OfATjv u. s. w. mehr und mehr vom Passivgebrauch zurück. 

152. Die Infinitive waren als nomina agentis (z. B. St. So-fuev- „das 
Geben") gegen die Diathesis von Haus aus indifferent und blieben es z. T. 
auch noch in der historischen Gräzität, indem alle sog. aktiven Infinitive 
in bestimmten Fällen auch passivisch fungieren konnten, z. B. 2 258 



1. Das Verbum. (§ 151-154.) ;^79 

i,i]iTtQoi TToXf^i^air t'^acci; Thuk. 1, 138 Qff^uaroxXijg ci'^iog ^avjudaai. In 
die Inf. auf -«^«/ {i]g-^ui) zog der mediale (und passivische) Sinn erst infolge 
der formalen Assoziation mit -i^s (la-i^e) etc. ein (g 146). dai^ii^rai 6o&t]y(a 
wie eda^ir^v idöi^t^v, s. § 150. 151. Von den Partizipia (§ 147) hatten 
die auf -{^uvo-g schon in der idg. Ursprache medialen (und pass.) Sinn, der 
ihnen immer verblieb. Die Formen auf -ro-g fungierten von alters her 
teils passivisch, wie nsmo-g = ai. ])aMd-s lat. cocfu-s (idg. ^pcqfü'-s), teils 
aktivisch, wie ^i^ro-$^ — ai. srutä-s (idg. *srutö-s), vgl. Vf. Grdr. 2, 200 ff., 
423 f. 

153. Der sog. kausative Gebrauch des Akt. und Med. (z. B. Xen. an. 
I 4, 10 Ki'Qog TU ßaailtia xaxtxavatv „Hess niederbrennen", Plat. Menon 
p. 93 d Tov vlov iSidä'^aio „Hess seinen Sohn unterrichten") beruhte auf 
einer Breviloquenz, die nicht als eine Modifikation der Grundbedeutung der 
Aktiv- und Medialformen gelten darf. 

Die Tempusstämme. 

154. Aktionsart und Zeitstufe im allgemeinen. Der Präsens-, 
der Aorist- und der Perfektstamm (z. B. Trei&o-^ TisiO-e-; nsia-; nenoivf^, 
nsni^-) bezeichneten verschiedene Arten (Qualitäten) der Handlung und zwar, 
nach der gewöhnlichen Definition, das Präs. die dauernde, der Aor. die 
eintretende, das Perf. die abgeschlossen vorliegende Handlung (Aktionsart). 
Vom Standpunkt des sprechenden aus erschien die Handlung entweder 
als gegenwärtig (nstO^ü), TTtnotO^a) oder als vergangen {entiO^ov, f/rt&ot', 
ejitniO^ov, ^Tinaa, sTttniO'fxsv, inenoix^eiv) oder als künftig {nsiaw, Tri^i^cr«, 
ntntlhi[a(t)) (Zeitstufe). 

Während jeder Vorgang als in jeder der drei Zeiten liegend dargestellt 
werden konnte und die Mittel der Zeitbezeichnung für jedes Verbum von 
Haus aus dieselben waren, vermochte man nicht von jeder Verbalwurzel 
die verschiedenen Aktionen zugleich zu bilden, da die Bedeutung vieler 
Wurzeln so eng war, dass sie die eine oder die andre Aktionsart ausschloss. 
So Hess z. B. der Wurzelbegriff von oqüiü (das hütende, sorgliche Betrachten, 
8. CuRTius, G.'' 101) die Bildung eines Aorists, umgekehrt derjenige von 
f^vf-yxor (hinbringen, ans Ziel bringen, erreichen machen) die Bildung eines 
(durativen) Präsens nicht zu. Delbrück S. F. 4, 92 f. Hieraus erklärt 
sich, dass sich öfters ein Verbalsystem aus verschiedenen Wurzeln mit 
verwandter Bedeutung zusammensetzte, wie ogao) ttdor, ^^qw i^rt^Y^ov. 

Anmerkung. Der (iegcnHatz der prtt«onti8chen und der aoristüchon (imptTfektiven 
und perfektiven) Aktionwurt konnte, wie in andern Sprachen, »o auch ini Qriecliiacbon Ober- 
dieH dadurch zum Auhdruck gebracht werden, daiw man zur Darstellung der )oUt«n»n 
AktionHart eine PrttpoHition zu Hilfe nahm, wie xattttrevyn»' neben tfivyar. linotf^QHt 
neben (ftQety (vgl. z. H. Xen. Hell. I, <}. 10 K6yMy tT ffitys r«iV yavaiy id nktovattn, 
xm xuttttftvyti n'i Mviih]vijv liji Aiajiov .die Schiffe, mit denen K. auf der Kliulii 
war, fuhren gut. und er gelangt glücklich nach M.* Vgl. lat. mpi : roii-nr'/Mi. d.iHs. Ii 
"hen : erwachen u. dgl. (Kbbl, KuhnSchleieherH Beitr. zur vergleich. »*<prarl/ 
ff.. CuRTiUH. KrlÄut 17« f.) Ym verdient nftboro Internuchung. wie we«i 

milcher ]) imler AundruckhweiMo in der biMtorinchen (trftzitAt mit «n m ».i 

de« Hed< rHchiedcM zwi»chen l'rfttienii und AoriiitJilamme« Hand in Hand 

Vgl. auch iiii'i t'inui gegenüber #?/« § IMi. 

Wilhrciid alle Formen cineH TenipuBataninieH (auch Inf. und Part.) 
i'iiii i sjg die dem Stamm zukommende AktioiiMurt dnrbtellUMi. hnfteto 



1 



230 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

die Zeitbedeutung zunächst nur an den Indikativformen. Die Gegenwart 
des sprechenden war durch kein Sprachelement besonders bezeichnet (vgl. 
§ 150). Die Vergangenheit nur durch das Augment (§ 109). Der Be- 
griff der Zukunft verband sich schon in vorgriech. Zeiten mit dem Ele 
ment -cfo- -as- [dsix-ao-^^itv), mag diese Futurbildung der altindischen 
mit -sya- entsprochen haben oder Konj. des s-Aorists gewesen sein (§ 140); 
doch kann der Zeitbegriff in keinem von beiden Fällen als der Ursprung 
liehe Sinn der Form angesehen werden, und er tritt am Partizip (§ 163) 
nirgends ganz rein hervor; der opt. und der inf. fut. waren jedenfalls 
griech. Neubildungen (§ 163). 

Die voluntative Bedeutung des Konj. näherte sich oft der futurischen 
oder ging geradezu in die rein zeitliche über (ein schon uridg. Gebrauch 
des Konj.), s. § 165; hierher auch die Futura wie dei^m, sofern sie conj. 
aor. gewesen sein sollten (s. o.). Ebenso ging auch der potentiale Optativ 
oft auf die Zukunft (§ 166). 

Wenn die Zeit der Handlung nicht direkt von der Zeit des redenden 
aus, sondern von derjenigen eines andern Vorganges aus, von dem zugleich 
die Rede ist, bestimmt wird, so spricht man von „relativer Zeit" (vgl. 
dixerat Jiaec, cum jmer advenit). Das Griechische hatte keine Form des 
Verbum finitum, die an und für sich relative Zeit (Gleichzeitigkeit, Ver- 
gangenheit oder Zukunft mit Bezug auf eine andere Handlung) bezeichnete. 
Wenn z. B. eine Präsensstammform gebraucht wurde, wo das Verhältnis 
der Gleichzeitigkeit bestand, so war es nur der Zusammenhang, aus dem 
sich diese Beziehung ergab, wie in 5 77 zoiai 6' avsarrj Ni'aTWQ, og ()a 
JIvXoio ava^ r^v (damals war). Ebenso ergab auch nur der Zusammenhang 
die Bedeutung der Vorvergangenheit, wenn ein impf, oder ein ind. aor. 
gesetzt wurde und die durch diese ausgedrückte Handlung einer anderen 
mitgenannten, ebenfalls in der Vergangenheit liegenden Handlung voraus- 
ging (die Wahl zwischen impf, und aor. hing hier lediglich von der Aktionsart 
ab, die zum Ausdruck kommen sollte) : z. B. B 628 roh' av^' rjsfiövsvs 
Me'yr^g . . , ov tixts diixpiXog inTioTa (IfvXsvg, B 513 twv rjQx' 'AanccXag^og 
xal 'laXfiisvog, vieg 'jQrjog, ovg t&'xsv ^Aatvoxrj, Thuk. 2, 23 aittaTsiXav Tag 
txardv vavg ttsqI UsXoTiövvrjaov, aansq naqsaxsvd^ovTO, 2, 92 snsiTa dt 
sjQäiiovTo ig tov UccvoqijIov, oO^svtisq ävriydyovTo. Die der lat. Gram- 
matik entnommenen Namen „plusquamperfectum" {stcstioi^siv) und „futurum 
exactum" (Ts^vrj^a), TTSTiqd^eTai) sind syntaktisch unzutreffend; der Zeit- 
stufe nach war das griech. Plusqu. ein einfaches Praeteritum und das griech. 
Fut. ex. ein einfaches Futurum. Hiermit war das Griechische auf dem 
Standpunkt der idg. Ursprache verblieben; auch diese hatte keine eigent- 
liche Verbalform, der an sich die Bedeutung relativer Zeit zukam. Ebenso 
wenig hatten natürlich die Formen des Verbum infinitum an und für sich 
etwas mit relativer Zeit zu thun. Dass z. B. dem part. praes. an sich 
nicht der Begriff der Gleichzeitigkeit zukam, ersieht man aus Sätzen wie 
Xen. an. III, 2, 17 ot Kigsioi TiQoa^sv avv r^fLUn TaTTOfiisvoi vvv dcpsaTTj- 
xaaiv, Soph. Ant. 1192 iyo) naqoov (da ich dabei w^ar) sqio, Thuk. 7, 25 
sneiiipav 6t xal sg rag noltig riQtaßtig ot ^VQaxoaioi dyytXXovrag (als 
Verkündiger, d. h. die verkündigen sollten) Tt'v tov nXr]jii(.iVQiov Irjipiv; 



1. Das Verbum. (§ 155—156.) jgj 

speziell zum Gebrauch des part. aor. für die Vergangenheit gegenüber der 
Handlung des regierenden Verbums s. § 161. 

Vgl. Vf. Ber. d. sächs. G. d. Wiss. 1883, S. 173 ff. 

155. Die in § 110 ff. behandelten Tempusstammformen (Präsens 
und starker Aorist) liessen im allgemeinen den Vorgang entweder als 
dauernd, im Verlauf begriffen erscheinen und zwar so, dass Anfangs- und 
Endpunkt des Verlaufs ausserhalb des Gesichtskreises des sprechenden 
bleiben (Xt'yeiv), oder als eine in sich abgeschlossene, in einem ungeteilten 
Denkakt ganz und vollständig vorzustellende Handlung (f/Vtn). Die Viel- 
formigkeit der Stammbildung weist aber noch auf weitere anfängliche Be- 
deutungsunterschiede hin, und es ist nicht festgestellt, welche besondere 
Bedeutungsnuance jeder einzelnen Bildungsart ursprünglich eignete. Dem 
-<rxo- {ßt'caxüi § 126) scheint von Haus aus inchoativer, den reduplizierten 
Stämmen wie m-nh- {^ininXr^iu § 115) kontinuativer Sinn beigewohnt 
zu haben. Dass die Stämme der KI. 1 a (§ 112) an sich, vermöge ihres 
Bildungscharakters, von alters her aoristische Aktionsart darstellten (vgl. 
ia%i]v : i'(TTr^i'), ist zu leugnen; denn in diesem Falle wären alte durative 
Praesentia wie cs-fl {^(Tti) unverständlich. Auch kam dem Stammtypus 
liTiö- neben XeTjio- wahrscheinlich nicht an und für sich aoristische Be- 
deutung zu (§ 119); möglich ist, dass bei der Zuerteilung der verschiedenen 
Aktionsbedeutung an Stämme wie XtiTio- und Xtnö- Rücksicht auf Verba 
wie (ptQsiv und iSttv mit einer schon durch den Wurzelbegriff an sich ge- 
gebenen bestimmten Aktionsbedeutung (Delbrijck, S. F. 4, 92 f.) mitwirkte. 

156. Der ind. praes. ist an und für sich zeitlos, er bezeichnete 
ursprünglich keine bestimmte Zeitstufe. Daher wurde er im Griech., wie 
schon in der idg. Grundsprache, nicht bloss von der Gegenwart des spre- 
chenden, sondern auch von der Vergangenheit (praes. historicum) und Zu- 
kunft sowie von allen Zeiten zugleich gebraucht. 

Beim praes. bist, tritt der sprechende aus dem Rahmen der Zeit 
heraus, lässt über dem Interesse an dem Ereignis selbst die Vorstellung 
des zwischen dem Vorgang und der Erzählung derselben bestehenden Zeit- 
verhältnisses nicht aufkommen und versetzt sich in die Zeit, da das Er- 
eignis sich eben abspielte, so dass er dasselbe wie in einem Drama oder 
wie auf einem Bilde vor sich sieht. Oft wechselte das praes. bist, mit 
Augmenttempora in demselben Satze, z. B. Äsch. Proni. 229 f. ottm^ teixiata 
tuv 7xai(H7wv fg x/QÖvor xai>h^n\ fv^vg Saifioaiv rt'ftfi y*p« ttXXoi<rn' ükXa 
xfd duaiotxf^no «(>XV'- Kunstmässige Handhabung der Sprache bediente 
sich dieses Präsens als eines rhetorischen Mittels zur Belebung der Rede. 
Wie es zu deuten sei, dass Homer das praes. bist, fremd war, ist unklar. 
Schwerlich reicht die Berufung auf den Charakter der epischen Diktion aus. 
Anderseits ist aber auch nicht glaublich, dass das IVrtsens in daninligor 
Zeit in der Erzählung vergangener Ereignisse überhaupt noch nicht ange- 
wendet worden sei; denn diene Anwendung war in den altidg. Sprachen 
«<) verbreitet (nir das Altindische sei auf Dkldrücic, 8. F. 5, 278 verwiesen), 
dasH man sie für uridg. halten mOchte. 

Das Präsens in Verbindung m\i naqog, rrrr^m. rroi* wurde seit Homer 



132 ^' GriechiBche Grammatik, d) Syntax. 

gebraucht, um eine Handlung auszudrücken, die sich durch die Vergangen 
heit bis zur Zeit des Sprechens hinzieht, wie 2 386 titizs Oari xarvTisTils 
ixdv8ig i]f^iiiTSQ0V So) alSoh] rs (fiXi] rs; ndqog ys fxev ov ti ^afxi^sig. Da 
das Altindische denselben Gebrauch des Präsens mit dem dem ircegog etymo- 
logisch entsprechenden i^^m hatte, so war derselbe wahrscheinlich bereits 
urindogermanisch. S. Vf. Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1883 S. 170 ff., 
Delbrück, S. F. 5, 278. 502 f. 

Das Gegenstück zum historischen Präsens war der futurische Gebrauch 
des Präsens in Prophezeiungen, wie Herod. 7, 140 ovrs %i iitaar^g Xsinszai. 
Die Phantasie schaut, ohne dass die Zeitstufe berücksichtigt wird, das 
künftige, wie es sich vor ihrem Blicke abspielt. Von etwas andrer Art 
war das futurische Präsens in Sätzen wie Thuk. 6, 91 si avzrj rj noXig 
Xtj(p^7](f€Tai, sxETai xal rj ndaa ^ixsXia, Eurip. Andr. 381 wg, rjv ^dvrjg 
(TV, TTatg o6' €x(fsvy£i fjioQov, aov S'ov ^sXovarjg xaT&avstv, rövds xrsvw: hier 
war schon durch den Nebensatz die Zukunft bezeichnet, und das Präsens 
des Hauptsatzes, da es die Handlung nicht erst eintretend, sondern schon 
im Vollzug erscheinen lässt, deutet die unmittelbare zeitliche Übereinstim- 
mung, die Gleichzeitigkeit an, was das Futur nicht thäte. Vgl. Kohlmann, 
Progr. V. Eisleben 1881 S. 34 ff., Mahlow, K. Z. 26, 599 ff. 

Da gewisse Wurzeln an und für sich aoristische (perfektive) Aktionsart 
hatten, so ist nicht auffallend, dass ihr Präsens so gebraucht wurde, dass 
wir zur Übersetzung ein Futurum nehmen. Bei der aoristischen Handlung 
ist ihr Abschluss mit ins Auge gefasst, vgl. z. B. erschlagen gegenüber 
schlagen. Sage ich er erschlägt ihn, so ist zwar an sich die Gegenwart 
ebenso gut gemeint wie bei er schlägt ihn, aber der Moment der Voll 
endung liegt, während ich von der Handlung spreche, in der Zukunft; 
wäre er schon eingetreten zur Zeit, wo ich zu sprechen im Begriff bin, so 
müsste ich ein Praeteritum gebrauchen. Liegt nun auf dem Begriff der 
Vollendung des Vorgangs ein Nachdruck, so kann ein solches Präsens 
überhaupt Ersatz für das Futurum werden. Solche futurische Praesentia 
sind aus dem Slavischen am bekanntesten, s. Leskien, Handbuch der altbulg. 
Sprache 2 S. 149 f. So erklärt sich, ve'ofiai „werde glücklich heimkehren", 
z. B. ^ 152 cell' syM ovx avtwg fiV^rj(tofxai, dlld (fvv oqxoi, w^ vsitai 
^Odva&vg; ebenso wohl auch Sr^w „werde finden". Was s^'f^i betrifft, das 
seit Homer meist futurisch gebraucht erscheint, z. B. Si 92 sifii fisv, ovo' 
dliov tnog laasrai, otti, xsv sTivr], so hatte die Wurzel ei- von Anfang nur 
durativen Sinn (s. Delbrück, S. F. 4, 113). Es ist also wohl anzunehmen, 
dass der perfektive Sinn und demgemäss der futurische Gebrauch des Prä- 
sens zunächst nur in den Komposita wie dn-eip.i 't^-si^i vorhanden war, 
z. B. Q 593 M (fil\ sycQ /iiev ccTCSipi (Svag xal xsTva (pvld'^oyv, (Tov xal sfjidv 
ßioTov (vgl. aksl. i0-idq „ich werde hinausgehen" vun-ida^ „ich werde hinein- 
gehen" neben ida^ „ich gehe"), und dann von den Kompp. auf das Simplex über- 
tragen wurde (vgl. § 154 Anm.). Die futurischen xsw, tSofiai, Triofxai 
waren wahrscheinlich nicht Indikative, sondern Konjunktive, s. § 165. 

157. Das Imperfekt führte die Handlung in ihrer Entwicklung vor 
Augen und bezeichnete dabei an sich niemals, dass ein Vorgang zum Ab- 
schluss kam, z. B. l 324 rjv ttots &r^aevg ix KqrjTrjg ig yovvov 'AS^rjvdwv 



1. Das Verbum. (§ 157-158.) 183 

ugäon' r^ys (war mit ihr unterwegs) fu'r, ovS' anovr^ro • nc'tQoq 6t uiv Agrffitg 
exra; att. Inschrift 357 v. Chr. (Meisterhans, Gr.- 200) aqxi^txiuyv \4iivyTr(; 
insaxevu^ev (war mit der Herstellung beschäftigt), oaa 6t iveXfitfO^r^ 
xcd t6t€ iu^ €7T6TtXt(Td^t^, v(fvtQov Ev(fQccro)Q aQxiTtxTO)i' fTTtaxtvctatv (hftt 
hergestellt). Daher kann man oft bei der Übersetzung des Impf, ein Verbum 
wie „versuchen" zu Hilfe nehmen, z. B. Xen. an. I 3, 1 KXtcegxog rovg 
avTov argccTiünag tßice^sto (versuchte zu zwingen) itrai ' ol 6i ctvrtv fßceX- 
Xov, €71 fi r^Q^aro nQo'itvai. 

Von idg. Urzeit her erzählte und schilderte man vergangene Ereig- 
nisse vorzugsweise mit dem Impf. Dieser Brauch w^urde im Griech. durch 
die Verwendung des Aorists in der Erzählung stark beschränkt (§ 160). 
Wenn in der Erzählung das Impf, auch da gesetzt wurde, w^o die Hand- 
lung als zum Abschluss gelangt gedacht werden sollte, so ergab sich das 
letztere Moment immer nur aus dem Zusammenhang, vgl. E 364 rj 6* ig 
6(qoov tßaivsr („war auf dem Wege nach") x. r. X. Daher bedeuteten 
die Unterschriften fTioiti, tyoaiff, die die Künstler auf ihren Werken an- 
brachten, eigentlich nur „an dieser Arbeit sass der und der"; dagegen f7Tot\af, 
tyoa^it „er hat verfertigt, gemalt". Iij vielen Fällen verschlug es eben 
nichts, ob man eine Handlung als in ihrer Entwicklung begriffen durch das 
Imperfekt oder als abgeschlossen durch den Aorist vorführte, da in jenem 
Falle der Abschluss doch aus der ganzen Situation leicht hinzuverstanden 
wurde. Und so mag schon bei Homer mitunter das metrische Bedürfnis die 
Wahl des Tempus bestimmt haben : so haben wir dicht neben einander 
7T€qI 6i fitya ßüXXsto (fUQog und ctn^l 6' ccq M^ioiaiv ßaXszo ^i(fog 
agyvQdr^Xov (B 43. 45) u. dgl. (Krüger, Sprachl. II § 53, 2, 1). Vgl. 
Stiebeling, Beiträge zum homer. Gebrauch der tempora praeterita, insbe- 
sondere des Imperfektums, Progr. von Siegen, 1887. 

Auch in Fällen wie Herod. 2, 121 wg ovx J^nttd-cv (nicht über- 
redete), sTifxtivr^aaxo ioid6f-, Xen. an. VI 3, 9 xal id fur aXXn o)ftoX6yrjo 
(tinoTg, ofiilQOvg 6t ovx i6{6oauv (gaben nicht) oi Qg^xfg aitovi'tMV twv 
'EXXi]von', dXXtt X. r. X. war durch das Impf, an und für sich nur die Dis- 
position zur Effektuierung der Handlung oder das Sichbefinden auf dem 
Wege zum Ziel (vgl. hitiO^ov Xen. Hell. I 7, 7) ausgedrückt. 

158. Konj. opt. imper. inf. part. praes. Die praesentische Aktions- 
art erscheint hier wie im ind. praes. und im impcrf. M 278 wg if rt(/d6fg 
Xiovog nimoxji i}af.uTm führt die Fallbewegung durch die Luft vor Augen, 
niawai würde das Auffallen auf der Erde mit umfassen (vgl. (> 524 »^ tf 
ff^g TiQtKTDtv TtoXiog XaJn' tf ntai]aiv). IMat. Apol. p. 26b Sokrates zu 
Meletos: o/io;$ 6t 6i] Xtyt rfur (lege dar, entwickle uns), nbig /u ifi]g 
>)imfi}t(QHv, 0) Mt'Xrjf, tovg vfontgovg (p. 24d/'i>i «fi} vvr ilnk fOi'»rcM^ [gib 
an, sprich es aus), tig avtovg ßtXiiovg Tfoin:). Plat. Prot. p. 317a to ovr 
uno6i6{)i(axovxu (wenn num im I)av(mlaufen ist) fti, 6r%na:nn dno6gu%M 
ntwischon) noXXt] nwQitt 

Als Vertreter des 1:ii|m i '' latin n}.ii.|iia lialtm der opt 

und der inf. praes. an sich K- ■ • / • i - > i.iiiig. «litM- könnt«« nur durch 

i«'n Zusarnnjcnhang erkannt werden. Xen. an. IV. 4, 9 /A^yoi«, ori xmi- 

oifr atquttviAa xai rvxtotg noXXd nvQti ^ah'o$to («sichtbttr gcwoHon 



IQ^ A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

seien", direkt stfai'vfTo), dagegen VI, 1, 33 sXsysv, oxi stoifiog si'rj („sei 
direkt elf.i\) rjysTcfl^ai avioTg, Vgl. § 161. 162. 

Über das Imperfektum der öfteren Wiederholung s. § 159. 

159. Die aoristische Bedeutung, wie sie an den Formen XijrfTvj 
(frrjvai etc. (§ 110 if.) haftete, war zugleich den Formen des (T-Aoristsl 
(§ 136 ff.) eigen. j 

Am häufigsten wurden diese Formen so gebraucht, dass man sich die 
Handlung in einem ungeteilten Denkakt ganz und vollständig, in sich ab- 
geschlossen, absolut vorstellen sollte. Das Faktum wurde einfach kon- 
statiert ohne Rücksicht auf Zeitdauer, z. B. Thuk. 5, 5 iysvsro Meaariviß 
AoxQMv Tiva xqövov^ Herod. 2, 133 sßiMaav xQovov SttI tcoXXov. 

Ausserdem erscheint der Aorist oft, dem Präsens gegenüber, entweder 
als „Ingressiv" [6axQvaai „in Thränen ausbrechen") oder als „effektiv, 
resultativ" [jisa^Tv „fallend aufschlagen"). Beides mitunter bei demselben 
Verbum, z. B. ßalstv ßs'Xog „abschleudern", ßaXsTv avdqa „treffen", ISeiv 
sowohl das zufällige Erblicken, dem ein Betrachten, Beschauen folgt, als 
auch das ein suchendes Sehen abschliessende Erblicken. Obwohl es mög- 
lich ist, diese Funktionen mit der allgemeinen Bedeutung des Aoristes, 
nach der dieser besagte, dass eine Handlung überhaupt in die Erscheinung 
getreten, zu verbinden und aus ihr abzuleiten, so ist doch erst zu unter- 
suchen, ob nicht die in Rede stehende Funktionsverschiedenheit {iSäxQvüs 
„er brach in Thränen aus" und sSäxqvas noXvv xQovov „er hat lange 
geweint") mit der verschiedenen Bildungsweise der unter dem Namen 
Aorist zusammengefassten Formenkategorien, sdsi'^a, sarriv, sXittov, stis'tci&ov, 
zusammenhing (vgl. § 2 8. 14 und Pfuhl, Progr. v. Dresden 1867, S. 13, 
Delbrück, S. F. 4, 101). 

Wenn die Aoristformen auch von öfter in der Vergangenheit wieder- 
holten Handlungen gebraucht wurden (z. B. CP 263 Mg alsl 'AxiXrja xixrifictro 
xvfxa QÖoio), so war das Moment der Wiederholung nicht durch die Verbal- 
form an sich gegeben. Dasselbe war auch nicht durch die Imperfektform 
an sich gegeben, wenn dieses Tempus bei öfterer Wiederholung gesetzt wurde. 
Dass man das Imperfekt in diesem Falle viel häufiger gebrauchte als den 
Aorist, rührte teils daher, dass man bei dem, was wiederholt vorkam, zu 
geschehen pflegte, öfter angeregt wird zu schildern als einfach zu kon- 
statieren, teils daher, dass man ein, wenn auch in zeitlichen Intervallen 
sich wiederholendes Vorkommen leicht als eine kontinuierliche Entwicklung 
anschaut, vgl. z. B. Xen. mem. I 2, 61 Ai'x^g fi^v xaig yvfjivoTTaidiaig tovg 
smSrjfxotvrag iv AaxsSai'iiovi ^svovg sSsi'ttvi^s, ^MxgaTrjg St Sid navTog 
Tov ßiov rd eavrov SanavMv rd fxsyiara TcdvTag rovg ßovXofJisvovg cotps'Xsi * 
ßsXriovg ydq ttoimv rovg (Tvyyiyvofjiävovg djisTVSfXTisv. 

'ExTsivd (TS Eur. Ion 1291 u. ähnl. scheint nicht aus der ingressiven 
Bedeutung, sondern daraus zu erklären, dass die betreffenden Verba an 
sich nur die Handlung des Subjektes, nicht aber den Erfolg der Handlung 
am Objekt bezeichneten (vgl. Mahlow, K. Z. 26, 580). 

160. Die Ausdehnung, welche der ind. aor. als Tempus der Erzäh- 
lung hatte, gewann er erst auf griechischem Boden. Er drängte das Impf., 



1. Das Verbum. {§ 159- -161.) Ig5 

(las alte Tempus der Erzählung, in den Hintergrund in ähnlicher Weise, 
wie in vielen nhd. Dialekten die perfektische Erzählungsform {er hat rjc- 
fhan) die imperfektische {er that) zurückgedrängt hat. 

Nicht selten wurde der Aorist von dem gebraucht, was soeben ein- 
.retreten ist, besonders von einer Stimmung, die soeben über einen ge- 
kommen ist, oder von einem Urteil, das man sich soeben gebildet hat, 
z. B. P 173 Hektor zu Glaukos: w ttottoi, r^ t' £(fdji(i^i' at nsQi (fotvag 
tiifiivai äXX-un,, ton', oaaoi yivxir^v egißwkaxa Yaiftdovaiv vvv dt aev 
rocrd/xr^v Tidyxv (fgevccc, oiov eeinfg (jetzt aber infolge deiner Rede bin 
ich Tadler geworden). Derselbe Gebrauch findet sich im Indischen (hier 
ausserordentlich häufig) und Slavischen und hat für uridg. zu gelten. 

Auffallend und noch nicht befriedigend erklärt ist die scheinbar zeit- 
lose Verwendung in Gleichnissen und in Sentenzen, wie Fl 482 ^ginf d\ 
ü)g 0T€ TIC Sgvg i]qi7T8y und / 320 xär^ar' vfiifg o t' df^gyog drt^Q o t€ 
noXXd eooywg. Sie scheint im Zusammenhang gestanden zu haben mit dem 
scheinbar futurischen Gebrauch in Stellen wie ^ 161 et neq ydq vf xai 
itixix '()Xi\U7Tiog ovx eitXeaaev, tx te xccl oifft itXti, avv tf iifydXto dnt~ 
teiaav, I 413 el f-itv x' uvb^i /ji&vmv Tgomr tioXiv dfi(ftixdx(Ofim, (aXsro 
fiiv noi vofTTog, drdg xXt'og d(f0^iTov satai. 

Anmerkung. Ich vermute, dass diese zeitlose und diese futurische Verwendung 
ursprünglich nur an die augmentlosen Formen geknüpft waren, also an die Injunktiv- 
formen des Aoriststammes, und dass erst das Schwanken zwischen augmentierter und nicht 
augmentierter Form in der Mitteilung vergangener Ereignisse {Ißt} und jirj ^ist gegangen* 
hei Homer) dazu führte, dass man auch in jenen Fällen die augmentiertc Form zuliess. 
Man hätte es hiemach nicht sowohl mit einer Bedeutungs-, als vielmehr einer formalen 
Analogie zu thun ; doch konnte in gewissen Fällen auch eine Bedeutungsassoziation mit- 
spielen, namentlich beim gnomischen Aorist. Vgl. hierzu, was Thukneysen, K, Z. 27, \1'.\ 
und Delbbuck, S. F. 5, 354 f. 359 f. über die Injunktivform sagen. 

IBl. In Sätzen wie sntiSi] sinsv, dnf^fi; etTion' tavia d/ii'jet; fdr 
n qdyMatv, dvuan]aortai (Xen. an. IV 5, 8) erschien die syntaktisch 
untergeordnete aoristische Handlung gegenüber dem anderen Vorgang 
darum als vergangen, weil die beiden Handhingen sachlich vei*schieden 
waren. Das Bedeutungsmoment der ungeteilten Vollständigkeit und Ab- 
geschlossenheit der Handlung Hess die Vorstelhing, dass die Haupthandlung 
in den Verlauf der Nebenhandlung hini*iiifane und neben ihr hergehe 
(Gleichzeitigkeit), nicht zu. Die Vorstellung der Vergangenheit in Bezug 
auf das Hauptverbuni war also nicht durch die Aoristfonn an sich, Hondern 
durch die besondere Natur der beiden Verbalbegriffe, die zu einander in 
Beziehung gesetzt wurden, gegeben. Man erkennt diesen Sachvorhalt am 
besten durch Vergleichung mit Sätzen wie E 08 nal ßal' inatacovta 
%vxff)v xaid St-l^iov ü)iiot\, Herod. 5, 24 *i' inoii^aag dnixofitvog^ Xen. 
an. I 3, 17 (iovXoi'iu^v 6' ur dxmiog antun' Kv(fov Xa^tTr avior a.^#i»Vtoir, 
Thuk. (>, 4 item ii iyyvtata oxna xal inatov furd fijv ff^€v*'Qar oliMtatv 
rhXum 'AxQdyai'ia ///xiirai', ti]v füv rroXir nno tov UMQnyaiio^ TTotaiiov 
oioiidauit f-g, mxKJtdg 6i noitjtiarfig 'Agiaiorot^y xtd llvatiXuw roiii/iii 
d^ td rfXi{)on' Savtfg^ wo die Vorstellung einer ZoitverHchicdcnhoit darum 
nicht cntHtehen konnte, weil es sich um ein und donHciben Vorgang handoKo 
und diXH Partizip oder die INirtizipion nur eine, beziehungsweise mohroro hv- 
Hondere Seiton der Handhing doH regierenden Vorbums zum Ausdruck hrnohlon. 



186 



A. Griechisclie Grammatik, d) Syntax. 



Der Gebrauch des part. aor. in Sätzen wie dnuh rama anf^fi wurde 
im Griechischen ausserordentlich beliebt und bildet eines der augenfälligsten 
syntaktischen Charakteristika dieser Sprache. Man setzte in dieser Weise 
auch mehrere Aoristpartizipien zu einem Hauptverbum, deren wechselseitiges 
Zeitverhältnis sich aus der Reihenfolge, in der sie zur Aussprache kamen, 
in derselben Weise bestimmte wie z. B. in veni, vidi, vici : z. B. Xen. mem. 
I 1, 17 ßovXsvactg yccQ nors xai rov ßovXsvvixov oqxov 6[ji6<Xag, iirKTTdirjg 
€v T(7) SrjfKp ysvöfxsvog . . . ovx ri^sXrjaev €7rnprj(pi(TmJ) 

Dagegen waren die Satzformen wie stisiStj sIttsv, änfisi und säv tl 
(fotymaiv, avaaTiqaovrai anderwärts ebenso gebräuchlich. Jener entsprach 
lat. postquam dixit^ dbiit, wobei zu beachten ist, dass dieser Gebrauch des 
ind. perf. auf den aoristischen Bestandteilen dieses Tempus {dtxit = sdsi'^e) 
beruhte. Und d {idi^ mit conj. aor. entsprach dem lat. si mit dem fut. 
exact., welches Tempus nichts anderes als ein conj. aor. war (Vf. M. U. 3, 33 f.). 

Der opt. und inf. aor. von vergangenen Handlungen als Vertreter des 
ind. aor. in der or. obl. entbehrten ebenso wie opt. und inf. praes. (§ 158) 
des Ausdrucks der Zeitbeziehung, die nur aus der Natur der in der Rede 
in Verbindung gebrachten Verbalbegriffe oder aus der ganzen in Rede 
stehenden Situation erkannt wurde, z. B. ^ 375 TisQi J' aXXayv (paal 
yevead^ai (direkt iysvsTo). In ähnlicher Weise Hess mitunter die Wahl 
des conj. aor. im abhängigen Satz das Moment der Vergangenheitsbedeutung 
nicht zum Ausdruck kommen, in Sätzen wie y 316 xal av^ (piXog, i^irj Srj^d 
66f.i(tiv ccTTO TTJX' dXdXrjao . . .^ fxrj toi xazd ndvta (pdyoxxiv xTrjf^iara Saaad- 
fi€vot, (fv d^ TrjiJairjv 666v eXS^ißg (Pfuhl a. 0. 27). Vgl. auch § 166. 

162. Perfektstamm. Das Perf. (§ 131 ff.) hatte zwei altüberkom- 
mene Funktionen. Einerseits hatte es intensiven, beziehentlich iterativen 
Sinn, z. B. yeyi^d^a^ Tt^rjXs^ B 264 d^odg stiI vrjag dcpijaoj neTcXrjywg 
dyoQrj^sv dsixtaai TrXrjyfjaiv, B 90 cct iidv t' [iisXiaaai) svd^a dXig TtsTtorrj- 
arai, al ds t€ evS-a.^) Anderseits bezeichnete es die Handlung im Zu- 
stand des Vollendet- und Fertigseins, und zwar gewöhnlich als positiven 
Zustand, z. B. xixrrjfiai, sdTrjxa, fjiepvrjfjiai, Plat. Kriton p. 46 a ovdi ßovXev- 
ea^ai Iti wQa, dXXd ßsßovXsva^ai, zuweilen auch (aber sicher eine erst 
in jüngerer Zeit aufgekommene Verwendung) als negativen Zustand, wie 
Eur. Tro. 582 ßsßäx oXßog (vgl. Aken, Grundz. 16). 

Hinsichtlich der Zeitstufe glich das Perf. ganz- dem Präsens. Es 
stand: von der Gegenwart des sprechenden, z. B. A 555 vvv 6' alvwg 
Ssidoixa, Von solchem, was für alle Zeiten gilt, z. B. Xen. mem. IV 2, 35 
TvoXXol 6^ 6id Tov ttXovtov Siad^QVTiToiisvoL TS xal sTiißovXevo^svoi aTiöXXvvTai, 
TToXXol 6s 6id So§av xal TtoXiTixrjv dvvafxiv ^sydXa xaxd TVSTtov^czcfiv. 
Von Vergangenem, wie das praes. hist., also gewissermassen als perfectum 
praesens historicum, z. B. Xen. Hell. VII 1, 41 avS^ig 6' 'ETtafxstvcovSag . . . 



^) In dem Asyndeton solcher Partizipia, 
aber auch der schildernden Partizipia des 
Präsens und des Perfekts (s. Kühner II^ 
S. 660), spiegelt sich zum Teil noch die ältere, 
im Griechischen stark zurückgedrängte asyn- 
detische Nebeneinanderstellung der Formen 



des Verbum finitura wieder. 

2) Kohlmann's Programmabhandlung über 
die Annahme eines Perfectum intensivum im 
Griechischen, Salzwedel 1886, kenne ich nur 
aus Buksian's Jahresberichten. 



1. Das Verbum. (§ 162-163.) 187 

eyro)X€ (frqccrsvTtov eivca sm ti]v 'Axatcer (mit Unrecht in f'yiw geändert, 
vgl. die unmittelbar folgenden Sätze mit praesentia bist.). Von Künftigem, 
z. B. Sopb. Pbil. 75 mctt' st fie to^mv syxQari^g ceia^r:a€Tai, oXoyJ.a, Xen. 
an. I 8, 12 xav tovto (t6 argdTevuce) rixinjusr, näilh' y/u' nsnoir^Tai 
(vgl. Tbuk. 6, 91 oben § 156). Ein perf. bist, nach Art des lat. und ai. 
perf. bist, war der klassischen Zeit fremd; erst später trat Vermengung 
des Perf. mit dem Aor. ein (s. Lehrs, Quaestt. epicae p. 274 sqq.). 

Das Plusquamperfekt (§ 139) verhielt sich zum ind. perf., wie das 
Imperf. zum ind. praes. Wie man mit dem Imperfekt schilderte und er- 
zählte, so auch mit den Plusquamperfektformen, nur dass die letzeren die 
durch die Bildung gegebene Nebenbedeutung hatten. Z. B. A 683 yfyiyi>ti 
d^ (fQivce Nr^Xevg («war voller Freude", intensivum), Herod. 7, 176 dSeSfirjto 
df: xeTxoQ („stand erbaut da", Zustand des Vollendetseins). 

Als Vertreter des Plusquamperf. in der oratio obl. hatten der opt. 
und der inf. perf. an sich keine Zeitbeziehung, diese konnte nur der Zu- 
sammenhang ergeben, z. B. Xen. Hell. V 2, 3 eösr^O^r^ . . . XtyMv, or» rf 
tiuiqI ccvtüv i] TO)i' MavxiYtwv TToXig noXXd vTir^Qszr^xoi iv toTg ngog 
Meaar^vr^v 7ioXi\uoig („habe hilfreich zur Seite gestanden", direkt vnrjQ€Tt]xfi), 
Xen. Kyr. I 4, 27 avS^a 6t' iiva töjv Mi^öwv sxTunXT^xO^ai sm rui xäXXfi 
tov Kvoov („sei erstaunt gewesen", direkt sl^eiibTiXr^xTo). Dagegen Soph. 
Ant. 442 g/]c, i] xaiaqvu {u] SeSoccxirai räSf; („dass du die Thäterin 
bist", direkt ötÖQäxu). Vgl. § 158 über den opt. und den inf. praes. 

Wie es kommen konnte, dass Formen des c-Aoristes, denen von 
Haus aus perfektische Bedeutung nicht kann beigewohnt haben, dem Perfekt- 
system angegliedert wurden, ist §137 gezeigt. 

163. In das Futurum (§ 140) trat, was nach jemandes Ansicht, 
Erwartung, Befürchtung oder Absicht in näherer oder entfernterer Zukunft 
liegt. Dabei kannte das Futurum nicht den Unterschied der präsentischen 
und der aoristischen Aktionsart: «^w war sowohl „ich werde geleiten*' 
(vgl. ayiiv) als auch „ich werde hinbringen" (vgl. dyuytTv), Beispiele für 
den voluntativen Gebrauch: Soph. Ant. 234 xti to iiii^6ir f^fQoi, (fQÜatü 
6' o/iwg, Ä' 88 Agamemnon zu Nestor: yrtoaeai 'Atqhöi^v Ayceittinvora; be- 
sonders oft in abhängigen Gliedern, wie Thuk. 3, 16 ravtixot' rragfax^vn^or, 
7m nt'fiipovaiv fg t>]i' Ataßov, E 618 fTitdQctfu . . . i*r»x*« ffvXtlatov. 
Beim voluntativen Indik. konnte die seelische Stimmung durch die Wahl von 
/ii] als Negation noch einen besonderen Ausdruck erhalten, z. B. Ä 330 
sagt Hektor fatu) rvv Ztvg . . ., /t/j /ii>' volg thTroiaiv dnlg (noxt]<S(t ni 
(iXXog, womit man vergleiche des Zeus Worte P 448 alX* ov /i«r viitr y# 
x(d uQuctat ()((iduXi(nan' "Extu){i /Igtaftidt^g fnoxi^crmti. Im abhängigen 
Gliedern war bei voluntativom Sinn fit, obligatorisch. 

Anzunehmen, dass die voluntative Bedeutung des Futurstamme« die 
iiltestf; ^'( wcMcn sei und das» sie sich zu rein temporaler abgouthwÄcht 
habe (vgl. DKumCcK, S. F. 3, 8. 4, 1)8), hindert nichtü, und es kann von 
seilen des Gebrauchs schwerlich entöchieden worden, ob dieses griwhiHoho 
T mit dem ai. und lit. .*ff'o-Futur idontlMch oder aus dem conj. aor. 

..It war oder beide Bildungen in sich vereinigte, vgl. ^ lln. 

In idttv ßovXt]4rofmt Soph. (). R. 1077 (für iSnv fiovXoftM) u. älinl. 



Igg A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

hatte eine Verschiebung stattgefunden. Der Begriff der Zukunft, der an 
dem Objekt des Wollens haftete, wurde auf das Verbum des Wollens selbst 
übertragen. Vgl. Aken, Grundz. 20. 

Der zuerst bei Pindar vorkommende opt. fut. war eine Neubildung, 
die dem Streben entsprang, auch im Futur einen opt. obliquus (§ 167) zu 
gewinnen: sirrsv, ort k'^oi statt sittsv, oti t'^si nach Analogie von sinev, 
ou s'xoi. Dieser Opt. blieb auf diese Verwendung beschränkt. 

Ebenso war der in f. fut. eine griech. Neubildung. Er scheint, ent- 
sprechend dem opt. fut., in der obliquen Rede bei Verba des Sagens und 
Denkens ins Leben getreten zu sein. Dies blieb auch seine häufigste 
Gebrauchsweise, z. B. v 357 ov nox' iyw ye oxpsa^' vf^ifji' scfdfxrjv. Nicht 
selten nun zeigt er sich auch bei Verben mit voluntativer Bedeutung, z. B. 
M 198 iLUf-iacfav Sb ^läXiCTa xsT^og ts qrj^eiv xal ivnxqr^fSsiv tcvqI vr^ag, 
Thuk. 6, 57 sßovXovro 7TQ<)Tifji(OQ7](f€(f^ai. Forssmann, C. St. 6, 35 ff. 
und Festschrift des Protestant. Gymn. zu Strassburg 1888 S. 284 ff. erkennt 
diesen Gebrauch nur für den Fall an, dass das regierende Verbum von 
Haus aus den Sinn des Denkens oder Meinens hatte, wie z. B. {.ufjiova 
noir^asiv ursprünglich bedeutet haben soll „ich denke, ich werde thun". 
Wo das Voluntativum auf einen derartigen Sinn nicht zurückgeführt werden 
kann, soll der Text verdorben sein, wie in der angeführten Thukydides- 
stelle. Gegen meine frühere Ansicht, dass der inf. fut. in Verbindung mit 
Verba des Strebens voluntative Bedeutung gehabt habe und somit ein 
Bedeutungspleonasmus vorliege, bemerkt Forssmann mit Recht, dass sie 
sich schlecht mit der Auffassung des infinit, fut. als einer griech. Neubil- 
dung vertrage. Aber Forssmann's Erklärung scheint mir nur zum Teil 
richtig. Man wird annehmen müssen, dass der Gebrauch des inf. fut. 
allerdings aufgekommen war nach Verben mit Doppelnatur wie !Ji€f.iova 
diavoovfjiai auf Grund des nicht voluntativen Sinnes derselben (so erklärt 
Forssmann mit Recht auch den inf. fut. bei fjisXXco), dass aber dieser Sinn 
in der Sprachempfindung gegen den voluntativen zurücktrat und dann 
der inf. fut. nach der Analogie dieser Verba zuweilen auch zu solchen 
gesetzt wurde, die von Anfang nur Voluntativa waren, wie ßoidsa&ai und 
€(f(sa^(xi. Textänderungen sind also abzuweisen. 

Der Gebrauch des inf. fut. bei avaßdXXofxai (Herod. 5, 49 dvaßäX- 
Xofjiai TOI, ig tqittjv ^/negrjv VTtoxQivssa&ai, 6, 86 Tccvra wv v/biTv dva- 
ßäXXopiai xvQwa siv ig rizagTov jiirjvcc ccTid tovSs) erklärt sich aus der 
Analogie der Verba des Versprechens; ähnlich Thuk. 3, 36 TtaQsxö/nsvov 
and nXccraiMv anä^siv IIsXoTrovvrjaiovg, u. dgl. m. 

Das part. fut. hatte meist voluntativen Sinn, wie ^ 13 o y^^Q r^^^s 
d^odg im vrjag ^Axamv^ Xva ö^svog rs ^vyaTQa, und wenn -(fovr- aus 
-aj^ovT- entstanden war, so vergleicht sich dieses part. dem in gleicher 
Weise gebrauchten ai. part. auf -syd-nt-. Nicht voluntative Bedeutung 
erscheint z. B. in 6g sl'Srj zd t' iovra rd t' iaao ixsva ttqÖ t' iövra A 70, 
xal Iwvag avv avToiai Toifg ScoaovTag i/nol SixrjV twv iTToirjfTav Herod. 5, 
106, Ta 6' iTiiTrjdsia e%oisv ix rrjg iv juscyrn xwqag rroXX^g xal dya^rjg ov(Trjg 
xal rm iQyaao^iivwv ivövxwv Xen. an. 114, 22, doch war das Futurum 
hier ebensowenig ausschliesslich temporal wie in den indikativischen Neben- 



1. Das Verbum. (§ 164.) jgg 

-ätzen wie Xen. an. VI 3, 16 «//« 6t] exti /<*»• ovre nXoTa iazh' ofg uno- 
i Xi vaaiii t »>«. 

Das „fui. ex." (§ 141) verhielt sich zum Perfekt, wie das einfache 
i'utur zum Präsens, bez. Aorist, z. B. fP 322 ccvtov ol xai <yr//rr r .- ! .■ i - 
Sstai „wird errichtet sein". 

Die Modi. 

104^. Die Modi bezeichneten eine ipvxixr; Siäi^eatg des spreclienden. 
Ihr Gebrauch in Nebensätzen war von dem in Hauptsätzen anfänglich nicht 
verschieden. Zu der Zeit, als die hypotaktischen Satzformen sich ausbil- 
deten (§ 203), wurde durch diese Entwicklung in der Funktion der Modi 
nichts geändert. Erst im Lauf der Zeit, nachdem sich die Kategorien der 
Nebensätze bereits befestigt hatten, kamen Unterschiede des Gebrauchs in 
beiden Satzarten auf: der volnntative Konj. blieb gleichmässig in negativen 
wie in positiven Nebensätzen, während er sich in der 2. und 3. Person in 
positiven Hauptsätzen fast ganz verlor (g 1G5. 212); der opt. obl. war 
speziell in Nebensätzen entwickelt worden (§ 167. 212). 

Die wichtigsten Modalpartikeln waren ov, fit]; xtr, uy. 

ov (zu lat. haHd? s. Hübschmann, Das idg. Vokalsystem 191), durch 
welches das uridg. *ne (lat. ne-scio) verdrängt war, diente der Verneinung der 
Thatsächlichkeit der Aussage (Verstandesthätigkeit), mit/r/; (= ai. mrf) lehnte 
und wehrte man ab (Willensthätigkeit), vgl. Kvicala, Ztschr. für öst. 
Gymn. 185G S. 745. Diese Verschiedenheit der beiden Negationspartikeln 
tritt überall hervor; es begreift sich von der angegebenen Bedeutung des 
/ir] aus überall, wo wir diese Partikel finden, leicht, wie man dazu kam, 
gerade sie zu setzen. Auch in Fällen, wo ov und fit] ganz gleichwertig 
neben einander gebraucht zu sein scheinen, war ein feiner Bedeutungs- 
unterschied vorhanden, dem man freilich bei der Übersetzung ins Deutsche 
nicht gerecht zu werden vermag. Wenn in der späteren Gräzität ut] dem 
ov Terrain abgewann, so kam dieses nicht daher, dass man gegen den 
Unterschied der beiden Negationen unempfindlich geworden war und sie 
einfach verwechselte, sondern daher, dass man Ausdrucks weisen mit ,iii^', 
die schon in älterer Zeit vorhanden waren, mehr und mehr bevorzugte: 
„the later use of /ii^ is not so much an Innovation as an extension" 
(GiLDKKSLKKVE, Encroachmeuts of firj on "/ in T.ater Greek, Amer. Jouni. 
of Phil. 1, 45 ff.). 

ür scheint mit dem lat. an identisch gewesen zu sein (vgl. L. Mrykr, 
yliV im Griech., Lat. u. Goth. 1880, Vf. Lit. Centr. 1880 Sp. 10G9 f.). 
xiv (hu, xi) verbindet DelbkC(;k, S. F. 1, 84 ff. 5, 503 mit ai. kam (mit 
schwer zu definierender Bedeutung), dagegen Osthoff, Z. G. d. V. :M2 
mit ai. -^um „bene, wohl\ Im allgemeinen deuteten diese Partikeln 
das Vorhandensein nicht näher zu bcHtimmcnder Bedingungen an, so dass 
man ihren Sinn zur Not durch .allonfallH, eventuell, unter UmstÄndcn* 
verdeutlichen könnte. Die Gewohnheit Hess «io in gewissen Fällen, wo nio 
die Bedeutung des ModuH nur unwesentlich modifizierten (♦* cum conj., opt. 
pot.l, fast unentbehrlich worden. 

A II in <' r k II n g. Auch da. wu m*' und »itf neben ritmndcr etvchrincn. wi« M Roni»r 
iKicK*» HyiiotlicHo. lliiiM |i. XXII «qq., Immd wir nuf ttirli bonibeo). kann die BmiMUini»- 



190 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

Verschiedenheit nur noch eine sehr geringe gewesen sein. Was Thiemann, Grundzüge 
der hom. Modus-Syntax, Berl. 1881, aufstellt, ist kaum zu begründen: durch xeu soll das 
redende Subjekt auf sich selbst weisen, insofern eine Beziehung zwischen dem eigenen 
Willen oder der eigenen Vorstellung zu der Handlung stattfinde; durch «V dagegen weise 
das redende Subjekt auf besondere Umstände hin, die ausserhalb seiner Berechnung liegen 
könnten. Monro, A Grammar of the Hom. dial. 265 sqq. weist auf mehrere Unterschiede 
hin, wie den, dass in negativen Sätzen «V bevorzugt erscheint, und kommt zu dem Schluss: 
„The general effect of these differences of usage between the two Particles seems to be 
that «V is used either in an adversative sense — with a second or opposed alternative — 
or when greater emjjhasis has to be expressed. Thus while the force of xeV might bo 
given approximately by such words as then, in that case (and that of X6V — xeV by in 
one case — in another case), «V might be translated then indeed, then rather, even in 
that case, in that other aase, etc." Vgl. auch Gildebsleeve's Bemerkungen über den Ge 
brauch der beiden Partikeln bei Pindar, Amer. Journ. of Phil. 3, 449 sqq. 

165. Konjunktiv. Da die Konjunktivkategorie zwei verschiedene 
stammbildende Suffixe aufweist (§ 142), so ist fraglich, ob von einem ein- 
heitlichen Grundbegriff ausgegangen werden darf. Und schwerlich ist es 
Zufall, dass, wie im Lateinischen die Formen mit -o — e- {ero faxo vtdero 
dlxero) nur die temporale (futurische) Bedeutung hatten, so auch in k'Sofxai, 
moiLicci,, X«« sich diese Bedeutung als die regelmässige festsetzte (§ 142, 1), 
eine Gebrauchsweise, auf Grund deren diese Formen in der Grammatik als 
Judikative aufgeführt zu werden pflegen. 

Als Grundbedeutung des Konj. wird jetzt gewöhnlich mit Delbrück 
die des Willens, des machtbewussten Begehrens angesehen, aus der sich 
allerdings alle Funktionen ohne Zwang entwickeln lassen. Der Konj. ent- 
hielt immer eine Hinweisung auf Verwirklichung des im Sinn liegenden, 
ein Moment, das dem Opt. (§ 166) in der Regel abging. 

Aus uridg. Zeit mitgebracht waren: 

1. die voluntative Bedeutung (Negation fxrj). Der Träger des Willens 
war im Hauptsatz der sprechende. X 450 Ssvts, 6vco ^oi snea&ov, TSwfx' 
(ich will sehen), a iiv' sgya TbzvxTai. -E 684 fxrj Sr^ fjis sXwq Javäoiaiv 
säaißg xstcf^ai (ich will nicht, dass du lässt = lass nicht). Die 2. und 
3. Pers. wurden im lon.-Att. in positiven Sätzen nur dann festgehalten, 
wenn diese abhängig waren, z. B. P 685 sl S'ays ösvqo, dioTQscfSQ^ o(fQa 
Tivd^Yjai. Hierher stellt sich auch Soph. Phil. 300 (ftQ\ w Tt'xvov, vvv xal 
TO tr^g vrj(fov ^dO^ijg^ da die an (fi^qs u. ähnl. adhortative Ausdrücke sich 
anschliessenden Konjunktivsätze (gewöhnlich mit 1. sg. und 1. pl.) ein 
ähnliches Gefühl der Unselbständigkeit begleitete wie das, welches man bei 
konjunktionalen Sätzen hatte. Ahnlich die Vasen auf schrift xcdqs, xal mj], 
falls hier ein Konjunktiv mit -if {"^Tvir^ai) vorliegt (s. Kretschmer, K. Z. 
29, 481 f.) und nicht die 2. sg. zu Tiiofiai, in welchem Falle man das auf- 
fordernde xai fxoi (fQuasig u. dgl. (Kühner IP 149) vergleichen könnte; 
allerdings spricht xciTq8, xal JIIEII, da man wohl m7]g lesen muss, zu 
Gunsten von TTirj = "^Tiirjai. Dagegen liegt im Elischen die nicht negierte 
3. sg. im wirklichen Hauptsatz vor, Collitz, Gr. D. n. 1172, 32 to dt 
\pd(fia[xa . . . dvaTs^a sv to laqov tw /fioq reo ^OXv/^imco, vgl. auch Zeile 36. 
Auch ist vielleicht KATA2TJ2EI im gortyn. Gesetz nicht als xaTaaTaaet 
(ind. fut.), sondern als conj. aor. xavaazdcrr] (oder -aTaasi) zu lesen, z. B. 
3, 14 ai 6i' X aXloTQiog Gvveadödrj, dtxa aTarrjQavg xaTaaraaEI. 

Je nach der Situation konnte der Konjunktivsatz mit /*?; auch als 



1. Das Verbum. (§ 165-166.) 19^ 

Ausdruck der Warnung erscheinen, z. B. A 26 /</■ ae, ytgov, xoiXr^atv sym 
lUQu vtjvai xixijO), oder als solcher der Befürchtung, z. B. s 350 w ««/ 
f-'yo), fii) Tig /eo« v(faivr]<fii' döXov avTa aOccvccTun'. In Abhängigkeit von 
einem die Seelenstimmung näher definierenden Verbum z. B. Seidot, /ti; r« 
naO-rjaiy A 470. 

2. die deliberative Bedeutung (Negation /(/;), z.. B. o 509 nr^ / <,. 
fy«, ^''^.^ Tixror, i'co; Xen. mem. I 2, 45 TTortQov ßi'cer (fwfitev i] fit] 
(fMj^iiv aiica: ß 4 dXX' o ys ii8Qi^u'jOt^€ xarcc (fQtrce, oJg UxiXr^ct Ti/ii-<ri;. 

3. die futurische Bedeutung (Negation ot), z. B. Z 459 xat nott rtg 
tinr^aiv -^ExTOQOQ r^Se yvvi\ xvX., A 262 oi yccQ ttm roiovg TSov artgag ov6i 
TSwfxai. Ausschliesslich diese Bedeutung zeigen die Konj. i'Sofiat, nfoufd, 

(a (s. S. 190). Der futurische Konjunktiv nahm oft av, x^v zu sich, 
/ 433 (Sr^atoov i] doioTaiv smvl^sai '^Innaaiör^an', ij x€v 6/i(>) vtto öuiai 
fVTTfig und O^vinor oXiaaijg^ A 387 ovx ar toi xQ^^it^l^ljai ßiog xat ruQifti-g 
In Nebensätzen ebenfalls teils ohne, teils mit av, xiv, z. B. tf> 112 
taanai r^ r^wg r] StiXr^ i] futaov i*ihccq, önnöte tig xcci efieto agtt fx ^vnir 
¥Xr^Tai, Z 448 saaerca i^ixctQ ov' ür ttot' oXwXtj iXiog Iqh]. Die Partikel «r 
wurde später beim Konj. ebenso Regel (z. B. orar), wie beim opt. pot. Dass 
die Konditionalsätze als Negation lu] hatten, war nicht sowohl in der be- 
sonderen Natur des in ihnen verwendeten Konjunktivs begründet, als in 
dem Ursprung aus Optativsätzen. 

Wesentlich neue Funktionen des Konj. haben die Griechen nicht 
entwickelt. 

lOfJ. Optativ. Die beiden optativbildenden Elemente, -/- - in 'i 
nty und -/- in (figoifiev, etymologisch zu identifizieren, hiiuk'it uirhts 
. g 145, 2), und man dürfte also von einer einheitlichen Grundbedeutung 
iisgehen. Gleichwohl ist unklar, welches die Grundbedeutung war und 
in welchem historischen Verhältnis die beiden Hauptfunktionen des Optativs, 
die dieser schon in uridg. Zeit hatte und die das Griechische festhielt, zu 
ifiander standen. Diese Funktionen sind: 

1. die Bedeutung des Wunsches, des machtlosen Begehrens (Negation 
" ' Dor Wünschende war die sprechende Person. ^ 98 avii'xie tti> vaii^ i-. 

yuQ (fioi töaai^vdti ^€oi dvrit/^nr nagaO^etfr. I 601 aXXd av 

ni^ nni lltVtCt VOtl (fQffTi, fiT^St Öh ^«//IC»;!' fltttV^tt T^*'(//flf. Statt de« 

Begriffes des Wunsches tritt öfter mehr derjenige der Bitte hervor, z. B. 
d 193 x(d rrv, h %l nov icTi, nii^oto fioi, oder derjenige der Konzession, 
'/. B. Si 22G uhfxa yaq /le xataxtfivfterUxtXXfvg tiyxdg *7oif' fiioi« i«^iii'. 
I »ieser Opt. im Nebensatz z. B. v 42 <f(Xit Srnga, r« um ^toi ov^atiüiti^ 
/ ßia not trauet r. 

2. die Potentiale Bedeutung (Negation or). , •■- / * 

i).oi}t%' uidga auMöiti. Häufig Hinzutritt \ (<^»')f der in 

II zur Kegel wurde, z. B. I 57 ^^log dt xt x«i ;tutg Wi^v onXoi 

■ ■','fit\ I'lat. Krutyl. p. 402a dk h «»»' »vtov notaftor ovx «•• //i/i ,. 

• rscliiodone Nuancen je nach der Situation: Möglichkeit, bescheidene Be- 
hauptunj(, mildorc Form der Willcnsäusserung, lim Be- 

^«onderH bemerkenswert ist, das« diese Form «In ^^ auch 

I GcBctzesvorschriften auftritt: im £1. mit " 



J92 -A.. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

u. oft, im Kypr. zweimal mit vv, rj Svpdvoi vv Collitz, Gr. D. n. 60, 6, 
i] ÖMxoL VV ebend. Z. 16 (vgl. unser deutsches er kann kommen = er komme). 
Opt. potent, im Nebensatz, z. B. A 64 «AA' ays 6r] riva (xccvtiv igsio^sv 
r] IsQija, og x' siTioi, H 340 sv 6' avToTai nvXag TioirjcTofisv sv dgagviag, 
0(fQa dl avTcecov tTinrjXaair^ oSog si'rj, Soph. Trach. 2 Xoyog ^dvsax' dqx^Tog 
dv^Q(ÖTi(av (fccvsig, cog ovx äv alwv' €xf.id^oig ßQOTMV xtX. 

Da dem Opt. der Ausdruck der Zeitstufe mangelte, so ist es nicht 
auffallend, dass sich der wünschende und der potentiale Opt. auch auf die 
Vergangenheit beziehen konnten: wünschend z. B. c 79 rvv fxhv iih' 
sTrjg, ßovyäis, ^itjts ybvoio, potential z. B. JE^ 311 xai vv xsv %v^' dnoXoiTo 
(wäre umgekommen) dva'^ dvöqwv Alvsiag, d fjirj ccq' 6^v vorjas Jiog ^vydzrjQ 
^J(fQo6iTij, Eur. Suppl. 764 (fairjg av, el TiaQrjaJ^', ot' rjyaTia vsxQovg, Herod. 
1, 2 si'tiGav (mögen gewesen sein) S' dv omoi Kq^itsg; diese Fälle sind 
selten (vgl. Gerth, Grammatisch-Kritisches zur Moduslehre 1878 S. 10 ff.), 
die gewöhnliche Ausdrucksweise war eine andere (§ 169). Einerseits auf 
demselben Grunde, anderseits aber auch auf dem potentialen Sinn an sich 
beruhte es, dass der opt. pot. so oft auf künftiges ging, wie o 506 ^antqiog 
6' slg d(TTV IScov s/Lid eqya xarsiixi' rfid^ev Ss xsv vfifiiv odomÖQiov naqa- 
^si'iiirjv, Lysias 7, 41 ddlionaxog dv y€voi(J.r]v, sl cpvydg ddixiag xccra- 
aTrjdoijiai. Ein opt. fut. (mit dv) als potentialis kommt nicht vor (vgl. § 163). 

Dass die Bedingungssätze mit ei, ai zum grossen Teil auf Wunsch- 
sätzen beruhten, ist sicher, s. L. Lange, Der homerische Gebrauch der 
Partikel EI, Abhandl. d. k. sächs. Ges. d. Wiss. 16, 307 ff. Aber nicht 
zu beweisen und mir nicht wahrscheinlich ist, dass die «-Sätze mit dem 
Potentialis (auch mit dv^ xtv, z. B. E 273 d tovto) xe Xdßoipsv) erst durch 
eine Umdeutung des Wunschoptativs zu ihrem pot. Sinn gekommen waren. 
Über den Gebrauch des Potentialis in diesen Nebensätzen wird sich nicht 
eher etwas definitives aussagen lassen, als bis die Herkunft und ursprüng- 
liche Funktion von at und el zugleich klar gestellt sind (vgl. § 201. 209). 

167. Der Opt. der indirekten Rede, welcher mit wenigen Aus- 
nahmen nur in Abhängigkeit von historischen Tempora vorkam, war eine 
griechische Neuerung. Er war ausgegangen von Sätzen wie £ 301 tov 
xvixjuevai, [xe^awg, og Tig tov y dvTiog eX^ot, i 89 etdgovg nQÖi'eiv Jiev- 
^ead^ai iovrag, ol' xiveg dveqeg eiev, wo der Opt. ursprünglich potential 
war und erst durch Einwirkung des regierenden Satzes die subjektive Fär- 
bung (orat. obl.) annahm und den eigentümlichen Sinn, der in Hauptsätzen 
den opt. pot. vom indic. unterschied, den Sinn der Ungewissheit, einbüsste. 
Es fand also eine Bedeutungsverschiebung statt und entstand eine neue, 
nur den abhängigen Sätzen zukommende Funktion dieses Modus. Erst in 
nachhomerischer Zeit wurde der opt. or. obl. als fertige grammatische 
Kategorie, als Zeichen der Subjektivität, auf die abhängigen Aussage- und 
Kausalsätze übertragen und kam auch in Zwischensätzen mit ydq u. dgl. 
(Thuk. 2, 72 Timdeg ydg . . . el'rj(rccv) zur Verwendung. Vgl. § 212. Auch 
der opt. iterativus in Nebensätzen, die von Praeterita abhingen, wurde 
in jüngerer Zeit aus dem potentialis entwickelt. Der Gedanke der Wieder- 
holung lag nicht im Opt. an sich, sondern war durch den regierenden Satz 
gegeben, der ein Praeteritum mit iterativem Sinn enthielt. Ausgegangen 



1. Das Verbum. (§ 167—169.) jf)^ 

ar dieser Gebrauch von Sätzen wie x 315 «/./« xai tuXovg navtaxov 

vi^arr^gag, orig Toiavrd ye ^i^oi. Vgl. Delbrück, S. F. 1, 223, Behaghel, 

b. die Entstehung der abhängigen Rede S. 32 f., Urtel, Über den hon/. 

v<ebrauch des Opt. der abhäng. Rede, Weimar 1884. Über die bei der 

indirekten Rede eintretende Personenverschiebung s. Behaghel a. 0. 4 ff. 

Urtel a. 0. 3. 

Wie es kam, dass der opt. or. obl. und der opt. iter. sich auf die 
Verbindung mit einem regierenden Nebentempus einschränkten, scheint mir 
auch nach Behaghel's und Urtel's Erörterung nicht klar gestellt zu sein. 
Allerdings wird man zugeben müssen, dass die Vorstellung der Vergangen- 
heit im Verhältnis zur Zeit des sprechenden sich mit diesen Opt. assoziierte. 
Aber es fragt sich immer noch, welches Moment gerade diese Assoziation 
lierbeiführte, und warum nach Haupttempora der Ausdruck der Subjek- 
\ität und der der Wiederholung durch den Opt. verschmäht wurde. 

168. Die unter dem Namen Imperativ zusammengefassten Formen 

aren verschiedenartigen Ursprungs (ij 143. 144). Der Gebrauch war im 

anzen einheitlich. Negation stets in\. Dass man gewöhnlich nicht iii] 

<)hT$ov, sondern fii] Su^i]g sagte (die Ausnahmen s. bei Kühner IP 203), hing 

vielleicht mit dem Ursprung des Ausgangs -aov (g 144) zusammen; vgl. 

auch Delbrück, S. F. 4, 120. 

1(59. Der Indikativ war von Haus aus der Modus der verstandes- 
inässigen Betrachtung (Negation ov). Vom ind. fut. ist hierbei abzusehen, 
weil die voluntative Bedeutung, in der er oft auftritt, ui-sprünglich dem 
Futurstamm in allen seinen Formen eignete (§ 1G3). 

Beim Gebrauch der augmentierten Judikative als „Modus irrealis' 
iiid zwei Kategorien zu unterscheiden: 

1. ^(ffi, ü)(f.tXov („ich sollte**) u. dgl. wurden sowohl von der \ er- 
;,'angenheit als auch von der Gegenwart gebraucht. Anfänglich bedeutete 
tdti uviov nouTv nur „er mussto (damals) thun". In den meisten Fällen 
handelte es sich natürlicherweise um eine Pflicht, die nicht erfüllt wurde; 
daher: „er hätte thun müssen". Solche Wendungen wurden alsdann aucli 

•n der Gegenwart gebraucht (schon bei Homer, z. B. A 415 f«y oiftXtg 
'<(ju vi^voiv ud(ix(jvTog xm um]tiü}v i^aO^ui „ach, du solltest ... sitzen!*), 
lern das, was sein müsste, sollte u. s. w., aber nicht ist, dem gegen- 
wärtig thatsächlich bestehenden gegenüber als das prius, als das, an dessen 
Stelle dieses getreten ist, aufgefasst wurde; weswegen, auch wenn von 
gegenwärtigen Verhältnissen die Hede war, die Angabe des wirklich be- 
stehenden mit irr dh (.1 417 rt'fv 6' ufia t' (oxvfiOQOi xai 6t(vQ6i rr«^ ruirtwv 
i^nXnt) eingeführt wurde. 

2. Optativische (wünschende oder poteniiale) Indikaiive, in Haupt- 
sätzen, wie *ry tlx^tr lind tinadfto ui\ ti ^it] xiA., und in den abbiingigiMi 
'rolati vischen oder konjunktionalen) Siltzen, die einem .irrealen' Gmlanken- 

rhältnis angehürten. Auch diese boztigen sich auf VcrganKonheit unti 
ttuf (Gegenwart. Aber auch hier wieder wurde drr Indik. u^^! i 

von der Vergangenheit gebraucht: *'".*/* tiyin liäld« ith dmli 

UAodlmoli 4«r kUv. Alitrtiuii«wuMrrm:iuiit. 11 



104 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



habt!" u. s. w. Auf diesem Standpunkt stand noch Homer 0, der von der 
Vergangenheit daneben auch den Optativ gebrauchte (§ 166) und für di(^ 
Gegenwart nur diesen setzte. Man darf vermuten, dass im Gebiete des als 
unwirklich vorgestellten ursprünglich der Opt. allein herrschte, dass als- 
dann in dem Fall, dass es sich um vergangenes handelte, die Augment- 
indikative Platz griffen, um der Zeitstufe Ausdruck zu verleihen, und dass, 
wenn in nachhomerischer Zeit, um das Moment der Irrealität zum Ausdruck 
zu bringen, f/'y ii^ov und anuiXeTo av auch von der Gegenwart angewendet 
wurden, dieses hauptsächlich im Anschluss an den Gebrauch von l'^tn, w(ft- 
Xov u. dgl. geschah, die schon vorher zur Gegenwartsbedeutung gelangt 
waren (s. o.). Namentlich mochte für «^ slxov im Sinn von „hätte ich 
doch!" das zur Bildung von Wunschsätzen verwandte w(fsXov vorbildlich 
wirken; was um so eher angenommen werden darf, weil das bereits homer. 
/i?y M(fslXov {X 481 Mg /i?; MifsXXs T€X6(T^ai) statt des ursprünglichen orx 
wcpsXXov zeigt, dass die ursprüngliche Bedeutung dieses Praeteritums nicht 
mehr klar empfunden wurde. 

Da yvoh] ric av in älterer Gräzität sowohl von der Gegenwart als 
auch von der Vergangenheit gebraucht wurde (vgl. z. B. E 85 wg ol {xtv 
Ttovt'ovTo xard xqarsQr^v td^ivriv Tvdsidrjv ö" ovx av yvorrjg, nottQOiai 
fjisTeirj, J 429 oi 6' aXXot dxrjv i'aav, ovSs xs (fairjg roaaov Xaov snta^ai), 
so dürfte auch syvM Tig av erst auf Grund der Optativkonstruktion auf- 
gebracht sein, um die Zeitstufe mit auszudrücken. 

Man beachte: av und x^v finden sich nur da beim Indik. (von der 
Verbindung dieser Partikeln mit dem ind. fut. ist wegen der modalen Be- 
deutung des Futurstammes abzusehen), wo eine gleichartige Optativkon- 
struktion gegenüberstand. Bei dieser, der älteren Ausdrucksweise, war av 
ursprünglich ein unwesentlicher Zusatz und der Optativ der Hauptträger 
des Potentialen Sinnes. Die Partikel wurde aber an diesen Sinn so fest 
geknüpft, dass sie, als man nun zum Indik. griff, um der Zeitstufe gerecht 
zu werden, alleiniger Träger der Modalitätsbedeutung sein konnte. 2) In 
gleicher Weise war die Umsetzung von sl'd-' e%oiiii in eid-' eixov möglich 
wegen der den Wunsch als solchen charakterisierenden Partikel. 

Indem das Bedürfnis, die Zeitstufe nicht unbezeichnet zu lassen, den 
Indikativ auch anderer Tempora als des Futurums an der Modalität teil- 
nehmen Hess, kam man dazu, neben ov auch fxri mit diesem Modus zu 
verbinden. In allen Fällen zeigt p^r^ die ihm von Haus aus eigene Bedeu- 
tung, es war Hauptkennzeichen der betreffenden psychischen Diathese. 
Es erscheint so in Wunsch- und Bedingungssätzen (denen sich die Relativ- 
sätze mit og == si Tig anschlössen), ferner in Befürchtungssätzen, z. B. s 300 
dsidu), nTj 6ri ndvTa ^sd vrj^sqrsa sIttsv,^) und in Fragesätzen, wo es 
bejahende Antwort abwehrte, z. B. ^ 200 r^ 1.1 yj nov riva öva^svhwv cpda^' 



^) Über das von Wilhelmi, De modo 
rreali p. 4 wieder vorgebrachte si nor etjv, 
angeblich s. v. a. „w^enn er es doch noch 
wäre!^ s. Curtius, St. I 2, 286. 

2) In ähnlicher Weise erscheint franz. 
point in joomi du tout u. dgl. als Träger 
einer Bedeutung, die ursprünglich nur die 



Verbindung ne point gehabt hatte. 

2) Hierher wohl auch y 2\Q dXX ciys 

TL ^oi oi/oftai (nicht oi/cofKu) xoiXrjg inl 
vrjog {iyomeg. S. Vierke, De ^tj particulae 
cum indic. coniunctae usu antiquiore p. 16 sq. 



1. Das Verbum. (§ 170.) |()- 

'tiisvai avSoöii': Äsch. Prom. 959 ,ui] ti aoi Soxo) tuQßtiv; da im In- 
dischen md nicht mit dem Indikativ verbunden erscheint, so scheint es sich 
in allen diesen Fällen um Neuerungen der speziell griechischen Entwick- 
lungsperiode zu handeln. 

In Bezug auf den Charakter der beiden Negationspartikeln merke 
man noch: mit ov fii] cum ind. fut. oder conj. aor., seltner praes. wurde 
ein ablehnender /t/;-Satz negiert. Diese Ausdrucksw^eise erst nächhomerisch, 
z. B. Soph. O. C. 17G ov toi iu]noTt a' ix icovd' ^dgaiMr, m yiQo\\ icxovn'c 
Tig a^fi, was sich etwa so verdeutlichen lässt: „der Furchtgedanke Mass 
dich nur nicht einmal einer forttreibt!' besteht nicht** = „sicher treibt dich 
nie einer fort". Vgl. Gildersleeve, Americ. Journ. of Phil. :^, 203 sqq. 

Infinitiv und Partizip. 
170. Infinitiv. Die griecli. Infinitive (i^ 140) waren gleich denen 
der andern idg. Sprachen casus obliqui von nomina actionis, die an verbaler 
Konstruktionsweise Teil bekommen hatten. Ihre Anlehnung an das Verbum 
bezog sich auf Kasusrektion, Aktionsart, Zeitstufe und Diathesis (genus 
verbi). Der Infinitiv als solcher war fertig, nachdem die Form nicht mehr 
als Kasusform ihres Paradigma's empfunden und ihre Konstruktionsweise 
nicht mehr in Analogie zu den ursprünglichen nominalen Konstruktionen 
gesetzt wurde. Das Bewusstsein von der Substantivnatur der Infinitive 
war in homerischer Zeit schon erloschen. Auf den dativischen Infinitiven 
(Sofur-m u. s. w., § 146) beruhten der finale Gebrauch (von dem der kon- 
sekutive im Grunde nicht verschieden war), z. B. H 873 t^oÜO^tr J' Idawc 
rro) xoiXag im vT^ag tlnifisv (zur Meldung, zu melden), und die impera- 
tivische Funktion, z. B. E 124 i^aqam' rvv, Jiofii^^tg, ini Tgtotaai ftt't- 
XtaUui. Lokativische Funktionen (vgl. döntv u. s. w., § 140) sind nicht 
mit Sicherheit nachzuweisen. Der sog. „infin. epexegeticus** (z. B. ^ 20 xui 
HIV /naxQCTfQov XUI TiäccoYa O^f^xe ISiaO-ai^ JS 25& t6(pQa St ^i/tfQOt 
noXtfiiXf^iv r](jav 'Axceioi) kann ohne Schwierigkeit aus der dativi.schen 
Funktion hergeleitet werden. In den von iniara^im^ Xiyu) u. iihnl. ab- 
hängigen Infinitiven war diese schon frühe so verblasst, dass man den Inf. 
als Objekt oder Subjekt des regierenden Verbs empfand. So wurde der 
Infinitiv zur rein nominalen Natur zurückgeführt, und sein Kennzeichen 

hielt dieser Vorgang durch Voraussetzung des Artikels t6, von welcher 
Konstruktion sich die Anfänge schon bei Homer zeigen und die, weil sie 
ein bequemes Mittel bot, den Infinitiv mit allen zu ihm gehörigen näheren 
Bestimmungen einheitlich und übersichtlich zusammenzufassen (vgl. z. B. 
Demosth. 1,4 t« yd{) t-lvai naviMV ixHiov Iva ortet xi'^ioi* . . . 7T(f6g toni 
rov TxoXhfiov luxv ngmiKT'/«! rroA^/p 7r(»r>*)rf/), von einigen Schriftstellorn, 

io von ThukydidcH und DemostheneH, sehr hilufig gebraucht wurde (s. 
*iiLDERHLEB\'E, Amcr. Jonm. of I*hil. 8, 329 ff.. Hiuki.kin, KntwickhingH- 
geHchichte des Hubstantivischcn Infinitivs, Würzburg 1HH8). 

Der Akkusativ des ,a(c. cum inf.' gehörte urnprUnglich uIh Oli.kt 
/...in regierenden Verbum, vgl. z. H. UM »Vto)^»»;^«/ f xtXtvt^ xtigi^ xniit,- 
tatittg '/tx'ti'ovg nuravdif^. Er schied aus dorn Kyntaktischon Zusnuimenlianj: 
mit diesem aus und wurde als Subjekt zum Inf. gezogen. Erst nach dichor 



|C)6 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

Verschiebung der syntaktischen Gliederung konnten auch Verba, die keinen 
Objektsakkusativ zu sich nahmen, sich dieser Konstruktion bemächtigen, 
vgl. z. B. B 190 6aiixövi\ ov as i'oixs xaxov wg dticiiaasaOai, Sie wurdo 
in nachhomerischer Zeit durch rö substantiviert, vgl. die oben angeführte 
Demosthenesstelle 1, 4, und konnte auch mit ciars eingeleitet werden, z. 
B.' Xen. I 6, 2 . . . Tiou^asisv wais ijh]tcot8 dviaai>m amovg idövrag lo Kvqov 
üTQctttvi^ia ßaadsT Siayystlai (vgl. Xen. Hell. III 1, 1 xal sitonjas ^vtvveaiv 
/t/y dvvccaO^cci, xaid yrjv svavriovaO^ai Kvqc/)). 

Eine allseitig befriedigende Erklärung hat die Verbindung von ttqiv 
{ticcqoc) mit dem Infinitiv, die schon bei .Homer ein fertiger Konstruktions- 
typus war, noch nicht gefunden. Vgl. Gildersleeve, Amer. Journ. of 
Phil. 2, 469 sqq. 

171. Partizip. Da das Adjektiv nicht nur zur Bezeichnung einer zum 
Wesen eines Dinges gehörigen Eigenschaft, sondern auch zur Bezeichnung 
einer vorübergehenden, vom Standpunkt des sprechenden aus zeitlich be- 
grenzten Eigenschaft gebraucht werden konnte, so bekam es Teil an dem 
Charakter des Verbums, wurde zum Partizip {n^Toxr}). Die Angliederung an 
das Verbum erstreckte sich auf Kasusrektion, Zeitstufe, Aktionsart und 
Diathesis (genus verbi). Die in § 147 aufgeführten Bildungen waren alle 
ausser denen mit -tso-, das wahrscheinlich aus -rspo- entstanden war (§ 70, 3), 
schon in vorgriech. Zeit fertige Partizipien. In vollem Umfang lebendig und 
schöpferisch blieben aber nur die Formationen mit -nt- (1), -ues- (2), -meno- (3), 
denen sich dann -Tto- als produktives Suffix zugesellte. 

Dass bei den Passivpartizipien der Urheber der Handlung zuweilen 
durch den Gen. bezeichnet wurde, wie Eur. El. 123 (Sv 6" sv "Aiöa di] xstaai, 
Gag dXoxov acpaysig Alyia^ov x\ ^Aydfxs/jivov, scheint als ein Überrest der 
Nominalnatur angesehen werden zu müssen. Vgl. diöa-^oTog (eigentlich 
„Geschenkter des Zeus", § 103 S. 141) und die Verbindung der Passiv- 
partizipien mit dem adnominalen Gen. im Ai. und Lit. (vgl. Leskien-Brug- 
MANN, Lit. Volksl. und Märch. 321). 

Rückkehr zur rein nominalen Natur fand in der griech. Entwicklungs- 
periode z. B. statt bei sxmv „freiwillig", ^i'XXcov „künftig", aq^Mv „Herr- 
scher", oQi^wv „die begrenzende Linie, Horizont", aa^svog „froh", 8qqm- 
litvog „stark". Bereits seit uridg. Zeit waren reine Nomina ysQcov, Trag, ot^ovg. 

Aus der adjektivischen Natur des Partizips erklärt sich, dass das- 
selbe oft in Verbindung mit sivai, yCyvsaS^ai u. ähnl. Verben als „Hilfs- 
zeitwörtern" gesetzt wurde, z. B. i"309 oTiTcoTtQo^ S^avdroio TsXog nsnqw- 
fit'vov icTTiv, E 873 ccisi toi QiyiCTa ^sol Tsr^rjorsg sl^tv dXXrjXwv Iott^ti. 
Vgl. Kühner, IP S. 35 f. 623 f., Alexander, Participial Periphrases in 
Attic Prose, Amer. Journ. of Phil. 4, 291 ff. Im Att. wurde in der 3. pl. 
perf. plusqu. med. pass. die Umschreibung mit eial, rjaav, wie T€rayf.i€voi 
dal = TszdxccTai, zur stehenden Ausdrucksweise (auf den att. Inschriften 
seit 410 v.Chr. nur noch diese Umschreibung, s. Meisterhans, Gr.^ 131); 
ebenso Tsxayiiävog w, ei'riv und nsnaiöev^Evog w, siriv. Der gleiche Gebrauch 
von es- „sein" als Hülfs verbum auch im Ai., Lat. und andern Sprachen. 

Mehr als in andern Sprachen (vgl. z. B. das Lat.) war im Griech. der 



1. Das Verbum. (§ 171). 2. Das Nomen. (§ 172.) 197 

„appositive" Gebrauch entwickelt, besonders beim part. aor., wie B 35 
ü)g ccqa (fwir^aag aneßi^daio. 

Der „gen. absol." war auf griechischem Boden' in ähnlicher Weise 
durch Gliederungsverschiebung entstanden wie der acc. cum. inf. (§ 170). 
Der Gen. gehörte von Haus aus als echter oder als ablativischer Gen. (§ 183) 
zum regierenden Verbum, vgl. z. B. 118 toi 6' i&vg fisf^iawiog dxoruas 
TvSeog vivg, Q All ai^iv 6' iyo] ovx dXfyi^ü) X«o/'«'»»i?, 3/392 ^agntldoiti 
6' axog yivfTo rXavxov dmovrog. Indem nun der Gen. mit dem Partizip 
innerlich als eine Art von temporalem oder modalem Nebensatz empfunden 
wurde, schied er aus dem Verband mit dem regierenden Teile aus und 
wurde als Subjekt zum Part, gefühlt. Die Konstruktion des gen. absol. 
war fertig, sobald sie sich zu solchen Verba gesellte, von denen ein Gen. 
oder Abi. nicht abhängen konnte, vgl. z. B. A 88 ov rig ei^uv ^aiviog xal 
em xO^ovl SsQxoßtvoio aol xoiXr^g nagd vr^val ßageiag x^^Q^<9 ^^oicfi avfi' 
rdvTiov Javawv. Vor dieselbe trat dann auch wg, ähnlich wie wtrr« vor 
den acc. c. inf., wie Thuk. 1, 2 xal ig ^Icaviar vcTTfQov, Mg ovx '><«>''7? ovaig 
n]g UzTixt'g, dnoixiag il^bTvefxipav. Vgl. Classen, Beobacht. über den hom. 
Sprachgebr. 160 ff., Hübschmann, Zur Casuslehre 113, Spieker, On the 
so-called Genitive Absolute, Amer. Journ. of Phil. 6, 310 ff. 



2. Das Nomen. 

172. Geschlecht der Substantiva. Alle o-Stämme waren ursprüng- 
lich masc. oder neutr., alle fZ-Stämme fem. Im Lauf der Zeit aber, und zwar 
wahrscheinlich erst auf griechischem Boden, wurden viele substantivische 
-Stämme fem., d. h. sie gingen mit Feminina attributive oder prädikative 
Verbindungen ein, z. B. /; rtjaog, goSoSdxtvXog i^oJc, eine Neuerung, die auf 
verschiedenen Wegen zu stände kam. Umgekehrt wurden, und zwar wahr- 
scheinlich ebenfalls in der speziell griechischen Entwicklungsperiode, ^I-Stämme 
maskulinisch, indem mit rt-Suffixen gebildete Abstrakta zur Bezeichnung 
männlicher Personen gebraucht wurden, wie ifrtn'rt-, ursprünglich ...lugend", 
^rr;-, ursprünglich „Angehörigkeit"; dieser Prozess führte für den noni. und 
gen. sg. auch eine an der Form selbst äusserlich hervortretende Maskulini- 
sierung herbei (S 75. 79). Vgl. Osthoff, V. i. d. Nc. 263 flf., Vf. Lit. Centr. 
1 878 Sp. 983 f. und Fleckeis. Jahrbb. 1880, S. 600 f., Delbkück, S. F. 4, 12 f., 
A. R. Lange, De substantivis femininis Graecis secundae declinationis, Lipe. 
1885. Die mit -{('- -i- gebildeten Nomina, wie yi'f«. ijcffm (g 70''), waren 
von Haus aus alle fem. und behielten dieses Genus im Griechischen bei. 

Die übrigen stanimbildenden Suffixe waren an sich gegen das Genus 
indifferent. Das grammatische Geschlecht der mit ihnen gebildeten Sub- 
stantiva trat nur entweder in der Ktwusbildung (z. H. ytiog ytrut) oder an 
den mit ihnen verbundenen Attributen etc. (z. H. tii]v (idati) hervor. 

In Bezug auf die Kongruenz der Genera bewegte sich das Griech. 
freier als die andern idg. Sprachen, vgl. z. B. A' 84 y/^ t^jtior, ^ 690 
fVltVciir . . . ßit: llQuxXi^thj. Solche Inkongruenzen haben, obschon sie 
als Verstösse gegen die ^grammatische Hichtigkoit' erscheinen, für uralt 
/u gelten. 



J98 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

173. Numerus. Der (wahrscheinlich uridg.) kollektive Gebrauch des 
Singulars bei Völker- und Bewohnernamen (z. B. o llsQarjg Herod. 8, 108, 
6 XaXxiSi-vg Thuk. 6/ 84) und Appellativen {nolsfxiog, xccqnog u. a., z. B. 
Thuk. 4, 10 xal tov noXbiuov ösivotsqov s'eo^sv) fusste auf dem (sicher 
uridg.) generischen Gebrauch dieses Numerus, demzufolge man mit ihm 
nur den Begriff zur Vorstellung brachte (avd^Qconog „das Wesen Mensch"). 

Der Plural oft bei Kollektivbegriffen im Hinblick auf die Teile, die 
Arten, die Kompliziertheit der Erscheinungsform u. dgl., z. B. ipäfia^oi, 
xQiO^at, alfc, xQsa, ^vXa, rjXioi,, vvxrsg; XexTQa, aQfiara, ^Mfiara von einem 
Lager u. s. w. mit Rücksicht auf die Teile der Konstruktion ; dxrai, rjivveg, 
oxO^cei, vwra, SQVf^id mit Rücksicht auf Ausdehnung, u. dgl. m. Eine Zer- 
legung in Gruppen und eine Begrenzung der besonderen Art der Pluralität 
hat hier natürlich immer etwas willkürliches, da das Bedeutungsbild in 
der Seele der sprechenden selbst ein unbestimmtes und schwankendes war. 
In diesem Pluralgebrauch wurzelte auch der „plur. maiestaticus" der 
Dichter, besonders des Tragiker, z. B. (filoi, Tsxövrsg. Bei Abstrakta deutete 
die Pluralform die einzelnen Arten oder Bethätigungen des Begriffs an, 
z. B. ^ävaroi, draa^aXiai, fiaviai. Indem ein Individuum wie ein per- 
sonifizierter allgemeiner Charakterbegriff erschien, konnte die Pluralform 
bedeuten „Leute wie dieser", z. B. Plat. Theät. p. 169b ^Hgaxlseg „Männer 
wie H.", Äschyl. Ag. 1439 XQvarjidcov ^sihy^a tmv vtt' 'iXim. Zu allen 
diesen Gebrauchsarten des Plur. stellen die andern idg. Sprachen Analogien 
(vgl. ToBLER, Ztschr. f. Völkerps. 14, 410 ff.), und es wird weniges speziell 
griech. Neuerung sein. 

Der Dual war zur Zeit, wo die Überlieferung des Griech. einsetzt, 
schon im Niedergang. Am frühesten starb er wohl im Lesb. -Asiatischen 
aus. Das Att. hielt ihn mit am zähesten. Um 300 v. Chr. mag dieser 
Numerus in ganz Griechenland aus der Sprache des gemeinen Mannes 
verschwunden gewesen sein. 

Besonders oft wurde der Dual in dem Fall gebraucht, dass zwei 
Dinge durch Natur oder Sitte ein Paar bilden (z. B. tö/iw, x^^Q^y I'titcw 
„Zweigespann", xo&oqvco, dvaxTs die Dioskuren). Doch war er schon bei 
Homer in keinem Fall mehr notwendig, vgl. z. B. iro^ag coxvg. Ferner 
wurde der Dual gesetzt, um zwei in der Rede vorher erwähnte Dinge zu 
einer Einheit zusammenzufassen, wie ol dt nwXrjTal dnoixia&wadvTow tm 
avYila (von denen schon vorher die Rede war) auf einer att. Inschr. von 
439 V. Chr. bei Meisterhans, Gr.^ 164, ein Gebrauch, welcher sich auch im 
Altindischen findet und den Delbrück (S. F. 5, 96 ff.) den „anaphorischen 
Dual" nennt (im Gegensatz zum „natürlichen"). Wenn §vm (ßio) zum Dual 
(und Plural) trat, so handelte es sich um irgend zwei Wesen, die nicht in 
einer inneren Beziehung zu einander zu stehen brauchten; der Zahlbegriff 
hatte den Nachdruck: z. B. F 246 xiqqvxeg 6'dvd darv x^ewv (fsqov oQxia 
niffTd, dqv8 Svm xal oivov. Der Gebrauch des Duals im Griechischen deckte 
sich mit dem altindischen, darf also für altüberkommen gelten. Vgl. über 
den Gebrauch im alten Epos Delbrück, S. F. 4, 16 f., Ohler, Üb. d. Ge- 
brauch des Du. bei Homer, Mainz 1884, Illeck, Der Du. bei Hesiod, Ztschr. 
f. österr. Gymn. 1888, S. 97 ff., über den attischen Keck in Schanz' 



2. Das Nomen. (§ 173-175.) jgg 

Beitr. zur hist. Synt. 2, 58 f., Wackernagel, Phil. Anz. 1885, S. 191 ff. 
Meisterhais' s, Gr.^ 161 ff. (andere Litteratur bei G. Meyer, Gr. Gr.- 359 f.). 
Ob sich die an sich nicht unwahrscheinliche Annahme bewährt, dass 
lie Griechen so wie die Inder ein Substantiv in den Dual setzten, um den 
durch dasselbe bezeichneten Gegenstand nebst einem andern, mit ihm ge- 
wöhnlich zusammen gedachten Gegenstand auszudrücken {Ararre „Aias und 
Teukros", r« KdaroQs „Kastor und Polydeukes"), bleibt abzuwarten, s. 
Wackernagel, K. Z. 23, 302 ff., Delbrück, S. F. 4, 20. 

174. Inkongruenz der Numeri, zugleich mit Bezug auf das 
Verbum. Keine alte Sprache hatte so wenig feste Normen hinsichtlich 
der Kongruenz der Numeri als das Griechische. Dual mit Plural: E 275 
TW 6i Tax eyyvö^sv rXi^ov, <l> 115 x^^Q^ nsTaaaag d/iKfOTtgag, Xen. mem. 
II 3, 18 TO) x*^?*"> "? xi/., Demosth. 24, 9 dixaffTt^Qioir ^voTr . . . i^nma- 
litvoav. Plural mit Dual: ^452 (oq J' ms x^^l^^QQ^'' ^oiccfioi . . . avußdX- 
XtTov oßgifiov vSiOQ, Plat. de rep. p. 478 a ^wd/neig Si dfi<fÖTfQai iaTo\\ 
fU)^a T8 xai €niGTi]nr^. Über eine Parallele zu /7 218 Sv dvtQs 0^ü)Qi]aao\'To 
im Avestischen s. Delbrück, S. F. 4, 18. Sing, mit Plur.: B 278 ig 
fdaav Yj nXr^O^vg^ Thuk. 4, 32 o aXXog aTqaTog drtßaiiov, .^603 TieqihTaO^ 

uiXog TSQTToixsvoi', vgl. hierzu die Verbindung der Kollektivpronomina 
i'ir und ihr, die zum Teil noch in der historischen Gräzität Singularflexion 
trugen (§ 96), mit dem Plural. 

Neutr. pl. mit sg. des Verbs. Der Sing, des Verbs bei Homer häu- 
figer als der Plur.'), welcher in der att. Prosa nur selten vorkommt; auf 
den att. Inschriften nur ein Beispiel, mit dem es eine besondere Bewandtnis 
hat (Meisterhans, Gr.- 160). Dass die Griechen den Plur. des Verbs öfter 
darum vorzogen, weil der Gedanke der Mehrerleiheit überwog, ist wahr- 
cheinlich, wenngleich nach keiner Richtung ein festes Prinzip in der Wahl 
lür einen oder der andern Konstruktion hervortritt. Wenn sich bei Homer 
lor Plur. nach Substantiven häufiger zeigt als nach Pron. und Adj. (R. 
I'ranz, De generis neutrius pluralis cum verbo construendi vi et usu, 1877), 
o war dieses wohl darin begründet, dass diesen (z. B. Tavia^ tu dyaö^d) 
der Sinn der Vereinigtheit öfter zukam als jenen. Die Konstruktion des 
neutr. pl. mit dem Verbum im Sing, war uridg. und beruhte darauf, dass 
die in der Grammatik als nom. acc. pl. bezeichneten Formen zum Teil 
wenigstens ursprünglich keine Mehrheits-, sondern nur Kollektivbedeutung 
hatten (vgl. Maiilow, I). 1. V. 72 ff.). 

Bei der Beurteilung von 'öaat S^Si]fi M 466 (vgl. Delbrück, S. 1 1. 
18) kommt das neutrale Genus des Sul>et. mit in Betracht 

Die Kasus. 

175. über den Ursprung der KasuHHuffi xf IicL:«Mi nur nudir oder 
minder vage Vermutungen vor. Daher kann die Grundbedoutung der Kaaus 
nicht als ermittelt gelten. Auf eine streng einheitliche Qrundbedoutung 

'i KInigc IIomorMtolIrn mit dem Tlunil j »Undt'n hitt<»n, wie B 185 Mf« timt 

will WA«K»K!SAor.i,. K. Z 2H, a08 moV *tt\ aiiiQtn X/Xv»^tti. wo tr Uhßfm 

• II iaMNi'ti. iii<i<iM rr niiiiimmi, cImh konjtziert. 

iniprUnglich Hingulttrfuimcii iiit Text go* i 



2QQ A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

in solchen Fällen, wo zwei lautlich nicht zu identifizierende Suffixe neben- 
einander im Gebrauch waren, wie -os {-es) und -sio im gen. sg. (§ 79), aus- 
zugehen hat man kein Recht. 

Mehrere Formkategorien fungierten als Kasus, obwohl sie ein Kasus- 
zeichen nicht hatten und wahrscheinlich nie gehabt hatten: /w^« § 75, 
yt'rog, t'jdv g 78, toi, dessen -i Pluralzeichen war, § 93, «>*' § 96, do^sv döfAi^v 
§ 82. Das -Q von ovO^aq hing mit dem Stammbildungssuffix -ro- zu- 
sammen (8 71% 1) und das -w (-v) des acc. sg. masc. fem. neutr. und nom. 
neutr. (Inirov, x^Q^^':> C^7^^) vermutlich mit der Partikel -em -om -w, die 
schwerlich ursprünglich eine kasuelle Funktion hatte (Leskien, Ber. der 
Sachs. Ges. d. W. 1884 S. 101). 

Man teilt die Kasus der indogermanischen Sprachen ein in lokale, 
d. h. solche, jjie irgend ein räumliches Verhältnis zur Vorstellung bringen, 
und grammatische, d. h. solche, die eine rein grammatische Beziehung 
des Nomons zu einem andern Satzteil ausdrücken. Zu jenen rechnet man 
den Lok., Abi. und Instr., zu diesen den Nom. und Akk.; den Dat. nehmen 
die einen als lokalen, die andern als grammatischen Kasus (vgl. Hübsch- 
mann, Zur Casusl. 214, Pischel, Bezz. B. 1, 111, Delbrück, S. F. 4, 53. 
5, 140). -Dass Lok., Abi., Instr., so weit wir in der Sprachgeschichte 
rückwärts zu blicken vermögen, räumliche Beziehungen bezeichneten, ist 
sicher. Auch muss wohl die räumliche Bedeutung des Dativs, wonach in 
diesen Kasus der Begriff trat, dem die Handlung sich zuneigt, zuwendet, 
als urindogermanisch gelten, wenn sie auch vielleicht zunächst erst aus 
der grammatischen Bedeutung hervorgegangen war, nach der man in diesen 
Kasus denjenigen Begriff setzte, dem die Handlung gilt. 

Wenn man hienach den Nom. und Akk., eventuell auch den Dat. als 
„grammatische Kasus" definiert, so muss man dabei bedenken, dass eine 
derartige Bedeutung den Formen nicht von allem Anfang an kann zuge- 
kommen sein. Die wirkliche Grundbedeutung muss eine konkretere, lebens- 
vollere gewesen sein. Welche es war, ist nicht zu sagen, da die Etymo- 
logie der Flexionsendung im dunkeln liegt. Vgl. Whitney, Transactions 
of Amer. Philol. Assoc. 13, 88 ff. 

Dadurch, dass für eine gewisse Funktion eines Kasus das Sprach- 
gefühl aufhört lebendig zu sein, so dass sie nur bei einer bestimmten An- 
zahl von Formen rein gedächtnismässig beibehalten wird und nicht mehr 
jedem beliebigen Nomen neu beigelegt werden kann, entstehen Adver bia. 
In jedem Zeitpunkt der vorhistorischen und der historischen Entwicklung 
des Griech. gab es eine Anzahl von Kasus, die in diesem Erstarrungs- 
prozess begriffen waren, und es ist oft keine scharfe Grenze zu ziehen 
zwischen lebendigem Kasusgebrauch und adverbialem. So ist z. B. in der 
historischen Gräzität die Funktion des Gen. als „gen. temporis" (§ 182) 
kaum mehr als ein lebendiger Kasusgebrauch zu bezeichnen, der Kreis der 
Formen war ein geschlossener {fjfxbQag u. s. w.). 

Die vollendete adverbiale Erstarrung bekundet sich am deutlichsten 
1. darin, dass die betreffende Kasusform überhaupt nur in dieser bestimmten 
Zahl von Exemplaren erhalten geblieben ist, dass man sie bei den andern 
bildungsgleichen Nomina nach Abgabe ihrer Funktion an andre Kasus- 






2. Das Nomen. (§ 175.) 2OI 



formen hat fallen lassen, vgl. z. B. im Att. die Lok. wxoi etc. (§ 186) 
neben €r d^oXfo etc. 2. darin, dass, wenn ein Kasus eine assoziative formale 
Neuerung erfährt, die aus dem lebendigen Kasusverband ausgeschiedenen 
Formen dieser Neuerung nicht unterworfen werden, vgl. z. B. att. 'A&iviai, 
lihcTctiaat, ^voaai u. dgl. gegenüber den Formen auf -i^at -ccai, die aus 
-/^ö-/ -aat nach der Analogie von -oiai umgebildet waren (§ 90). 3. darin, 
dass der Ausgang der Kasusform (als Adverbialendung) ohne Rücksicht 
auf die Stammbildung weitergetragen wird, vgl. z. B. das nach wxoi, 
"la^fioT gebildete att. KixwvoT (nom. Kixvvva)^ das nach rir, tavii] u. dgl. 
geschaffene TravTi], die nach xaXoK (von St. xaXo-) gebildeten SiaqiQÖvt-uK, 
'^^X^'(f)-f><= u. a. (§ 80. 83). 4. darin, dass der Kasusausgang eine Erwei- 
terung erfährt, die im lebendigen Kasusgebrauch nicht eintreten könnte: 
vgl. z. B. evO^v-g i&v-g neben evd^v i&v nach andern, altern Adverbien 
auf -g wie ovTo)-g; hom. Xixgi-qi-g mit demselben -g (vgl. niKfig) neben aiQct- 
tö-tfi etc. (§ 92). 

Synkretistische Kasus (Mischkasus) entstehen dadurch, dass an 
die Stelle von zwei Kasus von verschiedener Form und verschiedener Be- 
deutung eine Kasusform tritt, die die Funktionen der beiden vereinigt. 
Der Anlass zu solcher Neuerung kann ein sehr verschiedener sein. Ab- 
gesehen von einigen verwickeiteren Prozessen, die nur von Fall zu Fall 
besprochen werden können, lassen sich zwei öfter wiederkehrende Anlässe 
unterscheiden: Annäherung der Bedeutung und Zusammenfall der Form 
zweier Kasus. Jene war in den älteren, dieser in den jüngeren idg. Sprach- 
entwicklungen der häufigste Grund zum Synkretismus. Berührten sich die 
Kasus in der Funktion, so führte dieses immer zunächst zu einem Fromiscue- 
Gebrauch, d. h. die beiden Formen tauschten nach und nach alle ihre 
Funktionen gegenseitig aus; alsdann Hess man die eine der beiden Formen 
als überflüssig fallen. Wurden die Formen der beiden Kasus auf laut- 
gesetzlichem Wege gleich, so war für die von der lautlichen Verwandlung 
betroffenen Kategorieen von Nominalstämmen der Synkretismus ohne wei- 
teres gegeben; in anderen Nominalstammklassen, wo ein Zusammenfall 
der Form nicht stattfand, blieb die formale Geschiedenheit dann ontwtMliM- 
bestehen, oder sie wurde durch assoziative Einwirkung der synkretistischtMi 
Formen, durch die Zwischenstufe eines Promiscue-Gebrauchs hindurch, auch 
hier aufgehoben. 

Im Griech. fand Vermischung statt zwischen Gen. und Abi. 8g. und 
pl. (allgemeingriechisch, z. B. Gen. lor und iwr auch mit Ablativbedeutunp). 
zwischen Dat., Lok. und Instr. sg. und pl. (tx»ilH allgemeinj^iiechisch, z. H. 
I ok. no()-i und 7r«<r/' auch mit Dativ- und Instr.-Bedeutung, teils einzoldialck- 
liHch, z. B. Lok. o/xoi im Nordwestgrioch., Boot. etc. auch mit Dativ- und 
Instrumentalbedeiitung, Dativ wx/;» im lon.-Att. etc. auch mit Lok.- und 
Instr.-Bedeutung), zwischen Lok. und Gen.-Abl. sg. (in einem Teil von 
Thessalien Lok. ftfxm auch als Gen.-Abl.), zwischen Nom. und Akk. pl. 
(in verschiedonen Dialekten Nominative auf -*^ wie ikXttaaovtQ auch als 
Akk., umgekehrt z. B. Akk. t^U im Horakl. auch als Nom.), vielleicht auch 
'wischen Dat.-I^ok.-lnstr. pl. und Akk. pl. (ol. i'xkhuQ auch als Akk.. h 
•5 S. 69). In den meisten Fällen war ch unzweifelhaft Ähnlichkeit (h"> 



202 ^' Griechische Grammatik, d) Syntax. 

Gebrauchs in einer Anzahl von syntaktischen Verbindungen (vgl. z. B. Dat. 
und Instr. beim Passiv zum Ausdruck des Vollziehers der Handlung), was 
die Kasus zusammenfallen Hess. Von lautgesetzlichem Zusammenfall der 
Form dagegen als Ursache synkretistischer Neuerungen kann vielleicht 
nur beim Lok.-Dat. sg. der o-Stämme die Rede sein, nämlich wenn der 
Dativausgang -öi vor konsonantischem Anlaut des folgenden Wortes zu 
-oi geworden und damit dem aus vorgriech. Zeit mitgebrachten bokativ- 
ausgang -oi gleich geworden war, (s. § 82 S. 122 Fussn. 1 und § 184). Eine 
gewisse lautliche Ähnlichkeit des flexivischen Ausgangs mag hie und da 
den Prozess unterstützt haben (vgl. Lok. pl. -oiai und Instr. pl. -oig, Nom. 
pl. -€g und Akk. pl. -«g); aber es ist sicher falsch, wenn man einzig aus 
dieser den Synkretismus herleitet. 

176. Der Vokativ stand, als Anruf, ausser syntaktischer Beziehung 
zu den andern Satzgliedern und war demnach eigentlich kein Kasus. 
Hiermit steht im Einklang, dass die singularischen Vokativformen wie 
vTTTts TtdrsQ kein Kasussuffix hatten (§ 76). Wenn im Plural, wie in den 
andern Sprachen, der Nom. (vgl. § 177) als Anruf fungierte, so ist nicht 
zu übersehen, dass das -t des Ausgangs -o-i, vielleicht auch das sg von 
TiöSsg, ursprünglich nur Plural-, nicht zugleich Nominativzeichen war. Dass 
der Vok., wenn mit ihm die Rede begann, als ausserhalb des eigentlichen 
Satzes stehend empfunden wurde, zeigt die Stellung von St' u. a. Partikeln, 
wie "H(pai<fTe, aol 6^ XQ^ fisXsiv xrX. Asch. Prom. 3 (vgl. Kühner, Ausf. 
Gr. n2 45 f.). 

Die Vorsetzung von m vor den Vok. wurde für die konventionelle, 
Ehren halber geschehende Anrede (w avSqsg 'AS^rjvaToi) und im ruhigen 
Gesprächston, wenn man den angeredeten aufmerksam machen wollte, zu 
stehender Gewohnheit. 

Der Vok. konnte auch prädikativ stehen, wie Eur. Tro. 1221 av t\ 

(t) TIOT OVaa xaXXlVlXS fXVQl'wV fjitjTSQ TQOTiaiMV, 'ExTOQOg (flXoV (Xäxog, (fT€- 

(favov. Der gleiche Gebrauch im Ai., s. Delbrück, S. F. 4, 29. 5, 106. 
Der (deiktische) Gebrauch des Artikels in Ausdrücken wie m avSgeg 
Ol 7ra()WT£g (Plat. Prot. p. 337 c), TtaQaTrjQSii;\ scprj, tovtov ol nlriaiov (Xen. 
mem. III, 14, 4) war wahrscheinlich aus uridg. Zeit überkommen, s. Bezzen- 
BERGER in s. Beitr. 13, 290 f. 

177. Der Nominativ Hess den Nominalbegriff als den Mittelpunkt 
des durch das Verbum bezeichneten Vorganges erscheinen. 

Der nom. sg. fungierte häufig vokativisch, besonders derjenige der 
«-, Q- und r-Stämme. Zuweilen verbanden sich Nom. und Vok. in voka- 
tivischer Funktion, z. B. J 189 (filog m MsvtXas (vgl. Wackernagel, 
Bezz. B. 4, 280 ff.), Eur. Andr. 348 o> rXrjiJiMv avsQ. Die Anknüpfung 
eines vokativischen Nom. an einen Vok. mittels Tt^ z. B. /"276 Zev tcutsq . . . 
'Hb'Xiug T€, scheint altererbt gewesen zu sein, da sie auch altindisch war 
(Benfey, Über die Entsteh, d. Voc, Abh. d. Ges. d. Wiss. zu Gott. 17, 
30 f., Delbrück, S. F. 4, 28. 5, 105 f.). Und überhaupt mag der vokativische 
Gebrauch des nom. sg. in die idg. Urzeit zurückgehen. Seine Ausbreitung 
wurde nicht nur dadurch erleichtert, dass im Plural und Dual immer die- 
selbe Form in beiden Funktionen üblich war und das Neutrum in allen 



2. Das Nomen. (§ 176—178). 



203 



Numeris keine eigene Vokativform hatte, sondern auch dadurch, dass die 
Personalpronomina und geschlechtige Pronomina deiktischer Bedeutung im 
Sing, von Haus aus der Vokativform entbehrten (daher immer orroc, o] 
ovTog im Anruf). 

Im Lauf der griech. Sprachgeschichte übernahm der Nom. pl. auf -tg 
die Funktion des Akk. pl. mit (jungatt. rovg svyfvtrg, ror^ ßfXti'ovg, nur 
l'älle, in denen der Ausgang -fg durch Kontraktion verschwunden war, 
el. x^Q^^^Q ocy^ccnodiSwaocc^ ach. tovg eküaaoveg, delph. ^iväg dt^art'ioQfg. 
messen. Tiarzfg, § 87) und umgekehrt der Akk. pl. die des Nom. pl. (herakl. 
^Tg axoTroi, att. at agxvg, § 86). Bei diesem Synkretismus mag auch die 
xurmale Ähnlichkeit mit im Spiele gewesen sein (§ 175); speziell fürs 
Elische ist die dem et nahe gelegene Aussprache des e (§ 8) zu beachten. 

Im El. trat auch Vermischung des Akk. pl. mit dem Dat. pl. ein, 
wenn die mit akkusativischer Funktion auftretenden Formen auf -oiq -aig 
den att. Formen auf -otg -aig gleichzusetzen sind (§ 55 S. 69). 

178. Der Akkusativ brachte das Nomen in eine an sich ganz un- 
bestimmte Beziehung zum Verbum. Die besondere Art der Beziehung 
'^'•gab sich aus der Natur des Verbums und des von ihm abhängigen Nomens. 
itererbt war die Verbindung dieses Kasus mit folgenden Verba.') 

1. Verba des Affizierens, z. B. ayen' (Objektsakk.). Bei pas- 
..iver Ausdrucksweise entsprach der Nom. Nach e^agrov/nni n auch f^agrik 
fifii Tt, nach futiKfOfiaf ii auch /to^iy/^r ^x^ ^* u. dgl. 

2. Verba des Hervorbringens. 

a. Der Nominalbegriff stellte sich als das Resultat des Hervorbringens 
dar, z. B. vQv^ai ii/gQor, tvmtiv iXxog (Akk. des Resultates). 

b. Er deckte sich mehr oder weniger mit dem Substanzbegriff des 
.-rbs, was nur dann möglich war, wenn das Nomen eine Erscheinung. 

t iiien Vorgang, nicht etwa wenn es eine Person oder eine Örtlichkeit 
bezeichnete, z. B. vixäv vixijv, rixar ntviai>Xov^ O^eir J^ö/ioi- (Akk. dos 
Inhalts). Dieser Akk. wurde im Griechischen besonders beliebt und 



') Gut »agt Delbrück, S. F. 5, 164: 
, Dabei HJnd die Begriffe des Ziele«, des In- 
haltes, des Objects, der Zeitdauer u. s. w. 
in der (Grammatik nicht weiter zu definiren, 
sondern sind als Realitäten anzusehen, welche 
in der Anschauung der Sprechenden vor- 
handen sind . . . Audi in der Abgrenzung 
der einzelnen Anschauungskreise bleibt eine 
Schwierigkeit, Denn man darf nicht vor- 
f^ouHf'v. dfiMs die Hegriffc Ziel, Ohject u. ». 
'ii im Meere als K ry stall isatioiui- 
luchen, und dass Wendungen 
übrig bkibci). welche zu dem einen oder iTciu 
anderen Kreise gerechnet oder (kberbtiuitl 
nicl ' ' ' ' ' ' ,n. 

Jn fia 

natiMii'M iiniiHr \sii'tii't /n niiinutg, 

dawt in der Spiache nicht' ivi. Alt 

der Verbalbegriff und d< Ib^grifT, 

und dasK eine Kinteilung i twar 



unvemioidlich, eine jede aber nicht frei von 
Willkür ist" Dieses gilt für die Hestim 
miing und Zergliederung Oberbau^it alier 
syntAktisoben Gebrauchsweisen. Nur der 
icnige wird die Aufgabe der Syntax in ihrem 
höchsten wissenscbaftlicben Verstand Iahcu. 
der. mnglicluit absehend von dar im Verlauf 
violer Jahrhunderte «rwaohsMien Temunu 
logt» und Kinteilung, durch die so vieles in 
die Dingo hinein|^Iegi wird, wan in ihn<»n 
in Wirklichkeit nicht v<.i: 1 

nur darauf nuM imL, d» 



Fast 
BeK> 



I 



204 •^' Griechische Grammatik, d) Syntax. 

diente oft rhetorisch-stilistischen Zwecken (vgl. Scheidawind, Üb. den Akk. 
des Inhalts bei den hervorragendsten griech. Prosaikern, Würzburg 1886). 
Bei passiver Ausdrucksweise entsprach der Nom.: a. eXxog zymsTai, 
b. TiöXff^wg noXsiislrai, doch auch rvTiTo^iai sXxog (£i 421 (fvv 6' tXxsa 
nccvra i^upvxsv, oaa' etuTTtj, vgl. E 795 ^'Xxog ävaxpvxovra, xo ^iiv ßdXs 
ndvdaQog i([)). Der Akk. des Inhalts ging auch Verbindung mit Adjektiven 
ein (z. B. Thuk. 5, 34 dtt'inovg dtifjuav Toidvds), die in diesem Fall wie 
Partizipia empfunden wurden (vgl. Plato ap. p. 19c TtoXkr^v (fXvaqiav (fXva- 
Qovvtcc und ib. p. 22 e (focpog mv xrjv sxsivcov aocfiav). 

3. Verba der Bewegung nach einem Ziele hin, z. B. y 162 sßav 
nag (Akk. des Ziels). Schon frühe wurde der Akk. in solchen Ver- 
bindungen durch Präpositionen, wie sv (svg, vgl. § 200), €m, näher de- 
finiert (vgl. auch Sofiov Ss, 'Ad^rjva^e § 55. 201); im Attischen wurde diese 
präpositionale Stütze fast durchgehends notwendig. Als lokaler Kasus 
wurde dieser Akk. bei passivischer Ausdrucksweise nicht durch den Nom. 
ersetzt. 

4. Verba, mit denen sich der Begriff einer räumlichen oder zeit- 
lichen Erstreckung verband, z. B. Z 292 oSov . . . avry/«y€i', B 292 
fcV« fj,rjvcc litvMv (Akk. der Ausdehnung). Auch in diesen Verbindungen 
wurde der Akk. frühe durch Präpositionen, wie dvd^ Sid, charakterisiert 
und blieb in passivischer Wendung Akk. 

Für die Kategorie des sog. Akk. der Beziehung (acc. Graecus) 
lassen sich am wenigsten feste Grenzen angeben. In der Hauptsache war 
sie, wie mir scheint (vgl. Gaedicke, Acc. im Veda 280 f., Delbrück, S. F. 
5, 165. 185), erst auf griechischem Boden erwachsen und hatte einen Teil 
des Gebrauchs des Instr. (vgl. § 187) verdrängt. Als altererbt können 
einzelne Ausdrücke wie ovo/aa „mit Namen" gelten (vgl. Gaedicke a. 0. 
216 ff.), denen sich zunächst ys'vog, €VQog u. a. anschlössen; man darf alle 
hierher gehörigen Akkusative als Adverbia bezeichnen. Weiteren Zuzug 
erhielt diese Kategorie aus dem Gebiete des Objektsakkusativs. Man darf 
hierher stellen den Akk. nach Verba des Sagens, Wissens u. a. in Sätzen 
wie rjSes ydq xard ^vfiov ddsXcpsöv, (og eTTovsho, Eur. Med. 248 Xtyovai 
6' rj^idg, tag dxivSvvov ßiov ^cojj^sv xai' ol'xovg; vgl. dass bei passivischer 
Ausdrucksweise nicht nur der Nom. gebraucht wurde (XtyovTai tneg, ori), 
sondern auch der Akk. (Xtyexai xivag, ozi), s. Kühner II ^ 1083. In Wen- 
dungen wie Tov . . . rr^^' avx^va A 240, wo av^tva ursprünglich ebenso 
gut Objektsakk. war wie xöv {(TxW^ ^^^ ^^^^ ^^^ f^^Q^g), wurde die 
Sprachempfindung gegenüber dem das ^sQog bezeichnenden Akk. alteriert 
(vgl, O 250 fji€ . . . ßdXsv Al'ag x^QiiaSicn Ttqog arrj^og, T 125 tov 6' d^og 
o^v xard (fqsva Tvxpf- ßa^stai); ebenso gegenüber dem sachlichen Objekts- 
akk. in Wendungen wie diddcfxo) tivd ti, wie man aus der passivischen 
Ausdrucksweise sieht {sTzXrjyrj avx^va und SiSdaxoiiai iiovaixiqv). Ausserdem 
floss auch vom Akk. des Inhalts zu, vgl. z. B. ^OXvfXTiia vixdv, dfxaQTdvw 
Tama, Dass alle diese Fälle etwas gemeinsames hatten, was erlaubt sie 
zusammenzustellen, ist ebenso unverkennbar, wie dass der Ausdruck Akk. 
der Beziehung nur ein Notbehelf ist. 

Der Akk. der Beziehung gesellte sich in ähnlicher Weise wie der 



2. Das Nomen. (§ 179—181.) 205 

des Inhalts auch zu Adjektiven, z. B. /Wo^- ^»'V'5 ^ycthyxiog icvöi]v nach 
dem Vorbild von Ausdrücken wie toixiag <fvi]v (Delbrück, S. F. 4, 33). 

179. Die akkusativischen Adverbia beruhten auf den Akk. des In- 
halts, wie /i*ya, uXXi^xTov (B 452 icXXr^xTov Tioksfu^ftv ijSi fiuxtoiyai^ vgl. 
B 121 anQrjxTov nöktiiov TToXfiiii^siv })6i fiäx^ffO^ca), der Ausdehnung, wie 
vvxra, avgtov, der Beziehung, wie ^vQog, fntyfO^oc. Akkusative wie ictviu 
taXXa waren auf verschiedenen Wegen adverbial geworden. Vgl. Delbrück, 
S. F. 4, 34 ff. Mancherlei adverbiale Erstarrungen hatte der Akk. sicher 
schon in vorgriech. Zeit erlitten, z. B. ovof^ia wie ai. ndttm „namens", 
iu-jitdo'V Adv. zu €fi-7Tf-6ü-g wie ai. ati-mdtrd-m Adv. zu ati-matrd-s ,das 
Mass überschreitend" (Vf. Grdr. 2, 30). 

Zur Auslassung des Substantivs in ziv laxiCTtiv (sc. odw), rvTiteiv dinXt^v 
c. 7iXi)YriV) u. dgl. vgl. § 189. 

180. Verbundene Akkusative. Die wichtigsten Kategorien sind 
lebende, die proethnisch zu sein scheinen (s^gl. Gaedicke a. (). 240 flf.). 

1. Zwei Objektsakkusati ve. a. Das cxy*« x. oXov x. fugog, wie yi 240 
jov d' aoQi TiXt'^' avxtra (vgl. Gaedicke a. 0. 268). b. fQundui %( i7i«, 
diöÜGxo) Ti Tiia, II 667 unicc xdO^i^Qor . . . ^aoTii^Söva^ eine Art Bedeutungs- 
zeugma: sQtßidu) n „erfrage etwas" -\- egcoTdü) nid „befrage einen". Über 
die Auffassung des den Teilbegriff darstellenden Akk. in a. und des die 
Sache bezeichnenden Akk. in b. als Akk. der Beziehung s. § 178. c. ini- 
noitqov dt f^u 0^i]asig 11 90, evQS xovg avÖQug Stttf^uQfitrovg Thuk. 2, (i; 
der eine Akk. trat als Prädikat hinzu, im Pass. doppelter Noni. 

2. Akk. des Obj. mit dem des Inhalts, wie o 245 ov . . . ifiXn 
((viohji' (ftXinTjTu. 

Verbindungen wie die des Akk. des Objekts mit dem der Ausdehnung, 
ie Herod. 0, 135 Ildgav . . . noXioQxi]aag tl^ xai elxom tjfUQttg u. dgl. 
(zu einem Verb konnten auch drei und mehr Akkusative, jeder mit an- 
derer Beziehung, treten) geben zu besondern Bemerkungen keinen Anlass. 

IHl. Genitiv. Die Singularformen auf -og (noSog) und die auf -lig 
^//li^üg) vereinigten seit uridg. Zeit Genitiv- und Ablativbedeutung. Dieser 
Umstand und zugleich mehrfache Berührungen des genitivischen und des 
ablativischen Gebrauches hatten zur Folge, dasa der Gen. sg. auf -10 (J'/r/ioio) 
n Abi. 8g. auf '0)(6) (vgl. lat. Gnaivöd, g 80) absorbierte, der sich nur 
noch in adverbialer Erstarrung, z. B. lokr. w „unde*, erhielt, und ebenso 
der Gen. pl. auf -on- den idg. Abi. pl. (vgl. ai. dvi-bhyas, lat. ovi-bu^). 

Infolge dieses Synkretismus übernahmen auch die vielfach wie echte 
i^^iis gebrauchten Formen auf -.'>*i', denen ursprünglich nur ablativische 
iinktion zukam, zuweilen Genitivbedeutung, wie B 20 rvv 6' ffUxPtr 
I i'tg u)xu. 

In Theshalitii i Pelasgiotih und Perrhäbia) wurde die Ukativform auf 

"< (g 82) auch als Gen. gebraucht. Bei der Dürftigkeit den Sprach niateriala 

iässt sich nicht sehen, auf welchem Wege (es sind molirore Wege denkbar) 

'üeser SynkretismuH zu stände kam. Die üftei*H (zuletzt von Mokfmann, 

».j mixtis Gr. I. dialectis (>. 13) vorgetragene AuMJcht, -01 sei Von*tümm- 

lung von -iHOy leuchtet mir nicht ein. 



I 



20C ^' Öriechische Grammatik, d) Syntax. 

182. A. Echter Genitiv. Als adnomirial er Kasus setzte der echte 
Gen. ein Nomen zu einem andern Nomen in engste Beziehung. Die be- 
sondere Art der Beziehung ergab sich aus der Natur der auf einander 
bezogenen Nomina, beziehungsweise aus dem ganzen Zusammenhang; wo- 
nach man in der Grammatik einen Gen. des Urhebers {aai^a ^ifimvidoii), 
des Besitzers (olxia JleQixXt'ovg), des Objektes (^'(»wg rrjg aQ^Trjg), der Be- 
schaffenheit (66dg TQiMv T^/iisQm'), des Stoffes {n&vts ^ivat aqyvqiov), des 
geteilten ganzen {noXXol t'j/.mv) zu unterscheiden pflegt. Die Grenzen zwischen 
diesen Kategorien waren naturgemäss fliessend, z. B. zwischen gen. partit. 
und gen. possess. Diese verschiedenen Gebrauchsweisen waren dieselben wie 
in den andern Sprachen. 

Wie ein Verbum mehrere Akkusative verschiedenen Bezugs, so konnte 
ein Nomen mehrere echte Genitive verschiedenen Bezugs zu sich nehmen, 
z. B. Thuk. 3, 115 rip' tov AäxrjTog tmv vsmv ccQxrjV. 

In Abhängigkeit von einem Verbum, als adverbaler Kasus, Hess 
der echte Gen. das Nomen nicht in seiner Totalität, sondern nur zu einem 
unbestimmten Teile von der Handlung ergriffen oder bewältigt erscheinen, 
vgl. den adnominalen Gen. als partitivus. Der adverbale Gen. war ent- 
weder Gen. des äusseren Objektes, z. B. bei dnoXavsiv, iaO^ieiv^ iisradidövai, 
TniinXdvccLj druTsa^ai, s^sa^ai, dxoisiv (dazu auch Adjektiva mit dem Gen., 
die den Partizipien der entsprechenden Verba gleich zu achten sind, z. B, 
fu'toxog, imf'xoog, fxvrjficov), oder Gen. des inneren Objektes, z. B. Soph. 
fragm. 147 tisqI J' a/nfo xäqa xatdyvvrai to xsvyog ov ^ivqov Tiveov, y 408 
^ttI ^earoiai Xi^oimv, ol' ot saav . . . dnoaTiXßovTsg äXei(faTog (vgl. 
Delbrück, S. F. 4, 39 f.). — Noch nicht befriedigend erklärt ist ^ccvd- 
Tov xQivsiv; schwerlich = ^avccTov xqiaiv xqivsiv. 

Wie der partitive Gen. im adnominalen Gebrauch teils, im Singular, 
ein einheitliches ganzes zu einem Teilquantum in Beziehung setzte (z. B. 
Thuk. 1, 118 ot 'A&Tjvatoi inl fit'ya sxMqrjaav Svvoc^sMg), teils, im Plur., 
eine Gesamtzahl von Individuen zu einem Teil derselben {rtoXlol tcov dv- 
^QWTTcov), so auch im adverbalen Gebrauch: vgl. einerseits i 102 XcotoTo 
(fayMv, anderseits Xen. Hell. V 2, 12 ovtoi imv ttöXswv rcqoariydyovTo (vgl. 
Büchsenschütz zu IV 4, 13). In letzterer Weise konnte der Gen. auch 
Satzsubjekt sein, z. B. Xen. Hell. IV 2, 20 sTvimov exavägcov. 

Wie der Nom. und der Akk., so konnte auch der Gen. als Prädikats- 
nomen fungieren, z. B. Thuk. 5, 5 eytvhxo MeaiSr^vri Aoxqmv, Xen. oec. 1, 2 
00X61 . . . oixovofJLOV dya^ov sivai sv olxsTv tov savrov oixov; vgl. auch 
nqiaa^cti ti ntvTs (xvcov mit Theokr. 15, 19 snTccSqdxiiwg nävTs noxwg sXaßs. 

Die sog. lokalen und temporalen Genitive (vgl. Delbrück, S. F. 
4, 44 f.) wurzelten im partitiven Gebrauch. Z. B. eq^ovrai nsöioio [B 801) 
führte die Ebene als ganzes vor Auge, von dem nur ein irgendwie grosser 
Teil von der Handlung des Gehens betroffen wurde (vgl. iqeiaaro yau^g 
E 309), im Gegensatz zu e(fsns nsdiov [A 496), wo der Teilbegriff nicht 
vorschwebte. Entsprechend verlegte der Gen. bei Zeitbegriffen (0 470 
Tjovg ÖTj xal (jidXXov vrrsqfisvsa Kqoviwva oipeai . . . oXXvvt' ^Aqyeiwv ttovXvv 
atqaxov aixuirjTdcov) die Handlung in einen unbestimmt grossen Teil des 
ganzen Zeitraumes. Vgl. auch tqxto)v noO^' v/ndg €yx€xXi]intvovg gegenüber 



2. Das Nomen. (§ 182-184.) 207 

(sv) kQxtai x/., dkxa rjutQoyr TTQoaä^ü) gegenüber sv Stxa i^ntgaig (Meistek- 
HANS, Gr.^ 167) und (r/]c) i^fugag gegenüber [rij) tlntga und (r/;i) i]utQai. 
Aber der partitive Sinn blieb nicht lebendig, er verblasste. Das att. aviov. 
welches ursprünglich den Vorgang in einen irgendwie grossen Teil der 
Örtlichkeit verwies, wurde gleichbedeutend mit dem den Ort als ungeteiltes 
ganzes vors Auge führenden Lok. avrti; daher Hessen diesen (im Dorischen 
erhaltenen) Kasus die Attiker als terminus in quo (vgl. § 186) fallen. In 
gleicher Weise zeigt sich der partitive Sinn verflüchtigt Herod. 4, 48 
latQOc laog dai avtog iwvto) (ttei xai O^tgsog xai x*'/<wioc, el. ij/i«i' Si x«i 
uaffdXtiav xai TToXifto) xai sigdraQ (CoLLiTZ, Gr. D. n. 1172, 23) und sonst 
oft. Diese Vei-flüchtigung tritt auch in der Verbindung dieses Gen. mit 
il, ntql, fierd (§ 196) hervor. 

183. B. Ablativischer Genitiv. Im Abi. stand das, von dem etwas 
weg- oder ausgeht. Er verband sich daher, wie in den andern idg. Sprachen, 
mit Verba des Gehens, Herrührens, Ablassens, Befreiens, Hörens u. a., z. 1^. 

^ 125 OvXvjiiTioio xaTi'^k^ofiar. Auch mit den zu diesen Verba gehörigen 
Adjektiva, z. B. Soph. Ai. 511 aov fioiog = aov fiorwO^ttg; doch mag hier 
in einigen Fällen auch echter Gen. anzunehmen sein, vgl. z. B. iXtifl^tgug 

rtiidrwr mit lat. Ilber Jahorum. 

Ablativischen Gen. hatte der Komparativ bei sich: util^mv aov war 
..grösser von dir (von deinem Höhenmass) aus gerechnet", daher „im Ver- 
gleich zu dir". Diese Ausdrucksweise war aus uridg. Zeit mitgebracht. 
Tn der griech. Entwicklungsperiode stellte sich daneben der Gebrauch von i 
und von Präpositionen wie ttqo „vor" (Vorzug) und dm' „angesichts, gegen- 
über". Denselben ablativischen Gen. hatten auch die aus Komparativen 
gebildeten Verba wie fjtüaO^ai, vaitgt-Tv, nXiovsxiHv. Ebenso war abla- 
tivisch der Gen. beim Superlativ in Fällen wie A 505 og mxvtiogunaiug 
dXXü)v tnXtio (der kurzlebigste im Vergleich mit den andern, d. h. kurz- 
lebiger als jeder einzelne von den andern), Soph. Ant. 100 xdXXiaiov iwr 
»oitQüjr (fdog, Thuk. 1, 1 nöXffiov d^ioXoyiäxatov Twr TTQOYfytrt^fUVtüv; 
uaneben war der gen. partit. üblich, wie Tgamr tor agia t or ^^tk/i' t Z'^'». 
Vgl. Ziemer, Vergl. Syntax der idg. Komparation 54 Ü\ 255 ff. 
über die ablativischen Adverbia auf -cü(^) s. g 80. 

184. Dativ. Wie die Formen des Dativs der traditionellen Gram- 
matik teils Dat. (S 81), teils Lok. (Jj 82. 00), teils Instr. (S 83. Ol) w:r • 
80 war dieser Kasus auch in Bezug auf die Funktionen synkreti.^! 
Der alte Dat. und der Instr. waren zunächst zusammongeflossen in dor 
Weise, das« im lebendigen Kasusgebrauch jede Stammklasso im Sing, wio 
im Plur. für die alten dativi.sclien und die instrumentalon Funktionen nur 
je eine von beiden Kasusformen hatte; zu der Zeit, als dioMo VernuHchunK 
sich vollzog, waren die in der historischen Zeit bogognondon Worte auf 
-«, -r^ und -rt (instr. sg.) bereit« Adverbia geworden. Die V^ormiHchung drs 
Lok. mit dem Dat. und Instr. erfolgte in jüngerer Zeit, wie sich u. a. danuis 
*»rj^ibt, dass im Sing, der o- und A-Stilmme von einem Teil der Dialekt«', 

B. dem attischen, die Dativform («Tx/;») mit Dat.-Iiu»tr.-Lok. -Bedeutung 
r Herrschaft gebracht wurde, neben der die Lokativform nur adverbial 



208 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



verhärtet mit lokativischer Bedeutung weiter lebte (oJ'xoi), in andern Dia- 
lekten dagegen, im böot., nordwestgriech., el. und arkadischen, die Lokativ- 
form siegte und die dreifache Bedeutung weiter trug. 

Dass das Zusammenrinnen des Dat., Instr. und Lok. zum Teil durch 
Annäherung der Funktionen, durch gegenseitige Berührungen der inneren 
Sprachform veranlasst worden war, unterliegt keinem Zweifel, und es ist 
eben wegen dieser Berührungen nicht überall möglich, die drei Gebrauchs- 
gebiete reinlich gegen einander abzugrenzen.-) Daneben kommt Zusammen- 
fall der Form als synkretismusbewirkender Faktor für den Dat. sg. der 
o-Stämme in Betracht, wie bereits § 82 S. 122 Fussn. 1 angedeutet wurde. 
Nach der dort erwähnten Hypothese Streitberg' s hatte das Urgriechische 
bei den ö-Stäramen -öi (Dativform) als Dat. Instr. und -o* als Lokat., bei 
den ä-Stämmen aber nur -äi (Form des Dat. und des Lok.) als Dat. Instr. 
Lok. Nun wurden -öi und -äi vor Konsonanten nach § 26 zu -oi und -ai, 
so dass bei den o-Stämmen die Dat.-Instr.-Form zum Teil mit der Lok.- 
Form zusammenfiel und bei den il-Stämmen eine Form entstand, die der 
idg. Lok.-Form auf -oi gleichartig zu sein schien und die daher auch den 
speziell lokativischen Gebrauch an sich zog. Bei den o-Stämmen war jetzt 
die alte Grenze zwischen Dat.-Instr. und Lok. zum Teil verwischt und 
für die ci-Stämme ein mit diesem Zustand parallel gehendes Verhältnis 
geschaffen. Die weitere Entwicklung war für beide Stammklassen im 
grossen ganzen dieselbe. In dem einen Teil der Dialekte absorbierten im 
lebendigen Kasusgebrauch die Formen auf -f^) und -a diejenigen auf -oi 
und -cci, die sich nur in adverbialer Erstarrung hielten, in dem andern 
siegten die Formen auf -oi und -at, wie oben angegeben. 

Alle kategorienweise auftretenden Funktionen des griech. Dat.-Instr.- 
Lok. finden sich in den andern idg. Sprachen wieder. 

185. A. Echter Dativ. Die Grundbedeutung des Dat. ist unermittelt. 
In diesen Kasus trat der Begriff, dem die Handlung des Verbum gilt oder 
sich zuwendet, zuneigt. S. § 175. 

Der Dativ stand: 

Bei Verba des Bewegens und Zuwendens zu etwas, z. B. r 318 
^€oTai 6t x^tqag avtdxov, J 443 amaq smiTa ovqavo) sarrjQi'^s xdqiy Eur. 
Herc. für. 242 snaiddv 6' Saxo^iiaMaiv tioXsi, Thuk. 1, 13 ^a/nioig rjX^t. 

Bei Verba des Gebens, Sagens, Nutzens, Gesinntseins u. ähnl., wie 
Sidövai, (fb'QSiv, Xäysiv, ccQrjysiv, VTrrjQSTsTv, svvosiv, ogyi^sa^ai, imaxovsiv, 
bei den entsprechenden Adjektiven, wie svvovg, vmjxoog, und zuweilen auch 
bei anderen dem Verbum nahe stehenden Nomina, wie Äschyl. Prom. 612 
nvQog ßQOTotg dorrjQ' ogag JlQO/uit^d^b'a, Plat. apol. p. 30 d ttsqI rrjv tov ^£ov 
döaiv vfitv, Theät. p. 168 c tc^ haiqü^ aov dg ßorjü^siav. 

Bei 8ivai^ vTiccqy^siv u. ähnl., wie / 144 TQslg St ^oC slai d^vyatqsg. 

Zur Bezeichnung des Zweckes bei Abstrakta. Hierauf beruhte ein 



^) So kann man z. B. schwanken, ob 
man den Dativ bei rsQjiea&at und /cÜQSiy 
als lokativischen oder als instrumentalen 
Dativ zu bezeichnen habe. Auch können 
ehemals Lokativ und Instrumentalis zugleich 



angewendet worden sein. S. Delbrück, S. 
F. 4, 57 und Denecke, De vi atque usu da- 
tivi localis et temporalis, Braunschw. 1885, 
p. 23, der ohne triftige Gründe ausschliess- 
lich instrumentalen Dativ annimmt. 



2. Das Nomen. (§ 185-18(3.) 200 

grosser Teil des Infinitivgebrauchs (vgl. § 170), z. B. H 351 "EXtii^v xal 
xTt^fiay «>' avTr] ÖMo^isr Urgaidf^atv ayeiv; ferner nach Wackernagel, 
K. Z. 28, 141 ff. das desiderative Partizip auf -an'iüv^ z. B. 6il'tio)i' aus 
" ''67 10)1' „zum Sehen gehend, auf das Sehen ausgehend". 

Als sog. dat. conimodi, wie P 242 fiit] xe^aXT^ 7iiQi6t{6ia, Tliuk. 7. 7() 
y/oi' Si Tov vavTixov TOig JSvQuxoahig 2ixav6g xai ^Ayä^agxog. 

Zur Bezeichnung der bei einer passivisch ausgedrückten Handlung 
beteiligten Person, der diese Handlung gilt, doch so, dass die Person zu- 
gleich agens ist. Ausser dem Verbaladjektiv auf -ttog gehören hierher 
Stellen wie Lys. 24, 4 toaavvä tnoi tlQi\ai>iü, Xen. an. I 8, 12 xav roiio 
(ro aiQÜiiVfuc) vixü)fi8i\, nävO^' t]im' nsnoiijai, att. Inschr. tif>i'j(fiaiuit[^ ßf^^'Xi^ 
[eisterhans, Gr.2 156. 172), Thuk. 1, 51 roTg dt KegxvQatotg ovx iwQwrto, 
wohl auch txO^ofiat nri als Passiv zu tx^^ ^"•« (vgl. Äschyl. Sept. 091 
(Poifi<o atvYf^O^iv Ticer ro Aäiov yivog). In diesem Gebrauche hatten sich 
I )ativ und Instrumentalis berührt (s. § 187), und sie sind öfters schwer 
gegen einander abzugrenzen. 

Als sog. dat. ethicus, zur Bezeichnung der mit dem Gemüte an dem 
\'organg beteiligten Person, wie i 42 SaaadfisO-', mg jtu] ug {tiot, ihsfißo^ 
f^iog xim lar^g. Hierher auch ro/, ursprünglich „tibi",^) s. § 201 S. 225. 

Zur Bezeichnung der Person, für deren Standpunkt, in deren Augen, 
nach deren Urteil etwas gilt, wie Soph. 0. C. 1446 drü^iai yd^ nda(v eaie 
dvCTVXiir, Äschyl. Prom. 12 K^diog Bi'a it, cyffh' ^uv svtoXi] Jtog ^x** 
tt'Xog dij. 

Es entwickelte sich auch ein adnoniinaler Gebrauch, der besonders 

' r volkstümlichen Rede eigen gewesen zu sein scheint. Der Dat. bc- 

ichnete in diesem Falle das, für das etwas vorhanden ist, wobei er sich 

mitunter mit dem gen. possess. nahe bei'ührte. Z. B. el. Coi.litz, Gr. D. 

M52 d pgdiqa toig FaXetoig (Überschrift), Eur. Phon. 17 (o &i)ßatan' 

II Tinoig ara^, Äschyl. Fers. 1022 O^tjtravQor ßtXttaaiv, att. Inschr. x»'"- 

xidtg tuTg xJ^vgaig, Xi'/oi uqovquToi tig ro aiQÖyfia %ijt 7rr(>yf;), ygafifiaffvg iij 

.?or>//J xcti t(i) di]fi(o (neben ygctfifiaitvg trjg ßovXrjg), yiXoiifUu i] tig tur 

fjiov %oig tQii^gdQXffi^ (Meihterhans, Gr.* 170 f.). Anders bewandt war 

der Gebrauch von oi als dat. poss., wie a 68 (fdrsr J* cm tvQttg w/ioi 

u. ähnl. (Vf. Probl. der homer. Textkr. 140), da dieses lYonomcn, wie ai. 

', tPj bereits in uridg. Zeit zugleich Genitivbedeutung gehabt zu haben 

scheint (s. Delbrück, S. V. t. 1 •<' ^>- -" J f. Johansson, Bezz. Beitr. 

14, 152 f.). 

1M>. B. Lokativischor Dativ. Der Lok. dionto der Orisbozcichnun^. 
Er gab erstens den Ort, die Sphilro an, wo etwas sich In^findct 

liilindet, wie I (yChi tvdt fivxH^ xXiad^g, X 11)5 fttya Ji tfgtal ntr.'h}^ i . 

71 00 xgdtog ^atl fUytatov Tittaiv hvxXomtaatv. Im Att. blieb di«»si»r 
Kasus ohne pnlpoHitionalo Stütze besondoi-s bei Ortsnamen im (lolnaiu!». 
wie Ntuitt, (Jh''^' 'f-'hiixTy, ,n«. iii!iit iil^ AiU'«mM«'u bezeicbiM'ii ilarf (\ L'l n ). 



') Vgl. iinurr r/i7 s\\f> (in kommt | ok ' 

dir unH ei» Mennch ui Ihih, ,hr . , ml, 

V. Kkutkr, VüllcHttUHgabu 1. i 

Handbuch (Iat kUM. Aitirtiiin^w, 14 



i 



210 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

Ebenso wurde die Zeit, in der etwas geschieht, durch den Lok. bezeichnet, 
z. B. A 1^1 TQiT(i) rji^iari ndvTsg r^X^ov, att. Tatkrj rf^ ^>*(>«, to) smövii 
^T€i, vovjiirjvicc, JJavaO^rjvaioig. 

Zweitens wurde in den Lok. gesetzt der Ort, die Sphäre, wo etwas 
eintrifft, wo ein heranbewegter Gegenstand Aufnahme findet. Die hierher 
gehörigen Verba waren Traadv {E 82 th-Sim ntat), ti&svai, ßäXXeiv u. ähnl., 
wohl auch didövai {0 129 ^iSov Sa vi rjvfa %sQaiv, vgl. ^ 545 sv x^qm 
66ax8v), Xai^ißävsir, Stx^ad^cd [E 365 xal rjvia Id^sro x^qaiv, A 596 naiSog 
tSt'^ato xsiqI xvTtsXlov, vgl. 116 Sv x^'Q^^^^^ ^^ß' rjvia); vgl. auch 77 258 
er TQMai oQovaar, att. sfimrrTsiv rivi. Vgl. Holzman, Ztschr. f. Völkerps. 
10, 182 ff., Gaedicke a. 0. 128 ff. Auf Grundlage dieses Lokativgebrauchs 
scheint das im Attischen zu allen Verba der Bewegung sich gesellende ttoT 
„wohin?" (ttoT Tig (fvyrj; Aristoph. Flut. 438) erklärt werden zu müssen, 
das seinen alten Gebrauch in Verbindung mit Verba des Seins, Sich- 
befindens (vgl. dor. 7161 „wo?", Ahkens, De Gr. 1. dial. 2, 361 f.) an das 
ursprünglich partitive nov (vgl. über avzov § 182) abgegeben hatte. Die 
Erweiterung des Gebrauchs von noX wurde durch die Sonderstellung als 
Adverb erleichtert. 

Die Frage nach den lokativischen Adverbien stellt sich für die ver- 
schiedenen Dialekte verschieden, je nachdem im Sing, die Dativ- (pTx(o) 
oder die Lokativform (ol'xoi) die Herrschaft erlangte (§ 184) und je nach 
der verschiedenen Behandlung des pluralischen Lok. und Instr. (§ 90. 91). 
Ich beschränke mich auf die Bemerkung, dass man im Att. eine ältere 
Schicht von Adverbien, abgelagerte Lokativformen (ol'xoi, HXaTaiäai), und 
eine jüngere, wie xvxXcp, Nsfxs'a, nXaTaiaTg, zu unterscheiden hat; bei der 
letzteren fand die adverbiale Erstarrung erst zu der Zeit statt, als der 
Synkretismus des Dat.-Instr.-Lok. vollendet war. 

187. C. Instrumentaler Dativ. Alle Gebrauchsweisen lassen sich 
leicht aus der soziativen (komitativen) Bedeutung herleiten, der zufolge 
in den Instrum. derjenige Begriff gesetzt wurde, der mit dem in Thätig- 
keit befindlichen Hauptbegriff zusammen ist. 

Als Soziativus stand der Instr. z. B. bei ^nofim^ pLiyw^ii, oixiXtm und 
den zugehörigen Adjektiven und Adverbien, wie dxoXovO^og, xoivog, ^iyda. 
Strittig ist die Auffassung von avrog in avroTg InTioiai {p 8) „mitsammt 
den Pferden" (zuletzt hierüber Monro, A grammar of the Hom. dial. 99 f., 
VoGRiNz, Bursian's Jahresbor. 34, 57, Ziemer, Synt. d. idg. Compar. 48). 

Zur Bezeichnung der begleitenden Umstände, z. B. oy 416 £(foiTo)v 
aXXo^sv uXXog iivx^ici^ ts arovaxfj t€ (vgl. üvv Si'xr] neben Sixrj), daher man 
wohl auch in Verbindungen mit vtto wie Z 171 ßr^ Avxirjv 6s x^ecov vti 
di^Lv^iovi TiofiTif^ den Instr. zu sehen hat. 

Als „Prosekutivus" (im Ar. und Slav. weit verbreitet) bezeichnete der 
Instr. den Raum, mit dessen Zurücklegung eine Bewegung voranrückt 
(mit dem wege gehen). Hierher die Adverbien titj^ Tavrr] und tt^, tccvtii, 
mit denen ursprünglich der Instr., bez. Dativ von öS 6g verbunden war, 
z. B. 509 TiTi (jiri) i'co; „mit welchem Wege" = „in welcher Richtung 
soll ich gehen?"; hieraus waren die übrigen Funktionen dieser Adverbien 
abgeleitet; zu dor. Tiä, na vgl. Ahrens, De Gr. 1, dial. 2, 370 f. 



2. Das Nomen. (§ 187-188.) Oji 

Ferner x(>6rw „mit der Zeit", z. B. Demosth. 1, 18 nsQuatai Tf/i x?«»'';> 
io3r 7io'MoQxovntv(ßv (vgl. Soph. Ai. 306 e^i^Quav ^löXig niaq ^vv x(>o»'w x«^i- 
frraT«/). Berücksichtigt man den ai. Instr. der Zeiterstreckung (Delbrück, 
S. F. 5, 130), so möchte man glauben, dass auch manche von den Zeit- 
dativen, die man als Lokative ansieht (s. § 186 und Kühner II« 385), 
ursprünglich instrumental waren, z. B. rvxxl nXsiv (o 34); bei dem ohnehin 
feinen Bedeutungsunterschied musste hier die Grenze sich schon frühe ver- 
wischen.^) 

Zum Ausdruck der Beziehung (vgl. es steht schlecht mit ihm), z. B. 
r 194 fvQVTtQog 6' MiioKTt. Dicscr altererbte Gebrauch (Delbrück, S. F. 
4, 33) wurde durch die gleiche Verwendung des Akk. (i* 17?!) wosoutli«]» 
eingeschränkt. 

Beim Passiv zur Bezeichnung der Person, unter deren Mitwirkung 
eine Handlung vor sich geht, z. B. A'40 ///yXt/wr/ dafufg eigentlich „unter 
-Mitwirkung des P. gestorben" (Delbrück, S. F. 4, 60. 78). Diese Ge- 
'lauchs weise war mit der Verwendung des echten Dativs beim Pass. zu- 
-ammengeronnen (§ 185). 

Zum Ausdruck des Mittels, wie f 316 i^iaatv f^iaauyi, wohl auch 
111 Verbindung mit vtto, wie yi 433 ifno) vno dovql ivmfg (dagegen Lok. in 
r.TÖ x*C<^' öu/ni]rai, Delbrück, S. F. 4 76, vgl. ved. dpa mit Instr. und 
Lok.). Wie wenig der Instr. des Mittels von dem soziativen getrennt 
werden kann, zeigen Stellen wie A 161 t'^ vvr dr Tqoii^l^tv dhönnoc tvi/äd' 
(xurtig vi/ 16 xal trccqoiai noXvv XQOi'^^'^ 

Zum Ausdruck der Ursache und des Motivs, wie Xen. an. V 8, 2 
öiyti uTiiokXvf^itOa, i> 324 ^t^lviiQUi 6t O^tal jiitvov aidui iti'xni f-xterrif. 

Zum Ausdruck des Masses, wie ttoXXo) /«f/fcöv. 

Der Gebrauch des Instr. in xQuvyi^ ßoar, ()^o/i(j) O^tiy, ifo^o^t dtiaai 
( Kühner ir-^ 265, Delbrück, S. F. 4, 60) stand dorn /m- T^<'/"i«]»nung des 
Mittels am nächsten. 

Bei den instrumentalen Adverbien sind ebenso wie bei den lokativischen 

i;^ 186) verschiedene Schichten zu unterscheiden. Solche wie «/<«, nt], 

/.i(i}Q&, x()V(fii (J5 83) erstarrten schon zu der Zeit, als der Instr. noch nicht 

iiit dem Dat. und Lok. zusammengeflossen war, in jüngerer Zeit arrovdf^y 

'//i XQ^^'^i^ u. a. 

188. Die Formen auf -(fi, -^iv fungierten bei Homer gewöhnlich 
ils Instr., z. B. // 826 tdciftarrae ßd^qn^ als Lok., z. B. A' 400 xrrxor ytif^ 
>niQ xHfaXr^ifiv tntattj, und als Abi., z. B. B 794 o/rrroif lavtfiv ttifOQ- 
iii^i>tUv 'Axmot. Nur ausnalnnswoise erscheinen sie auch als Dat., B 308 
ng (fQi]t{iif (fqi]tQi^mv u(ii]rin ""^ ^^^ Gen., <P 295 7r(>ii' mad 'iXiofi 
/» %t ,', ; * / y j // ////'., i^Vy/T"' Tf""'^''>v VoriiiiHlIrli l«n< nmn infoilt DKI.M»n"i w 



«"DK'H V. (luH (irio< 1 di'n 

Akk., , lU'ii Lok. uijtl <1« n Irmtr. 

Din I iiiriK, ihn (Ur.ntcKK a. O. 178 

f rh«' marht. wo wir dicuolbc 

! fiinlni, kniin für «Iäm (Jri«»- 
< II 11. inii iiiii: ,I)<T AkkuJMitiv von Zeil- 
Imi'iiMiii In siii^t, dniM diT VorgaiiK während 



ihrer 1 '1'iH.M .1 \v.,i 1 

einet 'I • '!■ i i "L.ii\ '\.<- • 

twischcn Hl :.«i. 

dtM «r mit iit 

flndoi.- Ali 

wir i 1^2 Hit I 
Fiif«kti«>rt 1)1. . 



14 



212 ■^* Griechische Grammatik, d) Syntajc. 

S. F. 4, Gl, an diesen Stellen eine nicht berechtigte Ausdehnung des ur- 
sprünglichen Gebrauches dieses Suffixes anzunehmen, welches, wie die Be- 
ziehung desselben auf Sing, und Plur. zugleich zeigt, schon für homerische 
Dichter eine Antiquität war, bei deren Verwendung ihr eigenes Sprach- 
gefühl sie nicht mehr ganz sicher leitete. Diese Ausdehnung konnte leicht 
erfolgen, weil man die (pi-Formen einerseits als Instrumentale mit den 
Formen wie Ttitto)^ X^Q9^ ^^c. assoziierte, die neben der instrumentalen auch 
dativische Bedeutung hatten, anderseits als Ablative mit den Formen 
wie Vtittov, %(jÖQaq etc., die neben der ablativischen Funktion auch geniti- 
vische hatten (vgl. den Gebrauch der ablativischen Formen auf -i>fv wie 
^fit'd-sv als Gen., § 181). Adverbial erstarrt waren hvrjcpi und Xixgixpi-c. 
Vgl. § 92. 

Das Adjektiv. 

189. Zwischen Subst. und Adj. (Part.) ist eine scharfe Grenze nicht 
zu ziehen. In jeder Periode des Griechischen (wie auch der andern idg. 
Sprachen) finden wir, dass man Adjektive zu Substantiven machte und 
umgekehrt. 

Substantivierung erfolgte öfters in der Weise, dass in den Bedeutungs- 
inhalt des Adjektivs die Vorstellung eines Dinges aufgenommen wurde, 
dessen Attribut das Adjektiv besonders häufig war, z. B. rj Ss^iä, sc. /«/'(>, 
r^ TQifjQr^g und ?} TiQv/Livrj, sc. vavg, rj av2.€iog, sc. ^vqa. Gewöhnlich fand 
die Bereicherung des Bedeutungsinhaltes in der Weise statt, dass die ganz 
allgemeinen Vorstellungen einer Person oder einer Sache mit aufgenommen 
wurden, z. B. ol äya^oi^ lo xaXov. Adjektivierung war teils die Folge 
davon, dass sich ein Subst. konkreter Bedeutung einem andern attributiv 
beigesellte, wobei man für das eine Substantiv von der Vorstellung einer 
Substanz absah, sodass nur die der Substanz anhaftenden Qualitäten vor- 
gestellt wurden (ävinQ (TTQarrjyog, ^vydrrjQ ndqd^evog, Kühner IP 232 f.), 
teils davon, dass ein abstraktes Substantivum mit einem Konkretum attri- 
butive Verbindung einging, wie oXsd^qog MaxsSoh', oXs^gog yQamxatsvg^ 
ovofia ip8vöog xal dlrj^t'g, tqyov f^itya (ursprünglich „ein Werk, das eine 
Grösse ist", s. § 71, 1 S. 105). Hierher gehören namentlich die Adjektive wie 
QododäxTvXog und XQvaoxo^rig (xQvcfoxoiJirj) , worüber § 105. Vgl. Paul, 
Princ.2 302 if., Vf. K. Z. 24, 34 ff., M. U. 2, 175. 232, Osthoff, V. i. d. 
Nc. 128. 263 if., M. U. 4, 101 f., Schröder, Über die formelle Unter- 
scheidung der Redeteile 197, Delbrück S. F. 4, 6 ff. 65 f. 

Am meisten waren die Adjektiva durch die Wandelbarkeit nach dem 
Genus und durch die Bildung von Komparationsformen gekennzeichnet. 
Doch kamen diese beide auch bei Substantiva vor, z. B. ^sog S^sd wie xccXög 
xaXri^ und xvvT8Qog^ ßaaiXsvrsqog wie (o/noTeQog, Also selbst hier war die 
Grenzlinie zwischen beiden Redeteilen verwischt. 

Häufig wurde ein Adjektiv so neben das Verbum gestellt, dass wir 
geneigt sind, es als Ergänzung des Verbums anzusehen und demnach ad- 
verbiell zu übersetzen, wie P 361 toI 6' dyxiaTivoi stiitttov, B 2 svdov 
navvvxioi (Kühner IP 234 f.). In Wirklichkeit gehörte das Adjektivum 
als nähere Bestimmung zu dem mit dem Verbum verbundenen Kasus. 



2. Das Nomen. (§ 189.) 3. Das Pronomen. (§ 190 -191.) 0I3 

Dieser Gebrauch findet sich auch im Indischen (Delbrübk, S. F. \ 7- 1 . 
Lateinischen u. s. w. und kann als uridg. gelten. 

3. Das Pronomen. 

190. Personal- und Reflexivpronomen. Die Nominative «y«, av, 
r]ti€ig, vjiifTg wurden gewöhnlich nur des Nachdrucks oder der Deutlichkeit 
halber gesetzt, av als Vokativ beim Imperativ oft weniger, um der an- 
geredeten Person bemerklich zu machen, dass man gerade sie meine, als 
um die Aufforderung selbst dringlicher zu machen, sie ans Herz zu legeo 
(daher bildet dieser Gebrauch ein Analogen zu dem dativus' ethicus in Be- 
hauptungssätzen , s. § 185), z. B. A 131 Cf^YQ^h 'AzQf-og vle, av 6' ä^ta 
f^t'^at aTioiicc; in derselben Weise wurde ai. tii gebraucht, das geradezu 
Partikel wurde (Delbrück, S. F. 5, 517 f.). 

Der Unterschied zwischen betonten und enklitischen Formen stammte 
aus der idg. Ursprache (§ 68) und ebendaher auch die mit ihm verbundene 
Funktionsdifferenz. 

Der Reflexivstamm f^s-, e- == ai. sva-, dem sich auf griechischem 
Boden das wahrscheinlich in Anknüpfung an a-(f([v) entsprungene cry«- 
(§ 97) in gleicher Bedeutung zugesellte, bezog sich ursprünglich ebenso 
LTut auf die 1. und 2. als auf die 3. Person (vgl. das Ind. und Slav.), und 
von der Beziehung auf die 1. oder 2. Pers. finden sich noch viele Beispiele 
in der historischen Gräzität, wie A 142 vvv (x^v Srj ov naiQog atixta ri- 
(TfTf Xwßr^v (Aristarch las toif), Äsch. Ag. 1297 /aogov to>' avit]g ota^a 
(MiKLosicH, Ber. d. kais. Ak. d. Wiss. zu Wien 1 (1848), 119 ff., Vf. 
K\n Problem der homer. Textkr. 1876, Christ, Rhein. Mus. 30, 3ü f.). 
I ber das Verhältnis der anaphorischen zur echt reflexiven Bedeutung der 
Stämme f*-, atfa- s. Vf. a. 0. 83 ff. 

Wenn der mit dem gen. possessivus vergleichbare Gebrauch von 01 
altüberkommen war (s. § 185), so hatten wohl auch fnoi und coi ursprüng- 
lich eine weitere Anwendungssphäre, entsprechend den ai. fnv, fr. Delbrück, 
> r ■'. 205 möchte diese Pronominalbildungen wegen ihres weiteren Ge- 
brauchs nicht sowohl Kasus-, als Stammformen nennen. 

Dem Reflexivpronomen stand im Gebrauch das etymologisch wnh 
nicht genügend aufgeklärte avtog nahe, das mitunter geradezu das R<,>fl(>\iv 
rsetzte, z. B. lakon. (Cauer D.* 11. 17. L'>^) /i/x/ / r - r'ii',i(,)nU li khs: 
n luv avtüi uiJiwr. 

VM. Die Interrogativstämnn /o ni ini n- n,!- 

waren seit idg. Urzeit sowohl fra;Lj<-ii(l (Imx hh. ;■■ ^ ,i! im. h mti, iim; 
''in)H.t/)nt). Vgl. S 67. 

Dum Neutrum li erscheint mohrfach zu einer i*artikol erstan-t. s. |i 201. 1 

Kine griechi.scho Neuerung, die in verechir«! i : 

war der Gebrauch von iL im Siniu' m>ii 7ktii^. 

Xcn. mem. II J 

" i'«i»{ 1" nttt^ug vJtu yuhi-on: u. dgl. wiü Muiiu^imi njttiu almU m «*- 
in Venit n/yi nfrr nfri Insitlin^ f'nrilf':^ fC'if. lun Mil. 1 1 . 'M ) tiud Whl 

lit. patmcziti 



214 ^- Griechische Grammatik, d) Syntax. 

192. Die Entwicklung des Demonstrativs to- {d, rj, zo) zum sogen, 
bestimmten Artikel (vgl. die beachtenswerten Bemerkungen über diesen 
Terminus bei Fk. Kern, Die deutsche Satzlehre, 2. Aufl., 8, 103 ff.) gehörte 
dem Einzelleben des Griechischen an. Auf die Einzelheiten des Gebrauches 
auch nur mit Erwähnung des wichtigeren einzugehen, ist hier nicht mög- 
lich, ich verweise beispielshalber auf die neuesten Behandlungen des homer. 
und des att. Artikels von A. Stummer, Über den Artikel bei Homer, 
Münnerstadt 1886, und Meisterhans, Gr.^ 183 ff. 

In die Stelle von ro- als Demonstrativum rückte das zusammengesetzte 
ovtog (§ 94), doch wurde jenes durch dieses in keinem Dialekt ganz ver- 
drängt (z. B. att. Si' „dieser aber"). 

Die Gebraüchsverschiedenheit zwischen ovrog, oSs und xstvog ixsTvog 
auf eine kurze erschöpfende Formel zu bringen ist nicht möglich, omog 
diente vorzugsweise dazu, auf vorher besprochenes hinzuweisen, und als 
demonstratives Korrelat zu Relativpronomina („derjenige —welcher"), ods 
wies auf das hin, was man sinnlich oder geistig gerade anschaut, ixetvog 
ging meist auf ferner liegendes. Diese Pronomina erscheinen öfters neben 
Verben in einer Weise, dass wir geneigt sind, sie als Ergänzung des Verbum 
anzusehen und also adverbiell zu übersetzen, z. B. a 239 wg vvv "Igog 
sx8ivog in avlsiißdi ^vqijgiv rjmai vsvard^wv x€(pakf^, Thuk. 1, 51 einov^ 
oTi vrj€g sxetvai emTrXf-ovai, Soph. Phil. 1173 ti tovt sXe^ag; In Wirklich- 
keit gehörte das Pronomen zu dem mit dem Verbum verbundenen Kasus, 
und zwar wurde dieser, wie das Fehlen des Artikels in jüngerer Zeit zeigt 
(vgl. noch Xen. an. IV 7, 5 ov ydq Sr] ex tov svavTicv oQWfiev sl ^r] oXiyovg 
Tovvovg dv^Qamovg), als in einem prädikativen Verhältnis zum Demonstrativ- 
pronomen stehend empfunden. 

193. Von dem Gebrauch der Interrogativa (§ 191) und des Stammes 
To- (§ 192) als satzverbindender Pronomina und von den ausschliesslich 
satz verbindenden Pronomina og „qui", oTig handeln wir in § 204 ff. 

4. Die Präpositionen. 

194. Die Präpositionen des Griechischen hatten teils bekannte Kasus- 
suffixe, z. B. x^Qi^^' § 77, ofiov, €^ § 79, ttsqI, vttsi'q (aus '^vttsqji,), hl § 82 
(rtsQ-l : TT^Q = 7Toifji€v-i i ^ofjisv), odor sogen. Adverbialsuffixe, z. B. ottkt-^sv, 
sv-TÖg. teils waren sie ohne solche Suffixe, z. B. dnd, tiqö, sv, welch letz- 
teres an sich ursprüngliche kasuale Funktion nicht ausschliesst, vgl. rjSv, 
Soixsv u. dgl. § 175. Bei einigen ist unklar, ob der Schlusslaut Kasussuffix 
oder stammhaftes Element war, z. B. dvd^ Sid. Einem Teil der Präpo- 
sitionen lagen nominale (substantivische oder adjektivische) Stämme zu 
Grunde, z. B. xägi-v und o^ov (St. oixo-). 

Der Gebrauch der präpositionalen Ausdrücke war in den verschiedenen 
Mundarten und Litteraturgattungen und ihren verschiedenen Perioden ein 
sehr verschiedener, was bei der verhältnismässig jungen Ausbildung vieler 
präpositionaler Wendungen nicht verwundern kann. Vgl. u. a. Tycho 
MoMMSEN, Beiträge zu der Lehre von den griech. Präpositionen, 1. Heft 1887. 

195. Echte Präpositionen nennt man solche Adverbien, die ihrer 



3. Das Pronomen. (§ 192-193.) 4. Die Präpositionen. (§194-195.) 21i 



ursprünglichen Bedeutung nach dazu dienten, die Richtung der durch das 
Verbum ausgedrückten Thätigkeit näher zu bestimmen, und die Fähigkeit 
hatten, wenn zum Verbum ein (lokaler) Kasus hinzutrat, Begleitwort von 
diesem zu werden. Die meisten derselben konnten auch mit der Verbal- 
form zu einer Einheit verschmelzen. 

In vfük ßat'iH ano „vom Schiffe (Abi.) geht er weg" war ano Adverb. 
In vsü)g ano und d7iov8o]g {aTio V8wg) ßaiv€i war es nominales Begleitwort. 
Die Präpositionen standen ursprünglich nach dem Kasus, zu dem sie ein 
engeres Verhältnis hatten. Nur verhältnismässig selten behielt das Grie- 
chische diese Stellung bei, in welchem Falle die Präposition auch ihren 
alten Accent bewahrte, veo^g ano, tovtov Tiagi u. s. w. (vgl. ai. dpa, ;>«W). 
Gewöhnlich setzte man die Präposition proklitisch voraus (s. § 66, S. 8:i), eine 
Stellung, welche die adnominale Präposition vorher nur im Kompositum 
_ehabt hatte, wo ihr diese Stellung als dem bestimmenden Gliede zukam, 
\ie €y-xt(faXog na^a-O^aXccaaiog (g 103, S. 141). 

In ctTioßctivsi r80)g war die Präp. verbales Begleitwort. Bei Homer 

rscheint die Präposition häufiger, als später, noch als selbständiges Wort 

sogen. Tmesis), und zwar ging sie in diesem Fall gewöhnlich voraus, wie 

/ 346 *'x 6' ayuyt xXiait^g, 108 ovg not' «rr' Aiveiav f Ati/w^r; hinter 

dem Verbum erscheint sie z. B. B 699 tÖts J' i'.dr^ ^x&v xdia yaia 

utXaiva, € 196 rvfiifr] J* TiO^si nctga näaav eSwSrjv. Wahrscheinlich hatte 

die Präposition nicht bloss in dem letzteren Fall, sondern auch, wenn sie 

vorausstand, ihre ursprüngliche Eigenbetonung (f*^, ano etc.), vgl. fi-i^fg, 

f^x-ßaXov: die Alexandriner, die die Tonzeichen in die älteren Dichtertexte 

.•inführten, übertrugen einen Betonungsunterschied fälschlicher Weise aufs 

\'erbum {ano ßai'ro), ßahto ano), der nur beim Nomen bestand {dno vttag, 

ii-o)g ano). Vgl. hierzu J. Kühl, Die Bedeutung des Accents im Homer, 

hilich 1883. Im Attischen war die unmittelbare Verbindung der Präpo- 

ition mit nachfolgendem Verbum {chToßairü)) in der gewöhnlichen Prosa- 

icde schon im Beginn der Überlieferung Regel (vgl. Kühner 11« 467), es 

war also der auch schon bei Homer vorliegende Verbindungstypus dnoßai'na 

verallgemeinert worden, hauptsächlich wohl aus Deutlichkeitsrücksichten. 

Der Verbreitung dieses Zusammensetzungstypus war bereits in urgriechischer 

Zeit durch zweierlei vorgearbeitet. Einerseits dadurch, dass schon zu der 

Zeit, als das Verbum tinitum noch enklitisch war, dieses sich gerno gertule 

Nn Präpositionaladverbien anhängt^) (vgl g 67 S. 85). Anderseits dadurch, 

lass die Präpositionen mit den Verbalnomina bereits seit uridg. Zeit Kom- 

l»oHita bildeten, jvgl. z. B. tn('i}ttog vnö-xHiog — ai. (ipi-hitit-s ri/>«i-/ii7<i-s 

(J5 103); wobei freilich nicht zu übersehen ist, dass die engere Anglioderung 

)(;r meisten Verbalnomina an die Gebrauchsweisen des Verbum tinitum 

lieh dazu führte, dass man Sätze bildete wie A 67 ai xi-y nutg crpiwr 

yiitrr^g aiyun' n t^Xtimv ßovXfini diiidcftg t*pTy tlno Xutyor dfivrni, $ 17 

/w 6' UV fnt-na, tfvyuiv vno ri^Xtig t^puQ., vfur f*m*v '« (nur hier alm> 

ann der Ausdruck tfit]0tg mit einem gewissen Kochte gebraucht worden).') 



) Im Aliindisclien kommt die Tronnunft 

I' r i'riipoHJtion von cinom Vorluilnomon nur 

in/, Holtin vor (Wiiitnbv. Altind. (iramin. 



8.877 



to 



177). I( 
iJdeii 



Ich nrhmo an, dMW dimo TrrnnunK 

._ ¥•« 

ol&Of. 



•äi volli 



21Q A. Griechische Grammatik, d) Syntax, 

eine Neuerung, welche die Zahl der assoziativen Einfluss übenden zusammen- 
gesetzten Verbalnomina bedeutend einschränkte. 

Häufig wurde die Präposition dem Nomen und dem Verbum zugleich 
beigegeben : aTioßahsi ano rewg. Diese Ausdrucksweise wurde möglich, als 
die Präposition mit dem Verbum völlig verwachsen war. 

Durch die Verbindung von Präpositionen mit Verben wurde der Sinn 
der letzteren in verschiedenen Beziehungen verändert. Ich hebe zweierlei 
hervor. Erstlich, dass der imperfektive Sinn durch Präpositionen in einen 
perfektiven verwandelt werden konnte, z. B. ansi^i (§ 154 Anm. S. 1711, 
g 156 S. 182). Zweitens, dass das Verbum zuweilen in der Zusammen- 
setzung mit der Präposition eine allgemeinere Bedeutung bekam, die es 
ermöglichte, dass man es auch mit solchen Präpositionen verband, die mit 
dem Sinn des einfachen Verbums nicht harmonierten: so schuf man nach 
av-^€vyvvvai „zusammenjochen, zusammenthun" ein Sia-^svyvvvai .„aus- 
einanderthun, trennen" (vgl. lat. con-jungere : dis-jungere). 

196. Die echten Präpositionen verbanden sich mit den Kasus, wo 
diese räumliche Bedeutung hatten. Mit Lok. : iv vSari. Mit Abi. : e^ 
omag. Mit Instr. : avp haigro. Mit dem Akk. „des Ziels", sv (sie) oixi'av, 
und dem „der Erstreckung", dvd Swfxa, dvd nciauv ttjv rjfisQav (§ 178). 
Den echten Dat. (§ 185) haben wir wahrscheinlich bei €7tI anzuerkennen 
in Wendungen wie M,293 wqasv in ^Agysioiai, Soph. El. 85 ravTa ydq 
(p€Q€i vixTjv s(f rjiiiTv; in andern Fällen ist bei sm. lokativischer Dativ an- 
zunehmen, die Grenze ist aber nicht scharf zu ziehen. Mit dem lokalen 
echten Gen. (§ 182) verbanden sich SttI, tisqI, fisrd, z. B. Stt tjtisiqov „zu 
Lande", s 68 %€Tdvv(fTo nsql ansiovg (Delbrück, S. F. 4, 130 ff.). Alle 
diese Verbindungen mit Ausnahme derjenigen mit dem echten Dativ und 
dem echten Gen. scheinen aus vorgriechischer Zeit zu stammen. 

In vielen Fällen wurde die Präposition im Laufe der historischen 
Gräzität zu einer notwendigen Stütze des Kasus, z. B. att. xmqsTv eig 
{TiQog, 87t)) ToTiov, uicht mehr bloss totvov. Man darf annehmen, dass das 
Streben nach Deutlichkeit (der präpositionslose Kasus war leicht Misver- 
ständnissen ausgesetzt) hier in derselben Weise zur Verallgemeinerung der 
präpositionalen Ausdrucksweise beigetragen habe, wie es beim potentialen 
Optativ die Verwendung der Partikel av zur stehenden Gewohnheit wer- 
den Hess. 

197. Eine besondere Stelle unter den echten Präpositionen nimmt 
das (vielleicht erst nachhomerische, s. die Erklärer zu q 218) «g mit Per- 
sonenbenennungen im Akk. ein: nsfXTieiv wg ßaaiXea. Es war möglicher- 
weise identisch mit der eine Absicht andeutenden Partikel wg „ut" (beim 
part. fut., vgl. auch wg ngdg, wg slg, wg sm, z. B. Soph. Phil. 58 TrXfig 
J'wg TiQog oixov) und wurde dann zu einer Zeit Präposition, als der Akk. 
zur Bezeichnung des Zieles einer Bewegung noch keiner präpositionalen 
Stütze bedurfte. Deecke, Programm von Buchsweiler 1887 S. 30 möchte 
dagegen wg mit m-ös „hierher" verbinden, wonach es ursprünglich unserm 
„hin" („er ging hin zum König") entsprochen hätte. Man hätte dann Mg 
wohl als alten Ablativ anzusehen, wie auch unser hin in älterer Zeit (ahd. 



I 



4. Die Präpositionen. (§ 196-198.) 217 



hina, mhd. hine, hin) nur „hinweg, weg von hier" bedeutet hatte. Verbales 
Begleitwort ist wg nicht geworden. 

198. Unechte Präpositionen nenne ich solche Präpositionen, deren 
Nomen von Anfang an von ihnen abhing in der Weise unseres infolge 
dieses ereignisses. Meist stand das Nomen im adnominalen Gen. (§ 182), 
z. B. bei 

X^^Qii', Sixr^i\ Akk. zu X^Q^-9f ^i'xrj; 

k'xiji und l'vfxa aus *6r-i=exa von W. /?«x- = ai. vai- „wünschen, 
wollen" (vgl. Osthoff, Z. G. d. P. 334, W. Schulze, Quaest. hom. 50 sqq.); 
zur Form ovvexa s. § 65, 7; 

äol. dor. arkad. nsSd „mit", das instr. sg. von neS- „Fuss" war und 
ursprünglich „mit dem Fusse jemandes, unmittelbar hinter jem." bedeutet 
hatte und mit ju^r« gleichbedeutend wurde, dem es Terrain abgewann (vgl. 
auch die Kontaminationsform Trezd in dem koischen llezaysitviog^ s. Osthoff 
a. 0. 574); 

dvTi\ dessen ursprüngliche Bedeutung „angesichts, gegenüber, vor" 
im Gortyn., Delph., vereinzelt auch im Att. (Meisterhans, Gr.- 173) erhalten 
war : ai. dyiti adv. „gegenüber, davor, angesichts, in Gegenwart", lat. antv; 

df^icfi, zu oc/iKfo); 

6id, zu J/'-g. 

Im Dat. stand das Nomen z. B. bei ivavviov, wie svavzhv %([} o^xro 
„contra fidem", vgl, fvarriog tirt, hariiov^ncci riri. 

Das wesentliche Kriterium für die unechten Präpositionen ist also, 
dass sie syntaktisch isolierte Kasusformen oder Adverbien waren, welche 
in einem andern Kasus ihre notwendige Ergänzung hatten und zwar so, 
dass die Verknüpfungsart nicht mehr in klar empfundener Analogie zu 
einer nominalen oder, sofern der regierende Kasus partizipialer Natur war, 
verbalen Konstruktion stand. Daher haben z. B. auch o/tou und /«/y«, 
ttt'yda, av/i/uya mit dem Dat. (Instr.) als unechte Präp. zu gelten, wenn 
•3 nicht adverbial zum soziativen Instrumental hinzutraten (wie <Tvr), 
sondern dieser sich ihnen in gleicher Weise wie z. B. dem Adjektiv xotros 
(xoiifd udf-X(fu) l^vinfoQca) und den Verba dfii^Hv, fuyivrcti, xairovr u. s. w. 
(8 187) beigesellte. Ebenso war ixdg (aus ^ape-xag, e. Härtung, Über 
die Casus 1831 S. 169, Vf. M. U. 3, 68) unechte Präposition z. B. in i 8 
ehtr 6i ^x^Qitj fxdg dvögon', wo der ablativische (lonitiv nur von hxdg 
abhing, während es z. B. in q 73 Ti^lhfiaxog ^fhoto txdg iQdrmo adverbial 
neben den zunächst von rgdirfro abhängigen ablativischen Üen. gestellt war 
(vgl. 2' 138 ndXtr tgant!/' viog f//ig). 

Der Übergang vom Nomen und Adverbium zur unechten PrüpoHition 
iot überall naturgemäss ein allmählicher, und wie oh bei uns Auadrücko 
gibt, die auf der Grenze stehen, z. B. in fohjr {itifohjr) wm, an stcUv. 
(anstelle) von, ho gab es deren auch im (üriochiHchcn, >.. B. *vntiio%' mit 
gen. und dat. neben hvftrth-g mit donHolbon Kamm. AndorneitH ihI aurli 
zwischen echten und imechton PräpoMitionon keine feiite Sühoidc. Y^ war 
natürlich, daHH sich die unechten mit bodüutungHVorwandten othton imSprarh- 
L'nfühl miHchtcn. Die Folge war, daKH man nie nach «ler Analoijie der cH'ht<Mi 
it andern KasuH verband aU denen, die zuerMt bei ihnen allein möglich 



J218 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

gewesen waren. So wurde z. B. nach der Analogie von 718qI nöXiv auch 
a^<fl noXiv gebildet. 

Wörter, die als unechte Präpositionen fungierten, konnten sich, wenn 
ihre Bedeutung es mit sich brachte, ebenso gut mit Verba zu einem Kom- 
positum verbinden wie echte Präpositionen, z. B. ävTi-6iöw}Xi (vgl. Grass- 
mann, K. Z. 23, 5G1). 

199. Die Zusammenrückung mehrerer Präpositionen (wie vTitx^ 
afxqiTteQi^ arkad. sTt-tg), war sehr alt. Ursprünglich, als die Präpositionen noch 
selbständige Adverbia waren, herrschte in der Verbindung der verschiedenen 
Adverbia grosse Freiheit, und nun gingen solche Adverbia, die in engerer 
innerer Beziehung zu einander standen und besonders oft neben einander 
vorkamen, eine nähere Verbindung ein. In der Dichtersprache und bei 
Herodot erscheinen solche Verbindungen sowohl als verbale wie auch als 
nominale Begleitwörter, z. B. 243 vTisxcfvyesiv, CP 604 vTisxTtQoO^teiv^ 
N 89 (p€v^€(T^ai vTitx xccxov, im Attischen nur als verbale, z. B. dm- 

Manchmal erscheinen, äusserlich genommen, mehrere Präpositionen 
vor einem Verbum, aber die dem Verbum unmittelbar vorhergehende wurde 
so wenig mehr als Präposition empfunden, dass sie mit ihm ein neues 
Simplex darstellte und der Vortritt einer andern Präposition in derselben 
Weise erfolgte wie bei den wirklichen Simplicia, z. B. avfji-Tiiä^o) (/rtt^w 
aus "^{sJTTi-ösd-, s. § 200 unter im), Aristoph. equ. 893 Tteqi-r^fnnaxev. 

200. Da eine Darstellung des Gebrauchs der einzelnen Präpositionen 
im Rahmen dieser Grammatik nicht möglich ist, so beschränken wir uns 
darauf, diejenigen Präp. namhaft zu machen, die sich auch in andern 
Sprachen als Präp. vorfinden und von denen allermeistens angenommen 
werden darf, dass sie bereits als fertige Präpositionen in die speziell 
griechische Entwicklungsperiode hereinkamen. 

diKfC : lat. amh-itus. 

dvailsit an-Jieläre, got. ana „an, auf, in". Lesb. thess. kypr. ov. 
Ob in or sich a vor v verdumpft hatte, wie wir § 27, der vulgaten An- 
sicht folgend, angenommen haben, ist freilich nicht ganz sicher: es kann 
auch an ein altes Ablautverhältnis gedacht werden. 

av€V (el. avsv-g vgl. fie'xQi-g noXXdxi-g, epidaur. dvsv-v vgl. 7ToXXdxi-r\ 
dor. dvig wohl nach xw^<g), stand im Zusammenhang mit dv- „un-" und 
got. inu ahd. ano „ohne" aksl. vünu „hinaus". Die erste Silbe mit Ablaut. 
Des dv€v Grundform mag *^>^e^^ gewesen sein. Vgl. J. Baunack, Stud. 1, 
271 (der die Formen der andern Sprachen zu wenig berücksichtigt), Dar- 
BiSHiRE, Notes on the Spir. asp. 9. 

dvTi : lat. ante. Ai. dnti (vgl. § 198) wurde erst in späterer Zeit 
Präposition. 

dico : ai. dpa „ab, weg", lat. ah. 

d-Tsq : as. sun-dir „ausser, ohne", vgl. dtdg § 201 S. 221. Der Spir. lenis 
statt des asper durch Einfluss des bedeutungsverwandten dvev? Nicht wahr- 
scheinlich ist mir Darbishire's (a. 0. 10) Verknüpfung von cctsq mit got. 
an-par „der andere". 



4. Die Präpositionen. (§ 199—200.) 219 

ev : lat. en in. ivl betrachtet Baunack, Gortyn 23 wohl mit Recht 
als eine griech. Neubildung nach ntg], tiqoti; *£»•/, woraus elr, wie *7TfQi 
*7iQ0Ti (vgl. 8 64, 5). SIC {dg, sg) war griech. Neubildung nach dem Oppo- 
situm f^ (Vf. Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1883 S. 181 ff.), vgl. g 54. 55. 
56; die ältere, wieder von Prellavitz, De dial. Thess. 47 verfochtene An- 
sicht, dass *€v-<T€ zu Grunde gelegen habe, ist unhaltbar. Mit Rücksicht 
auf lit. in i „in", das auf *fi weist, vermutet Solmsen, K. Z. 29, 97 in 
'lern d -von d-xovu), d-anafgu), d-axagf^w u. dgl. die schwache Form zu er. 

f^ : lat. ex. Die Form €x kann überall aus urgriech. s^ hervor- 
gegangen sein (§59 S. 71, § 64 S. 77). 

€711 : ai. d2)i „auf, in", lat. ob op-erio. Daneben m- = ai. pl in tii- 

:„) = *m-a€ad(o (W. sed-), sowie in mil. Th-xQdxt^g, böot. ///-r/'x/^c, falls 

man annehmen darf, dass diese Formen zu den Musterformen gehörten, 

von denen die bei den Eigennamen so häufige Aphärese (J. Baunack, Rh. 

US. 37, 477, Studia Nicolaitana 1884 S. 34. 48) ihren Ausgang nahm. 

xaid : kymr. cant, ir. cet „längs, bei, mit", gemeinsame Grundf. Hnta 
(Zimmer, Kelt. Stud. 1, 112 f., Windisch, K. Z. 27, 223). Arkad. xcnv 
war nach dnv (aus dno) gebildet. 

fi^id : got. mij) ahd. mit „mit", urgerm. *m/^/ aus "^mctt. Minder 

eher ist Zusammenhang mit ai. smdt av. mal) »zusammen, mit, sammt", 

weil für das Urarische vielleicht '^{s)mad anzusetzen ist. Das ai. 5- würde 

keine Schwierigkeit bereiten, weil es nach § 65, 3 erlaubt wäre, für die uridg. 

Zeit eine Doppelform, mit sm- und mit w/-, anzusetzen. 

nagd wohl nicht zu ai. pdra „weg, fort, hin", dessen -a nicht mit dem 
ijr. -ä identifiziert werden kann, sondern zu lat por-, das mit Tjaqd auf 
^pfr-a (instr. von *i>>cr-) zurückgeführt werden kann. Dazu wohl als Dat. 
8g. nagai lat. prae, als Gen.-Abl. sg. ndqog ai. purds. Vgl. Stolz, Archiv 
f. lat. Lexikogr. 2, 497 flf. 

TTf-Qi : ai i^aW „rings, umher, um", vgl. §.54. 56. 64, 5. 

Pamphyl. nfQt* in neQttdüms ist wohl mit umbr. osk. -pert (z. B. 
*A^k. pdiro-pnt „quater"), lat. scrn-per, fantis-per, wozu Bücheler, Lexicon 
Ital. p. XXI auch lat. perti-ca stellt, zu verbinden. 

/TOT/, ark. kypr. nög : av. paiti „gegen, an, auf." Vgl. § 64, 5. 

TiQÖ : ai. prd „vorwärts, voran". 

TTQoii TiQog: ai. prdti „gegen, entgegen, angesichts, nach, zu*. Vgl. § 38. 

64, 5. Die kretische Form noQ7i\ die fünfmal auf der grossen gortyn. In- 

^t'hrift erscheint, wird durch den Hinweis auf gelegentliche Metathesen 

10 'AifOQShu (Cal'er, D.' n. 121 A 27) neben U<fQo6rta (auf der Bkromann'- 

schen Irischr. Z. 79) nicht genügend erklärt. Entweder war es eine Kon- 

taminationbildung, bei der /if^j/' beteiligt war (vgl. koisch Ihta-yntiiog 

IS ntSd und fittd), oder es war eine alte Nebenform von n§(ft( (s. o. 

uqt), zu dem sie im Ablautverhältnis stand. So filllt auch Licht auf 

das Nebeneinander von iniixraui jfQitaM (aus *;r^iö)) und n ('nur in :u'»Q{}(n 

if\Q<iM aus *7toQna) wie y*^oi'<r« aus ♦y^^oiiio, §38) 

Kypr. pamph. r-, erweitert vf^-aig (Aiikknh, Philol. a.i, ü?s n., Iikkikk, 

■A7.. H. H, \.\{) f., .1. Baunack, Stud. 1,16 (f.), und vg- in vff^nXt^^, va-tQtx^^ 

<'.^ 228, Neckbl, De nominibus Graocis conipp. 1882 p. 28 h(|.) : 



220 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



ai. ihl „empor, hinauf, hinaus", av. us aus *ud-{-s „empor, hinauf, hinaus." 
Ansprechend stellt Bugge, Bezz. B. 14, 63 hierher auch vßQig als v-ßgi-g, zu 
ßQiaQo-g. Dasselbe Adverb in v(f-T€Qo-g. *ud-\-s (vgl. aip, s^ u. dgl.) kann aus 
va-TiXrj^ nicht sicher erschlossen werden, da -g vor t-, i^- in vorgriech. Zeit 
aus -d entstanden und von da ein vg- analogisch weitergetragen sein kann. ! 

vTteQ vtisIq (§ 54. 56. 64, 5) : ai. updri „über", lat. s-uper. 

vTto : ai. üpa „von unten heran, herzu, herbei" (Delbrück, S. F. 5, 
453 ff.), lat. S'Uh. El. lesb. vna war wahrscheinlich nach avd, xazd u. dgl. 
neu gebildet worden (G. Meyer, Gr. Gr.^ 33). 

Minder sicher, jedoch immerhin wahrscheinlich ist der Zusammenhang 
von M- in 'S2-x€av6g (§ 70, 7), M-tfsXtw, w-Qvyrj, w-gvofjLai u. a. mit ai. d „an, 
heran" (von Fierlinger, K. Z. 27, 477 f., Moulton, Amer. Journ. of Phil. 
8, 209). 1) 

Anmerkung. Lautlich nicht zu vereinigen sind |iV, avy mit lat. com- cum, osk. 
umbr. com, zu denen xoiyog gehörte (§ 30 und Osthoff, Z. G. d. P. 507). 



5. Die Partikeln. 

201. Wie zwischen Präposition und Adverbium, so war auch zwischen 
den Partikeln einerseits und anderseits den Adverbien und gewissen Verbal- 
formen keine feste Grenze. Es gab in altgriechischer Zeit, wie anderwärts, 
Adverbia, die im Übergang zur Verwendung als Partikel begriffen waren, 
und so hängt es oft von der subjektiven Empfindung ab, als was man 
das Wort will gelten lassen; so standen z. B. i'acog, rccxcc, aXXo)g, a/na auf 
der Grenze. In gleicher Weise war der Imperativ ays schon in homer. 
Zeit im Übergang zur Partikel. 

Die Partikeln lassen sich nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten 
einteilen. Z. B. in solche, deren Funktion auf den einzelnen Satz beschränkt 
war, wie yt, «r, ov, in solche, die nur eine Beziehung zwischen verschie- 
denen Sätzen ausdrückten, wie (og (aus */wg), Iva, und in solche, welche 
sowohl im Einzelsatz als auch satz verbindend fungierten, wie d, xai, /lisv; 
von den der Satzverbindung dienenden Partikeln handeln wir § 202 if. 
Ein anderer Einteilungsgrund kann von dem Gedankenverhältnis hergenommen 
werden, in dem die Partikeln verwendet wurden: kopulative Partikeln, ad- 
versative, affirmative, adhortative, finale u. s. w. Weiter kann man unter- 
scheiden nach dem Grade der Selbständigkeit: die einen Partikeln waren 
frei bewegliche Wörter, wie xai, €ti; andere lebten nur in Komposition, 
wo sie zum Teil ihre ursprüngliche Eigenart völlig aufgegeben hatten, z. B. 
V^ „oder" in rjt rj, *i5 in ovro-g; viele waren sowohl als selbständige Wörter 
als auch in Zusammensetzungen im Gebrauch, z. B. ovv und ovx-ovv, yt 
und eyco-ys^ yäg == faq {Toi-yaq-ovv). Ferner nach der Stellung: die einen 



^) Nach Moulton hierher auch dH-cpsXXov 
(vgl. M-cpeXib), ai. phäla- „Frucht"), (6-(fvQ6- 
firjv, (o-xsXXoy, zu denen man, nachdem das 
Gefühl für die Zusammensetzung mit einer 
Präposition erloschen war, ocps^Xo), o&vQofiai, 
oxe^ktü bildete nach o'Cw : oiCoy u. dgl., vgl. 
dvQofxai, xsXXm. Hierher auch 6-TQifi'(o, das 
zu lat. trua trulla und ai. tvär-ate „er eilt". 



ahd. dioeran „drehen, rühren" dwiril „Rühr- 
stab, Quirl" gehörte: tqv- wie rgv-cpülei« 
(aus *7ixqv-), lat. quadru-, av. capru- (§ 65, 5), 
dagegen o-tqa'kEog 6-rqi]Q6-g, auf die das o- 
von 6-xQvv(ji übergegangen war, von XQct- 
aus *rfQcc- = HtiV' ^^* urgriechischem Weg- 
fall des /? wie in texQu- (vgl. § 59 S. 71). 



5. Die Partikeln. (§201.) 221 

standen hinter dem beteiligten Wort, wie ta, 7Tan]Q uvÖQm' tt O^tuir zt; 
andere begannen den Satz (Haupt- oder Nebensatz), z. B. u/.Xd,nce; andere 
wieder liebten die zweite Stelle im Satz, wie yccQ, ds; die übrigen bewe^^t^n 
sich freier, wie ov, otno)c. Und so lassen sich noch andere Einteilwn"«- 
gründe angeben. Indessen ist für eine geschichtliche Darstellung keiner 
als Hauptprinzip der Einteilung brauchbar, weil man es allenthalben mit 
Übergangsstufen zu thun hat, und weil die verschiedenen Gesichtspunkte, 
nach denen man jedesmal eine Anzahl von Partikeln zusammenfassend zu 
betrachten hat, sich zu vielfach kreuzen. Eine historische Darstellung, die 
allen Seiten gerecht werden und einigermassen übersichtlich sein will, muss 
die Partikeln mehrmals nach einander abhandeln. 

Wir beschränken uns hier auf eine alphabetische Zusammenstellung 
der Partikeln ') mit Berücksichtigung ihres Ursprungs. 

1. Folgende finden sich in andern idg. Sprachen wieder und 
•scheinen als fertige Partikeln in die Periode der griechischen 
Sonderentwicklung eingetreten zu sein: 

civ : lat. an, § 164. 

aQ, i)Ci (gewöhnlich nach einsilbigen Wörtern, s. Hiller, Hermes 21, 
563 flf.), aga : lit. h' „und, auch" är Fragepartikel, gleicher Wurzel mit 
ag^ierog. S. Vf. Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1883 S. 38 ff., Per Persson, 
Studia etymologica 1886 (dessen Herleitung der Partikel von einem Pro- 
nominalstamm am mich nicht überzeugt), Bloomfield, Amer. Journ. of 
Philol. 6, 44. dga, lesb. dor. t'jQa aus r; dga, s. G. Meyer, Gr. Gr.* 152. 
Eine Komposition mit unserer Partikel war auch /«(>, aus y'dg (anders 
H. Weber, Phil. Rundsch. 4, 1078). Die kypr. Form unserer Partikel tQ 
oder ?q' (xar' ig' l'^tto in der paphischen Rezension der homer. Gedichte) 
repräsentiert möglicherweise einen alten Ablaut, vgl. Spitzer, L. d. a. D. 
7 f., G. Meyer, Gr. Gr.'-^ 64. 

d-TÜQ : ahd. sun-tar „für sich, besonders, sondern, aber"; der unregol- 
tiiassige Spiritus lenis vielleicht durch P]inwirkung von ctvrdQ. Das Wort 
hing engstens mit u-u^g (^ 200) zusammen, von dem es nur durch den 
Ablaut in der zweiten Silbe getrennt gewesen zu sein scheint. Vgl. Buqge« 
^^ zz. B. 3, 120 f.,^ Prellwitz, Gott. gel. Anz. 1886 S. 758, Vf. Grdr. 2, 177. 

av (ai'-Tf, av'Ttg etc.) : lat. au-t, au-tem, osk. av-ti. Ob av die Hoch- 
tttufenform zu v (s. S. 224) war, bleibt fraglich. 

y*, dor. böot. el. y« : ai. ha enklitische Partikel, die das erste Wort 
des Satzes hervorhob (Delbrück, S. F. 5, 497 ff.), ifu-yf =: got. mi-k. 
Über da« Verhilltnis der Vokale von y* und yd ist bei der Man- koit 

der Vokale, welche die verwandten Partikeln der andern b^....... ü (es 

kommt besonders noch das Baltisch-Siavische in Betracht) zeigen, nicht 
ins klare zu kommen. Vgl. Ohthoff, Z. G. d. P. 380 f., 0. MsTBB, Gr. 
(U /^ 20 ff., Bkzzenbkrokr, Gott. gel. Anz. 1887 S. 417. 

-fh in dö^ov'dt (arkad. i^vg-da .hinaus' kypr. av-da »auf, vgl. y« 
neben yt) vorwandt mit -dov in ft-dov, lat. en-do in-du : av. vaetmm^a 
-zum HauHo". Hierher auch da« -J* von o-J*? Kompliziert und mir wenig 

') Die rein interjuktiuiialeii raKikehi, wto (fttu ttiaif ik'oj^ mAgen bei Hoito liloibcu. 



222 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



wahrscheinlich ist J. Baunack's (Stud. 1, 55 f.) Deutung von oSf, die von 
einem neutr. "^Tod-i = ai. tad id ausgeht, s. § 94 Anm. 1. Nicht unwahr- 
scheinlich ist, dass mit unserm -Sa auch der Anfangsteil von dtvqo deim 
zusammengehangen habe, vgl. § 74, 3 S. 116. 

hl : ai. dti „über etwas hinaus, sehr", lat. et. 

t(üq aus hom. r^og : ai. yd-vat „quamdiu" (vom Relativstamm *{o-). 
Über die Verschiedenheit des stammbildenden Suffixes, gr. -pog ai. -vat, 
s. 8 72, 4 S. 109 

-pe „oder", s. unter r]. 

rj, interrogativ und asseverierend, identisch mit dem r^- von r'j-d'i^, 
rj'fii'v, rj~6t, ferner mit dem rj- von ^rj-f^t (woraus rjt, rj) „oder" (nacli 
Komparativen „als", s. Ziemer, Vgl. Synt. d. Comp. 149 ff.),') endlich mit 
dem hervorhebenden -rj in iyah'-rj, rw-rj. Die Partikel gehörte wohl zum 
ai. ä (hervorhebend und anreihend). Die Grundbedeutung scheint „so" 
gewesen zu sein. Vgl. Kvkala, Ztschr. f. öst. Gymn. 1863 S. 314 f., 
Fröhde, Bezz. B. 7, 327. Der zweite Teil von *r;-ft (proklitisch für *?y-y^f 
wie ccXXd für alXa^ s. § 66 S. 83) war gleich lat. -ve (vgl. Osthoff, Z. 
G. d. P. 128 f.). In Versen wie 2 120 xTsivjjg rj^ {rjj^t) rJoAo) r^ dficpadov 
o^b'i, x^Axw scheint rj/^' oder wenigstens r/ für i] gelesen werden zu müssen 
(s. L. Havet, Melanges Renier 369). rjms, das aus *rji^£-Ts nicht herleit- 
bar ist, zerlegt sich wohl in *ry-f' + ms, letzteres = ai. uti „und, auch", 
und bedeutete demnach ursprünglich „oder auch" (vgl. ved. utd vä und 
vä utd), alsdann „als" beim Komparativ {J 277) und „wie". Anders über 
rjVTi, aber unwahrscheinlich L. Havet a. 0. 371. Deecke, Programm von 
Buchsweiler 1887 S. 36 möchte rj, rje (rj), tjvts zum Relativstamm **o- „qui" 
ziehen („etwa = H^sie, vgl. ind. gen. sg. yasya, loc. pl. yesu u. s. w."), 
was mich gar nicht überzeugt; dass lat. -ve, das wir mit dem zweiten 
Teile von *^-/^« und mit ai. vä zusammenstellen, vielmehr zu vis „du willst" 
gehöre, wie Deecke behauptet, bedürfte doch sehr näherer Begründung. 

rjjtiog mit seinem Korrelativ xrifxog (dor. d^iog Täj^wg) war gebildet wie 
rjog €(og und rrjog Ttoag. Während diese das stammbildende Suffix -ues- 
(Nebenform von -uent-) hatten, hatten jene Suffix -mes- (Nebenform von 
-ment-, ai. -mant-). Im Thessalischen räfiov, das vermutlich eine Umbildung 
von Täfiwg war, hervorgerufen durch das bei Indeklinabilien häufiger vor- 
kommende Nebeneinander von -g und -v, vgl. tTixccxig stttccxiv. Man ver- 
gleicht wohl mit Recht aksl. ja-mo „wohin" ta-mo „dorthin". S. Solmsen, 
K. Z. 29, 77, Bartholomae ebend. 538 f., Vf. Grdr. 2, 379 f. Der auf- 
fallende Spiritus lenis war, wie es scheint, durch analogische Einwirkung 
von r^aaQ d^aq (zugleich vielleicht von oifqa, vgl. § 60 S. 73) entsprungen. 

-i in ovToa-t, el. to-i u. a., = ai. av. t oder av. ^-^ (Verstärkungs- 
partikel). Ob -IV in ovToa-tv erst auf griechischem Boden -v bekommen 
hatte oder die ai. Partikel l-m war, bleibt zweifelhaft (vgl. Osthoff, M. 
U. 4, 229 ff.). Neben -t wohl auch kurzes -C = ai. i-d in hom. van (in 
der Überlieferung vwi betont), s. § 96 unter Nom. S. 132. 



^) Die von Ziemer angenommene Be- 
griffsentwicklung scheint mir freilich nicht 
sicher. Man geht vielleicht besser von der 



Verbindung des ij mit negierten Satzgliedern, 
wie ovd'elg [uXlog] ij av, aus. 



5. Die Partikeln. (§ 201.) 223 



l. „,...,. .,._.. 

^Bundf. *qai (vgl. § 35 Anm. S. 54). Über die Entstehung des kypr. x« 
§ 64 S. 79; diese Form wurde nach der Analogie anderer Adverbia 
auf -g zu xdg umgebildet. Eine andere, aber unwahrscheinliche Vermu- 
tung über den Ursprung von xai trägt Prellwitz, Gott. gel. Anz. 188«) 
759 vor. 

jWfc'r und thess. juce „aber, St" (vgl. fitrioi) sind zu verbinden. //« 
= ai. sma eine verstärkende Partikel (s. Delbrück, S. F. 5, 501 flf.); eine 
unsichere Vermutung über die Wurzel von sma bei Osthoff, Z. G. d. P. 
575. nÜQog ys /ti'r wie ai. jnu'd ha sma (s. Delbrück a. 0.). Dass f-iä 
in ju/v aus fi'lv enthalten gewesen sei, macht Thumb, Fleckeis. Jahrbb. 1887 
S. 641 flf. wahrscheinlich, vgl. auch § 95. 

fii/ : ai. mä Prohibitivpartikel (§ 164). 

*vt muss das Griechische, nach Ausweis der andern idg. Sprachen, 
einmal an der Stelle von ov gehabt haben. Unsichere Spuren dieser Par- 
tikel in Kompositen bei J. Baunack, Stud. 1, 271 ff. 

vij, vai : lat. ne nae „ja" . 

vv : ai. nü, dessen Sinn schwer zu definieren ist; „vielleicht darf man 
sagen, dass nii einen Entschluss der sprechenden Person begleitet, welcher 
sich aus der gegenwärtigen Lage ergibt" (Delbrück, S. F. 5, 515). Die 
Form *»v^ =^ ai. 7iv (antesonantisch) vermutet Thumb a. 0. 646 f. in vir, 
aus *>7? Iv (vgl. § 95). Neben vv stand einst *rv (= ai. nii „nun"), 
wovon weitergebildet vvv^ wie vv-v von vv (über idg. *ww : *nü, die mit 
vhp'O-g wurzelgleich waren, s. Osthofp, M. U. 4, 272 ff.); vertrat -i* altes 
-m, so vergleicht sich lat. nu-m (etiarn-num). Das Nebeneinander von rvr 
und vv mag zur Ausbreitung des sogen, v itfeXxvatixov beigetragen haben 
(§ 64 Anm. 3 S. 80). 

o aus */o(), ai. ydd „dass, quod", dazu o tv (vgl. o$ ng). Daneben 
/ror#, oti neutr. zu otig, worin eine Partikel *o'/?ocf enthalten war (§ 207). 

ntQ verhielt sich zu ntgii (in ntQi-xctXXii\g u. dgl., vgl. lat. per-, per- 
maynus, air. f-r-, er-chosmil „persimilis") wie vTTbQ zu iWf/'(> (aus *vrTtQi). 

nöxxi thessal., s. unter n. 

ti : ai. Ca „und", lat. quc Vgl. Christ, Sitzungsber. der Münch. Ak. 
1880 S. 25 flf., Delbrück, S. F. 4, 144 f. Das Verhältnis des -i* in S-i^, 
no-tt zu -xa in dor. 6-xu^ no^xa, to-xa und zu -r« in lesb. o^a^ rro-ra ist 
nicht sicher zu bestimmen, s. Osthoff, Z. G. d. P. 333 f. 

T*oj^ aus hom. iTnc, zu ai. fd-raf „tamdiu" vom Domonstrntivstannn 
/o-. Vgl. oben ^'w?. 

11* „da! nimm!" : lii. o ad.-. *' „dal nimm!", wohl instr. bg. zu Sl. 
io: Sophron bildete einen IMural i»*-«*, der »ich mit Stv-te vergleicht. 
Da« kypr. iu „hier" ist von unseren «jJ zu trennen, es gehörte zum Fominiu- 
Htamm M-. Vgl. g 83. 

lyio^, 8. oben unter fjiog. 

tl erHchcint öfters partikc^lartig gobrauclit, wie ai. cid, doin . -> .t\ 
mologisch entsprach, und es steht nichtH der Annahme im W« l:« <l;i - 
dioHcr Gebrauch aus vorgriechiHchor 7/eit mitgebracht war. "// i.l 

*iod qid, ursprünglich mit dcmsülbon Sinne der Verallgenioineninr 



224 ^- Griechische Grammatik; d) Syntax. 

og Tig, dazu im Gortynischen ci-ri neben oi' Tivtg. Ebenso ai. ydS cid 
„welcher irgend". Thess. noxxi, im Sinne von on, Collitz, Gr. D. n. 345, 
12, aus *7t6i XI (idg. "^qoä qid), zeigt die Verbindung unserer Partikel mit 
dem Fragepronomen, wie ai. MS cid „wer auch immer, welcher es sei'": 
zur Funktion als Relativum s. § 206. 

*v : ai. u deiktische Partikel nach Pronomina und Verba (Delbrück, 
S. F. 5, 504 ff.). Diese Partikel in oi-ro-g (§ 94), Trävv. Ob sie die Tief- 
stufenform zu ccv war, bleibt fraglich. Vgl. Ostiioff, M. U. 4, 253, Z. G. 
d. P. 328, FiCK, Bezz. Beitr. 7, 270. 

(fr) : av. hä „wahrlich, fürwahr" (Fick, Vergl. Wörterb. 1^ 154). 
Anders J. Baunack, Stud. 1, 23. 

-XI' in ov-x^y vai-x^y fj-xi : ai. M hervorhebende Partikel, na-M „gewiss 
nicht, keineswegs". Vgl. Osthoff, M. U. 4, 239 ff. 

(b-ds, M-g „so" : lat. sö-c (LoEWE, Prodr. p. 350) vom Deutestamm *so- 
(o, t'j); hierher auch wg avTwg (oya-avTwg), Adv. zu o aviog. Vgl. T(o-g von 
Stamm *^ö- und § 203 Anm. 

(o-g „wie, dass" (satzverbindend) : ai. yäd „soweit, wie", vom Relativ- 
stamm *iO'. 

wg {jS(6g) „wie" (z. B. ^sov pwg) und wg „ungefähr" (bei Zahlwörtern) 
zu got. sve „wie" (vgl. § 80. 83. 98); gleichen Stammes mit o- in o-tiq, 
ü-TTwg § 207. L. Havet's Ansicht (Melanges Renier 371), (og sei aus 
*f' (og, mit V^ := ai. vä, entsprungen, überzeugt nicht. 

2. Es folgen Partikeln, die etymologisch aufgeklärt sind, 
zu ihrer Funktion als Partikeln aber alle erst auf griechischem 
Boden gekommen zu sein scheinen. 

ays „wohlan". Am häufigsten in der Verbindung all' ays. Die Er- 
starrung zu einer Partikel erhellt am besten aus der Verbindung mit einer 
2. plur. imper. und mit den 3. Personen imper., wie B 331 aXX' ays ^ii^vsts 
TTccvTsg, ^ 542 aXk' ay' 6 ^.dv ö'^Sij^i'rw, B 437 äXX' ays xrjQVxsg jjlH' . . . dysi- 
QovTcov. Vgl. lat. age. 

alXd [dXX' 7]) war proklitisches «AAa, von aXXo-g. Zur Betonung 
s. § 60 S. 83. 

äiiia aus *smm-a instr. von Stamm sem- (§ 21, 4. 83). 

cc-Ts zum Relativstamm *{o-. . 

&i]v zunächst aus '^df-av, vgl. Alkman's doäv, das auf "^öop-av weist. 
Hierzu drjQo-g aus *J/?-ä^o-g. Mit lat. diu ist das Wort nicht zu ver- 
mitteln. Auch kaum mit lat. dum, das Deecke, Programm von Buchs- 
weiler 1887 S. 46 vergleicht; statt der Grundform *duom, die Deecke an- 
setzt, müsste wenigstens dum mit ursprünglichem u angesetzt werden 
(denn *duom hätte *&ow ergeben, vgl. honus aus *duono-s), und so wäre 
eine lautliche Vermittelung möglich; aber der Gebrauch von dum liegt von 
dem des griechischen Wortes weit ab. ünanstössig ist dagegen Butt- 
mann's Vergleichung mit ^.at. düräre (Ausführl. Sprachl. 1, 44). 

ems in der Verbindung eirrs ^oi auch in der Anrede an mehrere, 
wie Demosth. 4, 10/^' ßovXea^s, sine f^ioi, nsQiiövTsg avvMv Tivvddvsad^ca • 
ksysiaC TV xaivov; (Kühner IP 75). 

s^-näg sfx-nrjg, sfx-Trav, s^nd. Zu Grunde lag ein Abstraktsubstan- 



1 



5. Die Partikeln. (§ 201.) 005 

tivum f>-7rä- (Grundform *-ÄH-a-), das etwa „Gedrungenheit, Vollkraft, 
Vollgültigkeit" bedeutete, von dem auch efiTtdoD „bringe zur Geltung, voll- 
i recke" kam, das durch el. eiiTKo, e7i-ef.i7T(7i^ sTr^sfiTTt^Tü) belegt ist; wurzel- 
verwandt waren Tidg, xvt'o), xvqoc (stti-xvqÖw), s. § 13 S. 32. Ob f/i/rdc 
-He Genitivform war, oder ob ein Instrum. *6/i7r<J zu Grunde lag, der nach 
iner adverbialen Erstarrung -c annahm wie ovrco-g u. dgl., lasse ich un- 
iitschieden. simci war wohl Neubildung nach ,«*V«, näXa u. dgl. 

l6oi\ war identisch mit i6ov. 

(}fX(og zu ofxo-g^ W. sem-. 

-7TCC in kypr. xdg na u. a. 

näqog \ ai. xyurds „vor" (§ 23, 4). 

Hom. nqi\\ att. nqi\\ kret. nqdv enthielt die Tiefstufenform des Kom- 
parativsuffixes 'ien- und war nächst verwandt mit ^ngeig „prius" in nqtta- 
ßv-g, s. § 73, 3, weiter auch mit Jiäqog, tiqö.^^ 

Tol war Dativ (dat. ethicus) zu crt'', s. § 185 und Nägelsbach, Anm. 
zur Iliasi 175 fp., Wackernaoel, K. Z. 24, 595. 

(ftQt, in nachhomerischer Zeit ähnlich wie aye gebraucht, z. B. Ari- 
stoph. Thesm. 789 (ftge drj ri'r, si xaxov iff/uev, ri ycciitld^' vf^ittg: 

oifiXov, ü)(f8As erscheint bei späteren Schriftstellern als eine den Wunsch- 
satz einleitende Partikel. Vgl. § 169. 

3. Ohne sichere Anknüpfung in den verwandten Sprachen 
und etymologisch nicht genügend klar sind folgende Partikeln: 

at, hom. lesb. lak. herakl. kret. el.; böot. 1]. Man vergleicht osk. 
svai „si", doch macht der Anlaut Schwierigkeiten. Mit «, 1} (s. u.) weiss 
ich al nur unter der Voraussetzung zu vereinigen, dass d *der Lok., i] der 
Instr. eines o-Stammes, dagegen ai derjenige eines «-Stammes war. Man 
könnte an den ai. deiktischen und anaphorischen Pronominalstamni n- (gen. 
a-stja etc.) anknüpfen. Vgl. unten *t, ferner g 209 und Lange, Der homer. 
Gebrauch der Part, d 321 f., G. Meyer, Gr. Gr.^ 126, Darbishire, Notes 
on the Spir. asp. 11 sq., Torp, Geschlechtlos. Pronom. 17 f., Deecke, Pro- 
gramm von Buchsweiler 1887, S. 36 f. . 

dxQi «x^'-c, vgl. unten /(tx^t- 

dt. Zusammenhang mit -dt in döfioi-dt (S. 221) ist schwer denkbar. 
Ich vermute Identität mit aksl. rr; ^dt\ aber", idg. *g^ (s. S 35 S. 55). 

J/^, »^-<)/y, dfj'ia, wozu wohl auch J«/', vgl. vi] ; raf. Die Partikel ist 
weder mit lat. jam, noch mit dif:- zu vermitteln. 

*t, tt'-ta ion. tl'itr, tn-ti, {jt-ttta ion. f^t-tiitt'. Daneben t] im Horakl., 
Kret., Kypr. (Baunack, Gortyn 50. 78); hierzu ol. */r-»; gegenüber att. 
tn-^f. d mag loc. sg. (vgl. otxti)^ 1] instr. sg. gewesen sein, s. o. untor m\ 
«ar 7;!' aus d dv. Die att. Formen or, tnär lässt Wackkknagkl untor 
Einwirkung von innSäv = intiSi] av und xar = xal dv ont«t4inden soiu 
(Phil. Anz. 1H8C, S. 08); einfacher ist, wir setzen av = t] dt, .1 li - 
einst auch im Att. vorhanden. Vgl. oben m und S 209. 

ihr. Meine Vermutung M. U. 1, 186 f. ist unhaltbar. 

f<rtt. Ob el. fata Coi.litz, Gr. D. n. 1151, 2 (nach Bi.ahh* U»Hung) 
urgrioch. -ta enthielt (vgl. kret. fitata u. dgl.), oder ob a uuh * hervor- 
gegangen war (§ 8), bleibt zweifelhaft. Die Annahme, diiNs die i*ur(ikel aus 

ÜMMlbttoh der kbuM. AlUrtunwwiaMrOKbiin. II 2. Aufl. l't 



226 A. Griechische Orammatik. d) Syntax. 

♦«V^-r« entstanden war, wird durch lokr. delph. h'-rs nahe gelegt. Docli 
macht el. ecrra Schwierigkeit, weil die Präposition in diesem Dialekt aucli 
beim Akk. die Form Sv, nicht Sg hatte. Man verbindet f'(fTs mit ai. dcht 
„zu hin", lat. usque. S. Wheeler, Nominalacc. 22, Solmsen, K. Z. 29, 33:3. 
Letzterer sagt: „Lokr. delph. svts könnte man zur Not als Anlehnung an 
iv auffassen, geratener wird es sein, es von s'ars zu trennen und mit got. 
und „bis" = *^te zu verbinden". 

tvT€. Dass dieses aus rjvre (vgl. ry S. 222) entstanden war, ist unwahr- 
scheinlich trotz scheinbarer Analogien, die § 26 bietet. Auch leuchtet L. 
Havet's Vermutung (Mel. Renier 371), es habe */}fVf zu Grunde gelegen, 
indem elidiertes */Jf^ vor te getreten sei, nicht ein. 

/; „wenn, falls" s. unter si. 

-^€ in al'-^€ 81-^8. Pott's Herleitung aus dem Vokativ d^st ist mehr 
geistreich als glaubwürdig. 

&riv in ov ^rjv u. dgl. 

I-St homer. und kypr. Im Kyprischen vielleicht auch l „und" Collitz, 
Gr. D. n. 60, 24; vgl. Deecke im Wortindex S. 76. J. Baunack's Gedanke 
(Stud. 1, 55), 6€ sei Abkürzung von 16€\ ist lautlich nicht zu rechtfertigen, 

Iva scheint ein Instrumentalis und l- die schwache Form des Relativ- 
stammes *^o- gewesen zu sein. S. Delbrück, S. F. 1, 57, Deecke, Progr. 
von Buchsweiler 1887, S. 36. 

xtv mit den Nebenformen xd (dor. böot. el.) und x^ (hom. lesb. thess. 
kypr.). S. §164. 

jiu'XQ'^ }JitxQi-q wird von Fick, Bezz. B. 5, 168 mit ä^Qi verknüpft, indem 
er das d- des letzteren aus m- erklärt. Verwandt waren ohne Zweifel 
hom. fi£a(pa, kret. fii-ara, gort. f^istTsg (darf in iittx' ig zerlegt werden), 
ark. /itcri:' (aV), thess. iiianodi {xs). Der Ausgang der letzten Form, nod~i, 
scheint das Neutr. des Interrogativstammes mit -i = ai. i-d gewesen zu 
sein; zur relativischen Bedeutung, die uns schon in noxxi (s. unter il 
S. 223 f.) begegnete, s. § 206. So über f^uauodi jetzt auch J. Baunack, 
Stud. ], 23, während Bücheler, Rhein. Mus. 40, Ergänzungsh. S. 8 und 
G. Meyer, Gr. Gr.^ 10 -nodi mit Tvsdd und Tiovg zusammenbringen. 

fi^rjv, dor. hom. f^idv. Dass hom. firjv und fiav dieselbe Form waren, 
nur dialektisch verschieden, ist keineswegs sicher. Zusammenhang mit dem 
beteuernden ^cc {A 86 ov fid ydq ^AtiöIXcovo) ist unleugbar, zweifelhafter, 
ob auch ^hv thess. ßd (S. 223) verwandt waren. 

ov. Vgl. § 164 [und den Nachtrag zu diesem Paragr.]. 

ovv att., (jov ion. dor. lesb. böot. Das lautliche Verhältnis zwischen 
att. ovv und ion. mv ist unklar. 

o-(fQa, aus '^0'(fQa nach § 60, und Toifqa. 

TiXrjv, dor. nXav, Vielleicht nebst e^nXi^v zu TiXrjaio-g ntXag. 

6. Satzverbindung. 

202. Die einzelnen Gedankenkomplexe, die in der Sprache zu Sätzen 
werden, liegen meist nicht selbständig und in sich ein vollständiges ganzes 
bildend in der Seele neben einander, sondern stehen in dieser oder jener 
inneren Beziehung und im Abhängigkeitsverhältnis zu einander. Die gegen- 



' 6. Satzverbindung. (§ 202-203.) 227 

seitige Beziehung der Sätze brauchte zunächst kein äusseres sprachliches 
Zeichen; es war auch ohne ein solches möglich, dass der eine Satz, statt 
durch seinen Inhalt allein bestimmt zu sein, mit Rücksicht auf den Sinn 
eines andern Satzes aufgefasst und verstanden wurde. Höchstens wurde 
durch die Satzbetonung und durch die Handhabung der Satzpauso der 
wechselseitige Bezug auch äusserlich gekennzeichnet. 

Erst nach und nach wurde der Gebrauch gewisser Wörter (Pronomina, 
Partikeln) zum Zweck der Satzverbindung häufiger, und er ist in keiner 
der idg. Sprachen so häufig geworden als im Griechischen. Letzteres war 
darin begründet, dass der Grieche schon im selbständigen Einzelsatze eine 
grosse Anzahl von Partikeln gebrauchte, um der besonderen Stimmung, 
welche Behauptungen, Fragen, Wünsche, Befehle u. s. w. begleitete, Aus- 
druck zu leihen, und dass diese Partikeln zum grossen Teil sich dazu eig- 
neten, zugleich die gegenseitige Beziehung der Sätze zu kennzeichnen, wie 
z. B. /(tV und «. 

Satzverbindende Pronomina waren z. B. die Demonstrativa 6df, ovrog, 
txsTrog, da diese nicht nur direkt auf ein Objekt in der Aussenwelt oder 
auf vorschwebende Gedanken, sondern auch auf das sprachliche Abbild 
derselben hinwiesen , vgl. z. B. eXeye id6a ' syco xvX. und das nach einer 
Aussage folgende taina slnsv (vgl. § 211). Satzverbindende Partikeln 
waren z. B. xa/', r*, uQa, St, aXkd, iit'v, fitiToi, ?; „oder". 

Anmerkung. Alle diese Wörter konnten dem Zwecke, dem sie in der Verbindung 
ganzer Sätze dienten, auch in der Verbindung von Satzgliedern dienen, z. B. Herod. 5, 7 
i^eovg (fe at{ioyT((i ^ovvovq tovade, "Agect xal Jiövvaov xal'AQTBfxiy, A 5 xvt'saaty oitavolai 
re diaru A 68 w? e/rrwr xttx uq' eC^ro. Worauf dies beruhte, sehe man bei Paul, Prin- 
eipien* 299 ff. 

Nur gelten stellten die Griechen in der historischen Sprachperiode 
noch zwei innerlich enger verbundene Sätze so neben einander, da.ss keiner 
von beiden ein auf den andern hinweisendes Wort enthielt, wie z. B. x ;^20 
tQX^^ i'^r avifeov Se, f.isT uXXwv Xi^o tiatQOiv. Vgl. Krüoer, Sprachl. I 59, 
1, 5, II 50, 1, Kühner, Ausf. Gramm. II^ 8G0 flF. 

Vgl. C. Hentze, Die Parataxis bei Homer I, Progr. des kgl. Gymn. 
und Realgymn. zu Göttingen 1888. 

203. Ursprünglich sprach man nur in Sätzen, welche die Form von 
Hauptsätzen hatten. Die Unterordnung (Hypotaxe) war aber bereits 
urindogermanisch. Sie ergab sich von selbst durch divs zwischen den ein- 
zelnen Sätzen bestehende Gedanken Verhältnis. Am meisten neigte man 
zur Unterordnung bei solchen Sätzen, die zu einem andern Sutz irgendwie 
als dessen Erklärung oder Kpexegose liinzugefUgt wurden, die z. B. nach 
einem eine Seelenstimmung allgemein bezeichnenden Satze {<fo(iovnai, wofim 
u. 8. w.) den Inhalt derselben brachten (daher so vielfach der Konj. und 
Opt. in Nebensätzen); bei solchen, die zum Zwecke deutlicher Bezeichnung 
eines (' iindes eine Beschreibung desselben zufügton; bei solchen, die 

den («1 IrT das Motiv von etwas darstellten. Das Gefühl, das solche 

Sätze begleitete, war ähnlich dem, welches das Aussprechen eines unter- 
geordneten Siif ' ' (z. B. des Objektes) im einfachen Satze hogleitete. 

Sut/.untn nie Wörter als Kennzeichen der Unterordnung gab es 

von Anfang nicht. Die in der historischen UrüzitUt in konjunktioneller 

16* 



228 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



Funktion auftretenden Wörter drückten ursprünglich entweder nur im 
allgemeinen eine Relation zwischen Sätzen aus, z. B. og, o;g, o („der'j, 
oder sie hatten nicht einmal an und für sich eine Relationsbedeutung 
und assoziierten sich erst allmählich mit einer nicht ausgedrückten, nur 
hinzugedachten Beziehung zwischen zwei Sätzen, z. B. {.ir^. Die meisten 
von den konjunktioneilen Wörtern behielten neben dieser Funktion die ur- 
sprüngliche, nicht satzverbindende Funktion bei, z. B. ^ti?^, vgl. A 47l) 
de(6(o, jiirj ti Tiä^ißaiv (ursprünglich s. v. a. „Ich bin in Furcht. Dass ihm 
nur nichts zustösst!") mit s 356 w p.oi syw, fxt'i rig (xoi vifuivijaiv döXm' 
avTs d^avdzcov, ferner el, Tig, o („der") u. a. Nur noch konjunktionell 
fungierten in der historischen Gräzität die von St. o- (idg. *{o-) abgeleiteten 
Formen (§ 204) und o-ng o-nov etc. (§ 207). 

Seltner als die andern Sprachen hielt das Griechische neben der durch 
konjunktioneile Wörter gekennzeichneten Hypotaxe die einfache Beiordnung 
mit nur innerer Hypotaxe fest. Z. B. Demosth. 3, 18 xat vvv ov Xtyei iig 
rd ßtliiara- dvaardg aXXog dirdTw (= idv Tig fitj Xsyij xrA.); Plat. Prot, 
p. 336 b «Ar oQac, m ^wxQarsg • öixaia SoxsX Xtysiv UgcoTayogag (= oqÜc, 
Oll xtX.). Vorzugsweise gehören kurze Hauptsätze wie otp^ai „glaub' ich" 
= Mg otjuai hierher, die fast nur wie ein Satzteil im Einzelsatz erscheinen. 

Welcher von zwei beigeordneten Sätzen hypotaktisch wurde, hing olt 
von der Stellung der Sätze ab, d. h. davon, welcher von den beiden in 
Beziehung zu einander stehenden Gedanken zuerst sich im Bewusstsein hob, 
sich sprachlich formte und zur Aussprache kam. Z. B. ö^ag, ddixet führte 
zu oQag, cog (oTi) ddixsT, dagegen ddixst, oqag zu ddixsT, a)g oqag. Erst 
nachdem diese Satztypen sich im Bewusstsein befestigt und im Gebrauch 
Bestand gewonnen hatten, kam man auch zu wg dSixsl, oQag und (og oqocc, 
ddixe^T. Der untergeordnet erscheinende Satz konnte auch in den andern 
Satz eingeschaltet sein, z. B. & 536 dXX^ sv TiQwroiaiv, oim, xsiasTui ovnj- 
^€ig; dies führte zu öjg oico. So kann man denn die Nebensätze in Vorder- 
sätze, angefügte Sätze (Hintersätze) und Zwischensätze einteilen. Alle diese 
Typen finden sich schon bei Homer. 

Anmerkung. Die oft ausgesprochene Behauptung, dass die homerische Sprache 
der alten parataktischen Weise der Satzfügung wesentlich treuer geblieben war als die 
spätere Sprache, dass sie in dem Gebrauch der konjunktionellen Wörter vielfach noch die 
alte Parataxe durchblicken lasse, wo die spätere Sprache nur Unterordnung gekannt habe, 
ist unerwiesen. 

Das aus *io s entstandene 6? mit seinen Ableitungen und Adverbien führte schon 
bei Homer nur Nebensätze ein. Das rein anaphorisohe bg (att. xccl og, ri cf' bg) war älteres 
*so s. Und das anaphorische Neutrum o bei Homer {M 344. 357 ö yäq x' o/ aQiajqy 
ünävTiov sir], '4* 9, w 190 o ydq ysQccg iarl d^uvövxiüv) kann entweder ebenso wie oX, al', (og 
(a g ctvrtog) ^) eine Neubildung, bei der t- durch a-, bezieh, h- ersetzt wurde, gewesen sein, 
oder der Umstand, dass bg tj zugleich Relativ und Demonstrativ waren, führte dazu, dass 
man das anfänglich nur relativische o auch demonstrativ gebrauchte; auch kann beides 
zusammen gewirkt haben 2), 



^) Über die Schreibungen ol cct (6g 6 i] 
für Ol' cd' etc. s. § 66 S. 83. 

'^) Deecke, Progr. von Buchsweiler 1887 
S. 29 f. geht, wie wir, davon aus, dass im 
Urgriech. einmal alle zu bg a b = ai. yd-s 
yd ya-d gehörigen Formen relativische und 
alle zu « x6 = ai. sä sä tä-d gehörigen 
Formen demonstrative Bedeutung hatten. 



Durch den gleich gewordenen Anlaut sei nun 
mannigfache Analogiebildung eingetreten. So 
relativisches masc. o neben bg, umgekehrt 
demonstratives masc. bg neben o; so oV «V 
statt TOL rai nach dem Relativum, und das 
relative Adverb vog „wie" habe das Demon- 
strativum XMg fast ganz verdrängt, daher 
auch Mg avxmg, wtfe. „Ja ich bin geneigt, 



6. Satzverbindung. (§ 204.) 229 

Dass tfe oft Nachsätze einleitete, ist richtig. Aber nicht zu beweisen ist. dass diese 
1 aitikel ursprünglich nur koordinierte Glieder habe in Beziehung setzen können. Das 
richtige lehrte bereits Bäumlein. Untersuch über griech. Partik. S. 92 flf. 

Der Gebrauch der Partikel ri in J 218 og xs »sorg ini7iel&i;T€u, fxdXa t txXvov 
itvrov und ähnlichen Stellen ist nicht durch „und"*, sondern durch „auch* zu verdeut- 
lichen u, s. w. 

Höchstens lässt sich für Sätze mit solchen Konjunktionen, die auch in späterer Zeit 
nicht ausschliesslich konjunktioneil waren, wie ei und fit'j, die Behauptung aufstellen, 
dass sie, im ganzen genommen, noch mehr parataktisch erschienen als in späterer Zeit. 

Zu welchen Iri-tümern das Bestreben verleiten kann, in den homerischen Satzfügungen 
eine möglichst primitive Stufe des idg. Satzbaues nachzuweisen, zeigt u. a. H. Grabf's 
Schrift De coniunctionis wV origine et usu, Memel 1874 (vgl. dazu Gerte in Bürsian's 
Jahresb. 15, 270). 

Ein Teil der konjunktionellen Wörter bedarf einer besonderen Er- 
läuterung, zu der wir übergehen. 

204. Der Stamm o- (= idg. io-) war ursprünglich ein anaphorisches 
Pronomen etwa mit der Bedeutung unseres „er" und wies, durch alle Ge- 
schlechter und Kasus deklinierbar, auf voraus genannte Nominalbegriffe 
oder seltner, im Neutrum, auf ganze Sätze hin, um eine selbständige Aus- 
sage einzuleiten (vgl. Windisch, C. St. 2, 201 ff.). Schon in der vorhisto- 
rischen Zeit der griech. Sprache wurden aber alle Sätze mit Formen von 
o-, wie o-g o-v a cc-v, zu Nebensätzen herabgedrückt, wie auch im Indischen 
alle Sätze mit yd- schon als Nebensätze, nie mehr als Hauptsätze erscheinen 
(vgl. § 94. 203 Anm.). Dies gilt zugleich von den zu o- gehörigen Ad- 
verbien und Ableitungen, ov, ot, o5g, o „dass, weil", t]og ^w^, olo-g (aus 
*ioi-io-s)^ oao-g (aus *iO'tio-^) u. a.,^) die ebenfalls entweder einen einzelnen 
Teil eines vorausgehenden Satzes wieder aufnahmen, wie oiog „qualis*, or 
„ubi", oder den ganzen Inhalt eines Satzes einheitlich zusammenfassten, 
wie (og (z. B. B 363 xqTv urdgag xaxcc (fgr^rgag, uig (fqji'jQi^ (fQi\iQi^ifiv 
^qr'tYfi 8. V. a. „auf welche Weise ein Geschlecht dem andern helfen soll"). 

Der Relativsatz wurde oft durch ein Demonstrativpronomen angekün- 
digt (vgl. § 211), dem erst durch den Nebensatz sein Inhalt zugewiesen 
ward, z. B. ravia Tiotr^tro), a ßovXei; ttwg xaQtfQr'jfTWj l'w^ hi fknig icti. 
So erschien der Relativsatz als Vertreter eines Satzteiles des Hauptsatzes 



die dialektische Verwendung sämtlicher mit 
r beginnender Formen des Demonstrativs 
(auch nom, pl. xoi lai) in relativischer Be- 
deutung auf die obige Formenvermengung 
zurückzuführen." l'nmöglich sind diese An- 



und *ifi- noch nicht zusammengefallen waren , 
Dekcke wird nicht beweisen können, dass 
diese letzteren Demonstrativformen erst ins 
Leben traten, als *so- und *io- beide die 
F«»rm ho- bekommen hatten, l'nd was die 



nahmen nicht, aber wenig wahrHcheinlich. | Kntwickhin« den DenionHtrativft tn- zum Heia 
Wenn im Ai. ein ttn-h bestand, warum nicht tivum h<'trillt (§'Jo:.). ho orklUrt nich dieselbe 



auch ein gr. *Mo-H'f Und wenn im Ai. ein ' aus der Funktion den to- Helbst so leicht und 
in Anknüpfung an m m gebildetes üiumin ! hat in der hekanntm deutMchen (JebrnuchH 



für taumln crHcheint und im Lat. /*<>-r und wi'ise ibsHelben FronominaiHtanuneH eine mo 

nunC nam Hnx HtiH, dii' des gleichen I'rHprunK« genau«' THrallele, daüM irh nicht einnehe. 

waren, mu iMt en doch sich« r «las • iiifachntc, warum wir nie ernt uIm eine Folge den fonnalen 

man hetrarhtet auch die d- ven oIc, ObereinkonnnenM von 'äo- und *|o- betraehlen 

ot. «i und neutr. o als Neil in nach mÜHMten. Dum« dirneM in npUterer Zrit «IhvNmh 

niaxe. « fem. «. Nur als Mi'kundar mitwir- breitung den (Jebrauch«»»« von rö 

kfndoM Moment möchte ich die von Drkckk pronomen gefordert habe, suU n 

in wirkHamer Faktor betrachtet« Ana- geleugnet werden. 

Iten hiMhrn, aber nur lui honi. » .id* : ') Vgl die /uNanimenfttellunff der hier- 

eiiv, m (ü kann man bereitn in der Zeit ent- her gehfirigen adverbialen AuNdrück«« bei 
Mtanden sein laMMen, aln die Anlaute von Vo- . Dr.KrKK a. (>. M:* (T. 



230 A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 

und trat nun oft auch in die Stelle des Demonstrativum ein: a ßovXt-i 
Tion'jcrco; ^'oig sti eXm'g saxi xagtsgr^ao). Hierin lag der Hauptanlass zur 
Vorausstellung relativischer Sätze, beziehungsweise zum Einschub in den 
Hauptsatz. 

In doppelter Weise trat der Relativsatz in eine noch nähere Verbin- 
dung mit seiner Bezugsmasse. Einerseits dadurch, dass für den Akk., 
seltener für den Gen., Dat. und Nom. des Relativpronomens der Kasus des 
Beziehungswortes eintrat, wenn dieser der Gen. oder Dat. war (progressive 
Kasusassimilation), z. B. Xen. an. I 7, 3 s'aea^^s avSqsg a^ioi Trjg sXsv&eQiag, 
r^g xs'xirjcfO^f, s. KÜHNER H^ 912 ff., Meisterhans, Gr.^ 197, oder dadurch, 
dass das vorausgehende Beziehungswort den Kasus des Relativs annahm 
(regressive Kasusassimilation), z. B. ä 75 vrjsg, oacti TtQwrat sl^varai ayxi 
O^aXccaaiig^ tXxojfxsv, Lysias 19, 47 dXXd rrjv ovaiccv, r]v xarsXins to) vlaT^ 
ov TiXsiovog a§ia iarlv rj tsttccqmv xal Ssxa taXdvTMV (vgl. Kühner TP 
918 ff., Frohberger zu der angeführten Stelle des Lysias und Anhang 
S. 204). Anderseits dadurch, dass die Bezugsmasse entweder ganz oder 
teilweise in den Relativsatz herübergenommen wurde, z. B. A 566 firj vv 
TOI ov xQalaiiMaiv odoi ^soC da iv 'OXv^tki)^ Xen. an. IV 4, 2 dg St rjv 
dcpixovTO xMfxrjv, fisydXrj rjv, Soph. Ai. 1044 rig 6^ saTiv ovriv^ dvSqa 
TTQoaXevaaeig atqarov; 

Nach Verba des Wissens, Wissenlassens u. ähnl. im Hauptsatz hatte 
der Relativsatz mit og oft einen Sinn, • den wir als den der indirekten 
Frage bezeichnen können. Dieser Sinn entstand dann, wenn der regie- 
rende Satz kein Demonstrativum hatte, mit dem das Relativpronomen 
in Kongruenz stand, z. B. Xen. mem. II 6, 29 /^rj ovv ccttoxqviitov f^is, o'ig 
dv ßovXoio (fiXog yevect^ai, Soph. 0. C. 1171 s^oiö' dxovwv twv6\ og sd^' ö 
TtQOCfrdrrjg. 

Mit 6- wurden auch die Ausrufesätze gebildet, wie (P 441 vrjTtvri, w; 
dvoov xQadirjv ex^g, Plat. Euthyphr. p. 15 e ola Ttoidg, m hcdqs. Diese 
Relativsätze entstanden durch Verschmelzung einer in einen Relativsatz 
gekleideten Erläuterung zu einem Ausruf mit diesem Ausruf. Man kann 
sich jene Homerstelle so verdeutlichen: „Unverständiger, der du ein so 
thörichtes Herz hattest, wie du es hattest!" Diese Vereinigung des Relativ- 
satzes mit seiner Bezugsmasse war schon in vorhistorischer Zeit durch- 
geführt, schon damals ein fertiger Satztypus geworden. 

Durch Verbindung von og mit Tlg entstand og Tig „welcher irgend". 
Das Altindische hatte in gleichem Sinne yds cid mit der Partikel cid = tI, 
und dieser Verbindung entsprach gort, d zi (§ 201, 1 unter tI). Auch in 
der Konjunktion oti neben o mag tI von Anfang als Partikel zugetreten sein. 

205. Die satzverbindende, relativische Funktion von o, tj, t6 und den 
dazu gehörigen Adverbien wie Tscog, roifga, to^i war jüngeren Ursprungs 
als die von og {^^og). Sie findet sich im Herakl., El., Arkad., in den drei 
äolischen Dialekten, bei Homer, Herodot und hie und da auch in den att. 
Inschriften. ^) Die Anfänge ihrer Entwicklung dürften also ins Urgriechische 

^) Möglich ist, dass in diesen Dialekten 1 altes %w? „so" ^(§ 94) verbirgt; es wäre 
sich hinter ivg „wie" (vgl. § 204) zugleich | dann eigentlich (og zu schreiben. 



6. Satzverbindung. (§205-207.) 231 

hinaufreichen. Herodot's og statt o war wohl das alte ^ao-g (§ 94), und 
die formale Gleichheit mit og = */o-g erklärt es leicht, dass man in diesem 
Dialekte in relativischem Sinne dem og vor o den Vorzug gab. Die Mei- 
nung Deecke's, dass die relativische Funktion des Demonstrativstammes 
(o- überhaupt erst eine Folge des formalen Zusammenfalls von */o- und 
*so- gewesen sei, glaubten wir S. 228 Fussn. 2 ablehnen zu sollen. 

Bei Homer ist man oft im Zweifel, soll man den Satz mit o als 
Hauptsatz oder als Nebensatz ansehen, vgl. Friedländer, Nican. p. 34. 

Selten erst finden sich bei Homer solche Relativsätze dem Hauptsatz 
vorangestellt: A 125 dXXd rd ixtv noXion' e'^STigdO^ofiev , td öiSaaTai. 
Häufiger bei Herodot: 1, 5 ra ydq ro ndXai ßsydXa r^r, xd noXXd avtcov 
(TiiixQd ytyoi'f. Bei diesem Schriftsteller erscheint ro- auch in solchen 
Sätzen, die man als indirekte Fragesätze bezeichnen kann (vgl. den gleichen 
Gebrauch in Sätzen mit og = *jfo-g § 204), wie 1, 56 eipQovTi^e iatoQi(ü%\ 
lovg dr ^EXXi^vwv dvvaKüidrovg iövrag nqoaxir^aaito (pi'Xovg (vgl. Stein zu 
d. Stelle). 

206. Die Nebensätze mit den Fragepronomina r/'c, nineQog^ nov etc. 
gehörten der oratio obliqua an. Als Nebensätze waren sie am deutlichsten 
gekennzeichnet durch die Personenverschiebung und den optativus obliquus, 
z. B. o 423 fiQMTcc Si] enencc, itg suj xai nöO-ev sXO^oi (vgl. Urtel, Progr. 
von Weimar 1884 S. 5). 

Daraus, dass tig und o^ ttg (§ 204) ong (§ 207) in indirekten Frage- 
sätzen gleichwertig neben einander standen, scheint es zu erklären, dass 
ti'g auch den relativischen Gebrauch von og tig und oiig übernahm. Am 
verbreitetsten scheint diese Funktion im Thessalischen gewesen zu sein, 
z. B. CoLLiTZ Gr. D. n. 345, 22 xai rdv ovdXav xi'g xf yn'VfitH (= ^ng 
dv yiyrr^iai) ev tdvf SofUfv, ibid. 20 (fvXdg fXofit'ioig t-xdaiov^ TToi'ag xf 
ßsXXfiTfi (— onotag dv ßovXr^tai). Ausserdem findet sie sich im Kypr., 
Boot., selten im älteren Attisch, aber häufiger in alexandrinischer Zeit. 
8. Kühner II* g 587 Anm. 1, Nauck zu Soph. El. 310, Cauer, Wochenschr. 
f. klass. Phil. 1885 S. 804, Immiscii, De pronominis rig liberiore quodam 
U8U, Leipz. Stud. 1887 S. 309 ff. Wie im Thess. Sa xi als Helativum 
erscheint = Siön, so auch nöxxi = Zti in jener selben Inschr. Z. 12 fff- 
(ffcriaaot-r ai'iov^ rtöxxt xai d dfifitovr nöXig 6it- log noXtnog iioifSttio 
iXfiövovv tovv xaioixtKXoviovv (vgl. im Brief des Philipp Z. 5 fffipavi^ov 
fioi^ 7nt xai r] viit-thQa nöXig Sid tovg noXtfiovg nQoaSfhai nXfdrotr oixr^uov); 
vgl. 8 201, 1 S. 224 unter ti. 

201. Die auf den Nebensatz beschränkten otig, onotfqog, ottoi», onmg 
tc. entstanden durch Zusammenrückung des mit homer. piag „wie" (in Vor- 
gleichungen) nächstvorwandten Neutr. *(T/r«J (g 98) mit den Indefiniten f«v*, 
nöi fQog etc. Auf diese Komposition wirft Licht die im Hochdeutwehen 
sich findende Verbindung von so (got. sva), woIcIioh das Pron. relut. in 
allen Kasus vertreten konnte, mit den Indefiniten hicor „wer* und hirf'o 
,wio** zu so hwct\ swer und so hwi'o, swic im Sinne von „wer auch imnior' 
und „wie auch immer' (vgl. (). Erdmann, Ztschr. f. Vnlkorps. 15, lOS). 
M" will! :i!nirlmi«ii uinssen, dass *a/:ö6 in glei»-^"-' W.!-.. w'i» .nmer sv 



232 



A. Griechische Grammatik, d) Syntax. 



allgemeine Relativpartikel geworden war '), und dass es sich in Verbin- 
dung mit iig hielt, weil das angefügte Pronomen den Kasus deutlich zum 
Ausdruck brachte. Der Gebrauch im indirekten Fragesatz, wo auch das 
direkte Fragepronomen üblich war, führte in einigen Formen zu einer 
Verschiebung des Accentes nach der Analogie dieses Pronomens: oTioaog, 
oTTTjXixog, oTTod-sv u. dgl. nach Tiocfog etc., im Dor. auch orra onst u. dgl. 
(Ahrens, De dial. Dor. 34). Dass sich in den ein r enthaltenden Formen, 
oTig etc., die ältere Betonung erhielt, darauf war die Analogie von og Tic 
von Einfluss. 

Ganz anders, aber mich nicht überzeugend, beurteilt Deecke, Progr. 
von Buchsweiler 1887 S. 31 ff. unser Pronomen. Das ganz unverdächtige 
lokr. poti als nicht beweiskräftig bezeichnend, führt er mig auf *{oJ rig 
zurück : r^qohwv amov, oTcrjXixog sativ sei entstanden aus rjQMtMv avtov (ro), 
o Tirjk'xog iaxiv. Die Betonung des Fragepronomens sei das ursprüngliche, 
die in otiov, oTtcog, mig das unursprüngliche. Auf letztere sei wohl von 
Einfluss gewesen, „dass, bei der nahen psychologischen Berührung der 
indirekten Fragesätze mit den Relativsätzen, sämtliche mit o- zusammen- 
gesetzte Formen auch als Relativa verwendet wurden, wobei dann der 
relative Teil so überwiegen musste, dass das Interrogativ wirklich zum 
Indefinitum herabgedrückt wurde, was in der grossen Mehrzahl der Fälle 
dann auch im Accent seinen Ausdruck fand und auf die Verwendung im 
indirekten Fragesatze übertragen ward". 

Anmerkung. Nur scheinbar kommen oxig u. s w. auch in direkten Fragen vor, 
s. Kühner IP § 587 Anm. 1 und Krügek § 51, 17, 3. 

208. Für die verschiedenen adverbialen Gebrauchsweisen der Neutra 
o, o r^, Ti (*/oJ) und otii ort pmi {^apoS-n) — o ti (zu og rig) und oti 
(zu oTig) waren gleichwertig und sind schwer auseinander zu halten — ist 
von der Bedeutung „in welcher Beziehung, in Beziehung worauf" auszu- 
gehen. Man muss aber berücksichtigen, dass die Entwicklung zur Kon- 
junktion bereits in vorhistorischer Zeit abgeschlossen war (welches letztere 
auch für die ai. Konjunktion ydd gilt, s. Delbrück, S. F. 5, 572 ff.). Vgl. 
Capelll, Philol. 36, 193 ff. (wo mir o t€, z. B. n 433 Mfnoi eycov, p rs 
xtX., mit dem zu ttots, tots gehörigen ot€ unrichtig identifiziert zu werden 
scheint). 

Die Funktionen von ft5g = */wg und oircog == "^apoö-Tto^g lassen sich 
alle leicht von der Bedeutung „wie" aus entwickeln. 

209. Die Grundbedeutung von ai und von el [rj) ist nicht sicher 
ermittelt (vgl. § 201, 3 S. 225). Nach L. Lange (Partikel d, 1872) waren 
die beiden Konjunktionen zur Einleitung von Wünschen und Fallsetzungen 
geeignete interjektionsartige Partikeln, wofür d d^ ays zu sprechen scheint. 
Mit Rücksicht auf si-ra, stt-si, 67v-si-xa darf vermutet werden, dass d einst 
„da" bedeutete und im Eingang von Wunschsätzen, ähnlich wie wg, dazu 



1) Vgl. auch lit. kür „wo" (undM „was") 
in Sätzen wie täs dvdras, kür p6 tai zeme 
büvo „der Palast, wo (= welcher) unter der 
Erde war" (daneben und ursprünglicher kür 



jls „wo er" = „welcher"), und nhd. dial. 
der mann, wo {= ivelchen) ich gesehen habe 
(älter lüo ihn — welchen). 



6. Satzverbindung. (§ 208 -211.) 2 . , ; 

diente, den Wunsch an die vorliegende Situation, der er entspringt, anzu- 
knüpfen (vgl. auch Vf. Ein Problem der homer. Textkr. 130). 

Jedenfalls gingen aus den selbständigen al- und ff-Sätzen zunächst 
präpositive Nebensätze hervor, und erst nachdem al und d ihre kon- 
iirnktionelle Geltung befestigt hatten, konnte auch Nachstellung des Neben- 
itzes erfolgen. Diese ist bei Homer schon häufig. 

Zur Verwendung von h in indirekten Fragesätzen im Sinne unseres 
„ob", die ebenfalls schon oft bei Homer sich findet, scheint man von zwei 
Seiten her gekommen zu sein. Einerseits von dem Gebrauch der Kon- 
junktion in Sätzen, die sich an Verba des Versuchens anschlössen; den 
Übergang machten hier Sätze wie E 168 ßi] ... IlävSctQov dtit^for 
di^rifxsvog^ ei' nov itpsvQoi. Anderseits von Bedingungssätzen aus, die sich 
an Verba des Sagens anschlössen, wie X 371 xccraXs^ov, et nvag arriO^ewr 
etäquiv i'deg, cc 206 xarccXe^ov, el di] e^ avvoTo loaog Ttäig elg 'Odvat]og. 

210. Gleich andern Sprachen verwendete das Griechische präpositionalc 
Adverbien als Konjunktionen. Wie die Präposition ein einzelnes Nomen 
regierte, so konnte ihr auch ein ganzer Satz untergeordnet werden: so 
fie'XQh "XQ^^ eaie, 7tXi]v^ z. B. i^uxQi axöiog eyerero. Die Präposition gehörte 
ursprünglich zum Hauptsatz und wurde dadurch zu einer einen Nebensatz 
einleitenden Konjunktion, dass sie dem Sprachgefühl gleichwertig mit den 
älteren konjunktioneilen Wörtern, wie ^'(og, ok etc., erschien. Wesentlich 
erleichtert wurde das Zustandekommen solcher Nebensätze dadurch, dass 
die Ausdrucksweisen mit ,afc'x(?* <>»'? ^Xr^v Zu u. dgl. daneben standen, bei 
denen die psychologische Gliederung ebenfalls (wie bei nhd. bis dass, so 
dass, lat. jwstqimm) die Grenze zwischen Haupt- und Nebensatz durch- 
brochen hatte. Die Erklärung der konjunktioneilen Präpositionen durch 
wirkliche Ellipsen ist nicht statthaft. 

In ähnlicher Weise wurde der Komparativ ttqiv (g 201 S. 225) »prius** 
zur Konjunktion. Dem zum Nebensatz gezogenen, als das ihn einleitende Wort 
empfundenen nQi'v wurde häufig im Hauptsatz noch einmal ein vorweisendes 
riQiv oder ngüieQov, näQog, TTQfjaO^ei' vorausgeschickt (oi) 7tq{v . . ., nQtr), 
Auch n()h' i] „prius quam" wurde als einheitliche Konjunktion zum Neben- 
satz gezogen, wie man daraus ersieht, dass auch hier noch einmal nQiv 
im Hauptsatz vorausgeschickt wurde: tiqiv . . ., JiQtv ij. Vgl. hiermit das 
einheitliche aXX' i] (i'tXX' ]]) in ovdev txXXo . . . dXX' rj, z. B. Fiat. Phaed. p. l»7d. 

211. Korrelative Satzverbindung. Die Beziehung zwischen zwei 
Sätzen kann in jedem derselben einen besonderen Ausdruck haben, sowohl 
wenn die Sätze beigeordnet sind, als auch wenn der eine dem andern unter- 
geordnet ist. 

Korrelation bei parataktischor SatzfUgung. Altorerbt war die Satz- 
verbindung durch 1* — T^ (ai. ca — rn) und durch V* — V* (^**^- -'^c- -ir, 
ai. va- va), worauf rj^ — rj^ beruhte (S -Ol, 1 untor rj). Man vermutet 
mit gutem Fug, dass die verbindende Kraft, die das einfache ti (r/i, quc) 
hatt^, urnprünglich nur der korrelativen Doppolsotzung beiwohnt« und erst 
sekundär in die einfach gesetzte l*artikol einzog (DklhkI^ck, S. F. 1, Mr>), 
und clienso mag auch nur dii« doppelte *yc^*yc die disjunktive Bedeutung 



234 ^' Griechische Grammatik, d) Syntax. 

erzeugt haben, die dann auch dem einfachen *ue mitgeteilt wurde. aUog 
(iniv) — aXXog (di:) mit den zugehörigen Adverbien von ofAAo- entsprach 
dem lat. alius — alius. aqa — aga neben einfachem aqa (Vf. Ber. d. sächs. 
Ges. d. W. 1883 S. 63 ff.) halte ich trotz dem entsprechenden lit. tr — \r 
für eine erst in der speziell griechischen Sprachentwicklung eingetretene 
Neuerung. Ebenso waren speziell griechische Entwicklungen a^ia (fxev) — 
afiia (Se), xm — xaf\ rt- — xai, xh — J*', ^itv — Sii u. a. Zu akXog — «AAog, 
a^ia — cc^ia wurden ^ev und öi erst in jüngerer (aber schon vorhistorischer) 
Zeit zugefügt, so dass nun die Korrelation einen zwiefachen Ausdruck hatte; 
die ältere einfachere Weise aber noch in volkstümlicher Rede, z. B. a^C 
enog, afx' eqyov. 

Anmerkung. Alle diese konjunktionellen Wörter konnten auch innerhalb des 
Einzelsatzes zur Verbindung und Gegenüberstellung einzelner Satzteile dienen. Vgl. § 202 
Anmerk. S. 227. 

Die Korrelation von tiotsqov (notsQo) — rj beruhte auf einer Ver- 
schiebung der ursprünglichen Beziehung von tiötsqov. Dieses war anfäng- 
lich nicht Glied des ersten Satzes oder Satzteiles, sondern trat beiden 
Sätzen oder Satzteilen selbständig voraus: „welches von beiden? dieses 
oder jenes?" Die adverbiale Erstarrung des Wortes ersieht man aus 
Sätzen wie Äschyl. Pers. 351 rirsg xaTr^Q'^ccv, ttotsqov ''EXXrjveg, !^ccxt]g, r] 
naTg sfxög; Die Verdunklung der ursprünglichen Bedeutung des Schwankens 
zwischen zwei Dingen tritt in tiötsqov — r] — tj (in dreigliedrigen Fragen) 
hervor. Vgl. lat. utrum — a7t. 

Korrelation bei hypotaktischer Satzfügung. Die korrelative Ver- 
bindung war namentlich dadurch gegeben, dass die deiktischen Pronomina 
mit ihren Adverbien (o, wg, oinog, ovTwg, roTog, rtwg u. s. w\) die Fähigkeit 
hatten, auf gesprochene oder noch zu sprechende Worte hinzuweisen. 
Bezog man sie auf Sätze mit relativischen Pronomina oder Pronominal- 
adverbia (oc, oig etc.), so war die Doppelrelation hergestellt. Auf gleiche 
Linie mit den Relativadverbien traten d (demonstratives Korrelat to), 

OVTM^ TOTf), €7161 €7T€l6rj (Korr. t6t€, OVtw), 86X8 fH^'XQt (Korr. TiVog, TOdOVTOV 

XQorov) u. a. 

212. Der Gegensatz von Haupt- und Nebengedanke, Haupt- und 
Nebensatz führte zu einigen Neuerungen im Gebrauch der Verbalformen, 
und so entstanden neben den die Subordination andeutenden Verhältnis- 
wörtern noch andere Charakteristika für die Nebensätze. Zunächst in 
negativer Beziehung, insofern sich gewisse uridg. Funktionen der Modi ent- 
weder in den Hauptsätzen oder in den Nebensätzen verloren, wie sich z. B. 
der voluntative Gebrauch der 2. Pers. conj. ohne fjirj nur in abhängigen 
Sätzen erhalten hatte, wie A 561 aXX' ays devQo, ava^, l'v' sirog xal juiv&ov 
axovafig (über die scheinbare Ausnahme Soph. Phil. 300 s. § 165). Sodann 
in positiver Beziehung, insofern sich in Nebensätzen der Optativ zum Modus 
der indirekten Rede entwickelt hatte (§ 167); in Sätzen wie K 26 MevsXaov 
s^e TQÖfxog^ ovöt yccQ avrn) yrrvog inl ßXscfäqoiüiv 8(fi'Qav8, jurj ri rra^oisv 
'Agyetoi und in den jüngeren (nachhomerischen) optativischen Zwischensätzen 
wie Thuk. 2, 72 7vaTS8g ydq . . . 8ir^aciv war der Opt. der oratio obl. als 
solcher und er allein äusseres Kennzeichen der Unterordnung. 



6. Satzverbindung. (§212-213.) 235 

21 B. Wie ein einzelner Hauptsatz, so konnten auch zwei und mehrere 
unter sich verbundene Hauptsätze zu gleicher Zeit zu Nebensätzen herab- 
gedrückt werden. Daher konnten alle der Beiordnung dienenden konjunk- 
tioneilen Wörter auch in untergeordneten Sätzen auftreten, wobei ihre ur- 
sprüngliche beiordnende Funktion natürlich dieselbe blieb, z. B. Xen. an. 
Vn 6, 3 eXeysv, ort t6 (TTQOTfVfxa ccnoSido^at^ (piXog xs xai avufiaxog fi'iai 
ßoiderai, Herod. 1, 91 x^V' «^rf/'^to'^ai, xorsga xiv iwvjov r zrv Kvoov 



Nachträg-e und Verbesserung-en. 

?n lies: Litteraturforschung. 
S. 8 Z. 2 von oben. Das hier als vergriffen bezeichnete Buch Henry's Pr^cis etc. ist 

mittlerweile in zweiter Auflage ei-schienen (Paris, Hachette et C'*", 1889). 
S, 20 Fussnote 3 lies: Amer. .Tourn. of Phil. 7, 422 sqq 
S. 20 Fussnote 5 füge am Ende hinzu: H. W. Smyth, The Arcado-Cyprian Dialect, Trans- 

actions of American Philological Association, vol. XVIII (1887). Chr. E. Bennett, 

On the Sounds and Inflections of the Cyprian Dialect. Nebraska University Studies, 

vol. 1 no. 2 (October 1888). 
S. 21 Z. 21 von unten füge vor Hinrichs hinzu: Vogrinz, Grammatik des homerischen 

Dialektes, Paderborn 1889. 
S. 21 Z. 10 von imten füge nach 13, 173 fr. hinzu: 14, 252 ff. 
S. 24 Z. 11 von unten lies vno statt vno. 
S. 26 Z. 19 von unten lies hairäis statt haireis. 
.S. 29 Z. 26 f. von oben lies: 'AQyeTo-g — *\4(}YB<no-g — K^Qysffio-g, statt t^e?og — *i^(aio-g — 

S. 35 Z. 9 von oben lies o-nvi statt o-nm. 

S. 51 füge hinter §32 als Anmerkung hinzu: Gewisse Schwierigkeiten, welche die Gestalt 

einiger Wörter der Annahme urindogermanischer Tennis aspirata bereitet, lassen 

sich, wie ich anderwärts zeigen werde, beseitigen, wenn man der idg. Unteit 

einen dem Wechsel von Tennis und Media (s. Vf. Grdr. 1, § 469, 7 S. MS) 

parallel gehenden Wechsel von Tennis aspirata und Media aspiratii zuschreibt. 
I / 2 von unten füge hinzu: Auch für den kyprischen Dialekt nimmt Meister, Gr. 

D. 2. 216 f. die Aussprache d für d an auf Grund der Hesychiusglosse xo^^la • 

xuQ^ia. nüffioi. 
S. 55 Z, 13 f. von oben. Bei der Erklärung des x von «rpaxroc und uTQuxftog sind auch 

kypr. TQÖaotay^ni ^sich wenden" und lak. irtiT^vaaety , Kehrt machen, halten* 

(beide bei llesychiu.s, s, Meister, Gr. D. 2, 251) zu berücksichtigen. Da eine 

Präwensbildung mit ursprünglichem o kaum annehmbar ist (denn schwerlich darf 

man tQÖaao) als verbum denominativun«, von einem * tqöS oder *r()oi/' herkonnnend. 

ansehen), so dürfte r(>va(iio auf eine mit Arxof zu vergleichende Wnrzelftirni 

TQvx- ZU beziehen und das o von kypr, TQnnaea^ui gleich dem in .Vo^MJrrrc. 

f*oxot u. dgl. (Meister a. O. 217 ff.) als Vertreter von n anzusehen sein. 
S. 09 §39 Z, 3 füge hinzu: Über den Übergang von -ff- in -h- im Kyprischen vgl. jetzt 

ausser Meister, Gr. D 2, 249 ff. auch 0. Hoffmann, Hkzz. B. 14. 282 f. 
' Z. 6 von oben lies: armen, ffnin. 
'■'• Z. 15 von unten füge hinzu: Im Kyprischen ging auch anlautendoH unumprünglioht^H 

(urgriechisches und urkyprisches) ff- in /«- über, wie in vy-ytuog ' avXXnfitj (alt. 

avy), vQiyyu • nirny (att. avQtyS). S. Mbihter. Gr. D. 2, 247 f. 
S. 68 Z, 4 von oben füge hinzu: Das o- von ddeXng ofioXt'x betrachtet Mkihtrr, (5r. D. 2, 205 

FuHNn. als den mit dem Nomen zusammengewachHenen Artikel 6; vgl. auch die 

§ 51 oxtr erwähnte ny|>oth«'Me Hainack'h, 
S. 79 Z. 3 von unten. Mit dem kypi >"' "(*')»' vergleicht sich auch kypr. fo iQtürt im 

i(ti>}ft, 6 /(i') o't i{f}. S. Mkintrr, Gr. D. 2, 238 f. 

• von unten füge hinzu: V IIf.nkv, L'accent daim la döeiinaison grocque, M. il. 

1. «. a. I. 6, 'MiH ff. 
>. H4 Z. 17 V. o. lies *€(y-t7ti-9ttnio Htatt ny-fni'9ttoi 

'»'' '/ 7 von oben. Der hier gegebenen KrklAnuH: ,.■..., , t viclloicht (i.> 

P. («iLi» (The CIiuMjic^T Heview III 1S89 \> i/.ielicn, nach der 



236 Nachträge und Verbesserungen. 

das Wort als juer-affffca ein pait. fem. von fiEX-Bifii {{xizct eifxt) war mit der 
Stammform «r- = *s-nt- (vgl. § 112 S. 151). fxetaaara wäre für lautgesetzliclies 
* ^eS^aaaca eingetreten nach den Formen mit r wie fxtieifii ^exs^pai. 

S. 105 Z. 4 V. u. Dasselbe Suffix -fsv- in ^vQiöy „der Kaum, wo sich die Thüre befindet, 
Vorraum", welches, wie das kypr. d^oQctvng ' rd e|w. Jlncpioi (Hesychius) zeigt, aus 
*f^vQf(-/:ioy hervorgegangen war. Also auch nvXwv aus ^nv^ä-fnov. Vgl. Meister, 
Gr. D. 2, 218, der die Grundform ^vgctfuiv in der Inschrift n. 86 (S. 162) ver- 
mutet. Der Plural x^oqdvag ist wohl daraus zu erklären, dass 9vqmv in manchen 
Wendungen mit ^vqd gleichbedeutend geworden war; wie nun bei (^vqu der 
Plural üblich war (vgl § 173), so bildete man nach dieser Analogie auch f^o- 
Qccysg, vgl. &0QC(y((g mit ^i'(>«fe d. i. x^vQcea-ds. 

S. 106 § 71 ^ 1 Anmerk. Zeile 4 lies: lit, ahnu. 

S. 115 Z. 11 von oben. Zu Jtfsl-r'^sfxig s. jetzt auch Meister, Gr. D. 2, 228. 

S. 122 Z. 14 von oben lies: kypr. nroXtfv Collitz, Gr. D. n. 60, 6 (nach der Lesung 
Meister's, Gr. D. 2, 154. 233, der annimmt, dass in *nr6Xifog f sich als Über- 
gangslaut zum o eingestellt hatte und dann in den dat. verschleppt wurde). 

S. 124 Z. 4 von oben füge hinter toTp ax^Xcav hinzu: [xaTv scheint im klassischen Attisch 
nur einmal belegt zu sein, C. I. A. II 3, n. 1559, 4, Jahrh. v. Chr.). 

S. 125 § 87 Z. 9 füge hinzu: TQuyg als analogische Neubildung ist allerdings nur unter 
der Voraussetzung begreiflich, dass in der zweiten Silbe nicht derselbe Laut i 
gesprochen wurde wie in der ersten Silbe von XQt-wv xQi-ai, dass es also etwa 
eine Form trins (mit nasaliertem i) war, die die Umbildung zu XQuyg erfuhr. 

S. 132 Z. 10 von unten' lies: Akkusative, statt Akussative. 

S. 134 Z. 21 V. o. Zur Erklärung des arkad. dat. acpstg nimmt Meister, Gr. D. 2, 115 
an, dass einmal ein loc. sg. *<T(p6i gebildet gewesen sei, wie nst, oixei, und dass 
dieser dann nach dem Muster von eqyoig : EQyoi Pluralisierung erfahren habe. 
Freilich kommen Formen wie *eI *fXEi *<Jei neben ol fxol aoi nicht vor, und so 
möchte ich meiner Hypothese den Vorzug geben. 

S. 134 Z. 11 von unten und S. 231 Z. 9 ff. von unten. Die Annahme Meister's (Gr. D. 2, 
161. 242 u. sonst), in der kypr. Inschrift n. 77 sei uo te als fö dij = „id quod hic 
(est)" zu lesen, ist unwahrscheinlich, da ein solcher Gebrauch der Partikel fö 
= *a/:o& ohne Beispiel ist. Ist vielleicht fo&e „de suo" zu lesen? Vgl. kypr 
710x96 für sonstiges no&ey und t(v).9e für ^x^sy (Meister S. 255 f.). 

S. 139 Z. 13 V. o. lies XQc-novg statt xqi-noyg. 

S. 145 Z. 9 von oben füge hinzu: Parmentier, Mem. d. 1. S. d. 1. 6, 391 ff. 

S. 150 Z. 8 von oben füge nach *E-a/!sXxoy hinzu: Sollte sich herausstellen, dass -S'U,- 
zwischen sonantischen Vokalen lautgesetzlich zu -a- wurde (vgl. § 13 S. 33), so 
wäre für *s89iCoy, *i6Xxoy (woraus 6ix9il^oy, eiXxoy) anzunehmen, dass jene Laut- 
gruppe in ihnen nach den Formen mit anlautendem su- (i&il^ü), e'Axw) behandelt 
wurde; sie verglichen sich also mit e-yyeoy s-fXfioQe u. dgl. (s. u.). 

S. 153 Z. 9 von oben lies rjysyx-a statt ijyeyx-a. 

S. 156 Z. 11 ff. von oben (vgl. S. 50 Z. 18 von oben). Das befremdliche t in ayi&yafxca, 
Tfixyrjixi, niXyafxca, xiQyrjfxi erklärt Moulton, The Classical Review III 1889 p. 45 
folgendermassen. axi&ycefj^cti und ffxedciyyvfii gehörten verschiedenen Wurzeln an, 
jenes derselben, die in ff/t'Cw lat. scindo etc. enthalten war. Sie wurden infolge 
ihrer Laut- und Bedeutungsähnlichkeit enge assoziiert, und dies hatte zur Folge, 
dass man zu nsx- ein nixytjfxi stellte u. s. f. 

S. 189 Z. 18 von oben. Mem. d. 1. S. d. 1. 6, 378 ff. sucht V. Henry die Bopp'sche Zu- 
sammenstellung von ov mit ai. äva „weg, ab" zu rechtfertigen. 

S. 189 Z. 2 von unten (Anmerkung). J. van Leeuwen, De particularum xsy et «V apud 
Homerum usu, Mnemosyne N. S. XV p. 75 sqq. stellt verschiedene Bedeutung 
dieser Partikeln in Abrede. 

S. 207 § 184. Nach Meister, Gr. D. 2, 295 f. waren im Kyprischen die Form des instr. 
sg. und die des dat. sg. der ä-Stämme, -« und -m, auch noch im Gebrauch 
geschieden. Jene liegt nur mit Instrumentalbedeutung vor, ccqcc „infolge des 
Rufes", El xoiXa „infolge des Gelübdes", Gv{y) rr/« „in Verbindung mit einem 
Glücksfall"; auch bei v xvxa „auf Grund eines Glücksfalls" (nach Meister v{y) 
xv/ci) und an' 6a[a)Eict „infolge eines Traum gesiebtes" ist von der instrumentalen 
Bedeutung auszugehen. 

S. 225 vor üxql füge hinzu: kypr. ccixccq, wie avxaQ gebraucht, aus cclx' uq „ferner nun". 
*ai-xa neben Ei-xa wie ai neben Et. Vgl. Meister, Gr. D. 2, 227. 



B. 



Lateinische Grammatik 

(Laut- und Formenlehre, Syntax und Stilistik) 



bearbeitet von 



Dr. Friedrich Stolz, "n.i J. H. Schmalz, 

aonl. Profp«8<»r «Irr v<rglfi<;bfH(U-n SinacliwiiwciiHcliatt (>yinija«Jiihlir<'ktor zu TiinbfrliischnMielni. 

in Innsbruck, 



Inhalt. 

a) Einleitung in die lateinische Grammatik (bez. in die lateinische Laut- und Formen- 
lehre), bearbeitet von Prof. Dr. Fr. Stolz. 

1. über Geschichte und Methode der lateinischen Grammatik. 

2. Übei-sichtliche Geschichte der lateinischen Schriftsprache. 

3. Stellung des Lateinischen zu den verwandten Sprachen und zu den übrigen italischen Dialekten. 

b) Lateinische Lautlehre, bearbeitet von Prof. Dr. Fr. Stolz. 

1. Schriftzeichen und Orthographie. 

2. Verhältnis des lateinischen Lautbestandes zu dem der indogermanischen Grundsprache. 
?>. Zur Aussprache des Latein. 

4. Vokale. 

5. Liquidae. 
G. Nasales. 

7. Verschlusslaute. 

8. Spiranten. 

!). Lautwandel in Konsonantengruppen und anderer kombinatorischer Lautwandel. 
10. Betonung. 

c) Lateinische Formenlehre, bearbeitet von Prof. Dr. Fr. Stolz. 

1. Deklination des Nomeus. 

2. Deklination der Pronomina. 

3. Anhang. 

a) Numeralia. 

b) Steigerung der Adjektiva. 

c) Nominalkompoaition. 

4. Flexion des Verbums. 

d) Lateinische Syntax, bearbeitet von Gymn.-Dir. J. H. Schmalz. 

1. Einfacher Satz: a) Behauptungssatz und Aufforderungssatz. 

2. Fortsetzung: b) Fragesatz. 

3. Zusammengesetzter Satz: a) Beiordnung. 

4. Fortsetzung: b) Unterordnung. 

«. Übergang aus der Parataxe in die Hypotaxe, Nebensätze ohne Verbindungswort. 
ß. Nebensätze mit Verbindungswort. 

cca. Relativsätze. 

ßß. Konjunktionalsätze. 

e) Lateinische Stilistik, bearbeitet von Gymn.-Dir. J. H. Schmalz. 

1. Eigentümlichkeiten im Gebrauch der Redeteile. 

2. Wortstellung. 

3. Satzbau. 

4. Reinheit iind Korrektheit der Darstellung. 

5. Reichtum und Mannigfaltigkeit der Darstellung. 

6. Einfachheit und Kürze der Darstellung. 



i 



Einleitung in die lateinische Grammatik. 

1. Über Geschichte und Methode der lateinischen Grammatik. 
Während die Ausbildung der griechischen Grammatik, beziehungsweise die 
spezielle Beschäftigung mit der Sprache, in eine Zeit fällt, in welcher die 
Entwickelung der Litteratur den Höhepunkt bereits überschritten liatte, 
sind auf lateinischem Sprachboden Schöpfung der Litteratur und Bildung 
der Sprache von Anfang an eng verschwistert. So kam es, dass Staats- 
männer mit grammatikalischen Fragen sich befassten, wie denn der Censor 
Appius Claudius bekanntermassen das Alphabet verbesserte. In beson-^ 
derem Grade aber waren die Dichter, z. B. Ennius, Accius, Lucilius,^ auch 
Sprachbildner und in gewissem Sinne Grammatiker, die sowohl praktisch 
als theoretisch auf die Ausbildung der Sprache tiefgreifenden Einfluss aus- 
übten. Mit den theoretischen Studien der Griechen wurden die Homer 
wahrscheinlich zuerst durch den Philosophen K rat es von Mallos 505 u. c. 
})ekannt gemacht. Eine Folge seiner Wirksamkeit ist es wohl, wenn 
wir von jener Zeit ab auch die römischen Gelehrten und Staatsmänner 
(z. B. Varro, Caesar) in den Kampf über Analogie [natura, ratio, aequa- 
litas|2j und Anomalie (usus, consuetudo, inaequalitas | eintreten sehen, aus 
dem bekanntlich erstere, allerdings nicht olme dass an letztere erhebliche 
Zugeständnisse gemacht wurden, als Siegerin hervorging, überhaupt haben 
auch in anderer Hinsicht die grammatischen Studien der Homer dieselbe 
Entwickelung erfahren, wie die ihrer griechischen Meistor. Den yXwaain 
entsprechen wenigstens teilweise die umfangreichen Icxikaliseh-etymologischen 
Arbeiten eines Varro, Nigidius Figulus, Verrius Flaccus, zum Teil 
mit dem ausgesprochenen Zwecke geschrieben, altes, der grossen Masse 
unverständlich gewordenes Sprachgut durch die Erklärung zu erhalten. 
Daran schliesst sich, wie bei den Alexandrinern, die Herausgabe der iÜtoren 
Schriftwerke, womit der Grammatiker Valerius Probus aus Berytos den 
Anfang machte; seine Lebenszeit fällt ungefilhr in die Hegierung dos Knisont 
Nero. Zahlreiche Kommentatoren, Asper, Flavius Capor, Volius Lon- 
gU8, Terentius Scaurus, haben sodaun umfangroichos Material zur Er- 
klärung namentlich der Dichter aufgcHpeichert. Auch noch in einem an- 

') Dio HohIo (lieficr graiiiinatikaliNrlieti Vf{l. (^lOliuM II, XXV 2 ll«*Hx: Vano 

'1 iitUiKkfit dcM LuciliiiK in dr-r AuHgnbo von dr i 1. NIM 
I.. MÜLLKM S. 4'.\ ff. 



240 B« Lateinische Grammatik, a) Einleitung. 

deren Punkte haben die Römer unmittelbar an die Griechen sich angelehnt: 
wie diese den alten Homeros, haben sie seinen Nachahmer Vergilius in 
den Mittelpunkt ihrer grammatischen Thätigkeit gerückt. 

In der Methode der Grammatik, worunter man bis zum Schlüsse des 
Altertums die ganze wissenschaftliche Beschäftigung mit der Sprache über- 
haupt zu verstehen hat, sind die römischen Nationalgrammatiker ihren 
griechischen Lehrmeistern völlig sklavisch gefolgt, indem sie das von den 
Stoikern zu einem gewissen Abschluss gebrachte System der griechischen 
Grammatik einfach auf die lateinische Sprache übertrugen. Ihr Verdienst 
ist die Übertragung der griechischen Termini, für die sie die noch heute 
üblichen Übersetzungen aufbrachten, von denen bekanntlich „accusativus" 
ebenso wie „infinitivus" zur Wiedergabe der griechischen Ausdrücke ^ahi- 
anxrj^ und ^ccnaQtiKfarog"^ unrichtig gewählt sind. Die ßehandlungs weise 
der antiken Grammatik [ich spreche zunächst von der Formenlehre] war 
die etymologische, d. h. die einzelnen Redeteile wurden der Reihe nach 
abgehandelt. So sind die grossen Werke des Flavius Sosipater Cha- 
risius, Diomedes, Priscianus angelegt, ein umfangreiches, mehr zu- 
fällig zusammengetragenes statistisches Material aufhäufend, ohne Rücksicht 
auf historische Gesichtspunkte. Es gehört bekanntlich zu den Eigentüm- 
lichkeiten wie der späteren, tiefer gesunkenen Zeit überhaupt, so auch der 
Grammatiker, dass der Nachfolger seinen Vorgänger auf die rücksichts- 
loseste Weise ausschreibt, ein Umstand, auf den man bei Abwägung der 
antiken Grammatikerzeugnisse besonderes Gewicht legen muss. [Vgl. je- 
doch auch die Bemerkungen Brambachs Neug. 50.] Neben den grossen 
Lehrgebäuden oder „institutiones" schuf das praktische Bedürfnis zum 
Zwecke des Unterrichts kurzgefasste Lehrbücher „artes",^ deren Vor- 
bilder man leicht in den griechischen „rfc'/rat" erkennt, die Vorläufer 
unserer Grammatiken. Gleich der „"vt^vri^ des Dionysios Thrax unter den 
griechischen Bearbeitungen dieser Art, hat unter den lateinischen die „ars 
Donati" die meiste Verbreitung und am längsten dauernde Verwendung 
gefunden, und verschiedene Grammatiker, wie Servius, Sergius, Pom- 
peius haben umfangreiche Kommentare dazu geschrieben. Dogmatisch ab- 
gefasste Traktate, die dem (häufig nur vermeintlich) Falschen das Richtige 
gegenüberstellen, so besonders de orthographia, de accentibus u. s. w. sind 
bei den jüngeren Grammatikern seit Hadrian beliebt. Überblickt man die 
Gesamtthätigkeit der römischen Nationalgrammatiker, so muss unumwun- 
den zugestanden werden, dass sie nicht durch Vervollkommnung der Me- 
thode oder Aufdeckung neuer Gesichtspunkte, sondern lediglich durch die 
Aufspeicherung und Erhaltung eines umfangreichen Materials sich nicht zu 
verachtende Verdienste erworben haben. 

Das Mittelalter, seinem grösseren Vorgänger an geistigem Schwünge 
überhaupt nachstehend, war sicher nicht darnach angethan, auf die gram- 
matischen Studien, die jetzt ausschliesslich praktischen Zwecken dienstbar 
gemacht wurden, belebend und befruchtend einzuwirken. Was in dieser 
Zeit Grammatik heisst, ist ein trockenes Regelverzeichnis, der Niederschlag 
antiker Gelehrsamkeit. Seit dem Wiederaufblühen der humanistischen Studien 



^) F. BoLTE, De artium scriptoribus latinis quaestiones diss. Bonn. 1886. 



1. über Geschichte und Methode der lateinischen Grammatik. f§ 1.) 241 

fand wohl auch die lateinische Grammatik eifrige Pflege bei Männern, wie 
Sanctius, Scaliger, Vossius, liuddimanus, welche auf die Alten 
zurückgriff'en, jedoch im wesentlichen über die Resultate derselben nicht 
hinauskamen. Für die Verbesserung der Methode ist durch ihre zum Teil 
sehr umfangreichen Arbeiten wohl soviel wie nichts geschehen. In wieferne 
auch G. Hermann, dessen Theorien ebenso auf die lateinische Grammatik 
angewendet werden konnten, wie auf die griechische, einen bleibenden Ein- 
fluss auf die Methode der Grammatik überhaupt nicht nehmen konnte, weil 
eben seine Voraussetzungen falsch waren, ist von Brugmann in der Ein- 
leitung zu der griechischen Grammatik S. 6 f. auseinandergesetzt worden. 
Auch K eisig und Haase haben sich in ihren Vorlesungen (von letzterem 
ist die Formenlehre, „Etymologie**, überhaupt nicht bearbeitet) im wesent- 
lichen an die antike Grammatik angeschlossen, daher, wenigstens hinsichtlich 
der Laut- und Formenlehre, keinen Fortschritt zu verzeichnen. Einen An- 
fang zu besserer Ordnung und umfassender Darstellung des grammatikali- 
schen Stoffes machte Konr. Leop. Schneider in seiner „Elementarlehre der 
lateinischen Sprache'', von welchem Werke nur der erste Teil und die erste 
Hälfte des zweiten Teiles erschienen sind (die Lautlehre und Deklination 
umfassend). Jedoch erst durch den Einfluss der vergleichenden Gram- 
matik einerseits und der sogenannten historischen andererseits wurde 
auch die Methode der lateinischen Grammatik zu solcher Vervollkommnung 
gebracht, dass sie den Anspruch erheben darf, eine „wissenschaftliche'' 
genannt zu werden. Da ich auf Brugmanns oben vorliegende Darstellung 
verweisen kann, beschränke ich mich hier darauf, zu bemerken, dass es 
natürlich auch in der Methode der lateinischen Grammatik einen Gegensatz 
zwischen „historisch" und „komparativ" nicht gibt, sondern dass diese 
beiden Richtungen der Forschung sich notwendig bedingen und gegenseitig 
ergänzen.') Um jedoch die einzelnen Fortschritte, welche in der wissen- 
schaftlichen lateinischen Grammatik (bez. Laut- und Formenlehre) gemacht 
worden sind, nach Gebühr würdigen zu können, werde ich im folgenden 
«len Ausdruck „historische Grammatik" beibehalten, und zwar in dem Sinne, 
wie er lange das Arbeitsfeld der Grammatik beherrscht hat. Da die alten 
Grammatiker, wie bereits oben bemerkt worden ist, die geschichtliche Ent- 
wickelung der Sprache beinahe gar nicht ins Auge fassten, so war vor 
allem ein wenig angebautes Feld das alte Latein. Die Kenntnis desselben 
beschränkte sich bis ins 19. Jahrhundert hinein auf die handschriftliche, 
zum Teil durch die grössten Verderbnisse entstellte Überlieferung. Da war 
es Friedrich Ritschi, der bei seiner Bearbeitung des IMautus zur Er- 
forschung des alten Latein ül^Mhaupt und der Inschriften insbesondere ge- 
drängt wurde. Hiebei hat nun Kitschl mit dem glänzendsten Scharfsinn 
das früher dunkle Gebiet der archaischen lateinischen Sprache aufgehellt, 
er „hat in einer Reihe klassischer Ilntei-suchungon die Entwicklungs- 
güMchichte der lateinihchon Sprache vom G. bis 8. Jalirhundort der Stadt 
in ihren GrundzUgen dargestellt* =*) und ist so der eigontlicho Schöpfer der 
.sogenannten historischen Grammatik geworden, allerdings zu sehr i\vu 

•) VkI niirh Dr.LitKCcK , Do» S|»r«cli " M — ^ ^^'-^n- 11 

htiiJitiin auf «h'ii liciiUclifn Univi'miUlcii S..'r 

AlUriunMiWlinruMliaA. 11. !'• 



242 



6. Lateinische Grammatik, a) Einleitung. 



Gegensatz zu den Sprachvergleichern betonend.') Ihm verdanken wir es 
vor allen, dass wir jetzt eine methodisch-kritisch gesicherte Kenntnis der 
alten, inschriftlich überlieferten Latinität besitzen. Die zahlreichen in 
Universitätsprogrammen, in Zeitschriften (bes. im Rheinischen Museum) 
zerstreuten Schriften Ritschl's sind, soweit sie die lateinische Grammatik 
betreffen, im 2., 3. und 4. Bande seiner Opuscula gesammelt. 2) Von grosser 
Bedeutung ist auch K. Lach mann 's Kommentar zu Lucretius. In Ritschl's 
Geiste haben 0. Ribbeck und andere Schüler weiter gewirkt. Ohne 
Zweifel ist auch W. Corssen vornehmlich durch die Forschungen des 
früher genannten Meisters zu mannigfachen Arbeiten auf dem Gebiete der 
altitalischen Sprachen überhaupt und des Lateinischen insbesondere geführt 
worden. In seinem Hauptwerke „Über Aussprache, Vokalismus und Be- 
tonung der lateinischen Sprache", in dessen zweite Auflage 3) auch die 
Resultate der inzwischen erschienenen „Kritischen Beiträge" und der 
„Kritischen Nachträge" aufgenommen sind, suchte er, namentlich in der 
zweiten Auflage, unter weitläufiger, aber zu wenig kritischer Heranziehung 
der vergleichenden Sprachforschung ein grundlegendes Werk für die 
historisch-komparative Grammatik der lateinischen Sprache zu schaffen. 
Doch ist einerseits die Anlage (hauptsächlich wohl durch den ursprünglichen 
Zweck bedingt) eine wenig durchsichtige (besonders stören viele lästige 
Wiederholungen), andererseits Corssens Standpunkt in mancher Hinsicht 
zu eng, so namentlich seine Stellung zur komparativen Grammatik.'*) Dazu 
kommt noch eine höchst einseitige, verbissene Polemik,'^) die ganz besonders 
in seinem letzten Werke ß) hervortritt und ihn sehr oft an der Erkenntnis 
des Richtigen gehindert hat. Aus den angeführten Gründen sind Corssens 
umfangreiche Arbeiten trotz der unleugbaren grossen Verdienste des Ver- 
fassers nicht ohne bedeutende Mängel, die den Wert des Ganzen erheblich 
herabdrücken und eine neuerliche Prüfung der in denselben enthaltenen 
Anschauungen dringend notwendig erscheinen lassen, und dies um so mehr, 
weil seit jener Zeit auch in der indogermanischen Sprachforschung ein 
gewaltiger Umschwung sich vollzogen hat. Im wesentlichen sind die* Resultate 
der Corssen'schen Forschung wiedergegeben in folgenden Büchern: R. 
Kühner, Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache Bd. I Han- 
nover 1877; Domenico Pezzi, Grammatica storico-comparativa della 
lingua Latina, Torino 1872 [bedeutet in manchen Punkten einen Fort- 
schritt über C. hinaus]; J. Wordsworth, Fragments and specimens of 
early Latin London 1875 (in der Einleitung, welche einen Abriss der 
Grammatik beibringt);') J. M. Guardia et J. Wierzeyski, grammaire 



') Vgl. jedoch Opusc. 5, 573. 

^) Über Ritschl's Forschungen zur Ge- 
schichte der lat. Sprache vgl. Ribbeck, N. 
J. 1857, 305 ff., 1858, 177 ff., 1862, 369 ff.; 
BüKsiAN, Gesch. d. klass. Phil. etc. S. 832 ff. 

3) 1. Aufl. 2 Bde., Leipzig 1858—59; 
2. Aufl. 2 Bde., Leipzig 1868-70; die ,Kri- 
tischen Beiträge zur lat. Formenlehre" sind 
1863, die „Krit. Nachträge" 1866 erschienen. 

*) Benfey in „Orient und Occident" 1, 
250 f. 

^) RiTSCHL, Opusc. 4, 777. 



^) Beiträge zur italischen Sprachkunde, 
Leipzig 1876. .. 

^) Eine Übersicht der altlateinischen 
Überreste auch von Fkederik D. Allen, 
Remnants of early Latin selected and ex- 
plained for the use of students, Boston 1880 
[vgl. 0. Kellee in Gott. Gel. Anz. 1882, 666 f.] ; 
E. Schneider, Dialectorum italicarum aevi 
vetustioris exempla selecta. Pars I. Lipsiae 
1886 (den lateinischen und faliskischen 
Dialekt umfassend). 



1. über Geschichte und Methode der lateinischen Grammatik. (§ 1.) 243 

de la langue latine d'apres la methode analytique et historique Paris 1876. 
Das Buch von Dr. H. Merguet, „die Entwicklung der lateinischen Formen- 
bildung unter beständiger Berücksichtigung der vergleichenden Spracli- 
forschung, Berlin 1870" berührt sich naturgemäss vielfach mit Corssens 
Arbeiten, bedeutet aber nur in einigen wenigen Punkten einen Fortschritt, 
-<> z. B. in der Erkenntnis von der Unhaltbarkeit der Erklärung der so- 
genannten zusammengesetzten Verbalformen durch die Komposition des 
Mammes mit Hilfsverben. Auch E. Herzog, Untersuchungen über die 
liildungsgeschichte der griechischen und lateinischen Sprache, Leipzig 1871, 
bringt nichts Neues von Belang. Eine höchst verdienstvolle, wenn auch 
rein statistische Arbeit ist F. Neue, Formenlehre der latein. Sprache, 

1. Bd. 2. Aufl. Berlin 1877, II. Bd. 2. Aufl. Berlin 1875, 3. Aufl. Lfg. 1 f. 
l^erlin 1888, Register von C. Wagener, Berlin 1877. 

Speziell von Seite der komparativen Forschung sind die bedeutsamen 
Arbeiten von G. Curtius hervorzuheben, der in mehreren kleineren Uni- 
\ ei-sitätsschriften und Abhandlungen (teils in anderen Zeitschriften, teils in 
icn von ihm herausgegebenen „Studien zur griechischen und lateinischen 
Grammatik"), in dem 1846 erschienenen Buche „die Bildung der Tempora 
und Modi im Griechischen und Lateinischen", in seinen „Grundzügen der 
griechischen Etymologie, 5. Aufl. Leipzig 1879" und in dem „Verbum der 
griech. Sprache seinem Baue nach dargestellt 1. Bd. 2. Aufl. Leipzig 1877, 

2. Bd. 2. Aufl. Leipzig 1880" auch zur Aufhellung des Lateinischen sehr 
viel beigetragen hat. Um von kleineren Arbeiten zu schweigen, erwähne 
ich weiter „Leo Meyer, Vergleichende Grammatik der griech. und lat. 
Sprache I. Bd. Berlin 1861 und in 2. Aufl. 1882—84, H. Bd. Berlin 1865% 
enthaltend die Laut-, Stamm- und Wortbildungslehre. Die zweite Auflage 
des ersten Bandes kann lediglich als eine grossartige Materialiensammlung 
bezeichnet werden, da der Autor die Fortschritte der Wissenschaft seit zwei 
Dezennien nur höchst spärlich berücksichtigt hat. Von besonderer Wichtig- 
keit ist K. Brugmann, Grundriss der vergleichenden Grammatik der indo- 
crmanischen Sprachen I. Bd. Einleitung und Lautlehre, Strassburg 1886; 
11. Bd. 1. Hälfte ib. 1889 (Nominalkomposition und Stammbildungslehre). 
Dagegen hat V. Henry, Precis de grammaire comparee du Grec et du 
Latin Paris 1888 das Lateinische im Veriiältnis zum Griechisclien ziemlich 
-liefmütterlich behandelt. King und L'ookson, The principles of sound 
md inflexion u. s. w. (vgl. Bruomann S. 8) habe ich nicht einsehen können. 

Mächtig gefördert haben die Kenntnis der altitalischcn Dialekte und 
• 1< ^ alten Latein F. Büchelers, W. Deeckes, IL .Jordans, G. Lowe's, 
A. I*auli'ß u. a. Arbeiten.') Ein Unternohmen von der grössten Bedeutung 

I Dm enitgenanntcn hochvcrdienton Ge- 1 Sprache, Berlin 1879.' Von PACua schiirf- 

II ForHclim ' ' i:,'(*Iegt in t ninnigen Arboitrn sind hier xn rr\i-Ahncn 
Ufilic I II V. Bonn .AltitalinrlM« SImlioii' Hrft I V. Ilnniiovor 

i Mifv.itzi-n im i.ii. ii.iM M.M .>iu'..uiii: fornor ; IHX;l m7. (». \M\r ''•■• '•••• '• • «-»rMrliung 

«l. Ml .litihriin B<»nna«' IHK?"; .lordauH, ' der (iIohhimi M'inr Hnn . rwundt 

1' T , ....,..,.. i. rs drr it«- ; in »oinrtn .PttMlroinu.. . ., -,. -arionini 

-rcn Pro- \mI.' Li|»Hino lH7«i und in ,<JIi>mkiv«» uominnin* 

,,. i 1 ,..,.; ; ;...,..^ 'K. •" *!'*'' ln'rnuHm«K«'lH'ii von (•. (Jot/. lii.si.». r<^'l. 

Iirift llrrmoH und in dem Burln« .Kri- i Nmi^Hti^nM (ir»?/ und (Jiv 

It.itiiiL'i- /in Ci s< Iii< li(«> der IhI. ( iluMMuriorum Ijitinorum ü 



244 S« Lateinische Grammatik, a) Einleitung. 

auch für die Grammatik ist das „Archiv für lateinische Lexikographie 
und Grammatik, herausgegeben von Prof. E. Wölfflin, Bd. I— IV, 
Leipzig 1884 ff. Ferner seien noch erwähnt „A. Vanicek, Griechisch- 
lateinisch etymologisches Wörterbuch, Leipzig 1877", und von 
demselben Verfasser „Etymologisches Wörterbuch der lateinischen 
Sprache, 2. umgearbeite Auflage, Leipzig 188L" Beide letztgenannten 
Werke haben vornehmlich Wert durch die (freilich nicht vollständige 
Sammlung) des weit zerstreuten, oft schwer zugänglichen Materials. ') Ich 
mache weiter noch aufmerksam auf Ch. S. Halsey, An Etymology of Latin 
and Greek Boston 1882 [vgl. G. Meyer, Lit. Centr. 1883, Sp. 29], H. 
Breal et A. Bailly, Dictionnaire etymologique latin Paris 1885 [„Cours 
superieur" der „Le9ons des mots" vgl. F. Hartmann, Arch. f. lat. Lex. 
3, 287] und nenne als das vorzüglichste lexikalische Hilfsmittel K. E. 
Georges, Ausführliches Lateinisch-deutsches Handwörterbuch 7. Aufl., 
2 Bde., Leipzig 1879—80 und desselben Verfassers Lexicon der lateinischen 
Wortformen 1. Lfg., Leipzig 1888. S. Reinach, Grammaire Latine Paris 
1886 enthält auf S. 251—321 den Versuch eines Abrisses einer wissen- 
schaftlichen Grammatik. Die neueste Bearbeitung ist Schweizer-Sidler 
und Surber, Grammatik der lateinischen Sprache, I. Teil: Gänzlich um- 
gearbeitete Auflage der im Jahre 1869 erschienenen Elementar- und 
Formenlehre von H. Schweizer-Sidler, Halle 1888. 

In welch umfassender Weise die lateinische Grammatik aus der Lit- 
teratur der vergleichenden Sprachforschung und der altitalischen Dialekte 
Nutzen ziehen kann, ist im einzelnen aus der folgenden Darstellung er- 
sichtlich, weshalb ich es hier unterlasse, darauf einzugehen. 

Dr. A, Gräfenhan, Geschichte der klassischen Philologie im Altertum 4 Bde., Bonn 
1843 — 1850, Bd. 2 und 3. Prof. K. Reisig's Vorlesungen über lateinische Sprachwissen- 
schaft herausgegeben mit Anmerkungen von Dr. Fkiedrich Haase, Leipzig 1839, bes. 
S. 19 f., 28 f., dasselbe neu bearbeitet von H. Hagen 1. Bd., Berlin 1881, S. 19 ff. Fried- 
rich Haase, Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft herausgeg. von Friedr. Aug. 
Eckstein Bd. I, Leipzig 1874, bes. S. 12 f. Dr. Julius Jolly, Die Sprachwissenschaft. 
D. H. Whitney 's Vorlesungen über die Prinzipien der vergl. Sprachforschung f. d. deutsche 
Publikum bearbeitet und übersetzt, München 1874, bes. S. 652 f. Dr. H. Steinthal, Die 
Entwicklung der Sprachwissenschaft bei den Griechen und Römern, Berlin 1863. C. Bursian, 
Geschichte der klassischen Philologie in Deutschland, München und Leipzig 1883, S. 971 f. 
B. Delbrück, Einleitung in das Sprachstudium, 2. Aufl. Leipzig 1884 (Bibl. indog. Gramm. 
Bd. IV). "Weitere Litteraturnach weise, bes. über grammatische Einzelschriften, Schul- 
grammatiken u. s. w. bei E. Hübner, Grundriss zu Vorlesungen über lat. Grammatik, 
2. Aufl., Berlin 1881, S. 17 f. Vgl. auch Fr. A. Eckstein, Lateinischer und griechischer 
Unterricht herausgeg. von Dr, H. Heyden, Leipzig 1887. 

2. Übersichtliche Geschichte der lateinischen Sprache. Mit Rück- 
sicht auf die Geschichte der lateinischen Litteratur, mit der natürlich die 
Sprache in enger Beziehung steht, lassen sich etwa folgende Perioden der 
Entwicklung der lateinischen Sprache abgrenzen. 

I. Vorlitterarische Periode. In das Dunkel dieser in ihren An- 
fängen prähistorischen ZeH bringt nur die vergleichende Sprachforschung 
einiges Licht. Aus jenen Zeiten, über die wir bereits historische Kunde 
besitzen, sind nur spärliche Reste aus altüberlieferten Gesängen (carmen 



^) Vgl. übrigens G. Meyer in Neue Jahrb. f. Phil, und Päd. Jg. 1878, 687 f. und 
Philol. Anz. XIII, 1 f. 



2. Übersichtliche Geschichte der lateinischen Sprache. (§ 2.) 245 

arvale, Carmen saliare) oder Gesetzesformeln (leges XIT tabularum) in teil- 
weise ganz unursprünglicher Form auf uns gekommen. Erst im 6. Jahrhundert 
der Stadt beginnt, wenn auch anfangs sehr spärlich, die inschriftliche Über- 
lieferung; die älteste lateinische Inschrift überhaupt ist die Aufschrift der 
Fibel von Palestrina aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert IW. Heibig, 
Mittheil. d. deutschen arch. Inst. Rom. Abtlg. It, 37 f., F. Dümmler ib. 
40 f., G. Lignana ib. 139 f., Bücheier, Rh. M. 42, 317 flf.], die älteste in 
der Stadt Rom gefundene die Dvenosinschrift vom Quirinal (vgl. unten § 4). 

II. Archaische Periode von demBeginne der Litteratur (c. 240) 
bis Cicero. Die Entwickelung der Sprache wairde, wie bereits angedeutet, 
durch das Auftreten der ersten Dichter bedeutend beeinflusst. Zwar die 
älteren (Livius Andronicus, Naevius) hielten für das Epos an dem altererbten 
saturnischen Masse fest und mit ihm bis zu einem gewissen Grade auch 
an der flüchtigeren, beweglicheren Form, die jedes Volksidiom ohne Lit- 
teratur charakterisitrt. Jedoch ihre Nachfolger, an ihrer Spitze Ennius, 
haben die lateinische Sprache nicht nur einem fremden Versmasse angepasst, 
sie haben ihr auch bestimmte Normen geschaffen, durch die der erste An- 
stoss gegeben wurde zur Sonderung der Sprache der Gebildeten von jener 
des Volkes und der Bauern. Am konservativsten hält noch eine geraume 
Zeit der Kurialstil an dem Alten fest, übrigens mit sehr erheblichen 
Schwankungen, wie man am besten aus der von Schneider S. 162 ff. ge- 
gebenen Übersicht „De antiquae orationis yarietate" ersehen kann, ebenso 
haben sich manche Archaismen in der Dichtersprache erhalten und auch 
in dem folgenden Zeitraum behauptet. Interessanten Aufschluss über das 
Verhältnis des Plautus und Terentius geben A. G. Engelbrecht's Studia 
Terentiana (Arch. f. lat. Lex. 1, 135 ff.). 

Eine stattliche Reihe von Inschriften gibt uns willkommenen Aufschluss 
nicht nur über die Fortbildung der Sprache der Gebildeten, die wir ja auch 
aus den litterarischen Produkten dieser Zeit kennen lernen, sondern auch 
über die Volkssprache. 

III. Das goldene Zeiliiltcr der luteini«clicn Sprache von 
('icero bis zum Tode des Augustus (14. n.Chr.). In dieser Zeit wird 
die Scheidung zwischen dem sermo plebeius und rusticus ') einer- und dem 
sermo urbanus andererseits endgültig besiegelt. Ungezwungene VVeitoront- 
wicklung wird nur den ersteren zu teil: die Schriftsprache bewegt sich in 
fest normierten Bahnen, die nur ein beschränktes Ausweichen gestatten. 
Insbesondere erlauben sich die Dichter zahlreiche Archaismen und manche 
Vulgari.smen; vgl. A. Riese, Die Gedichte des Catullus S. XXX, St. Steffani 
im Programm des k. k. Staatsgymn. zu Mitterburg v. J. 1^^81 über die 
Archaismen Vergils. In diese Zeit und die ihr unmittelbar folgende fiült 
lio endgültige Ausbreitung der lateinischen Umgangssprache Über ganz Italien. 

Die IV. Periode, die der silbernen Latinität, ist die Reaktion 
(i. .. Individmims gegen die strikten Normen und die allseitige geeetzmftssige 
Beschränkung des SprachgebrauchcH. die die klassische Zeit sich auferlegt 
hat ff. Sie charakterisiert ganz beHondors die Durchsetzung dea prosaischen 

') Hknnhardy, (tniiulriHK «!«r nnniMrlM'n ührr clionrn (JcgonstAnd. Di« vortchicdonen 
Litteratur* S. a^O vorzrichm't dir Littrrutiir , Hrzridinuiigon bei ScMüCHAWiT, Vok. 1, 102f. 



246 B. Lateinische Grammatik, a) Einleitung. 

Stiles durch den poetischen. Von der Sprache des Volkes geben uns der 
Roman des Petronius und die zahlreichen pompejanischen Wandinschriften 
willkommene Kunde. 

Noch ein anderer Versuch wurde gemacht, um der alternden Schrift- 
sprache neues Leben zuzuführen. In der V. Periode, welche man die 
archaisierende nennen kann, griff man wieder auf die alte vorcicero- 
nianische Latinität zurück, ein Versuch, der für den Sprachforscher den 
Wert hat, dass vieles Archaische, von dem sonst keine Kunde auf die Nach- 
welt gedrungen wäre, durch eifrige, wenn auch nicht immer glückliche 
Nachahmer uns erhalten ist. Um die Wende des zweiten nachchristlichen 
Jahrhunderts beginnt 

Die VI. Periode der lateinischen Sprachgeschichte. Die Schriftsprache, 
welche ohnehin immer nur auf einen kleinen Kreis beschränkt gewesen war, 
wird durch das Eindringen des sermo plebeius und rusticus mit Vulgarismen 
durchsetzt. Dazu kam noch, dass in den Provinzen sich mehr oder minder grosse 
Eigentümlichkeiten geltend machten, welche der herrschenden Umgangs- 
sprache eine eigenartige Färbung verliehen (afrikanisches, gallisches Latein). 
Alle diese Umstände führten den Untergang der Schriftsprache herbei, die 
am längsten noch im Kreise der christlichen Schriftsteller sich behauptete. 
So hatte nach einer Herrschaft von ungefähr 300 Jahren die hochlatei- 
nische Schriftsprache dieselbe eingebüsst, und ihr Erbe trat die Vulgär- 
sprache an, die, von jener zuerst in den Hintergrund gedrängt, in steter 
Regelmässigkeit sich seit den Anfängen der lateinischen Sprache fortent- 
wickelt hatte. Daher denn die bekannte Erscheinung, dass soviele Vul- 
garismen und Archaismen sich decken, dass der Romanist mehr Anknüpfungs- 
punkte im archaischen als im klassischen Latein findet. Die ebenso dank- 
bare, als schwierige Aufgabe, das Hervorwachsen der romanischen Sprachen 
aus der römischen Umgangssprache zu zeigen und so gewissermassen die 
Kette der lateinischen Sprachentwickelung zu schliessen, gehört nicht in 
den Rahmen dieser Arbeit. Diese hat vielmehr im wesentlichen den Zweck, 
die Laut- und Formenlehre der hoch- oder schriftlateinischen Sprache fest- 
zustellen, ihren Bestand mit Zuhilfenahme der archaischen und volkstüm- 
lichen Sprache zu erklären und an gelegentlichen Beispielen zu zeigen, wie 
dieses künstliche Gebilde eines beschränkten Kreises durch die im Volks- 
munde frei und ungezwungen sich fortentwickelnde Sprache allmählich 
wieder verdrängt wurde. Über das Verhältnis der romanischen Sprachen 
zur lateinischen vergleiche man jetzt die vortreffliche Auseinandersetzung 
von W. Meyer in Gröbers Grundriss der romanischen Philologie I, 352—382 
(Strassburg 1886). 

Anmerkung 1. Über die Geschichte der lateinischen Sprache vgl. Ritschl, Priscae 
Lat. mon, ep. p. V, Brambach, Neug. 11 ff., Schmalz. Anfibarbarus (Basel 1886), S. 1—10; 
über das Verhältnis der lat. Volks- und Schriftsprache Schuchardt, Vok. 1, 44 ff., Körting, 
Kncyklopädie u. Methodologie d. rom. Phil. I, 122 f.; über die Litteratur des Vulgär- und 
Spätlateins von 1877—1883 Sittl in Bursian's Jahresberichten XL, 317 ff. Vgl. auch 
Stolz in Ersch u. Gruber's Enc. 2. Sekt. 42. Tl. S. 187 ff. 

Anmerkung 2. Über die dialektischen Verhältnisse des alten Latein hat R. Sittl 
„Die lokalen Verschiedenheiten der lateinischen Sprache, Erlangen 1882" jedenfalls zu weit- 
gehende Ansichten aufgestellt (vgl. v. Hartel, Phil. Anz. 13, 777 ff. und G. Meyer und 
H. Schuchardt, Z. f. rom. Phil. 6, 608 ff.). Jedoch ist sicher, dass die stadtrömische 
Sprache sich in manchen Punkten von den nahe verwandten Idiomen von Falerii, worüber 



3. Stellung des Lateinischen zu den verwandten Sprachen etc. (§ 3.) 247 

neuestens handelt Deecke, Die Falisker, Strassburg 1888, und Piaeneste unterschied (z. B. 
ist hier auch inlautendes idg. bJi dh = f). Insoweit wird man daher immerhin auch von 
dialektischen Verschiedenheiten der lateinischen Sprache reden dürfen. Vgl, darüber auch 
Löwe, Acta soc. phil. Lips. 2, 474, Ritschl, Op. 4, 479 fF., Schcchakdt, Vok. 1, 89 f. 

Anmerkung 3. Das nach der Wochenschr. f. klass. Phil. 1887, Sp. 1597 von der 
Academie des inscriptions et helles lettres preisgekrönte Buch von Ix)th, Etüde gramma- 
ticale et historique de la langue des inscriptions latines comparee avec celle des ecrivains 
lomains u. s. w. habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen. 

3. Stellung des Lateinischen zu den verwandten Sprachen und 
zu den übrigen italischen Dialekten. Eine weit verbreitete, von namhaften 
Forschern vertretene Ansicht lässt die Italiker mit den Griechen aus dem ge- 
meinsamen Grundstamme der Gräko-Italer hervorgehen und nimmt demzu- 
folge einen engeren Zusammenhang zwischen der lateinischen und griechischen 
Sprache an. Diese Ansicht, ohne Zweifel vornehmlich gestützt durch die in ge- 
meinsamen Bahnen verlaufende geschichtliche Entwickelung der beiden klassi- 
schen Völker, erweist sich nach dem gegenwärtigen Stande der Untersuchung 
über die Verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen Sprachen als un- 
haltbar, i) Denn gemeinsame charakteristische Eigentümlichkeiten, wie sie zu 
einer Zusammenfassung unter eine engere Einheit unbedingt notwendig sind, 
fehlen den beiden klassischen Sprachen. Überhaupt, wenn das Italische 
mit einem Zweige der indogermanischen Sprachen in eine innigere Be- 
ziehung gesetzt und zu einer engeren Einheit zusammengefasst werden 
darf, so sind dies entschieden die keltischen Sprachen, welche mit dem 
ersteren einige charakteristische morphologische Eigentümlichkeiten gemein 
haben: die eigenartige Verwendung gewisser mit dem Kennlaut r gebildeten 
Verbalformen, die im Italischen zur Bildung eines neuen Verbalgenus, des 
Passivums, geführt hat, das /^-Futurum, die Erweiterung der //-Stämme 
durch «-Suffixe. 2) Eine treffliche Auseinandersetzung über diesen Gegen- 
stand, zugleich mit Angabe der Litteratur findet man bei 0. Schrader, 
Sprachvergl. 78 f., desgleichen bei Brugmann in Techmer's Internationaler 
Zeitschrift für Sprachwissenschaft 1, 220 f. Neuestens hat v. Bradke in 
seiner Schrift „Beiträge zur Kenntnis der vorhistorischen Entwickelung 
unseres Sprachstammes, Giessen 1888" den Versuch gemacht, die gräko- 
italische Feinheit einerseits und die italo-keltische andererseits durch An- 
itihme einer gräko-italischen älteren und einer italo-keltischen jüngeren 
l]poche aufrecht zu erhalten. Trotz des grossen dabei aufgebotenen Scharf- 
sinnes scheint mir diese Annahme kaum haltbar. 

Innerhalb der Völker des alten Italien bilden die Lateiner mit den 
ifubrisch-Habellischen Volksstämmen eine ethnographische und sprachliche 
Einheit, die sich scharf abgränzt von den übrigen Vr)lkor8täminon des alten 
Italien, den Ligurern, Japygern, Iberiorn, Etruskorn. Das Volk der ItaliktM* 



I) Daran Ändert auch nicht« B. W. Lust, 
UcchtüKeHchichte Jona 1884; 
Horl. iMiil. Worh. 5, 50 f. 
' tid MM" IUI 'IV.xto auH^oHprochfno An- 
ilin ZuMtimmiinK Hohr vieler (lelehrter 
Irn hat (/. H. von WiNDimii, hoi (irA- 
rundriHh «1. roin. Pliil. I. ".00, K^lRTl^o. 



Briefe (GOtcniloh 1887) 8. 55 Anm. wieder 
für die grftko-italiaohe Hypoiheto ausgespro* 
eben. Auch Sciiwiizbr^oidli« hat aioh in 
einem Vortrage auf der PhilologenvenMunm- 
lung lu ZQrich 1887 gegen die griko-italtache 



llypoiheM auagcfT 



i) \jh9t daa '^ (leH Alt^filÜHrhen 

,klon. u. Melh. d. roin. Phil. I, IUI, 1 sum liat^inischen .,^. . ..MJimii •"> ';•••••««« 

IIkrhy rr<^ia 9), hat sich Ahcoli, Sprachw. | Grundriaa d. rom. I'hil. I, Moo i 



248 B. Lateinische Grammatik, a) Einleitung. 

hatte, wohl noch vor seiner Teilung in einzelne Stämme, nach den Nach- 
weisungen Helbig's in den Pfahldörfern der Poebene seine ursprünglichen 
Sitze. In geschichtlicher Zeit treten uns vornehmlich drei grössere Stämme 
mit eigenartig entwickelten Dialekten entgegen, Lateiner, Umbrer, 
Osker. Die umbrisch-oskischen Mundarten, zu denen, soviel wir nach den 
dürftigen sprachlichen Resten schliessen dürfen, auch die von Picenum, 
die der Marruciner, Sabeller, Vestiner, Päligner, Marser, Volsker 
gehörten, treten durch gewisse Eigentümlichkeiten in Gegensatz zum latei- 
nischen Dialekt; einige hervorragende sind die Vertretung des indogerma- 
nischen labialisierten velaren X-Lautes durch p, die Unterlassung der Ver- 
schiebung der uritalischen Vertreter der indogermanischen Aspiraten, 
Bildung des Inf. Präs. auf -um u. s. w. Sämtliche italische Dialekte sind, 
wie bekannt, durch die lateinische Sprache verdrängt worden; zumeist hat 
sich dieser Prozess vollzogen nach dem letzten Versuch, den die Italiker 
im Sozialkrieg für die Erhaltung ihrer Individualität machten, worüber man 
vergleiche Jordan, Krit. ßeitr. zur Geschichte der lat. Sprache 130 f., 
Nissen, Italische Landeskunde I, 4G6 f. 

Anmerkung. W. Deecke hat neuestens das Etruskische in Gröber's Grundriss 
d. rom. Phil, I, 345 mit voller Sicherheit zu den übrigen altitalischen Sprachen gerechnet. 
Ich vermag auch heute noch die Berechtigung nicht zuzugeben. Auch durch R. Ellis, 
Sources of the Etruscan and Basque languages, London 1886 (vgl. Pauli, Neue phil. Rund- 
schau 1887, S. 359 ff.) und C, Moratti, Studii sulle antiche lingue Italiche, Firenze 1887 
ist die Etruskerfrage noch immer nicht gelöst. - Die Denkmäler des umbrischen Dialektes 
sind jetzt am besten zugänglich in M. Breal, Les tables Eugubines, Paris 1875 und F. 
BücHELER, Umbrica, Bonnae 1883, die des oskischen in J. Zvetajeff, Sylloge inscriptionuni 
Oscarum, Petropoli 1878, die der übrigen mittel- und unteritalischen Dialekte in desselben 
Verfassers Inscriptiones Italiae mediae dialecticae, Lipsiae 1884 und Inscriptiones Italiac 
inferioris dialecticae, Mosquae 1886. Die ältere Litteratur bei Hübner, Grundriss^ S. 11 f. 

^) Beiträge zur altitalischen Kultur- und Kunstgeschichte I, Leipzig 1879, 



Lateinische Lautlehre. 



1. Schriftzeichen und Orthographie^) 

L Bestand und Herkunft des lateinischen Alphabetes.^) 
4. Das älteste lat. Alphabet bestand aus 21 Zeichen und zwar lüi 
iie Buchstaben a, b, c, d, e, /*, <2f, //, /, /.-, /, m, n, x, o, p, q, r, s, t, w.') 
Dieses Alphabet stammt nach den Nachweisungen Mommsen's') und Knuii- 
iioff's'^) gleich den Alphabeten der übrigen italischen Sprachen aus dem 
der campanischen Griechen und bildet mit dem faliskischen eine Gruppo 
gegenüber dem etruskisch-oskisch-umbrischen.*') Das griech. Stamnuilp]ia!)et 
ist das chalkidische, bez. das der chalkidischen Kolonien (Kiriuhoff, Tafel 
H, 2). Mit diesem teilt es die Form U für 1, die ihm bis c. 580 u. c. (nach 
MoMMSEN, Die unteritalischen Dialekte S. 20 schwand das Zeichen c. 240 v. 
Chr. aus dem Gebrauche) eigentümlich war, ferner C für Gamma, 9 (Koppa), 
endlich X mit dem Lautwerte von ^, dessen ursprüngliches Vorhandensein 



') Ich habe diese gedrängte Darstellung 
trotz der in dicHoni Handbuch I, 492 ff. gege- 
bent'n htehen laHwen, um doni Honützer meiner 
Laut- und Formenlehre die übersieht über 
die orthographischen P'ragen zu erleichtern 
und ihm lästiges Nachschlagen zu ersparen. 
über die fJeschichte der lat. Orthographie 
vgl. Hkambach. Neug. 17 «»0. 

') Zur Kntwicklungsgeschichte und For- 
menlehre der lateinischen Buchstaben vgl. 
KiTscHL Op. 4. «;91- 72<i^ r Hhein Mus. 

24 ' '•' V' ' tirzen fM»erblick über die 

«" fsmhen desLateiniHchen 

l<i< . ....Jius indieiorum notiorum 

quae ad definicnda temimra inscriptionum 
latinarum vnlent in l'r. \,. m. ep. \2\\, 124 
Dp. 4, 7»ir> SrHNUDKK S, VM. Femof 



Iifs U 
II. 



Vgl. \VoMi>M>\*>itTn, 1(. 

I'rozi, (Jranim. :'.'» t . 

grnphisrhe Stutlien, 1- 7 

nicht unerwHiint k<'I»><««ii 

such Dkwkk.'m. ZeiUrhr. <l 

«»es. Md. MI. der freilich nulit 

hit Alphabet hetrifft, ahcr eine neu« Hjrpo- 



. a. w. 5 f. 

A.. I'alaoo- 
Auch soll 
.ler Ver. 
• ri niurg. 

direkt Hm 



these Ober den Ursprung des semitischen 
Alphabets und mithin der abendlUndischen 
Alphabcto überhaupt aus der neuiussyrischcn 
Keilschrift aufstellt. Vgl. auch den Artikel 
^.Mphahet" von demnelben in ^Haumkistkr, 
Denkmäler des klassischen Altertums", be». 
S. U2 - h''\ die beiden Sehrifttafen Die neuer- 
dings von Fr. IIommfi. (\V. Onckkn, Allg. 
Geschichte in Kinzeldarstellungen I, 2, 50) 
aufgestellte Ansicht, dass das | ' • -'- che 
Alphabet aus der babvlonischti ifl 

abgeleitet sei, bestreitet K. W,.,.. , \V. 
Onckfn ib. I 1, r>4 f.). Vgl. auch des letzt- 
genannten Verfaaaent (leschicbtc d. Alt4«r* 
tums 1, 10, 2:t7 f. und Hihmoh« in difwem 
Handbuch I ;t.V». 

•) über die Formen der üucbaUibon 
vgl. ftiMAor den «ngofnhHen Stellen noch 
CoMMBir. 1, % 

«) UnteriUliache Dialekt« a f. 

*i Studien x. Heaoh. d. griech. Alph. * 
127 ff. 

*) ^ lerotn vgl. NiaaKW, lUliache 

Landfak 



250 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



MoMMSEN erwiesen hat; ^) wegen seiner eigentümlichen Stellung im lat. 
Alphabete hat derselbe Gelehrte die Vermutung aufgestellt, dass es der 
griechischen Ziffernreihe entnommen sei. 2) Die Buchstabenzeichen für die 
Aspiraten, ®©0, (D^, ^i^, wurden als Zahlzeichen für 100, 1000, 50 in 
Verwendung genommen.^) Dabei erfuhr unter dem Einflüsse des c von 
centum die Umgestaltung in C C, später CO, vom 2. Jahrhundert nicht 
selten M, aber nicht ziffermässig verwendet (Mommsen a. a. 0. S. 601), 
während D = 500 an die ursprüngliche Form erinnert und nur dadurch 
verständlich wird; ^, woraus ^ X wurde, wurde erst gegen Ende der 
Republik durch das Zeichen L ersetzt.*) Dass auch X von dem griech. ^ 
stamme (nach Abfall der äusseren Begränzungslinien), wie früher zweifelnd 
vorgetragen wurde, ist nicht haltbar, vgl. Mommsen a. a. 0. Das fünf- 
strichige I^ ist in linksläufiger Form (^) auf den Inschriften des Numa- 
sios und D venös ^) nachgewiesen, sowie vielleicht in M' = [^ für Manius 
(vgl. jedoch Hübner in diesem Handbuch 1, 499). Der Vulgärschrift ge- 
hören an die Zeichen II = E und I' = F (auch auf der nicht römischen 
Inschrift von Rapino Zvet. Inscr. It. mediae dial. 6 t. IL 2). Auf der In- 
schrift des Numasios ist f durch FB bezeichnet. 

Kurze Geschichte des lat. Alphabets. 
Das 7. Zeichen I (^) war in den alten Texten des Carmen saliare vor- 
handen; 6) inschriftlich vielleicht nachgewiesen ist es in der Dvenosinschrift, 
die jedenfalls nicht unter die Mitte des 5. Jahrh. d. St. herabzurücken ist, 
ferner (von Jordan, Krit. Beitr. 155 bezweifelt) auf Münzen in der Form 
CO^A oder CO<^ANO. Endgiltig beseitigt wurde es nach dem Zeugnis des 
Marcianus Capeila '^) von dem Censor Appius Claudius und an seine Stelle 
das Zeichen für den Buchstaben g gesetzt, dessen Erfindung früher ge- 
wöhnlich dem Spurius Carvilius Ruga c. 462 u. c. zugeschrieben wurde, 8) 
wahrscheinlicher aber nach Jordan's Vermutung^) dem eben genannten 
Verbesserer des lat. Alph. Appius Claudius zuzuschreiben ist. Das Zeichen 
selbst wurde mittels eines Häckchens von dem dritten unterschieden, daher 
C Q Q Die genaue Unterscheidung zwichen den Buchstabenzeichen für 
die tonlose und tönende Gutturalis, c und g, {k war immer nur in be- 
schränktem Gebrauche gewesen, c hatte früher seinem ursprünglichen Werte 
nach auch für g gedient und hat sich in einigen Wörtern immer behauptet, 
z. B. in den Sigeln C = Gaius, Cn. = Gnaeus [Gnaivod]) hat ohne Zweifel 
ihren Grund in der präzisen Unterscheidung der beiden Laute in der Aus- 



1) Rh. M. 15, 463 f. 

'^) Auf volkstümlichen und späteren In- 
schriften auffallend unsicher durch xs ex 
cxs CS xc XX sx wiedergegeben (Seelmann 352). 

3) RiTSCHL, Opusc. 4, 704 f. u. 722 f.; 
Mommsen, Hermes Bd. 22, 598 ff. 

■») RiTscHL Op. 4, 723. 

5) Büchelek, Rh. M. 36, 235 f. ; Osthofp 
ib. 489 f.; Jokdan, Hermes 16, 225 f.; Breal, 
Revue crit. 1882, 211; d'Ovidio, Riv. di phil. 
Jg. 10, Heft 3. 4; Deecke, Bursians Jb. 28, 
233; SiTTL, Die lok. Versch. 33 f.; Pauli, 
Altitalische Studien Hft. 1. Für den latei- 



nischen Charakter der Schrift tritt wohl mit 
Recht DüMMLER, Mitteil. d. deutschen Arch. 
Inst. Rom. Abthlg. II, 41 gegen Jordan ein, 
während Pauli a. a. 0. S. 54 die Schrift 
für etruskisch halten möchte. Über die 
erstgenannte Inschrift s. oben § 2, I. 

6) Vgl. Varro 1. 1. 7, 26 M. Dass 
übrigens Zeul der Name des Sonnengottes 
sei (Ribbeck, Gesch. d. Dichtung 1, 6 nach 
Bergk), ist mehr als fraglich. 

') Mommsen, Rom. Forsch. 1, 304. 

^) Plutarch, Quaest. Rom. 54 u. 59. 

«) Krit. Beitr. 157. 






1. Schriftzeichen und Orthographie. (§4.) 251 

prache, wozu nach Corssen's Vermutung i) die genauere Bekanntschaft 
mit der griechischen Sprache den Hauptanstoss gegeben haben soll.-) Das 
Zeichen K hat sich in der lat. Schriftsprache nur in einigen wenigen 
Worten und zwar nur vor a behauptet, häufiger findet es sich auf spani- 
schen, gallischen, britannischen, afrikanischen Inschriften, handschriftlich 
/. B. in Kaput, Varro bei Non. 48, 26 Müll, und öfter vgl. Ribb. Ind. 
\'erg. S. 429. Nachdem bereits seit Übernahme des kumanischen Alpha- 
betes q auch vor vokalischem u in Gebrauch gewesen war, machte, wie 
es scheint, Accius einen reformatorischen 3) Versuch, den Gebrauch der 
Zeichen für den tonlosen Kehllaut zu regeln {k vor a, q vor halbvok. m, 
' in den übrigen Fällen), jedoch hinsichtlich des k ohne durchdringenden 
Erfolg.'*) Zu Augustus' Zeit wurde das bis dahin aus 21 Buchstaben be- 
tehende Alphabet durch unmittelbare Entlehnung aus dem Griechischen 
im die Buchstaben Y und Z vermehrt. Ersteres wurde in älterer Zeit 
iurch u (daher z. B. in Lehnwörtern cumha cupressus cuprunt, turanne 
IMaut. Pseud. 703 A, und noch auf Münzen v. J. 726 und 727 Jovl Olu{mpio) 
Ae(jupto capto),'') seltener i, einige Male auch durch oe wiedergegeben.^) 
Letzteres wurde im Anlaute durch .s (z. B. Setus CIL. 1, 1047), im Inlaute 
durch .<J.s wiedergegeben '*) (z. B. in den zahlreichen griech. Verben auf -/'^w, 
wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass der messapisch-tarentinische 
Dialekt gleichfalls die Formen auf -iaato hatte.**) s wurde auch für s ge- 
schrieben, so in Ärtavazdis Mon. Anc. 6, 11 neben Artavasdis ib. 5, 26 
und 'i 5, 30. Das somit aus 23 Zeichen bestehende Alphabet suchte noch 
Kaiser Claudius um drei neue Zeichen zu vermehren: h = Mittellaut 
zwischen u und /, inschriftlich nur für griech. v nachgewiesen,^) -j = kon- 
sonantisches V, inschriftlich häufiger nachweisbar, endlich 3 = bs und ps. 
Die alphabetischen Reformen des Kaisers überlebten jedoch seine Regierilngs- 
zeit nicht. 

IL Die Aspiration in der Schrift."^) 
In alter Zeit wurden die griechischen Aspiraten x »^ V (ohne 
Zweifel tenues mit scharfem nachstürzendem Hauche'") durch die offenbar 
am ähnlichsten klingenden Tenues wiedergegeben, die sich in nicht wenigen 
Fällen für immer festsetzten, z. B. mix gr. x«^'^» ^^^ g»*- ^»'"?. Voenk 
(tfoirixfg u. a. '^) und, wie das häufige Schwanken im Gebrauche der aspirierten 
und nicht aspirierten Zeichen, sowie die V^ersetzung der Aspiration lehrt, 
in volkstümlicher Sprache wohl immer herrschend blieben. Dagegen machte 
sich in der hiteinischen Schriftsprache das Streben bemerkbar, die griechischon 
Laute der Aöpinit^«?», dif maii ofT^nluir auch möglichst genau nachzusprechen 

nlTlör 1 Vok. 2, 254. 

I MANN :M:J f. I ') CORIIMIN 1. 0. 

I . «ANN 'M2. Über den CJ*bruuch I ") PrrrKr. Rh. M. 37, 370 Anm. 2. 

von c und k woho WnMBBODT, Oli < i m ' ' !. 27. 

8c. do Hftcrh. .12 f. . Hermee 14. (W f.; Sciimit/., 



I>io (iiitttiinicn rti. 

') Wkihhiihout, MiMrollaiioji (|Hx:i) 17 f. 

') Hnsiiii. I'r. Lat. m. o. 121. Shmitz, 
H.itr lOH. HiHBKi'K. N. J. 7.'», Mü ff.; 
VuKiKf.iHf.n, Mj Artikel 20: Scuuciiakdt, 



Ijüiti. llu 1., iCiTHciiL, IV. \mL m. e. 53; 
Sbilmami« 2<V2 f.; Johuan. Ilorni«« 15, 541 (T. 
") CuMTiUM, iJrdx. 414 f.; Ulamm, AuMH|ir.' 

99 ir. 

»«) 0. WiiiiK ! ' f 



252 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



bemüht war, auch durch die Schrift genau zu fixieren. Die ältesten Bei- 
spiele der Schreibung mit h sind triunq^hans und Ächaia neben Corinto 
(CIL. 1, 541 a. u. 609) und Corintho (ib. 546 a. u. 608). In der Schrift- 
sprache ist die Konsonantenaspiration seit Cicero 's Zeit unbedingte Regel 
und damit der Gegensatz zur vulgären Sprache besiegelt, in deren Urkunden, 
wie bereits angedeutet, die Schreibung ohne Aspiration auch in der Kaiserzeit 
häufig begegnet. Über die letzte Stufe der Wiedergabe von griech. (p 
durch lat. f (vereinzelt schon seit früher Kaiserzeit, regelmässig seit der 
2. Hälfte des 4. Jahrh.) vgl. Mommsen, a. a. 0. Über vereinzelte Wieder- 
gabe von griech. ^ durch s in den Tironischen Noten, ein Zeichen vul- 
gärer oder provinzialer Aussprache, Schmitz, Beitr. 109. Die Aspiration 
des Q im Anlaut und des qq im Inlaut griech. Lehnwörter fehlt bei älteren, 
wie Regnim rosa Burrus u. s. w., gelehrte Neigung späterer Zeit hat 
sie nicht nur in den griechischen Lehnwörtern eingeführt, sondern auch 
fälschlich auf Wörter anderer Sprachen übertragen, daher immer Rhenus, 
weniger gut auch Bhaeti rheda. Auch in echt lateinischen Wörtern treffen 
wir die Schreibung mit h, so gegen Ende des 7. Jahrhunderts und später 
gewöhnlich pulcher {^pol-cro- von polire), zuerst auf einer Münze v. J. 650 
u. c. [CIL 1, 380], 1) Cethegus Gracchus, so gräzisierend in den italischen 
Wörtern phalarica lympha ThalassioJ) Über volkstümliche Aspiration 
RoscHER in CuRTius Studien 2, 143 f. (hinsichtlich des Materials) und 
Brandts, De aspiratione Latina quaestiones selectae Bonnae 1881. Über 
die ganze Frage der Aspiration auch Bersu, Die Gutturalen S. 33 f. 



III. Gemination der Vokale, I longa, apex. 

Der Dichter Accius führte zur Bezeichnung von ä e ü die Gemination 
der einfachen Lautzeichen in der Schrift ein, 3) ohne Zweifel im Anschluss 
an altitalische Schreibweise.^) Das älteste Beispiel ist paastores auf dem 
Milliarium Popillianum 622 u. c. Das häufigere inschriftliche Vorkommen 
dieser Schreibweise, welche nicht annähernd zu allgemeiner Geltung kam, 
fällt von 620 — 680 u. c. Vereinzelte Belege derselben finden sich übri- 
gens in allen Bänden des Corpus inscriptionum. Handschriftliches diee 
(Quint. 9, 4, 39) ist wahrscheinlich durch dice zu verbessern,^) Plaut. 
Merc. 985 ist iuus durch CD bezeugt. Beispiele dieser Schreibweise auch 
in griechischer Transscription bei Ritschl, Op. 4, 151. o wurde nicht ver- 
doppelt,^) vgl. jedoch falisk. vootum und censoor Zvet. Inscr. It. med. 68 
und 65, t von demselben Dichter durch ei bezeichnet.') Des Lucilius Schei- 
dung in i pinguis (ei) und i tenuis (i) drang nicht allgemein durch und 
fand überhaupt in der Zeit des Augustus ihr Ende.^) Die Schreibung mit 
ei verschwindet grösstenteils mit dem Ende des 8. Jahrhunderts der Stadt, 
wenn auch manche Beispiele sich noch später finden.^) Auf dem Mon. Anc. 
finden sich nur Dat. Plur. auf -eis und plehei. Nicht selten sind in unseren 



^) Bkambach, Neug. 287 f. 
^) 0. Weise 14 

3) Ritschl, Op. 4, 142 f.; Cokssen, 1, 14 f. 
*) Jobdan, Krit, Beitr. 125. 
5) Meunier, Mem. d. 1. S. d. 1. 1, 34 
(Bücheler-Windekilde § 121). 



6) Ritschl, Op. 4, 156 f. 
') ib. 359. 

«) ib. 376; Brambach, Neug. 181 f. 
^) Weissbrodt, Phil. 43, 444 führt an 
CIL 6, 1454 V. J. 222 p. Chr.; Cobssen I 787. 



1. Schriftzeiohen und Orthographie. (§ 4.) 



Handschriften die Spuren dieser Schreibung, so namentlich im cod. A des 
Plautus, bei Varro, Nonius u. s. w.^) 

I longa, zur Bezeichnung des t seit Sulla's Zeit inschriftlich nachge- 
wiesen, z. B. CIL 1, 584 felIcT und vicvs (a. u. 672/5). Angebliche ältere 
Beispiele sind unsicher.'-^) Dasselbe Zeichen wurde auch für 7, genauer 
ii verwendet, z. B. eIvs und dafür auch eIivs und eiIvs, worüber Weiss- 
BRODT, Phil. 43, 444 f., woselbst auch die ganze Litteratur zusammengestellt 
i.st. Über die Verwendung von I longa für T Corssen, It. Spr. 253 f. 
Vereinzelte Beispiele von E und V longa bietet Schmitz, Beitr. 29. Über 
I geminata und longa ib. 70 ff. Über ii = i pinguis Ribbeck Prol. S. 138 f. 
ii == // schrieb Cicero nach Quint. I 4, 11 (übereinstimmend Velins Longus); 
auch der Ambrosianus des Plautus hat maiiores aiiebas cuiius u. s. w. 
(Studemund Anal. Plaut. 171); vgl. auch Priscian bei Keil, Gr. L. II 303, 0; 
Seelmann 236. 

Apex, zur Bezeichnung der Länge der Vokale verwendet,^) nicht als 
Accent, wofür man ihn früher wegen seiner am häufigsten vorkommenden 
Gestalt (') hielt. Das älteste inschriftliche Beispiel ist dIvo ivlio CIL 1, 
626, ungefähr zehn Jahre älter zwei numismatische.^) Trotz sehr häufiger 
Setzung ist der Apex doch nicht allgemein durchgeführt; über / findet er 
sich seit der augusteischen Zeit (auf dem Mon. Anc. nui' exciderc I 15, 
sonst I longa), gelegentlich auch über Diphthongen. 5) 

IV. Gemination der Konsonanten, <^) Sicilicus. 
Die graphische Seite der Frage ist folgende. Nach dem Zeugnisse 
des Festus s. v. solitatmlia hat der Dichter Ennius die den Lateinern 
früher unbekannte Gemination der Konsonanten eingeführt. Das ältere 
HiNNAD CIL 1, 530 V. J. 543 u. c. wird von Kitschl mit Recht aus der 
griechischen Herkunft dieses Stadtnamens erklärt ['Ena, auf Münzen 
HENNAION]. Die ältesten lateinischen Beispiele sind essetif oppidum 
possidcre rcllct turris, daneben allerdings iousit pofiedismt, auf dem aus d. 
J. 565 u. c. stammenden Dekret des Aemilius Paulus.') Die übrigen ältesten 
Beispiele bei Ritschl 1. 1. 88. Nach demselben Gewährsmanne zeigt sich 
die Gemination der Konsonanten im Fortschreiten nach 620 u. c. Vollständig 
durchgedrungen ist sie, von spärlichen Resten abgesehen, kurz nach 640 u. c. 
Nach den sorgfältigen Untersuchungen von Welsshhodt, Spec. gramm. 23 f. 
und part. II, 1 — 13 hat sich die von Ennius eingeführte und geregelte Schreib- 
weise ungefähr bis zum Jahre 640 in offiziellen Denkmälern erhalten; dies 
ergibt sich aus dem ziemlich konHO(|uenten Gebrauche des s und .*?*' (orstei^es 
nach langen, letzteres nach kurzen Vokalen), daher z. B. esse cssnit seit 
505 u. c. (nur CIL 1, 196 und 116G bilden Ausnahmen), hingegen s im 
Inf. Perf. und Coniunct. Plusqpfct., wobei allerdings die Quantität des 1 in 
'issr nichts weniger als sicher steht. Nachdem Bäiihkns'*) die Frage in 

') liACHMAim ZU Lucretius (2. Ausgabe) 
S. 244. Noiie I 97. .Iorhak, Krit. Boitr. 21^7. 

») HiTKciiL, Op. 4, Xiii f. und bo». aH2 f. 

») KiTHi III,, Op. 4, a7« f., 38» f., CoiMEii 
1, 2:» f.. SiiMir/. Hcitr. :W f. 

*) liRAMIIACII, NOUK- 24. 

-) WK.iHhBiiüirT, IMiil. 43, 444. 



•) RiTÄTHt, Op. 4, 48 f.: lar» f.; Wkikh. 



(i., Conflui 
<ntb«rga« I 
iiait ■!• ftlr 



HRODT, Spf>< 

parÜculn nt'< 
Kb. M. dii, 
Urtprunn. 

') H0Bi<iii.Honnf«3,242r.i .. 

•) N. J. IUI 127, 774—798. 



KK, 

lion 



254 B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 

einer den Laut- und Bildungsgesetzen der lateinischen Sprache vielfach 
widersprechenden Weise l)ehandelt hat, ist neuestens Seelmann, Ausspr. 109 f. 
ausführlich auf sie eingegangen, indem er mit Recht die phonetische Seite 
in den Vordergrund stellt". Darnach werden durch die Verdoppelung ent- 
weder „Zwillingslaute", z. B. hacca, aggcr, gibhiis oder „Dauerlaute", z. B. 
rr, II, SS, bezeichnet. Wir werden über den grössten Teil der in Betracht 
kommenden Fälle in dem Kapitel über die Quantitätsminderung der Vokale 
zu handeln haben, vgl. § 40, A 3. Hier genüge es zu betonen, dass im 
alten Latein auch dort der einfache Laut geschrieben wurde, wo etymo- 
logisch nur der geminierte berechtigt war. Dass trotzdem in der Aus- 
sprache ein anderer Laut als der einfache gehört wurde, zeigt hinsichtlich 
des s z. B. deutlich die unterbliebene Rhotazierung. Sorgfältigere Fixierung 
des lautlichen Ausdruckes führte sodann zur regelmässigen Schreibung der 
Doppelkonsonanten. 

Sicilicus; nur sehr spärlich zur Bezeichnung geminierter Konsonanten 
angewendet. Inschriftliche Nachweise seines Vorkommens sind mvmiaesi) 
SABELio CIL 5, 1361, osA 10, 3743. 

2. Verhältnis des lateinischen Lautbestandes zu dem der 
indogermanischen Grundsprache. 

5. Über die Laute der indog. Grundspr. vgl. oben Brugmann S. 23 f., 
dessen phonetische Erläuterungen natürlich auch für das Lateinische Geltung 
haben. Denselben Lautbestand weist hinsichtlich der Konsonanten im allge- 
meinen mit Ausnahme der tenues und mediae aspiratae, welche fehlen, auch das 
Lateinische auf. An die Stelle der letzteren sind zum Teil (die genaueren 
Nachweise unten) der Hauchlaut h und der labiodentale Spirant /' getreten. 
In sonantischer Funktion sind i9 n n m durch cn em {in im\ i^ l durch 
or ol {ur ul) vertreten und ihre Längen durch na (an?) ar rä er Ja (?). 

3. Zur Aussprache des Latein. 

6. Zur Bestimmung des Lautwertes der lateinischen Schriltzeichen 
stehen uns folgende Mittel zu Gebote: 1) die Angaben der alten Gram- 
matiker über die Natur der Laute; 2) die inschriftlichen Zeugnisse, die, 
soweit sie das Schriftlatein betreffen, vornehmlich diakritischer Natur sind, 
z. B. Apex u. s. w. ; aber auch volkstümliche Schreibweisen sind geeignet, 
ein Licht auf den Lautwert des Zeichens zu werfen ; 3) die Thatsachen der 
lat. Lautlehre; 4) Rückschlüsse aus den romanischen Sprachen und aus 
der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen ; 5) die grie- 
chische Transscription, welche freilich nur einen bedingten Wert hat, da 
wir auch die Aussprache des Griechischen, die ja gleichfalls eine tote 
Sprache ist, nur durch Kombination erschliessen können (über die Ver- 
wertung vgl. DiTTENBERGER Hcrmes 7, 129 ff. und 281 ff.); 6) die lautliche 
Gestaltung lat. Lehnwörter in anderen Sprachen, z. B. im Alt- bez. Neu- 
Hochdeutschen, z. B. Keller, Kiste u. s. w. Aus der gewissenhaften Kom- 
bination der angegebenen Faktoren ergibt sich ein annähemd richtiges 

^) Hübner, Herraes 3, 413 f.; Brambach Neug. 26. 



2 . Verhältnis des lateinischen Lautbestandes zu dem der idg. Gründsprache. (§ 5.) 255 

J^ild von der Aussprache des Latein. Den ersten Versuch einer wissen- 
schaftlichen Darstellung der Aussprache des Latein hat Corssen in seinem 
Itekannten Werke gemacht. Keinen wesentlichen Fortschritt bezeichnen 

Idon Traite de langue Latine Paris 1882 und Schweisthal Essai sur la 
\aleur de l'alphabet Latin Paris 1882. Neuestens hat E. Seelmann in 
seinem Buche „Die Aussprache des Latein nach physiologisch-historischen 

Grundsätzen, Heilbronn 1885" den Gegenstand einer ausführlichen Unter- 
suchung unterzogen, welche unsere Kenntnisse auf diesem Gebiete wesent- 
lich gefordert hat. Eingehende lautphysiologische Studien haben es dem 
Verfasser ermöglicht, durch scharfsinnige Deutung der überlieferten Angaben 
«1er Grammatiker in Verbindung mit den übrigen oben namhaft gemachten 
l'aktoren die Natur der lateinischen Laute ihrem Wesen nach festzustellen, 
und es muss ausdrücklich anerkannt werden, dass Seelmann's Buch in 
'lieser Richtung einen ausserordentlichen Fortschritt bedeutet. Nach den 
»n Seelmann entwickelten Grundsätzen haben die Engländer angefangen, 
ihre Aussprache des Latein zu verbessern, vgl. Summary of the pronunciation 
of Latin in the Augustan period (Academy v. 2 3 1887 S. 186 f., Berl. Phil. 
Woch. 1887 S. 703). Freilich wird man zugestehen müssen, dass es wohl 
niemals vollkommen gelingen wird, die Feinheiten der lateinischen Ausspraclie 
in vollem Umfange festzustellen (Techmer in seiner Zeitschrift 3, 322 f.). 
Eine ganz wertlose Arbeit ist R. Pötzl, Die Aussprache des Lateinischen, 
Leipzig 1888. Vgl. über den ganzen Gegenstand auch Henry Precis S. 30 f., 63. 
Ohne auf die Beschreibung der lateinischen Laute im einzelnen einzu- 
gehen,') bemerke ich im allgemeinen folgendes. Als die Normalaussprache hat 
die des Schrift- oder Hochlatein am Ende der Republik und in den ei-st«n 
beiden Jahrhunderten der römischen Kaiserzeit zu gelten. Die früheren 
Zeiten haben namentlich hinsichtlich der Aussprache der Vokale manclie 
Besonderheiten, während in der Aussprache der Konsonanten zwischen dem 
älteren und dem Hochlatein kaum wesentliche Unterschiede geherrscht 
haben dürften. Nach dem zweiten nachchristlichen Jahrhunderte bringt 
das Eindringen der vulgären Elemente besonders im Vokalismus wesent- 
liche Abänderungen hervor, die zum Teil an das archaische Latein an- 
klingen, vielfach aber doch eine andere Begründung haben. Auch in der 
Au.ssprache der Konsonanten ergeben sich wesentliche Änderungen, so die 
lautliche Gleichstellung des h mit r, infolge spirantischer Aussprache des 
letzteren, die Assibilierung des t vor /-Vokal (vulgär ausgedrückt durch 
tsi tzi zz'i zi ü), worüber Seelmann 321 f., die Verwandlung von } und f 
in Spiranten (im 4. oder 5. Jahrhundert) u. s. w. Dass in der Au.ssprache 
der Vokale und Diphthonge sich von der ältesten Zeit bis zum Ende der 
Republik ein entöchieden«M- W-'-i^l ^mII/o...... i,,,* \^^^\ S;... li.nmn S. 158 ff. 



') In dio orntc Auflagt* liotto ich mit iiiiihh, diuwi «'iiii' tnukrtii« Aiigttbc ilcr Do- 
(»«•nchiiiitriMiK rl.M VorfuHHiTM K. Sfclniann linitionni <i«'r rinxi'lin'ii flaute t»hno ein* 
ilif lai ti Dilinitionon der ein- i ^uhon(loMStinliutiMli»MSorlninnirMrlHMiHuclioH 

z»hn-ri : Mtncn. Wenn ich jctxt 

hicvon ttU«h«'. ht ilioH nicht etwa 

«li'MwrprM, woi! I l.cn wcniKwtonn 

<!• r II ijHch — nicht mehr für 

rx htiK iiUeru weil ich zugcutchcn 



initboMuntiorr tlor AbHchnitto ührr ullgi'nuMUi^ 
Phonetik, nicht den gcwünnchtcn Kinhiick 
in daü Wcnen der AuMapniche dcN Iwitciii 
vorachafft. 



250 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



mit Recht hervorgehoben. Das alte Latein hatte eine entschiedene Hin- 
neigung zu diphthongierender Aussprache der Vokale (daher au für o, ei 
für e und /, ja sogar für e, ae für e, ou für ü geschrieben) und eine gewisse 
Vorliebe für ö- und w-farbige Vokale. Auch charakterisiert das archaisclui 
und vulgäre Latein das Schwanken in der Aussprache der Vokale und 
infolge dessen die Vertauschung in der Schrift; dies betrifft e und t, ö und 
ü (seltener ü und ö), ü und t (eigentlich haben wir im letztangeführten 
Falle den Mittellaut ü anzuerkennen). Im allgemeinen ist noch zu be- 
merken, dass die kurzen Vokale einen mehr offenen (helleren), die langen 
einen mehr geschlossenen Klang hatten. Nicht überflüssig mag es auch 
sein, zu bemerken, dass c bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. auch vor hellen 
Vokalen einen Ä;-artigen Laut bezeichnete (Seelmann 337). 

Anmerkung. Bezüglich der in neuerer Zeit viel behandelten Frage der Orthoepie 
vgl. besonders R. Boutiirwek und A. Tegge, Die altsprachliche Orthoepie und die Praxis, 
Berlin 1878 und ausser der von Hübner, Grundr. § 20 angeführten Litteratur Büngek, Über 
die lat. Quantität in positionslangen Silben, Progr. v. Strassburg 1880, A. Marx, Hilfs- 
büchlein für die Aussprache der lat. Voc. in positionslangen Silben, Berlin 1883, Bender 
im Correspondenzblatt für die Gelehrten- und Real-Schulen Württembergs Jg. 30 (1883) 
S. 349 f. 



4. Vokale. 

7. Ä. idg. betontes ä == lat. ä, z. B. acies gr. axQog, ago gr. «y«, 
madeo gr. nctdccoi, salio aXXojj.ai, dacruma gr. Sccxqv, ango gr. uyyM, arare 
gr. aqÖM, rapio gr. aqucc^M, sarcio gr. qcctitw. i) Vielleicht ist auslautendes un- 
betontes idg. ä = lat. e im Instr. Sing. z. B. aer-e (§ 87) aus "^aer-a vgl. gr. 
TTfd-d, inde gr. sv-&a;^) die lat. ie-Stämme, die ich früher nach Osthoff ^) hier 
aufführte, sind richtiger von Brugmann, Grundriss 2, S. 313 ff. behandelt. 
Idg. ä = lat. ä, z. B. mäter dor. i^iarrjQ, clävis dor. xA«(f)/'c, mälum dor. 
liäXov, suävis dor. ddvg, färi dor. ^äfiii; desgleichen bei den ä-Stämmen 
(im Lat. in den meisten Kasus gekürzt) und den denominativen Verben auf 
— *ä?"o; auch im Perfekt, z. B. scahi von scäh-^) Über lä rä na — idg. 
l f § vgl. § 43, 45. Über sekundäre Veränderungen von cl a § 24 ff. 

8. E. idg. e = lat. e, gr. s, skr. ä, z. B. ego gr. Sy^h ^^~ gr. iV-, 
fero gr. (ptQO), genus gr. yt'vog, equus gr. TTTirog Grdf. ^ekiio-^ deceni gr. Stxa^ 
sedeo gr. 6^03, que gr. ri skr. ca, lupe gr. Xvx8; age gr. ccys. 

idg. e = lat. t, besonders vor Nasalen in geschlossener Silbe, aber 
nicht durchaus, z. B. istum umbr. estu^), in indu- alt en endo^) umbr. cn 
und manuv-c päl. lex-e, hirundo gr. xshÖMv, limpidus für '^lempidus,'^) lig- 
num tignum von leg- teg- gr. rsxvrj, tingo gr. rt/yw, firmus fere,^) miniscihir 
Minerva alt Menervai promenervat Fest. 205, 12, Untere fernere, minere 
mentum, quinque gr. Tttvrs^ millus mellum, vereinzelt ireo (Dvenosinschrift), 
sürcus (Eph. ep. 2, 205 no. 298 = CIL 5, 782), Mirqurios CIL 1, 59,-') 

3, 158 f. 

^) Löwe. Act. soc. phil. Lips. 2, 469. 
in ist in Verbindungen wie en domo u. s. w. 
entsprungen, vgl. Henry, Pröcis S. 37. 

') CuRTius, G.5 265. 

8) Breal, Mem. d. 1. S. d. 1. 1, 162 f. 

9) Vgl. auch noch Ind. gramm. zu CIL. 1. 



^) Vgl. die Übersicht bei De Saussure, 
Mem. 55 f. 

2) Per Persson, Studia etymologica 
(Upsalae 1886) setzt es gleich Sni-de „von 
da" nach Breal, M^m. d. 1. S. d. 1. 1, 198. 

2) Z. G. d. P. 338 Anm. 

*) De Saussure, Mem. 59. 

^) Danielsson bei Pauli, Altit. Stud. 



3. Zur Aussprache des Latein. (§ 0.) 4. Vokale. (§ 7—9.) 257 

rommhcium Keil, Gramm. Lat. 7, 77. Über rii n ~ im in vgl. § 45. 
Derselbe Übergang auch in Lehnwörtern, z. B. incitega incomma (== iyyv- 
^r^xrj fyxoiLiina). In einigen Fällen, wie miniscitur minere cilium, sicher 
plico gr. TiXtxo), altlat. sjncit spicio (Corssen 2, 359) vigil neben vcgcre liegt 
Verselbständigung der in der Zusammensetzung regelrecht erscheinenden 
Form mit -/- vor,') in den anderen (irco u. s. w.) wird man mundartliche 
Besonderheiten anzunehmen haben; Mirqnrios vielleicht an niirari ange- 
schlossen (Citat aus Varro bei Bersu, Die Gutturalen 49 Anm. 2). Vgl. 
noch Corssen 2, 257, Bruppacher, Oskische Lautlehre 25, Aufrecht- 
KiRCHHOFF, Die umbrischen Sprachdenkmäler 27 f., J. Schmidt, K. Z. i2:'. 
344. Über idg. e == i (u) in nachtoniger Silbe § 25 f. 

idg. anlaut. ve = lat. w-'^) in voco gr. f€7T-, volup gr. /=^fA7ir-, volvo gr. 
(/r)*-Ai'w, voino gr. (f!)6fu(o, desgleichen in den etruskischen Lehnwörtern Voki- 
terrae veJaO^ri, Volumnius velimna; idg. sue- = lat. so- in sodalis für *suc- 
dalis gr. "^aptO^- skr. svadhd-, socer für *Siiectiro- gr. ((yf=)txvQÖg skr. SvdSura-, 
somnus für *S2ie2mo- skr. svdjnia-, sonus für *sueno- skr. svan-; ebenso ^we 
vor Konsonanten = quo- in colo für *queIo gr. tt^A- vgl. inquilinits. Wegen 
«?c«s neben gr. {pyXxog, urgeo gr. ff(>y- siehe § 60; aber Omentum neben 
skr. v(q)d „Eingeweidehaut Netzhaut" ^) fraglich. In venia Venus verhör 
verna vereor vesper Vesta vestis ist nur der c-Laut überliefert (jüngere 
Lautgestaltung?, vgl. § 10); venum ver kommen wegen P nicht in Betracht. 
Auch idg. 021 = lat. or, so in suus tuus Grdfn. *seuo- *teuo-^ gr. iog itog, 
sovom CIL 1, 588, sovo soveis öfter,'') tovfam CIL 1, 1290, umbr. tover 
osk. tuvai; fovea gr. x*(/^)*<«;") novus gr. i*(f)oc, novom gr. svvta. Nicht 
ganz klar ist Seispitel CIL. 1, 1110 neben gew. sos2)es.^) Vgl. ausserdem 
wegen ew = om § 35. 

idg. e= lat. r, z. B. felarefemina gr. or.frO^ai^ semi gr. /)/</-, rcg-cm skr. r(f- 
yV(«-, wr/e gr. vijO^u); siem aus *s/V"w« gr. t/'y. idg. ^ = lat. r, z. B. /Jgo gr. *>'^yw, 
/t7iM5 AU8*ßlio-y vulg. /'(ß/ms CIL. 14, lull, umbr. feHuf,"^) sjca für *5^ca von.s^ML'-; 
\'g\.susp7ciodel7niosHhtllisCo7is7ra(-ia) f\\r*susp(~eio*delrnio*suhtrlis*(\mseva.^) 

9. lat. a c neben c a anderer italischer Dialekte: aries umbr. cr/Ww, 
peto volsk. arpatiiu, tcpor umbr. tapistenu (tejnda), trahs umbr. treheit (sta- 
iionem h/thetj osk. triihom (domum), vasculum umbr. vcscla. qttatiuor 
umbr. 7>c/Mr osk. petora (idg. *qetuer) für ^quettuor mag sein « von quartm 
bezogen haben.») Wechsel zwischen a und 6' ohne bis jetzt hinlänglich 
ersichtliche Gründe auch in anderen Fällen wie margo mcrges, pario lit. 
pcriü^ tarmes terere, maneo gr. ptvu), pallidns gr. 7itXi6(; u. a. Zum Teil 
dürften Abstufungsverhältnisse zu Grunde liegen. 



') Osthoff, M. U. 4, 2 Anm. 

») SciiLBiciiEB, Comp. 82. K. Z. 9, 372; 
>KKLMAKi(, 171. Kino Scheidung 7.wi«chen 
idg. r und v durchzufüliron, wi noch nicht 
gelungen ; ich Hchreiho bIho \i. 

») Wi(i«i.iHcM), Lit. Contrnihlutt 1888, 
Sp. (MJ8. 

*) CORIMIEJ« 1, 00«. 

') FKriHi,F., K. Z. 1- ;^I. wich 

Maulow, I). 1. V., 7. 

•) J. Scn«ii/T, Verw. 57, liRVUMAiiif, 



Kin Problem d. hom. Textkntik 131 u. 144. 

») CoBMi», lt. 8nr. 184 und TnuR- 

WKYHBK, BitM. B. 8. 2H1 Am. - •Min»; 

8eg«n enteren mit Kecht BCciiklkk, Kh. 
[. 89, 411; allording« Hcheint c huh untpr. 
•«!' hervorgegangeo, vergl. Scuvuu, K. Z. 
27, 425. 

") Vgl. ObrigeiM wegnn tlehnut lolil 

OtTHuFF. IMi. Hr. 13. 40«' 
•) Anden* .1. Siiixiii 
BucHiK, Bku. h. 14, 



Bandbuoli der kltna. AlUrtuUMWlawuMtMA. 11. Ü Aufl. 



258 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



10. 0. idg. Ö = lat. 0, sehr häufig aus den übereinstimmenden Wort- 
stämmen des Griechischen zu erschliessen, z. B. olere gr. o^siv, orior gr. 
oQvtyvaiy vorarc gr. -ßÖQog, ah-olere gr. oXXvvai, octo gr. oxto), domus gr. 
(fo/ioc, corviis xoQct^ u. s. w.; von suffixalen Silben, in denen der o-Laut 
als Vertreter von idg. o erscheint, nenne ich das -o- der ö-Stämme, z. B. equ-o-, 
-OS in 02WS CIL 1 52, Venös CIL 1 57, -o- in der Flexion der thematischen 
Verba. Über den Übergang dieses o in u, sowie in anderen unbetonten 
Silben vgl. § 26, 2; desgleichen über den von betontem o § 23, 6 und 
im allgemeinen die ausführlichen Nachweisungen bei Corssen 2, 70 f. 
Über den Übergang von o in i (e) in nachtonigen Silben vgl. § 25 und 
Brugmann, Grundr. 1 § 81. 

Älteres vo- in votare z. B. votes Plaut. Trin. 457, voster ist seit der 
Zeit des Scipio Africanus in ve- gewandelt worden » nach Quint. 1, 7, 25, 
daher vetare vester, so auch gr. doQTrjQ in averta.^) Wegen des in § 8 
angeführten Gesetzes ist es nicht immer möglich zu entscheiden, ob die 
Lautfolge ve- oder vo- die ältere ist; vgl. Voturia noch in der Kaiserzeit 
neben Veturia, vorto und verto, vortex und vertex u. s. w. Die Gramma- 
tiker haben Bedeutungsunterschiede herausgeklügelt, z. B. bei vortex und 
Vertex. Auslautendes o scheint zu e geworden zu sein in ipse aus "^ep-so 
(-so == gr. o), olle == *ol-so und in der 2. Sgl. imp. dep. u. pass. sequere 
aus "^sequiso gr. 8rrs{(T)o.^) Der lautphysiologische Erklärungsgrund liegt in 
sehr geschlossener Aussprache des o.^) Nach Töurneysen's wahrschein- 
lichen Auseinandersetzungen, K. Z. 28, 154 f. hat auch Übergang von öv 
in äv stattgefunden (infolge sehr offener Aussprache des o) in caveo gr. 
xo{j=)€(o, cavus gr. xoiXog aus *x6j^iXog^ lavere gr. Ao(f)£«, fovea favisae, 
altlat. voeivus vocatio CIL. 1, 198, 77 u. ö. vocuus (Corssen 2, 10) neben 
jüngerem vacivus vacatio vacuus und in einigen anderen weniger sicheren 
Fällen. Wahrscheinlich gehört auch canis für '^cuonis gr. xvmv hieher. Vgl. 
auch vulgäres lacatio für locatio.^) Analog dem Übergang von öv in äv ist 
der von öv in äv in octävus. Vgl. auch den umgekehrten Übergang in prän. 
Quorta Schneider 217, spätl. quodratus (Corssen 2, 65, Brambach Neug. 71). 

idg. ö = lat. ö, z. B. glöcio gr. xXw^w, cröeio gr. xgco^co, nös gr. 
rwi, nöseo gr. yiyvwaxoa^ dönum gr. dwQov, öcior gr. wxvc, övtim gr. cpör, 
rös gr. €QCDt(o (skr. rasa-); in suffixalen Silben: -tör gr. -twq und wieder 
mit Verdumpf ung in -turo, -töd im Imperativ, später -tö (vereinzelt -lud 
z. B. facitud CIL 1 813), für gr. (po)Q, hü-c neben quo. 

11. I. idg. ^ = lat. ^ erscheint in den schwachen (tonlosen) Stamm- 
formen der Verba, deren starker Stamm ei aufweist, in verbalen Ablei- 
tungen und in nominalen Bildungen, z. B. -dlco indlcare causidlcus neben 
dtcere alt deicere gr. deixvviii 6ixr]^ ftdes neben eonfido {i= ei) gr. sni^ov neben 



^) Wieincitega durch volksetymologische 
Umformung (0. Weise 67 f.). 

2) So ist doch wohl gegen meine Aus- 
führungen in Wien. Stud. 10, 303 f. beson- 
ders mit Rücksicht auf ipse, das eine andere 
Erklärung nicht gut zulässt, anzunehmen; 
dies thun Speijer, Mem. d. 1. S. d. 1. 5, 
188; Danielsson bei Pauli, Altit. Stud. 3, 



155; Schulze, K. Z. 28, 270 Anm., Henry. 
Precis S. 38, Schweizek-Sidler , Gramm. ^ 
§ 12, 8; Brugmann, Grundr. 1 S. 73. 

^) ScHUCHARDT, Vok. 2, 215 f. Nicht ge- 
nügend der von Havet, Mem. d. 1. S. d. 1. 
5, 43 angegebene Grund. Vgl. auch ßKAM- 
BACH, Neug. 101 ff. 

*) Löwe, Glossae nom. 62. 



4. Vokale. (§ 10-13.) 250 

jji-i&co, v7dere gr. {^)8i6t(ü; fid- findere skrt. hhid-; vic-is skr. r/i-. Für 
altes / wird c geschrieben (geschlossenes e) in fenq^esfatehus CIL 1, 32, 
fileai, worüber vgl. § 25, 4. Über is = er § 23, 1 und 25, 1, über » = e 
im Auslaute § 26, 1, über ri = er z. B. in secerno aus *se-crino § 43. 

idg. 7 = lat. T, z. B. V7S gr. (f=)ic, virus gr. {r)i6c, fllgere gr. ^lißta got. 
hliggvan, frlgus gr. ^Tyog; regJ-na rad'i-c- enthalten dasselbe /", wie die Fe- 
minina des Sanskrit; es gehörte der Grundsprache an. Anderes Material 
^uche bei Osthoff, M. U. 4, 4 f. 

12. V. idg. u = lat. ü, z. B. müsca gr. /iivta, iüv&nis skr. yiivan-^ 
in den schwachen (tonlosen) Stammformen der -cw-Wurzeln, z. B. luc-erna 
Lcr. Xivxög, düc- (Nom. dux) neben düco (f. "^deucö) got. tiuhan, fuga con- 
fägl gr. ffvyTi'] (ffryo). Über idg. n = 7 in Stammsilben [eigentlich haben 
wir es mit dem Mittellaut ü zu thun] vgl. § 23, 4, in nachtoniger Silbe § 25. 

idg. ü = lat. ü, z. B. iüs skr. yti-, nuls skr. mtis-^ mügio gr. f.ivxdo- 
nai, alat. fü-i skr. hhü-td-, congruo aus *con-gra-i-o gr. ßQvojj^) cluo aus 
clü-i-o (clüeat Plaut. Men. 575). 2) Anderes bei Osthoff a. a. 0. 

Anmerkung, lat. a = idg. d („Schwa") in pater skr. pitf-, castus skr. tuthu-^ 
Status skr. sthitä- (vgl. satus, catus, datus), gravis skr. gurü- (Brugmann, Grundr. 2, 
S. 242). Denselben reduzierten Vokal repräsentiert i in dom-i-tor gen-i-tor an-imus 
rert'i-sti, vielleicht auch in vomis skr. väm-i-si, e in vert-e-ro, u in col-u-men u. 8. w. 
Vgl. Bruomann § 11 und Grundriss 1, § 109, 110. 

Diphthonge. 

13. 1. idg. ai (betont) = lat. ai, ae, z. B. aides acutus gr. «/>«, 
aiquom gr. al'aa, aevom gr. alfsi, caecus got. hdiJis, caedo got. skdidan^ 
Caesar ies skr. Jcesara-, Imerere lit. gaiztu,^) haedus got. gdits^ Uievus gr. 
/«/og, saeto skr. SfHu- (Brugmann, Grdr. 1, S. 88), scaevus gr. axaiog; nae 
gr. vai\ irrac gr. naqai. Hingegen = P in levir gr. ^6(xip\q. In unbetonten 
Silben erscheint für «{ 7, so besonders in der Zusammensetzung, z. B. 
in-quiro neben quaero; ebenso geht -ai- in F über im Dativ-Ablativ der 
^/-Stämme (siehe unten); über die ganze Frage Osthoff, Z. G. d. P. 197 f., 
Spkijeh Mem. d. 1. S. d. 1. 5, ISO f. 

2. idg. au = lat. au, z. B. auscuUo audire auris got. dusoy autcin 
gr. «1)10^, augeo got. duJca^ aurora amter lesb. avwg, haurio an. ausa^ pau-per 
gr. 7iav-Qoq. 

3. idg. ^/ = lat. ei, wenngleich in den uns erhaltenen Denknuilern 
ei vielleicht nur mehr monophthongische Geltung hat, so alt deicere gr. 
rIf/xiT/u, ceivis got. Iieiwa-/'rauju. 

4. idg. e^ = lat. oii und daher mit idg. o^ vollständig zusammen- 
gcfallen. Auf Leuccsie des Saliarliedes ist kein Gewicht zu legen (JuKnAN, 
Krit. Beitr. 31 ff., Bruomann, Grundriss 1, jj ()5, 2 Anm.). 

5. idg. oi (betont) = lat. oi, oc, u, altl. moincipiutn camoinem skr. 
minoti,*) oino oinvorsei gr. ohog, foiderc gr. ntnoii^tt. In den Schlusssilben 
ist oi zu oe i geworden, dosgleichen -öt« zu -W. 

G. Der idg. Diphthong o^ ist mit Sicherheit im Lateinischen nicht 
mehr nachzuweisen. 

') Ohtiioff I. r. 15. 1 ') Kick. 2, 78. Dl Halmurk. Miiiii. 09. 

') id. 10. I *i Üätuüik, Furtcb. 1, 83 f. 



260 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



Die Geschichte der Diphthonge siehe § 30—35. 

7. Der Diphthong ei hat bereits in der Grundsprache vor folgendem 
Konsonanten und im Wortauslaute sein i eingebüsst und wird daher in 
diesen Fällen im Lateinischen durch e repräsentiert,^) ebenso auch ew; 
man vgl. res rem re aus "^reis *reim *rei, skr. ras räyds; dies dient die 
aus "^dieus *dieum "^dieu. Einige andere Beispiele findet man von Schulze 
a. a. 0. zusammengestellt. Auch öi erscheint durch ö reflektiert in pöculum 
pötus hi-bi-mus neben skr. päy-anam. Im Wortauslaut hingegen ist es als 
öi erhalten im Dat. Sing, der o-Stämme, gr. I'titki) altlat. Numasioi osk. 
AhellaniU, und i verfiel vielleicht erst nach lateinischen Lautgesetzen dem 
Schwund, daher populö. Nach J. Schmidt, Festgruss an 0. v. Böhtlingk 
(Stuttgart 1888) S. 102, Meringer, Zeitschr. f. d. öst. Gymn. 1888, 770 
beruhen diese Dativformen auf -oi und -o, ebenso wie die auf -ai und -a 
schon auf indogermanischem Satzsandhi {-oi-ai vor Vokalen, -o-a vor Kon- 
sonanten). Auch im Dat. Abi. Plur. populis aus *populöis (vgl. skr. dSväi^) 
ist 'öi- auf italischen Sprachboden übergegangen und erst hier ö vor i ge- 
kürzt worden,^) woraus dann oe t sich entwickelte. Ebenso im Dat. Plur. 
der ^-Stämme urspr. -äis -äis ~is, vgl. si aus '^svai. Derselben Behand- 
lungsweise wie öi im Dat. Sing, der o-Stämme ist auch äi im Dat. Sing. 
der 6«- Stämme verfallen, daher Feronia CIL 1, 169, Matuta 177, vgl. gr. 
X(OQ(^, welche echte und ursprüngliche Dativformen repräsentieren. Bezüg- 
lich der übrigen Formen vgl. § 85. idg. öu — lat. ö, in oetö duo == idg. 
"^ohtöii *duöu.^) hös ist zwar Lehnwort, wird aber doch für Hous idg. 
"^^öus stehen.^) navis neben gr. vavg ion. vrivg idg. "^nmis ist jedenfalls von 
den obliquen Casus aus neu gebildet. 

Vokale in konsonantischer Funktion.^) 

14. Ä. idg. / 11. 

1. idg. i a. Anlautendes idg. i — lat. i cons. (i); vgl. § 58. 

b. Intervokal isches i ist, wie es scheint, schon im Uritalischen 
geschwunden. Man vergleiche: die Verba auf -äo, fumö aus "^fümäiö 
vgl. fumä-vi,^) ein Teil der Verba auf -eo, wie neo, *ne-i-ö ahd. naan, 
fleo aksl. hleja, sileo got. sildil) (3. Sgl. = Hileieti) ; die Kausativa auf -eo, 
wie moneo '^mone-i-ö skr. mändyämi, die abgeleiteten Verba auf -io, finio 
*fini-i-ö (aus fini:-vi fim-tum wird man nicht auf '^fini-i-ö schliessen dürfen) , 
einige auf -uo, cluo, *cZw-*-ö skr. irü-yd-te, congruo '^con-grü-i-ö;'^) dagegen 
statuo und die übrigen abgeleiteten Verba auf -iio wohl aus "^statu-i-o 
u. s. w. Vgl. ferner aeris aus *aieses skr. dyas, pleores aus "^pleiöses 
(§ 92), tres oves aus Hreies *oveies (§ 91A, 80), emn ea aus *e^om *em 



^) J. Schmidt, K. Z. 27, 305; Schulze 
ib. 420 f. 

2) Übrigens auch urgriechiaches Laut- 
gesetz nach Osthoff, Phil. Rundschau 1881, 
1593. 

3) Brügmann, Grundriss 1, § 85; über 
die ganze Frage auch Meringer, Zeitschr. 
f, d. österr. Gymn. 39, 112 if. 



^) Brügmann, Grundriss 1, §612 Anm. 1. 

^) Brügmann, Grundr. 1, S. 122 ff. 

^) Mahlow, D. 1. V. 12, Johansson, De 
der. verb. contr. 99 ff. 

"') OsTHOFF, M. ü. 4, 15. Anders Thur- 
NEYSEN, Die Bildung und Herkunft der Verba 
auf -io 62 f. 



4. Vokale (§ 14.) 261 

(J5 90a), eo queo aus *e^ ''queio (§ 100), mens aus '^meios]^) die Adjektive 
auf -eo wie aureus aus ^aureio- gv. xQ^f^^tog xQvasog. Idg. / ist sonantisch 
geworden in venio idg. *g???{o, morior skr. mfydte. 

c. idg. -//- — lat. -/-in trium patrius slem duhius fierl = //vVm/« u. s. w.^) 

d. Postkonsonantisches /. Über die Verbindung von anlautenden 
und inlautenden Konsonanten mit i vgl. § 63, 65, 1 und 2. Im allge- 
meinen ist idg. / in diesem Falle sonantisch geworden. Man vgl. die Ad- 
jektiva auf -/o-, wie medius hom. ttu'aaog aus ^tutd^iog, alius gr. ciXXog; 
socius aus *sokn'ios. In der Aussprache war / gleichwertig mit -ü- (so nach 
Brugmann auch in finio), wie man aus der Schreibung mit ii und / longa 
ersieht. 3) Postkons. / liegt vielleicht auch vor in capis slus ^capics capiet = 
got. hafjis Jmfjip (§ 107). Vgl. jedoch die Nachträge. 

e. Über i in den Diphthongen ai ei oi § 30, 32, 34; in ai n öi g 13. 
2. idg. w- a. Anlautendes idg. w — - lat. v; vgl. § 60. Über idg. u 
in anlautenden Konsonantengruppen § 62. 

b. In ter vokalisches u = lat. v in Jovi skr. di/dvi (Lok.), novem skr. 
ndva, Ovis skr. dri- u. s. w. Wegen der. früher hier vorgetragenen Ver- 
mutung über den Wechsel von lat. u und v vgl. unten § 73, Anm. 2. 

c. idg. uti = lat. 'U- in duo vgl. ved. duvä aumbr. tuva ; alat. duonoro 
ved. düV'OS' „Verehrung" ; su-is aus *sm/-es; in einigen adjekt. Bildungen 
auf -/mö, wie Fa-tiio-s nm-tuo-s. 

d. Postkonsonantisches ?/. Die im Wortanlaut begegnenden Ver- 
bindungen von Konsonanten mit u sind in anderem Zusammenhange § 63, 
1 und 2 behandelt. Im Wortinnern ist idg. u im Lateinischen bald kon- 
sonantisch geblieben, so in Suffix -?/o, z. "B. ar-vo-m, IhcLvo-s^ sal-vo-s, 
rquos u. 8. w. , bald silbenbildend geworden, wie in ard-uo-s morUuo-s; 
vgl. ausserdem genua av. zanva lesb. yoira, foiuis skr. tanv-t, qtiattuor skr. 
ratvdr-as, andererseits aevom alt aevitas aeinternus gr. aipsi^ levir idg. 
*daiu^r. Inlautendes -du- nach r- == 6 in derbiosus aus *d€rd^- skr. dardü^ 
„Aussatz",*) sonst -Jw- =^ v- in suavis aus *suadvis skr. suadv-1, -hhu- = 
-?>- in -^0 -6am (§ 113). 

< . Über a?/ om (= idg. eu und o^) § 31, 35, über at^, ?(^ Ö^ § 13. 

B. Lateinische Vokale in konsonantischer Funktion 
(j V vokalisch). • 

1. Anlautendes t (/) ist in der Zusammensetzung nach V'okalen 
geschwunden, so in den Kompositis mit iacio als coicio deicio aus *coiicio 
*df'iicio, hnjav aus *hi-ii(jae^'') honrus aus *h(hiarnus^'^) rttncfi conctos carm. 
arv. doch wohl aus *co-iuucfi; vgl. ferner 50(^e« volkstümlich und archaisch 
aus *si odcs si audes,'') sultis Plaut. Asin. proL l aus ♦»! uUis (u = ^), 
sis aus *f(itiis. 

2. IN)8tkon8onantischeM / wird hoi Dichtern ziemlich hftutig kon- 

1 (><lri JHt miu» urHptilnglich? vgl. ) Cvmi's, G* 355 oaoh Pott; inde« 

.lonANHsoN. a. a. lOr». möglicher Weist » •Ao-rvnMM; wieder im- 

') Mkuomann (irundr. \, 8. 124. den Buby Bns. B. 7, 80 (vgl. W. Mrtbr. 

'1 Seklnann. S. j:n und oben f 4. III. K. Z. 28. 162). DAirittMoif. 8tud. gninin. 

') V«n. KU W.' 121. Ä2 (vgl Pkr Vtamon, 8tad. etyin. B8) 

') Nach (t. Mkykk. /, f. d. (Wii. (lymn. M I/oUti^rm. wenn auch in etwa« anderer 

IMi, 281 ' *bi'igüc von n«/-, Verbindung Plaut. Trin. 246. 



262 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



sonantisch gebraucht, so besonders vor unbetonten Vokalen, z. B. dbicte 
ariete Lavimaque Verg., dierecte Plaut., ^) omnia Verg. Aen. 6, 33; aber 
auch vor betonten Vokalen, Nerienem Enn. ann. 113 Müll., insidiantes 
ib. 443, oriundi Lucret. 2, 991, vgl. Lachmann im Kommentare und zu 
2, 115; 3, 917).2) Vgl. auch spätes paretes CIL. 6, 3714, des (= dies) ib. 
5, 6244, quescas ib. 2108 u. a. 

3. Intervokalischesi; erscheint als u und schwindet gelegentlich, 
z. B. latrina aus Hmiatrina lavatrma, adnuitfuimus sdtadnüvit füvimus; ditias 
Terent. Andria 797, Heaut. 194 Umpfenbach (vielleicht von dtt-); Gaius doch 
wohl aus *Gäuius fal. Cavia osk. Gaaviis (anders Deecke-Müller, Etrusker'-^ 
1, 451), Graii für '^Graml mess. graivaihi,^) dinai Lex Spolet. f. *düänai (dan. 
deina), contione neben coventionid CIL. 1, 196, iiienta CIL. 1, 1202, 5, ohliscier 
Accius bei Nonius 500, 5 M.; vgl. ferner seorsum quorsum rursum aus *seuorsmn 
u. s. w., dextrorsum neben dextrovorsum Plaut. Rud. 176. Spätl. inschr. cis = 
civis CIL. 7, 972, quixit qiiexlt (== qui iiixif), vgl. Weissbrodt, Phil. 43, 466. 
Hier dürfen auch' die plautinischen einsilbigen Messungen von navem ovis 
ovo (= nauem ouis oiio) angeführt werden. Über aetas aus aevitas und 
analoge Formen vgl. § 74 und im allgemeinen noch Corssen 1, 321 f. 

4. In unbetonten Silben ist -oii- zu -u- geworden, so domui genui 
aus *dömaui geneui '^d6moi4,i *genoui, abluo aus "^dblavo "^dhlouo, eluäcrus 
aus "^elaväcriis "^elotiäcrus, denuo aus *denouo de novo, induo aus Snd-ouo 
Hnd-ovo, impluo aus ^implouo Hmplovo, vidua vacuos aus '^vidoua *vide-ua 
vgl. skr. vidh-dva '^vace-uo-s^), gen. magistratuos aus '^magistrateuos ; fluere 
pluere nach den Compositis für '^flovere plovere, alat. conflovont perplovere; 
Sims aus sovgs (CIL. 1, 1007 sovo und suom) wegen der häufigen tieftonigen 
Stellung. Desgleichen ist -uo- zu u geworden in ecus aus equos, Gnaeus 
alt Gnaivod, deus me-dius (Fidius) alt deivos, Dvenosinschrift, devas CIL 
1, 814, dium (= deorum) für divom Cato 47, 16 Jordan; Flaus CIL. 1, 277 
regelrecht aus Flavos, während Ilavus nach lautgesetzlichem Flavi gebildet 
ist; ebenso equus nach equi, divus nach divi;^) vivus {vius CIL. 1, 1223) 
nach vivi; so auch aevum {aeum CIL. 1, 1220) nach aevi^ vgl. auch inschr. 
aeditus rtortus. 

5. Postkonsonantisches u erscheint in konsonantischer Funktion 
in solvo aus *se-luo, Uiere, volvo für *veIuo gr. eXvM (über voluo L. Müller, 
De re metr. 262 f.); bei Dichtern in quatkior Enn. Plaut. (Georges s. v.), 
inschr. und vulgär quattor^) {quattur Löwe Prodr. 423 no. 16 nicht latei- 
nisch, vgl. N. J. 119, 710), tenuis genua, in welchen eben angeführten 
Fällen etwa nicht eine uralte Reminiszenz zu erkennen ist (vgl. ob. A 2 c); 
tis = tuis;'^) über anderes dieser Art Corssen 2, 751 f., 760 f. und Seel- 
mann 234, der viele derartige Vulgarismen verzeichnet. Umgekehrt wird 
von Dichtern auch konsonantisches u manchmal vokalisch gebraucht, so 



') Beix zu Trin. 457. 

2) Fleckeisen, N. J. 101, 70; Hoening, 
Z. f. rom. Phil. 7, 572. 

3) Deecke, Rh. M. 37, 379. 

*) Siehe besonders Osthoff, M. U. 4, 
158, Z. G. d. P. 259; Beugmann, Grundriss 
2, 128. 



^) Beesu, Die Gutturalen 53 fF., Thue- 
NEYSEN, K. Z, 28, 155 f.; anders Feöhde, 
Bezz., B. 14. 87 fF. ; vgl. auch Beambach, 
Neug, 88; Weissbeodt, Specimen gramm. 
excursus I. 

6) Geöbee, Arch. f. lat. Lex. 5, 127 f. 

^) RiTSCHL, Op. 4, 109. 



4. Vokale. (§ 15.) 



263 



peluis Laber. 94 Ribb. II siluae aquae (dreisilbig), worüber Lachmann zu 
Lucret. 6, 552 (dagegen Ritschl op. 2, 604 ff.). Allgemein jüngeres milvits 
neben älterem miluiis. 

6. e in Hiatusstellung verliert bei Dichtern nicht selten seine voka- 
lische Geltung, daher Messungen wie aiirm aurei, deus chorum Plaut. Amph. 
53, 45 (vgl. do dae Schuchardt 2, 463; 3, 289) und anderes dieser Art 
bei Dichtern aller Zeiten, wofür die Belege zu finden sind bei Corssen 
2, 755 f. Überhaupt begreift sich von diesem Gesichtspunkte aus der 
ganze Vorgang der Synizese oder Vokalverschleifung. 



V okalab stuf ung-, 

Vorbemerkung 1. In der folgenden Darstellung habe ich mich an Brugman}«, 
(irundriss 1, S. 240, bez. Hübschmann, Das indogenn. Vocalsystem, Strassburg, 1885, 
Osthoff, M. ü. 4, 1 ff. angeschlossen. Doppelheit der Tiefstufe (nebentonige und tonlose) 
ist wenigstens für einige Fälle sicher nachgewiesen. Anders fassen das Verhältnis von 
a : ü, 1:13. Schmidt, K. Z. 25, 30 flF., 54; 26, 382, ders. bei Bersu, Die Gutturalen 7, 
Anmerk. 1, Mebingeb, Z. f. d. öst. Gymn. 1887, 363 ff. Bei der eigentümlichen Ent- 
wicklung des lat. Vokalismus, der fast nur bei den ei- und e^t- Wurzeln die doppelte (iestaltung 
der Tiefstufe erkennen lässt, mag es noch gestattet sein schlechtweg von Tiefstufe (schwache 
Wurzelform), Mittelstufe (starke Wurzelform) und Hochstufe zu sprechen. Die verwickelte 
Frage des Vokalablautes kann auch nach den scharfsinnigsten Untersuchungen noch keines- 
wegs als gelöst betrachtet werden; am wenigsten vermag ich mich mit der neuestens be- 
sonders von Johansson, De der. verb. contr. S. 93 ff., Bezz. B. 13, 115 ff. vertretenen , Schwebe- 
ablautstheorie " zu befreunden. Vgl. jetzt auch K. Z. 30, 402 Anm. 

Vorbemerkung 2. Bezüglich der Vertretung der silbenbildenden indogerm. Li- 
qaidae und Nasales vgl. §§ 43 und 45. 

§ 15. c-Reihe. 

a. 1. Hochstufe p^t- es, tonlose Tiefstufe pt- s-. Letztere noch er- 
kennbar in in-scc-e *in'(s)gu-it;^) sdd-eo sido = *si-zd-o nldus = *ni'Zd'OS 
3. Hochstufe söUium; dec-et disco = di-dc-sco, 3. Höchst, döc-eo;^) sumtis 
Grdf. *s-mos skr. smds neben es-t; pi^d-is nebentonige Tiefstufe, tri-pod-are 
2. Hochstufe, i^Ps 3. Hochstufe; vöx 4. Hochstufe. 

b. 1. Hochstufe ci-, sreu-, bhcr-, men-, Tiefstufe f-, srtf-, hhf-, wi^-. 
eis eo für *ei'OX-tum; *hheu- *hhü- in fuat f'uct = *fü-i-at *ß'io'U, ersteres 
intransitiv und transitiv, letzteres transitiv,'') stiperhus für "^superMii-os; nuo 
für *neuo gr. r*i>w;^) mc7is für "^nnäi- mcmcnto für *mcmnt6d osk. me^mn-im 
Mcn-ervn mon-co; (ji-ffn-o maU-(jn-us gall. Truti-hu-os gn(l'tit.s {t^a = ^) 

ini'us; tri' tollo für Hl-no (vgl. übrigens S 43) la-Uis Grdf. *//-/o-; str-uere 
fra-tus Grdf. ^stf-to- ster-ucre sior-ea tor-us; re-fr-iva Fest. 277, 17 M., 
I'&rs Grdf. *bhr-ti- fer-o für für /*ör; -cwi-que got. -hun mhd. irr-ifcn:'') -rm 
-om in id-em donk-um,^) 

. c. 1. Hochötufo deik-, hhcugh-, Tiefstufe dJk-, hhiigh- , pran-dl-um 
deir-os: f)d-es (tonlose Tiefstufe), fld-o di-fcid-ens (ei = i) CIL. 1, 1175 
foid-craUi foid-vrc CIL. 20(), 93; in-dlc-o dlxt alat. deic-ere; diir-nn alat. 
doHco für ^druco; lüc-enta hlc-is lüna für ^huc-sna alat. hsua. 



4. 2h. 



') Bbuomawi«, M . U. 8, 85 A. 

») Stolz, V^rhiilflexion 68 f. 

') I^WK, I'rodr. 3«>3, Ohthoff, M 



«) (J. Mkyb». Gr. Or.« | 499, 6 Anm. 1 ; 
11. W. SüYTH, Drr Diphthong Kl H. 16 »tUt 
r« —- *yf i'iiu, HoLMSBi«. KZ. 2y, 1 19 ^ Viwat»; 



vgl. Auch AscoLi, Suniohw. Briefe 8. 142. 

*) Kluob, Kt W. s. V. .irffond" ; Bkvo- 
MANN, Orundrias 1. 8. ITUund 500biJt wc^on 
umbr. pumpe, lat. quomque fQr uraprangitcb. 

•) Lmkikn. Bor. d k. Mchs. 0. d. W. 
3i; «14 f 1'MURNKYeKN, K. Z. '27. 175. 



264 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



Vergl. ferner: -edlere eid-men f. *cel~men cul-mus f. '^col-mos, eon- 
quiiüsco f. ^eon-quec-niseo conquexi eoxa, cer-vus eor~nu [or == ^), domus gr. 
Ssfiü), ed-ere d-ens, fer-ire for-are fur-ea, iüg-um iüg-is gr. ^svy-vvfxi. men-tuiii 
min-cre (wegen l § 8) mons, mord-eo gr. (TjiifQSvog, moveo *meveo gr. d-fxevo), 
nec-o noe-ere noxa, ped-ere pöd-ex für *pezdo, pend-ere pond-us^prec-or proe-us. 
reg-o rog-are (aber reg-is skr. rajan- idg. W. *reg-), trJc-ae tne-o (treic-o 
Lucil. sat. XI, 11 Müll.) für Her-eae Her-eo nach Analogie von tn-vi ter-o 
torqu-eo, torp-eo (idg. "^tip-?, Brugmann, Grundriss 1 § 303, 1), terra ex- 
torr-is, teg-o tug-urium (Assimilation, vulgär tegurium)^) tog-a, jünger teg- 
ida^ veh-ere gr. {p)oxog^ rub-er gr. i-QsvO^-o) röb-igo {= ^reuhigo oder "^rouhigo). 
Mit t = ei di-rus gr. Ssi-vog, vtv-ere veiv-ont, lib-o (de-lib-uere) gr. Xeiß-w, 
rip-a gr. s-qsitv'M, serih-o umbr. screihtor, vicus {veieus CIL. 1, S. 598) 
neben gr. poTxog, vl-num gr. poTvog,^) vgl. § 34 Anm. 1; antl-cus neben gr. 
dvTi, vgl. -u- = eu in alhü-eus cadü-cus.^) 

Mit ü == eu : erügere (vgl. rügire) gr. iQsvyw, iüs iaüs Hetios, scütum 
*sceutum gr. axsvij, uro gr. svw (für *€V(T(o), glubere ahd. hliohan, trüdere 
got. uspriutan; nümen für *neumen gr. vsv^a (Solmsen 1. 1. = *v€V(r-iia 
vgl. v€V(rTä^(o), ebenso flümen; aber degünere für *degüsnere gr. ysvsa^m. 
u ist gekürzt wegen des folgenden Vokals: cruor Grdf. *ereiws skr. krürd,'^) 
die Zeitwörter eluere fluere (vgl. /?erc aus *fleure) pluere (alt conflovont 
aus *fleuoni). Mit ü=oi: lüdus loidos CIL. I 565, lügere Xoiyog, lüridus 
XtiQog ' MXQog Hes.,"^) hrütus gr. /?^t-, spüma skr. phena- „Schaum". Dieser 
Ablaut ist auch für die Deklination und Konjugation von Bedeutung, daher 
der Wechsel von o und e bei den o-Stämmen, von -os und -es- bei den 
sigmatischen Stämmen, bei denen auf -men (= Grdf. -mn) und -mon, auf 
-eij, — n- -on-, z, B. earo car-n-is, ratiön-em, bei den Verwandtschaftswörtern 
auf -ter {pater aus "Spater patr-) und den Nom. ag. auf -tor^ wäe datör aus 
"^datör datör-em datr-ix, vielleicht auch beim Participium des Präsens 
{-ont -ent [= -nt]), (vgl. jedoch § 45), bei der Konjugation der o-Verba. 
Das Nähere hierüber wird in Kürze an seinem Platze beigebracht werden. 

Anmerkung. Noch nicht volJkommen klar gelegt ist das Verhältnis einer Reihe 
von Woi-ten, in denen ä und o nebeneinanderliegen: äcuo äcies ocris, alere ind-oles ad- 
olesco,^) ad-uncus (ancus gloss.) gr. dyxoiv, in-cohare osk. haliad, fax focus, hasta umbr. 
hostatir, loqui gr. Xaxsiv, scabere scohis, tongent praen. tongionem osk. tanginom- haetere 
(foitog, ar-bi-tro-, idg. *bhait-, auris ovccra {h)au-d gr. or.^) Über caveo lavo paveo neben 
gr. (hvo-axoog Xo{f)s(o nxoeo) s. § 10. Doppelformen der Tiefstufe liegen vor in maltas 
molles, pars portio (vgl. § 43), vielleicht auch in hara co-hors. 

§ 16. e-Reihe. Nebentonige Tiefstufe -ä- in cre-ditus aus *cre-dätos, 
fä-cio 1. Hochstufe idg. "^dhe- gr. ^r^-, 2. Hochstufe idg. *dhö- in saeer-dös 
*sdcro-döt-;'^) vgl. ferner cl-am oc-cul-tus {-ul- ==■ -1-) oc-etd-o {-ul- = -eU) 
cel-o, fanum (= *fäs-no fes-tus (Brugmann, Grundriss 2, S. 136), flare für 
*/7öre nach flatus aus *hhltö- flös idg. *&Ä?e- (Feist, Grundr. d. got. 



^) JoKDAN, Hermes 6, 193 f. 

2) Einheimisch mit 0. Scheatjer, Sprach- 
vergl. 377, Tier- und Pflanzengeographie 26, 
0. Weise 32, 127 A. 9; Reste der Weinrebe 
sind in der Terramare nachgewiesen, Helbig, 
Beiträge 1, 109 f. 

3) Kauffmann, P.-B. Er. 12, 206. 
^) J. Schmidt, Voc. 2, 340. 



^) Bechtel, Dissimilation 22. 

6) FicK, K. Z. 21, 3. 

^) Vgl. Osthoff bei Hübschmann das 
indog. Vokalsystem S. 190 f.; Danielsson 
bei Pauli, Altit. Stud.3, 177 f. Anm. Anderes 
noch zweifelhaftere habe ich weggelassen, 

«) W. Schulze, K. Z. 28, 281. 



4. Vokale. 



16-21, 



265 



Etym. 20 f.), x^xäSorro cado cedere, nätrix got. nadrs idg. *}idfrO' W. ne- 
(Feist ib. 81), rätus reri, sätus scnien, spätktm (?) spes; fvXi^Qa lörum, plere 
plörare.^) Tiefstufen vokal -^- durch Angleichung an den der 1. Hochstufe, 
z. B. fcrus gr. i^r^q, mc-Uo gr. a-^u-tog ahd. tnäjan; fe-Jare fe-mina gr. 
'h^-aO^ai,'-) nere gr. errr^, send- gr. i)f.n-, vcnfus Grdf. *vP-vf- gr. ^^ri-::) -n, - 
Suffix -törio- gr. 'Ti^qio- (Neutrum). 

Anmerkung 1. Bei ägo : ^//i, -«7)- : co-epi ist t- durch Kontraktion cntsianden 
(Urdf. *e-a(j- *e-ap-). Nach Osthoff, Z. G. d. l\ 155 f. sind nach diesem Muster auch 
I epi feci^) freyi ieci pigi gebildet; vgl. § 109. 

Anmerkung 2. lego legi {colUga), sed-eo sed-i u. s. w. sind in diese Reihe (mit 
secundärem e) übergetreten, indem zunächst sed-i nach altererbtem sedimtis gebildet wurde ; 
vgl. § 109. 

Anmerkung 3. gressus ßssus (mit e nach Ausweis der romanischen Sprachen) 
-ind die aus der Komposition verselbständigten Formen.'') 

17. ^-Reihe. Nebentonige Tiefstufe ä = idg. o in shUfus skr. 
<fhi-td' si-sti-mus = *si-stä-mus, 1. Hochstufe sfa- sta-men Sttl-for; fä-t-cor 
ffi-ri fa-ma. Aus den wenigen einigermassen gesicherten Beispielen mögen 
noch s^uad-eo siiävis, plango {plä(j-) plaga hervorgehoben werden; vielleicht 
liieher gehörig auch scäpula scäpiis scöpae, rädere rüdere, mites ronor: 

apitalc Capitöliutu, primärius primörcs. 

18. ö-Reihe. Tonlose Tiefstufe de-d-T, nebentonige Tiefstufe dd-iun 
/d-mus, Hochstufe dös dö-niim; äcur-pedüis öcior; cäpidam gr. xw/r?^, cätus 
■ os. (jnö-sccre gnä-rus *g?i-rö- scheint in diese Reihe übergetreten, W. gm-; 

ognttum aus *co-gnatum Grdf. *g/i-tö-. 

19. «-Reihe. Nebentonige Tiefstufe in äg-iliSy 1. Hochstufe agu 
(— idg. *dgö), 2. Hochstufe amh-äg-es (egi § 16 Anm. 1); Jd-tis aestus 
idg. *aidh-\ scindo *seid- neben caedo *sc(ud- idg. sÄaid-; der Auslaut 
'/ : d der weiblichen «-Stämme. Über neben ä vgl. g 15 Anm. 

20. 0- Reihe. Tiefstufe öc-ulus gr. wi/'; ßd-erc, 2. Hochstufo föd-i; 
d-ium öd'i; nös-ter nös. 

21. Aus den Doppelformen der Tiefstufe ist ein scheinbares Ablauts- 
vorhältnis t: i und ü : ü erwachsen, zum Teil beeinflusst durch den Cber- 
jang von idg. -o[- ^U- in lat. -f- -«?-, vgl. re-llqu-i re-tlqu-os, vld-i vld-erc, 

"fH ßV'f^re, iüv-i mv-arc. Auch der Perfektablaut a : ä ist nur bei den 

Wurzeln der «-Reihe ursprünglich, aber durch Arudogie auch auf die der 

-Reihe übertragen. Auch steht das ursprüngliche indog. Verhältnis durch- 

118 nicht immer sicher in Fällen wie acm acer, -fnigu^i suff'nufor, päcarc 

'itj\ pläcerr. placarc^ sägax sügus, tägat contdgc^, nidum rüdere u. s. w. 

Anmerkung. Die umfangroicho Litteratur über den indogcrnianlMchrn VolcHÜMmus 

iidot man am vollHtändigston vor/.oirhnet bei Hku«mann, CirundriHü 1, S. M2 Nott^ 2 und 

\f't. Note 2: deflgh'ichon HJnd «lio liaujitHilchlichen Arbeiten von (J. Mi:ybk. (ir. Hr.* S. ;l 

iit'C'fllhrt. Der VollHtUndigkeit hallur vgl. auch L. Mkykr, Orient und Occidont 1. 5/> ff. 

I den a. a. O. verzeichneten Arbeiten sind mir noch bekannt geworden Mkki.o, Uagiono 

imanere del A edel huo mutAmi in K (()) fin dall' etil prutourinna in Hendimnti dcl 

niUi F<onibardo Serie 11 vol XX fanc. XV- XVI (ein vergeblicher Vemurh. die illtrn- 

if von der iirH|irünglichen Dreiheit der Vokale (ii i m) zu rotten) und Kmi, Per l;i 

ni-^i«>iia protaria notn preventiva in Hcndiconti d. K. Arnd. dei l.incri. cIiuiHe di Hcirn/r 

lorali etc. vol. IV, fanr. H, S. 40<J ff. 



') Brücimai»», M. W 1, 4r.. 

') Hr^pr. wie im »choint fi-Wuntet. 

') ÜARTIIOLOMAK, K. Z. 27, 366 



fihe = 9tj'M, wührend fftcio denominativet 
/oiiwort iat, «liKelciUa vun *fa<ih. 
*) OtTBorr, Z. 0. d. P. .V87 f. 



266 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



Vokalwandel. 

22. Da die Vokale eine fortlaufende ineinander übergehende Reihe 
bilden, so ist es erklärlich, dass auch bei geringer Veränderung ihrer Ent- 
stehungsbedingungen Verschiedenheiten in der Aussprache hervorgerufen 
werden, die der Schreibende bei dem Mangel einer ausreichenden Anzahl 
von Vokalzeichen durch das Zeichen des nächstverwandten Vokales fixierte, 
z. B. i-färbiges c durch i, w-färbiges o durch t* u. s. w. Uniäugbar ist 
auch der konnexive Einfluss benachbarter konsonantischer Laute auf die 
Färbung der Vokale, trotzdem Corssen seine Theorie von der Wahlver- 
wandtschaft der Konsonanten und Vokale entschieden übertrieben hat. Von 
besonderer Bedeutung für das richtige Verständnis der hier einzureihenden 
Erscheinungen ist die Berücksichtigung des Accentes, die in vielen Fällen 
das Wesen der Erscheinung erklärt. 

Anmerkung. Die im Folgenden verzeichneten Veränderungen betreflfen die indg. 
Vokale a e o u d, vgl. Brugmann, Grundr. 1, S. 54, 74, 91. Es schien mir aber im Interesse 
der Übei-sichfclichkeit gut, dieselben hier im Zusammenhange zu behandeln. Vgl. auch 
ScHWEizER-SiDLER, Gramm. '^, § 43 und E. R. Wharton in Transactions of Philol. Society 
1888, 43 ff. 

Vokalwandel in nicht zusammengesetzten Wörtern, bez. nur im ersten 
Gliede (in der Fuge) der Zusammensetzungen. 

Tonsilben. 

23. 1. i tritt in gewissen Fällen für e ein, wie bereits § 8 auseinander- 
gesetzt worden ist; umgekehrt e für i infolge konnexiven Einflusses von r 
z. B. sero *siso; Falerii neben Faliscus, 

2. idg. e in den Verbindungen ve ue ev eu, wird zu o, vgl. oben § 8; 
hingegen später umgekehrt vo zu ve, vgl. ebendort § 10. 

3. e wird zu o vor l, so in solvo für "^seluo, helusa Paul Fest. 100 
[vgl. helitores Löwe, Prodr. 339], gewöhnlich Jiolera. Von derselben Art 
sind olea [vgl. oliva], und in der Stellung nach l elogium, wenn sie wirklich 
Lehnwörter sind von sXaia SXsystov. 

4. i für u (eigentlich der Mittellaut ü) vor Labialen und l, z. B. 
Silva für "^sulva gr. vItj [nach Osthoff, M. U. 4, 158 = *su-lä-va „die 
holzreiche" (Gegend)], luhet Übet, letzteres von Havet, Mem. d. 1. S. d. 1. 
6, 16 2 aus Wendungen wie qut luhet erklärt; cluens Plaut. Men. 575 neben 
gew. cUens, clupeus Plaut. Trin. 596 B Mil. 1, Mon. Ancyr. 6, 20, Verg. 
Aen. 12, 232; simus (= sumus) Suet. Aug. 87, Verg. Aen. 12, 231 Ribb. 
(vgl. possimus Ind. Verg., Eccl. 7, 23 Ribb.); lunter Unter (Schmitz, Beitr. 
102); liimpa limpa osk. Diumpais, ßmus fimum gr.^vi^ov (Brugmann, Grdr. 1, 
S. 43). Bemerkenswert z in frigo gr. ^pQvyoi).^) 

5. neben gr. v in folium mola nox (hingegen o = ue in fores) 2) 
und in dem Lehnworte storax aivQa^^), für e in dem Lehnworte lopades 
gr. IsTcccSsg, übrigens auch in vulgären Beispielen: consere censere, noxe 
colligate (Löwe, Prodr. 342, 371), amploctor iocur (nach Grammatiker- 
angaben); tonores Quint. 1, 5, 22 ist an gr. Tovog angelehnt.^) für u 
sehr häufig in archaischer und vulgärer Rede, z. B. sortus surrectus (Liv. 



') Erklärungsversuch von Thukneysen 
K. Z. 30, 352. 

'^) Andres Havet, M^m. d. 1. S. d. 1. 6, 



114; G. Meyek, Gr. Gr.^ §61. 
^) Anderes bei 0. Weise 36. 
^) Vgl. auch ScHUCHABDT, Vok. 3, 245. 



4. Vokale. (§ 22-25.) 



267 



\ndr.), connus aus Ciceros Zeit/) Fohhis CIL. 6, 1307; 10, 8236 u. a. 
für ü in lacöna für lacüna Varro 226, 7 Riese. 

6. «* für in den Lehnwörtern anmrca funda fungus neben gr. 
c'cfxoQyi^ a(fev66vi) aifoyyog: ebenso entspricht lat. u besonders vor Liquidae 
und Nasales urspr. o-Laut, z. B. luxus gr. Ao^og, ululare gr. oXokv^air, 
umhilicus umho gr. hi^KfaXog, numerus für *nomesos, umerus gr. ohiog, uncus 
gr. o/xoc, unguis gr. oi-r^, pullas Grdf. "^x^chio-, avuncidus älter avonculus 
Grdf. "^avonclo- St. ayo»-^) und so überhaupt älter -o/^cw/o- jünger -?t»CM/o-, 
cwwi neben cow-,^) swm^ älter son^ CIL. 1, 1166, cw?^a ^w?c/tcr neben älterem 
co?2?r< polcer, uncla oncia (iunica aber ist semitisches Lehnwort, Voigt in 
diesem Handb. IV, 2, 803); ursus, mulctus \iir ul = idg. i' /|; vereinzelt 
furnacalihusN Sivvo 1. 1. 6, 13 (von furnax für fornax); tuli nach den Compositis 
(toll CIL. 1, 208 u. ö.); fluvius für älteres flovius nach fliicre; ü für ö selten, 
so //</• gr. 9^^w^, hüc (seit der Kaiserzeit), ///?Tc (illöc noch in der Rede des 
Claudius).*) Über ov = av vgl. § 10; über vo = vu § 28, 1. 

Anmerkung. Eigentümlich ist das Lehnwort a^ea, gr. (cyvue (e ■= l); ebenso die 
Wiedergabe von Bqstiioi durch Brittii und Bruttii, Mommsen, Unterit. Dial. 253. 

Vortonige Silben. 

24. e für a, z. B. in dem Fremdworte Bclmaüa und Ihilnintui, ver- 
einzeint lenuarius.'') i für a in Mithridates gr. Mi^gadäit^g. o für c vor /, 
so Menoluvus CIL. 1, 1213, Filotaerus 570, olopantus (elephantus?) CIL. 1, 
1091. für w in Fosilla CIL. 1, 953. ü für ö in ?7/>///o neben opilio. 
u für in adulescens (Subst.) neben dem rekomp. Part, adohscens, culina arch. 
colina. u und i wechseln, z. B. monumentum und moninientum, testu- und 
testimonium u. s. w. Bei den letzten zwei Wörtern und adulescens stand 
der Vokal nach älterer ßetonungsweise ursprünglich in nachtoniger Silbe. 

Nachtonige Silben.*^) 

25. 1. Als Vokal der nachtonigen Silben (die Endsilben sind dabei 
nicht mit inbegriffen) erscheint vor r, vor mehrfacher Konsonanz, einfachem 
Vokal und nach i regelmässig c, daher z. B. legere, Venerem (idg. c); 
pepcri (idg. a)\ genetrix (idg. »);') cmcm Grdf. '^cinis-is vgl. cinis-culHin;^) 
soccri (kaum mit -c- = idg. -Ur- gr. sxvQo-g wegen des altlateinischen 
Betonungsgesetzes); daher auch regelrecht die griechischen LehnwOrtor 
siser camera phalerae neben gr. afaccQov xnndcQcc-*) qäXnQct, hingegen o für r 
in ancora gr. ayxvga. Caesaris iubaris nectaris haben ihr a vom Nominativ 
bezogen. Dazu vgl. die Komp. peiero auger augeratus Priscian bei Keil, 
Gr. L.^2, 27, 38 neben gew. angur auguratus. Vgl. ferner die Perf. peperri 
f'rßlli, urspr. '^prperci */'r/'clli betont, die giiech. Lehnwörter Alirnifrow, 

vervollatAndigt sind. 

^) Laciimann zu Lui-HKT. 1.1; dttrnai-h 
genetivu« (umgekehrt auch (frnitrir). 

") Woitoro HciHpiclo bei L. Mkykk, Hkjub. 
H. 1, 153. 

") DaKOgon vulgftr atmara, atrcmrs 
nsarum, vrnU^rvH auch Varn» r. r. 1, ^'J. 'J 
Kr.iL und Oftor. Auch Vornua FlacouN wollt« 
camara nach CiiARia. b«i Kkil. (ir. L. 1, 
:>H. 22. 



j Fböhdb, K. Z. 18, 258 f.; Schuchabdt. 
Vok. 2, Hl«; .'i. 221. 

') OaTHOFF, P.-H. Br. 18, 447 f. 

') Dbm» com- infolge der Betonung daa 
o frhnlton hat, hcmj-rkt richtig SKt;TH<:ii, l)o 
noin. liat. cornjumitionc (|uaoHt. hoI.S. 'M Anm. 

♦) Vgl. VHinwy., Hk/./. H. 14, !».'> 11. 

'•) Andere HciHpii'lc hei Skklmann 171. 

*) Vgl. dir? AuHriihningcn von W, Mkyrm, 
'/. f. rom. l'hil. H. 20.1 f., dio im Folgenden 
hcnUtzt, aber mehrfach richtig geatcllt und 



268 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinisclie Lautlehre. 



talentum, Tarentum, deren Lautgestalt die ursprüngliche Betonung wieder- 
spiegelt, levirum für '^levermn nach virum, satura satira nach satur; 
so zeigen auch s- und r-Stämme Eindringen des Vokalismus des starken 
Stammes, vgl. z. B. tempöris, decöris, marmöris; fulguris (dagegen inschr. 
auch fulgcmtor) guttiiris cicuris u. a. mit dem Nom. auf -ur, memoria 
haben ihr u bez. o vom Nominativ bezogen. Regelrecht erscheinen ehricias 
pietas societas, abietis arietis parictis [vgl. variegare hietare in vortoniger 
Silbe]; ebenso vlnea lancea cavea calceus. Ausnahmsweise iunipirus Cato 
r. r. 122, Varro r. r. 1, 8, 4 Keil. Vgl. gr. T€(f(fsQa Foy, Bezz. B. 12, 
50 f. In fiUa i = ^{, dafür in älterer Zeit auch fileai Eph. 1, no. 17 S. iL' 
und sogar filei\a{\ Hermes 19, 453; vgl. ascea neben ascia. Taseos =^ 
Sdaiog Schneider 48, prän. Oveo ib. 168 neben gew. Ovius; ähnlich aucli 
tcmpestatcbus CIL. 1, 32. So wohl auch prän. Fahrecio CIL. 1, 106 zu 
erklären (a betont), vgl. Paperius ib. 1, 554. 

2. Regelmässig behauptet sich lat. o — idg. o in den Verbindungen 
'Col- -iol-, z. B. alveolus filiolus, ebenso in der Lautfolge -vo- bis auf 
Augustus, wo 'Vu an dessen Stelle tritt, z. B. parvolusj) Vereinzelt vino- 
lentus sanguinolentus. Hingegen tritt für idg. a e o 9 sonst vor l der 
Mittellaut ü ein, in der Schrift durch u oder i bezeichnet, z. B. equiila 
und equila^ similat neben gew. simulat, in vielen Fällen durch den Vokal 
der nachfolgenden Silbe bedingt, so bei den Adjektiven auf -ulo (Nom. 
-ulus) und -üi (Nom. -ilis), häufig auch beim svarabhaktischen Vokal (vgl. 
§ 37); sedulo aus se dolo {sc dulo {m\alo\ CIL. 200, 39); tetuli u. a. Hieher 
gehören auch die griech. Lehnwörter, wie pessulus Siculus scopulus gr. 
nccaaaXog 2ixsXi)g (TxoTTsXog, pacnula gr. (faivokr^g u. a., vgl. catapuUa gr. 
xaTaTTsXTrjg. In älterer Sprache ist ursprüngliches o erhalten, so agoliim 
Paul. Fest. 29, 15, cpohnos ib. 78, 11, tcgolis Plaut. Mil. 160 A; gr. ^^sv- 
SvXog lat. Fscudolus nach Analogie der ächtlat. Wörter. 2) 

3. Vor h p f m sind alle indog. Vokale durch den Mittellaut ü bez. 
a oder / ausgedrückt ; 3) vgl. den Dat. Abi. Plur. der «^-Stämme auf -^ibus 
und -ibus, occupo dissipo, Crassupes CIL. 1, 436 neben gew. Crassipcs, 
pontufcx ponfifex, aestumo aestimo, dacruma lacrima.^) Älteres in fal. 
Maxomo Zvet. Inscr. It. med. 58, incolomis Plaut. Truc. 168. covenumis 
CIL. 1, 532 halte ich mit Corssen 1, 334 Anm. für einen Schreibfehler. 

4. Vor allen anderen einfachen Konsonanten sind in nachtoniger Silbe 
die idg. Vokale durch i vertreten, z. B. serite Grdf. "^si-sa-tc (idg. a), 
legUc oppidum gr. txsSov (idg. e), senica (v. *seno-) funditus (idg. 0), domitus 
genitus (idg. 9); vgl. ferner agldum Plaut. Trin. 369 B gew. agcdum, huncinc 
quatinus gew. quatenus quippini u. a. ; ferner die älteren griech. Lehnwörter, 
wie machina trutina u. a. Für dieses i steht älter und vulgär auch e 
(geschlossen), daher acctare Paul. Festi 23, 10, sineto interccdeto CIL. 1, 
206, 134, 164,5) timedus Naev. nach Non. 376, 12 Müll. (= ^^times-do-), 



^) Anderes L. Meyer, a. a. 0. 155. 

2) Götz praef. XL; Wölfflin, Sitzb. d. 
bayer. Akad. 1887, S. 203 (Wortspiel mit 
dolus). 

-') Seit Cäsar, vgl. Quint. 1, 7, 21, 
ScHucHABDT, Vok. 1, 53/ WöLFFLiN, Arch. 



f. lat. Lex. 4, 620. Auf dem Mon. Ancyr. 
stets i mit Ausnahme von septuaqensum[um] 
6, 28, vgl. §91B. 

^) Anderes bei Cokssen 2, 136 f. 

5) Cokssen 2, 291 f.; L. Meyer Bezz. B. 
1, 143 f.; Stobm, Mem. d. S. d. 1. 2, 81 f. 



|- 4. Vokale. (§ 26-27.) 269 

l^wen/s nach mventus; pecudcm nach dem Nom., tufudit nsLch fundo; arbiifuw 
t^lmuher volucer u. a. verdanken ihr u wohl dem Einfluss des h bez. Zj) 
I Andere bis jetzt nicht aufgeführte Ausnahmsfälle erklären sich durch As- 
'inilation der Vokale, so aki2)a anafis farfartis (vulgär anitis, anites Plaut. 
Lupt. 1003, farferi), harharus, cannahis^ celeher , inteijer, vegefus hebet is 
segetis u. a.; bei anderen Wörtern hat das Bewusstsein der Zusammen- 
setzung die lautgesetzliche Gestaltung der nachtonigen Vokale gehemmt, 
vgl. z. B. afavKS, concavus, itaque, impetus, duodrcim, compedis (hingegen 
e^iico bei Plautus gew., prosicarier Plaut. Pön. 328, resicare Cato r. r. 33, 
2, 47 Keil, Varro r. r. 1. 31, 2) pracsecaf, avehif u. a. ; nicht wenige 
endlich sind offenbar als später eingebürgerte Fremdwörter nicht mehr dem 
älteren Lautgesetze verfallen, z. B. hilaris, stomachus, pelagxis, cithara, 
Fegasus, pHasus, cerasus. 

Endsilben. 

26. 1. Bei den Neutris auf -e -ale ~are (jünger -al -ar) ist e aus i 
hervorgegangen, 2) ebenso beim Neutrum der Adjectiva auf -is; ante gr. 
um'. Hingegen sind -ris und re der 2. Sgl. Pass. zwei selbständige Formen,^) 
ebenso -vis und -re (vgl. j; G9, 3), magis mage vgl. ved. mahds mahc^) und 
potis pote. c zu i gewandelt auch in undecim u. s. w. und im Gen. sing, 
auf -is aus -es (vgl. g 84). 

2. Über, auslautendes ä und ö = e vgl. § 7 und 10. 

3. Das o der o-Stämme, mit Ausnahme derer auf -iio und -vo, bei 
denen diese Wandlung erst in der ersten Hälfte des ersten nachchrist- 
lichen Jahrhunderts in die Schriftsprache eindrang, wich seit dem Beginn 
des sechsten Jahrhunderts endgültig dem ;f-Laute, vgl. z. B. älteres Manios 
(Fibelinschrift, Palestrina), praen. Novios l^lautios (Schneider 41), Dueuos 
u. a.; desgleichen das -os der 5-Stämme und des Gen. Sing, der konso- 
nantischen Stämme jüngerem -iis (alt Venös opos,'^) dazu noch f/itafenos 
(Scipio Afr. nach Festus 258) und die Adverbia auf -tus (vgl. g 88 Anm. 2). 
Nur sporadisch ist ö bei den o-Stämmen zu u gesunken, so [nrfjasfud 
CIL. 1, 813, [ohjlafud 193. 

4. Über oi (bez. öi) = / in Schlusssilben und iti (bez. äi) — 7 im 
gleichen Falle vgl. § 13, 7 und 1. 

Schwächung der Vokale in der Zusammensetzung. 

27. Als Grund dieser Erscheinung ist § 73 die ursprüngliclio Be- 
tonung nachgewiesen. Das Material siehe bei Corssen 2, 39(3—435. Grund- 
sätzlich ist a priori festzuhalten, dass dieselben Gesetze, welche wir soeben 

I die nachtonigen Silben der einfachen Wörter erwiesen haben, auch für 

• ! Komposita gegolten haben. In der That stimmen z. \). aequipno pcino 

conscendo nnncupo contuhemium u. a. genau mit den aufgostcUton Gosotxen 

Oberein. Da jedoch die regelrechte Ausbreitung dieses LautgoHetzes durch 



) Vgl. auch Skklmann 197. | klaren ZugoHtAmlniii. 



») Datfegon KiTHdiL, Üp. 2, <>22f., dafür I ») Miätkli, ZeiU« i .IkcrpHyrh. 

CijRTiüi». K. /. 1, 2»iU f.. CoKMMin« 2, 2:W. I 14, niO. 
iJfitr. .M<J. KiTiMiiL liimlort« i'bc-n Hoin Op. *) Maiilow, D. K \ l 

-i. 41* Anm. «ufKfHU'lltoi« Syiitc.'in tlim Vukal- 1 ') Coiu4mks. 2. S7. 

wtuidelN im Altlutciiiiftclicn an diesem »onnen* 



270 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinisclie Lautlehre. 



andere Einflüsse gekreuzt wurde, ist unmöglich zu erwarten, dass wir 
ein einheitliches Schema der in Frage stehenden Erscheinung erhalten 
werden. Es darf auch nicht wunder nehmen, dass gegenseitige analogischo 
Beeinflussungen vorliegen. Auch eine bestimmte zeitliche Grenze lässt sicli 
mit Sicherheit nicht aufstellen; wahrscheinlich hörte die strenge Norm mit 
dem Erlöschen des alten Betonungsgesetzes auf. Schon Plautus hat re- 
komponierte Formen, z. B. requaerens Merc. 633 (dagegen requireres 637). 
exaestimo Merc, 566 u. a. Der thatsächliche Verhalt ist folgender: ä{— idg. a) 
geht über in e in geschlossenen Silben vor gehäuften Konsonanten (scando 
con^cendo manceps u. s. w.), vor r; in offenen Silben steht e für ä infolge 
von Assimilation, vgl. depecisci, inlecebrae, perpeti, defetigare; vor ng wird 
es zu ?', z. B. attingo (einmal vulg. inßstae CIL. 1, 1009, 15), ebenso in offenen 
Silben, mit Ausnahme der Stellung vor l + Cons. (ausgenommen U), wo 
es zu u wird, z. B. insuUum, und in älterer Zeit auch vor Lippenlauten 
z. B. mancupis contubernium condumno (jünger condemno), surrupere Plaut. 
Pseud. 288, darnach surruptum. ä (^= idg. ä) manchmal zu e gewandelt, 
z. B. anhelo subtel. e (= idg. e) in offener Silbe, wenn nicht vor r (vgl. 
aufero consero), wird regelrecht zu t, z. B. insidet, colligo u. s. w., jedoch 
sehr häufig ist es rekomponiert, z. B. durch Assimilation elegans, aber 
eliganüam Turpil. 99 Ribb. IL Für e tritt manchmal t ein, z. B. delmio 
neben delenio. Die seltene Wandlung von o in ^ ist regelrecht in iltco = 
*^^^ sloco, hospitis für *hos[tiJ-potis; gr. ajioxog lat. aptca wird wohl kaum 
mehr als Kompositum gefühlt worden sein; regelrecht ist u in aduleseens 
eonsulo retuU u. s. w. wegen ?; Formen wie assolet suboles sind rekom- 
poniert, u ist meist wiederhergestellt. Nur peiero aus "^periüro; periüiro 
durch Rekomposition bei Plautus, z. B. Asin. 562, Pseud. 1057 (peiiurus 
Pseud. 974, 1083); i^m^m^ Asin. 293 u. ö.; peiero nach deiero (CIL. 1, 198, 
19 deiuro) eiero [peiurare Löwe, Glossae nom. 225, 1]; vgl. auch noch 
ahiürant Plaut. Cure. 496. i) Von den Diphthongen erscheint ae in nach- 
toniger Silbe in der Form von t {caedo inctdo), au meist rekomponiert, 
sonst in der Form von ü (claudo inclüdo), dagegen auffallend ohoedire,^) 
oe = e m pomerium (vgl. § 34). 

Assimilation von Vokalen.^) 
28. Angleichung von Vokalen findet häufig statt in zwei aufeinander- 
folgenden Silben. — Der Vokal der Reduplikationssilbe im Perfektum gleicht 
sich in gewissen Fällen wurzelhaftem i o u an; vgl. § 108. Über die An- 
gleichung des svarabhaktischen Vokals vgl. § 37. Im einzelnen vgl.: 
alapa^ canndbis^ alacer, adagium, vegetus; segetis tegetis u. s. w. für zu 
erwartendes "^segitis Hegitis u. s. w. Dagegen peditis equitis nach militis; 
perpetis nach perpes; die Adjektiva auf -ili, cieindela für "^cicendela W. 



^) Vgl. ÜSENEK, N. J. 91. 226 f.; Stolz, 
Arch. f. lat. Lex. 2, 501. Osthoff's Ableitung 
von peior (Z. G. d. P. 115 A. 1), auch von G. 
Meyer, Z. f. d. öst. Gymn. 36, 280, Havet, 
M^m. d. 1. S. d. 1. 6, 23 angenommen, scheitert 
an dem Umstände, dass sich derartige Bil- 
dungen (z. B. certiorare) erst bei den Afri- 
kanern finden (Arch. f. lat. Lex. 3, 566). 



2) Am wahrscheinlichsten doch wohl oe 
umgekehrte Schreibung für u nach Havet, 
Mem. d. \. S. d. 1. 4, 410; anders Danielsson 
bei Pauli, Altit. Stud. 4, 165; Schulze K. 
Z. 29, 251. 

2) CoKSSEN 2, 353 f., wo jedoch manches 
nicht hiehergehörige verzeichnet ist ; Dietrich, 
Programm von Hirschberg 1855. 



4. Vokale. (§ 28-30.) 



271 



'inä-, nihil nisi nimis mihi tibi sihi, quisquiliae gr. xoaxvXjuaTa, consilium 
,(imiUa neben consiil famulus, BctUius AemiUus und die anderen Eigennamen 
der gleichen Art; sigiUum tigillum für *sigcllum *sig('eJn-lo- *sign(o)Io-; 
oppodum CIL. 1, 200, 81; soholes für richtigeres suholes; socors für *se-'Cors, 
secordis Löwe, Arch. f. lat. Lex. 1, 27 und darnach sohrius,^) homo alt 
hemonem, vulgär tonotru, tiigurium für tegurium (vulgär Iordan, Hermes, 
6, 193 f.) u. s. w.,2) ridimdiis Fest. 262, Lachmann zu Lucret. 2, 402, 
Varro 1. 1. 5, 26 u. 118, piupiira gr. noQifvQa, aber gurgulio upiipa sind 
reduplizierte Bildungen (Brugmann, Grundriss 2, S. 94). Vgl. auch noch die 
spätl. Formen didit didicavit Corssj:n 2, 363. Artamo CIL. 1, i539a, 
Chalchadona el. XXXIV beruhen auf griech. 'J^ra/icör XaXxddoov, das häufig 
vorkommende KaJandae (z. B. CIL. 5, 1682; 9, 1095; 10, 539) mag volks- 
etymologisch angeschlossen sein an calarc. Vgl. noch Seelmann, Neue 
phil. Rundschau 1886, 188 und besonders Schweizer-Sidler, Gramm. ^ § 51; 
vulgäre Beispiele bei Brambach, Neug. 74 f. 

Dissimilation von Vokalen.^) 
29. Die Abneigung der älteren Sprache gegen die unmittelbare Auf- 
einanderfolge zweier gleicher Vokale zeigt sich besonders in der langen 
Erhaltung von uo und vo, die, wie § 14B, 4 angedeutet wurde, erst in der 
Kaiserzeit endgiltig verdrängt wurden. Durch Dissimilation ward // zu /> 
umgestaltet, daher adiese CIL. 1, 196; vgl. ferner ehriefas pidas societa.'i 
neben sanitas vanitas u. s. w., ebenso abietis arietis parietis und variegarc. 
hiefare neben hvigarc clamitare; vgl. § 25, 1. 

Geschichte der Diphthong-e. 
iiO. al (osk. ai, umbr. selten) ist sowohl als Vertreter von idg. ai- 
als auch als Kontraktionsprodukt ^) im Gen. Dat. Sgl. und Dat. Abi. Plur. 
der «-Deklination, hier hervorgegangen aus -rt/-, aUf den ältesten Inschriften 
häufig vertreten, worüber die Nachweise im Ind. gramm. des Corp. Inscr. I, 
bei Corssen 1, 675 und Schneider, S. 138. Daraus entstand ne (vgl. osk. 
ai); diesen Übergang zeigen ronquaeisiri CIL. 1 551, Caeicinn\iis] 378, 
CaeiriUus 547 b, 1487, Cacidia 9,3087, wobei c* = «"; vgl. Corssen 1 676, 
Hirt, Rhein. Mus. 34, 33, Ritschl, Op. 4, 140 f., Schuchardt, Vok. 3, 39; 
vgl. auch kor. -«*/-, z. B. Vf/Mir/f (/')«, Röhl, I. G. A. 20, 4. Der Übergang 
zur monophthongischen Aussprache hat sich ungefähr 550—600 u. c. voll- 
zogen. Indessen behauptete sich die Schreibung mit a», trotzdem dasselbe 
längst gleich nc gesprochen wurde, bis in die Kaisorzeit; vgl. darUber 
C0K88EN 1 681. ac vertrat in einzelnen Fällen auch r, so in dem griecli. 
Lehnworte scaena (scaina CIL. 1 1280, ai = ae), saeculuw ^) racda (kelt. 
rcda).^) Ob Saeturnus CIL 1, 48 zu sero gehört, ist zweifelhaft, vielleicht 



'j Vielleicht noch Nachwirkung von 8ve- 
(vgl. Huudyi 

') Vgl. auch L. Mkybr, Vergl. Gramm.' 
1, 504 f. 

') DiKTKioif, Cotnmcnt. etc 2, 14. 

*) In ain nirid liegt Verallj^omeinorung 
der achwachcn Staniniforni •mi-» vor (für 



*ai0f sk. dm vgl. aBmun aua *aitn-t%o) ; vgl. 
OrrnoFF, P.B. Br. Xlll. 405 Anm., dem 
joUt auch Hri'omani«, (trundrina 2, 8. WM'l 
baiatimn-* 'r^ 1. ft «104.) 

•) I , M. r. I. x\. 

•) 1 ^ i..-« 50 ArÜkal S. 2«5. S«iiMtTr. 

üoitr. 102. 



272 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



steht es für *Saveturnus skt. savitdr.^) Nicht rein lateinisch sind Cesula 
Diane (Pisaur.), cedre cedito (Lex Spol.), Grecia (Prän.), dazu die falis- 
kischen Beispiele (Schneider S. 132). In vulgärer Schreibweise trat e an 
Stelle des ae, ebenso wie ai den Vokal c vertrat. Etwa seit dem dritten 
Jahrhundert nach Chr. fallen ae und e in Aussprache und Schrift voll- 
kommen zusammen. Über das Schwanken zwischen ae und e vgl. Bram- 
BACH, Neug. 204 f. Durch Zusammenziehung entstandenes ai bleibt in 
Gaius maior aio, wobei / = ii; vgl. oben § 4, III. Ccisia Schneider 411 
(prän.) und queistores ib. 84 sind nicht acht lateinisch, vgl. auch fal. 
Leivelio (— Laelio). Über ai = t in unbetonten und Endsilben vgl. § 13, 
1 und § 27. 

31. au. au ist sowohl als ursprünglicher Diphthong, wie als sekun- 
däres Produkt, z. B. au-cella für "^avi-cella, andere avere, cautus lautus von 
cavere lavere, cauda caviae, aufugio skr. ava, ebenso aus -äu-, z. B. nau- 
fragus claudere vgl. § 40, 2, fast in vollem Umfange in der Schriftsprache 
erhalten. Wegen seiner eigentümlichen Aussprache (aü) ging dieser Diph- 
thong in der archaischen und Vulgärsprache in o über, z. B. clostra ospi- 
catur (Diom. bei Keil Gr. L. 1, 383, 1 und 10), später auch in u. Zu 
dem eben Gesagten vgl. man gr. cco = av G. Meyer, Gr. Gr.^ § 120, sowie 
die Transskriptionen des lat. au durch gr. ao^) und umgekehrt Laudicaes 
CIL. 1, 1212 gr. Aaoöixri. Im Schriftlatein haben wir o {u) = au in opiter 
= '^av(iypiter, frustum gr. S^Qavarov, frus-tra zu frau{u)sus und in der 
Komposition; Beispielsammlungen bei Corssen 1, 656 f., L. Meyer, Vergl. 
Gramm. I^ 307. Bemerkenswert neben gew. nügae naugatorias Flaut Trin. 844 
(RiTSCHL, Op. 2, 425) nögas Merc. 846 B. Umgekehrt ist au aus o hervor- 
gegangen in auUa = olla Paul. Festi 23, 13 fal. olna Zvet. inscr. It. med. 51, 
aureae für öreae (aunga\ ausculari Paul. Festi 28, 9, austia CIL. 1, 1463, 
cauda aus cöda gr. nöa^rj Grdf. *quo0dhä,^) Plautus (älter Flötus), in dem 
griech. Lehnworte aurichalcum (Plautus, dagegen bei Cicero, Vergil, Horaz 
orichalcum)', anderes weniger sichere Material bei Thurneysen, K. Z. 28, 159 f. 
und ScHWEizER-SiDLER, Gramm. ^ § 23, 4. au = a {au ä) im Schriftlatein 
in Mars alt Mavors vgl. Maurte, in dem apulischen Stadtnamen Asculum 
neben Ausculum und Osculum, in Ägustus u. anderen, worüber vgl. Corssen 
1, 664, Schmitz, Beitr. 96 f., Löwe, Prodr. 421, Seelmann, Aussp. 223. 

32. ei. Seiner diphthongischen Natur ging am frühesten ei verlustig, 
das auch auf den ältesten Denkmälern nicht mit Sicherheit als wirklicher 
Diphthong betrachtet werden kann, z. B. deivos (Dvenos-Inschrift), quei 
CIL. 1, 29, Apolenei CIL. 1, 167. Allerdings noise der Dvenosinschrift 
(angeblich = '^noisei nisi) ist zu unsicher, um darauf einen Schluss auf die 
monophthongische Aussprache des ei bauen zu können, 4) aber in der lex 
Spoletina (Schneider 95) kann dinai doch nur graphische Variante von 



1) SCHWEIZER-SIDLEK, K. Z. 4, 68; 0. 

Meyek, Quaest. Homer. (Bonn 1868) S. 8; 
Nissen, Das Templum 130, Pauli, Altit. Stud. 
4, 41 ff.; vgl. übrigens auch Deecke, Etr. 
Forsch. 4, 65 f. und Seelmann, 162. 

2) S^ELMANN 223. 



^) Havet, Mem. d. 1. S. d. J. 5, 444, 
Thukneysen. K. Z. 28, 157. 

4) Vgl. Pauli, Altit. Stud. 1, 18 f. und 
O.Brugmann, Progr. d. Nikolaigymn., Leipzig 
1887, S. 31 Anm. 61. 



4. Vokale. (§ 31-33.) 273 

dcina sein (mithin ei = t). Die Aussprache des ei fiel frühzeitig mit der 
des (offenen) 7 und geschlossenen c zusammen, daher ei auch für die beiden 
letztgenannten Laute geschrieben wurde, i) Daher z. B. inceiderefis CIL. 
1, 196, audeire ib. 198, occeisus 624 u. a. bei Corssen 1, 719, Schneider 
S. 139 f., in welchen ei entweder idg. 7 oder auf lat. Sprachboden entstan- 
denes t vertritt. Andrerseits Schwanken zwischen -e und -ei im Dat. Sing, 
der kons, und /-Stämme, -et und -eit in der 3. Sing. Perf.; vereinzelt dc- 
creivit CIL. 2, 5041 (vgl. § 43 Ende), leigihus (Inschr. v. Fa\estnnsi),^)pleib[esj,^) 
fal. Pleina Zvet. Inscr. It. med. dial. 53 neben Planes ib. 64. Eine bestimmte 
Kegel für die Bezeichnung des i durch ei bildete sich nicht heraus, auch des 
Lucilius g 4 III berührter Versuch, ei und i im Gebrauche bestimmte, durch die 
von ihm beobachtete Aussprache bedingte Sphären anzuweisen, drang nicht 
durch; in den Urkunden der Gracchenzeit bis auf Cäsar erscheint in denselben 
Wortstämmen ei und i promiscue.^) Gelegentlich werden auch ) und e durch 
ei ausgedrückt, wobei ich absehe von dichterischen Messungen, wieuhei.'^) Für 
ei = i siehe Corssen 1, 788 Anm.; für ei= e\g\.impeirator CIL. 2, 5041, heicei 
1, 1297. Schwanken zwischen^ und ^ — etymologisch berechtigtem <^/ findet 
öfter statt, z. B. devas CIL. 1, 814 neben gew. dlvus, vgl. oben deivos; aber 
inschr. nei = ni. Das Schwanken zwischen ei und e ist in der Schrift auch auf 
solche Fälle ausgedehnt, wo nur ersteres als Vertreter von 7 berechtigt war, z. 
B. Lehro CIL. 1, 174 neben prän. Leiher Eph. ep. 1, 21, eompromesisse CIL. 1, 
196 neben ameiserunt 2^A,l\ 2 und öfter. Über die hier skizzierten Punkte vgl. 
bes. RiTscHL, Op. 2, 622 f., Corssen 1, 715 f. Dasselbe Schwanken zwischen c 
und / waltet ob in der Transskription von gr. */, z. B. Dareus und Darrus; 
dass ersteres schwerlich die ältere Form ist, wie Brambach Hilfsbüchlein 33 
meint, ersieht man aus Meisterhans Gramm, d. att. Inschr.* 37 f. Voll- 
ständig latinisiert sind platm halinriim,^') musivus gr. fiovfffTog , während 
Achivi hinsichtlich des Suffixes an kypr. 'Axctipög eine Stütze zu finden scheint) 
ei = i ^ gr. v in päl. Crisida Creisita (übrigens auch gr. Kgiat^i'^y Kretzschmer, 
K. Z. 29, 433 Anm. 2). In eius meio peior ist -ei- = -eii-. 

33. eu.^) Für Leucesie (Carm. sal.) müsste nach italischen Laut- 
gesetzen *Loiicesie erwartet werden, es hat daher keine sprachgeschicht- 
liche Bedeutung.*-') Wegen des lautgesetzlichen Übergangs in oti (vgl. § 35) 
imiHS man dem echten Diphthong mit Seelmann, Ausspr. 228 den Laut- 
wert cü vindizieren. Für ncuter ncutiquam ist ausdrücklich die dreisilbige 
Aussprache bezeugt; ''') denselben Lautwert (c + n) dürfen wir auch für ccu 
neu 8CU für *ce'V(e) '^ne-v(e), *se-v[e), heu heus voraussetzen, i (wohl für 
ü) = eu liegt vor in über Grdf. *kuhrO', vgl. S ^^-^^i Anm. 1. Wegen 
spätl. Orphacus u. ähnlicher Formen (Bikt 33) vgl. Skklmann, Ausspr. 229. 

(ir. jif-vxio hryni',' üixoXXog gegCnUbei' Im* l.Hriiix i\^'U hl rinn- {hmlitU") 



') Hm «.MANN. < .iiiiKii ISS i . S n und 71^ 

■') l'hil. Wocli. 2. !»1. i HorrüANN Wku.. H. 14. 294. 

') UiTw-iiL, Op. 2, 77U. 

*) CORMHF.I« I, 719. 

') KiTMdiL. Op. 2, 0:)2 r. übrigeM 
niögon /um Teil auch Hclircikfcliler vurliogen 
l'Atu, Aitit. Stud. 1. 24 f. 

•) O. Wkisk a«i f. 



H IM II 



") HiuT. Rh. M. :M, 1 f. 

*) JoKiiAK, Krit. Hoitr. 31 ff., Urijumaikn. 
Qnindr. 1 , S. UW. 

••) CoNHKKTH'H ln«i Kkil, (lt. li. ^. «WO; 
■imor UtRT, vgl. St iiMirr.. .\rt'h. f. Iwt. ]h>x. 



llMdbttcli d«r klMi. AlUrtumnwURFiiiirlMJt. If > A-n 1; 



274 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



Lucullus erklären sich aus dem Anklang an Xevxog; übrigens sind seit 
Claudius die Formen mit -ov- häufiger, i) 

34. Ol. Der Diphthong ol, auf den älteren Urkunden noch vollständig 
in Stammsilben erhalten, im Kurialstil noch bis c. 100 (CIL. I 201, 9 oitile) 
vereinzelt angewendet, wobei oi ebenso wie oben ai nur als graphisches 
Zeichen zu betrachten ist, wofür namentlich das Vorkommen von oi und ü 
nebeneinander spricht, 2) wurde in haupttonigen Stammsilben auf demselben 
Wege, wie ai zu ae, zu oe (osk. üi) übergeleitet, z. B. moiros moeriis 
(moerorum noch Verg. Aen. 11, 382 Ribb.), coirare coerare u. andere Bei- 
spiele im Ind. gramm. CIL. 1. Nicht vor der Mitte des 7. Jahrhunderts 
trat die Verdumpfung zu ü ein, die in den meisten Wörtern (ausgenommen 
z. B. foedus Poeni poena impoene Cato ed. Jordan, 37, 21, aber gew. impünl.^i 
pünirc Coelius) Regel geworden ist, z. B. oino CIL. 1 32 oenigenos Fest. 195 
unus, comoinem CIL. 1 196 moenitum (Plaut. Bacch. 926) munire, loidos CIL. 1 
565 loedis Cic. de leg. II 9, 22 (hat also nichts mit den Lydern zu schaffen, 
wie Ribbeck, Gesch. d. röm. Dicht. 1, 10 will) lüdus. Aus dem nach 
Aufgebung der diphthongischen Aussprache entstandenen Mischlaute oe {ö) 
hat sich mithin der dunkle w-Laut herausentwickelt, für den gelegentlich 
in der Schrift auftritt, z. B. immer in non aus noenoni ^ne-oinom vgl. 
deutsch nein; wegen ö vgl. unten coravero{nt); ähnlich diesem Vorgange 
ist die gelegentliche Wiedergabe von gr. v durch oe schon in alter Zeit, 
z. B. Chetemestra,^) ferner vgl. man böot. 01 oe v (G. Meyer, Gr. Gr.'^ § 116). 
Übrigens herrschte lange grosses Schwanken zwischen oe und u, ersteres 
länger im Kurialstil (Jordan, Krit. Beitr. 239), beide häufig nebeneinander 
in Varro's Schrift De lingua latina. Die Schwächung von oi zu e in 
einer (betonten) Stammsilbe, pomerium aus "^pös-moiriom erklärt sich wohl 
aus der älteren Betonung der Präfixsilbe. '^) Über -oi- bez. idg. -öi- = oe i 
in unbetonten Schlusssilben vgl. § 13, 7. Zeugen des Übergangs sind z. B. 
pilumnoe poploe Fest. 205, 19, ploirume CIL. 1, 32, oloes Fest. 205, 19. 
t in qul qms in unbetonter Silbe entsprungen {st qm dli-qm), darnach und 
nach den mehrsilbigen Formen wie illt Ulis auch hi his (Brugmann, Grundr. 1 
8. 75). t = Ol im griech. Lehnworte anquma == ayxoivri. Als Produkt einer 
Zusammenrückung erscheint der Diphthong oe in {^co-epi), coetus (eo-itus). 

Anmerkung^ 1. Dass auch in haupttonigen Silben idg. oi zu i geworden sei z. B. in 
vinum olvog vicus oixog u. s. w., ist jedesfalls zweifelhaft (Brugmann, Grdr. 1 S. 75). Da- 
selbst auch über feres = (peQoig; vgl. auch unten § 115. llher neben loehertatem (Fest. 
121 M.) fal. lofertn osk. Lüvfreis ist am wahrscheinlichsten mit Bkugmann, Grundr. 1 
§ 49 Anm. aus Hoyib- *loib- zu erklären durch eine Zwischenform *lüb-, vgl. lubet und 
Übet. Andere Erklärungsversuche bei J. Schmidt, K. Z. 23, 348 und Danielsson bei Pauli, 
Altit. Stud. 4, 156 fr. 

Anmerkung 2. In couraverunt CIL. 1 1419 ist ou = u, denn oi ist in diesem Wort- 
stamme heimisch, wie ausser coirare päl. coisatens beweist; singulär coravero{n)t CIL. 1 73.'*) 

35. ou. ou,^) inschriftlich bis zur Zeit des Bundesgenossenkrieges 



^) DiTTENBERGEK, Hcrmes 7, 312. 

2) RiTSCHL, Op. 4, 168, 765. 

3) RiTSCHL, Op. 2, 517, Schmitz, Beitr. 
107; anders Corssen, 1 710 A., G. Meyer, 
Gr. Gr.2 § 85. 

*) Vgl. über das Wort Mommsen, Röm. 
Forsch. 2, 23 ff. (Hermes 10, 40 ff.); Corssen 



1, 708. 

^} Ritschl's Erklärung des Zusammen- 
hangs dieser Formen (Op. 4, 517) verträgt 
sich nicht mit päl. coisatens. 

^) Kruczkiewicz, Z. f. d. öst. Gymn, 
1879, 1 f. ; Weissbrodt, spec. gramm. alt. 
14 f.; RiTSCHL, Op. 4, 116, 157 f. 



4. Vokale. (§ 34-36.) 275 

häufig, mit einiger Konsequenz jedoch nur in iousi ioudicium ioudico hudex 
iourare nachweisbar, ist ohne Zweifel ursprünglich echter Diphthong ge- 
wesen und daher auch diphthongisch gesprochen worden, wie Kruczkiewicz 
a. a. 0. mit Recht unter Hinweis auf oskisch üv und vii hervorhebt; 
jedoch ist zuzugeben, dass jedenfalls schon frühzeitig die monophthongische 
Aussprache Platz gegriffen hat. In der Schrift ist es gelegentlich noch 
später verwendet, z. B. saloutcQlL. 6, 40G, 5. ou als ursprünglicher Ablaut von 
^«ust im Lateinischen mit Sicherheit nicht nachzuweisen (Loficc^/os loiuncn nach 
Mar. Vict. bei Keil, Gr. L. 6, 12. 18, clouacas CIL. 1, 1178 u. a. können 
natürlich ou = eu enthalten), sondern nach § 8 aus eu hervorgegangen, 
z. B. douco für "^deuco, lotis für ^ieuos u. s. w. ^) Dieses ou wurde gewöhnlich 
in ^7 umgewandelt, düco lüs; so auch aus ev {ov) hervorgegangenes un- 
betontes cu (oii) in ü, z. B. denuo aus *druetio *denoi/o. Vgl. § 14 B 4. 
Neben ü erscheint auch ö, so röh'igo, losna Houc-snaGllj. 1, 55, Pö6?/ca/ Schneider 
107, poublkom CIL. 1 185 popUcod 196 neben gewöhnlichem i>w6/icw5, 2) noun- 
dinum ib. 196 nondinum 197 gew. nundinum Grdf. *neu7idinom. In mütarc 
geht ü nicht unmittelbar auf eu zurück (St. wcu-)^ mötum vgl. umbr. conto- 
hota ist zu mövi neugebildet. 3) Übrigens ist ein Grund dieser verschiedenen 
Umgestaltung von eu ou nicht ersichtlich (vielleicht ursprünglich ü = eu, 
ö = OH?), In pt\o)houm CIL. 1, 16 vivous 1418 mögen wohl Schreibfehler 
vorliegen, nach anderen Gelehrten soll ou einen kurzen Mittellaut bezeichnen. 

Kontraktion der Vokale.*) 
36. 1. Zwei gleiche Vokale vereinigen sich zur Länge, z. B. Ulf rinn 
aus lavatrina Pomp. 53 Ribb. II, Lachmann zu Lucr. 6, 199, Phrafes 
(Mon. Ancyr. 5, 54; 6, 1) neben Phraafes; vemens prendere nemo aus 
ve(h)ewens, pre(h)endere *ne(h)emo; pontes res tres aus *2)onteie^ *rcics 
^freies; dest Verg. Aen. 10, 378 derU ib. 7, 262, derasse (Lucret.), reapsc 
CoRSSEN 2, 847 und wohl auch nescH (= ne-escit) Leg. XII tab. rel. V, 5 
(Scholl c. nee escit}; conestat (= cohonestaf) Acc. 445 Ribb. I., cors aus 
co(h)ors (inschr. häufig auch cJiors); 2irorsus aus pro(v)orsus; copia c(h 
pertus coram proles aus *co-opia *C0'0pcr(ufi *co-oram *pro-oles, cop- 
tamiis CIL. 1, 532, gew. rekomponiert coopto; nil himus aus ni(h)il 
''hUhjimus, aber 7ni wahrscheinlich = skr. nie;^) ingeni iiblcen aus ingenii 
*tihiicen (letzteres fraglich), nhlf ahhnns u. s. w. (Arch. f. lat. Lex 4. 469), 
peilt Verg. Aen. 9, 9, provincls Mon. Ancyr. 2, 37 und oft im Dat.-Abl. 
Plur. auf -Ȁ, ebenso im Gen. sing, auf -w, z. B. congiari (aber ohne Kon- 
sequenz, Res gestao divi Aug. it. ed. Th. Mommsen, S. 191), ferner vgl. 
passum für ^>«s.s'm/(;;/, inschr. mortus f. mortuus, tüs (Lohnwort) gr. O^vog 
aus *tuu8 mit Anschluss an die Flexion von ins rus^ pOs gr. nvo^. ac 

*) Anderes bei Ohtiioff, Z. G. d. V. 259, 1 Übrigctut vicDoichfc zu titutuut ^Orig, vgl. 

M. V. 4, V*H. \ Fkiht, (inindz. d. got. Kt. 74, wosolbtt irr- 

') Zur Krklürung der VokaMifforrnz iHt tüinlichor Wojho iiuntnre auH I*. Mkykk, 

violloirht dio Animlimo von Wiiaiitun, Ata- Vrrgl. (irainiii.M, (»2t) aIm alUatoiniacho Kurni 



drmy IHHi;, S. 1H7 f. dionlirli, <ljmH popUctui 
zu populuH umbr. povlom grliöro, aber />«• 
hlnuH zu ninbr. jmpaikr (mV. I^ijuliitf. Vgl. 
dir Nft( IttrüK«'. 

') Ohtiiofk, Z. (}. d. r. Oi;i. WIM/»- bat 
ncbintonigo 'rief»tuf»', wie ntrutun u. a. , *) SiiwkixekSiulkii, Pbil. Wo. I 



angeführt ist 

«) Vgl. Ober den Befriff der Contr. 
BRuaMA!«iiftl7:CoiuiiiRi«LG28r.; L Miyui< 
1. :>21l f.: KOiiKBR. Ut.iir. §28 f.; Sciiwkixrm- 
SiPLKR, ({ramm.' ft :U -d.'t. 



27G 



B. Lateinische Grammatik, b) Lateinische Lautlehre. 



und e gelten als gleichwertig, daher z. B. inschr. praesse (die Formen bei 
Kühner, Lat. Gr. 1, S. 90), pracnsus Plaut. Asin. 569. 

2. Bei dem Zusammentreffen zweier ungleichartiger Vokale gelten 
verschiedene Gesetze. Die Vokalverbindungen eä eö iä (-iä z. B. im Nom. 
Akk. Plur. der neutralen -^o-Stämme) «Vi uä ue ac (z. B. aeneus) bleiben 
lautgesetzlich bestehen, iriginta ist nicht für urspr. Hriäginta (vgl. gr. tqiü- 
xovra) nach Analogie von vi-ginti neu gebildet, sondern tn- ist die alte Form 
des Nom. Akk. d. Plur., vgl. Brugmann oben § 88,') die Formen sts stt sind 
nicht aus sics u. s. w. kontrahiert, sondern nach dem Plural simus suis unifor- 
miert. Tritt Kontraktion ein, so werden zwei ungleichartige Vokale zur Länge 
des ersten zusammengezogen, wenn der zweite kurz ist. 2) a -{- e = a, 
z. B. amare aus ^amaiere, ama aus ^amaie und wohl auch amas amat, 
Lartius aus Laertius Plaut. Bacch. 946 A. a + = ä, so malo aus mavelo 
ma{u)olo, vgl. übrigens Osthoff, Z. G. d. P. 158 f. ae -{- % = ae, z. B. 
praetor aus "^prae-itor. e ^ ä =^ e m der Zusammensetzung, daher dego 
nego aus de-ago "^ne-ago (jünger die Vokalschwächung im zweiten Gliede). 
Jüngeren Datums sind natürlich auch deamare (Terent. Heaut. IV, 6, 20, 
Afran. 357 Ribb. II), deambulo (Cato u. a.), deargento (Lucil.), deartuo 
(Plaut.), dearmo (Liv.). Dass i ^ e = t sei, nimmt man wegen audi aus 
"^audi'i-e an, das übrigens wahrscheinlicher zu audite nach dem Verhältnis 
lauda : laudate, mone : monete neu gebildet ist. Über die Vokative fili vnl 
vgl. § 80 Anm. Die Formen alis Cornelis, die ich früher mit J. Kremer Bezz. 
B 7, 60 für -ie-Stämme hielt und zum Belege der Kontraktion von -ie- zu -t- 
hier anführte, finden die richtigere Erklärung durch Streitberg bei Brugmann, 
Grundriss 2, S. 116 Anm. und P.-B. Br. 14, 197 ff., vgl. § 78, 3. + a =- ö, 
in den Compositis cogo cogito copula Sius'^co-ago "^co-agito "^co-apuJa (vgl. oben), 
ebenso wohl auch comhurere = co-amb-urere,^) sicher porcet = *po-arcet. 
Hingegen sind spätere Neubildungen co-acervo co-agito co-alesco (älter cö- 
lesco),"^) vgl. prohibeo {pröheat Lucr. 1, 977) cohibeo neben älterem praebeo 
(nicht selten praehibeo Plaut.) debeo aus '^prae{h)abeo '^de{h)abeo. -\- e= ö, 
cömere cömptionalis Lachmann zu Lucr.^ 134 f. prömere aus "^co-emere 

Kontraktion vor bei den 
ö: amänms amant 







co-emptionalis "^pro-emere. Ausserdeni liegt noch 
Verben auf -are, amö aus "^amaiö, also a{a?) - 
Grdfrn. ^amaiomos *ammonl sind demnach Analogiebildungen nach den übrigen 
Personen, wie docemus docent für ^doceiomos ^doceiont '^doceunt.'^) -j- a = ö 
in octöginta aus '^ocfoväginta . ei -\- t =^ t, auri:ga aus aurei-iiga (wenn nicht 
der zweite Teil des Komp. von a^- abzuleiten ist, vgl. auteax (— ^aurei^ax) 
Paul. Festi 8 M.), aureas frenos ib. 27. Bei Länge des zweiten Vokales unter- 
bleibt in der Zusammensetzung die Kontraktion, daher coäcius^ coegi (da- 
nach auch coegisti u. s. w.). coepi nach coepisU für zu erwartendes ^^eo-epi.^) 

Anmerkung. In noenum [non) numquam nullus nutiquam hat Elision des aus- 
lautenden e von ne- stattgefunden so wohl auch in sorsus Plaut. Rud. 1314, südus für 
*se-udus. Unklar ist das Verhältnis von nutiquam u. s. w. zu neuter ne-uter. Vgl. an-helo 
gr. ctyci got. ana und § 94. 

^) Nach Johansson K. Z. 30, 402 Anm. *) Osthoff a. a. 0. ; Bücheler, Rh. M. 

ist tri- Ablautsstufe zu gr. tqok-. 33, 35. 

-) ScHWEizER-SiDLER, Gramm. ^ § 32. '^) Brugmann, M. U. 1, 87. 

3) AscoLi, Due rec. lett. glott. 41 (Übers. ^) Brugmann, Gr